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Full text of "Grundriss der Versteinerungskunde"

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HARVARD  UNIVERSITY 


LIBRARY 

OF  THE 

Museum  of  Comparative  Zoology 


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GRUNDRISS 


DER 


VERSTEMERllGSRllDE, 


VOIV 


HANNS  BRUNO  GEINITZ, 

DR.  PHIL.,  LEHRER  AN  DER  KCEN.  TECHNISCHEN  BILDXJNGSANSTALT  ZU  DRESDEN,  MITGLIEDE  DER 
KAIS.  LEOPOLDINISCH- CAROLINISCHEN  AKADEMIE  DER  NATURFORSCHER,  DER  NATURFORSCH.  GES. 
DES  OSTERLANDES  ZU  ALTENBURG,  DER  SCHLESISCHEN  GES.  F.  VATERL.  CULTUR  ZU  BRESLAU,  DER 
GES.  F.  NATUR-  UND  HEILKUNDE,  DER  F.  SPEC.  BES.  VATERL.  NATURGESCHICHTE,  UND  DES  GEWERBE- 
VEREINES ZU  DRESDEN,  DES  GEWERBEVEREINES  ZU  FREIBERG,  DER  GROSSH.  SiECHS.  GES.  F.  MINE- 
RALOGIE UND  GEOGNOSIE  ZU  JENA ,  DER  PFÄLZISCHEN  GES.  F.  PHARMACIE  UND  TECHNIK  ZU  KAISERS- 
LAUTERN, DER  RUSSISCH  KAIS.  NATURFORSCH.  GES.  IN  MOSKWA.  DES  NATURWISS.  VEREINES 
IM  NEUSTÄDTER  KREISE  UND  DES  GEWERBEVEREINES  ZU  RONNEBURG. 


""mit  28  STEINDRUCKTAFELN 
UND  1  TABELLE. 


DRESDEN  UND  LEIPZIG, 
ARNOLDISGHE  BUCHHANDLUNG. 
''^  1846. 


1  j  Ii  y 


GRUNDRISS 


DER 


VERSTEINERUM8K11DE, 


VON 


HANNS  BRUNO  GEINITZ, 

OR.  PHIL.,  MIT6LIEDE  DER  KAISERLICHEN  LEOPOLDINISCH-CAROLINIStJHEN  AKADEMIR 
DER  NATURFORSCHER,  DER  RUSSISCH  KAISERLICHEN  NATÜRFORSCHENDEN  GESELL- 
SCHAFT   IN    MOSKWA,    LEHRER    DER   PHYSIK  AN  DER  KÖNIGLICHEN  TECHNISCHEN 
BILDUNGSANSTALT,   UND  DER  GESELLSCHAFT  FÜR  NATUR-  UND  HEILKUNDE,  DER 
FÜR  SPECIELLE,  BESONDERS  VATERLÄNDISCHE  NATURGESCHICHTE,  DES  GEWERBE- 
VEREINES   ZU    DRESDEN,    DER    NATURFORSCHENDEN    GES.    DES    OSTERLANDES  ZU 
ALTENBURG,  DES  NATURWISSENSCHAFTLICHEN  VEREINES  IM  NEUSTÄDTER  KREISE, 
DER  PFÄLZISCHEN  GES.   FÜR  PHARMACIE  UND  TECHNIK,  DER  GROSSHERZ. 
SACHS.  GES.  FÜR  MINERALOGIE  UND  GEOGNOSIE  ,  DER  SCHLESISCHEN 
GES.  FÜR  VATERLÄNDISCHE  CULTUR  ETC.  MITGLIEDE. 


MIT  26  STEINDRUCKTAFELN. 


DRESDEN  UND  LEIPZIG, 

m    DER   ARTV0LD1SCHR1\  Bl'CHHAlVDLriVG. 

1845. 


HERRN 

LEOPOLD  VON  BUCH, 

HERRN 

OBERBERGRATH  PROF.  D".  GERMAR, 


HERRN 

HOFRATH  PROF.  D".  REICHENBACR 

WIDMET   DIESE  BLÄTTER 


ALS  ZEICHEN  SEINER  INNIGEN  HOCHACHTUNG 
UND  VEREHRUNG 


VORWORT. 


Eine  Reihe  von  öffentlichen  Vorträgen,  weiche  in  den  er- 
sten Monaten  des  verflossenen  Jahres  vor  einem  gebildeten 
Publicum  zu  halten  mir  vergönnt  war,  und  eine  spätere 
Unterredung  mit  einem  hochverehrten  Freunde,  dem  Herrn 
Oberbergrath  Professor  Dr.  Germar,  gaben  Veranlassung 
zur  Bearbeitung  der  nachstehenden  Blätter. 

Auch  ist  es  wohl  an  der  Zeit,  wieder  einmal  von 
dem  Rechenschaft  zu  geben,  was  der  unermüdliche  Geist 
der  Naturforschung  in  dem  Reiche  der  untergegangenen 
Schöpfung  gelichtet  hat.  Wenn  man  diese  Entdeckungen 
verfolgt,  so  weifs  man  in  der  That  oft  nicht,  ob  die  grofse 
Mannichfaltigkeit  der  Natur  mehr  zu  bewundern  sei,  oder 
der  Fleifs  der  Naturforscher,  womit  der  jene  bedeckende 
Schleier  gelüftet  wurde. 

In  dem  Zwecke  dieses  Grundrisses  der  Versteinerungs- 
kunde liegt  es  nicht,  zu  sehr  in  das  Einzelne  einzugehen, 
doch  soll  darin  eine  kurze  Charakteristik  der  meisten  fos- 


VI 


VORWORT. 


silen  Gattungen  und,  so  weit  es  der  Raum  erlaubt,  der 
für  die  Gattung  typischen  und  zu  der  Erkennung  der  For- 
mationen wichtigsten  Arten  gegeben  werden.  Allgemei- 
nere Folgerungen  aber  und  eine  kurze  Geschichte  der  Pa- 
läontologie werden  in  der  Einleitung  ihren  Platz  finden. 

Bei  der  Systematik  zog  ich  aus  mehreren  Gründen 
im  Allgemeinen  den  Weg  von  dem  Vollkommeneren  zu 
dem  Unvollkommeneren  vor  und  begann  mit  dem  Menschen. 
Im  Einklänge  hiermit  hätte  in  den  meisten  Fällen  aller- 
dings auch  der  in  jüngeren  Formationen  vorkommenden 
Art  der  Vorrang  vor  der  in  älteren  Formationen  gebühren 
müssen;  wenn  ich  aber  bei  Aufführung  der  Arten,  so  wie 
auch  bei  einigen  Gattungen,  unter  anderen  denen  der  Ce- 
phalopoden,  den  umgekehrten  Weg  einschlug,  so  hoffe 
ich,  dafs  die  Methodik  diese  Inconsequenzen  einigermafsen 
entschuldigen  werde. 

Ein  ähnlicher  Vorwurf  der  Inconsequenz  trifft  mich  in 
Bezug  auf  die  Fische,  da  ich  in  dieser  Klasse  nur  die 
Stellung  der  Ordnungen,  nicht  aber  die  der  Familien  und 
Gattungen  änderte,  welche  Anordnung  ich  jedoch  dadurch 
rechtfertigen  möchte,  dafs  die  lebenden  Gattungen  einer 
Familie  nicht  immer  vollkommener  als  die  fossilen  sind, 
und  dafs  ich  das  schöne  Ganze  des  von  Agassiz  gegebenen 
Systems  nicht  muthwillig  zerreifsen  wollte. 

Indem  ich  auf  die  Ausarbeitung  dieser  Blätter  die 
ganze  Mufse  eines  Jahres  verwendete,  wurde  mein  Unter- 
nehmen durch  die  freundlichste  Unterstützung  mehrerer  Män- 
ner wesentlich  gefördert. 


VORWORT. 


VIT 


. .  Der  Herr  Oberbergrath  Professor  Dr.  Germar  eröffnete 
mir  nicht  nur  die  Schätze  des  mineralogischen  Museums  in 
Halle  und  die  seiner  werthvollen  Bibliothek,  sondern  ihm 
verdanke  ich  auch  höchst  schätzbare  Mittheilungen  über 
die  fossilen  Säugethiere  und  Insecten;  Herr  Hauptmann 
V.  Gutbier  in  Zwickau  hatte  die  Güte,  die  Zeichnungen  der 
Rhinoceroszähne  und  Hirschgeweihe  auf  Taf.  HI.  nach  der 
Natur  auszuführen;  Herr  Professor  Dr.  Burmeister  in  Halle 
war  so  freundlich,  mein  Manuscript  über  die  Gliederthiere 
zu  revidiren;  Herr  Dr.  Reufs  in  Bilin  übernahm  die  Mühe 
der  Bearbeitung  des  Textes  und  der  Zusammenstellung 
der  Zeichnungen  von  den  Polythalamien;  Herr  Professor 
Dr.  Ehrenberg  in  Berlin  opferte  seine  kostbare  Zeit  der 
Anordnung  der  Infusorientafel;  Herr  Medicinalrath  Professor 
Dr.  Choulant,  Herr  Hofrath  Professor  Dr.  Reichenbach 
und  Herr  Professor  Dr.  Günther  in  Dresden,  die  Herren 
Professoren  Dr.  Glocker  und  Dr.  Göppert  in  Breslau, 
Dr.  Cotta  und  Dr.  Reich  in  Freiberg,  Dr.  v.  Holger  und 
Herr  Hofer  in  Wien  unterstützten  mich  kräftig  durch  Mit- 
theilungen von  Versteinerungen  und  werth vollen,  zum  Theil 
sehr  kostbaren  Büchern. 

Allen  diesen  Herren  spreche  ich  hier  meinen  innigsten 
Dank  für  ihre  wohlwollende  Güte  aus. 

Wenn  solche  Männer  die  Hand  reichen,  so  ist  es 
grofse  Freude,  ein  Werk  zu  beginnen  und  zu  vollenden, 
und  sollte  es  mir  gelingen,  durch  dasselbe  der  paläonto- 
logischen Wissenschaft  einige  Dienste  zu  leisten  und  der- 
selben wieder  einige  Freunde  und  Anhänger  verschaffen 


VIII 


VORWORT. 


ZU  könneiK  so  würde  der  Zweck  dieses  Grundrisses  er- 
reicht sein. 

Schlüfslich  kann  ich  nicht  unterlassen,  die  grofse 
Genauigkeit,  mit  welcher  der  Herr  Lithograph  Afsmann 
die  oft  sehr  schwierigen  Lithographieen  zu  meiner  grofsen 
Zufriedenheit  ausgeführt  hat,  öffentlich  zu  rühmen. 

Alle  Lithographieen  sind  nach  der  Natur,  oder,  mit 
nur  sehr  wenigen  Ausnahmen,  nach  Originalahbildungen 
angefertigt  worden. 

Dresden,  am  24.  Mai  1845. 


Greinitz. 


I   ]¥   H  A   Ii  T. 


Vorwort.  Seite 

Die  Thierwelt 
der  früheren  Schöpfungen. 

A.  Vertebrata.    Wirbelthiere   1 

I.  Klasse.    Mammalia.    Säugethiere   1 

II.  Klasse.    Aves.    Vögel   58 

III.  Klasse.    Reptilia.    Amphibien   65 

IV.  Klasse.    Pisces.    Fische   113 

B.  Arthrozoa.    Gliederthiere   179 

V.  Klasse.    Insecta.    Insecten   180 

VI.  Klasse.    Arachnoidea.    Spinnenthiere.   189 

VII.  Klasse.    Crustacea,    Krebse   193 

VIII.  Klasse.    Fermes.    Würmer   249 

C.  Gastrozoa.    Myxozoa,     Bauchthiere  oder  Schleim- 

thiere.     .    ,   254 

IX.  Klasse.    Mollusca,    Weichthiere   254 

X.  Klasse.    Radiata,    Strahlthiere   522 

XI.  Klasse.    Polypi.    Korallenthiere   561 

XII.  Klasse.    Infusoria.    Infusionsthierchen   696 

Allgemeines, 
anch  als  Einleitung  geltend. 

1.  Ueber  die  Bildung  unserer  Erde   723 

2.  Ueber  die  Entstehung  der  Versteinerungen   724 

3.  Ueber  das  Vorkommen  der  Versteinerungen   729 


Seite 

4.    Ueber  die  Reihenfolge  der  neptunischen  Gebirgsformationen  und 


deren  Charakter.    (Hierzu  die  Tabelle.)   730 

5.  Ueber  die  Verbreitung  der  fossilen  Pflanzen  in  den  einzel- 

nen Formationen   761 

6.  Geschichte  der  Versteinerungskunde   764 

Abkürzungen  von  Namen  der  in  dem  Grundrisse  der  Versteinerungs- 
kunde citirten  Autoren ,  nebst  Hinvseisen  auf  ihre  Schriften.     .  773 
Index   778 


IlovrioiilT  oiü 

; ')  i  ;ii  I'j  (fi  iV/    .n  Vn"i<,V)\f/ . 
0T;id}9^»jjüB    .x>i\nmntv)\(\.    .oafjßlyl  .1 

v^i^l  .9a8ßlH';7r 

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.ri-yt^oanl    .nboattl    .oa^ßlX  . 

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>      r.  IT  Vr.     .  •  i  o    o   \  \\  T) ',  ~. 


Reilieiifol^e  der  iiicptnailsclieii  Cicbii'gs- Formationen 

in  wck'Iiou  Vci'SteiiK'i'ungon  vorküiniiicii. 


lopoclie.    Herracliaft  des  Me 


Knochen ;    sildeuropdisclio  Kmi 


[tuir,  Torf,  Inl 
heniireccie,   Knoclienliölilen,  Bolinerzgnil 


tiärgebirge. 

(Terliary-System;  Terrait 


ß.  muicrcs  31. 


Sürswasseriiiiarz  von  Vnrh  und  Fallienan  in  Uülimen  u.  s.  w. 
SüTswaaserkalk  mit  Scliicferllion  und  Polirschicfer  von  Biliii  und  Eger  ii 
Biilimcn. 

SiifswasBerkalk  von  Slcinlieim  in  Wnrlemherg,  von  Nönllingen  inJJaiern  ntn 

lies  Main?,er  niiu  Wiener  uecKens. 
Oeninffcr  Kalks  cliie Ter.    Olicre  B raiinltolilen.  ?   Radoboj  in  Croatien. 


Suliapennincnrormalion. 


Paris 


Beckens. 


I  Crolikalkformalion  des  Pariser  Beckens,  mil  dem  Gypse  des  Honima 
(lon-Tlioji). 

I  Untere  B  raunlt  olilen  formati on,  mit  Scliiefcrllion,  Braiinkolilentlion  i 
nicn,  Sachsen,  Allenburg  u.  s.  w. 

Fischreicher  Schiefer  des  Monte  Bolca  und  Lihanon. 


Itreidegebirge. 

(Crelaceous- System.  Terra 


g)  Untere 
1)  ?  Obert 
0)  Kreidci 


Ohe 


(Gm 


Feuersteinen  (Upper 


1  II.  s.  w.;  lipper  G'reeiisamI , 

Jnterer  Gninsand;  loioer  G/'c 
Hilslhon  (Specton- clcty). 


Waldformation  ()Vcal(lcii-formalioii). 


Agassi?,,  mehr  dem  Oolilhengehirge  als  dem  Kreidegehirge  an. 


In  Deutschland, 


Jurakalk 
rallinisch  od 
Mergel. 


Mille  mit  PlioladomyaMurchi^ 


An  der  Siidltüsle  Englands, 

ii)  Portlandstein  (Portlandxlone). 
g)  Portlandsand, 
f)  Kimmeridgelhon  (Kimmeriikjc 
clay). 

e.  Oxfordoolilh.  (Coralray.) 


ii)  Oxford-Thon  (0,r/i>/v/.c/flf/),  mit 

dem  1(clhtmi/-rock  und  dem  Brad- 

ford-Thon. 
c)  Cornbrash-  und  Forest-m  a  rhi  e, 

wozu  der  Kalkscliiefcr  von  S  t  o  n  e  s- 

field  gehört, 
h)  Unler-Oolilh  (Great ■  Oolife  und 

inferior  OoUlc). 


einem  vielfachen  Wechsel  von 
Tgt'I-,  Kalksfein-  und  Thonschich- 
1  hestchend.  (Lime  Regis  u.  a.  0.) 


6.  Regelniiifsig  gc= 

y.  Spongilcnlagcr. 

/J.  Wolilgoschiclitet 

a.  Impressakalke. 


;e  (Coralray). 
mite,  Kalke. 

Iiichtele  Kalkbänke. 


Ornalenlhon. 

Eisenoolithe  und  Tlione. 
.  Graublaue  mergelige  Kalke,  Neigimg 


0  Gelbe 
d)  Weif, 

)  Gyps 


4.  Wuscliclkulkgebii'ge 


niuschelknlk. 


d)  Lcttenkohlc.    (Flammendolomile,  Kalksloinbii 

c)  Hauplniuschelkalk.  Kalkstein  von  Friedrich; 
h)  Salzgcbirgo  (Gyps  oder  Anhydrit,  Thon  und 


Steinsalz,  dazwischen  sparsf 


Thonige  Sandsteine 


d}  Leltenkohle  V.Mattstedt  hei  Jena. 
/  5.  Fischreiche, oftglaiiconitische 
ScJiichten  des  Krienberges  v. 
I     Küdersdorf  hei  Berlin,  Matt- 


b)  Bunte  Gypsmergcl  ■ 


3.  Zechsieingebirge. 
(Alter  FIritzkalk; 
Magnesian  limcslone.)  Ii 


iigeln  in  Sachsen,  Liiwenherg 


c)  Mergelscbiefer 
h)  Kupferschiefer, 
a)  Weifsliegcndcs 


f  Ii 

I  i 


2.  Stcinkolilcngebirge. 


Ncio  red sanilslone  z.Th.  C.  Ro  thi  i  og  cudos  (rotlics  Todlliegciidcs;  GMs-  roiigc). 
Carbonifcroiis  System,  (  B.  Kohlcnsan ds tein,  Schiefcrihon  und  Sieinkohlenl 
.  Kohleakalkstcin  (Bergkalk;  Carboniferous-,  Mountain- 


1.  Grauwackengebirge. 

(Lower  Palaeozoic  System, 
Terrain  do  transition.) 


acke;  Devonian  System,  ald-red-santhtotie). 
vacke;  Silurtan-Syslem). 

Cambrian  System).  Arm  an  Versteinerungen, 
sko  verschieden  sind. 


DIE 


THIERWELT 


DER 


FRÜHEREN  SCHÖPFUNGEN. 


Wie  in  der  ganzen  Natur  überhaupt  die  Zahl  Drei  vorwaltet, 
so  zerfällt  auch  das  Reich  der  Thiere  in  drei  Hauptabtheilungen, 
in  die  Wir  b  elthi  er  e ,  die  Glied  er  thiere  und  die  Schleim- 
thiere.  An  der  Spitze  von  allen  Thieren  steht  der  Mensch, 
und  höchst  geistvoll  sagt  Oken  in  seiner  Naturphilosophie:  „Das 
Thierreich  ist  nur  das  zerstückelte  höchste  Thier  —  Mensch." 

A.  Vertebrata.  Wirbelthiere. 

Die  Wirbel-,  Skelett-,  Knochen-  oder  Rückgratthiere  sind  die 
vollkommensten  Thiere.  Ausgezeichnet  durch  ein  inneres  sym- 
metrisches Knochengerüste  oder  Skelett,  welches  sich  deutlich  in 
Kopf,  Rumpf  und  Gliedmafsen  trennen  lässt,  bewegen  sie  sich 
durch  äufsere  Muskeln  und  durch  ihre,  nur  einigen  Reptilien  feh- 
lenden, vier  Gliedmafsen.  Der  wesentlichste  Theil  des  Skelettes, 
an  welchen  sich  die  übrigen  Knochen  befestigen,  ist  ohne  Zwei- 
fel die  Wirbelsäule,  welche  zur  Aufnahme  und  zum  Schutze  des 
Rückenmarkes  dient.  Oben  oder  vorn  erweitert  sich  diese  zur 
Schädelhöhle,  um  das  Gehirn,  die  unmittelbare  Fortsetzung  des 
Rückenmarkes,  dort  aufzunehmen. 

!•  Klasse.  Mammalia.  Säugethiere  *). 

Es  sind  die  entwickeltsten  Wirbelthiere,  welche  durch  Lungen 
athmen  und  lebendige  Junge  gebären,  die  sie  mit  Milch  aus  ihren 
Zitzen  säugen.  Sie  haben  rothes  und  warmes  Blut.  Ihre  Bedeckung 
besteht  meistens  in  Haaren,  welche  sich  mannichfach  umbilden  kön- 
nen, wie  in  Borsten  und  Stacheln,  in  die  Hörner  des  Nashorns 


Anm.  Das  Zeichen     vor  der  Gattung  bedeutet  ausgestorbene  Gattungen. 
Bei  Bearbeitung  dieser  Klasse  habe  ich  Pictefs  träite  elementaire  de 
Paläontologie,  Geneve,  1844,  zu  Grunde  gelegt  und  bin  seiner  Anordnung  vor- 
zugsweise gefolgt. 
Geinitz,  Versteinerangkunde.  1 


2 


SaüGKTIIIERK. 


und  in  die  eigenthümlichen  hornigen  Bildungen,  zu  welchen  auch 
Nägel,  Krallen  und  Hufe  gehören. 

Der  Oberkiefer  aller  Säugethiere,  welcher  den  Mittel-  oder 
Zvvischenkiefer  einschliefst  (bei  dem  Menschen  ganz  verwachsen), 
ist  innig  mit  dem  Schädel  verbunden  und  unbeweglieh. 

Zähne  stehen  nur  in  den  Kiefern  und  sind  immer  in  Höhl- 
ungen eingekeilt. 

Wiewohl  die  Gestalt  der  Zähne  nach  der  Lebensweise  der  Thiere 
sehr  verschieden  ist  und  daher  einen  vortrefflichen  Charakter  zur  Bestimm- 
ung der  Gattung  abgiebt,  so  kann  man  an  ihnen  doch  Wurzel  und  KronC;, 
Zahnsubstanz  und  Schmelz  oder  Email  unterscheiden.  Nach  ihrer 
Stellung  und  ihrem  Zwecke  bezeichnet  man  sie  als  Schneide-  oder  V  o  r  - 
der  Zähne  im  Zwischenkieferbeine,  als  Eck-,  Spitz  ,  Reifs-  oder 
Hundszähne  und  als  Backen-,  Mahl  -  oder  Kauzähne  und  drückt  die 
jedesmalige  Anzahl,  wie  etwa  für  die  32  Zähne  des  Menschen,  .durch  fol- 
gende Formeln  aus :  Vdz.     ;  Eckz.        oder  -j- ;  Bckz.  IZl  oder 

Ihr  Hals  besteht,  mit  Ausnahme  von  einigen  Delphinen  und 
Manatis,  immer  aus  sieben  Wirbeln.  Ein  Schlüsselbein  ist  nur 
bei  den  Säugethieren  vorhanden,  deren  vordere  Gliedmafsen  zum 
Graben,  Fliegen  oder  Greifen  bestimmt  sind.  Die  Gliedmafsen 
sind  meistens  fünfzehig,  und  ein  Fufs  wird  Hand  genannt,  wenn 
die  innere  Zehe,  der  Daumen,  von  den  übrigen  Zehen  getrennt 
und  diesen  entgegengesetzt  werden  kann. 

Man  kennt  jetzt  gegen  1400  lebende  und  gegen  300  fossile. 
Arten  dieser  Klasse  '"')• 

Gehören  auch  ganze  Skelette  vorweltlicher  Säugethiere  zu 
den  Seltenheiten,  so  findet  man  doch  häufig  von  ihnen  Kiefern, 
Zähne,  Schädel,  Knochen,  Hörner  und  Hufe,  wovon  die  ersteren 
immer  die  befsten  Merkmale  zu  ihrer  Bestimmung  abgeben.  Im 
Allgemeinen  sind  zwar  die  fossilen  Knochen  mürber  als  frische 
und  kleben  daher  stark  an  der  Zunge,  indem  aus  ihnen  die  thier- 
ische Gallerte  mehr  oder  weniger  verschwunden  ist,  indessen  rich- 
tet sich  ihre  Beschaffenheit  doch  vorzugsweise  nach  den  umhüllen- 
den Gesteinen,  welche  den  zerstörenden  Atmosphärilien  und  den 
Gewässern  leichteren  oder  schwereren  Eingang  gestatten.  Das 
nordische  Eis  erhielt  Jahrtausende  lang  einen  Mammuth  mit  dem 
Fleische,  der  Haut  und  den  Haaren,  und  einem  meiner  Schüler 
ist  es  geglückt,   eine  aus  Mammuthknochen  bereitete   Gelee  so- 

*)  Nach  Lund's  neuesten  Entdeckungen  in  Brasilien,  ist  ihre  Anzahl  viel 
beträchtlicher.  {London^  Edinburgh  and  Dublin  philosophical  Magazine. 
Vol.  24.  p.  541.) 


ZWEIHANDER. 


3 


gar  in  Bezug  auf  ihre  Schmackhafligkeit  noch  prüfen  zu  kön- 
nen 

Die  ersten  Spuren  von  Säugethieren ,  welche  man  Beutelthie- 
ren  zuschreibt,  wurden  im  Schiefer  von  Stonesfield,  einer  zur 
Juraformation  gehörigen  Bildung,  entdeckt.  In  der  Formation  der 
Kreide  hat  sich  bis  jetzt  noch  keine  Spur  eines  Säugethieres  ge- 
zeigt; erst  in  tertiären  Gebilden  erscheinen  sie  wieder  und  zwar 
mit  einem,  namentlich  in  den  untersten  Schichten,  von  den  For- 
men der  jetzigen  Schöpfung  sehr  abweichenden  Charakter.  Nach 
oben  hin  nehmen  sie  nicht  nur  an  Zahl,  sondern  auch  an  Aehn- 
lichkeit  mit  den  jetzt  lebenden  Formen  immer  mehr  zu.  Es  scheint, 
dafs  in  der  Tertiärzeit  die  gröfseren  Dickhäuter  die  Oberhand  ge- 
habt haben,  denn  sie  zeigen  sich  hier  in  gröfserer  Anzahl  und 
Mannichfaltigkeit  als  in  der  jetzigen  Welt.  Die  auf  höherer  Stufe 
stehenden  Raubthiere  sind  in  Europa  wenigstens  hier  noch  unter- 
geordnet und  kommen  meistens  in  jüngeren  Bildungen  vor.  Für 
sie,  so  wie  überhaupt  für  fossile  Säugethierknochen ,  werden  das 
Diluvium,  die  südeuropäische  Knochenbreccie  und  vor  Allem  die 
Höhlen,  immer  die  reichsten  Fundgruben  bleiben. 

1.  Ordn.  JBimana.  Zweihänder. 

Der  Mensch. 

Die  Knochenhöhlen,  deren  man  in  Deutschland ^  Süd -Frank- 
reich, England  und  Schottland  sehr  viele  kennt,  ebenso  wie  die 
200  Höhlen  Brasiliens,  welche  Lund ''■■'•')  untersuchte,  bergen  aufser 
den  Ueberresten  fossiler  Thiere  nicht  selten  auch  ganze  Skelette, 
vereinzelte  Knochen  und  bisweilen  auch  Kunstproducte  von  Men- 


*)  Duflos  fand  einen  Rhinozerosknochen  von  Egeln  bestehend  aus: 
72,50  phosphorsaurem  Kalk  mit  geringer  Spur  v.  Bittererde  u.  Thonerde, 
.  8,25  Wasser,  nebst  Spuren  von  organischer  thierischer  Materie, 

8,50  schwefelsaurem  Kalk, 

6,50  kohlensaurem  Kalk, 

1,50  Kieselsäure, 

1,75  Eisenoxyd.    (Briefl.  M'itth.  des  Prof.  Germar.) 
Dr.  Schmidt  in  Jena*)  sowie  Middleton  und  Daubeny**)  wiesen  die  Existenz 
von  Fluor  fast  in  allen  fossilen  Knochen  von  Säugethieren,  Reptilien  und 
Fischen  nach. 

,**)  Edinburgh  new  philas.  Journal  by  Jameson.  1844.  p.  38.  Leonh.  Jahrb. 
an  versch.  O.  1840.  p.  120.  1841.  p.  492,  502,  606. 


')  Briefliche  Mittheilungen. 

'*)  Lond.  Ed.  üubLphil.  Mag.  1844.  Fol.  25.  p.  15,  122,  260. 


1* 


4 


SÄÜGETIIIERE. 


sehen.  Diefs  scheint  ein  klarer  Beweis  für  die  Sündfliith  zu  sein, 
über  welche  die  heilige  Schrift  uns  berichtet.  Allein  abgesehen 
davon,  dafs  diese  Fluth  eine  mehr  lokalere  gewesen  sein  mag, 
als  man  gewöhnlich  annimmt,  und  dafs  Avir  fossile  Menschen  viel 
eher  in  Asien,  der  Wiege  der  Menschheit,  als  in  anderen  Welt- 
theilen  suchen  müssen,  so  kann  auch  das  Vorkommen  von  mensch- 
lichen Resten  in  Höhlen  nicht  allein  jene  Frage,  ,,ob  der  Mensch 
nur  der  gegenwärtigen  oder  schon  einer  früheren 
Schöpfung  angehöre,'"'  entscheiden. 

Fafst  man  die  Nachrichten  in  Bezug  auf  das  Vorkommen  an- 
geblich fossiler  Menschen  zusammen  "'•') ,  so  ergiebt  sich ,  dafs  bis 
jetzt  noch  kein  Beispiel  von  einer  Auffindung  ihrer  Reste 
aus  Bildungen  bekannt  ist,  welche  älter  als  das  Dilu- 
vium wären. 

Scheuchzer's  homo  diluDÜ  testis  oder  Beingerüste  eines 
in  der  Sündfluth  untergegangenen  Menschen,  aus  dem  tertiären 
Schiefer  von  Oeningen,  ward  von  Cuvier  als  das  Skelett  eines 
grofsen  Salamanders  erkannt;  der  versteinerte  Reiter  von  Fon- 
tainebleau,  welcher  1823  in  Paris  grofses  Aufsehen  erregte,  wurde 
von  der  Pariser  Akademie  für  eine  zufällige  Sandstein -Concretion 
erklärt;  das  angebliche  Menschenbein  aus  dem  alten  Kalke  von 
Sorau  ■'••"')  ist  eine  ebenso  zufällige  Biiduijg,  und  die  häufig  einem 
früheren  gigantischen  Mehschengeschlechte  zugeschriebenen  Knochen 
stammen,  wie  sich  jedesmal  bei  genauerer  Untersuchung  ergab,  von 
Mammuthen  oder  anderen  grofsen  Landsäugethieren,  bisweilen  auch 
von  Wallfischen  her. 

Die  Auffindung  wirklicher  Menschenskelette  im  KalktulF  und 
Travertino,  welche  immer  jünger  als  Diluvium  waren,  kann  nur 
beweisen,  dafs  auch  in  gegenwärtigen  Zeiten  sich  festere  Kalk- 
gesteine noch  bilden  können,  und  das  Erscheinen  von  Menschen- 
schädeln in  dem  Torfe  von  Flandern  und  Modena  '"'■'  •)  kann  die 
obschwebende  Frage  am  allerwenigsten  erledigen. 

Das  Vorkommen  menschlicher' Ueberbleibsel  in  Höhlen  wurde 
leider  selten  mit  gehöriger  Sorgfalt  beobachtet,  und  wenn  es  ge- 
schah, so  zeigte  es  sich,  wenigstens  in  Frankreich  f),  dafs  die- 

*)  Buckland,  rcliquiae  diluvianae ;  Hermann  v.  Meyer,  Palaeologica,  1832. 
Keferstein ,  die  Naturgeschichte  des  ErdkÖrpers,  1834.  Germar,  in  schrift- 
lichen Mittheilungen.    Pictet,  traite  elem.  de  Paleontologie,  1844  u.  A. 

**)  Lausitzische.  Magazin  v.  d.  Oberlaus.  Ges.  d.  Wiss.  Bd.  13. 
Leonh.  Br.  Jahrb.  1839.  p.  124. 

-}-)  Pictety  tr.  el.  de  Pal,] 


zvveiiiXnder.  5 

seihen  nicht  mit  Thierknochen  vermengt  waren,  sondern  auf  ihnen 
lagen. 

Meistens  mochten  diese  Hohlen  Zufluchtsorte  oder  Begräbnifs- 
plätze  jener  Menschen,  deren  Skelette  wir  in  ihnen  noch  linden, 
gewesen  sein,  und  es  ist  jedenfalls  das  Wahrscheinlichste,  dafs 
derartige  Skelette  viel  später  in  dieselben  gelangten  als  die  der 
wirklichen  fossilen  Thiere.  Die  Raubthiere  mögen  früher  diese 
Höhlen  längere  Zeit  bewohnt  haben ,  was  oft  nicht  bezweifelt  wer- 
den kann,  oder  ihre  Knochen,  mit  Knochen  anderer  Thiere  und 
zugleich  mit  Gerollsteinen ,  durch  Diluvialfluthen  erst  in  dieselben 
geführt  worden  sein.  Ebenso  hatten  auch  die  Menschenknochen, 
welche,  mit  Knochen  vorweltlicher  und  jetztweltlicher  Thiere  zu- 
sammen, in  Lehmausfüllungen  von  Spalten  bei  Köstritz  im  Reufs- 
ischen  aufgefunden  wurden,  bestimmt  erst  späteren  Einfluthungen 
diese  Nachbarschaft  zu  danken. 

Alle  andere  Auflindungen  von  Knochen,  welche  die  Existenz 
der  Fraeadamlten  beweisen  sollten  und  welche  in  verschiedenem 
Lichte  schon  gründlich  beleuchtet  worden  sind,  liefsen  das,  was 
man  beweisen  wollte,  immer  noch  unentschieden,  und  ebenso  wenig 
können  die  auch  von  Koch  in  dem  bunten  Sandsteine  Amerikas 
und  in  dem  Kalksteine  ''"*)  an  dem  Ufer  des  Missisippi  im  Staate 


*)  Nach  Mittheiliiiigeii  von  Mrs.  Koch  setzen  die  Eingeborenen  Ame- 
rikas ihre  entseelten  Verwandten  häufig  in  Höhlen  oder  Gräben  bei. 

**)  Einem  Briefe  des  Herrn  Dr.  Koch  entnehme  ich  hier  folgende  Worte: 
„St.  Louis,  den  lö.Dec.  1844.  Die  Fufseindrücke  in  Felsen  bei  Sulphur-Springs 
in  Jefferson-County  sind  nicht  künstlich  gemacht,  sondern  wirkliche  Fufs- 
eindrücke mehrerer  verschiedener  lebender  Geschöpfe.  Die  gröfsten  und 
tiefsten  sind  von  der  Länge  und  Gestalt  derer  eines  grofsen  Mannes,  welche 
von  einem  unbekannten  Wasserthiere  herrühren  mögen.  Andere  gehören  einer 
grofsen  Reiher  Art  an  und  sind  den  im  bunten  Sandsteine  des  östlichen 
Amerikas  vorkommenden  ganz  ähnlich.  Kleinere  Fufstapfen  endlich,  welche 
theilweise  in  die  der  gröfsesten  getreten  waren,  zeigten  mit  Fufseindrücken 
eines  Menschen  von  13  und  von  ^4  Jahren  eine  so  täuschende  Aehnlichkeit, 
dafs  die  drei  hiesigen  testen  Aerzte  nicht  zu  sagen  wagten,  dafs  dieselben 
nicht  menschliche  Fufseindrücke  seien. 

In  der  Entfernung  von  20  Schritten  etwa  sah  ich  ähnliche  Eindrücke 
des  grÖfseren  Geschöpfes  noch  einmal,  und  ungefähr  7  engl.  Meilen  von  hier 
entfernt  oder  1  engl.  Meile  von  Herculanum  glückte  es  mir,  2  Eindrücke 
eines  vierzehigen  Thieres  zu  bemerken.  Letztere  mögen  jenem  Thiere  an- 
gehören, von  welchem  ich  dicht  bei  ihnen  und  in  demselbeu  Gesteine,  wel- 
ches nicht  Bergkalk  ist  (wie  Silliman  meint,  Amcric.  Journ.  of  Science  1842), 
sondern  vielmehr  der  oberen  silurischen  Formation  (?)  angehört,  einen  volU 
ständigen  fmmerus  auffand." 


6 


SAUGETHIERE. 


Missouri,  beobachteten  Fufstapfen,  wenn  sie  auch  wirklich  von 
Menschen  herrühren  sollten,  etwas  über  das  gröfsere  Alter  unseres 
Geschlechtes  entscheiden.  Kalkige  Gesteine,  wie  diefs  der  Pläner- 
mergel  von  Sachsen  selbst  zeigt,  ebenso  sandige  Bildungen,  kön- 
nen, wenn  sie  thonhaltig  sind,  durch  längere  Berührung  mit  Was- 
ser sö  erweicht  werden,  dafs  sie  leicht  Eindrücke  in  sich  auf- 
nehmen. 

Blan  stellt  endlich  auch  noch  einen  anderen  Grund  für  das 
Vorkommen  antediluvialer  Menschen  auf:  „Wie  ist  es  möglich,'' 
hörte  ich  oft  sagen,  ,,dafs  die  Welt  so  lange  ohne  den  Men- 
schen, für  welchen  sie  allein  nur  geschaffen  wurde,  bestanden 
haben  soll?" 

Bezeugen  aber  solche  Worte  nur  menschliche  Eitelkeit,  wel- 
che dem  Thiere  gern  alle  geistige  Thätigkeit  absprechen  möchte, 
um  sich  desto  höher  zu  stellen,  so  läfst  sich  dagegen,  auf  die  Er- 
fahrung gegründet,  mit  noch  viel  gröfserem  Rechte  antworten,  dafs 
es  Gesetz  der  Natur  sei,  nach  gröfserer  Vollkommenheit 
zu  streben.  Diefs  sehen  wir  nicht  nur  im  Individuum,  sondern 
auch  in  der  Entwickelung  ganzer  Familien  und  Klassen,  ja  des 
ganzen  Thierreiches.  Jede  Weltschöpfungsepoche  hat  ihre  nur  in 
ihr  vorwaltenden  Typen,  welche  in  späteren  Epochen  durch  andere 
von  noch  gröfserer  Vollkommenheit  wieder  verdrängt  wurden.  Soll 
nun  unsere  jetzige  Schöpfung  die  einzige  Ausnahme  von  dieser, 
Regel  sein,  und  ist  es  daher  nicht  viel  wahrscheinlicher,  dafs  der 
Mensch  erst  bei  dem  jüngsten  Akte  der  Schöpfung,  als  das  voll- 
kommenste Geschöpf  unseres  Planeten,  gleichsam  als  Krone  des 
Ganzen,  die  Erde  betrat? 

9.  Ordn.  ^uadrumana.  Vierhänder. 

Die  erste  Spur  eines  fossilen  Affen  war  ein  1837  in  den 
tertiären  Bildungen  der  Siwalik  -  Berge ,  am  Fufse  des  Himalaya, 
durch  Backer  und  Durang  entdecktes  Bruchstück  eines  Oberkie- 
fers'•).  Dieser  hatte  einige  Aehnlichkeit  mit  dem  des  Schlank- 
affen, Semnopithecus ^  Cuvier,  liefs  jedoch  auf  eine  Gröfse  dieser 
Affenart  von  der  des  Orangutangs  schliefsen.  Bald  darauf  fanden 
Cautley  und  Falconer  in  jenen  Gegenden  auch  ein  fossiles  Affen- 
Sprungbein  auf,  welches  in  Gröfse  und  Form  dem  des  Semno- 
pithecus  Entellus  glich. 


*)  Wagner,  in  Wiegmanan's  Archiv  f.  Naturgeschichte.  5.  Jahrg.  1.  Bd. 
p.  171. 


vierhander. 


7 


Fast  zu  gleicher  Zeit  wies  Lartet  in  tertiären  Schichten  bei 
Auch,  im  Dep.  du  Gers,  Bruchstücke  von  Vierhändern  nach,  unter 
welchen  eine  Kinnlade  einen,  dem  noch  lebenden  Siamang,  Eylobales 
syndactylus ^  nahe  verwandten  fossilen  Affen  andeutete,  der  von 
Blainville  den  Namen  Pithecus  antiquus  erhielt. 

In  den  gelehrten  Anzeigen  der  k.  baierschen  Akademie  der 
Wissenschaften,  1839.  No.  38  ■^'),  beschreibt  Wagner  das  fossile 
Schädelfragment  eines  Affen,  welches  aus  den  jüngsten  tertiären 
oder  diluvialen  Ablagerungen  an  dem  Fufse  des  Pentelikon,  in 
Griechenland,  stammt.  Die  Art,  zu  der  diefs  Fragment  gehörte, 
scheint  in  der  Mitte  zwischen  Hylobates  und  Semnopithecus  ge- 
standen zu  haben,  wefshalb  sie  von  Wagner  t  Mesopithecus 
penteliciis  genannt  wurde.  Dieser  Affe  besafs  ^  höckerige  Backen- 
zähne, T  grofse  Eckzähne  und  f  Schneidezähne,  wie  es  allen 
AfFen  der  alten  Welt  zukommt.  Dem  Gibbon  oder  Hylobates 
näherte  er  sich  durch  die  kurze  Schnauze,  eine  sehr  breite  Na- 
senöffnung  und  den  starken  Vorsprung  der  unteren  Augenhöhlen- 
wand über  den  Kiefertheil,  dem  Semnopithecus  Maurus  und  prui- 
nosus  aber  durch  die  Gestalt  seiner  Zähne. 

Von  einer  anderen  Art,  welche  Owen  zur  Gattung  Macacus 
bringt,  wurden  Backenzähne  in  dem  Londonthone  von  Kyson,  in 
Suffolk,  gefunden  ''"^'). 

Auch  Affen  der  neuen  Welt,  oder  Breitnasen,  wel- 
che nur  in  Amerika  leben  und  sich  von  denen  der  alten  Welt 
schon  durch  einen  Backenzahn  mehr  auf  jeder  Seite  der  Kiefern 
leicht  unterscheiden,  wurden  durch  Lund  in  den  Höhlen  Brasiliens 
entdeckt. 

Sie  werden  durch  mehrere  Arien  repräsentirt,  wovon  eine, 
i  Protopithecus  Brasiliensis^  von  4'  Höhe,  einer  neuen  fossi- 
len Gattung  angehört, 

Callithrix  primaevus  mehr  als  doppelt  so  grofs  als  ihre  heu- 
tigen Geschlechtsverwandten,  die  Sapajou's,  war '^•')?  und 

Cebus  macrognathus  dem  lebenden  Winsel-  oder  Rollschwanz- 
affen  nahe  verwandt  war. 

Die  dritte  Familie  der  Quadrumanen,  die  Krallenaffen  oder 
Uistitis,  mit  f  Bck.,  wird  durch  die  ausgestorbene  Art  Jacchus 
grandis^  Lund,  aus  den  Höhlen  von  Brasilien,  welche  die  dop- 


*)  Wagner,  in  Wlegmann^s  Archiv  f.  Naturg.  5.  Jahrg.  1.  Bd.  p.  171. 
♦*)  Pictet,  Pal.  p.  130. 

Leonh.  Br.  Jahrb.  1840.  p.  125. 


8 


SAUGETHIEBE. 


pelte  Gröfse  der  lebenden  Arten  übertraf  *),  und  J.  penicillato 
affinis  vertreten. 

3.  Ordn.  €Mroptera.  Handflüg^ler. 

Ihre  langen  vorderen  Gliedmafsen  sind  mit  den  Hintergliedern 
durch  eine  Flughaut  verbunden,  über  welche  nur  die  Krallen  der 
Zehen  hervorragen.  Den  Vordergliedern,  welche  sich  durch  die 
sehr  langen  Finger  auszeichnen,  fehlen  öfters  die  Krallen,  dem 
Daumen  jedoch  nie.  Ihr  Gebifs  ist  verschieden,  doch  haben  sie 
meistens  alle  drei  Arten  von  Zähnen.  Es  sind  meist  nächtliche 
Thiere  mit  kleinen  Augen,  grofsen  Ohren,  mit  Brustzitzen  und  gro- 
fsen  Ohrmuscheln.    Einige  haben  starke  Schlüsselbeine. 

Seit  sich  ergeben  hat,  dafs  die  Fterodaktylen  des  Solenhofer 
Schiefers  zu  den  Reptilien  gehören,  sind  keine  älteren  fossilen 
Fledermäuse  bekannt  als  die  aus  tertiären  Bildungen. 

Vespertilio  Linne.  Fledermaus. 

An  den  Vordergliedern  ist  nur  der  Daumen  bekrallt.  Vdz. 
Bckz.  f. 

V.  murinus  L.,  die  in  Deutschland  so  gewöhnliche  Art,  erwähnt 
Karg  unter  den  Versteinerungen  von  Oeningen,  und  sie  scheint  wenigstens 
der  Linne'schen  Art  verwandt  gewesen  zu  sein. 

V.  Parisiensis  Cuv. ,  das  von  Cuvier  erkannte  Exemplar  einer 
Fledermaus,  aus  dem  tertiären  Gypse  des  Montmartre,  gleicht  an  Gröfse,  an 
Zahl  und  Form  seiner  Zähne  der  V.  serotinus  Daub. ''•'). 

In  den  Lehmausfüllungen  der  Spalten  im  Gypse  bei  Köstritz,  in 
Knochenhöhlen  bei  Baireuth,  Lüttich  (nach  Schmerling  zu  Rhino- 
lophus  Cuv.,  der  Hufeisennase,  gehörend),  in  Devonshire,  in  Sar- 
dinien, im  Gouvt.  Tomsk  (nach  Fischer  v.  Waldheim)  '''''''^')  und  in 
Brasilien  (nach  Lund)  t)  hat  man  Theile  von  Fledermäusen  gefun- 
den, welche  mit  jetzt  noch  lebenden  Arten  gröfse  Aehnlichkeit 
zeigen. 

Die  europäischen  gehören  meistens  zu  Vespertilio^  5  brasilianische  Ar- 
ten zu  der  in  Südamerika  noch  jetzt  verbreiteten  Gattung  Phyllostoma 
Geoffroy,  oder  den  Blattnasen,  mit  ^  Vdz.,  wozu  auch  der  Vampyr  gezählt 
wird,  und  eine  wurde  von  Lund  als  Molos sus  Cuv.  (Dysopus  III.)  bestimmt. 


*)  Leonh.  Br.  Jahrb.  1840.  p.  741. 
♦*)  Leonh.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  854. 

de  Blamville  im  L.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  854. 
J-)  L.  Br.  Jahrb.  1840.  p.  125;  1841.  p.  495. 


HANDFLLGLER.  FLEISGHFRESSER. 


9 


Reste  von  Fledermäusen  wurden  von  Owen  ''■)  in  dem  Roth  -  Crag 
von  Suffolk  mit  denen  von  Quadrumanen  und  Beutelthieren  zugleich  erkannt, 
und  H.  V.  Meyer  •^'"0  findet  in  2  Knochen  aus  dem  tertiären  Becken  von  Mainz 
grofse  Aehnlichkeit  mit  dem  Daumengliede  einer  Fledermaus. 

4.  Ordn»  Carnivora.  Fleiischfreisiser. 

Ihre  Zehen  sind  bekrallt,  ihre  Backenzähne  nach  ihrer  Nahr- 
ung verschieden. 

A,  Insectivora.  Insektenfresser. 

Es  sind  kleine,  meistens  unterirdische  Thiere,  deren  Vorder- 
glieder zum  Graben  bestimmt  und  defshalb  mit  einem  Schlüssel- 
beine versehen  sind.  Da  sie  von  Insekten  und  Würmern  leben, 
so  sind  ihre  Eckzähne  nur  klein  und  die  Backenzähne  mit  vielen 
spitzen  Höckern  bedeckt.  Die  Schnauze  ist  gewöhnlich  rüssel- 
artig verlängert. 

Ihre  Existenz  beginnt  erst  mit  den  mittleren  Schichten  der 
Tertiärformation. 

1.  G.  Erinaceus  L.  Igel.  Herisson, 
Vrdz.  f,  die  mittleren  länger;  Eckz.  klein;  Bckz. 
E.  arDernensis  Blainv.,  aus  einem  Süfswasserkalke,  und 
E.  soricino'ides  Blainv.,  aus  den  Schichten  von  Sansans  bei  Auch, 

mit  1  Vrdz.  mehr  als  der  gewöhnliche  Igel,  gehören  beide  den  mittleren 

tertiären  Bildungen  an 

E.  fossilis  Schmerling,  aus  den  Knochenhöhlen  bei  Lüttich,  war 

dem  gemeinen  Igel,  E.  europaeus^  sehr  ähnlich  t). 

2.  G.  Centetes  Iiiiger.   Tanreck.  Borstenigel.  Tenrec. 
Vrdz.  f;  Eckz.  i;  Bckz.  |-. 

C.  antiquus  BL,  aus  dem  mittleren  tertiären  Süfswasserkalke  der 
Auvergne,  ist  nach  einem  halben  Kiefer  bestimmt,  dessen  Zahnbildung  von 
der  des  auf  Madagaskar  noch  lebenden  Tanrecks  nur  durch  das  Vorhanden- 
sein eines  siebenten  Backzahns  abweicht  ff). 

3.  G.  Sorex  L.  Spitzmaus.  Musaraigne. 
Vdz.  %;  Bckz. 

Ein  Kiefer  aus  tertiären  Bildungen  von  Sansans  bei  Auch  zeigt  grofse 

*)  L.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  372,  629. 
♦*)  L.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  389. 

Pictet,  Pal.  p.  141. 
f)  Keferstein,  Ntg.  d.  E.  p.  208. 
-}"{-)  Pictet,  Pal.  p.  142. 


10 


SÄUGETHIBRE. 


Aehnlichkeit  mit  der  gemeinen  S.,  S.  araneus,  Reste  von  Spitzmäusen  aus 
der  Knochenbreccie  Sardiniens,  aus  den  Höhlen  von  St.Macaire  und  bei  Lüt- 
tich und  aus  den  Spaltausfüllungen  bei  Köstritz,  stimmen  gleichfalls  mit 
lebenden  Arten  fast  überein  ). 

4.  G.  Mygale  Cuv.  Rüsselmaus,  Desmau. 

Vdz.  i;  Bckz.  V*.    Füfse  mit  Schwimmhäuten. 
Ein  Oberarmknochen  von  Sansans  hat  nach  Pictet  grofse  Aehnlichkeit 
mit  dem  der  an  den  Pyrenäen  noch  lebenden  Bisamratte. 

5.  G.  Talpa  L.  Maulwurf.  Taupe. 

Vdz.  ^;  grofse  Eckz. ;  J  Bckz.;  Vorderpfoten,  deren  Zehen 
etwas  verwachsen  sind,  mit  5  Krallen. 

Pictet  führt  3  Arten  aus  tertiären  Bildungen  der  Auvergne  und  von 
Sansans  an,  worunter  T.  antiqua  und  T.  minuta  Bl.  nach  Oberarmknochen 
bestimmt  sind.  Reste  von  Maulwürfen  in  den  Spaltausfüllungen  von  Köstritz 
und  den  Höhlen  von  Frankreich  und  Belgien,  lassen  sich  nicht  von  denen 
des  gemeinen  M.,  T.  europaea,  unterscheiden  und  mögen  später  dorthin  ge- 
kommen sein. 

B.  Ferae,  Raubthiere.  Eigentliche  Fleischfresser. 

Es  sind  die  gröfsten  und  gefährlichsten  Räuber  der  Thier- 
welt, wie  sich  diefs  schon  in  ihrem  Gebifs  zeigt.  Starke  und 
gekrümmte  Eckzähne  ragen  weit  über  die  6  Vorderzähne  jedes  Kie- 
fers hervor.  Ihre  Backenzähne  sind  schneidend  oder  mit  stumpfen 
Höckern  versehen. 

Die  den  Eckzähhen  zunächst  stehenden  sind  spitz  oder  zusammenge- 
drückt, und  heifsen  f  als  c  h  6  Backenzähne  oder  Lückenzähne,  weil 
sie  mehreren  fehlen,  auf  diese  folgt  der  grofse,  mit  mehreren  Spitzen  und 
meist  mit  einem  Höckeransatze  versehene  Fleisch-  oder  Reifs  zahn. 
Die  letzten  1  —  2  höckerigen  Backzähne,  welche  zum  Kauen  dienen,  heifsen 
Mahlzähne. 

Vereinzelt  finden  sie  sich  zuerst  in  tertiären  Gebilden,  wäh- 
rend das  Diluvium  und  die  Höhlen  an  ihnen  so  reich  sind.  Auf- 
fallend ist  es,  dafs  sie,  nach  Dr.  Koch's  Mittheilungen,  in  den 
Knochen  führenden  Schichten  Nordamerikas  gänzlich  zu  mangeln 
scheinen. 

a.  Sohlengäng^er. 

Sie  treten  mit  ihrem  ganzen  Fufse  auf.  Ihre  Füfse  haben 
5  Zehen  und  Krallen. 


♦)  H.  V.  Meyer,  Pal.  p.  126. 


FLEISCHFRESSER. 


11 


1.  G.  Ursus  L.  Bär.  Ours.  (Taf.  IV.  Fig.  1.  2.  3.) 

Die  starke  Entwickelung  der  zahlreichen  Höcker  auf  den  hin- 
teren Backenzähnen  zeigt  (Fig.  2.),  dafs  diese  Thiere  auch  gern 
vegetabilische  Nahrung  zu  sich  nehmen.  Es  sind  im  Allgemeinen 
sehr  plumpe  Thiere,  deren  Gliedmafsen  kürzer  und  breiter  gebaut 
sind  als  bei  anderen  Raubthieren.  Ihr  Kopf  verlängert  sich  in 
eine  stumpfe,  vorragende  Schnauze.  Backenzähne  findet  man  bei 
ihnen  f  bis  f,  da  die  Lückenzähne  leicht  ausfallen.  Die  Eck- 
zähne haben  hinten  eine  Längskante,  sind  ohne  Furchen,  und  ihre 
Wurzel  ist  viel  länger  und  stärker  als  die  Krone,  die  aus  dem 
Kiefer  hervorragt. 

U,  spelaeus  Blumenbach.  Höhlenbär.  Espece  ä  front  bombe 
Cuv.  —  H.  v.  Meyer,  Pal.  p.  45.  —  Taf.  IV.  f.  1  nach  Br.  Leih.  tb.  45.  f.  1; 
und  Taf.  IV.  f.  2,  3  nach  Jäger,  foss.  Säugeth.  Würtemb.,  1839.  tb.  12. 
f.  2,  3,  4,  20. 

Der  Schädel  des  Höhlenbär's  wird  16''  —  18''  lang,  mithin  etwa  um 
länger  als  der  des  braunen  und  schwarzen  Bär's,  und  zeichnet  sich  be- 
sonders durch  das  plötzliche  Abfallen  der  Stirn  nach  der  Nasenwurzel  herab 
aus.  Im  Ganzen  war  diese  Art  etwas  schlanker  und  gröfser,  als  unsere 
jetzigen  Bären  es  sind. 

Zwar  kommen  Reste  davon  auch  ausnahmsweise  im  tertiären  Kalke  bei 
Gmünd  vor,  und  man  kennt  dieselben  aus  verschiedenen  diluvialen  Bildungen, 
indefs  findet  man  sie  nirgends  häufiger'  als  in  den  Knochenhöhlen  von 
'  Deutschland,  England  und  Frankreich.  Bronn  berichtet  in  der  Lethaea 
p.  1280,  dafs  die  Menge  der  Knochen  von  Individuen  jeden  Alters,  die  man 
in  einigen  Höhlen  beisammen  findet,  auf  viele  Hunderte  von  Individuen 
schliefsen  lassen,  welche  theils  gleichzeitig,  theils  in  aufeinander  folgenden 
Generationen  dort  gewohnt,  ihre  animalische  Beute  dort  eingetragen  haben 
und  endlich  dort  gestorben  sind;  dafs  durch  das  öftere  Ein-  und  Ausgehen 
dieser  Thiere  nicht  selten  sogar  die  engeren  Durchgangsstellen  der  Höhlen 
geglättet  wurden;  dafs  aber  einige  Höhlen  auch  unzweideutig  zeigen,  wie 
sie  durch  spätere  Einfluthungen  mit  derartigen  Knochen  sich  angefüllt  haben. 

U.  arcto'ideus  Blum.  —  Esptce  ä  front  plus  plat  Cuv.  —  H. 
V.  M.,  Pal.  p.  46.  —  Pictet,  Pal.,  p.  149. 

Von  der  Gröfse  des  Eisbären,  war  er  übrigens  dem  braunen  Bär  sehr 
ähnlich  und  unterscheidet  sich  von  dem  Höhlenbär,  dessen  Grösse  er  nicht 
erreichte,  durch  eine  weniger  gewölbte  Stirn  und  eine  gröfsere  Entfernung 
des  Eckzahnes  von  dem  ersten  Backzahn. 

Man  findet  ihn  mit  diesem  zusanmien  in  den  Höhlen,  doch  ist  er  weit 
seltener  als  jener  und  kann  schon  defshalb  nicht  als  das  weibliche  Indivi- 


12 


SAÜGETHCERE. 


(luuni  des  Höhlenbären,  wie  de  Blainviile  meint,  betrachtet  werden.  Eher 
würde  er  nur  eine  Varietät  davon  sein.  In  Knochenhöhlen  von  Franken, 
Bize,  Lunel  -  Vieil,  Salleles. 

U.  priscus  Goldfufs.  —  Espece  ä  petü  cräne  Cuv.  Seine  Stirn 
ist  vollkommen  flach,  an  Gröfse  glich  er  dem  braunen  Bär. 

Man  fand  ihn  in  der  Höhle  von  Gaylenreuth  in  Franken; 

U.  arvernensis  Croizet  et  Jobert.  —  Fielet,  Pal.  p.  151.  Von 
der  Gröfse  des  braunen  Bärs,  mit  fast  flacher  Stirn  und  einer  schmä- 
leren Schnauze  als  bei  allen  anderen  fossilen  Arten,  ist  er  im  sandi- 
gen Diluvium  am  Puy-de-Döme  aufgefunden  worden. 

Aufser  einigen  anderen  Arten,  deren  Bestimmung  noch  nicht  als 
ganz  zuverlässig  betrachtet  w  erden  kann ,  zeigt  Milne  -  Edwards  ein 
Schädelbruchstück  eines  Bären  aus  einer  Knochenbreccie  von  Oran  in 
Algerien  an,  und  Lund  den  U.  brasiliensis  aus  Höhlen  Brasiliens. 

t  2.  G.  Amphiarctos  Blainviile.  Sivalours. 

Diefs  Geschlecht,  wovon  nur  eine  Art,  A.  Simlensis^  Caut. 
u.  Falc,  von  der  Gröfse  des  Ursus  spelaeus  aus  den  Siwalik-Ber- 
gen  in  Ostindien,  bekannt  ist,  unterscheidet  sich  von  den  Bären 
nur  durch  den  Mangel  des  einen  ihrer  drei  Höckerzähne. 

3.  G.  Nasua  Storr.  Coati  Cuv.  Nasenthier. 

Bck.  f  (Lückz.  1  oder  f).    In  Süd-Amerika  lebend. 

Lund  fand  Reste  einer  Art  in  den  Höhlen  Brasiliens,  früher 
erkannte  Cuvier  ihre  Existenz  in  der  Knochenbreccie  von  Nizza 
und  die  eines  ihnen  verwandten  Thieres  im  tertiären  Gypse  von 
Montmartre. 

4.  G.  Meies  Storr.  Dachs.  Blaireau. 
Bck.  f  oder  i  (|  Lückz.). 

Die  hiervon  in  verschiedenen  Knochenhöhlen  Frankreichs  auf- 
gefundenen Ueberbleibsel  scheinen  von  dem  gemeinen  Dachse  {M. 
taxus  oder  vulgaris^  Ursus  meles  L.)  kaum  verschieden  zu  sein. 

5.  G.  Gulo  Storr.  Yielfrafs.  Glouton. 
Bckz.  t  oder  i. 

G.  spelaeus  Goldf.  —  Glouton  fossile  Cuv.  Bei  aller  Aehn- 
lichkeit  mit  dem  noch  lebenden  G.  borecdis  unterscheidet  sich  die  fossile 
Art,  nach  Germar,  durch  etwas  beträchtlichere  Gröfse,  stärker  vortre- 
tende Jochbeine  und  eine  verhältnifsmäfsig  längere  Schnauze.  Der  Un- 
lerkiefer  ist  weniger  hoch  und  das  Kinnloch  {Foramen  mentale)  steht 
etwas  weiter  nach  vorn,  zwischen  dem  2ten  und  3ten  Zahne. 


FLEISCHFRESSER. 


13 


In  den  Höhlen  von  Gaylenreuth,  von  Sundwich  bei  Iserlohn  und 
nach  Germar  im  Diluvium  von  Egeln  mit  Mammuth-  und  Rhinoceros- 
Knochen. 

G.  diaphorus  Kaup,  Karst.  Archiv.  Bd.  5.  p.  150.  tb.  2.  f. 
1,  2.  Atl.  d.  oss.  f.  Iwr.  2.  ib.  1.  f.  1,  2,  früher  G,  antediluvia- 
nus  Kaup,  aus  dem  tertiären  Kiese  von  Eppelsheim,  unterscheidet  sich 
durch  die  enorme  Gröfse  seines  letzten  Backzahnes  von  dem  leben- 
den und  dem  fossilen  Vielfrafs.  Dieser  Zahn  ist  viel  länger  als  breit, 
vorn  breiter  als  hinten;  seine  vordere  Hälfte  trägt  einen  breiten  Höcker, 
und  die  hintere  ist  einfach  gerundet.  Pictet  möchte  diese  Art  mit 
Amphicyon  vereinigen. 

Jedenfalls  aber  verbindet  sie  mit  den  folgenden  Gattungen 
die  bärenartigen  und  hundeartigen  Thiere.  Allmählig  verändert 
sich  bei  ihnen  die  Zahl  der  Höcker  auf  den  hinteren  Backenzähnen, 
während  der  Fleischzahn  an  Entwickelung  zunimmt  und  dessen 
Höckeransatz  sich  verkleinert  '^'). 

6.  G.  Yiverra  L.  Zibeththier.  Civette  Cuv. 

Ein  lang  gestreckter  Leib,  kurze  Beine,  f  Bckz.,  von  denen 
4  Lckz.,  X  Fleischz.  und  f  Höckerzähne  sind,  zeichnen  ihr  Ske- 
lett besonders  aus. 

Man  kennt  hiervon  nur  wenige  fossile  Arten  aus  der  Ter- 
tiär- und  Diluvialzeit. 

V.  (Genetta)  Parisiensis  Cuv.,  aus  dem  Gypse  von  Mont- 
martre, war  der  im  südlichen  Frankreich  noch  lebenden  Geuettkatze 
ähnlich. 

V.  antiqua  und  V.  zibetto'ides  Bl.,  aus  der  Auvergne  und 
von  Sansans,  mochten  der  asiatischen  Zibethkatze  sehr  nahe  stehen, 
allein 

V.  gigantea  Bl. ,  aus  dem  Süfswasserkalke  von  Soissonnais, 
hat  die  Gröfse  grofser  Hyänen  erreicht. 

Man  kennt  aufserdem  noch  fossile  Viverra- Reste  aus  Bengalen 
und  Neuholland.     (H.  v.  Meyer,  p.  49  u.  Pictet  p.  171.) 

t  7.  G.  Falaecyon  Blainv.  Arctocyon  Blainv.  (^nalaiog ,  alt; 

y,v(x)v  j  Hund.) 

Als  P,  primaevus  Bl. ,  (Pictet,  Pal.  pag.  156.  PI.  4.  f.  1.), 
bezeichnet  Blainville  einen  Kopf  aus  einer  alten  tertiären  Schicht  von 
La  Fere.  Durch  seine  niedergedrückte  Form  nähert  er  sich  den  Phoken 
und  Fischottern.     Die  Schnauze  ist  kurz   und  etwas  abgestutzt.  Im 


*)  Pictet,  Pal.  p.  154. 


14 


SXÜGETHIBRE. 


Oberkiefer  stehen  3  Lückenzähne,  1  sehr  starker  Fleischzahn  und  3 
grofse,  höckerig-e  Mahlzähne. 

t  8.  G.  Agnotherium  Kaiip.  (uyvwg,  unbekannt;  wildes 

Thier.) 

A.  antiquum  Kaup,  Atlas  des  Ossements  foss,  Uvr.  2,  Ib.  l.  f.  3,  4. 
Hiernach  ein  Eckzahn  und  Backzahn  Taf.  II.  Fig.  8,  9.  Tertiär  von 
Eppelsheim. 

Sie  treten  nur  mit  den  Zehen  auf. 

Die  hier  folgenden  hundeartigen  Thiere  haben  einen  Kopf  mit 
vortretender  Schnauze.  Ihre  schneidenden  Backenzähne,  die  sehr 
kleinen  Höckeransätze  an  den  Fleischzähnen  und  ^  grofse  höcker- 
ige Mahlzähne  zeigen ,  dafs  sie  sowohl  thierische  als  vegetabil- 
ische Nahrung  zu  sich  nehmen. 

9.  G.  Catiis  L.  Hund.  Fuchs.  Wolf. 

Bckz.  f  (Lückz.  f).  Vorderfüfse  mit  5,  Hinterfüfse  mit  4 
Zehen.  Die  fossilen  Arten  erscheinen  mit  dem  Anfange  der  ter- 
tiären Epoche  und  gehen  bis  in  die  jetzige  Schöpfung. 

C,  viverroides  Bl.  (Pictet  p.  161),  mit  den  zwei  höckerigen  Mahl- 
zähnen der  Hunde  und  einem  spitzen,  wenig  zusammengedrückten  Fleisch- 
zahne der  Zibetthiere ,  zu  denen  es  von  Cuvier  auch  gestellt  wurde,  scheint 
einen  Uebergang  zwischen  beiden  Gattungen  herzustellen. 

Im  tertiären  Gypse  von  Montmartre. 

C.  Parisiensis  Cuv.  (Pictet  p.  161),  eine  dem  Polarfuchse  (C 
lagopus  L.)  sehr  verwandte  Art,  gehört  dem  Gypse  von  Mont- 
martre an. 

C,  spelaeus  Goldf.  Höhlenwolf.  —  Loup  ou  chien  fossile  Cuv., 
H.  Y.  Meyer,  Pal.  p.  49.  —  Keferst.  II.  p.  195.  —  Taf.  IV.  f.  5. 
der  fünfte  untere  linke  Backenzahn.  Er  ist  von  dem  lebenden  Wolfe 
wohl  kaum  zu  unterscheiden. 

Man  kennt  ihn  aus  dem  Lehme  von  Cannstadt,  den  Knochenhöh- 
len von  Franken,  England,  Frankreich  und  der  Knochenbreccie  von 
Sardinien. 

C.  spelaeus  minor  Wagner.  Höhlenfuchs.  —  v.  Meyer,  Pal. 
p.  49.  —  Keferst.  II.  p.  195. 

Reste  von  Füchsen,  welche  dem  gemeinen  C.  vulpes  L.  wahr- 
scheinlich zuerkannt  werden  müssen,  fand  man  in  dem  tertiären 
Schiefer  von  Oeningen  und  in  mehreren  Knochenhöhlen  von  Deutsch- 
land, England  und  Frankreich. 


FLEISCHFRESSER. 


15 


C.  familiaris  fossilis  v.  Meyer,  Pal.  p.  49.  Kefersl.  II.  p.  194. 

Auch  der  Haushund  ist  aus  den  Knochenhöhlen  von  Deutschland, 
Belgien  und  Frankreich  und  aus  der  Knochenbreccie  bekannt. 

Aus  den  mittleren  tertiären  Bildungen  am  Rheine,  aus  den  ober- 
sten tertiären  Schichten  der  Auvergne  wurden  von  Kaup,von  Croizet 
und  Jobert  und  aus  den  Höhlen  Brasiliens  durch  Lund  noch  einige, 
Füchsen  und  Wölfen  ähnliche  Arten  entdeckt. 

t  10.  G.  Speothos  Lund.  (anlog ^  Höhle;  ^kiVy  laufen.) 

Von  den  Hunden  nur  durch  den  Mangel  des  einen  höckerigen 
Backzahns  und  durch  eine  etwas  w^eniger  verlängerte  Schnauze 
unterschieden.  Lund  fand  S.  pacwora  in  Höhlen  Brasiliens  mit 
zahlreichen  Knochen  der  Pakas  zusammen. 

11.  G.  Amphicyon  Lartet.  {u/nql^  ringsum;  xvtov,  Hund.) 

Es  war,  nach  Pictet,  ein  grofser  Fleischfresser,  welcher  sich 
durch  die  Zahnbildung  den  Hunden  sehr  näherte.  Bckz.  f  (Lückz. 
f,T  Flschz.  mit  schwachem  Höckeransatze,  f  Mahlz.).  Nur  der 
letzte  Mahlzahn  hat  durch  seine  Kleinheit  Aehnlichkeit  mit  dem 
der  bärenartigen  Thiere,  mit  welchen  diese  Thiere  auch  den  we- 
niger verlängerten  Kopf  und  den  schwerfälligen  Körperbau  ge- 
mein hatten. 

A.  major  Bl.,  womit  nach  Blainville  wahrscheinlich  Canis  gi- 
ganteus  Cuv.  (Oss.  foss.  4e  ed.  VII,  481  nach  Pictet)  zusammenfällt, 
stammt  von  Sansans  bei  Auch. 

A.  minor,  Bl.,  ebendaher,  nur  ^  gröfser  als  der  Dachs. 

12.  G.  Hyaenodon  Layser.  {Eyaena;  odcbv,  Zahn.) 

Im  Unterkiefer  stehen  3  höckerige  Backzähne,  von  denen  der 
letzte  der  gröfste  ist  und  durch  seine  schneidige  Form  sehr  an 
den  Fleischzahn  der  Hyänen  erinnert.  Eine  solche  Form  an  dem 
letzten  Zahne  kommt  in  der  jetzigen  Schöpfung  nicht  mehr  vor. 
Uebrigens  sind  y  Bckz.  (|  Mahlz.,  i  Flschz.,  |Lckz.),  j-  Eckz. 
und  f  Schdz.  vorhanden. 

H.  leptorhyncus  Layser,  Compt.  rend.  VII.  p.  1004,  ist  nach 
einem  Unterkiefer  aus  den  tertiären  Gebilden  der  Auvergne  und  H, 
brachyrkynchus  Blainv.,  Compt.  rend  X.  134,  nach  einem  ganzen  Kopfe, 
der  an  der  Tarn  gefunden  worden  war,  bestimmt. 

Mit  dieser  Gattung  vereinigt  Pomel  die  Gallungen  Taxothe- 
rium  und  Pterodon  de  Blainville  (Jahrb.  1845.  p.  124).  T.  Pari- 


16 


SÄÜGETHIERE. 


siense  stammt  aus  den  ältesten  Tertiiirgebilden  von  Paris.  (Pictet, 
tb.  4.  f.  2.) 

13.  G.  Hyaena  Brisson.  Hyäne.  Hyene. 

Bckz.  I  (i  Lckz.).    Alle  Füfse  mit  4  Zehen. 

Die  Hyänen,  welche  bekanntlich  gegenwärtig  nur  Afrika  und 
das  südliche  Asien  bewohnen,  erscheinen  in  Europa  bei  Beginn 
der  tertiären  Epoche  und  waren  in  der  Diluvialzeit  häufig  in  Deutsch- 
land, Frankreich  und  Belgien  zu  finden. 

H.  spelaea  Goldf.  —  Höhlenhyäne.  y.  Meyer,  Pal.  p.  50.  — 
Keferst.,  p.  213.  —  Pictet,  p.  180.  —  Taf.  IV.  f.  4.  a.  b. 

In  ihrer  Zahnbildung  den  noch  lebenden  Hyänen  sehr  ähnlich, 
übertraf  sie  dieselben  an  Gröfse. 

Sie  ist  die  gewöhnlichste  unter  den  fossilen  Arten.  Im  Diluvium 
von  Westeregeln  bei  Magdeburg,  Köstritz,  Cannstadt,  Eichstädt,  Abbe- 
ville,  Valdarno  u.  a.  0.  —  in  den  Knochenhöhlen  von  Gaylenreuth, 
Lunel-Vieil,  Pondres,  Sundwich,  Kirkdale  u.  a.  0.  und  nach  von  Meyer 
in  der  tertiären  Muschelnagelflue  des  Moliereberges. 

In  den  Höhlen  haben  sich  nicht  selten  sogar  noch  die  Excre- 
mente  von  ihr  versteinert  erhalten,  und  nach  Bronn  pflegen  da,  wo 
Hyänen -Reste  einigermafsen  zahlreich  sind,  die  von  Bären  zu  ver- 
schwinden. 

H.  Perrieri  Croiz.  et  Job.,  ausgezeichnet  durch  einen  zwei- 
lappigen Höckeransatz  an  dem  Fleischzahne,  übrigens  der  gefleckten 
Hyäne  ähnlich  und 

H.  arvernensis  Cr.  et  Job.,  welche  der  gestreiften  Hyäne 
sich  nähert,  sind  dem  tertiären  Sande  in  Puy  de  Dome  entnommen, 
und,  während  Cautley  und  Falconer  aus  den  oberen  tertiären  Gebil- 
den am  Himalaya  Hyänen  nachwiesen,  wurden  sie  durch  Lund  aus  Bra- 
siliens Höhlen  bekannt. 

14.  G.  Felis  L.  Katze,  Luchs,  Leopard,  Panther,  Tiger, 
Jaguar,  Löwe  u.  s.  w. 

Ihr  starker,  gedrungener  Körperbau,  der  sich  besonders  in 
dem  rundlichen  Kopfe  ausspricht ,  verbunden  mit  grofser  Biegsam- 
keit, macht  die  katzenartigen  Thiere  zu  den  stärksten  und  zugleich 
gewandtesten  aller  Raubthiere.  Sie  haben  auf  jeder  Seite  des  Kie- 
fers einen  Backzahn  weniger  als  die  Hyäne,  also  f  Bckz.,  von 
denen  -|  Lckz.  sind.  Nur  der  obere  der  sehr  grofsen  Fleisch- 
zähne ist  mit  einem  sehr  kleinen  Höckeransatze  versehen,  und  nur 
in   dem  Oberkiefer  steht   dahinter   noch  ein   kleiner  höckeriger 


RAUBTHIERE. 


17 


Mahlzahn,  im  Unterkiefer  fehlt  dieser  gänzlich.  5  Zehen  an  den 
Vorderfüfsen  und  4  an  den  Hinterfüfsen  zeichnen  durch  ihre  zu- 
rückziehbaren Krallen  sie  besonders  noch  aus. 

In  der  früheren  Welt  traten  sie  zuerst  in  der  mittleren  Ab- 
theilung des  Tertiärgebirges  auf,  waren  in  der  Diluvialzeit  aber 
von  einer  noch  gröfseren  Entvvickelung  als  die  der  jetzigen  Zeit. 

Aus  dem  tertiären  Sande  von  Eppelsheim  bestimmte  Kaup 
3  Arten: 

F.  aphanista  Kaup,  (Karst.  Arch.  Bd.  5.  p.  152.  tb.  2.  f. 
3  —  5;  Atl.  aux  Oss.  foss.  livr,  2.  tb.  2.  f,  1.),  glich  dem  Löwen 
und  der  F.  spelaea  am  mehrsten. 

F.  ogygia  Kaup,  (Karst.  Arch.  Bd.  5.  p.  156.  Ib.  2.  f.  6  —  8; 
Atl.  aux  Oss.  f.  livr.  2.  tb.  1  f.  6.  u.  tb.  2.  f.  3.),  war  dem  Cuguar 
(F.  concolor)  oder  dem  Gepard  (F.  jubata)  an  Gröfse  gleich. 

F.  antediluviana  Kaup,  (Karst.  Arch.  Bd.  5.-  p.  157.  tb.  2. 
f.  9  —  12;  Atl.  aux  Oss.  f.  livr.  2.  tb.  2.  f.  5.),  war  beinahe  von 
der  Gröfse  der  vorigen,  allein  von  schlankerer  Geslalt. 

Lartet  fand  2  Arten  von  Katzen  zu  Sansans. 

F.  arvernensis  Croizet  et  Jobert,  welche  die  Gestalt  des  männ- 
lichen Jaguar  hatte. 

F.  pardinensis  Cr.  et  Job.,  ähnlich  dem  Cuguar, 

F.  brevirostris  Cr.  et  Job.,  von  der  Gröfse  des  Luchses, 

F.  issidoriensis  Cr.  et  Job.,  etwas  kleiner  als  der  Leopard  und 

F.  megantereon  Bravard  (Pictet,  Pal.  p.  184),  stammen  aus 
dem  Sande  in  der  Auvergne. 

Die  letzte  Art  zeichnet  sich  dadurch  besonders  aus,  dafs  ihr 
dritter  Schneidezahn  viel  gröfser  ist,  als  bei  allen  anderen  Katzen- 
arten. Ebenso  ist  das  Kinn  mehr  verlängert  und  das  Kinnloch 
steht  weiter  unten  als  bei  anderen  Arten. 

Bravard  errichtete,  auf  diese  Charaktere  fufsend,  dafür  seine 
Gattung  Stenodon^  und  Kaup  vereinigte  diesen  ganz  ähnliche  Zähne 
zu  seiner  neuen  Gattung  Machai  rodus^  {(nd/uiQa^  Schlachtmes- 
ser; odovg,  Zahn.).  (Pictet^  Pal.  p.  185.) 

M.  cultridens  Kaup,  Atl.  aux  Oss.  foss.  livr.  2.  tb.  1.  f.  5. 
(Vgl.  H.  V.  Meyer  p.  128  über  Felis  (Ursus^  cultridens). 

F.  spelaea  Goldf.  —  Höhlenlöwe.  —  Chat  fossile  grande 
espece  Cuv.  —  H.  v.  Meyer,  Pal.  p.  52.     Keferst.  II.  p.  209. 

Der  Höhlenlöwe  war  dem  lebenden  Löwen  sehr  ähnlich,  über- 
traf ihn  jedoch  an  Gröfse  und  näherte  sich  in  seinem  Kopfbau  etwas 
dem  Panther.     Goldfufs   beschrieb  ihn   zuerst  aus   den  Muggendorfer 

Geinitz,  Vcrsteiticrun^skuudc,  2 


18 


SÄITGETHIERB. 


Höhlen;  seine  Reste  finden  sich  häufig  in  vielen  Knochenhöhlen  von 
Deutschland,  England  und  Frankreich. 

F.  antiqua  Cuv.,  der  sich  dem  Tiger  sehr  näherte,  ward  ans 
den  Höhlen  von  Gailenreuth  bekannt. 

Aus  Indien  sind  durch  Cautley  und  Falconer,  aus  den  Höhlen 
Brasiliens  durch  Lund  noch  mehrere  Arten  bekannt  gemacht  worden, 
welche  den  gröfseren,  noch  lebenden  Katzenarten  mehr  oder  weniger 
ähneln. 

t  15.  G.  Cynailiirus  Wagler,  (xvcov,  Hund;  aiXovQog^  Katze), 
mit  der  amerikanischen  Art  C.  minutiis  Lund,  schliefst  sich  an 
die  Katzen  eng  an  und  ist  nur  als  Untergattung  von  Felis  zu  be- 
trachten. Kleiner  noch  als  die  Hauskatze,  unterscheidet  sie  sich 
von  allen  anderen  Geschlechtsvervvandten  durch  den  gänzlichen 
Mangel  eines  inneren  Höckeransatzes  an  dem  oberen  Fleischzahne. 
(Pictet,  p.  187.) 

16.  G.  Mustela  L.  Marder,  Iltis,  Wiesel.   Marte,  Putois. 

Zierliche  Thiere  mit  langgestrecktem  Leibe,  kurzen  Beinen 
und  einem  Höckerzahne  hinter  jedem  Fleischzahne. 

M.  pl est  Otis  Layser,  aus  den  oberen  tertiären  Schichten  am 
Fuy-de-Döme, 

M.  genetto'ides  Blainv.,  von  Sansans,  (Pictet  p.  174)  und 
M.  martes  fossilis  (ßelette  Cuv.;  Keferst.  p.  221),  aus  den 
Muggendorfer  und  Lütticher  Höhlen,  sowie  aus  dem  Diluvium  von  Genf, 
ähneln  durch  f  Bckz.  (J  Lckz.)  den  eigentlichen  Mardern,  während 
M.  antiqua  v.  Meyer  p.  54.  (^Putois.  Cuv.;  Pict.  p.  175)  aus  den 
Höhlen  des  südlichen  Frankreichs,  besonders  von  Lunel-Vieil,  aus  denen 
von  Lüttich  und  Kirkdale  durch  f  Bckz.  (§  Lckz.)  sich  mehr  dem 
Iltis  nähert. 

17.  G.  Mephitis  Cuv.  Stinkthier.  Moufette. 
Vor  der  Auffindung  einer  Art  in  den  brasilianischen  Höhlen 
durch  Lund,  kannte  man  noch  keinen  fossilen  Repräsentanten  die- 
ser Gattung. 

18.  G.  Lutra  Ray.  Fischotter.  Loutre. 

•  Ein  dicker,  platter  Kopf  mit  f  Bckz.  (f  Lckz.),  kurze  Beine, 
deren  fünf  Zehen  durch  Schwimmhäute  verbunden  sind,  machen 
diese  Gattung  leicht  kenntlich. 

L,  antiqua  v.  Meyer,  p.  55,  aus  den  Knochenhöhlen  von  Lunel- 
Vieil,  und  den  Bohnerzgruben  von  Würtemberg  (Jäger,  foss.  Säug. 
Würt.  tb.  3.  f.  25,  26),  scheint  etwas  stärker  als  die  gemeine  Fisch- 
otter gewesen  zu  sein. 


ROBBEN.      BEUTEL  THIERE. 


19 


L.  clermontensis  führt  Fielet  p.   176  aus  der  Auvergne  an. 

L.  Valletoni  GeofF.  St.  Hilaire,  aus  dem  Süfswasserkalke 
von  St.  Geran  (Dep.  Allier),  diente  dem  Entdecker  zum  Typus  der 
(nach  Pictet  p.  176)  noch  nicht  hinreichend  charakterisirten 

19.  G.  Potamotherium  G.  St.  Hil.  (norainbg,  Flufs;  d-ri^lov  wildes 

Thier.) 

C.  Pinnipedia*    Schwimmfüfser,  Robben. 

Ihr  ganzer  Bau  ist  vorzugsweise  zum  Schwimmen  bestimmt, 
wefshalb  ihre  hinteren  Beine  einander  genähert  und  nach  hinten  ge- 
richtet und  die  Zehen  aller  vier  Fiifse  durch  Schwimmhäute  ver- 
bunden sind.  Sie  haben  alle  drei  Arten  von  Zähnen  und  sind, 
ihrer  Zahnbildung  nach,  ächte  Fleischfresser. 

Die  wenigen  fossilen,  noch  nicht  genauer  bestimmten  Arten, 
welche  man  bisher  von  ihnen  gefunden  hat,  beschränken  sich  auf 
die  beiden  Geschlechter  Phoca  L.,  Robbe,  Phoque^  und  Tri- 
chechus  L.,  Wallrofs,  Morse. 

t 

5.  Ordn.  JfKarsupialia.  Beuteltliiere* 

Zwei  platte  Knochen,  zur  Stütze  eines  häutigen  Beutels  oder 
zweier  Hautfalten  an  dem  Ende  des  Bauches,  welche  die  Saug- 
warzen des  Weibchens  umgeben,  sind  für  sie  charakteristisch. 

Bestätiget  sich  die  jetzt  allgemeine  Annahme,  dafs  die  in 
dem  Schiefer  von  Stonesfield  aufgefundenen  Unterkiefer  Beutelthie- 
ren  angehören,  womit  sie  auch  nach  Owen's  neuesten  Untersuch- 
•ungen  am  meisten  übereinstimmen,  so  lebten  Thiere  dieser  Ord- 
nung schon  zur  Zeit  der  Jura -Epoche,  und  sie  sind  die  ältesten 
Repräsentanten  der  Säugethiere.  Nach  Agassiz  aber  erinnern  diese 
Reste  ebenso  gut  auch  an  Wassersäugethiere.  (Br.  Leth.  p.  543.) 

a.  Fleischfressende  Beuteltliiere. 
1.  Gatt.  Didelphys  L.  Beutelratte.  Sarique. 

Eine  amerikanische  Gattung,  mit  V  Vdz. ,  grofsen  Eckz.  und 
y  spitzhöckerigen  Bckz.;  welche  schon  in  den  ältesten  Zeiten  der 
Tertiärbildungen  in  Europa  gelebt  hat,  wie  die  aus  dem  Gypse  des 
Montmartre  bekannte  Art 

D.  Cuvieri,  (v.  Mey.  p.  56),  welche  der  in  Brasilien  leben- 
den D,  murina  am  mehrsten  gleicht,  und  eine  von  Owen  beschriebene 
Art  von  Suffolk  es  herausstellen. 

Die  Existenz  dieser  Thiere  in  Brasilien,  welche  Lund  in  mehreren 
fossilen  Arten  aus  dem  Diluvium  und  den  Höhlen  nachwies,  ist  weniger 
auffallend. 

2'' 


20  SXüGETIIIERE. 

t  2.  G.  Phascolotherium  Broderip.  ((fdoxcoXogf  Mantelsack; 
d-riQinv,  wildes  Thier.) 

Unterkiefer  mit  3  Lckz.  und  4  wahren  Bckz. 
Ph.  Bucklandi  Brod.  —  Didelphys  aus  dem  Oolith  von  Stones- 
field.     Buckl.  Geol.  PI.  2.  Fig.  A.     Hiernach  Taf.  III.  f.  13. 

t  3.  G.   Thylacotherium  Owen.   Heterotherium  oder  Am- 
phitherium  Blainv.  (d^vXaxog,  Beutel;  d^rj^lov ,  wildes  Thier.) 

Unterkiefer  mit  6  entfernten  Schneidezähnen,  1  mittelgrofsen 
Eckzahn,  6  Lückenzähnen  und  6  dreizackigen  Backenzähnen. 

T.  Prevostii  Cuv.  Didelphys  (?)  Prevostii  v.  Meyer  p.  55.  — 
Fielet,  Pal.  17.  f.  1,  2. 

T.  Broderipii  Owen.  —  Pictet,  Pal.  17.  f.  3. 

Alle  drei  stammen  aus  dem  Schiefer  von  Stonesfield. 

Von  den  beiden  in  Neu -Holland  noch  lebenden  Gattungen, 
Dasyurus  GeolFr.  und  Thylacinus  Temm.,  kennt  man  Reste 
in  den  Knochenbreccien  und  in  den  Höhlen  jenes  Welttheiles. 
(Pictet,  p.  331.) 

b.  Fruchtfressende  Beuteltliiere. 

Die  zugleich  auch  fossilen  Gattungen  Halmattirus  III.  (Ma- 
er  opus  Shaw.,  Känguruh),  Hypsiprytnnus  HL,  das  Hacken- 
thier oder  die  Känguruh-Ratte  und  Phascolomys  GeofTr.,  der  Wom- 
bat,  als  einziger  Repräsentant  der  wurzelfressenden  Beute  1- 
thiere,  scheinen  auch  früher  ihr  jetziges  Vaterland  nur  inne  ge- 
habt zu  haben,  denn  von  ihnen  finden  sich  fossile  Reste  nur  in 
den  Knochenhöhlen  und  der  Knochenbreccie  Australiens. 

6.  Ordn.  Giires.  ]¥a§;etliiere.  JRongeurs. 

Mit  ihren  beiden  langen,  meifselförmigen  Vorderzähnen  in 
jedem  Kiefer,  welche  auf  ihrer  äufseren  Seite  mit  Schmelz  bedeckt 
sind  und  von  der  hohlen  Wurzel  aus  nachwachsen,  benagen  und 
zerfeilen  sie  die  oft  harte  vegetabilische  Kost,  welche  sie  zu  sich 
nehmen.  Zu  diesem  Zwecke  kommt  ihnen  die  eigenthümliche  Be- 
wegung des  Unterkiefers  von  hinten  nach  vorn  zu  Statten.  Da 
die  Eckzähne  fehlen,  so  ist  zwischen  Vorderzähnen  und  Backen- 
zähnen eine  grofse  Zahnlücke.  Aufserdem  befördern  noch  quer- 
stehende Falten  und  Höcker  auf  der  Oberfläche  der  Backenzähne 
die  Zerkleinerung  der  Nahrung.   Füfse  meist  fünfzehig  und  bekrallt. 

Sie  waren  in  der  Vorweif  seltener  als  in  der  jetzigen  an- 
zutreffen. 


NAGElillEKE. 


21 


1.  G.  Sciurus  L.  Eichhörnchen.  Ecureuil. 

Mit  f  Bckz.  und  spitzen,  zusammengedrückten  Schneidezäh- 
nen. Die  im  Gypse  von  Montmartre,  in  Spalten  bei  Köstritz  und 
in  einigen  Höhlen  aufgefundenen  Knochen  von  Eichhörnchen  lassen 
noch  keine  nähere  Bestimmung  zu. 

2.  G.  Spermophilus  Cuv.  Ziesel. 
Mit  y  Backenzähnen. 

S.  sup  er  ciliar  is  KauT^^  welche  von  Fielet  zu  ylrc^om^s,  dem  Mur- 
melthiere,  gerechnet  wird,  aus  dem  Sande  von  Eppelsheim,  ist  die  ein- 
zige fossile  Art. 

3.  G.  Myoxus  Schb.  Siebenschläfer.  Haselmaus.  Loir. 

Mit  t-  Bckz.;  Vorderfüfse  wie  hei  den  Eichhörnchen,  mit  4 

Zehen  und  einem  Daumenstummel. 

Man  kennt  2  fossile  Arten  aus  dem  Gyps  des  Montmartre,  eine  dritte, 
M.  primig enius  v.  Meyer  (p.  61),  Arctomys  primigenius  Raup, 

aus  dem   Sande  von  Eppelsheim,  und  ßl.   spelaeus   fand  Fischer  in 

Rufsland. 

4.  G.  Dipus  Gmel.  Gerbillus  Desm.  Merioiies  lllig.  Spring- 
hase. Springmaus.  Schenkelmaus.  Gerboise. 

Diese  jetzt  meistens  in  Afrika  und  Asien  vorherrschende  Gatt- 
ung wiefs  Jäger  in  den  Bohnerzgruben  von  Würtemberg  und  Fi- 
scher in  Rufsland  nach. 

5.  G.  Lagostomus  brasiliensis  Lund. 

Aus  den  Knochenhöhlen  Brasiliens,  am  mehrsten  der  in  den 
Ebenen  von  Buenos-Ayres  häufigen  Viscacha  gleichend. 

t  6.  G.  Megamys  d'Orb.  (/m'yag,  grofs;  f.ivg,  Maus.) 

Mit  einer  tertiären  Art  aus  Palagonien,  welche  nur  auf  eine 
tibia  und  eine  rotula  gegründet  ist.  (Fielet,  p.  194.) 

Einige  andere,  zum  Theil  in  Amerika  noch  lebende  Gattungen, 
welche  in  ihrer  Form  den  Ratten  gleichen,  J  Bckz.  haben  und 
sich  durch  die  spitze  Verlängerung  der  hinteren  Ecke  des  Unter- 
kiefers auszeichnen,  lebten  in  Europa  während  der  Terliärzeit. 
V.  Meyer  und  Fielet  führen  von  ihnen  auf: 

t  7.  G.  Archaeomys  Layser  (aQ/^aTog^  alt;  itivc^  Maus.) 
mit  1  Art  aus  Süfswassergebilden  der  Auvergne; 


22 


SAÜÜETHIERE. 


8.  G.  Aulacodon  Temm.  («vlag,  Furche;  oScbv,  Zahn.) 

wovon  Luiid  eine  Art  aus  Brasiliens  Hohlen  als  Nelomys  sulcidens 
bezeichnete; 

9.  G.  Nelomys  Jourdan  (v7]Xt7jg,  grausam;  fivg^  Maus.) 
mit  einer  Art  aus  Brasiliens  Höhlen; 

10.  G.  Loncheres  Iiiig.  (ßcUmys  Geoffr.)  Stachelratte, 

aus  Brasiliens  Höhlen  und  aus  tertiären  Süfswasserschichten  der 
Auvergne  und 

t  11.  G.  Lonchophorus  Lund, 

eine  der  vorigen  verwandte  Gattung,  mit  einer  Art,  aus  den  Höh- 
len Brasiliens. 

12.  G.  Mus  L.  Maus.  Ratte.  Rat. 

Sowohl  in  den  Knochenhöhlen  als  in  den  Knochenbreccien 
Europas,  Brasiliens  und  selbst  in  Indien  werden  Theile  von  Ske- 
letten gefunden,  welche  denen  noch  lebender  Ratten  und  Mäuse 
sehr  ähnlich  sind.  Eine  Art  aus  dem  Schiefer  von  Oeningen  soll 
der  Hausmaus  gleichen. 

13.  G.  Cricetus  Fall.  Hamster. 

Eine  tertiäre  Art  aus  dem  Sande  von  Eppelsheim  nennt  Kaup 
C.  vulgaris  fossilis. 

14.  G.  Hypudaeus  III.  Arvicola  Lacep.  Lemnus  Link.  Wqs- 
sermaus.  Feldmaus.  Lemming.  Campagnol. 

Früher,  wie  jetzt  noch,  ebenso  häufig  als  die  Mäuse,  werden 
mehrere  Arten  von  ihnen  in  den  Knochenhöhten  von  Deutschland, 
England,  Frankreich  und  Belgien,  so  wie  in  der  Knochenbreccie 
von  Nizza,  Corsica  und  Sardinien  gefunden. 

t  15.  G.  Omegadon  Pomel. 

Nach  der  Form  der  Schmelzfalten  in  den  Backenzähnen  so 
genannt.    Tertiär  im  Puy-de-Döme. 

16.  G.  Castor  L.  Biber.  Trogonterium  Fischer. 

Die  Schwimmhäute  an  ihren  Hinterfüfsen  zeigen,  ,  dafs  diese 
Thiere  zum  Leben  am  Wasser  bestimmt  sind.  Schwanz  nieder- 
gedrückt und  mit  Schuppen  bedeckt.    Bckz.  |. 

Die  Biber  erschienen  zuerst  mit  dem  Ende  der  tertiären  Epoche, 
und  die  ältesten  Arten  scheinen  aus  der  Molasse  der  Schweiz,  aus 


NAGETHIERE. 


23 


den  sandigen  Schichten  im  Puy-de-Dome  und  aus  dem  Crag  von 
Essex  zu  sein.  (v.  Mey.  p.  57.)  Exemplare  aus  Torfmooren,  die 
man  hier  und  da  fand,  scheinen  von  noch  lebenden  Bibern  wenig 
verschieden  zu  sein. 

C.  spelaeus  nennt  Münster  eine  Art  aus  der  Gailenreuther  Höhle, 
C.  Cumeri  und  C.  Werneri^  woraus  Fischer  seine  Gattung  Trogontke- 
rium  schuf,  kamen  aus  dem  Sande  von  Rufsland.  Caulley  fand  einen 
fossilen  Biber  auch  in  den  Siwalik- Bergen. 

17.  G.  Myopotamus  Cuv.  Bibermaus,  i^ivg,  Maus;  noiafwc^ 

Flufs.) 

Nur  durch  einen  cylindrischen  Schwanz  vom  Biber  verschie- 
den und  an  Flüssen  Süd-Amerikas  wohnend. 
1  Art  in  den  Höhlen  Brasiliens. 

t  18.  G.  Gergoveamy s  Croizet. 

Neue  Gattung  aus  dem  Puy-de-Döme. 

t  19.  G.  Steneofiber  Geoffr.  {ot tvog^  eng;  fiber^  Bibep.) 

Eine  auf  einen  tertiären  Schädel  aus  der  Auvergne  er- 
richtete Gattung,  welche  den  Bibern  verwandt  gewesen  zu  sein 
scheint.    Ebenso  standen  denselben  sehr  nahe: 

t  20.  G.  Falaeomys  Kaup,  (/rc/Ja/og,  alt;  f.ivg^  Maus.) 
t  21.  G.  Chalicomys  Kaup  (xuh'§,  Kies;  /nvg,  Maus.)  und 
t  22.  G.  Chelodus  Kaup,  früher  Aulacodon  typus  Kaup, 
(...;  dd(av,  Zahn), 

welche  Gattungen  nach  Kieferbruchstücken  aus  dem  tertiären  Sande 
von  Eppelsheim  bestimmt  wurden. 

23.  G.  Hystrix  L.  Stachelschwein.  Porc-epic. 

Bckz.  I;  Vorderfüfse  mit  4  grofsen  Grabkrallen,  Hinterfüfse 
fünfzehig.     Sie  leben  in  Erdhöhlen  der  warmen  Erdstriche. 

Von  ihnen  kennt  man  nur  aus  dem  Diluvium  des  Val  d'Afno  und 
aus  tertiären  Sehichten  am  Himalaya  fossile  Reste. 

Hieran  schliefsen  sich  nach  Bietet: 

24.  G.  Synetheres  F.  Cuv. 
mit  2  fossilen  brasilianischen  Arten  und 

t  25.  G.  Theridomys  Jourdan.  (ßi]QtSiov ,  kleines  wildes  Thier; 

[-ivg^  Maus.) 

mit  1  Art  aus  tertiärem  Süfswasserkalke  der  Auvergne. 


24 


SAUGE  rillEKE. 


26.  G.  Lepus  L.  Hase.  Kaninchen.  Lievre. 

Am  Berge  Perrier  gefundene  Knochen  zeigen,  dafs  die  Ha- 
sen in  der  letzten  Zeit  der  Tertiärepoche  erschienen.  Zur  Dilu- 
vialzeit waren  sie  häufiger,  und  man  unterscheidet: 

L.  diluvianus  Cuv.,  welcher  dem  gemeinen  Hasen  sehr  nahe 
stand,   aus  den   Knochenhöhlen  von  Kirkdale,  Sundvvich  u.  a.  0., 

L.  priscus^  dem  fossilen  Kaninchen  aus  der  Knochenbreccie 
in  Corsica,  bei  Nizza,  Cette  und  Westeregeln  bei  Magdeburg  (Keferst. 
p.  215),  und  eine  dritte  der  vorigen  ähnliche  Art  ans  den  Höhlen 
von  Lüttich  und  Lunel-Vieil. 

Die  Höhlen  Brasiliens  bergen  einen  dem  dort  noch  lebenden 
L.  Brasiliensis  ähnlichen  Hasen. 

27.  G.  Lagomys  Cuv.  Pfeifhase.  Hasenmaus.  (Xayog^  Hase; 

{.ivq,  Maus.) 

Wie  die  Hasen,  mit  denen  sie  auch  zugleich  vorkommen,  mit 
%  gefurchten  Vorderz.  u.  f  Bckz. 

•Die  ältesten  Reste  scheinen  die  aus  dem  Oeninger  Schiefer 
und  am  Puy-de-Döme  zu  sein.  L.  corsicanus  Bourdet,  aus  der 
Knochenbreccie  von  Corsica  und  L.  Sardus  Wagner,  aus  der 
von  Sardinien  zeigen,  dafs  diese  jetzt  nur  in  Sibirien  lebenden 
Thiere  früher  über  ganz  Europa  verbreitet  waren. 

t  28.  G.  Titanomys  H.  v.  M.  (L.  Br.  J.  1843.  p.  390.) 

Mit  einer  tertiären  Art  von  Weifsenau  bei  Mainz. 
29.  G.  CaviaL.  AnoemaFr.  Cuv.  Meerschweinchen.  Cohaye, 

Vorderfüfse  mit  4,  Hinterfüfse  mit  3  Zehen ,  deren  Nägel 
dick  und  hufartig  sind.  Bckz.  |. 

Das  bei  uns  jetzt  einheimische  M.  stammt  bekanntlich  aus  Bra- 
silien, wo  auch  einige  fossile  Arten  durch  Lund  entdeckt  wurden. 

Anoema  Oeningensis  König,  ist  eine  noch  zweifelhafte  Art 
aus  dem  Schiefer  von  Oeningen. 

An  diese  Gattung  schliefsen  sich  durch  ihre  hufartigen  Nä- 
gel an: 

30.  G.  Kerodon  F.  Cuv.  {yJQag,  Horn;  oöwv,  Zahn.) 
mit  2  fossilen  Arten  aus  Brasilien  und  Patagonien, 

31.  G.  Dasyprocta  Hl.  (SagvnQwxjog^  hinten  dicht  behaart.) 
Chloromys  F.  Cuv.  Agouti^ 

mit  einigen  fossilen  Arten  aus  Brasiliens  Höhlen  und  einer,  nach 
Pictet  noch  zweifelhaften,  Art  vom  Puy-de-Döme, 


ZAHNLOSE. 


25 


32.  G.  Coelogenys  F.  Cuv.  Paka,  Backenthier,  (xotXoc> 
hohl;  ylvvQj  Kinn.) 

nur  in  Brasilien,  sowohl  lehend  als  fossil  und 

33.  G.  Hydroc  hoeriis  Briss.  Wasserschwein,  Cabiai^ 
(yöcoQ ,  Wasser;  xoiQog,  Ferkel.) 

wovon  eine  Art  an  den  Flüssen  Amerikas  lebt  und  2  Arten  durch 
Lund  in  Brasilien  entdeckt  wurden. 

6.  Ordn.  Edentata.  Zahnlose. 

Bruta  L.  Fischer. 

Die  UnvoUkomraenheit  ihrer  Zähne,  welche  häufig  auch  fehlen 
oder  die  Wurzeln  und  das  Schmelz  entbehren  (die  Vorderzähne 
im  Unterkiefer  fehlen  immer),  grofse  klauenartige,  abwärtsgebeugte 
Krallen,  welche  meistens  in  einer  Scheide  stecken,  und  die  Lang- 
samkeit ihrer  Bewegungen  stellen  diese  Thiere  niedriger  als  die 
der  vorigen  Ordnungen. 

Sie  leben  vorzugsweise  von  Blättern,  einige  von  Insecten 
oder  von  beiden  zugleich  und  bewohnen  in  der  jetzigen  Well  nur 
tropische  Gegenden,  besonders  Süd-Amerika.  Fossile  Arten  zeigen 
ihre  Existenz  während  der  Tertiär-  und  Diluvial -Epoche  auch  in 
Europa  an. 

lieber  die  Phyllophagen  oder  die  Blätterfressenden  verdanken 
wir  Owen,  dem  berühmten  englischen  Anatom,  in  neuester  Zeit 
eine  Monographie  ■■^),  aus  welcher  abermals  hervorgeht,  wie  die 
in  der  jetzigen  Schöpfung  zwischen  vereinzelten  Formen  bestehen- 
den Lücken  durch  Gestalten  der  Vorwelt  ausgefüllt  werden. 

Sie  zeichnen  sich  durch  das  Vorhandensein  weniger  Zähne 
aus,  welche  aus  einer  gefäfsreichen  und  einer  cämentartigen  har- 
ten Zahnsubstanz  bestehen,  wovon  die  erstere  den  breiten,  mitt- 
leren Theil  des  Zahnes  einnimmt.  Ein  Fortsatz  des  Jochbeines 
steigt  gegen  den  Unterkiefer  herab.  Schulterhöhe  und  Raben- 
schnabelfortsatz  sind  mit  einander  verwachsen. 

Die  erste  Familie,  welche  die  Faul  thiere  oder  die  Tar- 
digrada  umfafst,  hat  keinen  Repräsentanten  in  der  früheren  Well. 


*)  Description  of  the  Skeleton  of  on  extinct  gigantic  Sloth,  Mylodon 
robustus  Owen,  by  Richard  Owen.  London,  1842.  und:  Zoological  Summary 
of  the  Extinct  and  Living  Animals  of  the  Order  Edentata,  by  Prof.  Owen 
in  Jameson^s  Edinburgh  new  philos.  Journ.  1843.  p.  353. 


26 


sXüGETHIERE. 


Dagegen  war  eine  andere  Familie,  von  ihrem  schwerfälligen 
Gange  Gravigrada  genannt,  welche  durch  ihre  Charaktere  die 
Faulthiere  und  die  noch  lebenden  Edentaten  mit  längerem  Kopfe 
verbindet,  in  gigantischen  Gestalten  sehr  entwickelt.  Ihre  Beine  sind 
kurz  und  stark,  gleich  oder  fast  gleich;  Hände  fünf-  oder  vier- 
zehig,  Füfse  vier-  oder  dreizehig;  1  —  2  abgestutzte  äufsere  Zehen 
zum  Unterstützen  und  zum  Schreiten,  die  übrigen  gekrümmten  zum 
Greifen  bestimmt.  Jochbogen  geschlossen,  Schlüsselbeine  voll- 
kommen, Schwanz  mittelgrofs,  dick  und  zum  Unterstützen  bestimmt. 

t  1.  G.  Megalonyx  Jefferson.  (/.ifyug,  grofs;  ow'^,  Klaue.) 

I'fast  elliptische,  in  der  Mitte  der  Krone  ausgehöhlte  Backen- 
zähne mit  vorstehenden  Rändern.  Die  Vorderbeine  sind  die  länge- 
ren. Tibia  und  fibula  sind  von  einander  getrennt;  die  Ferse  ist 
lang,  zusammengedrückt  und  hoch,  und  die  Krallen  sind  grofs 
und  zusammengedrückt. 

M.  Jeffersoni  Cuv.  (Megatherium  Jeffersoni  Desm.,  Fisch.)  ist 
die  einzige  sicher  bestimmte  Art,  deren  Gröfse  etwa  die  eines  grofsen 
Ochsen  erreicht  haben  mochte  und  demnach  die  des  gröfsten  jetzt 
lebenden  Edentalen  um  das  Dreifache  übertraf.  Es  gehört  dem  Dilu- 
vium oder  noch  jüngeren  Gebilden  von  Nord-  und  Südamerika  an.  Die 
ersten  Knochen  davon  wurden  1796  o'  tief  im  Boden  einer  Höhle  der 
Grafschaft  Green  Briar  in  West-Virginien  aufgefunden.  Döüinger  wiefs 
es  zuerst  in  Südamerika  nach,  Spix  und  Martius,  sowie  Lund  fanden 
Reste  von  dieser  oder  einer  neuen  Art  in  den  Knochenhöhlen  Brasiliens. 

t  2.  G.  Megatherium  Cuv.  (j.ilyag,  grofs;  d^r^^iov,  wildes  Thier.) 

Mit  |t  an  einander  stofsenden,  viereckigen  Bckz.,  deren  Krone 
queergefurcht  ist;  Hände  vierzehig,  Füfse  dreizehig;  die  beiden 
äufseren  Zehen  sind  abgestutzt.  Von  den  grofsen,  verschieden  ge- 
stalteten Krallen  sind  die  mittelsten  Zehen  zusammengedrückt  und 
die  gröfsten.  Oberschenkel  mit  ungetheiltem  Kopfstück,  tibia  und 
ßbula  an  beiden  Enden  zusammenhängend;  astragalus  oben  an 
seiner  vorderen  Seite  ausgehöhlt;  die  Ferse  ist  lang  und  dick. 

M.  Cu viert  Desm.  —  Bradypus  giganteus  Pander  und  <P Alton. — 
Riesenfaulthier.  —  Parkitison,  Organ,  rem.  P.  3.  P?.  22.  1.  — 
Buckl.  Geol.  and  Min.  PL  5.  —  Dr.  Leth.,  Tb.  44.  f.  4.  —  Pictet,  Pal. 
PL  5. 

Hiervon  findet  sich  ein  vollständiges  Skelett  in  dem  Museum  von 
Madrid,  welches  1789  3  Meilen  südwestiieh  von  Buenos -Ayres  entdeckt 
wurde.     Ein   zweites  wurde   1795  in  Lima,   ein   drittes   in  Paraguay 


ZAHNLOSE. 


27 


und  verschiedene  unvollständige  spüler  an  verschiedenen  Orten  Ameri- 
kas aufgefunden,  welche  v^ohl  alle  ein  gröfseres  Alter  als  die  der 
vorigen  Gattung  haben.  Alle  Zähne  des  Megatherium  sind  verhält- 
nifsmäfsig  breiter  als  die  von  Megalonyx^  Mijlodon  und  ScelidoUierium. 

Das  Madrider  Skelett  hat  eine  Länge  von  12'  und  übertrifft  eine 
Höhe  von  6'.  Nach  Owen  erreicht  das  Megatherium  die  Länge  von 
18  engl.  Fufs,  vom  Kopf  bis  zum  Ende  des  Schwanzes,  die  Biegung 
des  Rückens  mit  gemessen.  Mit  Megatherium-^GSi^n  wurden  öfters 
auch  Theile  eines  knochigen  Panzers  gefunden,  welche  man  lange  für 
die  Bedeckung  der  Megatherien  gehalten  hat,  nach  den  Ansichten  von 
Owen  und  Pictet  würden  dieselben  aber  eher  von  Glyptodon  herrühren. 
Sellow  brachte  solche  Panzer-Fragmente  aus  der  Banda-oriental  in  Bra- 
silien nach  Berlin,  wo  sie  noch  jetzt  unter  den  Schätzen  des  dor- 
tigen Musei  aufbewahrt  werden.  Sie  wurden  in  den  Abhandlungen 
der  Berliner  Akademie  1827,  1828  und  1834  von  Weifs  und  d'Alton 
beschrieben  und  abgebildet. 

t  3.  G.  Mylodon  Owen.  {Orycterotherium  Harlan.)  (invXfjy 
Mühle;  0(5 wv,  Zahn.)  Taf.  I.  M.  rohustus  Owen. 

Von  |-  getrennten  Backenzähnen  ist  der  vorderste  des  Ober- 
kiefers fast  elliptisch  und  von  den  übrigen  mäfsig  entfernt;  die 
übrigen  dreieckigen  sind  auf  der  inneren  Seite  gefurcht.  Der 
vordere  Zahn  des  Unterkiefers  ist  gleichfalls  elliptisch,  der  vor- 
letzte viereckig  und  der  letzte,  welcher  der  gröfste  ist,  zwei- 
lappig. Die  Beine  haben  gleiche  Länge,  die  Hände  sind  fünfzehig, 
die  Füfse  vierzehig,  an  beiden  der  zwei  äufseren  Zehen  abgestutzt, 
und  die  übrigen  bekrallt.  Die  Krallen  sind  grofs,  ungleich  und 
halbkegelförmig.  Das  obere  Ende  des  Schenkels  zeigt  einen  Ein- 
druck von  einem  runden  Bande;  tibia  und  fibula  sind  getrennt; 
der  astragalus  ist  oben  auf  der  vorderen  Seite  flach  und  die  Ferse 
lang  und  dick.  Owen  unterscheidet  in  seinem  Prachtwerke  über 
das  Mylodon  robustus  drei  Arten: 

M.  Darwiniz  Ow.,  von  Darwin  in  Patagonien, 

M.  Harlani  Ow.,  (ßlegalonyx  laqueatus  Harlan^  Oryctolherium 
Missouriense  Harlan)  von  Koch  in  Benton- County  in  Nordamerika  ent- 
deckt und  später  von  Parkinson  aus  dem  Oregon -Staate  beschrieben  und 

31.  robustus  Owen,  worüber  der  englische  Anatom  das  oben 
angezeigte  vortreffliche  Werk  schrieb.  Es  unterscheidet  sich  von 
M.  Darwinii  durch  ein  kürzeres  Kinn  und  dadurch,  dafs  der  letzte 
Zahn  dreifurchig  ist,  von  M.  Harlani  aber  dadurch,  dafs  die  mittlere 
dieser  Furchen  gerundet  und  der  2te  Backzahn  fast  dreiseitig  ist. 


28 


SAUGBTIHERE. 


Das  auf  Tafel  I.  abgebildete  Skelett  mifst  von  dem  vorderen 
Ende  des  Kopfes  bis  zu  dem  Ende  des  Schwanzes,  wenn  man  den  Krümm- 
ungen der  Wirbelsäule  folgt,  11  engl.  (10,32  Par.)  Fufs.  Der  Kopf 
des  Mylodon  ist  länger  aber  schmäler  als  der  eines  Ochsen,  und  endet 
in  eine  abgestumpfte  Schnauze.  Der  Rumpf  ist  kürzer  als  der  eines 
Flufspferdes,  und  das  Becken  gleicht  an  Breite  dem  eines  Elephanten, 
welches  es  an  Tiefe  sogar  noch  übertrifft.  Dieses  ruht  auf  starken 
aber  kurzen  Hintergliedern,  die  mit  rechtwinkelig  dagegen  stehen- 
den Füfsen  enden,  welche  die  Länge  des  Oberschenkels  erreichen. 
Man  sieht,  wie  dieselben  vorzugsweise  zum  Unterstützen  des  ganzen  Thie- 
res  bestimmt  waren,  wozu  auch  zugleich  der  lange  kräftige  Schwanz 
mit  beitrug,  während  das  Thier  mit  dem  vorderen  Körper  sich  an 
den  Bäumen  emporrichtend,  dieselben  entblätterte.  Zu  diesem  Zwecke 
mochten  die  Vorderfüfse  ihm  theils  als  Stütze,  theils  zum  Herablangen 
eines  frischen,  mit  üppigen  Blättern  bedeckten  Zweiges  gedient  haben. 
Jedenfalls  ist  aber  die  frühere  Ansicht ,  nach  welcher  das  Mylodon  ein 
kletterndes  Thier  gewesen  sein  soll,  durch  Owen  gründlich  widerlegt 
worden. 

t  4.  G.  Scelidotherium  Owen.  Piatony x  Lund.  (oxtkig, 
Schinkenbein;  d^riQiov,  vt^ildes  Thier.) 

Bckz.  J,  die  oberen  dreieckig;  von  den  unteren  ist  der  vor- 
dere dreieckig,  der  zweite  und  dritte  etwas  zusammengedrückt, 
auf  seiner  äufseren  Seite  gefurcht,  und  der  letzte  sehr  grofs  und 
zweilappig.  Der  Kopf  des  Oberschenkels  zeigt  den  Eindruck  eines 
stielrunden  Bandes;  tihia  und  fihula  sind  getrennt;  astragalus 
vorn  mit  2  Aushöhlungen;  Ferse  lang  und  dick,  Krallen  grofs 
und  halbkegelförmig. 

S.  leptocephalum  Ow.,  welches  grofse  Thier  in  Südamerika  lebte; 

S.  Bucklandi  (Megatherium  B.)  Lund,  von  der  Gröfse  des 
Megalonyx^  wurde  wie  die  folgenden  in  den  Höhlen  Brasiliens  entdeckt. 

S.  Cuvieri  (Meg.  C.)  Lund,  von  der  Gröfse  eines  Ochsen  und 

S.  minutum  {Meg»  m.)  Lund,  von  der  Gröfse  eines  Schweines. 

An  diese  Gattungen  schliefsen  sich  folgende  noch  nicht  ge- 
nau gekannten  Gattungen  an: 

t  5.  G.  Platyonyx  Lund;  (nXaxvg,  platt;  ovv'^y  Klaue.) 
6.  G.  Coelodon  Lund;  (xoiXo^,  hohl;  oömv,  Zahn.) 

nach  Owen  mit  §  Bckz.,  nach  Fielet  mit  ^  Bckz.,  dessen  einzige 
Art  die  Gröfse  des  Tigers  hatte,  und 


ZAHNLOSE. 


29 


7.  G.  Sphenodon  Lund.  (a(frjv^  Keil;  oddv,  Zahn.) 

Mit  J  Bckz.,  nach  einer  Art  aus  Brasilien  von  der  Gröfse 
eines  Schweines  bestimmt. 

Die  Gürtelthiere,  welche  die  dritte  Familie  bilden  und 
ihren  Namen  einem  knochigen  Panzer  von  Gürteln  verdanken,  un- 
terscheiden sich  durch  eine  gröfsere  Anzahl  von  Backenzähnen, 
eine  verlängerte  Schnauze  und  kürzere  Füfse  von  den  übrigen 
Edenlaten.  Sie  sind  jetzt  nur  auf  Südamerika  beschränkt,  hatten 
indefs  in  der  Diluvialzeit  auch  eine  viel  nördlichere  Verbreitung, 
t  8.  G.  Glyptodon  Ow.  (ylvTizög,  geschnitten;  oScov,  Zahn.) 

Ihre  f  Bckz.  nähern  sich  durch  ihre  Structur  denen  der  Ar- 
madille,  sind  aber  auf  beiden  Seiten  mit  zwei  tiefen  Längsfurchen 
versehen.  Die  massiven  Füfse  haben  kurze  und  niedergedrückte 
Klauenglieder;  durch  den  abwärtsgehenden  Theil  des  Jochbogens 
ist  es  den  megalherienartigen  Thieren  noch  sehr  verwandt. 

G.  clavipes  Owen  (Pictet,  p.  228.  tb.  8.  f.  1.),  die  einzige 
Art,  mochte  nur  \  so  grofs  sein  als  das  Megatherium  und  lebte 
in  der  Diluvialzeit  in  Nordamerika. 

Dieser  Art  werden  nach  Pictet  jene  Panzerfragmente  zuge- 
schrieben, welche  bei  MegaÜierium  p.  27  Erwähnung  fanden  und  von 
Weifs  auf  Taf.  2.  F.  4  —  6  abgebildet  worden  sind.  Diese  Pan- 
zer bestehen  aus  etwa  l^'  breiten  und  sehr  dicken,  meistens  sechs- 
seitigen Stücken,  welche  mit  breiten,  rosettenförmigen  Rändern 
an  einander  gränzen  und  auf  ihrer  unteren  (inneren)  Fläche  flach 
vertieft  sind. 

t  9.  G.  Hoplophorus  Lund.  {onlov,  Waffe;  cpoQtoj,  tragen.) 
Mit  einigen  Arten  aus  Brasilien,  etwa  von  der  Gröfse  eines 
Ochsen,  nähert  er  sich  durch  das  abwärtsgehende  Ende  des  Joch- 
bogens und  die  plumpe  Gestalt  den  Megatherien,  durch  seine  ver- 
kürzten Füfse  aber  dem  Glyptodon  und  war,  wie  diese  Gattung, 
mit  einem  ähnlichen  Panzer  bedeckt.  (Pictet,  p.  229.) 

t  10.  G.  Pachytherium  Lund.  {na^vg,  dick;  d^r^Qiov, 

wildes  Thier.) 
Ist  nur  unvollkommen  gekannt, 
t  11.  G.  Chlamydotherium  Lund,  früher  Oryctotherium 
(X^a/Avg,  ein  Reiterrock;  d-tiqiov^  wildes  Thier.) 
In  der  Bildung  der  Knochen  und  des  Panzers,  sowie  auch 
durch  das  Vorhandensein  kleiner  Schneidezähne  dem  Armadill  ähn- 


*)  Später  brauchte  Harlan  diesen  Namen  für  einen  andern  Edentaten 


30 


SXUGETHIBRE. 


lieh,  durch  die  Backenzähne  aber  an  die  Faulthiere  und  Mega- 
therien  erinnernd,  bildet  es  mit  seinen  2  brasilianischen  Arten, 
wovon  die  eine  an  Gröfse  dem  gröfsten  Rinozeros  gleicht,  einen 
Uebergang  zu  der  jetzt  noch  lebenden  Gattung: 

12.  G.  Dasypus  L.  Gürtelthier,  Armadill,  Tatu, 

von  welcher  Lund  mehrere  in  Brasilien  gefundene  fossile  Arten 
anführt,  die  den  dort  noch  lebenden  Arten  ähnlich  sind. 

Die  aus  dem  Sande  der  Auvergne  citirte  Art  und  D.  maxirms 
und  antiquus^  2  grofse  fossile  Arten  aus  Nordamerika,  gehören,  nach 
Pictet,  wohl  zu  anderen  Gattungen. 

t  13.  G.  Euryodon  Lund.  (^tvQvg   breit;  oöwv,  Zahn.)  und 

t  14.  G.  Heterodon  Lund.  (ezeQog  verschieden;  odwv^  Zahn.) 

weichen  von  Dasypus  durch  einige  Veränderung  in  der  Zahnbild- 
ung ab. 

Auch  die  Ameisenfresser  oder  Myrmecophaga  fehlten 
nicht  in  der  früheren  Welt,  und  sie  sind  nach  Pictet  die  ein- 
zigen Edentaten,  von  welchen  man  wahrscheinlich  fossile  Reste 
auch  in  Europa  fand.  Diese  bestehen  in  einem  Klauengliede  aus 
dem  tertiären  Sande  von  Eppelsheim,  welches  von  Cuvier  einem 
gigantischen  PangoUn  (Schuppenthier,  Manis  L.)  zugeschrieben 
wurde,  nach  Kaup  jedoch  vielleicht  zu  dem  Deinotherium  gehört 
und  von  Lartet  mit  einigen  bei  Sansans  im  Dep.  du  Gers  auf- 
gefundenen Ueberbleibseln  zu  der 

t  15.  G.  Macrotherium  Lartet  dnuxQog^  grofs;  d^ijQlov, 
wildes  Thier.) 

erhoben  wurde,  deren  Klauen  demnach  denen  des  Schuppenthie- 
res  glichen  und  deren  Zähne  ohne  Wurzeln  und  Email  wie  bei 
den  Faulthieren  waren.     (Pictet,  p.  233.  tb.  8.  f.  3.) 

t  16.  G.  Glossotherium  Owen.  (yXcuooa,  Zunge;  &7]Qhv, 
wildes  Thier.) 

Ist  nur  nach  dem  oberen  Theile  eines  Schädels  aufgestellt 
worden,  an  welchem  der  scharfsinnige  Anatom  Beweise  entdeckt  zu 
haben  glaubt,  dafs  die  Zunge  sehr  entwickelt  gewesen  sei.  Owen 
fand  diesen  Schädel  in  der  Banda  oriental. 


aus  dem  Missouri,  welchen  er  0.  Missouriense  nennt.  (Leonh.  Br.  Jahrb. 
1843.  p.  117.) 


DICKHÄUTER. 


31 


9.  Ordn.  IPachydermata.  Oickliänter. 

(Vielhufer  und  Einhufer.) 

Wir  sehen  diese  Ordnung  während  der  Zeit  der  tertiären 
und  diluvialen  Bildungen  in  Europa  eine  hochwichtige  Rolle  spie- 
len. An  Zahl  und  Mannichfaltigkeit  und  selbst  auch  an  Gröfse 
die  heut  noch  lebenden  Typen  bedeutend  übertreffend,  füllen  die 
untergegangenen  Geschlechter  dieser  Ordnung  fühlbare  Lücken  aus, 
welche  nicht  nur  zwischen  einzelnen  lebenden  Gattungen,  sondern 
zwischen  ganzen  Ordnungen  der  lebenden  Säugethiere  stattQnden. 

Sie  erschienen  in  Europa  gleich  mit  Beginn  der  Tertiär- 
epoche, also  früher  noch  als  die  Raubthiere,  deren  späteres  Auf- 
treten, wie  Germar  sehr  pafsend  bemerkt,  schon  das  Vorhandensein 
einer  gröfseren  Anzahl  von  Thieren  voraussetzte.  Wollte  man 
hieraus  einen  Schlufs  für  das  Alter  der  knochenfiihrenden  Bild- 
ungen Nordamerikas  ziehen,  in  welchen,  nach  Koch,  die  Raub- 
thiere gänzlich  zu  fehlen  scheinen,  so  würde  es  der  sein,  dafs 
jener  Erdtheil  erst  später  als  die  alte  Welt  von  Säugelhieren  be- 
völkert worden  sei. 

1.  Farn.  Riisselthiere. 

Ein  langer  Rüssel,  grofse  Stofszähne,  emailirle  Backenzähne 
mit  einer  breiten  Kaufläche,  und  fünf  von  einer  dicken  Haut  um- 
hüllete  Zehen  an  allen  Füfsen,  aus  welcher  nur  die  hufartigen 
Nägel  hervorragen,  sind  Charaktere,  welche  die  einzige  noch  le- 
bende Gattung  dieser  Familie,  Elephant,  mit  den  jetzt  ausgestor- 
benen verwandten  Geschlechtern  gemein  zu  haben  scheint. 

1.  G.  Elephas  L.  Elephant. 

Die  Backenzähne  bestehen  aus  verticalen  Leisten,  von  denen 
eine  jede  aus  Knochensubstanz  und  aus  einer  dieselbe  umgeben- 
den Schicht  von  Email  gebildet  ist,  welche  durch  ein  steini- 
ges Cäment  mit  einander  verbunden  sind.  Diese  Zähne,  welche 
sich  durch  das  Kauen,  und  zwar  vorn  am  mehrsten,  bedeutend 
abnutzen,  werden  durch  neue,  von  hinten  hervortretende,  wieder 
ersetzt,  so  dafs  man  auf  einer  Seite  des  Kiefers  bald  einen  Zahn, 
bald  zwei  Zähne  antrifft.  Ueber  die  Bildung  dieser  Zähne  s.  wei- 
ter unten  bei  Mastodon. 

E.  primigenius  Blumenb.  Mammuth.  Mammont.  —  H, 
V.  Mey.^  Pal.  p.  64.  —  E.  mammonteus  Cuv.  Fischer,  Oryctogr.  du  Gouv. 
de  Moscou.  1837.  tb,  1.  —  Eichwald,  de  Pecorum  et  Pachyderm.  comm., 
Act,  Ac.  C.  Leop.  Not.  Cur.  Vol.  17.  tb.  52.  Hiernach  Taf.  l\.  Fig. 
2,  in  ^  natürlicher  Gröfse. 


S2 


SÄUGETIHERE. 


Der  Mammuth  war  wenig  gröfser  als  der  noch  lebende  asiatische 
Elephant,  w  elchem  er  übrigens  auch  am  nächsten  verwandt  war.  Wesent- 
liche Unterschiede  von  diesem  finden  sich  jedoch  in  dem  Bau  seines 
Kopfes.  Es  liegt  nämlich  der  Jochbogen  gegen  die  Längenaxe  des 
Kopfes  viel  schiefer,  und  der  Unterkiefer  ist  vorn  gerundeter  und 
stumpfer  als  bei  dem  lebenden  Elephanten.  Die  Backzähne  sind  aus 
einer  gröfseren  Anzahl  von  Leisten  zusammengesetzt,  die  Höhlungen, 
in  welchen  die  Stofszähne  safsen,  sind  tiefer,  und  die  Stofszähne  selbst 
sind  länger  und  ihre  Krümmung  macht,  anstatt  in  eine  Ebene  zu  fallen, 
eine  schwach  spiralförmige  Biegung. 

Ein  fast  noch  unversehrtes  Mammuth  wurde  1799  an  dem  Aus- 
flusse der  Lena,  in  einer  ungewöhnlich  aussehenden  Eisscholle  ent- 
deckt. Das  Eis  schmolz  in  dem  Laufe  der  Zeit  darüber  hinweg, 
-  und  es  zeigte  sich  später,  dafs  man  hier  mit  einem  Mammuth  zu 
thun  habe,  das  noch  mit  Fleisch,  Haut  und  Haaren  bedeckt  war.  Als 
Adams  1806  das ,  was  Füchse ,  Eisbären  und  andere  Raubthiere  da- 
von noch  übrig  gelassen  hatten,  sammelte,  zeigte  es  sich,  dafs  diefs 
Thier  ein  kurzes,  hellgelbes  Wollhaar  und  ein  braunes,  12  —  15 
Zoll  langes,  gerades  Haar,  welches  letztere  eine  ölähne  bildete,  ge- 
tragen hatte.  Das  Skelett,  welches  aufser  den  Stofszähnen,  die  früher 
aus  Unkenntnifs  des  kostbaren  Fundes  abgesägt  worden  waren  und  einer 
Beschädigung  an  dem  einen  Fufse  vollständig  ist,  ziert  jetzt  das  Pe- 
tersburger Museum. 

Ein  glücklicher  Zufall  führte  im  Februar  1841  zu  einer  g^anz  ähn- 
lichen Entdeckung,  indem  Motschulsky  an  den  Ufern  des  Tas  ebenfalls 
einen  vollständigen  Mammuth  mit  Fleisch,  Haut  und  Haaren  in  der  vom 
Wasser  losgespülten,  gefrorenen  Erde  auffand,  wovon  die  Reste  durch 
die  Bemühungen  des  Staatsrathes  Ladyschevsky  nach  Tobolsk  geschafft 
worden  sind.  Darin  soll  sogar  der  Magen  mit  einigen  zurückgeblie- 
benen Nahrungsstoffen  noch  erhallen  gewesen  sein.  (Leipz.  Zeit.  1843, 
No.  121.) 

Aus  der  Körperbedeckung  dieses  Thiercs  geht  aber  hervor,  dafs  der 
Mammuth  nicht  für  ein  warmes ,  sondern  für  ein  kaltes  Klima  bestimmt 
war,  wofür  auch  die  ungemein  häufigen  Reste  sprechen,  welche  in 
nördlichen  Gegenden,  besonders  in  Sibirien,  davon  aufgefunden  wor- 
den. Stofszähne  sieht  man  dort  so  häufig,  dafs  man  annehmen  kann, 
dafs  -y  des  im  Handel  vorkommenden  Elfenbeines  von  Mammuthen  her- 
stamme. Darüber  aber,  dafs  diese  Thiere  wirklich  in  jenen  Gegenden  ge- 
lebt haben  und  nicht  erst  durch  Wasserfluthungen  hingeführt  seien,  läfst 
die  gute  Erhaltung  der  Knochen  und  ganzer  Skelette  kaum  einen  Zweifel 
mehr  übrig. 


DICKHÄUTER. 


33 


1817  entdeckte  Kotzebue  Mammiithknochen  in  den  im  atlantischen 
Meere  umhergetriebenen  Eisschollen.  Ueberhaupt  aber  gehören  die  Reste 
der  Mammuthe  zu  den  häufigsten  Erscheinungen  im  Gebiete  des  Diluviums. 

Man  kennt  sie  aus  Europa  (Deutschland,  England,  Frankreich), 
Asien  und  Nordamerika.  Je  weiter  nach  Norden  man  vorschreitet,  um 
so  mehr  nimmt,  nach  Koch's  Mittheilungen,  in  Amerika  das  Mammuth 
vor  allen  anderen  Zeitgenossen  die  Oberhand.  Ausgezeichnete  Fundgru- 
ben für  Deutschland  sind  Thiede,  Canstadt  und  Burgtonna.  Germar 
fand  Kiefern  und  Zähne  bei  Westeregeln  und  Halle,  v.  Braun  bei  Bern- 
burg *),  V.  Holger  einen  Backzahn  bei  Eggenburg  in  Oesterreich,  Giocker 
in  Mähren,  und  bei  Gernsheim  wurde  1844  aus  dem  Rheine  ein  Unter- 
kiefer gefischt.  Sein  Gewicht  betrug  53  Pfund,  und  ein  Backzahn 
daran  war  1'  lang  und  sV'  breit.     (Nürnb.  Corr.  206.  1844.) 

E.  priscus  Goldf.  —  v.  Meyer  p.  69. 

Er  gleicht  durch  die  rautenförmige  Bildung  der  Schmelzleisten 
mehr  dem  afrikanischen  Elephanten. 

Im  Diluvium  am  Rhein,  bei  Thiede  und  Wittenberg. 

Es  werden  noch  andere  Arten  genannt,  deren  Bestimmung  in- 
dessen weniger  sicher  ist. 

Guyon  sammelte  fossile  Reste  von  Elephanten  in  Algerien,  und 
Cautley  und  Falconer  in  den  jungen  tertiären  Schichten  am  Fufse  des 
Himalaya. 

t  2.  G.  Mastodo  n''-^)  Cuv.  Zitzen  zahn.  Mastotherium 
Fisch.  (/LiaoTog,  Zilie;  döwv^  Zahn). 
Während  die  Backenzähne  der  Elephanten  aus  einzelnen  mit 
einer  Lage  von  Schmelz  bedeckten  Platten  oder  Leisten  bestehen, 
welche  durch  einen  steinigen  Cäment  {Crusta  petrosa)  zusammen 
verkittet  werden,  so  zeigen  die  der  mastodonartigen  Thiere  nur 
eine  Knochensubstanz  (Elfenbein),  ihre  Krone  ist  mit  einer  dicken 
Schmelzschicht  und  nur  die  Wurzel  mit  einer  steinigen  Schicht 
(Crusia  petrosa  '^'**)  bekleidet,  welche  nach  Koch  dem  Cämente 

*)  Vergl.  auch  Gä'a  v.  Sachsen,  p.  136. 

**)  Ich  folge  bei  der  Auseinandersetzung  der  Gattungen  Mastodon,  Te- 
tracaulodon,  Dinotherium  und  Missourium  den  Ansichten  des  Herrn  Dr. 
Koch,  welche  derselbe  vor  seiner  Abreise  nach  Amerika  im  Mai  1844  mir 
noch  mitzutheilen  die  Güte  hatte;  denn  diese  Thiere  sind  es  gerade,  auf 
deren  Studium  der  unermüdliche  Koch  die  gröfste  Sorgfalt  verwendet  hat. 
Die  Richtigkeit  der  Koch'schen  Ansichten  wird  auch  durch  Grant  bestätigt. 
QLond.  Dubl.  Edinb.  phil.  Mag.  1843.  p.  464.) 

***)  Ueber  die  Zusammensetzung  Aqx  Crusta  petrosa  s.  Bischoff  in  Leonh. 
Br.  Jahrb.  1842.  p.  147. 
Geiiiitz ,  Verateineriingskunde.  3 


I 


84 


SÄIGETHIERE. 


zwischen  den  einzelnen  Leisten  des  Mammutlizahnes  entspricht. 
Die  Krone  der  ersteren  Zahne  hat  im  Querschnitte  mehr  eine  ver- 
längert eiförmige,  die  der  lertteren  mehr  eine  verlängert  viereckige 
Form.  In  Bezug  auf  das  Hervortreten  neuer  Zähne  befolgen  beide 
dasselbe  Gesetz.  Es  bilden  sich  nämlich  die  neuen  Zähne  in 
Kapseln,  welche  sich  im  hinteren  Theile  des  Kiefers  vorfinden, 
und  treten  sofort  hervor,  wenn  die  älteren  Zähne  durch  den  Ge- 
brauch nutzlos  geworden  sind  und  aus  dem  Kiefer  herausfallen, 
so  dafs  es  diesen  Thieren,  welche  zu  einem  langen  Leben  be- 
stimmt waren,  nie  an  dem  nöthigen  Gebisse  fehlen  konnte. 

Die  Elephanten  erhalten  nach  und  nach  auf  jeder  Seite  des 
Kiefers  8,  im  Ganzen  also  S'2  Backenzähne,  itlastodon  und  Te- 
tracaulodon  aber  6,  und  im  Ganzen  daher  nur  24. 

So  lange  der  Elephant  noch  saugt,  sind  auf  jeder  Seite  je- 
des Kiefers  nur  3  Zähne  vorhanden,  von  denen  aber  nur  2  sicht- 
bar sind,  während  der  dritte  in  der  Kapsel  verborgen  ist.  Mit 
dem  zunehmenden  Alter  erhält  das  Thier  noch  5  andere  Zähne ; 
immer  jedoch  findet  man  höchstens  2  auf  jeder  Seite  in  Gebrauch, 
da  der  nächstfolgende  noch  in  der  Kapsel  eingeschlossen  und  in 
seiner  Bildung  begriffen  ist.  Aeltere  Individuen  lassen  nur  einen 
ausgebildeten  Zahn  auf  jeder  Seite  des  Kiefers  erkennen. 

Mastodon  und  Tetracaulodon  erhalten  zuerst  2  Milchzähne, 
welchen  mit  zunehmendem  Aller  nach  und  nach  3  andere  Zähne 
und  im  alten  Zustande  ein  sechsler  folgen. 

Bei  Mastodon  nehmen  die  Zähne  an  Gröfse  zu,  von  dem 
ersten  bis  zum  sechsten.  Die  Milciizähne  sind  vorn,  die  letzten. 
Zähne  umgekehrt  hinten  am  schmälsten.  -  Die  Zähne  des  Ober- 
kiefers sind  breiter  und  kürzer  als  die  des  Unterkiefers  und  haben, 
mit  Ausnahme  des  M.  Cuvieri^  eine  Abtheilung  weniger  als  die 
letzleren.  Es  zerfallen  die  Zähne  nämlich  in  mehrere  quere  Haupt- 
abtheilungen, welche  der  Länge  nach  durch  eine  starke  Vertiefung 
in  eine  doppelte  Menge  warzenförmiger  Erhöhungen  getrennt  wer- 
den, denen  auf  der  unteren  Seite  ebenso  viele  Wurzelenden  ent- 
sprechen. Ebenso  ist  auch  die  Gestalt  der  Zähne  des  Tetra- 
caulodon^ welche  Gattung  wiederholt  mit  Mastodon  vereinigt  worden 
ist;  Koch  zeigte  jedoch,  dafs  an  dem  hinteren  Ende  der  Zahnkrone 
eines  wirklichen  Mastodon  noch  ein  hackenförmiger  Ansatz  vor- 
handen ist,  welchem  gleichfalls  ein  Wurzelende  entspricht. 

Mastodon  hat  nur  im  Oberkiefer  2  Stofszähne  von  Elfen- 
bein ,   die  mit  einer   dünnen  Lage   der  steinigen  Kruste  bedeckt 


DrCKflAUTER. 


35 


werden;  Tetracaulodon  hatte  aber  auch  noch  im  Unterkiefer 
2  kleine  Stofszähne. 

Mastodon  giganteus  Cuv.  —  Taf.  II.  Fig.  3.  {\).  —  M.  maximm 
Cuv. ;  Mammonth  Ohioticum  Blumenb. ;  Amerikanischer  Mammuth;  Ohio- 
Thier;  Harpagmotlierium  Canadense  Fisch.;  Fleischfressender  Elephant 
Hunter. 

^     H.  V.  Mey.  p.  70.  —  Br.  Leth.  p.  1235.  tb.  44.  f.  6. 

Die  Krone  seiner  ersten  beiden  Milchzähne  ist  etwas  länger  als 
breit  und  zerfällt  durch  eine  Längs-  und  eine  Quer-Vertiefung  in  2  zwei- 
warzige Haupterhöhungen,  und  an  beiden  Enden  befindet  sich  daran 
noch  der  kleine  höckerförmige  Ansatz.  Die  3  nachfolgenden  Zähne 
zerfallen  in  3,  der  sechste  Zahn  in  4  und  im  Unterkiefer  sogar  in 
5  zweiwarzige  Hauplabtheilungen.  Der  höckerförmige  Ansatz  ist  an 
dem  letzten  Zahne  am  gröfslen. 

Ein  vollkommenes  Skelett  davon  ist  in  Philadelphia,  welches  Koch 
untersuchte,  und  ein  anderes  in  Baltimore.  Es  hat  bei  dem  ersten 
Anblicke  mit  dem  eines  Elephanten  grofse  Aehnlichkeit,  doch  ist  es 
noch  robuster  als  jenes  gebaut,  indem  alle  einzelnen  Knochen  des  Masto- 
don kürzer  und  dicker  sind.  Die  Augen  des  Thieres  waren  klein,  die 
Geruchsorgane  hingegen  sehr  ausgebildet.  Aus  der  Beschaffenheit  der 
Zähne  schliefst  Koch,  dafs  seine  Hauptnahrung  in  Baumzweigen,  Rohr 
und  anderen  Pflanzen  bestanden  habe,  welche  es  sich,  wie  der  Elephant, 
durch  seinen  langen  Rüssel  verschafl'te.  Diefs  stimmt  allerdings  auch 
mit  dem  Vorkommen  seiner  Ueberreste,  welche  am  häufigsten  in  einer 
sumpfigen  Gegend  des  Staates  Kentucky,  welche  den  Namen  Big-Bone 
Lick  führt,  gefunden  werden,  so  dafs  es  wahrscheinlich  einst  die  Moräste 
und  Urwälder  der  vereinigten  Staaten  Nordamerikas,  besonders  Ken- 
tucky und  Ohio,  bewohnt  hat. 

M.  angustidens   Cuv.,  v.   Mey.  p.  71.;  Br.  Leth.  p.  1238. 

Die  Zähne  sind  verhältnifsmäfsig  viel  schmäler  und  länger  als 
die  der  vorigen  Art;  /der  erste  Milchzahn  besitzt  noch  2,  der  zweite 
hingegen  schon  3  Hauptabtheilungen.  Bei  ihrer  Abnutzung  stellen  die 
Warzen  Flächen  von  der  Form  eines  dreiblälterigen  Kleeblattes  dar. 

Man  hat  ihn  öfters  in  tertiären  Schichten  des  südlichen  Frank- 
reichs, Deutschlands' und  der  Schweiz  gefunden,  nach  Koch  scheint 
aber  sein  Lieblingsaufenthalt  Brasilien  gewesen  zu  sein. 

M.  longirostris  Kaup,  Atlas  aux  oss.  foss.  livr.  3.  tb.  16  — 18. 
Hiernach:  Taf.  II.  Fig.  4.  (i).  —  Br.  Leth.  p.  1237.  tb.  43.  f.  5.  — 
M.  Avernensis  Croiz.  et  Job. 

Diese  Art  mochte  die  Höhe  von  Ii'  und  die  Länge  von  18'  erreicht 
haben.      Ihre  Backzähne    waren   noch   schmäler   als   die   der  vorigen 

3^^ 


36 


SÄUGBTHIERE. 


Art,  an  der  Krone  in  mehr  Querabtheilungen  zerlegt,  und  die  ein- 
zelnen Warzen  zeigten  nach  ihrer  Abnutzung  ähnliche  Kleeblatlflächen 
wie  bei  der  vorigen. 

In  mittleren  tertiären  Bildungen  von  Eppelsheim  bei  Mainz,  Georgens- 
gmünd,  in  jüngeren  am  Puy-de-D6me  in  der  Auvergne  und  zu  Sansans. 

Koch  unterscheidet,  aufser  den  von  H.  v.  Meyer  aufgeführten 
Arten,  noch: 

M.  Cuvieri  Hays  und  M,  rugadens  Koch,  eine  noch  un- 
beschriebene Art,  welche  beide  aus  der  Nähe  des  Missouri  stammen. 
Der  Name  der  letzteren  Art  ist  wegen  der  dichtstehenden  kleinen  Falten 
gewählt,  welche  das  ganze  Email  überdecken. 

t  3.  G.  Tetracaulodon  Godman.  {rtTqa^  vier;  xavXbg,  Stiel; 

oöcov^  Zahn). 

Der  vorigen  Gattung  höchst  ähnlich,  allein  mit  2  kleinen 
Stofszähnen  im  Ober-  und  im  Unterkiefer  und  Backenzähnen  ohne 
einen  hackenförmigen  Anhang  (s.  u.  Mastodon).  Nach  Koch  ist 
der  Unterschied  beider  Geschlechter  auch  durch  mikroskopische 
Untersuchungen  ihrer  Fangzähne  dargethan  worden.  Diese  Stofs- 
zähne  (Fang-  oder  Schneidezähne)  tragen  unverkennbare  Spuren, 
dafs  sie  beim  Wühlen  zum  Ausroden  der  Nahrungsmittel  gebraucht 
worden  sind.  Von  feinem  Elfenbein  gebildet,  stecken  sie  fast 
bis  zur  Hälfte  in  der  Kinnlade  verborgen,  so  dafs  sie  mit  grofser 
Kraftäufserung  angewandt  werden  konnten,  und  sind  an  ihren  freien 
Theilen,  von  der  Mitte  an  bis  zu  dem  äufsersten  Ende,  mit  einer 
sehr  dicken  steinigen  Rinde  (crusta  petrosa)  bedeckt.  Es  scheint 
daher,  als  haben  diese  Thiere  die  früheren  Binnenseeen  und  grö- 
fseren  Flüsse  bewohnt  und  an  deren  schattigen  Ufern  von  den 
dort  wachsenden  Wurzeln,  Knollen  und  üppigen  Gewächsen  aller 
Art  sich  genährt.  Koch  schliefst  aus  einem  Unterkiefer,  welchen  er 
auffand,  dafs  die  weiblichen  Individuen  des  Tetracaulodon  zu  der 
Zeit  ohngefähr,  wo  sie  den  zweiten  Milchzahn  verloren,  auch  die 
Stofszähne  im  Unterkiefer  eingebüfst  haben. 

T.  Godmani  Hays.  Diefs  ist  die  Art,  welche  von  vielen  Sei- 
ten für  identisch  mit  Mastodon  giganteus  und  zwar  für  ein  junges  In- 
dividuum desselben  gehalten  worden  ist. 

Die  Stofszähne  des  Unterkiefers  sind  nur  4-  ihrer  Länge  äufser- 
lich  sichtbar.  Sie  laufen  ganz  geradlinig  und  nach  beiden  Enden  spitz 
zu.  Das  Wurzelende  ist  ohne  Markhöhle  und  statt  dieser  erkennt  man 
hier  nur  eine  Oeffnung  von  der  Dicke  einer  Stecknadel,  welche  den 


DICKHÄUTER. 


37 


Zahnnerv  empfing.  Das  entgegengesetzte  emailiiie  Ende  des  Zahnes  ist 
etwas  kolbenartig.  Die  oberen  Stofszähne  biegen  sich  hingegen  von 
oben  nach  unten  und  nach  der  Seite.  An  den  Spitzen  dieser  4  Zühne 
zeigt  sich  durch  Abreibung  der  härteren  Rinde   ihr   langer  Gebrauch. 

Im  Diluvium  oder  in  vielleicht  noch  jüngeren  Gebilden  von  Nevv- 
York  und  Missouri. 

T.  Kochii  Graut.  Von  dieser  einen  Art  entdeckte  Koch  3 
alte  Individuen  und  1  Junges  in  Missouri.  Sie  besitzt  ebenfalls  2  Stofs- 
zähne im  Oberkiefer,  aber  nur  einen  (?)  etwas  links  stehenden  im 
Unterkiefer,  und  sollte  daher  eher  Tricaulodon  heifsen.  Die  oberen 
sind  an  ihrem  hervorragenden  Theile  kolbig  und  am  Wurzelende  spitz; 
der  untere  ist  überall  fast  von  gleicher  Dicke  und  hat  eine  sehr  grofse 
Markhöhle.  Allen  3  Zähnen  fehlt  die  Email -Schicht,  und  sie  sind  nur 
mit  einer  dicken  Lage  der  steinigen  Kruste  bedeckt. 

T.  Haysii  Graut,  aus  ähnlichen  Bildungen  Nordamerikas  wie 
die  vorigen  beiden,  steht  dem  Dinotherium  am  nächsten. 

Die  oberen  Stofszähne  sind  gerade  und  in  der  Mitte  ihrer  Länge 
am  dicksten.  Alveolen  im  Unterkiefer  zeigen,  dafs  die  unteren  zu- 
sammengedrückt waren  und  sich  al)wür(s  bogen.  Statt  der  Emailschicht 
sind  die  ersteren  auch  nur  mit  jener  steinigen  Uinde  bedeckt.  Di© 
Krone  der  Backenzähne  ist  jedoch  emailirt. 

T.  tap iro'ides  Koch,  wurde  1840  und 

T.  Bucklandi  Graut,  1842  von  Koch  im  Missouri -Staate  entdeckt. 

t  4.  G.  Dinotherium  (Deinotherium)  Kaup.  —  Taf.  II.  Fig.  7. 
(^ötivbg,  fürchterlich;  &7]qiov^  wildes  Thier). 

Diese  von  Klipstein  "•')  im  tertiären  Sande  von  Eppelsheim  ent- 
deckte Gattung  weicht  durch  ihre  zwei  grofsen,  abwärts  und 
rückwärts  geboge neu  Stofszähne  im  Unterkiefer  so  sehr 
von  den  bisher  bekannten  Thierformen  ab,  dafs  die  Ansichten, 
ob  Dinotherium  ein  Land-  oder  Wasserthier  war,  noch  immer 
getheilt  sind.  Kaup  rechnet  es  den  Landthieren  zu  und  vermuthet, 
dafs  die  von  Cuvier  einem  gigantischen  Pangoliu  •  )  zugeschrie- 
bene Klaue  von  Deinotherium  herrühre.  Nach  seiner  Ansicht 
mochte  das  Thier  die  Gestalt  haben,  wie  es  Taf.  II.  Fig.  7  zeigt, 
und  ihm  scheint  seine  Lebensart  die  gewesen  zu  sein,  dafs  es 
sich  auf  der  Erde  langsam  fortbewegte  und  mit  den  ungeheueren 


*)  Beschreibung  u.  Abbild,  von  dem  in  Rheinhessen  aufgefundenen  co- 
lossalen  Schädel  des  Dinothcrii  gi^antci,  von  KUpstein  u.  Kaup.,  Darm- 
stadt. 1836. 

**)  S.  u.  Ameisenfresser. 


38 


SÄUGE  l  lllEKE. 


Stofszähnen  die  Erde  nach  Wurzeln  und  Knollen  aufwühlte,  um 
dieselben  mit  seinem  Rüssel  zum  Munde  zu  führen. 

Nach  Buckland  war  es  ein  Wasserthier,  wofür  der  wallfisch- 
ähnliche  Bau  seines  Hinterkopfes  spricht.  PIctet  bildet  das- 
selbe hiernach  in  seiner  Paleontologie  auf  PI.  16  mit  einem  wall- 
lischartigen  Körper  ab  und  rechnet  es  zu  den  pflanzenfressenden 
Fischsäugethieren. 

Durch  Arten  der  vorigen  Gattung  bestimmt  jedoch  Koch  wohl 
mit  allem  Rechte  als  Stellung  des  Deinotherium  die,  welche  es 
hier  einnimmt. 

D.  giganteum  Kaup.  Atl.  aux  Oss.  foss.  livr.  1.  tb.  1  —  5. 
Hiernach:  Taf.  II,  Fig.  5  und  6,  Backzähne;  7,  ideale  Zeichnung  nach 
Kaup.  —  Br.  Leih.  p.  1231.  —  Dieser  Art  gehört  der  ausgezeich- 
nete Schädel  von  3',4  Pariser  Länge  an,  welcher  1836  in  Eppels- 
heim ausgegraben  wurde.  Er  zeichnet  sich,  nach  Kaup,  durch  die  un- 
geheueren Schläfengruben,  welche  mit  einem  gewaltigen  Schläfenmus- 
kel zur  Bewegung  des  kolossalen  Unterkiefers  erfüllt  gewesen  waren; 
durch  kleine  nach  hinten  sich  ölfnende,  über  den  beiden  vorderen 
Backzähnen  liegende  Augenhöhlen;  durch  schwache  Jochbeine  und  eine 
ungeheuere  Grube  für  den  Kussel;  durch  2  ganz  hinten  und  hoch  lie- 
gende Gelenkköpfe  für  den  Atlas;  durch  Mangel  der  Nasenbeine;  kurze 
Stirnbeine  und  eine  quere  Hinterhauplsgrube,  die  vielleicht  auch  zur 
Aufnahme  eines  den  grofsen  Rüssel  des  Thieres  bewegenden  Muskels 
diente,  vorzüglich  aus. 

Das  Dinotherium  scheint  im  ganzen  24  Backenzähne  gehabt  zu 
haben,  von  denen  jederseits  5  stehen,  vor  welchen  aber  ein  ande- 
rer wahrscheinlich  schon  ausfiel.  Ihre  Krone  hat  eine  viereckige 
oder  länglich  viereckige  Gestalt,  und  ist  in  2,  bei  dem  zweiten  obe- 
ren Milchzahne  und  dem  dritten,  mittleren  Backzahne  in  3  dachförmige 
Quererhöhungen  abgetheilt,  deren  Schärfe  gekerbt  ist. 

Das  Thier  mag  zum  gröfsten  Theile  in  Binnenseeen  oder  grö- 
fseren  Flüssen,  ähnlich  dem  Tapir,  wohin  es  auch  Cuvier  stellte, 
gelebt  und  seine  Nahrung  in  Wurzeln,  Knollen  und  Wassergewäch- 
sen bestanden  haben,  indem  ein  Unterkiefer  von  so  bedeutendem 
Gewichte,  welches  durch  2  grofse  Stofszähne  noch  vermehrt  wurde, 
einem  Landthiere  nur  Beschwerde  und  Hindernifs  sein  mufste.  Es 
mochten  aber  seine  Stofszähne  nicht  nur  zum  Ausroden  der  Nahrung 
dienen,  sondern  wohl  auch  als  furchtbare  Waffe  und  als  Anker,  so 
dafs  sich  das  schwimmende  Thier  mit  ihnen  an  dem  Ufer  einhakte, 
um  ohne  Gefahr  schlafen  und  athmen  oder  sich  besser  an  das  Land 
ziehen  zu  können. 


DICKHÄUTER. 


39 


Aufser  Eppelsheim  hat  man  Zähne  und  Knochen  im  Süfswasser- 
kalke  des  Gers-Dept.  bei  Auch  und  bei  Sansans  gefunden ,  im  Tegel  bei 
Wien,  in  tertiären  Schichten  der  Schweiz,  in  den  Bohnengruben  Wür- 
tembergs  und  im  Thone  über  der  Braunkohle  bei  Altenburg. 

Dem  D.  medium  Kaup  von  Eppelsheim  und  D.  Bamricum  v.  Mey., 
ebendaher,  aus  Baiern  und  Frankreich,  wurde  von  Koch  noch  eine 
vierte  Art,  D.  angustidens  Koch,  aus  Ostindien  hinzugefügt,  von  wo 
ein  Unterkiefer  im  brittischen  Museum  und  ein  halber  Unterkiefer  in 
den  Händen  des  Herrn  Kammerherrn  v.  Ende  in  Dresden  sich  befindet. 
D.  australe  nannte  Owen  eine  fossile  Art  aus  Australien. 

t  5.  G.  Missourium  Koch. 

Einzige  Art;  M.  theristocaulodon  Koch.  —  Taf.  II.  Fig.  1. 
Aus  Diluvium  oder  Alluvium  im  Staate  Missouri. 

Diefs  ist  das  gröfste  unter  allen  bis  jetzt  bekannten  fossilen  Säuge- 
thieren,  30'  lang  und  15'  hoch.  Es  mochte  noch  an  dem  Anfange 
unserer  jetzigen  Weltepoche  gelebt  haben,  da  Dr.  Koch  unter  diesem 
Gerippe  eine  Pfeilspitze  fand,  welche  aus  Feuerslein  gearbeitet  und 
denen  sehr  ähnlich  ist,  welcher  die  Indianer  sich  jetzt  noch  bedienen. 

Im  Allgemeinen  ist  diefs  Skelett  dem  eines  Tetracaulodon  höchst 
ähnlich,  wefshalb  es,  sowie  Tetracaulodon  selbst,  von  Owen  für  ein 
Mastodon  giganteum  gehalten  worden  ist'"). 

Zahl  und  Form  der  Backenzähne  ist  fast  gänzlich  wie  bei  Tetra- 
caulodon^ nur  sind  sie  relativ  kleiner  und  mit  einer  dickeren  Lage 
von  Email  bedeckt.  Wesentlich  weicht  es  jedoch  davon  ab  durch  2 
ungeheuere  (lO'  lange)  Stöfs-  oder  Fangzähne  im  Oberkiefer,  welche 
viel  fester  und  tiefer  in  dem  Kiefer  eingesetzt  sind  als  bei  Mastodon 
und  dem  Elephanten.  Die  steinige  Rinde,  welche  dieselben  bedeckt, 
ist  hier  über  \"  dick,  bei  dem  Mastodon  kaum  is".  Ganz  eigen- 
Ihümlich  ist  auch  die  horizontale  Krümmung  dieser  Zähne,  welche 
englische  Anatomen  einer  zufälligen  ovalen  Verdrückung  zuschrieben. 
Ist  diese  aber  schon  bei  der  Gestalt  des  Zahnes,  dessen  Querschnitt 
65"  hoch  und  6"  breit  ist,  nicht  wohl  anzunehmen,  so  versichert  auch 
Koch,  dafs  er  bei  dem  Ausgraben  den  rechten  Zahn  noch  ganz  un- 
versehrt in  dem  Schädel  habe  sitzen  sehen  und  dafs  derselbe  erst  in 
St.  Louis  durch  einen*  unglücklichen  vFall  abgebrochen  sei. 

Der  ganze  Bau  des  Missourimns  weist,  nach  Koch,  darauf  hin, 
dafs  es  mehr  in  dem  Wasser  als  auf  dem  Lande  gelebt  hat.  Der 
Kopf  ist  sehr  flach,  dem  des  Nilpferdes  ähnlich  und  war,  anstatt  mit 


*)  London,  Edinb.,  Dubl.  Phil.  Mag.  1843.  p.  56.  etc. 


SÄL'GEIHIERE. 


einem  Rüssel,  vermuthlich  nur  mit  einer  verlängerten  Schnauze  ver- 
sehen. Der  erste  Halswirbel  besitzt  mächtige  Querfortsätze.  Die 
vorderen  Rückenwirbel  haben  Dornfortsätze  von  18  —  27"  Länge.  Die 
Rippen  sind  verhältnifsmäfsig  dünn  und  kurz  und  stehen  mit  ihren  schar- 
fen Kanten  nach-  innen  und  aufsen.  Das  Schulterblatt  ist  3'  1"  lang 
und  2'  7''  breit;  der  Schulterknochen  3'  bh"  lang  und  der  Umfang 
seines  dicksten  Theiles  beträgt  3'  3". 

Alle  Knochen  des  M.  endlich,  die  Wirbel  nur  ausgenommen,  zei- 
gen keine  Markhöhlen,  sondern  nur  eine  knöcherne  zellige  Masse, 
welche  im  lebenden  Thier  wahrscheinlich  mit  Fett  erfüllt  war. 

Nach  dem  geringen  Räume  für  das  Gehirn  zu  schliefsen,  mufste 
das  M.  ein  träges  Thier  sein,  welches  sich  nur  wenig  bewegt  zu  haben 
scheint  und  mit  seinen  Sichelzähnen  eine  grofse  Menge  Rohr  oder  andere 
Gewächse,  die  es  zu  seiner  Nahrung  brauchte,  auf  einmal  zusammen- 
raffte. Letztere  dienten  ihm  ferner  zum  Bahnen  des  Weges  durch  dicht 
stehendes  Rohr,  zum  Schutz  für  seine  Augen  und  seine  dünnen  Rippen, 
sowie  auch  zum  Ankern  am  Ufer. 

2,  Farn.  Kigentliclie  Dickhäuter. 

Stofszähne  fehlen,  und  die  Füfse  sind  4-,  3-  oder  2zehig. 
Sie  spielen  schon  am  Anfange  der  tertiären  Epoche  eine  wichtige 
Rolle. 

6.  G.  Hippopotamus  L.  Flufspferd.  Nilpferd. 

Plumpe  Thiere  mit  fast  gleich  langen  Gliedmafsen,  4zehigen 
Füfsen  und  J  Backz.  Die  vorderen  derselben  sind  kegelförmig,  die 
hinteren  gröfseren  sind  aus  2  Paaren  dreiseitiger  Zacken  gebildet, 
welche  durch  Abnutzung  kleeblattförmige  Kauflächen  entstehen  las- 
sen (Taf.  lY.  Fig.  11.).  Die  Eckzähne  im  Oberkiefer  sind  gerade, 
die  im  Unterkiefer  rückwärts  gekrümmt  und  sehr  dick.  Vdz. 
die  oberen  kegelförmig  und  zurückgekrümmt,  die  unteren  lang, 
cylindrisch,  gerade  und  liegen  fast  horizontal. 

Die  einzige  lebende  Art,  das  Flufspferd,  ist  nur  auf  Afrika 
beschränkt,  wo  es  die  Flüsse  bewohnt,  2  fossile  Arten  waren 
über  einen  grofsen  Theil  von  Europa  verbreitet. 

H.  major  Cuv.  v.  Mey.  p.  73;  Keferst.  p.  211;  Er.  Leth.  p. 
1218.  tb.  46.  f.  1.  —  Hiernach  ein  hinterer  Backzahn  Taf.  IV.  Fig.  11.  (i) 

Es  war  wenig  gröfser  als  die  lebende  Art,  hatte  jedoch  etwas 
niedrigere  Beine. 

In  den  jüngsten  tertiären  Bildungen  am  Puy-de-D6me,  im  Dilu- 
vium von  England,  Frankreich,  Italien  und  Sicilien,  und  nach  Kefer- 
slein  auch  in  Deutschland. 


DICKHÄUTER. 


41 


H,  minutus  Cuv. ,  aus  der  Knochenbreccie  von  Dax,  hatte  die 
Gröfse  eines  Ebers. 

Zwei  Arten  aus  den  Siwalikbergen,  mit  ^  Vdz.  und  f  Bckz., 
vereinigen  Cautley  und  Falconer  zu  der  Untergattung  Hexapro- 
todon.  (Wiegm.  Arch.  1839.  Bd.  2.  p.  413.) 

t  7.  G.  Potamohippos  Jäger. 
Aus  den  Bohnerzgruben  Würtembergs ,  ist  nacii  wenigen  Zäh- 
nen bestimmt,  welche  denen  des  Hippopotamus  am  ähnlichsten  sind. 
(Jäg.  Foss.  Säugeth.  Würt.  tb.  4.  f.  51.  52.  64  —  75.)  , 

8.  G.  Sus  L.  Schwein.  Cochon. 
Vdz.  f-;  Eckz.  y,  dreikantig;  Bckz.  f. 

Fossile  Reste  kennt  man  nur  aus  den  jüngeren  tertiären  und 
diluvialen  Schichten. 

S.  palaeochoerus  Kaup.  All.  aux  Oss.  foss.  livr.  2.  tb.  9. 
f.  1  —  46.  —  Taf.  IV.  Fig.  9,  Backzahn  nach  Jäger,  foss.  Säug.  Würt. 
tb.  10.  f.  27.  Ihre  Backzähne  sind  durch  den  gekerbten  Rand,  wel- 
cher die  Höcker  umgiebt,  leicht  kenntlich. 

Aufserdem  kennt  man  noch  mehrere  Arien  aus  dem  Sande  von  Eppels- 
heim, am  Puy-de-Döme  u.  v.  a.  0.  Die  aus  den  Knochenhöhlen  von  Deutsch- 
land, Frankreich  und  England,  aus  der  Knochenbreccie  und  den  Torfmooren 
bekannten  Reste  scheinen  dem  wilden  Schweine  S.  scrofa  anzugehören. 

Cautley  und  Falconer  trennen  die  in  tertiären  Lagen  am  Hi- 
malaya  gefundenen  Reste  unter  dem  Namen  Chaerotherium  von 
Sus  ab. 

9.  G.  Dicotyles  Cuv.  —  Pekari. 

Zwei  Arten  leben  noch  in  Südamerika,  mehrere  fossile  zeigt 
Lund  aus  Brasiliens  Höhlen  an. 

t  10.  G.  Choeropotamus  Cuv.  (xoT^og,  Ferkel;  noTaf-ilgj  Flufs). 

i  Bckz.,  denen  des  Nilpferdes  ähnlich,  indem  die  hintersten 
4  im  Quadrate  stehende  Haupthöcker,  aufserdem  aber  noch  einen 
kleinen  Höcker  zwischen  den  vorderen,  einen  zwischen  den  hin- 
teren und  einen  zweilappigen,  in  der  Mitte  stehenden  zeigen. 

C.  Parisiensis  Cuv.,  (Br.  Leth.  p.  1222.  tb.  46.  f.  5.)  um- 
fafst  ein  Schädel-  und  ein  Unterkieferstück  aus  dem  Gypse  des  Mont- 
martre und  aus  tertiären  Schichten  von  England. 

t  11.  G.  Hyotherium  H.  v.  Mey.  —  Br.  Leth.  p.  1222. 
(vg,  Schwein;  ^riQiov ^  wildes  Thier.) 

Eine  Art  aus  tertiären  Süfswasserschichten  von  Georgensgmünd ; 
H.  Sömmeringü  v.  Mey.  (Br.  Leth.  tb.  46.  f.  7.) 


42 


SAÜGETHIERE. 


H,  medium  H.  v.  Mey.  (Leonh.  Jahrb.  1843,  p.  385)  ist  häufig 
in  Tertiärschichten  des  Mainzer  Beckens. 

t  12.  G.  Hyracotherium  Owen  Maus;  d^t]Qiov^ 

wildes  Thier). 

Zwei  Arten,  aus  dem  tertiären  London-Thone  und  zu  Kyson 
in  Suffolk.  (Pictet,  Pal.  p.  258.) 

t  13.  G.  Anthracotherium  Cuv.  Kohlenlhier  (ävd^Qu^, 
Kohle;  d-riQiov^  wildes  Thier). 

Bckz.  y,  von  denen  die  unteren  mit  stumpf  kej^elförmigen, 
jedoch  nicht  gerundeten  Spitzen,  die  oberen  viereckigen  mit  4 
stumpfen  Haupterhöhungen  und  einer  verschiedenen  Anzahl  von 
kleinen  Erhöhungen  versehen  sind.  Eckz.  denen  des  Tapir  ähn- 
lich; die  4  unteren  Vdz. ,  wie  bei  dem  Schweine,  nach  vorn 
liegend.  (Pictet,  p.  259.) 

Man  kennt  von  dieser  Gattung  mehrere  Arten,  welche  den 
tertiären  Gypsen  und  Braunkohlen  angehören. 

A.  Alsaticum  Cuv.  —  Taf.  IV.  Fig.  12.  (Der  zweite  Backzahn 
des  Unterkiefers  nach  Br.  Leth.  tb.  46.  Fig.  4,  aus  einem  Braunkoh- 
lenlager von  Böchelbrunn  im  Elsafs.) 

Andere  Arten  kommen  in  der  Braunkohle  von  Cadibona  im  Pie- 
montesischen,  in  der  Auvergne  und  in  Bengalen  vor. 

Vor  kurzem  wurde  der  letzte  Unterkieferzahn  einer  Art  in  der 
Braunkohle  zu  Rott,  östlich  des  Siebengebirges,  entdeckt.  (Leipz.  Zeit. 
1844.  No.  188.) 

14.  G.  Rhinoceros  L.  Nashorn.  —  Aceratherium  Kaup.  — 
Coelodonta  Bronn. 

Vdz.  verschieden,  Eckz.  fehlen,  Bckz.  |-.  Diese  sind,  aufser 
dem  dreiseitigen  hintersten  Zahne,  vierseitig  und  fast  quadratisch. 
Ihre  eigenthümliche  Gestalt  geht  aus  den  Abbildungen  auf  Taf.  III. 
hinreichend  klar  hervor.  Der  lange  Schädel  steigt  nach  hinten 
zu  allmählig  empor  und  fällt  hinten  wieder  senkrecht  ab.  Die  von 
den  Zwischenkieferbeinen  seitlich  getrennten  Nasenbeine  sind  lang 
und  stark,  oben  gewölbt  und  vereinigt,  und  tragen  1  —  2  aus 
Haarsubstanz  gebildete  Hörner.  Fiifse  dreizehig,  aufser  bei  R.  in- 
cisims^  dessen  Vorderfiifse  vierzehig  sind.  Nur  Asien  und  Afrika 
beherberget  die  noch  lebenden  Arten,  in  der  jüngeren  Tertiär- 
und  in  der  Diluvialzeit  hingegen  spielten  die  fossilen  Rhinoceros- 
Arten  auch  in  Europa  eine  mächtige  Rolle,  und  hatten  so  ziem- 
lich dieselbe  Verbreitung  wie  der  Mammulh, 


DICKHÄUTER. 


43 


Köpfe  fossiler  Rhinoceros -Arten  hielt  man  lange  für  die 
Köpfe  des  Greifen,  Gryphus  antiquitatis  Schubert,  und  die  Hör- 
ner des  Nashorns  wurden  für  die  Klauen  dieses  fabelhaften  Vogels 
gehalten,  welche  Ansicht  jedoch  von  Fischer  widerlegt  worden  ist  *). 

R.  tichorhinus  Cuv.  —  Taf.  III.  Fig.  5,  9,  10,  II,  12.  — 
R,  antiquitatis  Blum.  R,  Pallasii  Desm.  —  Fischer,  Oryct.  du  Gouv. 
de  Mosern,  tb,  2  u.  3.  —  Br.  Leth.  p.  1211.  ib.  43.  f.  7.  tb.  47.  f.  3.  — 

Schon  im  Jahre  1771  wurde  im  gefrorenen  Sande  am  Ufer  des 
Flusses  Wilhui  bei  Irkuzk,  ein  vollständiges  Cadaver  dieser  Art  gefun- 
den, von  welchem  Pallas  berichtet,  dafs  es  mit  langem  Haare,  beson- 
ders an  Kopf  und  Füfsen,  bedeckt  gewesen  sei.  Daher  mochte  auch 
dieses  Thier,  gleich  dem  Wammuthe,  mehr  für  nördlichere  als  südlichere 
Gegenden  bestimmt  sein.  Es  war  dem  afrikanischen  Nashorn  ähnlich 
und  trug,  wie  dieses,  zwei  lange  Hörner.  Von  allen  anderen  fossilen 
und  lebenden  Arten  unterschied  es  sich  vorzüglich  durch  die  Bildung 
des  Nasenbeines,  welches  sich  in  der  Spitze  niederbeugt  und  sich  mit 
dem  vorderen  Theile  des  Oberkiefers  verbindet,  welcher  bei  allen  an- 
deren Arten  frei  steht.  Auch  sind  die  Nasenlöcher  durch  eine  kno- 
*  chenartige  Scheidewand  von  einander  getrennt.  Die  Backzähne  ähneln 
denen  des  oslindischen  Nashorns;  die  Schneidezähne,  welche  noch 
unbekannt  sind,  scheinen  sehr  bald  ausgefallen  zu  sein  oder  ganz 
zu  fehlen. 

Sehr  verbreitet  im  Diluvium  von  Sibirien,  England,  Deutschland,  Ober- 
Italien  und  in  den  Knochenhöhlen  von  Franken  (Schueiderloch),  Sundwich, 
England.  Ein  sehr  vollständiges  Individuum,  von  Ober-Gebrau  bei  Nord- 
hausen, ist  in  dem  Halle'schen  min.  Museum.  Die  auf  Taf.  III.  abgebil- 
deten Zähne  wurden  bei  Oelsnilz  im  sächs.  Voigllande  vom  Herrn 
V.  Gulbier  aufgefunden,  welchem  ich  auch  die  Zeichnungen  derselben  ver- 
danke. Im  vorigen  Jahre  wurden  auch  Zähne  und  Knochen  im  Sande 
der  Lösnitz  bei  Dresden  entdeckt. 

R.  S  chl  ei  er  m  ackert  Kaup.  Atl.  aux  Oss.  foss.  livr.  3.  tb, 
10.  f,  1.  tb.  11,  12.  f.  1—7.  tb.  13.  Hiernach:  Taf.  lU.  Fig.  6,  7, 
Backzahn  und  Oberschenkel. 

Es  steht  dem  in  Sumatra  lebenden  am  nächsten,  ist  auch  zwei- 
hörnig  und  hat  1  stehen  bleibende  Schneidezähne.  Es  übertraf  es 
jedoch  durch  seine  bedeutendere  Gröfse,  durch  kürzere  und  stumpfere 
Nasenbeine,  durch  eine'  scharfkantige  Erhöhung  auf  der  Oberfläche  des 
Schädels  über  den  Schläfen  gruben  u.  s.  w.  Den  starken  seillichen 
Fortsatz  am  Oberschenkel  zeigt  Taf.  III.  Fig.  7. 


Fischer  de  Waldheini  ^  sur  Ic  Gryphus  Antiquitatis.  Moscou.  1836. 


44 


SaUGETHIERK. 


Tertiär  bei  Eppelsheim,  Georgensgniünd,  Egeln  (n.  Germar)  und? 
in  den  Bohnerzgruben  der  würtembergischen  Alb. 

R.  incisivus  Cuv.  —  Aceratherium  incisimm  Kaup.  All.  aux 
Oss.  f.  litr,  3.  tb.  10.  f.  %  und  tb.  14,  15.  —  Taf.  III.  Fig.  8.  a, 
Backzahn  und  8.  b,  Schneidezahn. 

Bei  aller  Aehnlichkeit  mit  R.  Schleiermacheri,  welches  jedoch  gröfser 
ist,  mit  %  Schneidezähnen,  unterscheidet  es  sich  von  diesem  durch 
glatte,  dünne,  schmale  und  feich  emporrichtende  Nasenbeine,  welche 
gar  kein  Horn  trug-en,  und  durch  seine  vierzehigen  Vorderfüfse. 

Mit  der  vorigen  Art  ist  sie  für  die  Teg-elbildungen  der  Tertiär- 
fofmation  bezeichnend,  und  kommt,  nach  Bronn,  im  Tegelkalke  zu 
Oppenheim  und  Budenheim,  im  Sande  von  Eppelsheim  bei  Alzey,  zu 
Mombach,  zu  Westeregeln  bei  Magdeburg,  im  Wiener  Becken,  zu 
Georgensgmünd  bei  Nürnberg  und  in  Frankreich  zu  Sansans  im  Gers 
Dep.  u.  a.  0.  vor. 

Aufser  einigen  anderen  weniger  wichtigen  Arten,  die  in  Europa 
noch  vorkommen  (H.  v.  M.  Pal.  p.  76,  77),  wiesen  Cautley  und  Fal- 
coner  Rhinocerosreste  an  den  Ufern  des  Jrawadi  in  oberen  tertiären 
Schichten  am  Himalaya,  Andere  dieselben  in  diluvialen  Bildungen  Nord- 
amerikas nach. 

t  15.  G.  Elasmotherium  Fischer  (tlaof-iUy  Platte;  &)]^iov, 
wildes  Thier). 

Diese  Gattung,  welche  einige  Verwandtschaft  mit  dem  Nas- 
horn und  dem  Pferde  zeigt,  ist  nur  nach  einem  halben  Unterkiefer 
mit  4  Backenzähnen  bestimmt,  v.  Meyer  nennt  diese  Art  aus  Si- 
birien: E.  Fischeri^  und  Fischer  einen  Zahn  aus  der  Nähe  des 
caspischen  Meeres:  E.  KeyserlingiL 

16.  G.  Tapirus  L.  Tapir. 

Nase  in  einen  kurzen  Rüssel  verlängert;  vordere  Füfse  mit 
4,  hintere  mit  3  Zehen;  Vdz.  |-;  Eckz.  y;  Bckz.  Die  Aehn- 
lichkeit der  letzteren  mit  denen  des  Vinotherium  wurde  dort  schon 
hervorgehoben. 

Man  kennt  nur  drei  lebende  Arten,  zwei  an  den  Flüssen 
Amerikas  und  eine  an  denen  von  Indien. 

Die  wenigen  bekannten  fossilen  Arten  hatten  in  der  Diluvial- 
zeit dieselbe  Verbreitung,  aufserdem  wiefs  Kaup  durch  T.  priscus 
{AtL  aux  Oss.  f.  livr.  2.  tb.  3.)  ihre  frühere  Existenz  in  Eppels- 
heim nach,  und  T.  arvemensis  gehört  den  tertiären  Bildungen  des 
Puy-de-Döme  an. 


DICKHÄUTER. 


45 


t  17.  G.  Lophiodon  Cuv.  —  Taf.  IV.  Fig.  10.  nach  Jäger 
{Xüffiov,  Hügel;  oöcov ,  Zahn). 

Eine  durch  ihr  Gebifs  dem  Tapir  sehr  verwandle  Gattung, 
mit  f  Ydz.,  i  Eckz.  und  |  Bckz.  Der  gröfsere  Theil  der  letz- 
teren zeigt  ebenfalls  Querhiigel,  welche  aber  schiefer  als  bei  dem 
Tapir  stehen  und  von  welchen  an  den  ersten  des  Oberkiefers  nur 
einer  vorhanden  ist,  während  die  hinteren  Backenzähne  deren  3 
und  die  übrigen  2  zeigen. 

Zahlreiche  Reste  von  diesen  Thieren,  welche  man  besonders 
in  den  mittleren  Bildungen  der  Tertiärformation  findet,  zeigen  ihre 
früher  häufige  Existenz  besonders  in  Deutschland  und  Frankreich. 

L.  Isselense  v.  Mey.  (p.  87),  ist  die  gröfsle  Art  und  übertraf 
den  indischen  Tapir  wohl  noch  um  ein  Drittlheil  an  Gröfse. 
Tertiär  bei  Issel,  Argenton,  Soissons. 

L.  giganteum  v.  Mey.  —  Palaeotherium  gig.  Cuv.  Fast  ebenso 
grofs,  bei  Montabusard  und  Gamat. 

L.  Buxovillanum  v.  Mey.  p.  87.  —  Br.  Leth.  p.  1217.  tb.  46. 
f.  3.  Fast  von  der  Gröfse  des  indischen  Tapirs.  Im  tertiären  Süfs- 
wasserkalke  zu  Buschweiler  im  Elsals. 

V.  Meyer  führt  im  ganzen  11  bestimmte  und  einige  unbestimmte 
Arten  an,  Avelche  meistens  von  Issel,  Argenton,  Soissons,  Buschweiler 
und  Eppelsheim  stammen.  Fischer  fand  eine  Art  in  dem  Kalkstein  von 
Orenburg  und  Koch  entdeckte  ein  Lophiodon  auch  in  Nordamerika. 

t  18.  G.  Palaeotherium  Cuv.  (nuXuwg,  all;  ^tjQiov,  wildes 

Thier). 

Dem  Tapir  ähnliche  Thiere,  mit  beweglichem  Rüssel  an  einem 
dicken  Kopfe,  ziemlich  langem  Halse,  kurzem  Schwänze  und  drei- 
zehigen  Füfsen.  Ihr  Gebifs  besteht  aus  44  Zähnen,  als:  f  Vdz., 
T  spitzen  Eckz.,  etwas  länger  als  die  ersteren,.  und  f  Bckz. 

Gleich  bei  dem  Anfange  der  Tertiarzeit  traten  sie  auf  und 
man  kennt  von  ihnen  allein  aus  dem  Gypse  des  Montmartre  7  —  8 
Arten,  von  denen  man  öfters  fast  vollständige  Sklelette  darin  auf- 
fand. Noch  in  wenigen  Arten  nur  sind  sie  in  den  mittleren  Schich- 
ten dieser  Epoche,  wie  bei  Georgensgmünd ,  Issel  und  Argenton 
zu  finden;  in  jüngeren  tertiären  Bildungen  scheinen  sie  fast  gänz- 
lich zu  fehlen. 

F.  magnum   Cuv.  —  Br.    Leth.   p.  1206.   tb.   44.   f.   3.  Von 

der  Gröfse  eines  Pferdes,  aus  dem  Gypse  des  Montmartre. 


46  SÄÜGETHIERE. 

F.  medium  Cuv.  —  Taf.  IV.  Fig.  7,  Backzahn.  Fig.  8,  Eckzahn, 
nach  Jäger,  f.  Säug.  Würt.  tb.  7.  f.  21  und  tb.  8.  f.  17.  —  Br.  Leth. 
p.  1207.  tb.  46.  f.  9. 

Von  der  Gröfse  eines  Schweines,  mit  schlanken,  ziemlich  langen 
Beinen,  sehr  kurzen  Nasenbeinen  und  verhältnifsmäfsig  grofsen  und  dicken 
Eckzähnen. 

Im  Gypse  des  Montmartre,  in  der  Molasse  zu  Bonsac  im  Gironde- 
Dep.  und  in  den  Bohnerzgruben  von  Würtemberg  ziemlich  häufig. 

P.  minimum  Cuv.,  von  Montmartre,  scheint  nur  die  Gröfse  eines 
Hasen  erreicht  zu  haben. 

i  19.  G.  Anchitherium  H.  v.  M. 

Zu  dieser  neuen  Gattung  erhebt  v.  M.  das  Palaeoth.  Aure- 
Uanense  Cuv.,  welches  aus  den  mittleren  tertiären  Schichten  von 
Montabusard,  Orleans,  Montpellier  und  Georgensgmünd  bekannt  ist. 
(H.  V.  M.  in  Leonh.  Br.  J.  1844.  p.  298.) 

t  20.  G.  Chalicotherium  Kaup  (/«Af?,  Kies;  &rjQiovj 
wildes  Thier). 

Nach  einigen  Zähnen  von  Eppelsheim  aufgestellt,  welche  eine 
Uebergangsstufe  vom  Lophiodon  zu  dem  Tapire  vermuthen  lassen. 

t  21  G.  Anoplotherium  Cuv.  {uvonXog,  wehrlos;  d^riQLOv, 
wildes  Thier). 

f  Vdz.,  X  Eckz.  und  y  Bckz.  stehen  in  einer  ununterbroche- 
nen Reihe,  ein  Charakter,  welchen  man  nur  bei  dem  Menschen 
und  den  Affen  zu  erblicken  gewöhnt  ist.  Die  vorderen  Bckz. 
sind  zusammengedrückt,  die  hinteren  des  Oberkiefers  sind  vier- 
eckig, die  des  Unterkiefers  mit  2  sichelförmigen  Falten  versehen. 
Ihre  Beine  sind  schlank,  die  Füfse  haben  2  entwickelte  Zehen, 
denen  sich  bei  einigen  Arten  noch  eine  verkrümmte  Zehe  beigesellt. 

Die  Thiere  dieser  Gattung  lebten  nur  an  dem  Anfange  der 
tertiären  Epoche. 

a.  Die  eigentlichen  Anoplotherium -Arten  waren  stark  und 
plump  gebaut  und  hatten  einen  langen,  dicken  Schwanz.  Zu  ih- 
nen gehört: 

A.  commune  Cuv.  —  Taf.  IV.  Fig.  6.  nach  Kaup.  —  Br.  Leth. 
p.  1200.  tb.  44.  f.  2.  tb.  47.  f.  4.  —  Fielet,  tb.  12. 

Von  der  Gröfse  eines  Esels,  mit  einem  dicken  Schwänze  von 
der  Länge  des  ganzen  Körpers. 

Zu  Paris,  auf  der  Insel  Wighl  und  in  den  Bohnerzgruben  der  Alb. 


DICKHÄUTER. 


47 


6.  Xiphodon  Cuv.  ('^ifog,  Schwert;  oJwi-,  Zahn).  Schlanke 
Arten  mit  kurzem  ynd  dünnem  Schwänze.  (Br.  Leth.  tb.  47.  f.  5. 
—  Pictet,  Pal.  tb.  13.) 

A,  gracile  Cü\.^   fast  von  dem  Ansehen  einer  Gazelle. 

Zu  Paris  und  in  den  Bohnerzgruben  der  Alb. 

c.  Dichobune  Cuv.  Kleine  Arten,  von  der  Gröfse  der 
Hasen  oder  Kaninchen. 

Drei  Arten  im  Gypse  des  Montmartre. 

t  22.  G.  Microtherium  H.  v.  M.  Oplotherium  de  Layser  u. 
Parieu  {onlov ,  Waffe;  d^r^Qiov,  wildes  Thier). 

Den  Dichobimen  ähnlich,  doch  mit  hervortretenden  und  ge- 
krümmten Eckzähnen.  Zähne  und  selbst  das  Skelett  bieten,  nach 
H.  V.  Meyer,  einige  Aehnlichkcit  mit  den  Wiederkäuern ,  Fleisch- 
fressern und  selbst  Nagern  dar.  (L.  Br.  Jahrb.  1841.  p.  461  u. 
1842.  p.  487.) 

In  tertiären  Schichten  zu  Weisenau  und  Hochheim  in  dem 
Mainzer  Becken,  in  der  Molasse  der  Schweiz  und  im  Dep.  de 
l'Allier. 

t  23.  G.  Adapis  Cuv. 

Obere  Vdz.  wie  in  Anoplotherium ,  Eckz.  wie  in  Oplotherium, 
Bckz.  theilweise  mit  Querhügeln,  einen  Uebergang  vom  Anoplo- 
therium  zum  Tapire  andeutend. 

Eine  Art  im  Montmartre. 

t  24.  G.  Cainolherium  Bravard  {'/Mtvog,  ungewöhnlich; 
O-r/^iov^  wildes  Thier), 

aus  tertiären  Schichten  der  Auvergne,  und 

t  25.  G.  Choerotherium  Cautley  et  Falconer  (/oiQog, 
Ferkel;  &i]Qiov,  wildes  Thier), 

aus  Schichten  am  Himalaya,  sind  noch  sehr  wenig  gekannt, 
t  26.  G.  Macrauchenia  Owen  (f^axQog,  grofs;  auchenia). 

soll  einen  Uebergang  von  den  Palaeotherien  zu  dem  Kameele  bil- 
den, indefs  ist  der  Kopf  der  einzigen,  im  Sande  von  Patagonien 
gefundenen  Art  noch  nicht  gekannt.  (Pictet,  p.  280.) 

t  27.  G.  Toxodon  Owen  (ro^'or,  Bogen;  odcjv^  Zahn). 

Ein  Schädel  des  T.  platensis  Ow.,  welcher  in  einem  tertiären 
Thone  an  dem  Ufer  des  Sarandis,  eines  kleinen  Nebenflusses  des 


48 


SÄUGETHIERE. 


Rio  Negro,  120  engl.  Meilen  NW.  von  Monte -Video  gefunden 
wurde,  ist  das  Einzige,  was  man  von  dieser  merkwürdigen  Gatt- 
ung mit  Sicherheit  kennt.  (Pictet,  Pal.  p.  282.  tb.  14.) 

Durch  ihren  besonders  am  Hinterhaupte  niedergedrückten  Schä- 
del mit  einem  kleinen  Gehirne  und  nach  oben  weit  offener  Nase 
den  Cetaceen  verwandt,  von  welchen  sie  sich  durch  die  Gröfse 
der  Stirnhöhlen  und  ihre  Schneidezähne  entfernt,  durch  ihre 
schwerfällige  Form  einem  gigantischen  Edentaten  sich  nähernd, 
jedoch  durch  das  Vorhandensein  von  f  Schneidezähnen,  denen  der 
Nagethiere  ähnlich,  davon  unterschieden,  und  durch  y  Bckz.,  de- 
ren Email  einen  unregelmäfsig  zusammengedrückten  Cylinder  bildet, 
gleichfalls  den  Nagethieren  nahe  stehend,  verbindet  diese  Gattung 
zugleich  mehrere  Ordnungen  der  Säugethiere  mit  einander. 

3.  Farn.  £mliufer. 

Mit  der  einzigen  noch  lebenden  Gattung  Pferd,  deren  Füfse 
nur  mit  einem  einfachen  Mittelfufsknochen  und  mit  einem  einzigen 
starken,  grofshufigen  Zehen  enden. 

28.  G.  Equus  L.  Pferd. 
Vdz.  f;  Eckz.  klein;  Bckz.  f. 

Während  der  letzteren  Zeit  der  tertiären  Epoche  und  in  der 
ganzen  Diluvialzeit  war  Europa  schon  von  Pferden  bewohnt,  welche 
den  lebenden  Arten  sehr  glichen.  Pictet  macht  darauf  aufmerk- 
sam, wie  auch  in  Amerika,  welches  bekanntlich  seine  Pferde  erst 
der  Einführung  durch  die  Spanier  zu  danken  hat,  lange  vorher 
schon,  während  der  Diluvialepoche,  Pferde  gelebt  hatten. 

E,  f  ossilis.  —  E,  adamiticus  Schi.  Es  war  dem  lebenden 
Pferde  höchst  ähnlich  und  hatte  etwa  die  Gröfse  des  Zebras.  Von 
seinen  Ueberresten  ist  das  Diluvium  (Sand  und  Lehm)  von  Europa  und 
Asien,  wo  es  gröfstentheila  mit  dem  Nashorn  und  Mammuth  zusammen- 
lebte, oft  ganz  erfüllt  ■••).  Auch  in  den  Knochenhöhlen  von  Frankreich, 
in  der  südeuropäischen  Knochenbreccie  und  in  den  Torfmooren  sind 
sie  nicht  selten,  und  E.  simhnsis  vertritt  diese  Art  in  tertiären  Schich- 
ten am  Himalaya. 


*)  Von  Berlin  aus  wird  unter  dem  2.  Mai  1843  (Leipz.  Ztg.  1843.  No. 
105.)  berichtet,  dafs  sich  bei  den  Füfsen  eines,  bei  den  Erdarbeiten  der 
Bonn-Cölner  Eisenbahn  im  Sande  bei  Roisdorf  gefundenen  präadamitischen 
Pferdes,  Beweise  für  eine  Knochenkrankheit  dieses  Thieres  herausgestellt 
hätten. 


WIEDERKÄUER  ODER  ZWEIHUFER. 


49 


E.  a s  in  US  fossilis,  der  fossile  Esel  soll  in  Knochenhöhlen  von 
Frankreich  und  Belgien  vorgekommen  sein. 

t  29.  G.  Hi'ppotherium  Kaup  (^Imrog^  Pferd;  d-r^qlov). 

Bei  aller  Aehnlichkeit  mit  den  Pferden  unterscheiden  sich 
die  Hippotherien  durch  ihre  Backenzähne,  deren  Schmelzschicht 
viel  zahlreichere,  zickzackartige  Fallen  bildet,  als  es  bei  Pferden 
und  Eseln  der  Fall  ist.  Während  bei  den  letzteren  nur  die  Ru- 
dimente von  zwei  kleinen  Zehen  an  dem  Hufe  erkennbar  sind, 
so  zeigt  sich  bei  der  fossilen  Gattung  selbst  noch  eine  vierte. 
Man  kennt  deren  zwei  Arten: 

H.  gracile  Kaup.  —  Equus  mulus  primigemus^  H.  v.  Mey.,  Pal. 
p.  79,  welches  dem  Maullhiere  an  Gröfse  glich,  und 

H.  nanum  Kaup.  —  E,  asinus  primigenius  H.  v.  M.,  welches 
etwas  kleiner  als  der  Esel  war,  beide  aus  tertiärem  Sande  von  Eppelsheim. 

8.  Ordn.  Muminantia.  Wieflerkäiier  oder 
Zweihufer. 

Eine  scharf  begränzte  Ordnung  von  Säugethieren  mit  4  Magen 
und  zweihufigen  Füfsen,  an  welchen  letzteren  gewöhnlich  noch  2 
verkümmerte  Zehen,  sogenannte  Aflerklauen,  vorhanden  sind.  Bei 
den  meisten  fehlen  die  Vdz.  im  Oberkiefer,  so  wie  auch  die 
Eckzähne,  und  es  gilt  für  die  Wiederkäuer  die  Formel:  Vdz.  y 
(I);  Eckz.  8  (1);  Bckz.  f  (f)  (f).  Die  letzteren  sind  theils  aus 
2  halbmondförmigen  Schmelzröhren  gebildet,  wie  an  den  3  hin- 
teren, oder  nur  aus  einer,  wie  an  den  vorderen  Zähnen,  welche 
Böhren  durch  eine  gemeinschaftliche  Schmelzschicht  eingefafst  wer- 
den.   Tiefe  Rinnen  finden  sich  auf  beiden  äufseren  Seiten. 

Die  fossilen  Formen  aus  dieser  Ordnung  schliefsen  sich  en^ 
an  die  noch  lebenden  an,  und  es  giebt  unter  ihnen  nur  wenige 
Gattungen,  welche  nicht  auch  noch  jetzt  existiren.  Sie  beginnen 
erst  in  den  mittleren  tertiären  Bildungen  und  nehmen  in  den  dar- 
überliegenden  jüngeren  Schichten  an  Häufigkeit  zu. 

a.  Üngehörnte  Wiederkäuer. 
1.  G.  Camelus  L.  Kameel.  Chameau. 

Vdz.  f ;  Eckz.  Bckz.  J.  Zwei  Arten  kennnt  män  bis  jetzt 
nur  aus  den  jüngeren  tertiären  Gebilden  der  Siwalik- Berge  am 
Fufse  des  Himalaya,  von  denen  C.  Sivalensis  Caut.  et  Falc.  dem 
Dromedare  sich  nähert. 

Geiiiitz,  Versteineningskunile.  4 


■50  SAÜGETIIIERB. 

t  2.  G.  Merycotherium  Bojaniis. 

Einige  Backenzähne,  von  mehr  trapezoidischer  Form ,  ähneln 
übrigens  sehr  denen  der  vorigen  Gattung. 
M.  Sibiricum  Boj.,  ist  die  einzige  Art. 

3.  G.  Auchenia  III.  Lama. 

;  Bckz.  die  übrigen  Zähne  wie  bei  Camelus.  Lund  wies 
ihre  Existenz  in  Brasiliens  Höhlen  nach. 

Die  nächstfolgenden  drei  Gattungen  schliefsen  sich  eng  an 
die  Hirsche  an,  doch  mögen  sie  hier  ihren  Platz  finden,  da  ihnen 
Geweihe  oder  Hörner  fehlen. 

4  G.  Moschus  L.  Moschusthier.  Chevrotain. 

Vdz.  §;  Eckz.  des  Oberkiefers  lang  hervorragend;  Bck.  J. 
Man  kennt  hiervon  nur  wenige  fossile  Arten: 

M.  antiquus  Kaup,  aus  dem  Sande  von  Eppelsheim,  und  M. 
Beng alensis  Pentland,  aus  Bengalen.  H.  v.  Meyer  nennt  als  andere 
Fundorte  noch  die  rauhe  Alb  und  die  Insel  Wight,  und  neuerdings  wurde 
eine  sehr  kleine  Art  in  den  Braunkohlengruben  zu  Rott,  östlich  am 
Siebengebirge  entdeckt.     (Leipz.  Zeit.  1844.  No.  188.) 

t  5.  G.  Dorcatherium  Kaup. 

Hirschartige  Thiere  mit  y  Bckz.  und  langen  Eckzähnen  im 
Oberkiefer. 

Z>.  Aurelianense  (Cerms  Aurelianensis  v.  Mey.)  glich 
dem  Bebe. 

Aus  dem  Süfswasserkalke  von  Montabusard. 

t  6.  G.  Falaeomeryx  H.  v.  M. 

Von  den  Hirschen  durch  Mangel  eines  Geweihes,  durch  her- 
vortretende Eckzähne  und  durch  die  etwas  abweichende  Art  der 
Faltung  im  Schmelze  der  Backenzähne  verschieden.  (Br.  Leth.  p. 
1186.) 

H.  V.  M.  führt  drei  Arten  dieser  Gattung  aus  tertiären  Schich- 
ten des  Mainzer  Beckens  von  Weisenau  an.  (J.  1843.  p.  387.) 

t  7.  G.  Vremotherium  GeofFr. 

Aus  tertiären  Bildungen  der  Auvergne,  ist  noch  wenig  ge- 
kannt. 


WIEDERKAÜER    oder  ZWEIHUFER. 


öl 


b.    Gehörnte  Wiederkäuer. 
8.  G.  Cervus  L.  Hirsch.  Reh.  Cerf. 

Die  Hirsche  unterscheiden  sich  von  anderen  Wiederkäuern 
durch  ihre  soliden,  meistens  ästigen  Geweihe,  welche  sie  jährlich 
abwerfen,  durch  2  Vdz.,  §  oder  o  Eckz.  und  f  Bckz.,  welche 
letztere  an  der  mittleren  Vertiefung  der  äufseren  Fläche  einen 
kurzen  und  spitzen  Anhängsel  haben. 

Die  ältesten  Hirsche,  welche  man  kennt,  sind  die  aus  den 
mittleren  tertiären  Schichten  Frankreichs,  besonders  bei  Auch.  Aus 
einer  der  hier  vorkommenden  Arten  schuf  Lartet  seine  Untergatt- 
ung Dicroceras.  Die  oberen  tertiären  Bildungen  aber  und  das 
Diluvium  von  Deutschland  und  Frankreich  besonders  zeigen,  dafs 
in  vormaligen  Zeiten  die  Arten  dieser  Gattung  ebenso  mannich- 
faltig  waren,  als  sie  es  noch  in  der  jetzigen  Weltepoche  sind, 

C.  meg  aceros  Hart;  C.  eury  cerus  (Aldr.)  fossilis;  C.  gi^ 
ganteus  Bl. ;  Riesenhirsch;  Irisches  Elenn;  Fossil  Elk.  —  Taf.  HI.  Fig. 
1.  —  Annales  d.  sciences  natur.  Aoüt  1826.  PL  39  (vorzügliche  Ab- 
bildung). —  Br.  Leih.  p.  1181.  tb.  44.  f.  5. 

Der  Riesenhirsch  oder  vielmehr  das  Riesenelenn  war  nicht  gröfser 
als  das  gemeine  Rennthier,  schlors  sich  durch  sein  flaches,  schaufel- 
artiges und  an  dem  Rande  zackiges  Geweih  mehr  an  das  Elenn  an, 
von  welchem  es  sich  aber  durch  seine  Gröfse  und  durch  eine  geringere 
Anzahl  von  Zacken  unterscheidet,  deren  nicht  über  10  (bei  dem  Elenn 
bis  15)  vorhanden,  und  welche  immer  auf  beide  Ränder  vertheilt  zu 
sein  scheinen. 

Eine  Stange  dieser  Geweihe  erreichte  nicht  selten  die  Länge  von 
6',  und  man  kennt  Geweihe,  deren  entfernteste  Enden  beider  Stangen 
12  — 13'  von  einander  abstehen.  War  das  Thier  in  den  damaligen  Ur- 
wäldern zu  leben  bestimmt,  so  läfst  sich  diefs  wohl  nur  mit  der  An- 
nahme vereinigen,  dafs  die  gröfsere  und  üppigere  Entwickelung  der 
einzelnen  Bäume  auch  eine  gröfsere  Entfernung  derselben  von  einan- 
der zur  Folge  hatte,  jedenfalls  aber  bewohnte  das  Thier  die  Torf- 
moore und  Brüche,  denn  fast  in  allen  Ländern  Europas,  am  häufig- 
sten aber  in  Irland,  hat  man  sie  nur  in  Süfswassergebilden,  besonders 
im  KalktufTe,  in  Knochenhöhlen  und  im  Torfe  gefunden.  Auch  glaubte 
man,  sogar  noch  Beweise  für  ihr  Leben  in  geschichtlichen  Zeiten  zu 
haben,  und  Goldfufs  erkennt  in  dem  „grimmen  Scheidt'''  der  Nibelungen 
den  Riesenhirsch  wieder. 

C.  Guettardi  Raup;  C.  Tarandm  priscus.  —  Taf.  HI.  Fig.  2. 
a.  b.  c.  d.  e.  Altersfolgen  der  Stangen. 

4'^ 


52 


SÄÜGETIIIERE. 


Er  war  dem  lebenden  Rennlliiere  höchst  ähnlich.  Schottin  fand 
Geweihe  von  ihm  in  dem  Diluvium  von  Köstritz,  v,  Gutbier  bei  Oelsnitz 
und  Schmerling^  in  Belgien. 

C.  priscus  Kaup  in  Leonh.  Br.  Jahrb.  1839.  p.  297.  tb.  3. 
%.  2.  —  Hiernach:  Taf.  III.  Fig.  3. 

Diese  Art  war  unserem  Edelhirsche  sehr  ähnlich,  doch  zeigt  ihr 
Geweih  unter  der  Krone  4  Sprossen,  der  Edelhirsch  nur  3;  beide 
Stangen  stehen  selbst  viel  weiter  noch  als  bei  dem  Damhirsche  aus- 
einander; endlich  ist  das  ganze  Geweih  bis  zu  der  letzten  Sprosse 
von  oben  nach  unten  zusammengedrückt  und  sein  unteres  Dritttheil 
ist  auf  der  oberen  Fläche  flach,  auf  der  unteren  gerundet  und  vorn 
etwas  schmäler  als  hinten. 

Aus  dem  Diluvium  (Lös)  bei  Bensheim. 

Kaup  vermuthet,  dafs  der  gröfste  Theil  der  aus  dem  Diluvium 
und  den  Knochenhöhlen  Deutschlands  stammenden  Edelhirsch -Geweihe 
zu  dieser  oder  zu  der  folgenden  Art  gehören  möchten. 

C.  primigenius  Kaup  in  Leonh.  Br.  Jahrb.  1839.  p,  168.  tb.  2. 

Nach  Kaup  ist  sein  auffallendstes  Unterscheidungszeichen  vom  Edel- 
hirsche, dafs  das  Geweih  unter  der  Krone  bis  zur  dritten  Sprosse  stark 
zusammengedrückt  ist.  Auch  ist  die  dritte  Sprosse  um  höher  ge- 
stellt, als  es  bei  dem  Edelhirsche  der  Fall  ist.  Mit  Mammuth  und 
Rhinoceros  tichorhinus  zusammen  im  Diluvium  bei  Eberstadt,  und  mit 
Ursus  spelaeus  bei  Fürth  im  Odenwalde. 

Die  zahllosen  anderen  Arten  fossiler  Hirsche,  welche  zum  Theil 
noch  einer  Revision  bedürfen,  zu  nennen,  würde  dem  Zwecke  dieses 
Grundrisses  nicht  entsprechen. 

Auch  aus  den  tertiären  Schichten  am  Himalaya,  von  den  Ufern 
des  Irawadi  im  Reiche  der  Birmanen,  in  Nord-  und  Südamerika 
hat  man  fossile  Arten  dieser  Gattung  entdeckt.  (Pictet,  p.  305.) 

9.  G.  Camelopardalis  L.  Giraffe. 

Diefs  Geschlecht,  jetzt  nur  noch  in  Afrika  repräsentirt,  war 
in  früheren  Zeiten  auch  in  Frankreich  zu  finden,  wo  man  in  der 
Nähe  von  Issoudun  einen  Unterkiefer  "0  fand. 

Falconer  entdeckte  ferner  2  Arten  Giraffen  in  den  oft  genann- 
ten Schichten  der  Siwalik -Berge  am  Himalaya '"•''')  mit  Anoplotherium 
Sivaleme  Falc.  und  Camelus  Sioalensis  Falc.  zusammen. 


*)  Duvernoy,  Compt.  rend.,  29.  Mai  1843. 
♦♦)  PhiL  Mag.  Fol.  25.  No.  165.  1844.  p.  212. 


WIEDBRKAÜKR    OUBR  ZWElilUPER. 


^3 


t  10.  G.  Sivatherium  Cautl.  u.  Falc.  (ßiwalik.  &t;^wv, 
wildes  Thier). 

Der  Kopf  dieses  Thieres,  den  man  nur  kennt,  ist  höchst 
eigenthümlich.  An  Gröfse  dem  eines  Elephanten  gleich,  mit  sehr 
entwickeltem  Hinterkopfe,  kurzer  Gesichtsfläche  und  sehr  stark  ge- 
neigter Stirn,  mit  Nasenknochen,  welche  sich  eigentlich  zu  einer 
spitzen  Wölbung  über  den  äufseren  Nasenlöchern  erheben,  mit 
Hörnern,  welche  über  den  Augenbrauen  entspringen,  gewinnt  das- 
selbe ein  sehr  ungewohntes  Ansehen.  Die  Bildung  der  6  oberen 
Backenzähne  stellt  das  Thier  zu  den  Wiederkäuern,  wiewohl  es 
auch  einige  Aehnlichkeit  mit  Pachydermen  hatte.  Es  wurde  die- 
ser Kopf  am  Himalaya  gefunden.  (Pict.  p.  294.  tb.  15.  f.  5.) 

11.  G.  Antilope  Pallas.  Antilope,  Gazelle,  Gemse  u.  s.  w. 

Thiere  dieser  Gattung  zeichnen  sich  bekanntlich  durch  hohle, 
gerade  oder  gebogene,  drehrunde  oder  geringelte  Hörner  aus, 
welche  sie  nicht  abwerfen  können.  Ihre  Backenzähne,  welche  in 
der  mittleren  Furche  der  äufseren  Fläche  weder  eine  Leiste,  noch 
ein  Anhängsel  haben,  haben  grofse  Aehnlichkeit  mit  denen  der 
Schafe  und  Ziegen. 

Wir  sehen  diese  Gattung  in  der  Vorwelt  nur  sehr  schwach 
vertreten. 

Fundorte,  wie  die  Umgebungen  von  Montpellier,  Meliere -Berg, 
Sansans  und  die  Siwalik-Berge,  von  welchen  man  Reste  dieser  Gattung 
citirt,  gehören  der  mittleren  und  oberen  Terliärformation  an;  ebenso 
kennt  man  auch  Ueberbleibsel  aus  dem  Diluvium  und  den  Knochenhöh- 
len von  Südfrankreich,  Belgien,  England  und  Brasilien. 

t  12.  G.  Leptotherium  Lund  (XenTog,  dünn;  &7](){ov,  wildes 

Thier), 

mit  zwei  Arten  aus  den  Höhlen  Brasiliens,  schliefst  sich  hier  an. 
13.  G.  Ovis  L.  Schaf,  Mouton,  und 
14.  G.  Capra  L.  Ziege,  Chdvre^ 

sind  hier  und  da  in  Knochenhöhlen  und  in  der  Knochenbreccie  auf- 
gefunden worden ,  jedoch  ist  die  Bestimmung  ihrer  Reste  wegen 
der  grofsen  Aehnlichkeit  beider  Gattungen  sehr  schwierig,  sobald 
nicht  Schädel  oder  Hörner  von  ihnen  vorhanden  sind. 

Capra  Rozeti  macht  Pomel  aus  tertiären  Schichten  des  Puy- 
de-D6me  bekannt.  (Compt.  rend.  1844.  19.  p.  225.) 


54 


sXüGETHIERE. 


15.  G.  Bos  L.  Rind,  Ochs,  Stier,  Kuh.  Boeuf. 

Die  Hörner  dieser  grofskopHgen  Wiederkäuer  sind  ebenfalls 
hohl  und  sitzen  auf  knochigen,  seitwärts  gerichteten  Kernen.  Ihre 
Backenzähne  zeichnen  sich  durch  kleine  Leisten  aus,  welche  sich 
längs  der  Vertiefung  zwischen  den  beiden  Haupttheilen  des  Zahnes 
erheben. 

Sie  erschienen  in  Europa  zuerst  an  dem  Ende  der  Tertiär- 
zeit, und  man  findet  sowohl  in  den  da  entstandenen  als  in  den 
späteren  Schichten  von  ihnen  zahlreiche  Ueberbleibsel. 

Keine  Thiergattung  zeigt  besser  als  die  der  Ochsen,  wie 
in  historischen  Zeiten  manche  Art  durch  Verfolgung  des  Men- 
schen auf  einen  immer  kleineren  Raum  zurückgedrängt  wird 
und  endlich  gänzlich  erlischt.  So  war  der  europäische  Auerochs 
noch  vor  2000  Jahren  in  allen  gröfseren  Waldungen  Europas  zu 
Hause,  gegenwärtig  hat  er  sich  in  geringer  Anzahl  in  einen  Win- 
kel Litthauens  und  in  einige  Thäler  des  Kaukasus  geflüchtet,  und 
nur  der  Schutz  des  Gesetzes  hat  seine  gänzliche  Ausrottung  noch 
verhindert 

Auch  die  wilde  Stamm-Race  unseres  Hausochsen  scheint  von 
der  Erde  jetzt  gänzlich  verschwunden  zu  .  sein  ■•  ''  ). 

Dürfte  man  der  Sage  trauen,  so^  hätte  in  der  historischen 
Zeit  in  Europa  aufser  diesen  beiden  Arten  noch  eine  dritte  wilde 
Ochsenart  gelebt,  der  Bison  der  Alten,  und  Herbenstein  drückt 
die  angeblich  frühere  Verwechselung  beider  Arten  in  folgenden 
Worten  aus: 

^^Bison  sum^  Polonis  Zuhr^  Germanis  Bisont^  ignari  Uri 
nomen  dederunt. 

ürus  sum,  Polonis  Tur,  Germanis  Äuerox,  ignari  Bison- 
tis  nomen  dederunt''^ 

Mit  grofser  Gelehrsamkeit  sucht  indefs  Pusch  in  Polens  Pa- 
laeontologie  die  Identität  des  europäischen  Bison  mit  dem  Auer- 
ochsen zu  beweisen. 

Bei  der  Unsicherheit,  die  selbst  bei  der  Unterscheidung  ei- 
niger lebenden  Ochsenarten  noch  herrscht,  ist  es  wohl  nicht  zu 
verwundern,  dafs  zum  Theil  eine  noch  gröfsere  unter  den  aus- 
gestorbenen Arten  lange  Zeit  obwalteLe.     Cuvier  und  Bojanus  wie- 


♦)  Pusch,  Polens  Paläontologie,  Stuttgart.  1837.  p.  196. 
**)  In  keinem  Falle  kann  man  den  Auerochsen  als  Stammrace  des  Haus- 
ochsen betrachten,  wie  diefs  von  Pusch  gründlich  gezeigt  worden  ist. 

***)  Rcrum  Moscovitiearum  comment.  Sigism,  lib.  bar.  de  Herbenstein. 


WIEDERKÄUER    ODER    ZWEIHUFER.  FISCIISXUGETHIERE. 


55 


sen  von  letzteren  zuerst  drei  verschiedene  Species  nach,  welche 
ich  nach  den  von  Pusch  ausgesprochenen  Ansichten  hier  anführe: 

B.  priscus  Bojanus.  liiesenbüffel.  (B.  Caesarts  v.  Seh!.;  B. 
urus  priscus  Cuv. ;  B.  latifrons  Harl.  u.  Fischer ;  B.  Pallasii  Bär ; 
B.  colossus;  Bison  fossilis.  —  Fusch,  Pol.  Pal.  tb.  15.  f.  2  ) 

Diese  Art,  welche  sich  am  mehrsten  den  Bisons,  sowohl  dem 
amerikanischen  Bison,  als  dem  litthauischen  Auerochsen  nähert,  ist  die 
häufigste  unter  allen  fossilen  Ochsenarten,  und  man  findet  ihre  Schädel 
und  Hörner  in  denselben  Diluvialschichten,  in  welchen  die  Knochen 
der  Mammuthe,  Mastodon-  und  Rhinoceros-Arten  vorkommen.  Vorzüg- 
lich zeichnen  sich  die  Hornkerne  dieser  Ochsen  durch  ihre  beträcht- 
liche Länge  und  die  viel  bedeutendere  horizontale  Entfernung  der  bei- 
den Enden  von  einander  aus. 

B.  primigenius  Cuv.  und  Bojanus.  B.  taurus  priscus  vel  fos- 
silis Cuv.  früher;  B.  urus  priscus  Schloth.  —  Pusch,  P.  P.  Tab.  14. 
f.  6.  a.  b. 

Er  ähnelte  mehr  unserem  zahmen  Rinde,  ist  aber  von  ihm  docii 
speciell  verschieden.  Nach  Pusch  stehen  die  Hörner  an  den  Enden 
der  zu  beiden  Seiten  nur  sehr  wenig  eingebogenen  Scheitelkante  zwi- 
schen Hinterhaupt  und  Stirn  mit  ihr  in  einer  Richtung;  die  Stirn  ist 
viereckig  platt,  fast  so  hoch  als  breit  und  nach  der  Stirnnath  merk- 
lich concav  eingedrückt;  die  Ebene  des  Hinterhauptes  macht  mit  der 
Stirn  einen  Winkel  von  55  Grad,  und  die  Fläche  des  Hinterhauptes 
ist  ebenfalls  viereckig. 

Im  Diluvium,  am  gewöhnlichsten  aber  in  Torfmooren  und  ande- 
ren oberflächlichen  Alluvionen. 

B.  Pallasii  Dekay.  B.  moschatus  fossilis?;  B.  canaliculatus 
Fischer,  Oryct.  du  Gouv,  de  Moscou.  tb.  3.  b. 

Die  in  Sibirien  und  bei  Neu-Madrid  in  Nordamerika  aufgefunde- 
nen Theile  zeigen  einen  dem  im  Norden  Amerikas  lebenden  Bisamstier, 
B.  moschatus,  sehr  ähnlichen,  wenn  nicht  vielleicht  ganz  gleichen  Ochsen  an. 

B.  trochocerus  H.  v.  M.  gehört  dem  Diluvium  Ober- Italiens  an. 

Auch  in  Amerika  (Kentucky),  in  Asien  (an  den  Siwalik- Bergen 
und  am  Irawadi)  und  in  Afrika  sind  Reste  fossiler  Ochsen  entdeckt 
worden. 

9.  Ordn.  Cetacea.  Fiischisäiig^etliiere. 

An  ihren  fischähnlichen  Körpern  sind  die  Vorderfnfs©  in  Flos- 
sen und  die  Hinterfüfse  in  eine  horizontale  Schwanzflosse  umge- 
wandelt.    Durch  ihr  Gebifs  nähern  sich  einige  den  Pachydermen 


56 


SAUGETIIIERE. 


Die  fossilen  Reste  dieser  Tliiere  sind  im  Ganzen  nicht  häufig 
und  noch  wenig  gekannt,  blieben  indessen  schon  den  älteren  ter- 
tiären Schichten  nicht  ganz  fremd. 

Die  Angaben  über  fossile  Arten  der  Gattungen 

1.  G.  Manatus  Cuv.  Lamantin,  und 

2.  G.  Halicore  III.  Dujong^ 

beziehen  sich,  wie  es  scheint,  auf  die  neue,  zwischen  beiden 
stehende 

t  3.  G.  üalianassa  H.  v.  Meyer.  {Balitlierium  Kaup, 
Cheirotherium  Bruno), 

von  welcher  Gattung  fossile  Reste  in  der  Molasse  zu  Baldringen 
in  Oberschwaben  mit  denen  von  Metaxytherium  zusammen  aufge- 
funden worden  sind.    (Leonh.  Br.  Jahrb.  1842.  p.  101.) 

t  4.  G.  Metaxytherium  Christol.  (fniaiv^  dazwischen; 
d^TfQLOVf  wildes  Thier), 

welche  die  Backenzähne  des  Lamantins  und  das  Skelett  der  Dujongs 
besafs.  (Leonh.  Br.  J.  1841.  p.  862.  u.  1842.  p.  622.) 

Die  Backenzähne  hatten  mit  denen  von  Hippopotamus  grofse 
Aehnlichkeit,  und  Cuvier  gründete  daher  auch  auf  solche  Zähne 
seine  Arten  Hippopotamus  medius  und  E.  duhius^  welche  indefs 
nun  mit  der  neuen  Gattung  vereint  worden  sind.  Auch  die  Rippe 
und  der  Wirbel,  welche  Cuvier  einem  Lamantin  und  dann  einem 
Wallrosse  zuschrieb,  gehören  aufser  anderen  Resten  zu  dieser  Gatt- 
ung, von  M^elcher  1840  in  einem  festen  Kalksteine  bei  Beaucaire 
ein  vollständiges  Gerippe  entdeckt  wurde. 

Die  mittleren  und  oberen  Tertiärbildungen  von  Frankreich, 
besonders  die  oberen  von  Montpellier,  schlössen  Ueberbleibsel  von 
Metaxytherium^  welches  nach  Pictet  wahrscheinlich  zu  den  Pflan- 
zenfressern gehörte,  ein. 

t  5.  G.  Zeuglodon  Owen.  Zygodon  Owen.  Jochzahn.  Basi- 
losaurus  Harlan  (Cavyh]^  Joch;  6dm',  Zahn). 

Die  Backenzähne  dieser  Gattung  sind  in  der  Mitte  einge- 
schnürt, so  dafs  sie  aus  zwei,  durch  ein  schwaches  Stielchen  ver- 
einigten Theilen  bestehen.  Ihr  Unterkiefer  ist  innen  ausgehöhlt, 
wie  bei  den  Cachelots,  und  ihre  kurzen  und  niedergedrückten  Glie- 
der verweisen  sie  in  die  Ordnung  der  Cetaceen. 

Z.  ce  toi  des  Owen,  wurde  durch  Harlan  in  tertiären  Schich- 
ten von  Louisiana  und  Alabama  in  den  vereinigten  StiJaten  entdeckt,  und 


,  FISCHSAÜGBTHIERE.  67 

in  dem  letzleren  Staate  fand  Buckley  einige  Jahre  später  ein  ganzes 
Skelett  dieser  Art  von  70  Fufs  Länge  ■•  )• 

6.  G.  Delphinus  L.  Delphin. 

Ihre  NasenölFnung  ist  in  ein  Sprrtzloch  verwandelt,  um  das 
mit  ihrer  Nahrung  eingeschluckte  Wasser  wieder  auszuspritzen. 
In  beiden  Kiefern  stehen  9  —  50  kleine,  gleich  grofse  kegel- 
förmige Zähne. 

Auch  in  tertiären  Meeren  lebten  Delphine,  und  in  den  Schich- 
ten von  Dax,  Angers,  an  den  Apenninen  und  zu  Calvert  in  Ma- 
ryland hat  man  mehrere  fossile  Arten  von  ihnen  schon  aufgefunden. 

t  7.  G.  Arionius  H.  v.  Mey. 

Dieses  den  Delphinen  verwandte  Meer- Säugethier  wird  von 
H.  V.  Meyer  ■"""')  so  charakterisirt: 

„Kopf  dem  Typus  der  delphinartigen  Thiere  ähnlich ,  die 
Hinterhauptsfläche  nach  oben  concav;  Stirnflache  platt,  horizon- 
tal und  von  namhafter  Breite;  unmerklicher  Uebergang  vom  Schä- 
del zur  Schnauze;  der  Zwischejikiefer  in  der  Gegend  des  Sprilz- 
Apparates  erhaben;  weit  klaffender  Xasencanal  lings  der  Schnauze; 
langschnauzig ;  geringe  Unsymmetrie  in  der  Gegend  des  Spritz- 
Apparates;  die  Symphysis  des  Unterkiefers  nicht  unter  i  von  der 
Totallänge  des  Schädels;  der  Rachen  mit  vielen  Zähnen  bewaff- 
net, welche  im  Oberkiefer  nicht  früher  ausfallen;  die  Zähne  von 
pyramidaler  Bildung,  die  Krone  derselben  nach  oben  flacher  wer- 
dend, vorn  und  hinten  mit  einer  scharfen  Kante  versehen,  sonst 
leicht  gestreift,  die  Kanten  und  Streifen  nicht  ausschliefslich  der 
Schmelzbekleidung  eigen.  Das  vollständige  Thier  wird  nicht  unter 
12'  Länge  gemessen  haben.'' 

A»  servatus^  die  einzige  Art,  aus  der  Molasse  Baldringens  im 
würterabergischen  Oberschwaben. 

8.  G.  Monodon  L.  Narwall. 

Mit  2  horizontalen,  sehr  langen  und  schraubenförmig  gewun- 
denen Eckzähnen  im  Oberkiefer,  von  denen  der  rechte  meistens 
verkümmert  ist. 

Ihr  Vorkommen  im  fossilen  Zustande  ist  zweifelhaft, 
t  9.  G.  Ziphius  Cuv. 

Nach  Cuvier  eine  den  Delphinen  verwandte,  jetzt  ausgestor- 
bene Gattung  mit  drei  Arten,   von  welchen  zwei  aus  tertiären 

*)  Edinb.  new.  philos.  Journ.  18^3.  p.  77. 
*♦)  Leonh.  Br.  Jahrb.  1841.  p.  330. 


58 


SÄÜGBTHIERE.  VÖGEL. 


Schichten  der  Provence  und  von  Angers  stammen.  Nach  de  Blainville 
hat  diese  Gattung  aber  ihren  lebenden  Repräsentanten  in  Delphi- 
nus  micropterus  Cuv. 

10.  G.  Physet&r  L.  Pottwall.  Cachelot. 
Nach  Marcel  de  Serres  gehören  einige  Knochen  aus  den  obe- 
ren tertiären  Gebilden  von  Montpellier,  und  nach  Owen  und  Char- 
lesworth einige  aus   dem  Crag  von  Felixstow  dieser  Gattung  an. 
(Pictet,p.  320.) 

t  11.  G.  Cetotherium  Brandt. 
,  Mit  diesem  Namen  belegte  Brandt  Cetaceen-Reste  von  Anapa, 
welche  sehr  an  Balaenoptera  erinnern. 

12.  G.  Balaena  L.  Wallfisch. 

Auch  die  gigantischen  Bewohner  unserer  Meere  fehlten  nicht 
ganz  in  der  früheren  Schöpfung. 

B.  C ortest  Destnoulins,  etwa  von  12'  Länge,  wird  aus  jungen 
tertiären  oder  noch  jüngeren  Schichten  Italiens  und 

B.  Cuvieri  Desm.,  ungefähr  von  21'  Länge,  aus  ähnlichen 
Schichten  der  Lombardei  angeführt. 

Unbestimmte  Reste  yon  Wallfischen  werden  aus  der  Dauphine, 
von  Montpellier,  aus  Schottland,  England  und  anderen  Orten  citirt. 

IL  Klasse.  Aves.  Vögel. 

Rückgraththiere  mit  rothem,  warmem  Blute,  welche  Eier  legen 
und  mit  Federn  bedeckt  sind. 

Die  in  Flügel  umgebildeten  Vorderglieder,  die  schiiTarlige 
Gestalt  ihres  Rumpfes  ''),  in  dessen  Innerem  grofse  Luftzellen  vor- 
handen sind,  und  die  markleeren,  hohlen  Knochen  der  meisten 
Vögel  zeigen  unverkennbar,  dafs  die  Vögel  ihrer  ganzen  Organi- 
sation nach  zu  dem  Athmen  in  der  Luft  und  vorzugsweise  zu  dem 
Fliegen  bestimmt  sind. 

Die  Zahl  ihrer  Halswirbel  variirt  von  9  bis  zu  28.  Ober- 
und  Unterkiefer,  welche  sich  zu  einem  Schnabel  verlängern,  sind 
beide  beweglich  und  zahnlos  Anstatt  des  Fufswurzel-  und 

Mittelfufsknochens  besitzen  sie  nur  einen  Knochen,  den  Lauf,  an 
welchem  die  Zehen  unmittelbar  befestiget  sind. 

*)  Nur  bei  einigen,  nicht  mit  Flugfertigkeit  begabten  Vögehi  ist  das 
Brustbein  flach. 

**)  Der  sogenannte  Zahn  auf  dem  Rande  des  Schnabels  einiger  Vögel 
ist  nur  eine  eckige  Erhöhung  desselben. 


VOGELFAHRTEN    IN    ÄLTEREN  GESTELNEN. 


59 


Bei  der  grofsen  Einförmigkeit  in  dem  Baue  der  Vögel  bieten 
die  Füfse,  Schnabel  und  Flügel  die  Hauptanhaltepuncte  für  ihre 
Classification  dar. 

Während  die  Klasse  der  Vögel  in  der  jetzigen  Schöpfung 
eine  so  bedeutende  Rolle  spielt  "••),  so  scheint  sie  in  früheren 
Zeiten  gerade  am  untergeordnetsten  gewesen  zu  sein,  und  die  Kennt- 
nifs  von  fossilen  Arten  aus  dieser  Klasse  ist  leider  noch  sehr  gering. 

Das  Vorkommen  der  Vögel  und  der  Säugethiere  setzt  eine 
Atmosphäre  voraus,  welche  nicht  zu  reich  an  Wasserdämpfen  und 
an  Kohlensäure  i«t,  und  gerade  diese  Bedingung  scheint  in  früheren 
Epochen  unseres  Erdballs  nicht  so  erfüllt  gewesen  zu  sein,  wie 
jetzt.  Bei  ihrer  flüchtigen  Lebensweise  konnten  die  Vögel  sich  wohl 
auch  eher  den  Finthen  entziehen,  in  welchen  andere  Thicre  das 
Grab  fanden,  und  bei  der  Leichtigkeit  ihres  Körpers,  welcher  selbst 
nach  dem  Tode  des  Thieres  noch  einige  Zeit  auf  der  Oberfläche 
der  Gewässer  umhergetrieben  wurde,  mufsten  die  meisten  von  ihnen 
wohl  die  Beute  marinischer  Raubthicre  werden. 

1.  Vogelfalirten  in  älteren  Ges»teinen. 

(Taf.  V.  Fig.  1,  2,  3.) 

Der  bunte  (neu-rothe)  Sandstein  ist  es  gewöhnlich,  in  wel- 
chem Fufseindrücke  von  Thieren  und  Abdrücke  dieser  Fährten  *" ) 
aufgefunden  werden.  1836  wies  Ilitchcock  in  einigen  Schichten 
dieses  Gesteines  von  Massachusetts  und  Connecticut  zahlreiche  Ein- 
drücke nach,  welche  theilweise  denen  von  Vogelfüfsen  glichen, 
theilweise  aber  auch  von  Reptilien  herrühren  mochten. 

Hitchcock  nennt  die  ersteren  Ornithiclinitcn ,  von  oQvig,  Vo- 
gel und  l/vtov,  Fährte,  und  unterscheidet  von  ihnen  mehrere  Arten. 

Ornithichnites  Hitchc.  (L.  Br.  J.  1836.  p.  467.  tb.  5.) 

0.  giganteus  II.  —  Buckl.  Min.  and  Geol.  PL  26  b.  ßg.  1. 

Die  Fährten  zeigen  einen  dreizchigen  Fufs  an  und  sind  ganz  ähn- 
lich denen  von  0.  tuberosus.  Die  Zehen  bleiben  ziemlich  gleich  dick 
und  enden  in  eine  gerade  dünne  Klaue.  Die  Länge  eines  Fulses  ohne 
Klauen  beträgt  15"  engl.,  die  mit  Klauen  16^  — 17";  die  Dicke  einer 
Zehe  1$",  die  Breite  derselben  2".  Innere  Zehe  mit  2,  milllcrc  mit 
3  Gliedern.     Die  Schrittweite  war  4'  — 6'. 


*)  Nach  Leunis  (Synopsis  der  drei  Naturreiche,  1844)  beträgt  die  An- 
zahl der  bekannten  Arten  über  6000. 

**)  Vergl.  Fährten  von  Sauriern  im  bunten  Sandsteine. 


60  VOGEL. 

0.  tuberosus  H.  —  Taf.  V.  Fig.  2. 

Nur  halb  so  grofs  als  die  vorigen  Fährten  und  mit  relativ  länge- 
ren Klauen.     Schrittweite  24"  — 33''. 

0.  ingens  H.  Mit  drei  schmalen,  lang  zugespitzten  Zehen. 
Länge  des  Fufses  15"  — 16".  Ein  8"  — 9"  langer  Anhang  hinter  der 
Ferse  rührt  vermuthlich  von  Federn  her,  weiche  über  der  Ferse  stan- 
den und  sich  im  Schlamme  mit  abgedrückt  haben.  Schrittweite  6'. 
Hiervon  findet  sich  auch  eine  kleinere  Varietät. 

O,  diver sus  H.  —  Taf.  V.  Fig.  1. 

2"  —  6"  lange  Fährten  mit  drei  langen,  schmalen  Zehen  und  einem 
Federbüschel  hinter  der  Ferse.  Schrittweite  8"  —  2l".  Sie  kommen 
am  häufigsten  vor  und  gehören  vielleicht  nur  jüngeren  Individuen  der 
vorigen  Art  an. 

0,  tetradactylus  H.  Drei  Zehen  stehen  nach  vorn,  eine  vierte, 
welche  nicht  mit  der  Ferse  zusammenhängt,  ist  fast  unter  einem  rech- 
ten Winkel  nach  innen  und  hinten  gekehrt.  Länge  2|f"  —  32".  Schritt- 
weite 10"  — 12". 

0.  palmatus  H.  —  Taf.  V.  Fig.  3. 

Mit  vier  nach  vorn  gerichteten  freien  Zehen  und  breiter  Ferse. 
Die  beiden  äufseren  Zehen  sind  die  kürzesten,  und  die  beiden  inneren 
sind  von  einander  am  meisten  getrennt.  Länge  2^"  —  3".  Schritt- 
weite 8". 

Solch  eine  Stellung  der  Zehen  kommt  bei  keinem  lebenden  Vogel 
vor,  und  es  scheint,  als  ob  diese  Fährten  eher  den  Reptilien  zuzu- 
rechnen seien. 

0.  minimus  H.  Hat  nur  3  kurze,  breite  Vorderzehen.  Länge 
i"  — 1^".     Schrittweite  Z"  —  b". 

Auch  diese  Fährten  dürften  eher  von  Reptilien  als  von  Vögeln 
abstammen. 

Die  meisten  dieser  Fährten,  wenigstens  0.  ingens  und  0. 
diversus,  scheinen  von  Sumpfvögeln  herzurühren,  wiewohl  die  er- 
sleren  und  0.  giganteus  sich  ihrer  Gröfse  halber  mit  keiner  der 
lebenden  Arten  passend  vergleichen  lassen.  Selbst  die  Fufslänge 
des  Straufses,  des  gröfsten  aller  lebenden  Vögel,  beträgt  bei  einem 
8'  hohen  Individuum  nur  10".  Indessen  stimmen  auch  alle  neue- 
ren Beobachtungen  dahin  überein,  dafs  diese  Fährten  von  Zwei- 
füfsern  entstanden  sind  " ). 

♦)  In  einem  Briefe  an  Mantell  sagt  Deane:  „Die  Fährten  sind  unab- 
änderlich die  eines  Zweifüfsers  und  auf  der  oberen  Seite  der  Schichten, 
während  die  untere  den  Convex- Abdruck  zeigt.    Zuweilen  kann  man  bis 


VOGELKNOCHEN    IN    DER  KREIDEFORMATION. 


Der  von  Koch  am  Missisippi  angeblich  in  silurischen  Schich- 
ten entdeckten  Spuren  von  reiherartigen  Vögeln  geschah  schon  bei 
menschlichen  Fufseindriicken  (p.  5.)  Erwähnung. 

9.  Vog^elknochen  in  der  Kreideformation. 

Rechnet  man  das  von  Mantell  in  dem  Haslingssande  des  Wal- 
des von  Tilgate  aufgefundene  und  von  Owen  als  der  Tarso-Meta- 
tarsal -Knochen  eines  dem  Reiher  ähnlichen  Sumpfvogels  bezeich- 
nete Knochenfragment  ab ,  so  ist  das  Vorkommen  von  Vogelknochen 
in  Schichten  der  Kreideformation  das  älteste. 

Escher  von  der  Linth  fand  in  dem  zu  ihr  gehörigen  Schiefer 
von  Glaris  ein  Skelett,  welches  H.  v.  Meyer  für  das  eines  Vogels 
erkannte  und  als  solches  beschrieb  "0-  die  Füfse  dieses  Vo- 

gels nicht  zum  Waten  eingerichtet  waren,  so  gehörte  er  nicht 
zu  den  Sumpfvxigeln ,  pafste  hingegen  am  befsten  in  die  Ordnung 
der  Sperlingsvögel  und  besafs  ungefähr  die  Gröfse  der  Lerche. 

Owen  zeigte  in  drei  Knochen,  besonders  in  einem  derselben 
von  9"  engl.  Länge,  aus  der  Kreide  von  Maidstone,  welche  er 
durch  Lord  Enniskillen  erhielt,  die  grofse  Aehnlichkeit  mit  dem 
Oberarmknochen  des  Albatros^  von  welchem  sich  der  fossile  Kno- 
chen durch  drei  schärfere  Kanten  unterscheidet 

Gervais  bezeichnet  Vogelknochen  mit  dem  Gattungsnamen 
Osteornis  (Knochenvogel)  und  nennt  den  von  Mantell  aufgefun- 
denen 0.  ardeaceus,  den  von  Meyer  bestimmten  Vogel  0.  sco- 
lopacinus  und  den  von  Maidstone  0,  diomedeus.  (L.  Br.  J. 
1844.  p.  877.) 

3,  Vögel  in  tertiären  nnd  jüng^eren 
l§chichten. 

Schon  Cuvier  bewies,  dafs  der  Gyps  von  Montmartre  wenig- 
stens 11  Arten  Vögel  einschliefse ,  unter  welchen  3  Raubvögel 
{Haliaetos,  Buteo^  Strix)^  1  Hühnervogel  (Coturnix)^  4  Sumpf- 
vögel (Ibis^  Scolopax^  Pelidna  und  Numenius  gypsorum)  und  2 
Schwimmvögel  (Pelecanus)  waren***),  und  noch  1842  zeigte  GeofFroy- 
St.-Hilaire  in  der  Akademie  zu  Paris  das  fast  vollständige  Skelett 


über  10  auf  einander  folgende  Fährten  eines  Individuum  zählen."  (L.  Br.  J. 
1844.  p.  248  ,  635.) 

*)  L.  Br.  J.  1839.  p.  683. 

**)  L.  Br.  J.  1841.  p.  856. 
L.  Br.  J.  1844.  p.  877. 


62 


VOGEL. 


eines  ganzen  Vogels  ans  den  Kalkbrüchen  des  Montmartre  vor. 
{Compl,  rend.  Tome  14.  p.  219.) 

Nach  einigen  Vogelknochen  aus  dem  London- Thone  schuf 
Owen  die  neue  Gattung  Lithornis  (Steinvogel)  und  nannte  die 
Art  L.  tmltnrinvs.  König  bezeichnete  den  Schädel  eines  Schwimm- 
vogels aus  dem  London -Thone  von  Sheppey  zu  Ehren  des  ver- 
dienten Buckland:  Bucklandium. 

Nach  H.  V.  Meyer  umschliefst  das  Tertiärgebilde  von  Wei- 
senau Ueberreste  von  wenigstens  einem  Dutzend  Vögeln  verschie- 
dener Art,  welche  sich  auf  zwei  Raubvögel,  auf  sperlingsartige, 
hiihnerartige,  Sumpf-  und  Schwimmvögel  vertheilen  lassen '"')• 

Im  Süfswasserkalke  des  Cantal-Dep.  glaubt  Jourdan,  Knochen 
eines  Cathartes  entdeckt  zu  haben,  an  dem  Moliere -Berge  kom- 
men, nachBourdet,  Knochen  von  Hühnern  vor,  und  Karg  und  Schinz 
zeigen  eine  sehr  grofse  Schnepfe  aus  dem  Schiefer  von  Oeningen 
an.  (Pictet,  Pal.  p.  347.) 

Unbekannter  sind  die  Nachrichten  über  die  in  jüngeren  ter- 
tiären Bildungen  der  Auvergne  aufgefundenen  Vogelreste,  von  denen 
Gervais  •'■  '■)  indessen  auch  mehre  Gattungen  bezeichnet. 

Aufserdem  sind  aus  dem  diluvialen  Sande,  aus  den  Knochen- 
breccien  und  den  meisten  Höhlen  Knochen  aus  allen  Ordnungen 
der  Vögel  bekannt  geworden,  welche  jedoch  entweder  keine  Be- 
stimmung zulassen  oder  noch  einer  genaueren  Untersuchrng  be- 
dürfen. Lund  allein  zeigt  aus  den  Höhlen  Brasiliens  33  fossile 
Arten  aus  26  Geschlechtern  an,  worunter  1  Raubvogel,  18  Sing- 
vögel, 6  Kletter-,  4  Hühner-  und  5  Sumpfvögel  sind.  Sie  ge- 
hören fast  alle  in  die  dort  einheimischen  und  zum  Theil  Süd- 
amerika eigenthümlichen  Gattungen.  Nur  eine  jener  Arten  ist  von 
jetzt  lebenden  Vögeln  gänzlich  verschieden  und  deutet  auf  eine 
ausgestorbene  Form  aus  der  Familie  der  Hühnerstelzen  (Alectori- 
den).    Sie  hatte  die  Gröfse  des  amerikanischen  Straufses  ***). 

Selbst  Eier  und  Federn  fossiler  Vögel  fand  man  in  ter- 
tiären und  jüngeren  Gesteinen  noch  eingeschlossen,  erstere  in  dem 
Süfswasserkalke  der  Auvergne  und  letztere  in  den  Kalken  des 
Monte-Bolca  und  in  dem  Gypse  von  Aix  t). 


♦)  L.  Br.  J.  1843.  p.  398. 
L.  Br.  J.  1844.  p.  877. 
L.  Br.  J.  1843.  p.  237. 
t)  Pictet,  p.  348.  —  Jahrb.  1844.  p.  877. 


VÖGEL    IN    TERTIÄREN    UNI)    JÜNGEREN  SCHICHTEN. 


63 


Aber  zu  den  interessantesten  Auffindungen  in  neuester  Zeit 
gehören  ohnstreitig  die  riesenhaften  Vögel  im  Schlamme  der  Flüsse 
Neuseelands. 

Owen's  Vermuthungen  bei  Untersuchung  eines  grofsen  Ober- 
schenkel-Bruchstücks aus  Neuseeland,  dafs  dasselbe  einem  riesen- 
haften Vogel  angehört  habe,  welcher  die  meiste  Verwandtschaft 
mit  dem  dort  noch  lebenden  Apteryx  habe'"),  fanden  schon  1843 
eine  glänzende  Bestätigung.  Es  wurden  nämlich  durch  dem  Mis- 
sionär Revd.  Williams  aus  Neuseeland  zwei  Kisten  Knochen  nach 
London  gesendet,  welche  durch  Buckland,  Broderip  und  Owen 
untersucht  wurden. 

Die  Knochen  der  ersten  Kiste  bestanden  in  Oberschenkeln, 
Schienbeinen,  Becken,  Halswirbeln,  Rabenschnabelbeinen  und  einem 
Tarsalbeine  und  liefsen  auf  einen  sehr  starken  Vogel  von  etwa 
14  Fufs  Höhe  schliefsen. 

Der  Charakter  dieses  Riesenvogels  geht  im  Allgemeinen  aus 
nachstehendem  Briefe  hervor: 

(An  Dr.  Buckland.   Nach  Aufstellung  einer  Liste  von  23  Knochen.) 

Es  ist  genug  des  Angekommenen,  um  zu  zeigen,  dafs  diese 
Knochenreste  dem  nämlichen  Vogel  angehören,  von  welchem  ich  schon 
1839  ein  Bruchstück  beschrieben  habe.  Er  ist  verschieden  vom  Straufse, 
v\^eil  er  dreizehig,  verschieden  von  den  dreizehigen  Struthioniden  durch 
die  Abwesenheit  der  Luft  im  Femur  und  durch  die  Kürze  des  Mefa- 
tarsal  (Mittelfufsknochens)  gegen  die  Tibia  (Schienbein).  In  diesen 
Charakteren  zeigt  der  grofse  Vogel  eine  bedeutende  Verwandtschaft 
mit  Apteryx^  der  unter  allen  lebenden  Vögeln  ihm  theilweise  am  näch- 
sten steht,  aber  einen  vierten  Zehen  besitzt.  Ich  habe  ihn  daher  als 
Meg alornis  Novae  Hollandiae  bezeichnet.  Er  ist  vollkommen 
stark  genug,  um  Fufstapfen  so  grofs  wie  Ornithichnites  giganteus 
Hüchcock  und  noch  gröfser  zu  machen,  und  alle  noch  vorhandenen 
Zweifel,  ob  diefs  Eindrücke  von  einem  grofsen  dreizehigen  Vogel 
seien,  sind  durch  den  Anblick  dieser  Knochen  aus  meinen  Gedanken 
verschwunden. 

R.  Owen."  (L.  Br.  J.  1843.  p.  335.) 


*)  Lond.  Ed,  D.  phil.  Mag,  V,  22.  p.  558.  —  Apteryx,  mit  der  einzigen, 
etwa  32"  hohen  Art,  A,  australis  Temk.  oder  dem  Kiwi,  ist  bisher  immer 
unter  die  straufsartigen  Vögel  gezählt  worden,  gehört  jedoch,  nach  Reichen- 
bach, zu  den  schnepfenartigen  Vögeln,  unter  welchen  er  die  straufsartigen 
vertritt. 


64        VÖGEL.  —  VÖGEL    IN    TERTiXUEN    UNü    JÜNGEREN  SCHICIITEX. 


Dinornis  Owen  (Je^o^,  ungeheuer;  oQviq,  Vogel). 

Unter  diesem  Namen  fafst  Ow^en  die  früher  als  Megalomis 
bezeichneten  und  die  anderen,  später  von  ihm  beschriebenen  Ar- 
ten neuseelander  Riesenvögel  zusammen. 

D.  Novae  Z ealandiae  Ow.  (Megalomis  Novae  HoUandiae.) 

Der  vollständigste  Unterschenkel  jener  Sendung  ist  2'  4^"  engl,  lang 
und  entspricht  einem  14"  langen  Oberschenkel.  Der  Umfang  des  ersteren 
dieser  Knochen  ist  am  Binnenende  15"  und  in  der  Milte  5".  Die  Länge 
des  Tarsal- Beines  (Laufes)  beträgt  12",  sein  Umfang  in  der  Mitte  4" 
5'",  seine  Breite  am  Aufsenrande  3"  lO"'.  Durch  diese  verhältnifs- 
mäfsige  Kürze  und  Stärke  dieses  dreitheiligen  Knochens  steht  der 
Vogel  dem  Apteryx  näher  als  den  anderen  lebenden  Strutkioniden, 
von  welchen  letzteren,  ebenfalls  dreizehigen  Vögeln  er  sich  durch 
das  Verhältnifs  der  Beinknochen  und  die  dichtere  Structur,  wie  bei 
Apteryx  ohne  Luftröhre,  genügend  unterscheidet.  Der  Mangel  einer 
Hinterzehe  trennt  ihn  von  Apteryx  und  Didus,  der  Dronte  oder  dem 
Dudu,  welcher  auf  der  Insel  Rodriguez,  wahrscheinlich  gleichzeitig  mit 
diesem  auf  der  nördlichen  Insel  von  Neuseeland  lebenden  Vogel,  er- 
loschen ist.  Sein  Becken  hatte  gröfsere  Aehnlichkeit  mit  dem  der 
Trappen  als  mit  dem  der  straufsartigen  Vögel.    (Jahrb.  1844.  p.  242.) 

Später  unterscheidet  Owen  nach  dem  ihm  zugekommenen 
Vogelknochen  von  den  Ufern  der  Wairon,  die  in  die  Armuths- 
Bai  ausmündet,  fünf  ausgestorbene  Dinornis- Arten  Neuseelands  ■'■'): 

D.  gig anteus:  eine  von  Williams  aufgefundene,  2'  lO"  lange 
Tibia  (Unterschenkel)  entspricht  einem  lO'  hohen  Vogel; 

D.  strnthioides:  war  l'  hoch; 

D.  didiformis:  war  dem  Dudu,  Didus  ineptus,  am  meisten 
verwandt ; 

D.  dromaeoides:  mochte  5'  hoch  sein; 

jD.  otidiformis:  von  der  Gröfse  des  gemeinen  Trappen. 

Keiner  dieser  Knochen  besafs  eine  Luftröhre,  wefshalb  auch 
keiner  jener  Vögel  zum  Fliegen  bestimmt  war,  zweifelsohne  die 
Veranlassung  zur  baldigen  Ausrottung  derselben. 

Im  Dinornis  Novae  Zealandiae  oder  D.  giganteus  erblickt 
man  den  gröfsten  ■''■)  aller  bis  jetzt  bekannten  Vögel,  welcher, 

*)  L.  E.  D.  phil.  Mag.  Vol.  24.  p.  378.  —  Jahrb.  1844.  p.  381. 

**)  F^ast  unbegreiflich  ist  es,  wie  man  noch  häufig  selbst  in  den  neue- 
sten Schriften  den  Riesengreifen,  Gryphus  antiquitatis  Schub.,  unter  den 
Vögeln  aufgeführt  findet,  da  es  doch  längst  erwiesen  ist,  dafs  dieser  in  das 
Reich  der  Fabeln  gehörende  Vogel  durch  menschliche  Phantasie  aus  Hörnern 
und  anderen  Theilcn  fossiler  Rhinocerosse  entstand. 


REPTILIEN. 


65 


wie  es  auch  mit  den  anderen  Arten  dieser  Gattung  der  Fall  zu 
sein  scheint,  wahrscheinlich  unserer  jetzigen  Weltepoche  noch  an- 
gehört hat. 

III.  Klasse.  Reptüia.  Amphibia.  Reptilien. 
Amphibien. 

Rückgratthiere  mit  kaltem  Blute,  welche  durch  Lungen  ath- 
men,  Eier  legen,  mit  Schuppen  oder  Schildern  bedeckt,  oder 
nackthäutig  sind.  Einigen  fehlen  die  Beine  gänzlich,  andere  ha- 
ben 2,  die  meisten  jedoch  4  Beine. 

Beide  Kiefern  sind  nur  bei  den  Schlangen  beweglich.  Aufser 
bei  den  Schildkröten  und  der  Fipa  oder  Wabenkröte  sind  diese 
mit  spitzen  scharfen  Zähnen  bewaffnet,  welche  theils  in  Höhlungen 
eingekeilt  sind,  wie  bei  den  Säugethieren,  theils  mit  dem  Kiefer- 
rande verwachsen  und  theils  an  der  Innenseite  des  Kiefers  ange- 
wachsen sind,  wo  sie  bisweilen  in  Längsrinnen  stehen.  Selbst 
im  Gaumen  sind  bei  ihnen  oft  Zähne  befestigt.  Die  Zahl  der 
Wirbel  und  Rippen  ist  sehr  verschieden.  Den  Fröschen  fehlen 
die  letzteren  ganz,  und  den  Schlangen  mangeln  das  Becken  und 
die  Schlüsselbeine.  Gegenwärtig  kennt  man  an  800  lebende  Arten. 
(Leunis,  Synopsis  der  drei  Naturreiche,  p.  125.) 

Wie  in  der  Geschichte  der  Menschheit  gewisse  Eiitwickelungs- 
stufen  nicht  zu  verkennen  sind,  wie  der  Bebauung  der  Wissen- 
schaften immer  die  Ausbildung  der  Kunst  vorausging,  und  wie  die 
einzelnen  Völker  berufen  waren,  einen  immer  höheren  Zweig  der 
Kunst  und  später  der  Wissenschaft  zu  cultiviren,  während  von 
ihnen  die  Stufe  oft  nicht  erreicht  ward,  welche  ihre  Vorgänger 
in  Bezug  auf  das  niedrigere  Stadium  einnahmen,  ganz  so  geschah 
es  auch  bei  der  allmählich  emporsteigenden  Entwicklung  der  thier- 
ischen Schöpfung,  die  unseren  Erdball  bewohnte.  Kaum  giebt  es 
hierfür  einen  schöneren  Beweis,  als  uns  die  Geschichte  der  Rep- 
tilien darbietet.  Zuerst  in  dem  Kupferschiefer  und  Zechsteine  mit 
einer  der  jetzigen  Welt  ganz  fremden  Form  beginnend,  bezeugen 
die  Fährtenabdrücke  im  bunten  Sandsteine  und  die  Knochen  und 
Zähne  im  Muschelkalke  .  schon  die  grofse  Entwickelung  einer  nur 
dem  Trias  eigenthümlichen  Saurier-Familie.  In  der  Juraformation 
aber  erkennt  man,  dafs  diese  Ordnung  gerade  hier  durch  die 
Gröfse  und  hohe  Ausbildung  ihrer  Organismen  einen  Glanzpunkt  er- 
reichte, welchen  man  füglich  mit  der  Höhe  vergleichen  kann,  auf 

Geinitz,  Vergteiiierungskiimle.  5 


66 


BEPTIIIEN. 


welcher  einstens  Athen  und  Rom  in  Bezug  auf  die  Künste  standen. 
Nur  in  der  gleich  darauf  folgenden  Kreideformation  erscheinen 
ähnliche,  wenn  auch  wenige,  grofsartige  Gestalten;  den  spateren 
Weltepochen  blieben  diese  fremd. 

Die  Reptilien  zerfallen  in  4  Ordnungen:  Schildkröten, 
Saurier,  Schlangen  und  Frösche. 

1.  Ordn.  Testudinata.  ChelonU.  ISchildkröten. 

Ein  kurzer  breiter  vierbeiniger  Leib  ist  von  einem  mit 
Hornmasse  umgebenen  Knochenpanzer  bedeckt;  die  Kiefern  sind 
zahnlos.  Der  Knochenpanzer  besteht  aus  Rücken-  und  Brust- 
ßchild,  welche  entweder  nur  durch  eine  Haut-  oder  Knorpelmasse 
zusammenhängen  oder  zu  einem  Stücke  verwachsen  sind. 

Die  am  Rande  des  Rückenschildes  stehenden  Hornplatten  heifsen 
Randplatten,  die  von  diesen  eingeschlossenen  Scheibenplatten; 
von  diesen  liegen  die  Wirbelplatten  auf  den  Wirbeln,  die  Sei- 
ten- oder  Rippenplatten  diesen  zu  beiden  Seiten  auf  den  Rippen, 
und  die  Brustplatten  bedecken  das  Brustschild. 

Bei  den  Land-  und  Süfswasserschildkröten  sind  alle 
vier  Beine  gleich  lang,  bei  den  Seeschildkröten  sind  die  Vor- 
derbeine die  längeren.  (Leunis,  Synopsis  der  drei  Naturreiche, 
p.  129.) 

Die  älteste  Spur  einer  Schildkröte  ist  ein  durch  Owen  bestimm- 
ter Oberschenkel  aus  dem  neu-rothen  Sandsteine  zu  Elgin. 

1.  G.  Testudo  L.  Landschildkröte.  Tortue, 

Rücken-  und  Brustschild  sind  mit  einander  verwachsen,  das 
erstere  ist  hoch  gewölbt  und  erlaubt,  dafs  der  kurze,  runde 
Kopf  und  die  Beine  unter  dasselbe  zurückgezogen  werden  können. 
Hinterfüfse  mit  4,  Vorderfüfse  mit  5  Zehen,  welche  bis  an  die 
stumpfen  Nägel  verwachsen  und  daher  unbeweglich  sind. 

Die  ältesten  Landschildkröten  kommen  in  tertiären  Bildungen 
vor  und  wurden  durch  H.  v.  Meyer  in  dem  Gypse  von  Aix,  in 
den  Schichten  von  Weisenau  bei  Mainz,  in  der  Molasse  der  Schweiz  "'  ) 
und  durch  Marcel  de  Serres  bei  Montpellier  "•  '"■)  nachgewiesen. 

Eine  riesenhafte  Schildkröte  aus  den  tertiären  Schichten  der 
Siwalikberge  im  nördlichen  Indien  bezeichnen  Cautley  und  Fal- 
coner  als 


*)  L.  Er.  Jahrb.  1843.  p.  392  und  699. 
Br.  Jahrb.  184J.  p.  735. 


SCHILDKRÖTEN. 


67 


t  2.  G.  Colo ssochely s  (y.oloaoog,  Kolofs;  /iXvg,  eine 
Schildkröte), 

und  betrachten  dieselbe  als  Untergattung  von  Testudo  '0,  womit  sie 
durch  die  Wölbung  des  Schildes  und  die  BeschalFenheit  ihrer  ko- 
lossalen Bewegungsorgane  übereinstimmt. 

C.  Atlas  C.  u.  F.,  soll  die  Länge  von  18'  und  aufrechtstehend 
die  Höhe  von  7'  engl,  erreicht  haben. 

Das  ganze  Schild  mochte  bei  ihr  12'  3"  lang  und  8'  breit  gewesen 
sein.  Am  vorderen  Ende  verengt  es  sich  zu  nur  8"  Breite,  erhält 
bei  ausgewachsenen  Individuen  hier  die  Dicke  von  6i^\  ist  an  dem 
vorderen  Ende  zweispaltig  und  auf  der  unteren  Seite  mit  einem  dicken 
keilförmigen  Kiele  unterstützt.  Nach  Vergleichen  mit  der  lebenden 
Testudo  Indica  war  der  Kopf  gegen  2'  lang. 

Als  t  3.  G.  Testudinites  Sellowii  beschreibt  Weifs  ^'^) 
den  Panzer  einer  Schildkröte  aus  dem  südlichen  Brasilien,  wo  der- 
selbe mit  den  unter  Glyptodon  beschriebenen  Edentaten -Panzern 
zusammen  vorkam. 

4.  G.  Emys  Schweig.  Süfswasserschildkrote. 

Rückenschild  ziemlich  flach  und  mit  dem  Brustschilde  durch 
Knorpel  verbunden.  Längs  des  Rückens  liegen  5  Schuppen,  welche 
aber  nicht  bis  zu  dem  Vorderrande  gehen.  Zwischen  ihnen  und 
den  12  paarigen  Randschuppen  liegen  4  paarige  Seitenschuppen.  Au- 
fserdem  ist  am  Vorderrande,  am  Ende  der  Rückenlinie,  gewöhn- 
lich noch  eine  kleine  unpaarige  Randschuppe  vorhanden,  welche 
indessen  selbst  bei  einer  und  derselben  Art  öfters  fehlt  oder  noch 
von  einer  zweiten  begleitet  wird.  Kopf  und  Rumpf  sind  nicht 
ganz  unter  das  Schild  zurückziehbar.  Vorderfüfse  mit  5,  Hinter- 
füfse  mit  4  Zehen,  welche,  wie  die  aller  Süfswasserschildkröten, 
beweglich  und  mit  Schwimmhäuten  und  Nägeln  versehen  sind. 

Die  ältesten  Arten  von  Emys  kennt  man  aus  der  Waldfor- 
mation (Wealdenformation)  und  aus  der  Kreide 

E.  Ren  st  et  i  Mantell,  aus  der  Kreide  von  Maidstone  in  Kent, 
war  der  E.  Europaea  nahe  verwandt. 

E.  Menkei  (H.  v.  Mey.  in  L.  Er.  J.  1841.  p.  445.)  gehört  der 
Waldformation  von  Schaumburg-Lippe  an. 


*)  Lond.  Ed.  Buhl.  phil.  Mag.  Vol.  25.  p.  532. 

**)  Abhandl.  der  Berliner  Akademie  1827  u.  1828.  tb.  4.  f.  1,  2. 

***)  Jahrb.  1841.  p.  729,  857. 

5- 


68 


REPTILIEN. 


Die  Existenz  dieser  Galtung  in  tertiären  Schichten  ist  durch  H. 
V.  Meyer  von  Weisenau  bei  Mainz  und  in  dem  Molassesandstein  der 
Schweiz  durch  Owen  bei  Sheppey  und  durch  Marcel  de  Serres  ■  ■ ) 
bei  Montpellier  dargethan  worden.  Aus  den  Torfgebilden  von  Enk- 
heim und  Diirrheim  beschreibt  v.  Meyer  '•••^'^•')  eine  Art,  welche  mit  Bos 
primigenius  und  mit  Knochen  noch  lebender  Thiere  zusammen  dort 
häufig  gefunden  wird,  womit  vielleicht  auch  die  von  Nilfson  in  Schoö- 
nen  gefundenen  Schildkröten  f)  übereinstimmen. 

Auch  andere  der  noch  lebendea  Gattungen  von  Süfswasser- 
schildkrölen  waren  in  der  Vorzeit  vertreten. 

5.  G.  Clemmys  Wagl. 

glaubt  H.  V.  Meyer  in  den  Tertiärgebilden  von  Weisenau  bei  Mainz 
und  bei  Wiesbaden  erkannt  zu  haben  tt); 

6.  G.  Chelydra  Schweig.  Alligator-Schildkröte 
{ytlvg,  Schildkröte;  vd^a^  Wasserschlange), 

wegen  des  langen,  mit  Hornstücken  bedeckten  Schwanzes,  wurde 
durch  denselben  Forscher  in  dem  Schiefer  von  Oeningen  ttt)  auf- 
gefunden, und 

7.  G.  Trionyx  Geolf.  Weich-Schildkröte  (j^iy  drei; 
ovv'^j  Klaue), 

so  genannt  wegen  des  weichen  Schildes  und  ihrer  nur  die  drei 
Innenzehen  bedeckenden  Klauen,  ist  von  mehreren  Orten  bekannt. 

T.  Parisiensis  Cuv.,  aus  dem  Gypse  des  Montmartre,  und  meh- 
rere andere  tertiäre  Arten  aus  Frankreich  wurden  schon  von  Cuvier 
beschrieben,  drei  Arten  bestimmte  Owen  aus  dem  Londonthone  von 
Sheppey  tttt),  und  auch  in  der  Molasse  des  Waadt-Landes  u.  a.  0.  der 
Schweiz  deuten  eigenthümliche  Panzerfragmente  ihre  Existenz  an. 

Mit  den  letzteren  fanden  sich  Rippenplatten  zusammen,  welche 
mit  Grübchen  bedeckt  sind  und  zugleich,  wie  die  Platten  auf  an- 
deren Schildkröten,  mit  Eindrücken  oder  Rinnen  zur  Aufnahme  der 
Schuppengrenzen  versehen  sind.  H.  v.  Meyer  bildet  daraus  sein 
neues  Genus 


*)  Jahrb.  1843.  p.  393  u.  1839.  p.  4. 
**)  Jahrb.  1841.  p.  737. 

Museum  Senckenbergianum.  Bd.  2.  Hft.  i. 
•«-)  Jahrb.  1843.  p.  123  u.  391. 
-j-l)  Jahrb.  1843.  p.  391,  586. 
-i-j-f)  Jahrb.  1844.  p.  329. 

Jahrb.  1842.  p.  493. 


SCHILUKRÖTEN. 


m 


t  8.  G.  Trachyaspis  H.  v.  Mey.  (tQu/vg,  rauh;  äomg, 
runder  Schild). 

An  diese  Galtung  schliefsen  sich  noch  mehrere  ausgestorbene  an: 

t  9.  G.  Cimochely s  Owen  (?  xtif-iai^  liegen;  yß^vq^  Schildkröte), 

aus  der  Kreide  von  Maidstone; 

t  10.  G.  Eiirysternum  Mün.  (^EVQvg,  breit;  otIqvov ,  Brust), 

mit  einer  Art,  E.  Wagleri  Mün.,  aus  dem  lithographischen  Schie- 
fer von  Solenhofen,  worüber  H.  v.  Bleyer  in  Münsters  Beitr.  z. 
Petref.  Hft.  1.  p.  89  eine  genaue  Beschreibung  gab,  und 

t  11.  G.  Idiochely s  H.  v.  Mey.  (^löiogy  eigenthümlich; 
ytXvq,  Schildkröte). 

7.  Fitzingeri  H.  v.  Mey.  —  Taf.  VI.  Fig.  15.  Nach  Münst. 
Beitr.  z.  Petr.  Hft.  1.  tb.  7.  f.  1.  (J).  Aus  dem  jurassischen  Kalk- 
schiefer von  Kelheim  an  der  Donau. 

12.  G.  Chelonia  Brong.  See-Schildkröte  (yeXm'T]). 

Das  schwach  gewölbte  Schild  ist  zu  klein,  um  Kopf  und 
Füfse  darunter  verbergen  zu  können.  Die  vorderen  Beine  sind  länger 
als  die  hinteren,  und  die  Zehen  durch  eine  Haut  zu  Ruderfüfsen  fest 
verbunden.  Mund  mit  sehr  starker,  am  Rande  gezähnter  Horn- 
bedeckung. 

Während  die  Thiere  dieser  Gattung,  zu  der  auch  die  7'  lange 
Riesenschildkröte  gehört,  jetzt  nur  noch  die  wärmeren  südlicheren 
Meere  bewohnen,  so  hatten  sie  in  früheren  Epochen  unserer  Erde 
auch  eine  viel  nördlichere  Verbreitung.  Wie  wir  fast  überall  die 
Meeresthiere  sich  früher  entwickeln  sehen  als  die  der  süfsen  Ge- 
wässer oder  die  des  Landes,  so  waren  auch  die  Meerschildkröten 
die  älteren. 

Cuvier  führt  Reste  von  ihnen  aus  dem  Muschelkalke  von  LuneviHe 
auf,  Münster  aus  dem  Lias  von  Bristol  und  Alldorf  bei  Nürnberg,  Man- 
tell  aus  dem  Hastingssande  (Waldform.)  von  Tilgate,  v.  Meyer  aus  dem 
Jura-Schiefer  von  Solenhofen,  aus  dein  Kreide-Schiefer  von  Glaris,  der 
Kreide  von  Mastricht  (Palaeol.  p.  103),  Owen  beslimmte  drei  Arten  aus 
dem  Londonthone  von  Sheppey,  v.  Meyer  mehrere  aus  der  Molasse 
der  Schweiz  (Jahrb.  1839.  p.  6.),  und  Fischer  wiefs  diese  Gxiltung  im 
verhärteten  Thone  Sibiriens  nach. 


*)  Jahrb.  1843.  p.  699. 


f 


70 


REPTILIEN. 


Orcln.  ^auria.  iSaiirier. 

Der  Körper  der  Saurier  ist  lang  gestreckt,  entweder  mit 
Schildern  oder  mit  Schuppen,  welche  nie  emaillirt  sind,  ausnahms- 
weise wohl  auch  nur  mit  Haut  (Pleurosaurus)  bedeckt.  Sie  ha- 
ben meistens  4  Beine. 

In  dieser  Gattung  treten  zahlreiche  Formen  auf,  welche  nicht 
allein  als  Uebergänge  von  den  Saurien  zu  den  drei  anderen  Ord- 
nungen der  Reptilien  zu  betrachten  sind,  sondern  auch  auf  die 
Klassen  der  Säugethiere,  der  Vögel  und  der  Fische  hinführen. 

Um  so  schwieriger  und  gewagter  mufs  daher  auch  eine  Sy- 
stematik der  fossilen  Saurier  sein,  zumal  manche  ihrer  Gattungen 
zur  Zeit  nur  nach  einzelnen  Zähnen  bekannt  sind.  Seitdem  H.  v. 
Meyer  s  Palaeologica  zur  Geschichte  der  Erde  und  ihrer  Geschöpfe, 
1832  erschienen  u.  p.  201  desselben  Werkes  von  diesem  Gelehr- 
ten ein  System  der  fossilen  Saurier  nach  der  Entwickelung  ihrer 
Bewegungsorgane  gegeben  worden  war,  ist  die  Wissenschaft  mit 
einem  so  grofsen  Schatze  von  neueren  Entdeckungen  bereichert 
worden,  dafs  das  gesammte  Material  eine  neue  Anordnung  bedurfte. 

Bronn's  Eintheilung  "••)  in  Wasserbewohner  und  Land- 
bewohner, von  denen  die  ersteren  in  Zehenfüfser  und  Flos- 
senfüfser,  die  letzteren  in  Zehenfüfser  und  Flederfüfser 
zerfallen,  ist  auf  die  ganze  Organisation,  die  natürlichen  Verwandt- 
schaften und  die  wahrscheinliche  Lebensweise  dieser  Thiere  ge- 
gründet. Eine  neue  Klassilication  der  gesammten  Reptilien  wurde 
im  L.  Br.  Jahrb.  1838,  p.  362  von  Fitzinger  gegeben. 

Owen  nimmt  8  Ordnungen  der  Reptilien  an,  welche  folgende 
sind:  Dinosaurier,  Enaliosaurier ,  Krokodilier,  Lacertier,  Pterosau- 
rier,  Chelonier,  Ophidier,  Batrachier  '••''') 

Was  von  den  Besten  geschaffen  wurde,  ist  in  den  nachste- 
henden Blättern  zusammengestellt  oder  wenigstens  angedeutet  wor- 
den, wobei  die  verschiedenen  Gattungen  in  die  nachstehenden  5 
Ordnungen  vertheilt  worden  sind: 

A.  Pterosaurier,  welche  in  der  Luft  und  auf  dem  Lande 
lebten ; 

B.  Lacertier,  welche  vorzugsweise  das  Land  bewohnten; 

C.  Krokodilier,  welche  vorzugsweise  im  Wasser  sich  auf- 
hielten ; 


*)  Lethaea,  1837.  p.  498  u.  a.  a.  O. 
**)  L.  Br.  J.  1844.  p.  114. 


SAURIER. 


71 


D.  Enaliosaurier,   welche  ausschliefslich   dem  Meere  ange- 
hörten; 

E.  Labyrinthodonten,  als  Anhang. 

In  den  Pterosaurien  und  Lacertiern  erkennt  man  das  Empor- 
streben der  Saurier  nach  den  höheren  Klassen  des  Thierreiches^ 
die  Krokodilier  sind  recht  eigentliche  Saurier ,  die  Enaliosaurier 
repräsentiren  gewissermafsen  in  der  Ordnung  der  Saurier  die  Klasse 
der  Fische,  und  die  Labyrinthodonten  scheinen  die  Saurier,  Ba- 
trachier  und  Fische  zu  verbinden,  lebten  jedoch,  wie  es  scheint, 
auch  vorzugsweise  auf  dem  Lande. 

Ueber  die  riesenhafte  Gröfse  einiger  dieser  Thiere  geben 
die  vielfach  aufgefundenen  Ueberreste  von  ihren  Skeletten  ge- 
nügenden Aufschlufs.  Fischer  v.  Wald  heim  beschrieb  in  seiner 
Oryctographie  du  Gouv.  de  Moscou  einen  Saurierzahn  von  den 
Ufern  der  Oca,  dessen  Krone  9"  lang  und  an  der  Basis  4"  breit 
ist,  und  ähnliche  Zähne,  von  8"  Länge  und  IJ"  Durchmesser, 
wurden  von  Koch  im  vorigen  Jahre  bei  Gay-Head,  auf  der  Insel 
Marthas  Wingard,  in  der  Nähe  von  Bedford  entdeckt.  (Briefl.  Mitth.) 

Die  ältesten  Saurier  kommen  im  Kupferschiefer  vor  (s.  Rep- 
tilien p.  65.) 

Die  fossilen  Saurierknochen  aus  dem  Muschelkalke  von  Jena  be- 
stehen nach  Prof.  E.  Schmid  aus: 
6,55  schwefelsaurer  Kalkerde, 
10,68  kohlensaurer  Kalkerde, 
0,53  kohlensaurer  Talkerde, 
65,03  phosphorsaurer  Kalkerde, 
10,60  Fluorcalciura, 
3,11  phosphorsaurer  Thonerde. 
1,85  phosphorsaurem  Eisenoxyd, 

98,35  nebst  Spuren  von  Chlornatrium  und  organischer  Materie. 

A.  Pterosaurier.  Flieg- Sldisen. 

Saurier  mit  Flughaut.  Sie  lebten  in  der  Luft  und  auf  dem 
Lande.     Einzige  Gattung: 

t  Fterodactylus  Cuv.  Ornithocephalus  Sömmering.  Flieg- 
Echse  (nreQovy  Flügel;  ddxjvXog^  Finger). 

Taf.  VI.  Fig.  1.  PL  crassirostris  Goldf.  aus  dem  litho- 
graphischen Schiefer  von  Pappenheim  (|). 

Diese  merkwürdigen  Thiere  füllen  die  Lücke  aus,  welche  in 
der  jetzigen  Schöpfung  die  Vögel  von  den  Reptilien  trennt.  Die 


72  RKPTILIEX. 

Umrisse  ihres  Kopfes,  die  geräumige  Brust,  die  langen  Flügel  und 
die  aufrechte  Stellung  des  Ganzen  verkünden  den  Vogel,  womit 
sich  indessen  die  spitzen  Zähne  der  Kiefern  und  die  Krallen  der 
Zehen  in  keinem  Falle  vereinigen  lassen,  und  in  einer  ebenso  lehr- 
reichen als  anziehenden  Abhandlung  sagt  Goldfufs  '-) :  „Bei  diesen 
sonderbaren  Thieren  erkennt  man  die  Bahn,  die  die  Natur  ver- 
folgte, als  sie  bei  dem  Fortschreiten  ihrer  animalischen  Bildungen 
vom  Reptile  zum  Vogel  und  zum  Säugelhiere  hinaufstrebte.  Die 
wenigen  wesentlichen  Organe,  die  der  Bewegung,  erlitten  die 
gröfste  Umwandlung,  indem  sie  theils  denen  des  Vogels,  theils 
denen  der  Fledermaus  ähnlich  wurden,  dabei  aber  alle  Knochen 
des  Reptils  der  Zahl  nach  beibehielten  und  immer  noch  deren 
Grundtypus  durchblicken  liefsen.  Der  Schädel,  im  Schwanken 
zwischen  der  Form  des  Monitor  und  des  Krocodils,  versteckt  seine 
Reptiliennatur  unter  den  äufseren  Formen  des  Vogels,  konnte  sich 
jedoch  der  , Zähne  nicht  entäufsern,  da  diese  zur  Lebensunterhaltung 
dieser  Geschöpfe  unentbehrlich  waren. 

Nur  wenige  Verschmelzungen  gesonderter  Knochen  und 
Schwindungen  verschiedener  Fortsätze  sind  indefs  zur  wirklichen 
Umwandlung  in  den  Vogelschädel  noch  nöthig.  Die  hervortretende 
und  bei  verschiedenen  Arten  abweichende  Länge  des  Halses  ist 
abermals  eine  Abweichung  von  der  den  Reptilien  eigenthümlichen 
Form  und  deutet  auf  ein  Hinneigen  zur  Vogelbildung,  ohne  jedoch, 
bei  veränderlicher  Länge,  die  Zahl  der  Wirbel  zu  verändern.  Der 
Grundlypus  des  Krokodils  ist  in  allen  wesentlichen  Theilen  der 
Wirbel  noch  zu  erkennen.  Der  Körper  bedurfte  eines  erweiter- 
ten Brustkastens  und  einer  starken  Befestigung  der  Vorderglieder. 
Daher  ist  das  schildförmige  Brustbein  im  Uebergange  von  den 
Vögeln  zu  den  Reptilien  begriifen. 

Vermöge  seines  Beckens  und  seiner  hinteren  Extremitäten 
konnte  das  Thier,  wie  das  Eichhörnchen,  eine  sitzende  Stellung 
einnehmen,  während  es  seine  Klauen  benutzte,  um  sich  an  Fels- 
abhängen, in  Klüften  oder  an  Bäumen  anzuklammern  und  an  stei- 
len Wänden  emporzuklettern.  Die  Zähne  dienten  dem  Thiere, 
wie  es  scheint,  mehr  zum  Festhalten  als  zum  Zerkleinern  seiner 
Beute,  und  diese  mochte  aus  Insekten,  und  vielleicht  auch  aus 
Wasserthieren  bestehen,  welche  es,  über  dem  Wasser  schwebend, 
erhaschte." 


*;  Act.  Ac,  Cacs.  Leop.  Carl.  ISat.  Cur.  T.  XT.  P.  1,  p.  63—112. 


SAÜRIBK. 


73 


Am  Pt.  crassirostris  wurde  von  Goldfufs  die  interessante 
Entdeckung  gemacht,  dafs  diese  Eidechse,  ausnahmsweise  von  allen 
anderen  Reptilien,  mit  einem  Pelze  von  Straufsfedern  ähnlichen 
Haaren  bedeckt  war. 

Die  Pterodactylen  gehören  nur  der  Juraformation  an.  Mit 
der  kleinsten  Art  beginnend,  reihen  sie  sich,  nach  H.  v.  Meyer, 
folgendermafsen  an  einander  an  '^') : 

P.  Meyeri  Münst.  in  L.  Br.  Jahrb.  1842.  p.  35;  H.  v.  Mey. 
in  Mün.  Beitr.  Hft.  5.  p.  24. 

P.  brevirostris  Sömm. ,  Buckl.  Geol.  II.  tb.  22.  f.  0;  H,  v. 
Mey.  Pal.  p.  244.     Etwa  von  der  Gröfse  des  Sperlings. 

F.  Kochii  H.  v.  Mey.  in  Münst.  Beitr.  5.  p.  24. 

P.  longirostris  Cuv.,  Buckl.  Geol.  II.  tb.  21.  nach  Cuvier  und 
Goldfufs;  H.  v.  Mey.  Pal.  p.  243. 

F.  medius  Mün.  in  Act.  Ac.  Leop.  XV.  1.  p.  51.  tb.  6;  H. 
Y.  Mey.  Pal.  p.  247. 

F.  er ussirostris  Goldf.  in  Act.  Ac.  Leop.  XV.  1.  p.  63  — 112. 
Ib.  7  —  10.  Hiernach  Buckl.  Geol.  H.  PI.  22;  Br.  Leih.  tb.  26.  f.  4. 
—  Taf.  VI.  flg.  1. 

F.  macronyx  Buckl.,  II.  v.  Mey.  Pal.  p.  249;  Br.  Leth. 
p.  541.  tb.  27.  Fig.  15.  Etwa  von  der  Gröfse  eines  Raben.  Aus 
dem  Liasschiefer  von  Lyme  Regis  in  England  und  zu  Banz  und  Grötz 
in  Baiern. 

F.  grandis  Sömm.  Cuv.,  Goldf.  in  Act.  Ac.  Leop.  XV.  1.  p. 
63  —  112;  H.  V.  Mey.  Pal.  p.  251.  Mehr  als  um  die  Hälfte  gröfser 
als  der  vorige. 

Alle,  aufser  P.  macronyx^  stammen  aus  dem  lithographischen 
Schiefer  von  Solenhofen,  Eichstädt,  Kelheim  und  Monheim. 

B.  liacertier.  Eidechsen.  E2eh!sen. 

Saurier,  welche  unseren  lebenden  Lacerten  oder  Eidechsen 
verwandt  und  durch  ihre  deutlich  von  einander  getrennten  und  be- 
krallten Zehen  (an  Vorder-  und  Hinterfüfsen  gewöhnlich  5)  vor- 
zugsweise zum  Leben  auf  dem  Lande  bestimmt  waren.  Mehrere 
ihrer  fossilen  Gattungen,  wie  Igumodon  und  Megalosaurus ^  bie- 
ten durch  ihre  Zähne  und  eine  weite  Markhöhle  in  ihren  Glied- 
mafsenknochen  einige  Aehnlichkeit  mit  schweren  Landsäugethieren 
dar.  Ihr  Kopf  ist  im  Allgemeinen  weniger  verlängert  als  bei  den 
Krokodiliern,  und  die  Nasenlöcher  liegen  am  Ende  der  abgerun- 


*)  Münst.  Beitr.  Hft.  5.  p.  24. 


74 


REPTILIEN. 


deten  Schnauze.  Die  Augen  sind  mit  einem  gegliederten  Knochen- 
ringe versehen,  die  Zähne  nicht  in  Höhlungen  eingekeilt,  sondern 
sind  mit  ihrer  Basis  fest  auf  den  Kiefern  oder  auf  dem  inneren 
Rande  derselben  angewachsen.     Ihr  Leib  ist  mit  Schuppen  bedeckt. 

In  diese  Gruppe  gehören,  nach  Owen,  t  Thecodon  {Thecodon- 
tosaurus)  und  t  Palaeosaurus  aus  dem  conglomeratischen  Zechstein- 
Dolomit  von  Bristol ,  und  t  Cladeiodon  aus  dem  bunten  Sandsteine 
von  Warwickshire ,  als  die  ältesten  Lacertier  Englands,  welche 
von  den  lebenden  Lacerten  durch  die  Einfügung  der  Zähne  in 
getrennte  Höhlungen  abweichen,  aber  doch  die  Form  und  Structur 
ihrer  Zähne  besitzen  '•). 

1.  G.  Lacerta  L.  Eidechse. 

Von  wirklichen  Lacerten  hat  H.  v.  Mey.  über  400  Wirbel  und 
mehrere  Knochen  aus  den  tertiären  Bildungen  von  Weisenau  unter- 
sucht. (L.  Er.  J.  1843.  p.  595.) 

Als  Lacerta  neptunia  beschreibt  Goldfufs  (Nov,  Act.  Leop. 
C.  N.  C.  XV.  P.  i.  p.  115.  tb.  14.  f.  2.)  eine  Eidechse  aus  dem 
lithographischen  Schiefer  von  Monheim.  Sie  unterscheidet  sich  von  der 
gemeinen  Lacerta  agilis  L.  durch  etwas  geringere  Gröfse ,  durch  eine 
geringere  Anzahl  der  Rückenwirbel,  durch  breitere  Rippen  und  durch 
weniger,  aber  gröfsere  Zähne  (im  Oberkiefer  26).  Die  Länge  dieser 
kleinen  Eidechsen,  von  deren  vermuthlich  weicher  Hautbedeckung  sich 
nichts  mehr  vorfand,  war        h'" . 

t  2.  G.  Raphiosaurus  Ow.  (Qucpiov,  Nadel;  ouvQog)^ 
wurde  nach  einem  Unterkieferfragmente  mit  22  pfriemeaförmigen 
Zähnen  und  einigen  Wirbeln  und  Backenknochen  aus  der  Kreide 
von  Maidstone  bestimmt. 

t  3.  G.  Protorosaurus  H.  v.  Mey.  (jiQiojog,  erster;  cuvQog). 
Er  ist  der  älteste  von  allen  lebenden  Reptilien,  welche  un- 
seren Erdball  bewohnten,  und  gehört,   mit  nur  wenigen  Zeitge- 
nossen '■*'*),    dem  Kupferschiefer  oder  bituminösen  Mergelschiefer 

*)  L.  Br.  J.  1842.  p.  493. 

*♦)  Murchison  und  de  Verneuil  fuhren  in  der  Uebersicht  der  fossilen 
Arten  in  den  Aeqnivalenten  des  Permischen  Systems  (der  Zechsteluforma- 
tion),  aufser  Protorosaurus  Spcneri,  von  Reptilien  noch  folgende  auf:  The- 
codontosaurus  (Riley  u.  Stutchbury)  antiquus  und  Palaeosaurus  (Ril.  u.  St.) 
Cylindricodon  und  platyodon  aus  England  (Bristol),  Rhophalodon  (Fischer 
V.  Waldheim)  Wangenheimii  (L.  Br.  J.  184L  p.  607.  Anm.  bei  Hylaeo- 
saurus),  Brithopus  (Kutorga)  priscus,  Orthopus  (Ktg.)  primacvus  und  Syo- 
don  (Ktg.)  biarmicum  aus  Rufsland. 


SAURIER. 


75 


von  Deutschland  an.  In  diesen  Gesteinen  wurden  Theile  dieser 
seltenen  Versteinerung  bei  Kupfersuhl,  Gliicksbrunn ,  Rothenburg 
a.  d.  Saale,  im  Mansfeldischen  und  bei  Richelsdorf  in  Hessen  auf- 
gefunden, welche  insgesammt  gestatten,  sich  ein  Bild  von  dem 
ganzen  Skelette  dieser  Eidechse  zu  verschaffen. 

Protorosaurus  Speneri,  wie  M.  v.  Meyer  (Pal.  p.  109 
u.  208;  Münst.  Beitr.  z.  Petr.  Hft.  5.  p.  1—21.  tb.  8.)  die  Art 
benannte,  welche  alle  bis  jetzt  bekannten  Theile  dieser  Skelette 
zu  umfassen  scheint,  erreichte  über  3^'  Länge.  Es  wurde  von 
ihr  1706  durch  Spener  eins  der  vollständigsten  Exemplare  in  dem 
Kupferschiefer  bei  Kupfersuhl  entdeckt,  welches  noch  immer  das 
einzige  ist,  an  welchem  der  Kopf  noch  erhalten  blieb.  Dieser 
war  etwa  7i  Mal  länger  als  ein  gewöhnlicher  Rückenwirbel,  und 
daher  würde  sich,  nach  H.  v.  Meyer,  die  Länge  des  Kopfes  zur 
Länge  des  Halses  ungefähr  wie  2:3,  und  zur  Länge  des  ganzen 
Thieres  ungefähr  wie  1  :  10  verhalten  haben. 

Auf  jedem  Kieferarrae  safsen  11  hakenförmige  Zähne,  welche 
wenig  über  die  Mitte  der  Kieferlänge  zurückführten. 

Der  Hals,  welcher  in  dem  von  Meyer  beschriebenen  Exem- 
plare (in  Münst.  Beitr.  z.  Petr.  Hft.  5.  p.  1  —  21.  tb.  8.)  von 
Richelsdorf  am  deutlichsten  sichtbar  ist,  ist,  wie  gewöhnlich,  aus 
7  Wirbeln  zusammengesetzt.  Der  erste  derselben,  oder  der  Atlas, 
ist  sehr  klein  und  besteht  aus  getrennten  Theilen,  der  zweite  ist 
nicht  viel  kürzer  als  der  siebente,  der  dritte  so  lang  als  der 
fünfte  oder  nicht  viel  länger  als  der  sechste,  und  der  längste 
von  allen  ist  der  vierte.  Die  Stachelfortsätze  dieser  Wirbel  sind 
sehr  breit,  nehmen  aber  von  dem  relativ  längsten  an,  dem  zwei- 
ten, welcher  die  doppelte  Breite  des  Körpers  erreicht,  bis  zu 
den  Rückenwirbeln  allmählich  an  Breite  ab. 

Die  Anzahl  der  Rückenwirbel  mochte  sich,  nach  einem  von 
Link  beschriebenen  Exemplare  von  Kupfersuhl,  bis  auf  18  belaufen. 
Ihre  durchschnittliche  Breite  giebt  v.  Meyer  zu  7'"  an,  und  sie 
zeichnen  sich  durch  ihre  hohen  und  breiten  Stachelfortsätze  aus. 
Die  Rippen,  welche  sich  an  diese  Wirbel  befestigen,  und  von  wel- 
chen auch  Germar  (Verstein.  d.  Mansfelder  Kupferschiefers.  1840. 
flg.  16.)  Bruchstücke  von  Eisleben  beschreibt  und  abbildet,  sind 
lang,  im  Querschnitte  bei  ihrem  Anfange  rhombisch,  verflachen 
sich  nach  unten  und  erhalten  durch  eine  Längsrinne  ein  zwei- 
theiliges Ansehen. 

Der  Schwanz  scheint  nach  dem  Link'schen  Exemplare  nicht 
unter  30  Wirbel  gehabt  haben  zu  können.  (H.  v.  M.) 


76 


REPTILIEN. 


Die  hinteren  Gliedmafsen  waren  an  dieser  Eidechse  auffallend 
länger  als  die  vorderen  und  verhielten  sich  zu  einander  ohngefähr 
wie  3  :  2. 

An  den  von  Zenker  ""•)  beschriebenen  Exemplaren,  welche 
auf  dem  Jenaer  Museum  aufbewahrt  werden,  erkennt  man  noch 
2  Reihen,  theils  runder,  theils  vieleckiger  Handwurzelknochen,  und 
dafs  der  Frotorosaurus ^  wie  die  lebenden  Lacerten,  mit  5  Fingern 
und  5  Zehen  begabt  war.  Der  erste  Finger,  der  Daumen,  be- 
stand aus  3,  der  zweite  und  dritte  aus  wenigstens  4,  der  vierte, 
nach  H.  v.  M.,  wahrscheinlich  aus  5  und  der  fünfte  aus  3  Gliedern. 

Nach  Germar  beziehen  sich  wahrscheinlich  die  Angaben  man- 
cher älteren  Schriftsteller  in  Bezug  auf  die  Auffindung  vorgeb- 
licher AfFenknochen  und  Menschenhände  auf  diese  Eidechse.  Link 
bezeichnete  das  von  ihm  beschriebene  Skelett  als  Krokodil,  mit 
welchem  jedoch  der  Protorosaurus  seiner  Bewegungsorgane  halber 
füglich  nicht  verwechselt  werden  kann;  Swedenborg  hielt  sein 
Exemplar,  welches  1733  in  der  Gegend  von  Glücksbrunn  im  Mei- 
ningischen  aufgefunden  wurde  und  das  jetzt  die  K.  Mineraliensammlung 
in  Wien  besitzt,  für  eine  Meerkatze;  Cuvier,  Zenker  und  Germar 
stellten  diese  Eidechse  zu  der  lebenden  Gattung  Monitor  (Gaea 
v.  Sachsen,  p.  93),  bis  endlich  H.  v.  Meyer  ihre  Eigenthümlich- 
keiten  nachwies. 

t  4.  G.  Rhynchosaurus  Owen  (Qvy/og^  Schnabel;  ouvQog). 

Knochen  und  Fährten  des  R.  articeps  Owen  charakterisiren 
den  oberen  neu-rothen  Sandstein  zu  Grinsill  bei  Schrewsbury '■■'■'). 

Der  Schädel  ist  sehr  schmal,  vierseitig  pyramidal,  seitlich  zusam- 
mengedrückt, und  sinkt  mit  seiner  oberen  Fläche  in  einem  Bogen  ge- 
gen die  Spitze  des  Maules  herab.  Die  Schläfengruben  und  Augenhöhlen 
sind  weit,  die  Kinnladen  kurz,  zusammengedrückt  und  abwärts 
gekrümmt,  welche  Charaktere,  neben  anderen,  am  mehrsten  auf 
die  Bildung  der  Eidechsen  hindeuten,  wiewohl  das  allgemeinere 
Ansehen  des  Schädels,  so  wie  auch  der  scheinbare  Mangel  der 
Zähne,  mehr  noch  mit  dem  Schädel  der  Schildkröten  und  Vögel 
übereinstimmt.  Die  beiden  Endflächen  des  Wirbelkörpers  sind  stark 
verlieft. 

Die  Fufsspuren,  welche  mit  diesen  Knochen  zusammen  gefunden 
werden,  zeigen  aber  die  Krallen  bestimmter,  eine  undeutliche  Spann- 

*)  Zenker^  de  primis  animalium  vcrtebr.  et  pot.  ampJiih.  in  terrae  strat, 
vcsiigiisy  1836. 

**)  L.  Bi.  J.  1842.  p.  493  u.  1844.  p.  114. 


SAÜRFER. 


77 


haut  und  eine  kleinere  innere  Zehe,  welche  in  einiger  Entfernung 
hinler  den  3?  oder  4?  Vorderzehen  steht.  (L.  Br.  J.  a.  a.  0.) 

t  5.  G.  Geosaurus  Cuv.  Erd-Echse.  Ealilimnosaurus  Ritgen. 
(j'^^  Erde;  ouvQog). 

G.  Soemmeringii  Dekay.  —  Lacerta  gigantea  Sömm.  —  H.  v. 
Mey.  Pal.  p.  105  u.  206.  —  Br.  Leth.  p.  533.  Tf.  26.  F.  10. 

Schädel  mit  kurzer  Schnauze ,  ähnlich  dem  Monitor^  mit  grofsen 
Augenhöhlen  und  gegliedertem  Knochenringe  in  den  Augen.  Die  Zähne 
sind  flach,  spitz,  etwas  gebogen,  an  beiden  scharfen  Seiten  fein  ge- 
zähnelt  und  an  ihrer  Basis  mit  einer  Verdickung  fest  auf  dem  Kiefer 
aufgewachsen.  Jederseits  stehen  im  Oberkiefer  deren  17  — 18.  Die 
hintere  Gelenkfläche  der  Wirbel  ist  concav  und  die  Querfortsätze  sind 
grofs.  FUfse  und  Bedeckung  sind  unl)ekannt.  Diese  Eidechse  wurde 
nur  12^'  — 13"  grofs  und  kommt  im  Schiefer  von  Solenhofen  vor. 

t  6.  G.  Pleurosaurus  H.  v.  Mey.  {nlevQui.^  Rippe;  ouvQog). 

P.  Goldfusii  II.  V.  Mey.  (Pal.  p.  105  u.  205;  in  Münst.  Beitr. 
z.  Petr.  Ilft.  1.  p.  71.  tb.  6.)  aus  dem,  dem  lithographischen  Schie- 
fer von  Solenhofen  verwandten  Kalkschiefer  von  Dailing,  ist  die  ein- 
zige bekannte,  nicht  viel  über  einen  Fufs  lange  Art.  Das  Skelett, 
welchem  leider  Kopf,  Uals,  Vorderglieder  und  Brust  fehlen,  zeigt 
bei  einer  grofsen  Anzahl  von  Bippen  unverkennbar,  dafs  von  den 
Bauchrippen  2  hinter  einander  liegende  auf  einen  Wirbel  kommen. 
Die  Bippen  sind  ziemlich  stark  und  lang.  Meyer  fand  den  Bippen- 
apparat, womit  der  Bauch  dieses  Sauriers  umschlossen  war,  mehr 
complicirt  als  in  allen  anderen  bisher  von  ihm  verglichenen  Thieren, 
und  schliefst  aus  demselben  auf  eine  starke  Lungenlhätigkeit  des  Thie- 
res,  welches  wahrscheinlich  mit  einer  weichen,  für  Farbenwechsel 
geeigneten  Haut,  wie  am  Chamäleon,  bedeckt  war.  Die  vordere  und 
hintere  Gelenkfläche  der  Wirbelkörper  war  nicht  convex.  Ober-  und 
Unterschenkel  verhallen  sich  zu  einander  wie  3  :  2.  Der  wohl  er- 
haltene linke  Hinterfufs  liefs  4  Zehen  mit  Nagelgliedern  erkennen. 

7.  G.  Racheosaurus  H.  v.  Mey.  (^Qu/jg,  Rückgrat;  oavQog). 

R.  gracilis  H.  v.  M.  (Pal.  p.  105,  204.  —  Br.  Leih.  p.  535.), 
aus  dem  lithographischen  Schiefer  von  Solenhofen,  ist  die  einzige  Art, 
welche  die  Länge  von  sV  erreichen  mochte.  Kopf,  Hals,  Brust  und 
die  Vorderglieder  unbekannt.  Von  den  Wirbeln  gehören  15  zu  dem 
Rücken,  eine  viel  gröfsere  Anzahl  zu  dem  Schwänze.  Ihre  Körper 
sind  doppelt  so  lang  als  in  Aeolodon,  in  der  Mitte  etwas  verdünnt, 
am  hinteren  Ende  concav  und,  nach  Bronn,   mit  einer  schiefen  Ge- 


78 


REPTILrEN. 


lenkfläche  an  beiden  Enden  versehen.  Die  Dornforlsälze  der  Wirbel  breiten 
sich  so  aus,  dafs  sie  am  Rücken  sich  fast  berühren,  und  neigen  sich  stark 
nach  hinten.  Vor  den  Dornfortsätzen  der  Schwanzwirbel  erhebt  sich 
ein  kleiner  Dornfortsatz,  welcher  spitz  und  dünn,  wie  ein  wirklicher 
Dorn,  gebildet  ist.  Aehnliches  kommt  nur  bei  Fischen  vor.  Die  Länge 
des  Unterschenkels  beträgt  weniger  als  ein  Drittel  von  der  des  Ober- 
schenkels. Hinterfiifse  vierzehig  mit  dem  Rudimente  einer  fünften  Zehe; 
die  Hautbedeckung  scheint  aus  sehr  dünnen  und  leichten  Schuppen  be- 
standen zu  haben. 

t  8.  G.  Pholidosaurus  H.  v.  Mey.  (q:oVig,  Schuppe  von 
Schlangen  und  Eidechsen). 

P,  Schaumhur g ensis  nennt  H.  v.  Meyer  (L.  Br.  J.  1841.  p.  443.) 
das  Wirbel-,  Rippen-  und  Schuppengerüste  eines  eigenthümlichen  Sau- 
riers aus  dem  Sandsteine  der  Wealdenformation  zwischen  Bückeburg 
und  Eilsen  im  Fürstenthum  Schaumburg-Lippe.  Er  unterschied  an  diesem 
Skelette,  welches  früher  für  eine  Trionyx  gehalten  wurde,  drei  Arten 
von  Schuppenknochen,  welche  für  das  Thier  sehr  bezeichnend  sind: 
Rücken-,  Seiten-  und  Bauchschuppenknochen. 

t  9.  G.  Mosasaiirus  Conybeare.  Maas-Echse. 

Ein  riesenhaftes  Geschlecht  von  Sauriern,  welches  die  frühe- 
ren Meere  während  der  Bildung  der  Kreide  bewohnte.  In  der 
Aehnlichkeit  seines  Kopfes  steht  das  Thier,  nach  v.  Meyer,  zwi- 
schen Monitor  und  Iguana.  Seine  Zähne  (Taf.  VI.  Fig.  13.),  wel- 
che auch  mit  auf  den  Zwischenkiefern  stehen ,  waren  nur  Anfangs 
hohl  und  füllten  sich  während  ihres  Wachsthums  aus.  Ihre  Krone 
ist  rückwärts  gebogen,  fast  halbkegelförmi^,  und  die  äufsere,  obere 
Seite  derselben  besitzt  2  scharfe  Kanten.  An  der  Basis  ist  sie 
mit  einem  Zahnknochen  oder  Sockel  innig  verbunden,  mit  wel- 
chem der  Zahn  in  gesonderten  Höhlen  befestigt  ist.  Der  Ersatz- 
zahn steht  daneben  in  einer  gesonderten  Höhle  und  dringt  in  den 
knochigen  Körper,  welcher  den  Zahn  trägt,  bald  quer,  bald  von 
der  Seite  ein  '  ). 

Auf  jeder  Seite  des  Unterkiefers  sitzen  14  Zähne,  auf  dem 
Flügelknochen,  wie  es  scheint,  8.  An  den  Wirbeln,  deren  Ge- 
sammtzahl  auf  133  berechnet  worden  ist,  ist  die  hintere  Gelenk- 


*)  Einige  Zähne  aus  der  Kreide  von  Norfolk,  welche  denen  von  Mo- 
sasaurus  ähnlich,  aber  von  ihnen  durch  die  elliptische  Basis  der  Zahn- 
krone verschieden  sind,  gaben,  nach  Bronn  (L.  Br.  J.  1842.  p.  492.),  zu  der 
Errichtung  der  Gattung  Lei  o  dort  Ow.  Veranlassung. 


SAURIER. 


79 


fläche  convex  und  nur  die  vordere  concav,  wie  bei  dem  Krokodil. 
Die  letzten  Schwanzwirbel  besitzen  gar  keine  Fortsätze,  und  schon 
in  der  Mitte  des  Rückens  fehlen  die  Gelenkfortsätze,  welchen 
Charakter  der  Mosasaurus  mit  dem  Delphine  gemein  hat.  Hände 
und  Füfse  scheinen  flossenartig,  etwa  wie  die  der  Pleurosauren, 
gewesen  zu  sein.  (H.  v.  Mey.,  Pal.  p.  219.) 

M.  Hofmannt  Mantell.  —  Tal.  VI.  Fig.  13.  Nach  L.  Br,  Leth. 
tb.  34.  f.  5.  d.  —  Parkinson^  Organic  Remains,  Vol,  3.  PL  19.  /*.  1. 
—  Munt.  GeoL  of  Süss.  PI.  20. 

Das  ganze  Thier  hat,  nach  Bronn,  über  24'  Länge  erreicht;  sein 
Kopf  allein  mafs  3'  9";  der  Rumpf  mit  dejm  Schwänze  20'  6"  und  der 
Schwanz  allein  über  10'. 

In  der  Kreide  des  Petersberges  und  zu  Seichen  bei  Maslricht, 
so  wie  auch  zu  Lewes  in  Sussex. 

t  10.  G.  Iguanodon  Mantell  {Iguana^  Leguan;  oöcbv^  Zahn). 

Riesenhafte  Eidechsen,  deren  Zähne  am  mehrsten  an  die  der 
in  warmen  Gegenden  Amerikas  lebenden  Leguane  erinnern,  aber 
den  Charakter  der  Pflanzenfresser  so  auffallend  an  sich  tragen,  dafs 
selbst  Cuvier  sie  erst  für  Rhinoceroszähne  halten  konnte.  Sie 
wachsen  nicht,  wie  die  Krokodilzähne,  aus  abgesonderten  Höhlen 
hervor,  sondern  längs  der  inneren  Seite  des  Zahnbeines,  an  dem 
sie  mit  einer  Seite  der  Knochensubstanz  ihrer  Wurzel  befestigt  sind, 
und  wurden  später  durch  neue,  seitlich  hervortretende  Zähne  ver- 
drängt *).  Ihre  Form  ist  spateiförmig,  der  Stiel  des  Spatels  kantig, 
oben  etwas  eingebogen  und  sich  dann  in  den  breiten,  oben  stumpf 
zugespitzten  Spatel  ausbreitend.  Dieser  breite  Theil  ist  aufsen  ge- 
wölbt, innen  flach  und  mit  zwei  stumpfen  gröfseren  und  zwei  da- 
mit abwachsenden  kleineren  Längskanten,  vorn  und  hinten  aber 
mit  scharfem  sägeförmigem  Rande  versehen.  Durch  Abnutzung  die- 
ser Zähne  bei  dem  Kauen  bildet  sich  oben  eine  ebene  Kaufläche, 
während  die  Zähne  anderer  Saurier  sich  entweder  gar  nicht  ab- 
nutzen oder  dabei  immer  zugeschärft  erhalten  *'"). 

Die  Knochen,  welche  man  von  diesem  Thiere  kennt,  sind 
kolossal.  Das  Bruchstück  eines  Schenkelknochens,  welcher  viel 
gröfser  war  als  der  des  gröfsten  Elephanten,  mifst  an  der  schmäl- 
sten Stelle  22"  im  Umfange  und  mochte  4  —  5'  lang  gewesen  sein. 
Nach  H.  V.  Meyer  (Pal.  p.  212.)  ist  ein  Mitlelhandknochen  zwei- 


*)  Buckland's  Geologie  von  Agassiz,  p.  265. 
*♦)  Bronn's  Leth.  p.  761, 


80 


KEPTILIEN. 


mal  so  breit  als  im  Elephanten,  6"  lang  und  wiegt  6  Pfund. 
Aufserdem  schreibt  man  dieser  Eidechse  ein  Horn  zu,  welches 
wie  ein  kleineres  Horn  des  Rhinoceros,  diesem  Thiere  aufsafs. 

Nach  einer  sorgfältigen  Vergleichung  dieser  und  anderer  Kno- 
chen des  Iguanodon  mit  denen  der  5'  grofsen  Iguana  schliefst 
Mantell,  dafs  dieses  Ungeheuer  etwa  die  Länge  von  70'  engl, 
(von  der  Schnauze  bis  an  das  Schwanzende)  erreicht  haben  mochte, 
dafs  der  Schwanz  52^'  lang  gewesen  sei  und  der  Umfang  des 
Körpers  14^'  betragen  habe.  Seine  Zehen  waren  mit  platten  Nägeln 
bedeckt ' ). 

/.  Anglicum  Holl,  Petrefactenkunde ,  p.  84.  —  /.  Manteliii  H. 
V.  Mey.  Pal.  p.  110.  —  Buckl.  Geol.  PI.  24.  —  Br.  Leth.  p.  763. 
tb.  34.  f.  6. 

Zähne ,  Wirbel ,  Schenkelbeine  und  andere  Knochen  kennt  man 
aus  dem  Hastings- Sandsteine  und  aus  anderen  Schichten  der  Wealden- 
formation  des  südöstlichen  Englands. 

11.  G.  Iguana  Daud.  Leguan. 

/.  (?)  Haueri  H.  v.  M.'in  Mimst.  Beitr.  Hft.  5.  p.  33.  tb.  6.  f.  12. 

Einige  Zähne  mit  gekerbtem  Seitenrande,  welche  grofse  Aehn- 
lichkeit  mit  dem  Keim-  oder  Ersatzzahne  der  Leguane  haben,  besitzt 
Hr.  Geheimerath  v.  Hauer  aus  dem  Tertiärgebilde  des  Wiener  Beckens 
von  Nufsdorf. 

t  12.  G.  Hylaeosaurus  Mantell.  Wald-Echse  (vh],  Wald; 
öavQog,  Eidechse). 

Diese  Eidechse,  welche  1832  in  der  Wealdenformation  von 
Tilgate  Forest  in  Sussex  entdeckt  wurde,  mochte  ohngefähr  25' 
lang  gewesen  sein.  Mit  fast  biconcaven  Wirbeln ,  den  Hautschilden 
der  Krokodile  und  den  Schulterblattbogen  der  Flesiosauren,  näherte 
sie  ein  ungeheuerer  Rückenkamm,  ähnlich  den  hornigen  Dornen  auf 
dem  Rücken  der  Leguane,  den  letzteren.  Die  Knochen,  welche 
jenem  Kamme  zur  Unterstützung  dienten,  sind  zusammengedrückt, 
bilden  ein  langes,  fast  gleichschenkeliges  Dreieck,  wechseln  von 
5  — 17"  Länge  und  von  3  —  1"  Breite  an  der  Basis.  (Br.  Leth. 
p.  765.  tb.  34.  f.  7.  —  Buckl.  Geol.  v.  Ag.  p.  261.  —  Owen  in 
L.  Br.  J.  1842.  p.  493.) 

Mit  diesen  Resten  zusammen  kommen  in  der  Wealdenformation 
eigenthümliche  Zähne  vor,   welche  man  früher  Jäger's  Phytosaurus 

*)  Owen  im  L.  Br.  J.  1842.  p.  493. 


SAURIER. 


81 


cylindricodon  und  neuerlich  Fischer's  Rhopalodon  '•')  zuschrieb, 
und  welche,  wenn  nicht  zu  Hylaeosaurus ^  so  doch  zu  einem  anderen 
erloschenen  Lacerten- Genus  gehören.  (L.  Br.  J.  1842.  p.  493.) 

t  13.  G.  Megalosaurus  Buckl.  Riesen-Eidechse. 
{fiiyag,  grofs ;  oavQog^  Eidechse.) 

Schon  aus  dem  Namen  geht  hervor,  dafs  Megalosaurus  eine 
Eidechse  von  riesiger  Gröfse  war.  Wurde  sie  darin  zwar  von  Igua- 
nodon  noch  übertroffen,  so  ergiebt  sich  doch  aus  der  Vergleich- 
ung  der  Gröfse  und  der  Proportionen  der  ihr  angehörigen  Knochen 
mit  dem  Skelette  lebender  Eidechsen,  dafs  sie  die  Länge  von 
40  —  50'  erreicht  habe.  Nach  Buckland  (Geol.  v.  Ag.  p.  255.) 
messen  die  Schenkelknochen  und  das  Schienbein  beide  an  3',  so 
dafs  das  ganze  Hinterbein  beinahe  4'  Länge  erreichen  mufste,  und 
die  Länge  des  Mittelfufsknochen  13"  ist.  Daraus,  dafs  die  Knochen 
des  Oberschenkels  und  Schienbeines  Markhöhlen,  wie  die  Knochen 
der  Landsäugethiere,  haben  und  nicht  in  der  Mitte  dicht  sind, 
wie  diefs  bei  Krokodilen  und  anderen  Wasservierfüfsern  der  Fall 
ist,  schliefst  man  mit  Recht,  dafs  die  Megalosauren  hauptsächlich 
auf  dem  Lande  lebten. 

Ein  Unterkieferfragment  mit  vielen  Zähnen,  von  welchen  Taf. 
VL  Fig.  14.  einen  darstellt,  läfst  erkennen,  dafs  der  Kopf  sich 
in  eine  gerade  und  schmale,  seitlich  zusammengedrückte  Schnauze 
endigte.  Die  Zähne  aber  zeigen  unverkennbar,  dafs  diese  Rie- 
seneidechse ein  Fleischfresser  war.  Sie  sind  flach,  spitz,  nach 
rückwärts  gebogen,  zweischneidig,  mit  fein  gezähneltem  Rande 
und  erreichen  die  doppelte  Gröfse  von  der  in  der  Abbildung. 

M.  Bucklandi  Mant.  GeoL  of  Sussex.  —  H.  v.  ]\Iey.  Pal.  p.  110 
u.  210.  —  Br.  Leth.  p.  530.  tb.  34.  f.  1.  ~  Buckl.  Geol.  v.  Ag.  p. 
254.  tb.  23. 

In  den  Oolith- Schiefern  von  Stonesfield,  in  der  unteren  und  mitt- 
leren Abtheilung  der  Wealdenformation  Englands,  im  Kalke  von  Caen, 
und  Reste  von  dieser  oder  einer  anderen  Art  in  den  Knochenhöhlen 
von  Banwell  (Sommersetshire)  und  Franken,  im  Oolith  der  Normandie 
und  im  Jura  bei  Solothurn. 


*)  Rhopalodon  Fischer.    Die  Zähne  stehen  entfernt  und  sind  hohl 
gestielt.    Auf  dem  Stiele  sitzt  eine  keulenförmige  und  zugespitzte  Krone, 
welche  längsgestreift  und  gefurcht  ist.    R.  Wangenheimii  ¥,  wurde  in  einem 
Geschiebe  hi  Rufsland  gefunden. 
Geiiiitz,  Vcrsteineriingskuude.  6 


KEI'TILIEN. 


€.  Krokodilier. 

Saurier  mit  Schwimmhäuten,  welche  den  lebenden  Krokodilen 
verwandt  waren  und  vorzugsweise  im  Wasser  lebten. 

Die  lebenden  Krokodile  sind  längs  des  Rückens  mit  ver- 
knöcherten, gekielten  Schildern  gepanzert,  und  ihr  zusammenge- 
drückter Schwanz  ist  mit  einem  Kamme  versehen.  Der  Kopf  der 
Gaviale  oder  Ganges -Krokodile  zeichnet  sich  durch  eine  sehr 
verlängerte,  schmale  Schnauze  aus,  während  die  Schnauze  der  ei- 
gentlichen Krokodile,  zu  welchen  das  Nil -Krokodil  gehört, 
und  die  der  amerikanischen  Krokodile,  des  Kaimans  oder  Alli- 
gators, viel  kürzer  und  stärker  ist.  An  dem  vorderen  Ende  der 
Schnauze  liegen  die  Nasenlöcher.  In  den  Kiefern  dieser  Saurier 
stehen  viele  spitz-kegelförmige  Zähne,  welche  in  gesonderten  Höh- 
len eingekeilt  sind  und  durch  neue,  von  der  Basis  des  alten  Zah- 
nes emporwachsende,  öfters  wieder  ersetzt  werden.  Alle  haben 
vier  kurze  Beine,  deren  Zehen  durch  ganze  oder  halbe  Schwimm- 
häute verbunden  sind.  Letztere  fehlen  an  den  Vorderfüfsen  der 
eigentlichen  Krokodile.  Nur  3  Zehen  sind  bekrallt  Die  lange 
schmale  Schnauze  erlaubt  den  Gavialen  nur,  sich  von  Fischen  und 
anderen  weicheren  leichter  zerstörbaren  Thieren  zu  nähren,  wäh- 
rend die  Natur  den  Krokodilen  und  Kaimans  mit  ihrer  kürzeren 
und  gedrungeneren  Schnauze  einen  kräftigeren  Raub,  die  Säuge- 
thiere,  zugewiesen  hat. 

Die  dem  Gavial  ähnlichen  Saurier  sind  daher  auch  die  älte- 
ren, und  in  der  langen  Zeitperiode,  während  welcher  die  man- 
nichfachen  Gebilde  der  Juraformation  entstanden,  zeigten  sie  sich 
in  ihrer  gröfsten  Entwickelung.  Erst  mit  Beginn  der  Tertiärfor- 
mation, wo  die  Säugethiere  recht  eigentlich  erst  beginnen,  um 
immer  mehr  und  mehr  unseren  Erdball  zu  beleben,  stellten  die 
den  eigentlichen  Krokodilen  und  Alligatoren  näherstehenden  Formen 
sich  ein,  welche  denn  auch  in  der  jetzigen  Schöpfung  die  Oberhand 
unter  allen  Eidechsen  behielten. 

Die  neuesten  gründlichsten  Abhandlungen  liber  diese  Gruppe 
verdanken  wir  Bronn  und  Kaup  '"'*),  welchen  ich  die  folgenden 
Schilderungen  der  einzelnen  Gattungen  entnahm. 

Kaup  theilt  die  Ordnung  der  Krokodile  nach  dem  Wirbelkörper 
in  3  Hauptabtheilungen: 


♦)  Leunis,  Synopsis  der  drei  Naturreiche,  1844.  p.  131. 
*♦)  Abhandlungen  über  die  gavialartigen  Reptilien  der  Liasformation  von 
T)r.  II.  Bronn  u.  Dr.  J.  J.  Kaup,  Stuttgart  1841. 


SAURIER. 


83 


A.  mit  convex-concaven  Wirbeln,  ähnlich  denen  der  Säugethiere: 
Steneosaurus  Geoffr.; 

B.  mit  concav- convexen  Wirbeln,  ähnlich  denen  der  Vögel:  Cro- 
codilus  mit  seinen  Untergattungen  Crocodilus^  Alligator^  Gavialis; 

C.  mit  biconcaven  Wirbeln,   ähnlich  denen   der  Fische   und  Ich- 
thyosaurier; 

a)  mit  seitlichen  Augen:  Teleosaurus^  Pelagosaurus ^  Aeolodon; 

b)  mit  nach  oben  gerichteten  Augen :  Mystriosaurus^  Engyommasaurus. 
In   eine   von   den  beiden   letzten  Abiheilungen  ist,   nach  Kaup, 

Metriorhynchus  und  Macrospondylus  zu  stellen. 

1.  G.  Crocodilus  Cuv.  Krokodil. 

Der  Kopf  eines  Krokodils  wurde  1831  von  Spencer  im  Lon- 
donthone  auf  der  Insel  Sheppey  gefunden.  Kuckland,  welcher  den- 
selben in  seiner  Geology  PI.  25.  f.  1.  abbildet,  nennt  diese  hier 
und  da  im  Londonthone  Englands  vorkommende  Art: 

C.  Spenceri.     Schnauze  breit,  kurz  und  stark. 

Aus  den  tertiären  Schichten  von  Weisenau  unterschied  II.  v. 
Meyer  (L.  Br.  J.  1843.  p.  393.)  nach  Zähnen  und  Schädelknochen: 

C,  Bruchii  II.  v.  M.,  war  ohngefähr  halb  so  grofs  als  das  ge- 
wöhnliche Krokodil; 

C.  Rathii  H.  v.  M.,  erreichte  etwa  die  halbe  Gröfse  des  vorigen; 

C.  medius  II.  v.  M.,  stand  in  seiner  Gröfse  zwischen  diesen 
beiden  Arten  und 

C.  Brauniorum  H.  v.  M.,  war  nur  halb  so  grofs  als  C.  Rathii. 

Krokodile  wurden  ferner  auch  im  plastischen  Thone  von  Auteuil, 
im  Kalke  von  Meudon,  im  Gypse  von  Montmartre,  in  der  Braunkohle 
der  Provence,  in  tertiären  Bildungen  von  Montpellier,  in  den  Siwalik- 
Bergen  u.  a.  a.  0.  gefunden. 

Die  aus  diluvialen  Schichten  bekannten  sind  den  lebenden  Kro- 
kodilen am  ähnlichsten 

C.  plenidens ^  aus  dem  Molasse -iSandstein  der  Schweiz,  erhob 
H.  v.  Meyer  zur  Gattung  Plerodon  und  nannte  die  Art  PL  crocodiloi- 
des.  (L.  Br.  J.  1839.  p.  4.) 

t  2.  G.  Macrospondylus  H.  v.  Mey.  (/.lay.Qog^  grofs; 
onovövlog^  Wirbel.) 

Als  Crocodilus  Bollensis  hatte  Jäger  '•'•O  das  Skelett  eines 
Sauriers  aus   dem  Liasschiefer  von  Boll   in  Würtemberg  bezeichnet, 

*)  Buckland,  Geol.  v.  Ag.  p.  271;  H.  v.  M.  Pal.  p.  107,  160;  Keferst. 
II.  p.  257;  Br.  Leth.  p.  822;  L.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  393. 

**)  Ueber  fossile  Reptilien  Würtembergs,  Stuttgart,  1828.  p.  6.  tb.  3. 


«4 


KEPTILIEN. 


Meiches  vielleicht  seit  einem  Jahrhunderle  eine  Zierde  des  Dresdener 
Natiiraliencabinetes  ist. 

Leider  felilen  demselben  Kopf  und  Füfse,  und  es  besteht  nur 
aus  9  — 10  Wirbeln,  Ober  -  und  Unterschenkeln  und  einigen  losen  Zähnen. 

Die  bedeutende  Länge  der  in  ihrer  Mitte  sehr  verengten  Wir- 
belkörper (Taf.  VL  Fig.  7,  in  5-  nat.  Gröfse)  gab  zu  dem  Namen  M. 
Bollensis  Veranlassung.  Ob  sie  an  beiden  Enden  concav  waren,  lälst 
sich  kaum  deutlich  erkennen.  Die  Unterschenkel  scheinen  kürzer  als 
die  Oberschenkel  zu  sein.  Von  den  dabei  liegenden  Zähnen  ist 
es  noch  z\¥eifelhaft,  ob  sie  zu  den  übrigen  Resten  gehören.  Der 
vollkommenste  von  ihnen  ist  2"  4'"  lang  und  an  der  abgebrochenen 
Wurzel  4'"  breit.  Er  ist  vollkommen  gerade  und  glatt,  und  hat  sei- 
ner Form  nach  mehr  Aehnlichkeit  mit  einem  Belemniten  als  mit  einem 
Zahne.  Im  Uebrigen  mufs  ich  auf  Kaup,  Bronn  und  v.  Meyer's  An- 
sichten hierüber  verweisen  '"'). 

Die  übrigen  fossilen  Gattungen,  welche  zu  dieser  Familie 
gehören ,  stimmen  mehr  mit  den  Gavialen  )  als  mit  den  eigent- 
lichen Krokodilen  überein.  Nach  Bronn  besitzen  sie  alle  „den 
langen  Rüssel  der  Gaviale  mit  endständigen  vorderen,  und  fast 
auch  am  Ende  der  Gaumenfläche  stehenden  hinteren  Nasenöß'nungen; 
eine  flachere  Stirne  als  die  jungen  Gaviale;  kleine  flach- 
randige  und  mehr  nach  oben  gerichtete  (nur  bei  Leptocra- 
nius  und  Geoffroy's  Teleosaurus  mehr  denen  der  Gaviale  ähnliche) 
Augenhöhlen,  ohne  Knochenringe  in  den  Augen;  gröfsere  Schei- 
tellöcher als  die  Gaviale,  die  ganze  hintere  Scheitelfläche  einneh- 
mend, länger  als  breit  (statt  quer);  Zähne  in  getrennte  Höhl- 
ungen eingekeilt,  kegelförmig,  längsstreifig,  die  Ersatzzähne  in 
sich  aufnehmend;  17  Brust-  und  Lendenwirbel  und  lange,  mitten 
stark  verengte,  biconcave  (nur  bei  Metriorhynchus  convex-con- 
cave)  Wirbelkörper,  denen  sich  an  den  Halswirbeln  kurze  axt- 
förmige  Rippen  anlenken;  einen  zusammengedrückten  Ruderschwanz; 
Extremitäten  mit  anderen  Gröfseverhältnissen  als  bei  den  lebenden 
Gavialen,  indem  die  Vorderbeine  gegen  die  Hinterbeine  und  ge- 
wöhnlich auch  die  Unterarme  und  Unterschenkel  mit  den  Zehen 
gegen  die  Oberarme  und  Oberschenkel  schwächer  sind ;  Vorder- 
füfse  mit  5,  Hinterfüfse  mit  4  bekrallten  Zehen;  eine  Bedeckung 

*)  Gavialart.  Rept.  p.  1  u.  24;  Leth.  p.  528;  Pal.  p.  106  u.  207. 

*♦)  Die  diese  Saurier  von  den  lebenden  Gavialen  mehr  oder  weniger 
unterscheidenden  Merkmale  sind ,  nach  Bronn's  Vorgange ,  mit  gesperrter 
Schrift  angegeben. 


SAURIER. 


85 


des  Körpers  ringsum  nur  mit  grofsen  viereckigen  und  oft  po- 
rösen Schilden,  und  endlich  eine  Verbreitung  in  den  Gebilden  der 
Oolithenperiode."  (Bronn,  Gavialart.  Rept.  p.  24.) 

Sie  zerfallen,  nach  Bronn,  in  zwei  Gruppen  und  werden 
von  ihm  p.  26  u.  27  folgendermafsen  charakterisirt : 

a. 

t  3.  G.  Mystriosaurus  Kaup.  {ij.vötqIov,  eine  Art  Löffel; 

„Am  hinteren  Ende  der  Gaumenfläche  findet  sich  eine  eigen- 
thümliche  kurze  Anschwellung  des  (?)  Keilbeines,  unter  welche 
die  hintere  Nasenölfnung  (das  Arterienloch)  von  hinten  eindringt; 
zu  deren  Seite  kleine  spitzeckige  Fliigelbeine ;  davor  die  langen 
Gaumenbeine,  welche  die  Gaumenlöcher  nach  hinten  weit  über- 
ragen. 

Die  Augenhöhlen  sind  klein,  sehr  nahe  beisammen  und  ganz 
nach  oben  gerichtet;  die  Scheitellöcher  mitten,  hinten  und  aufsen 
nur  durch  einen  schmalen  kantenartigen  Rand  eingefafst.  Die  rüs- 
selförmige  Schnauze  ist  mitten  schmäler  und  sein  löffeiförmiges 
Ende  verkürzt;  die  Nasenlöcher  sind  etwas  quer  und  an  dem  ver- 
deckten, schief  abgestutzten  Schnauzenende  fast  ganz  nach  vorn 
•  gerichtet.  Am  Unterkiefer  ist  der  Symphysen -Theil  beträchtlich 
länger  als  der  Ast -Theil.  Symphysen -Winkel  vo»  35*^  —  40%  unten 
abgerundet. 

Zähne  (mit  2  Kielen)  |±||^^.,  wovon  2—5  auf  dem  Un- 
terkiefer-Aste stehen  und  darauf  bis  gegen  oder  an  den  Augen- 
höhlenrand reichen.  An  den  Brustwirbeln  ist  die  Mitie  bis  auf 
f  verengt.  Rabenschnabelbein  in  der  Mitte  stark  verengt.  Die 
vorderen  jßeine  haben  f  von  der  Länge  der  hinteren."  (Bronn,  a. 
a.  0.  p.  26.)  Die  Hinterzehen  nehmen  von  der  innersten  nach 
der  äufsersten  an  Länge  zu.  Die  Panzerbildung  besteht  am  Rumpfe 
aus  10  Längenreihen  von  Schilden,  welche  beträchtlich  kürzer  sind 
als  die  Wirbel.    (Bronn,  im  Jahrb.  1844.  p.  871.) 

M.  Laurillardi  Kaup,  Gavialart.  Rept.  p.  2.  tf.  1.  f.  1  —  6. 
If.  2.  f.  l.  —  Bronn  ib.  p.  28.  —  Crocodilus  cylindrirostris  und  C. 
Altorfmus  Holl.  Petref.  p.  85.  —  Streptospondylus  Altorfensis  H.  v.  Mey. 
Pal.  p.  106.  z.  Th. 

Diese  Art  mochte  etwa  13'  lan^  gewesen  zu  sein.  1\!an  fand 
sie  im  Lias- Kalke  von  Altdorf  bei  Nürnberg. 

M.  Chapmanni  (Teleosaurus  Chapmanni)  Buckland,  Geol.  PK^ 
25.  —  Bronn  u.  Kaup.  l.  c.  p.  2  u.  27. 


86 


REPTILIEN. 


Ein  fast  vollslündiges  Skelett  von  18'  engl,  wurde  1824  im  Lias- 
schiefer  bei  Whitby  in  Yorksliire  entdeckt,  iu  welcher  Stadt  es  noch 
aufbewahrt  wird. 

M.  Brongniarti  (Engy  ommasaurus  Bvoiigniart  i)  Kaup, 
Br.  Leth.  p.  527;  Gavialart.  Rept.  p.  35. 

Aus  dem  Altdorfer  Liaskalke. 

t  4.  G.  Aeolodon  H.  v.  M.  Falaeosaiirus  Geoffr. 
(^aiolog,  veränderlich;  odtuv,  Zahn.) 

Bei  grofser  Aehnlichkeit  des  Schädels  mit  dem  der  vorigen 
Gattung  stehen,  nach  Bronn,  auf  jeder  Seite  des  Kiefers  nur 
"2^2  6"^  Zähne,  oben  zuerst  2  kleine  und  ein  1  grofser,  unten 
zuerst  3  grofse,  und  die  anderen  sind  abwechselnd  grofser  und 
kleiner.  Brustwirbel  sind  12  —  13  und  Lendenwirbel  4  —  5  vor- 
handen; die  Länge  des  Oberschenkels  beträgt,  nach  v.  Meyer, 
etwas  mehr  als  das  Doppelte  von  der  Länge  der  Unterschenkel- 
knochen, und  das  Becken  hat  eine  sehr  eigenthümliche  Bildung. 

A.  priscus  (Crocodäus  priscus)  Sömmering.  —  H.  v.  M.  Pal. 
p.  105  u.  202.  — ^  Br.  Leth.  p.  523.  —  Palaeosaurus  Geoffr.  Mem.  de 
PAcad.  r.  d.  sciences  de  VInst.  de  France^  t.  XU.  1833.  p.  48. 

Einzige  Art,  3'  lang,  1812  im  lithographischen  Schiefer  von 
Dailing  bei  Mohnheim  in  Baiern  gefunden. 

t  5.  G.  Gnathosaurus  H.  v.  M.  (yrdd^og,  Kinnbacken;  oavQog). 

Unterkiefer  sehr  lang  und  vorn  nicht  verdickt.  Die  Zähne 
sind  pfriemenförmig  und  etwas  zusammengedrückt,  im  Querdurch- 
schnitte oval,  nach  vorn  gerichtet  und  etwas  rückwärts  gekrümmt, 
glatt  und  jederseits  40  an  Zahl,  von  denen  die  vordersten  8  die 
gröfsten  sind  und  die  hinteren  allmählich  kleiner  werden. 

G.  subulatus  H.  v.  M.  im  Museum  Senkenhergianum ^  Bd.  1. 
(1833.)  p.  1.  tb.  1.  f.  1,  2.  —  Hiernach  Taf.  VL  Fig.  3. 

Einzige  Art,  aus  dem  lithographischen  Schiefer  von  Solenhofen. 

t  6.  G.  Metriorhynchus  H.  v.  M.  (juh^wg,  mäfsig; 

Qvy/oQj  Schnabel.) 
Die  Schnauze  ist  mittelmäfsig  lang  und  mehr  kegelförmig, 
vorn  verengt,  dann  etwas  erweitert  und  endlich  gegen  die  Spitze 

*)  Dieser  Name  wurde  1837  von  P^itainger  für  ein  in  einem  Sandstein- 
blocke angeblich  ans  Böhmen  gefundenes  Reptil,  P.  Stcr7ibergii,  welches 
jetzt  in  dem  Prager  Museum  ist,  und  neuerdings  von  Riley  und  Stutchbury 
für  einige  im  englisclien  Zechsteine  (s.  bei  Protorosaurus,  p.  74.  Anm.)  vor- 
kommende Reptihenreste  abermals  verbraucht. 


SAU»I£R. 


87 


wieder  verschmälert.  Nach  Bronn  stehen  unten  22  zweischneidige 
Zähne;  die  Wirbel  sind  convex-concav;  die  Brustwirbel  unten  zwei- 
kielig,  ihre  Querfortsätze  an  der  Basis  vierkantig  pyramidal  und 
hinter  der  Fläche  für  den  Rippenkopf  mit  einer  tiefen  Grube  ver- 
sehen. 

M,  Geoffroyi  H.  v.  M.  Pal.  p.  106  u.  227.  —  Br.  Leth.  p.  519. 
tb.  26.  f.  8.  a.  b.  7.  b.  d.  —  Steneosaurm  rostro- minor  Geoffroy. 

Einzige  Art  im  Lias- Oxford -Thone  von  Honfleur  und  im  Kim- 
meridge- Thone  von  Hävre. 

t  7.  G.  Leptocranius  Bronn,  (lenjog,  dünn;  y.Qaviov,  Schädel.) 

Der  sehr  verlängerte  Schädel  läuft  unter  den  Schläfen  keil- 
förmig zusammen.  Der  Unterkiefer  ist  vorn  lölFelförmig,  die  Augen- 
höhlen sind  grofs  und  stehen  ganz  seitlich.  Jede  Kieferseile  trägt 
36  —  40  kegelförmige  Zähne.     Einzige  Art: 

L.  longirostris  Bronn,  Leth.  p.  517.  tb.  26.  f.  7.  —  Strep- 
tospondylus  Altorfensis  H.  v.  M.  Pal.  p.  106.  —  Steueosaurus  rostro- 
major  Geoffr. 

Der  merkwürdige  Oberschädel  hat,  nach  Bronn,  3'  Länge  und 
ist,  an  mehreren  Stellen  gemessen,  doch  nur  f  so  breit  als  ein  Ga- 
vial- Schädel  von  3l"  Länge;  auch  verläuft  er  viel  allmäliliger  in  die 
Schnauze. 

In  den  Oolithen  zu  Hävre  und  Honfleur. 

b. 

t  8.  G.  Felagosaurus  Bronn,  (nelayog,  Meer;  ouvQog.) 

Wie  bei  Mystriosaurus^  beobachtete  Bronn  am  hinteren  Ende 
der  Gäumenfläche  eine  Anschwellung  des  Keilbeines,  unter  welche 
die  hintere  Nasenöffnung  (das  Arterienloch)  von  hinten  eindringt. 

Vorzüglich  unterscheidet  sich  die  neue  Gattung  von  Mystrio- 
saurus  durch  gröfsere  Augenhöhlen,  welche  weiter  aus  einander 
stehen ,  als  ihre  Breite  beträgt  (die  sie  trennende  Fläche  verengt 
sich  nach  hinten);  durch  etwas  längere,  in  der  Mitte  breilere 
Schnauze,  deren  löffeiförmiges  Ende  niedergedrückt  eiförmig  ist 
und  nach  oben  gerichtete  Nasenlöcher  trägt;  durch  den  Symphysen- 
theil,  der  etwas  kürzer  als  der  Asttheil  ist,  mit  einem  Symphy- 
senwinkel  von  28^;  durch  fjf|  Zähne,  von  denen  die  oberen  brö 
an  die  Augenhöhlen  reichen  und  unten  5  auf  dem  Kieferaste  stehen; 
durch  kürzeren  .Hals;  bis  auf  4  in  der  Mille  verengte  Brustwirbel; 
ein  in  der  Mitte  wenig  verengtes  Rabenschnabelbein,  und  Vorderbeine, 
die  nur  halb  so  lang  als  die  hinteren  sind.  (Bronn,  Gav.  R.  p.  26.) 


88 


RKPTILIEN. 


Die  einzige  Art  Iiommt  im  Liasschiefer  vor. 
Bronn  nennt  dieselbe: 

P.  typus  Br.,  Gavialart.  Rept.  p.  8.  28  u.  30.  tb.  3.  Hier- 
nach Taf.  VI.  ¥ig.  4,  restaurirter  Schädel  in  i  Gröfse  und  Fig. 
4  a.  die  Gaiimengegend,  auch  restaurirt,  in  l  Gröfse. 

Das  Exemplar  von  Bronn  liefs  auf  die  Länge  von  5'  schlie- 
fsen.  Ein  fast  vollständiges  Exemplar  von  lO^'  Länge  beschreibt 
Dr.  Schmidt  '^')  als  Macrospondylus  Bollensis  H.  v.  M. 

Es  wurde  im  mittleren  Liasschiefer  zu  Holzmaden  in  Wür- 
temberg  gefunden. 

t  9.  G.  Teleosaurus  Geoffroy '•""•).  (jtUog,  vollkommen;  oavQog.) 

Teleosaurus  hat  (nach  Bronn,  a.  a.  0.  p.  26,  27  u.  36.), 
abgesehen  von  dem  nicht  bekannten  Nasenende,  einen  beträchtlich 
kürzeren  und  breiteren  Hinterschädel;  gleich  lange  und  breite  Schei- 
tellöcher; kleine,  fast  runde,  vielleicht  mehr  nach  oben  gerichtete 
Augenhöhlen  und  eine  längere,  spitzere  Schnauze  mit  schlankeren 
und  zahlreicheren  Zähnen  als  die  lebenden  Gaviale.  Hiervon  stehen 
im  Oberkiefer  wenigstens  45,  welche  sich  seitwärts  nach  aufsen 
kehren.  Die  Anschwellung  des  Gaumens  an  der  hinleren  Nasen- 
üllnung  ist  sehr  unbeträchtlich.  Der  Panzer  bestand  aus  Schilden 
mit  über  einander  geschobenen  Rändern,  wodurch  fast  \  jeder 
Schuppe  bedeckt  wurde.  Der  Bauchpanzer  bestand  aus  Querreihen 
von  je  6  grofsen,  dicken  und  flachen  Schilden;  nur  die  des  Schwan- 
zes waren  gekielt. 

Die  Reste  von  T.  Cadomensis  GeofFr.  (Br.  Leth.  tb.  26. 
f.  d.)  stammen  aus  der  Juraformation  von  Caen. 

t  10.  G.  Glaphyrorhynchus  H.  v.  Mey.  (yld(pv^  Höhle; 
Qvy/og,  Schnabel.) 

Die  einzige  Art, 

G.  Aalensis  H.  v.  Mey.  (L.  Br.  J.  1842.  p.  303.)  aus  dem 
Unter -Oolith  von  Aalen  in  Würtemberg,  ist  ein  sqhmalkieferiger  Sau- 

Ueber  den  Liasschiefer  in  Würtemberg  von  Dr.  med.  Schmidt  in 
Metzingen  bei  Urach. 

**)  Geoffroy  Saint-Hilaire  stellte  in  den  Memoires  de  Vacademie  royale 
des  Sciences  de  V Institut  de  France,  T.  XII.  p.  1  —  139  die  Familie  der 
Teleosaurier  mit  den  Gattungen  Cyst  o  s  aurus,  Stene  os  aurus ,  Pa- 
laeosaurus  und  Teleosaurus  auf.  Wiewohl  der  gelehrte  Naturforscher 
in  diesen  5  Abhandlungen  schätzbare  Mittheilungen  über  die  lebenden  kro- 
kodilartigen Thiere  giebt,  so  hat  sich  doch  seine  Familie  der  Teleosau- 
rier nicht  erhalten  können,  wie  diefs  vorzüglich  H.  v.  Meyer  (Palaeologica) 
und  Bronn  (a.  a.  O.)  nachweisen. 


SAURIER. 


89 


rier,  welcher  leicht  an  den  ovalen,  schräggestellten  ZaTinhöhlen  er- 
kannt werden  kann. 

t  11.  G.  Poecilopleuron  Deslongchamps.  (notxllog^  mannich- 
faltig;  nliVQä,  Rippe.) 

B.  Bucklandi  Desl.  (Br.  Leth.  p.  521.)  aus  dem  zuk  Jurafor- 
mation gehörigen  Kalke  von  Caen,  ist  die  einzige  Art.  Kopf  und 
Hals  fehlen.  Die  Zähne  sind  kegelförmig,  erhaben -gestreift  und  hohl. 
Die  Wirbelkörper,  deren  im  Schwänze  etwa  33  vorhanden  waren, 
sind  an  beiden  Enden  concav.  Die  Rippen  sind  dreierlei  Art.  Vor- 
derglieder nur  halb  so  lang  als  die  hinteren,  wie  es  bei  Teleosaurus 
vorkömmt,  aber  beide  zeichnen  sich  durch  beträchtliche  Hohlheit  ihrer 
Knochen  aus  und  sind  in  bekrallte  Zehen  getheilt,  welche  kürzer  als 
bei  den  Krokodilen  sind. 

Sämmlliche  1836  bei  Caen  zusammen  gefundene  Ueberreste  zeigen 
ein  Thier  von  der  Gröfse  des  Megalosaurus  an. 

t  12.  G.  Flaieosaurus  H.  v.  Mey.  {nlazlgy  breit.) 

P.  Engelharti  H.  v.  Mey.  (L.  Br.  J.  1839.  p.  77;  1841.  p.  182.) 
aus  dem  oberen  Keuper- Sandsteine  bei  Nürnberg,  welcher  ungefähr 
die  Gröfse  des  Thaumatosaurus  besitzen  mochte,  unterschied  sich  von  die- 
sem durch  eine  beträchtliche  Markhöhle  und  Jeste  Textur  seiner  Knochen. 
In  diesem  Saurier  bestand,  nach  v.  Meyer,  durch  Verschmelzung  von 
wenigstens  3  Wirbeln,  ein  sogenanntes  Heiligenbein,  welches  man  bis- 
her nur  an  Säugethieren  gekannt  hatte. 

t  13.  G.  Thaumatosaurus  H.  v.  Mey.  Wunder-Saürus. 
(&avf.ia ,  Wunder.) 

/  T.  oolithicus  H.  v.  Mey.  (L.  Br.  J.  1841.  p.  176.)  umfafst 

Knochen-  und  Kieferfragmente  aus  den  Oolithen  von  Neuffen  in 
Würtemberg. 

Seine  Zähne  waren  schwach  gekrümmt,  conisch,  gestreift, 
mit  langen  Wurzeln  in  Höhlungen  befestigt,  und  deuten  ein  sehr 
grofses  Thier  an  *).  Die  Textur  der  Wirbel  und  anderer  Knochen 
ist  sehr  zellig. 

t  14.  G.  Cetiosaurus  Owen,  (x^rog,  Seeungeheuer;  oavQog.) 

Ein  gigantischer  Saurier  aus  der  Oolithformation  Englands, 
dessen  Wirbel  und  Extremitäten,  welche  letztere  ohne  Markhöhle 


*)  Der  unter  Ischyrodon  Meriani  begriffene  Zahn  aus  dem  Rogen-Eisen- 
steine des  mittl.  Jura  im  Canton  Aargau  besitzt  nach  H.  y.  Meyer  (L.  Br.  J. 
1841.  p.  183.)  viel  Aehnlichkeit  mit  den  Zähnen  des  Thaumatosauras. 


90 


REPTILIEiN. 


sind,  auf  ein  räuberisches  Seelhier  schliefsen  lassen,  welches  von 
Krokodiliern  und  Plesiosauren  gelebt  haben  mag.  Sowohl  durch 
die  Gröfse,  als  auch  durch  die  BeschaiFenheit  seiner  Wirbel  nähert 
es  sich  den  Cetaceen,  unterscheidet  sich  aber  durch  die  Conca- 
vität  seiner  Gelenkflächen  von  ihnen.  Es  dürfte  die  Länge  von  40' 
erreicht  haben.  (Lond.  Edinb.  and  Dubl.  phil.  Mag,  1842.  Vol.  20. 
p,  329;  L.  Br.  J.  1843.  p.  859. 

t  15.  G.  Folyptychodon  Owen,  (nolvg,  viel;  mv/jj ^  Falte; 

odcov^  Zahn.) 

Unter  dieser  Gattung  begreift  der  englische  Anatom  mehrere 
Reste  eines  wahrscheinlich  meerischen  Riesenkrokodiliers  aus  dem 
unteren  Grünsande  zu  Hythe  und  einige  Zähne  aus  derselben 
Bildung  von  Maidstone.  Die  Zähne  dieses  Sauriers  sind  kegel- 
förmig, etwas  gekrümmt,  und  an  ihrer  Krone  laufen  zahlreiche 
dichtstehende  Längsrippen  bis  nahe  zur  Spitze  empor.  (Lond.  Ed. 
Dubl  phU.  Mag.  1842.  Vol.  20.  p.  61;  L.  Br.  J.  1842.  p.  620.) 

D.  dnaliosaurier. 

Saurier  mit  Flossenfüfsen ,  welche  nur  die  Meere  bewohnten. 

Yier  Flossen-  oder  Ruderfüfse,  welche  unbekrallt  und  äufser- 
lich  nicht  in  Zehen  gesondert  sind,  deren  Zehen  aber  aus  einer 
oft  langen  Reihe  von  allmählig  kleiner  werdenden  Gliedern  be- 
stehen, zeichnen  diese  Saurier  ganz  besonders  aus.  Hierzu  kommt 
noch  die  Lage  der  Nasenlöcher  oben  am  Anfange  der  Schnauze, 
also  ganz  nahe  den  Augenhöhlen,  in  welchen  letzteren  ein  ge- 
gliederter Knochenring  liegt.  Die  Wirbel  bieten  vorn  und  hinten 
vertiefte  Gelenkflächen  dar. 

t  1.  G.  Ichthyosaurus  König.  Fisch-Echse.  Proteos aurus 
Home.  Gryphus  Wagler.  (JxSvg,  Fisch;  oavQog.) 

Ichthyosaurier  (Taf.  V.  Fig.  6.)  haben  die  spitze  Schnauze 
und  den  kurzen  Hals  der  Delphine,  die  Zähne  des  Krokodils,  un- 
geheuere Augen  mit  gegliedertem  Knochenringe,  wie  bei  Vögeln, 
Schildkröten  und  den  eigentlichen  Eidechsen,  die  biconcaven  Wir- 
bel der  Haifische,  das  Brustbein  der  Eidechsen,  einen  ziemlich 
langen  Schwanz  und  die  Pfoten  der  Cetaceen. 

Die  Zwischenkieferbeine,  welche  fast  die  ganze  vordere  Hälfte 
der  Schnauze  einnehmen,  sind  in  dieser  Gattung  besonders  entwickelt. 

Die  Zähne  sind  kegelförmig  und  an  ihrer  emailirten  Krone 
(Taf.  V.  Fig.  6.  b.),  sowie  auch  an  ihrer  Wurzel  einfach  längs- 


.t 


SAURIER. 


91 


gestreift.  Sie  sind  in  viel  gröfserer  Anzahl  (bisweilen  an  180) 
als  in  den  Krokodilen  vorhanden  und  stehen,  v^^ie  die  der  Del- 
phine, in  Längsrinnen,  wo  ihre  Stellung  durch  schwache  Erwei- 
terungen angedeutet  wird.  Wegen  des  häufigen  Verlustes  der 
Zähne,  welcher  durch  die  Gefräfsigkeit  der  Ichthyosauren  bedingt 
war,  hat  die  Natur  für  einen  hinreichenden  Vorrath  von  Keimen 
neuer  Zähne  in  beiden  Kiefern  gesorgt.  Die  jungen  Zähne  ent- 
stehen an  der  Basis  der  alten,  treten  in  die  hohle  Krone  der 
letzteren  ein  und  stofsen  sie  endlich  ab.  Es  konnte  ihre  Er- 
neuerung noch  rascher  als  bei  den  Krokodilen  erfolgen,  da  bei 
letzteren  der  junge  Zahn  sich  erst  in  der  hohlen  Krone  des  alten 
bildete. 

Die  Wirbelsäule  ist  aus  mehr  als  100  Wirbeln  zusammen- 
gesetzt, von  welchen  wenigstens  5  dem  Halse  und  gegen  40  den 
Rippen  zukommen.  Der  Wirbelkürper  hat  die  Form  eines  Damen- 
bretsteines  und  nähert  dadurch  die  Ichthyosauren  auffallend  den 
Fischen.    Die  Höhe  derselben  übertrilTt  ihre  Länge  2-  bis  3mal. 

Ihre  Ruderfiifse,  welche  den  Ichthyosauren  auch  nicht  das 
geringste  Fortschreiten  zu  Lande  gestatten  konnten,  zeigen  klar, 
dafs  dieselben  nur  auf  das  W^asser,  und  zwar  auf  das  Meer,  be- 
schränkt waren,  wo  sie  in  Fischen  und  anderen  Meerthieren  reiche 
Nahrung  vorfanden. 

Zur  Zeit  der  Liasbildungen  waren  sie  in  ihrer  gröfsten  Ent- 
faltung und  erreichten  oft  eine  bedeutende  Gröfse.  Wohlerhaltene 
Skelette  und  Reste  von  ihnen,  selbst  noch  Excremente  (Taf.  V. 
Fig.  6.  c),  hat  man  aus  dieser  Zeit,  doch  auch  aus  jüngeren 
Schichten  der  Juraformation,  vielfach  kennen  gelernt,  und  der 
Reichthum  an  diesen  untergegangenen  Geschöpfen  läfst  der  Ver- 
muthung  Raum,   dafs  sie  gesellig  beisammen  gelebt  haben. 

Aufser  den  vielen  wissenschaftlichen  Beiträgen  zur  Kenntnifs 
dieser  Geschöpfe,  welche  wir  Conybeare,  de  la  Beche,  Cuvier 
und  Owen  zu  danken  haben,  ist  vorzüglich  der  Abhandlungen  von 
Jäger  „rfe  Ichthyosauri  sive  Proteosauri  fossilis  specimibus^  Stutt- 
gardiae^  1824,"  und  „über  fossile  Reptilien  Würtembergs,  Stutt- 
gart, 1828,"  so  wie  eines  Prachtwerkes  von  Hawkins:  ^^Memoirs 
of  Ichthyosauri  and  Plesiosauri^  London,  1834"  zu  gedenken. 
Schätzbare  Mittheilungen  ertheilten  aber  auch  Bronn  in  seiner  in 
jeder  Beziehung  vortrefflichen  Lethaea  und  in  dem  Jahrbuche  '0, 
H.  v.  Meyer  u.  A. 


*)  L.  Br.  Jahrb.  1844.  p.  385. 


92  REPTILIEN. 

In  einem  Berichte  über  die  britlisclien  Reptilien  )  unter- 
scheidet Owen  10  Arten,  welche,  bis  auf  eine  aus  dem  Kimrae- 
ridge-Thone,  alle  dem  Lias  entnommen  sind.  Die  am  vollständig- 
sten gekannten  Arten  sind  folgende: 

/.  chiroparamecostinus  Hawkins  (^y^iQ^  Hand;  7ia()Uiii^>crig, 
länglich;  ooztov ^  Knochen).  —  Taf.  V.  Fig.  6  u.  7  (Zähne,  so  weit  sie 
aus  dem  Kiefer  hervorragen  Nach  Hawkins  PI.  17  u.  18. 

Pas  ganze  Skelett  ist,  nach  Hawkins,  p.  32,  7'  engl.  lang. 
Beide  Kiefern  haben  gleiche  Länge,  im  oberen  stehen  110,  im  unteren 
100  Zähne.  Von  III  Wirbeln  gehören  40  dem  Rücken  an  **"^).  Jedes 
der  Vorderglieder  enthält  95  Knochen,  nämlich  Oberarm,  radius  und 
ulna^  eine  aus  7  Knochen  gebildete  Hand,  an  welcher  7  Phalangen 
mit  85  Knöchelchen  befestigt  sind;  an  jedem  der  Hinterglieder  aber  erkennt 
man  aufser  dem  Oberschenkel,  der  tihia  und  fibtda^  3  Fufsknochen 
und  5  Reihen  von  33  Knöchelchen. 

Das  ganze  Skelett  wurde  1830  im  Liaskalke  zu  Walton  bei  Glas- 
tonbury,  andere  Theile  dieser  Art  zu  Street  und  Long -Sutten  entdeckt. 

/.  communis  de  la  Beche  u.  Conybeare.  —  Br.  Leth.  p.  504. 
tb.  28.  f.  2.  —  Butjkl.  Geol.  PI.  8.  f.  1 .  —  /.  communis  und  /.  pla 
tyodon  bei  Jäger ,  foss.  Rept.  Würt.  (nach  Owen  f). 

Die  Krone  der  Zähne  ist  kegelförmig,  mittelmäfsig  spitz,  leicht 
gebogen  und  dicht  gestreift. 

In  Deutschland  die  gewöhnlichste  Art. 

Im  Lias  von  Würtemberg  (Göppingen,  Ohmden  bei  Boll),  bei 
Banz  und  Mistelgau  im  Baireuthischen  und  in  England  (Lyme  Regis 
und  Bath)  hat  man  schon  mehrere  vollständige  Skelette  von  5'  — 8' 
Länge  und  viele  einzelne  Theile  von  ihnen  aufgefunden.  Jäger  be- 
schreibt sogar  Wirbel  von  S'"  Höhe  und  2V  Länge,  welche  auf 
Thiere  von  26'  Länge  schliefsen  lassen. 

/.  intermedius  Conyb.  —  Br.  Leth.  p.  506.  tb.  26.  f.  2.  — 
Buckl.  Geol.  PI.  8.  f.  2. 

*)  Auszug  in  L.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  503. 

**)  Die  bezeichnende  Zahl  dazu  ist  bei  den  Lithographieeii  vergessen 
worden. 

***)  Die  Uniknickung  des  Schwanzes  nach  unten  fand  Owen  {ISote 
on  the  Dislocation  of  the  Tail  at  a  certain  point  observable  in  thc  Skeleton 
of  many  Ichthyosauri ,  1838.)  bei  den  meisten  Ichthyosauren  wiederkehrend, 
und  diefs  tritt  bei  /.  communis  ohngefähr  bei  dem  dreifsigsten  Schwanz- 
wirbel ein. 

t)  L.  Br.  Jahrb.  1844.  p.  503. 


SAÜlUER.  03 

Eine  kleinere  Art,  etwa  von  b'  Gröfse,  mit  Zähnen,  deren 
Krone  spitzer  als  in  /.  communis  und  mit  weniger  erhabenen  Streifen 
versehen  ist. 

Im  Lias  von  Wiirtemberg-  und  England. 

/.  platy odon  de  la  B.  u.  Con.  —  Br.  Leth.  p.  505.  tb.  26. 
f.  2.  —  Buckl.  Geol.  PI.  7.  —  /.  giganteus  Leach  (nach  Owen).  — 
/.  chiroligostinus  Hawkins,  PI.  3  —  5. 

Die  Zähne  sind  oval-kegelförmig,  seitlich  zusammengedrückt,  zwei- 
schneidig und  mit  abgeplatteten  Längsstreifen  versehen.  Nach  Hawkins 
stehen  sie  auf  den  Kiefern,  Zwischenkiefern  und  Zahnbeinen,  und  es 
waren  von  ihnen  im  Oberkiefer  40  —  50,  im  Unterkiefer  35  —  45  auf 
jeder  Seite  vorhanden. 

Das  von  Hawkins  auf  PI.  3  abgebildete  vollständige  Skelett  ist 
18'  engl.  lang. 

Man  kennt  diese  Art,  nach  Owen,  aus  dem  Lias  von  Lyme, 
Bristol,  Whitby,  Bitton  und  von  Ohmden  in  Würtemberg. 

/.  trigonodon  Theodori,  L.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  136,  502;  1844. 
p.  248,  340,  697. 

Der  vorigen  Art  nuhe  verwandt.  Die  Zähne  sind  leicht  nach 
hinten  gekrümmt  und  besitzen  aufser  2  scharfen  Seitenkanten  nocli  eine 
dritte  gerundete  Längskante,  so  dafs  ihr  Durchschnitt  dreieckig  ist. 
Einem  7'  langen  Kopfe  zu  Folge,  welcher  im  Lias  von  Banz  im  Bai- 
reuthischen aufgefunden  wurde,  hat  Theodori  die  Länge  des  ganzen 
Thieres  auf  32'  geschätzt. 

I.  tenuiTostris  de  la  B.  u.  Conyb.  —  Jäger,  foss.  Rept.  Würt. 
tb.  2.  f.  9  —  12,  15,  16—21.  —  Buckl.  Geol.  PI.  9.  —  /.  chirostron- 
gidostinus  Hawk.  PI.  13 — 16. 

Mit  einer  sehr  langen  und  dünnen  Schnauze  und  viel  schlanke- 
ren, etwas  gebogenen  Zähnen,  welche  nur  schwach  gestreift  sind. 
Nach  Hawkins  standen  140  im   Oberkiefer  und  120  im  Unterkiefer. 

Auch  hiervon  kennt  man  Köpfe  von  2'  und  Skelette  von  3^' 
—  8'  Länge. 

Es  ist  eine  der  gewöhnlichsten  Arten  in  England  (Lyme,  Strat- 
ford,  Bristol,  Street  u.  s.  w.)  und  bei  Amburg,  Boll  in  Würtem- 
berg, bei  Banz  und  bei  Solothurn. 

Koprolithen  oder  versteinerte  Excremente  von 
Ichthyosauren. 
Taf.  V.  Fig.  8.    Nach  Hawkins  PI.  27.  (1). 

Das  Vorkommen  versteinerter  Excremente  von  Sauriern  ist 
ein  jetzt  unbestreitbares  Factum.    Wer  auch  nur  einen  flüchtigen 


REPTILIEN. 


Blick  auf  die  Excremente  verwandter  lebender  Tliiere,  wie  auf  die 
der  Riesenschlauge  geworfen  hat,  wird  es  nicht  mehr  bezweifeln. 
Noch  mehr  aber  ist  die  Natur  dieser  Körper  durch  ihre  chemischen 
Bestandtheile  dargethan  worden,  welche  vorzugsweise  phosphor- 
saurer und  kohlensaurer  Kalk  sind  '•'),  und  durch  ihr  häufiges  Vor- 
kommen in  der  Bauchhöhle  der  im  Lias  von  Lyme  Regis  gefunde- 
nen Ichthyosauren- Skelette.  (Buckl.  Geol.  PI.  13.) 

Mantell  und  Buckland  ■'■■■■),  welche  die  Wissenschaft  mit  der 
Entdeckung  von  Koprolithen  zuerst  bereicherten,  lenkten  hiermit 
auch  die  Aufmerksamkeit  auf  die  eigenthümliche  Textur  dieser  Kör- 
per. Die  Koprolithen,  welche  im  Lias  von  Lyme  Regis  an  der 
Severn- Mündung  und  an  anderen  Orten  wie  Kartoffeln  im  Boden 
zerstreut  liegen,  zeigen  eine  compacte,  erdige  Textur,  einen  fett- 
glänzenden Bruch  und  sind  meistens  spiralförmig  gewunden.  Buck- 
land fand  an  ihnen  3,  nie  aber  mehr  als  6  solcher  Windungen. 
Diese  spiralförmige  Windung  hatte  ihren  Grund  wahrscheinlich  in 
der  Beschaffenheit  der  inneren  Fläche  der  Darmröhre  und  sie  läfst 
uns  schliefsert,  dafs  die  Ichthyosauren  einen  Darmkanal  wie  die  noch 
lebenden  Haifische  und  Rochen  besafsen.  Bei  diesen  Fischen,  ge- 
rade den  räuberischsten  unter  den  Bewohnern  der  jetzigen  Meere, 
läuft  eine  ununterbrochene  spiralförmige  Falte  längs  der  inneren 
Wandung  der  kleinen  Gedärme  herab,  mit  welcher  die  spiral- 
förmige Windung  der  Excremente  vollkommen  im  Einklänge  steht. 
Duvernoy  '^'''''^')  findet  in  den  Koprolithen  mit  spiralen  Windungen 
und  erdigem  Bruche  die  gröfste  Aehnlichkeit  mit  den  Excrementen 
der  Boa  constrictor  und  betrachtet  sie,  unter  dem  Namen  IJro- 
lithen,  als  Harnsedimente  der  Saurier,  während  nach  seiner  An- 
sicht die  nicht  gewundenen  und  solche,  welche  Schuppen  und  Grä- 
ten enthalten,  wirkliche  Koprolithen  sind.  Hawkins  und  Mantell 
bilden  viele  Koprolithen  von  Ichthyosauren  ab,  welche  länglichen 
Rollsteinen  oder  länglichen  Kartoffeln  gleichen  und  gröfstentheils 
die  Länge  von  2"  —  4"  besitzen. 

t  2.  G.  Plesiosaurus  Conyb.  Ealidracon  Wagl.  Meerdrache. 
(nXriotog^  nahestehend;  oavQog.^ 

Die  Plesiosauren  sind,  wie  schon  Cuvier  sagte,  vielleicht 
die  auffallendsten  Bewohner  der  früheren  Welt.    Mit  dem  Kopfe 


*)  S.  u.  Koprolithcs  Mantcllii. 
**)  ßuckl.  Geol.  V.  Agassiz,  p.  208  u.  f. 
Campt,  rend,  1844.  T.  19.  p..  255. 


SAURIER. 


95 


einer  Eidechse  vereinigen  sie  die  Zähne  des  Krokodils,  mit  einem 
ungeheueren  dem  Körper  einer  Schlange  ähnlichen  Halse  den 
Rumpf  und  den  Schwanz  eines  gewöhnlichen  Säugethieres,  die 
Rippen  des  Chamäleons  und  die  Schwimmfiifse  des  Wallfisches. 
(Buckl.  Geol.)  Sie  lebten  gleichzeitig  mit  den  Ichthyosauren ,  wa- 
ren wie  diese  zum  Athmen  in  der  Luft  bestimmt  und  scheinen 
mit  ihnen  seichte  Meere  bewohnt  zu  haben. 

Der  Kopf  ist  sehr  klein  und  hat  die  Bildung  des  Gaumens,  den 
Knochenring  in  den  Augen  und  die  Lage  der  kleinen  Nasenlöcher 
oben  vor  den  Augen  mit  den  Ichthyosauren  gemein,  gleicht  aber 
dem  Krokodil  durch  die  aus  besonderen  Zahnhöhlen  emporwachsenden 
Zähne.  Die  Schnauze  ist  niäfsig  lang,  verdickt  sich  vorn  und  weicht 
hinten  stark  aus  einander.  Die  Zähne,  welche  bis  unter  die  Augen- 
höhlen stehen,  sind  sehr  lang,  dünn,  spitz,  und  auf  ihrer  Schmelz- 
fläche  fein  gestreift,  ihre  Wurzel  ist  glatt,  gerundet  und  hohl,  so 
dafs  ihre  Erneuerung  wie  bei  den  Krokodilen  erfolgte.  Sie  variiren 
nach  Alter  und  Art. 

Am  abweichendsten  von  allen  anderen  Wirbelthieren  sind  die  Ple- 
siosauren  durch  ihren  schlangenartigen  Hals,  welcher  aus  ohngefähr  33 
Wirbeln  besteht  "••).  Dieser  ist  viel  länger  als  der  Schwanz,  in  wel- 
chem man  26  Wirbel  erkannte.  Im  Ganzen  beläuft  sich  die  Zahl  der 
Wirbel  auf  85  —  90.  Alle  Wirbel  zeigen  wenig  vertiefte  Gelenkflächen 
und  sind  in  der  Mitte  selbst  wieder  etwas  erhöht,  an  ihrer  unteren 
Seite  aber  erkennt  man  an  ihnen  2  kleine  ovale  Grübchen.  Die  Be- 
wegungsorgane waren  ähnlich  wie  bei  den  Ichthyosauren  gebildet, 
unterscheiden  sich  jedoch  durch  gröfsere,  längere  und  schmälere  Form, 
welche  sich  auch  in  den  einzelnen  Knöchelchen  ausspricht. 

P.  dolichodeirus  Conyb.  —  Taf.  V.  Fig.  5.  (5'  8"  engl,  grofs) 
und  Fig.  4.  ein  idealer  Umrifs  des  lebenden  Thieres.  —  Nach  Hawkins, 
Mem.  of  Jchthyos.  and  Fies.  PL  24.  (/.  tessarestarsostinus),  —  Buckl. 
GeoL  PL  16  —  18. 

Der  Hals  dieses  Plesiosaurus  ist  fast  fünfmal  länger  als  der  Kopf 
und  zweimal  so  grofs  als  der  Schwanz,  so  dafs  der  Kopf  kaum  den 
dreizehnten  Theil  der  ganzen  Körperlänge  ausmacht. 

Man  kennt  diese  Art,  nach  Owen,  aus  dem  Lias  von  Watchett, 
Bath  und  Bristol  in  Somerset,  von  Lyme  und  von  Bitton  in  Glou- 
cestershire. 


*)  Bei  allen  Säugethieren  sind  immer  nur  7,  bei  den  Vögeln  9—28  und 
bei  den  lebenden  Reptilien  3—8  Halswirbel  vorhanden. 


96 


REPTILIEN. 


P.  macrocephalus  Con.  —  Buckl.  Geol.  PI.  19.  f.  1.  —  Owew, 
a  descripHon  of  a  Specimen  of  the  Ples,  macroceph.  in  Trans.  Geol. 
Soc.  Ind  Ser.  Vol.  V.  PI.  43. 

Unterscheidet  sich  von  voriger  Art  vorzüglich  durch  einen  viel 
gröfseren  und  längeren  Kopf,  welcher  beinahe  die  halbe  Länge  des 
Halses  erreicht. 

Owen  führt  ihn  aus  dem  Lies  von  Lyme,   Street  und  Balh  auf. 

Neben  10  Arten  aus  dem  englischen  Lias  bestimmte  Owen  5  aus 
dem  Kimmeridge-Thone  und  eine  Art  aus  dem  englischen  Grünsande. 

Die  in  Deutschland  von  Plesiosaurus  aufgefundenen  Reste  be- 
schränken sich  auf  Wirbel  und  wenige  andere  Knochen  aus  dem  Lias- 
kalke  und  Sandsteine  von  Banz  und  Bamberg  •')  und  auf  die  in  den 
Triasgebilden  nicht  selten  vorkommenden  Wirbel. 

t  3.  G.  Pliosaurus  Owen,  (nldw,  ich  schiffe.) 

ist  ein  Mittelglied  zwischen  Plesiosaurus  und  den  Krokodilen.  Seine 
Halswirbel  sind  viel  kürzer  als  die  Rückenwirbel,  wodurch  der 
Hals  viel  kürzer  als  bei  Plesiosaurus  wird.  Bei  aller  Aehnlich- 
keit  mit  der  letzteren  Gattung,  nähern  sich  die  Zähne  des  Pliosaurus 
mehr  den  Krokodilen.  Vorgekommen  im  Kimmeridge-Thone  von 
Market -Ruset,  Weymouth  und  Shotover  in  Britannien.  (L.  Br.  J. 
1842.  p.  491.) 

t  4.  G.  Nothosaurus  Münst.  Bastard-Saurier. 
(voSog^  unächt;  oavQog.) 

Hierzu:  Dracosaurus  Münst.  Drachen-Saurier"''"'')  und  die  früher 
dem  Plesiosaurus  zugeschriebenen  Ueberreste  im  Muschelkalke  '"'*''■). 

Die  Nothosauren  vertreten  die  Plesiosauren  der  Juraformation 
in  der  Trias.  Sie  besafsen,  nach  Bronn,  einen  Jangen  schlangen- 
förmigen  Hals  mit  wenigstens  27  Wirbeln,  mindestens  22  Brust- 
und  Lendenwirbel  und  über  24  Schwanzwirbel.  Die  Gelenkflächen 
sämmtlicher  Wirbel  sind  etwas  vertieft.  Die  für  Plesiosaurus  cha- 
rakteristischen Grübchen  an  der  unteren  Seite  der  Schwanzwirbel 
fehlen  t).    Ihre  vorderen  Extremitäten  waren  sehr  verlängert  und 


*)  Theodori  in  L.  Br.  Jahrb.  1844.  p.  697. 
**)  H.  V.  Mey.  in  L.  Br.  Jahrb.  1839.  p.  559. 

**♦)  Von  dem  unermüdlichen  H.  v.  Meyer  ist  bald  eine  umfassendere 
Bearbeitung  der  Saurier  des  Muschelkalkes  und  insbesondere  der  Gattung 
]\othosauru8  zu  erwarten. 

•{-)  Nur  an  einigen  im  Muschelkalke  aufgefundenen  Wirbeln,  welche  Mün- 
ster als  Plesiosaurus  speciosus  bezeichnete,  waren  solche  Grübchen  vor- 
handen. (Br.  Leth.  p.  199.) 


SAURIER.  97 

endeten  in  eine  lange  spitze  Flosse,  die  hinteren  waren  kürzer. 
(Br.  Leth.  p.  188.) 

In  neuerer  Zeit  wurden  von  dieser  Gattung  auch  mehrere 
Schädel  in  dem  Muschelkalke  von  Baireuth  und  von  Crailsheim 
entdeckt  '*•) ,  welcher  unter  der  folgenden  Gattung  Erwähnung  ge- 
schehen soll. 

Die  Zähne  sind  sehr  verlängert,  kegelförmig,  gebogen  und  an 
der  Schmelzfläche  scharf  gestreift.  Die  Streifen  laufen  nach  oben  in 
einander.  Innerlich  sind  sie,  wenigstens  unten,  hohl.  Grofse 
Zähne,  welche  im  vorderen  Ende  der  Schnauze  auf  ^em  Zwischen- 
kiefer sitzen,  hatten  nach  H.  v.  Meyer  die  Bedeutung  von  Schneide- 
zähnen. Aufser  diesen  waren  im  Oberkiefer  noch  gröfsere  Eckzähne 
vorhanden,  welche  im  Unterkiefer  fehlten.  Die  Abweichungen  der 
grofsen  oberen  Zähne  im  Noth.  mirahilis  von  den  unteren  haben, 
nach  demselben  Gelehrten,  die- Errichtung  des  Dracosaurus  ver- 
anlafst,  welcher  demnach,  wenigstens  nach  den  Zähnen,  nicht 
existirt 

Die  Nothosauren  beginnen  mit  N.  Schimperi  H.  v.  Mey.  '^■'•■■^) 
schon  im  bunten  Sandsteine  von  Sulzbad,  im  Muschelkalke  werden 
sie  häufiger  und  erreichen  an  der  oberen  Gränze  desselben  ihre 
gröfste  Entwickelung  und  Ausbreitung,  so  dafs  die  glauconitischen 
Schichten  von  Rüdersdorf,  Mattstedt  bei  Jena  und  die  Bildungen 
von  Crailsheim  in  Würtemberg  ganz  davon  erfüllt  sind. 

iV.  giganteus  Münst.  —  Br.  Leth.  p.  189. 

Knochen  aus  dem  Muschelkalke,  von  der  Dicke  der  Bärenknochen, 
und  2"  hohe  und  an  der  Basis  dicke  Fangzähne  lassen  auf  die 
sehr  bedeutende  Gröfse  dieser  Art  schliefsen. 

N.  mir  ab  i  Iis  Münst.  —  Taf.  VI.  Fig.  12.  Nach  Br.  Leth.  p.  189. 
tb.  13.  f.  14. 

Ein  Unterkiefer  aus  dem  Muschelkalke  von  Baireuth  liefs  die 
Gröfse  des  Thieres  zu  7'  annehmen.  Derselbe  erweitert  sich  vorn 
und  ist  an  dem  breiten  vorderen  Ende  sehr  stumpf.  Die  erhabenen 
Streifen  der  Zähne  (Fig.  12.)  vermindern  sich  an  Zahl  durch  Zusam- 
menlaufen schon  von  i  der  Höhe  von  der  Wurzel  an. 

iV.  angustifrons  H.  v.  Mey.  Beitr.  z.  Palaeont.  Würt.  p.  47. 
tb.  10.  f.  2. 


♦)  H.  V.  Mey.  in  L.  Br.  J.  1639.  p.  659;  1842.  p.  99,  184  und  Pal. 
Würt.  p.  47. 

**)  L.  Br.  J.  1839.  p.  559. 
***)  L.  Br.  J.  1842.  p.  100.  . 
Gcinitz,  Versteiuerungskunde.  ^  7 


REPTILIEN. 


Ein  Über  6"  langer  Schädel  aus  dem  Miischelkalke  von  Crails- 
heim, welcher  sich  sehr  allmählich  bis  an  das  abgerundete  Schnauzen- 
ende verlängert. 

N.  venu  st  IIS  Münst.  —  Br.  Leth.  p.  189. 

Er  war  nur  4-  so  grofs  als  N.  mirabilis.  M.  v.  Meyer  führt 
von  ihm  einen  Schädel  von  Esperstädt  an.  Einzelne  Knochen  dieser 
Art  sind  nicht  selten  im  Saurier -Dolomit  des  Muschelkalkes  von  Jena, 
Querfurth,  Baireuth  u.  a.  0.,  wo  Muschelkalk  vorkömmt. 

iV.  (Dracosaurus)  Bronnii  Münst.  —  Taf.  VI.  Fig.  6.  Wir- 
bel, nach  H.  v.  M.  im  Mus.  Senck.  1833.  Bd.  1.  tb.  2.  f.  10.  (i)  und 
Taf.  VI.  Fig.  11.  Zahn,  nach  Br.  Leth.  tb.  13.  f.  15;  —  das  Luneviller 
Reptil  in  Alberti's  Monographie  des  bunten  Sandst.  u.  s.  w. 

Die  Zähne  sind  dünn,  stark  gebogen  und  eng  gestreift.  Die 
Streifen  vereinigen  sich  erst  oberhalb  der  Mitte. 

Häufig  im  Muschelkalke  von  Baireuth,  Rüdersdorf  in  Thüringen, 
bei  Crailsheim  in  Würtemberg,  am  Schwarzwalde  und  bei  Luneville, 
besonders  in  seinen  obersten  Schichten. 

N.  (Plesiosaurus)  .  .  .  .  ?  —  Taf.  VI.  Fig.  5.  a,  b,  c.  Nach 
H.  V.  Mey.  im  Mus.  Senck.  Bd.  1.  tb.  2.  f.  1. 

Der  Körper  der  Schwanzwirbel  ist  in  der  Mitte  nur  unbedeutend 
eingezogen  und  zeigt  auf  seiner  oberen,  seitlich  etwas  vorstehenden 
Fläche  eine  eigenthümliche  kreuzförmige  Figur  (5.  a.),  die  an  das 
sogenannte  Blücher -Kreuz  erinnert,  in  welche  die  Fortsätze  eingelenkt 
waren.  Seine  Gelcnkflächen  sind  kreisrund  und  schwach  concav,  allein 
in  der  Mitte  der  hinteren  derselben  (Fig.  5.  c.)  erhebt  sich  eine  kleine 
Convexität,  ähnlich  wie  bei  Plesiosaurus. 

Im  Muschelkalke  bei  Jena,  bei  Beichlingen  und  bei  Baireuth 
nicht  selten. 

t  5.  G.  Simosaurus  H.  v.  Mey.  {oii-iog^  Stumpfschnauze; 

OUVQOg.) 

Der  Kopf  dieses  Sauriers  erinnert,  nach  H.  v.  Meyer  ), 
durch  die  drei  Paare  deutlich  unterschiedener  Löcher  in  der  Ober- 
seite, welche,  von  vorn  anfangend,  die  Nasenlöcher,  Augenhöhlen 
und  Schläfengruben  darstellen,  zunächst  an  Nothosaurus ^  ohne 
dafs  jedoch  die  Augenhöhlen  und  Schläfengruben  so  ganz  der 
Oberseite  angehören,  als  im  letzten  Genus.  In  beiden  Gattungen 
ist  die  Schnauze  unmittelbar  vor  den  Nasenlöchern  gewöhnlich  am 
schmälsten,  indem  sich  ihr  äufserstes  Ende  erweitert.    Hier  ist 


'•O  L.  Br.  Jahrb.  1842.  p.  184  u.  302. 


4 


SAURIER. 


99 


dieses  Ende  viel  breiler  und  stumpfer  gerundet,  als  in  Nothosaurus. 
Wie  bei  dieser  Gattung,  liegen  nahe  an  dem  vorderen  Ende  zwei 
grofse,  getrennte  Nasenlöcher,  und  die  Augenhöhlen  kommen  auf 
die  vordere  Hälfte  der  ganzen  Länge  des  Schädels,  wodurch  bei 
beiden  die  Gesichtsstrecke  sehr  verkürzt  wird.  In  Simosaurus  ist  der 
Kopf  verhältnifsmäfsig  kürzer  und  breiter  als  in  Nothosaurus^  bei- 
den fehlte  aber  eine  eigentliche  Scheitelwölbung,  und  in  beiden 
ist  ein  ovales  Scheitelloch  an  der  schmälsten  Stelle  des  Scheitel- 
beines anzutreffen.  Die  Schläfengruben  liegen  bei  ersterem  weiter 
aus  einander  als  bei  letzterem,  bei  Nothosaurus  sind  die  Augen- 
höhlen im  Allgemeinen  länger  als  breit,  bei  Simosaurus  hingegen 
fast  eben  so  breit  als  lang.  Hier  liegen  die  Augenhöhlen  näher 
den  Schläfengruben,  dort  näher  den  Nasenlöchern;  die  Nasenlöcher 
sind  in  Simosaurus  ein  wenig  länger  als  in  Nothosaurus,  und  in 
ersteren  ist  ihr  vorderer  Winkel  auffallend  spitz  u.  s.  w.  Die 
Zähne  stecken,  wie  die  des  Nothosaurus,  seines  Verwandten  und 
Zeitgenossen,  mit  langen  starken  Wurzeln  in  getrennten  Höhlen. 
Sie  stehen  bei  Simosaurus  von  der  Gegend  vor  den  Nasenlöchern 
an  bis  in  die  Gegend  der  hinteren  Hälfte  der  Schläfengrube,  auf 
jeder  Seite  des  Oberkiefers  25  —  26  an  Zahl,  und  nehmen  nsich 
vorn  allmählig  an  Gröfse  und  Stärke  zu.  Bei  Nothosaurus  hin- 
gegen führen  die  Zähne  nur  bis  in  die  Gegend  der  vorderen  Schlä- 
fengrube zurück,  und  gleichwohl  ist  ihre  Zahl  ungefähr  um  die 
Hälfte  gröfser  als  in  der  verwandten  Gattung.  Die  Zähne?  sind 
kleiner  und  nehmen  nach  vorn  nur  unbedeutend  zu,  wofür  sie 
jedoch  durch  die  starken  und  grofsen  Zähne  entschädigt  sind,  welche 
schon  früher  beschrieben  wurden.  In  Simosaurus  sind  die  klei- 
neren Zähne  etwas  stärker  und  stumpfer  kegelförmig,  an  der  Basis 
ihrer  Krone  etwas  eingezogen  und  hier  mit  einer  scharfen  Kante 
versehen,  übrigens  im  Durchschnitte  fast  kreisrund.  Die  Längs- 
streifen, welche  bis  in  die  Spitze  gehen,  verlieren  sich  am  unte- 
ren Ende  da,  wo  die  Krone  bauchiger  wird.  Die  Zähne  des  Un- 
terkiefers sind  gleichförmiger  und  kleiner  als  die  im  Oberkiefer, 
wie  es  bei  Nothosaurus  der  Fall  ist,  dessen  Zähne  jedoch  noch 
kleiner  und  schlanker  sind.    (H.  v.  Meyer.) 

Von  5.  Gaillardoti  H.  v.  Mey.  (L.  Br.  J.  1842.  a.  a.  0.  u. 
Pal.  Würt.  p.  45.  tb.  11.  f.  1.)  beschrieb  H.  v.  Meyer  mehrere  Schä- 
del, welche  im  Muschelkalke  von  Luneville  und  bei  Ludwigsburg  in 
Würtemberg  aufgefunden  wurden. 

S.  Mougeoti  H.  v.  Mey.,  L.  Br.  J.  3842.  a.  a.  0. 

Hiervon  kennt  man  Unterkiefer  aus  Luneville, 

7'^ 


100 


REPTILIEN. 


t  6.  G.  Charitosaurus  H.  v.  Mey.  (xotQig,  Anmiith;  ouvQog.) 

C.  Tschudii  H.  v.  Mey.  in  L.  Br.  J.  1838,  p.  415.-  Tat'.  VI. 
Fig.  8.    Unterkieferhälfte  aus  dem  Miischelkalke  von  Esperstädt. 

Die  Zähne  (Fig.  8.  a.  vergröfsert)  sind  ziemlich  von  gleicher 
Gröfse,  verengen  sich  stark  an  der  Basis  ihrer  Krone,  laufen  nach 
oben  in  eine  scharfe  Spitze  aus  und  sind  längsgestreift.  Sie  stecken 
in  gesonderten  Höhlen  und  scheinen  in  allen  Stücken  denen  von  Simo- 
saurus  sehr  ähnlich  zu  sein. 

t  7.  G.  Conchiosaurus  H.  v.  Mey.  Muschel-Saurier. 

{y.oyyjov f  Muschel;  oavQog.) 

Der  Schädel  dieses  Sauriers'  gleicht  am  meisten  dem  eines 
Alligators;  seine  Nasenlöcher  liegen  ain  Ende  der  Schnauze.  An 
der  Seite  derselben  steht  in  dem  Oberkiefer  (Taf.  VI.  Fig.  2.) 
ein  grofser,  spitzer  und  gekrümmter  Zahn,  und  vor  diesem  we- 
nigstens noch  ein  kleiner.  Hinter  ihm  findet  man  aber  wenigstens 
11  kleinere  kolbige  kegelförmige  Zähne  von  ungleicher  Gröfse 
(Fig.  2.  a.  und  b.),  die  an  ihrer  Basis  verengt  und  bis  zur  Spitze 
gestreift  sind  (Fig.  2.  c).  Sämmtliche  Zähne  stehen  in  gesonder- 
ten Höhlen  und  sind  unten  hohl.     Einzige  Art: 

C.  clavatus  H.  v.  Mey.  im  Mus.  Senck.  1833.  Bd.  1.  tb.  1. 
f.  3,  4,  wovon  die  Abbildung  auf  Taf.  VI.  entnommen  wurde,  kommt 
in  dem  Muschelkalke  von  Baireuth  und  von  Esperstädt  vor. 

Anhang. 

t  8.  G.  Belodon  H.  v.  Mey.  (ßtlog,  Pfeil;  oSwv,  Zahn). 
Hierzu:  Phytosaurus  Jäger. 

Die  Zähne  sind  breit,  dick  und  haben  fast  die  Form  eines 
Pfeiles,  indem  ihre  Krone  zusammengedrückt  und  schwach  gekrümmt 
ist,  oben  aber  spitz  zuläuft. 

ß.  Plieninger i  H.  v.  Mey.,  Pal.  Würt.  tb.  12.  f.  20 — 24,  ist, 
nebst  einer  anderen  Art  mit  längeren  Zähnen,  auf  den  Keupersandstein 
(Stuben-  oder  Streusandstein)  von  Würtemberg  beschränkt. 

Die  Identität  dieser  Gattung  mit  Phytosaurus  suchte  Plieninger 
schon  bei  der  Versammlung  deutscher  Naturforscher  1843  in  Mainz 
nachzuweisen,  und  diese  Ansicht  wurde  von  ihm  in  den  Beiträgen 
zur  Paläontologie  Würtembergs,  1844.  p.  91  u.  f.,  noch  ausführ- 
licher durchgeführt. 

Taf.  VI.  Fig.  9.  a.  gieht,  nach  Jäger's  Abbildung  seines  Phy- 
tosaurus Cylindricodon  (foss.  Rept.  W^ürt.  tb.  6.)  einen  Umrifs  des 


SAURIER. 


101 


Kiefers;  Fig.  9.  c.  stellt  einen  wirklichen  Zahn  in  halber  natür- 
licher Gröfse  dar;  Fig.  9.  b.  in  halber  natürlicher  Gröfse  die  Aus- 
füllungen der  Zahnhöhlen  mit  Gesteinsmasse,  welche  von  Jäger 
für  die  Backzähne  eines  pflanzenfressenden  Sauriers  gehalten  wor- 
den waren. 

Diese  Reste,  so  wie  die  des  Fhytosaurus  ciibicodon,  waren 
im  grobkörnigen  Keupersandsteine  von  Rübgarten  in  der  Nähe  von 
Tübingen  gefunden  worden. 

t  9.  G.  Brachytaenius  H.  v.  Mey.  (ßQu/vg,  kurz; 
laivluy  Streif.) 

B.  perennis  H.  v.  Mey.  (Münst.  Beitr.  z.  Petref,  Hft.  5. 
p.  22.  tb.  8.  f.  2.)  begreift  nur  die  Krone  eines  Zahnes  aus  dem 
gelben  Jurakalke  von  Aalen ,  welcher  am  mehrsten  an  die  Zähne 
des  Belodon  Plieningen  erinnert,  jedoch  weniger  zusammengedrückt 
und  in  seiner  oberea  Hälfte  mit  2  scharfen,  schwach  gezähnelten 
Kanten  versehen  ist. 

t  10.  G.  Termato^aurus  Flfen.  (rt^fna^  Gränze:  aavQog.y 

Als  T.  Alherlii  bezeichnet  Plieninger  (Pal.  Würt.  p.  123  — 
125.  tb.  12.  f.  25.  37.  93.  94.)  ganz  eigenthümliche  Zähne,  welche 
weder  mit  Saurierzähnen  aus  der  Trias  übereinstimmea,  an  deren 
oberer  Gränze  sie  in  dem  Sandsteine  von  Tübingen  in  Würtem- 
berg  vorkommen,  noch  mit  Saurierzähnen  aus  der  Juraformation. 
Sie  sind  schlank,  gegen  die  Kuppe  ziemlich  gedrungen  und  aus- 
gebaucht, übrigens  mehr  cylindrisch  und  mit  einer  sehr  regel- 
mäfsigen,  im  Allgemeinen  parallelen  und  ziemlich  gedrängten  Streif- 
ung von  halbcylindrisch- abgerundeten  und  nach  unten  regelmäfsig 
gabelnden  Erhöhungen  und  cylindrisch -ausgerundeten  Vertiefungen 
bedeckt. 

t  11.  G.  Neustosaurus  Raspail.  (vtvozrig,  der  Schwimmer.) 

N.  Gigondarum^  nach  Raspail  ein  neues  Geschlecht  fisch- 
arliger  Reptilien  aus  den  Bergen  von  Gigondar,  das  aber  noch 
zu  wenig  gekannt  ist.    (Notiz  in  L.  Br.  J.  1843.  p.  238.) 

£.  Ijabyrinthodontra. 

Saurier  mit  prismatischer  Zahnstructur ,  wie  sie  sehr  ähnlich 
an  den  Zähnen  einiger  Säugethiere  vorkömmt.  Der  Querschnitt 
dieser  Zähne  stellt  labyrinthartige  Zeichnungen  dar  (Taf.  V.  Fig. 
10.  b.) ,  welcher  Charakter  ihnen  den  so  bezeichnenden  Namen 
verschafft  hat. 


102 


REPTILIEN. 


Sie  sind  ausschliefslich  auf  die  Trias-  oder  Muschelkalkfor- 
niation  besciiränkl,  und  sowohl  in  dem  bunten  Sandsteine,  dem 
Muschelkalke,  als  in  der  Lettenkohle  und  dem  Keuper  wird  diese 
Familie  durch  ei^enthümliche  Geschlechter  vertreten. 

Mit  gewohnter  Genauigkeit  haben  H.  v.  Meyer  und  Plieninger  '') 
diese  Familie  zum  Gegenstande  einer  monographischen  Arbeit  ge- 
wählt, nachdem  Owen  an  einigen,  im  Sandsteine  bei  Warwick 
gefundenen  Zähnen  die  Structur  derselben  schon  nachgewiesen  hatte. 

Der  englische  Anatom  stellt  diese  Saurier  in  die  Ordnung 
der  Batrachier,  und  nach  seiner  Ansicht  würden  dieselben  ohn- 
gefähr  das  Ansehen  gehabt  haben,  wie  es  Taf.  V.  Fig.  Ii.  aus- 
drückt. Er  findet  es  ferner  auch  wahrscheinlich ,  dafs  die  in  dem 
Keuper  und  bunten  Sandsteine  vorkommenden  Fährten  und  Fährten- 
abdrücke von  diesen  oder  ähnlichen  Thieren  herrühren,  wie  diefs 
nach  Owen's  Zeichnung  aus  Fig.  11.  auf  Taf.  V. '^'*)  hervorgeht. 

In  den  Beiträgen  zur  Paläontologie  Würtembergs  beweist 
aber  H.  v.  Meyer,  dafs  die  Laijyrinlhodonten  wegen  der  Gegen- 
wart des  Thränenbeines,  des  Ober-  und  Unter -Hinterhauptbeines, 
des  Schlafbeines,  des  hinteren  Stirnbeines  und  des  Jochbeines  keine 
Batrachier  sein  können,  da  den  letzteren  alle  genannten  Beine  feh- 
len, und  dafs  sie  im  Gegentheil  sich  unmittelbar  an  die  Saurier 
anreihen,  da  die  meisten  Knochen  ganz  ähnlich  wie  im  Krokodil 
und  in  älteren  fossilen  Sauriern  gebildet  sind.  Die  in  einem  Löcher- 
paare bestehende  Nasenöffnung  ist,  nach  demselben  Gelehrten,  la- 
certenartig,  ihre  Lage  aber  auf  der  Oberseite  wie  im  Krokodil 
und  in  älteren  Sauriern.  Die  verhältnifsmäfsige  Gröfse  der  Augen- 
höhlen, deren  Begränzung  durch  Knochenplatten  und  die  Lage  auf 
der  Oberseite  sind  krokodilartig.  In  Betreff  der  Gegend,  wo  die 
Augenhöhlen  auftreten,  gleicht  Capüosaurus  dem  Krokodile,  Mas- 
todonsaurus  den  Lacerten  und  Metopias  den  Schildkröten  und 
einigen  älteren  Sauriern.  Der  Gelenkfortsatz  des  Hinterhauptes  ist 
ähnlich  den  Batrachiern  und  Säugethieren.  Die  Gaumenbewäffnung 
erinnert  zunächst  an  Batrachier,  die  Structur  der  Zähne  an  Saurier 
und  Fische,  und  die  Art  des  Einsetzens  vielleicht  an  Saurier;  die 
Art  der  Befestigung  der  Zähne  ist  wie  in  Sauriern  und  Fischen,  die 
Beschaffenheit  der  Rippen  und  Wirbel  wie  in  Sauriern,  zumal  in 
älteren  fossilen,  und  auch  der  Körpcrgröfse  nach  waren  diese  Thiere 
Saurier.    (II.  v.  Mey.  Pal.  Wärt.  p.  31.) 

*)  Beiträge  zur  Paläontologie  Würtembergs  von  H.  v.  Meyer  und  Th. 
Plieninger.    Stuttgart,  1844. 

*♦)  Nach  Ilichardson ,  Gcology  for  Beginners.    London ,  1842. 


SAURIER. 


103 


Die  Oberfläche  des  Hauptstirnheines  zeigt  ein  merkwürdiges 
Netz  von  Unehenheiten,  welches  bei  Mastodonsaurus  in  mehreren 
längslaufenden  Strahlen  und  Rinnen  besteht,  bei  CapUosaurus  und 
Metopias  aber  aus  einer  centralen  grübchenreichen  Gegend,  von  wel- 
cher aus  die  Strahlen  und  Rinnen  mehr  oder  weniger  divergirend 
sich  verbreiten.  Bei  Metopias  liegt  diese  centrale  Grübchengegend 
mehr  in  der  vorderen  Hälfte,  bei  CapUosaurus  in  der  hinteren 
Hälfte  der  Länge  des  Hauptstirnbeines  (v.  Mey.  Pal.  W.  p.  21).  Auch 
das  Nasenbein  und  andere  flache  Knochen,  als  das  Brustbein,  das 
Schulterblatt  u.  a. ,  sind  mit  ähnlichen  mehr  oder  weniger  netz- 
förmigen oder  strahlenförmigen  Grübchen  und  Erhöhungen  geziert, 
welche  in  den  verschiedenen  Gattungen  auch  von  einander  abwei- 
chen. Endlich  ist  noch  eines  leierförmigen  Eindruckes  auf  dem 
Felde  zwischen  den  Augenhöhlen  und  den  Nasenlöchern  zu  ge- 
denken, welcher  an  den  Labyrinlhodonten  sehr  auffallend  hervor- 
tritt und  dessen  Form  sich  hauptsächlich  nach  der  Lage  der  Augen- 
höhlen richtet.  Man  nennt  diesen  Eindruck  die  Brille,  da  seine 
beiden  Arme  an  das  vordere  innere  Ende  der  Augenhöhlen  grun- 
zen, ähnlich  wie  das  mittlere  Gestell  einer  Brille  an  die  Umfassung 
der  Gläser. 

Fährten  nach  zu  schliefsen,  welche  aus  den  nämlichen  Ge- 
steinsbildungen bekannt  sind,  in  denen  man  die  Ueberreste  der 
Labyrinthodonten  bis  jetzt  nur  gefunden  hat,  gehörten  diese  Thiere 
wohl  vorzugsweise  dem  Lande  an. 

t  1.  G.  CapUosaurus  Münster.  {Caputh  Kopf;  ouvQog.) 

Der  Kopf  ist  nach  vorn  stumpf  gerundet;  die  ovalen,  etwas 
kleineren  Augenhöhlen  liegen  ohngefähr  in  der  Mitte  der  hinteren 
Hälfte  der  Schädellänge;  die  Nasenlöcher  am  vorderen  Schnauzen- 
ende sind,  wie  die  Augenhöhlen,  weit  von  einander  entfernt.  In 
einiger  Entfernung  hinter  den  Augenhöhlen  ist  das  Scheitelbein 
mit  einem  kleinen  Loche  durchbohrt,  welches  an  der  äufseren  Fläche 
rund,  an  der  inneren  queioval  ist. 

Zwei  Arten  im  Keuper. 

C.  robustus  H.  v.  Mey.  u.  Flieninger,  Pal.  Würt.  p.  6,  73  u. 
a.  a.  0.  tb.  9.  f.  1  u.  2. 

Mehrere  Schädel  aus  dem  Keupersandsteine  von  Stuttgart.  Die 
Zähne  sind  bis  in  die  Nähe  der  Krone  fein  gestreift,  stecken  nicht 
in  Alveolen  und  sind  auf  dem  Kieferknochen  aufgewachsen. 

C.  arenaceus  Münst.;  H.  v.  Mey.  in  L.  Br.  J.  1842.  p.  302; 
Pal.  Würt.  p.  11.     Schädel   aus   dem  Keuper  von  Bcnk   in  Franken. 


104 


REPTILIEN. 


t  2.  G.  Mastodonsaurus  Jäger.  Salamandroides  Jäger. 
Batracliosaurus       Fitzinger.  Labyrinthodon  Owen. 

Der  Kopf  ist  nach  vorn  zugespitzt;  die  grofsen,  länglich- 
ovalen Augenhöhlen  liegen  etwas  hinter  der  Mitte  des  Schädels  und 
in  geringerer  Entfernung  von  einander  als  hei  Capitosduriis.  Die  bei- 
den Nasenlöcher  am  Schnanzenende  sind  klein,  vor  ihnen  stehen  am 
vorderen  Ende  des  Unterkiefers  2  grofse  Zähne.  Auch  in  dieser 
Gattung  ist  ein  kleines,  scharfrandiges  Scheitelloch  zu  erkennen. 
An  Zähnen  ist,  besonders  im  Oberkiefer,  ein  Ueberflufs  vorhanden. 
Der  Gröfse  nach  unterscheidet  H.  v.  Meyer  im  Schädel  des  31. 
mittelgrofse,  welche  am  Rande  des  vorderen  Schnauzenendes 
sitzen  und  die  Schneidezähne  zu  vertreten  scheinen,  kleine,  wor- 
aus im  Kieferrande  die  eigentlichen  Backenzähne  bestehen,  und 
grofse  Zähne,  welche  in  der  vorderen  Hälfte  der  Zahnreihe  von 
den  Backenzähnen  weiter  nach  innen  auftreten  und  entweder  auch 
dem  Gaumenknochen  oder  dem  Pflugscharbeine  angehören. 

Die  Gestalt  der  Krone  der  grofsen  Zähne  ist  spitz  kegel- 
förmig und  die  Krone  schwach  einwärts  gekrümmt,  ihr  Querschnitt 
kreisrund,  das  obere  Fünftheil  platt,  die  unteren  f  sind  durch  vertiefte 
Linien  gestreift,  und  im  unteren  Dritttheile  verdoppeln  sich  diese 
Linien  in  Zahl.  Aehnlich  sind  die  mittelgrofsen  Zähne  beschalfen, 
während  die  kleinen  einen  ovalen  Querschnitt  zeigen  und  nur  die 
untere  Hälfte  der  Krone  gestreift  erscheinen  lassen. 

Die  Zähne  sind  in  eigenen  napfartig  vertieften  Gruben  auf- 
gewachsen.   (H.  V.  Mey.  Pal.  Würt.) 

M.^  Jaegeri  H.  y.  Mey.  u.  Plieninger,  Pal.  Würt.  p.  11,  57, 
73  u.  a.  a.  0.  tb.  3.,  tb.  4.  f.  1  —  4,  6.,  tb.  5.  f.  1  —  5.,  tb.  6.  f. 
1,  2.,  tb.  7.  f.  J,  3,  4.,  tb.  9.  f.  9.,  tb.  10.  f.  3  —  6.,  tb.  12.  f.  4,  5. 
Taf.  VI.  Fig.  10.  Ein  Zahn  nach  Jäger ,  foss.  Reptilien  Würtemb.  1828. 
tb.  4.  f.  5.  ii). 

Schädel  von  3'  Länge,  Zähne  und  verschiedene  Knochen  aus 
der  Lettenkohle  von  Gaildorf  und  dem  Leltenkohlensandsleine  bei  Bi- 
berfeld. 

M.  Meyeri  Münst.  Zähne  aus  dem  Muschelkalke  von  Rothen- 
burg an  der  Tauber. 


*)  Foss.  Rept.  Würtemb.  1828.  p.  38  u.  foss.  Säiigeth.  Würt.  1835.  p.  1. 

**)  Batrachiosaurus  {Hatrachiolherium)  Harlan  ist  ein  den  Ichthyo- 
sauren  und  den  Batrachiern  verwandtes  Genus,  von  welchem  ein  Kieferende 
am  Yellowstone- Flusse  unfern  des  Missouri  aufgefunden  wurde.  (L.  Br. 
J.  1839.  [).  623;  1840.  p.  742.) 


SAURIER. 


105 


M.  Andriani  Münst.,  Beitr.  z.  Petref.  Hf.  1.  p.  HO.  tb.  13.  f.  8. 

Grofse  Zahne  aus  dem  Keiipersandsteine  von  Ober-  und  Unter- 
franken. 

Mehrere  Arten  von  Labyrinthodon  beschreibt  Owen  aus  dem 
neu-rothen  Sandsteine  von  Warwick  und  Leamigton,  wozu  nament- 
lich der  Zahn  von  L.  pachygnathus  Owen  (Taf.  V.  Fig.  10.) 
gehört  '*'). 

t  3.  G.  Metopias  H.  v.  Mey.  {^tiMniag^  mit  grofser 
breiter  Stirn.) 

Der  Kopf  ist  in  der  Gegend  des  Hinterhauptbeines  am  brei- 
testen, nimmt  nach  vorn  an  Breite  allmählig  ab  und  rundet  sich 
in  der  Gegend  der  Nasenlöcher,  also  am  vorderen  Ende,  stumpf 
zu.  Seine  gröfste  Breite  verhält  sich  zu  der  gröfsten  Länge  wie 
11  :  14.  Die  Augenhöhlen  liegen  etwas  vor  der  Mitte  der  Schä- 
dellänge und  weit  von  einander  entfernt.  Das  Scheitelloch  ist 
längs  oval,  vorn  etwas  spitzer  als  hinten,  und  liegt  an  der  Gränze 
des  hinteren  Längenviertheils. 

M.  diagnosticus  H.  v.  Mey.  in  L.  Br.  Jahrb.  1842.  p.  302; 
V.  Mey.  u.  Plien.  Pal.  Würt.  p.  18,  73  u.  a.  a.  0.  tb.  10.  f.  1. 

Einzige  Art  aus  dem  Keuper-  oder  Schilfsandsteine  der  Gegend 
von  Stuttgart. 

Dem  Muschelkalke  allein  gehört  die  folgende  Gattung  an: 

i  4.  G.  Xestorrhytias  H.  v.  Mey.  (y^egiog^  geglättet; 
?  ^vTig,  Runzel), 

wovon  nur  X.  Perrini  aus  Luneville  bekannt  ist  '■••■  ), 
und  dem  bunten  Sandsteine: 

t  5.  G.  Odontosaurus  H.  v.  Mey.  {pdwv,  ouvQog.)^ 

welche  Gattung  von  H.  v.  Meyer  1834  nach  Kieferfragmenten  und 
einer  gröfseren  Knochenplatte  mit  Strahlen  und  Rinnen  auf  der 
Oberfläche  aufgestellt  worden  ist.  Er  beschreibt  diese  Reste,  wel- 
che aus  dem  bunten  Sandsteine  von  Sulzbad  {ßouh-les-Bains)  stam- 
men, als  0.  Voltzii'^'^'^. 


*)  L.  Br.  Jahrb.  1841.  p.  629  und  1843.  p.  239.  — H.  v.  Mey.  u.  Plien. 
Pal.  Würt.  p.  36. 

**)  H.  V.  Mey.  u.  Plien.  Pal.  Würt.  p.  6  u.  128. 

***)  H.  V.  Mey.  im  2.  Bde.  der  Mem.  de  la  Soc»  d'hist.  nat.  de  Strass- 
bourg,  Pal.  Würt.  p.  1. 


106 


REPTILIEN. 


t  6.  G.  Trematosauriis  v.  Braun,  (rgru-ta,  ein  Loch;  oavQog.) 

Aus  dem  bunten  Sandsteine  der  Umgebungen  von  Bernburg 
besitzt  der  Herr  Kammerpräsident  v.  Braun  in  Bernburg  eine  aus- 
gezeichnete Sammlung  von  Köpfen  und  mannichfachen  Knochen, 
welche  mit  Mastodonsaurus  sehr  grofse  Aehnlichkeit  haben,  wahr- 
scheinlich aber  eine  neue  Gattung  .dieser  Familie  bilden.  Ihnen 
fehlt  weder  das  Scheitelloch,  wefshalb  diesen  Sauriern  vorläufig 
der  Name  Trematosauriis  v.  Br  gegeben  wurde,  noch  die  brillen- 
artige Vertiefung  zwischen  den  Augenhöhlen  und  Nasenlöchern,  so 
wie  die  eigenthümliche  Furchung  sämmtlicher  Schädelknochen. 

Im  Kopfe  stehen  zwei  Reihen  Zähne  neben  einander,  von 
welchen  eine  dem  Kieferbeine,  die  andere  einer  dem  Kieferbeine 
seitlich  angehefteten  Zahnleiste  angehört.  Die  Zähne,  deren  Zahl 
sehr  grofs  ist,  reichen,  nach  innen  kleiner  werdend,  bis  hinter 
die  Augenhöhlen;  die  Vorderzähne  sind  klein  und  schwach,  doch 
besitzt  der  Unterkiefer  zwei  stark  hervortretende  gerade  konische 
Fangzähne.  Die  Nasenlöcher  sind  elliptisch  und  öffnen  sich  mit 
platten  Rändern 

Hr.  v.  Braun,  welcher  zwei  Arten  seiner  Saurier  unterschei- 
det, ertheilte  darüber  die  ersten  Mittheilungen  bei  der  Versamm- 
lung der  Naturforscher  im  Jahre  1841  zu  Braunschweig,  und  wird 
sich  durch  neue  Mittheilungen  über  dieselben  in  den  schon  von 
ihm  bearbeiteten  „Beiträgen  zur  Geognosie  und  Paläontologie  An- 
halts" zum  gröfsten  Danke  verpflichten. 

Fährten  von  Sauriern  im  bunten  Sandsteine. 

t  Chirosaurus  Kaup.  Cheirotherium  Kaup.  (^yßQt  Hand; 

aavQog.) 

Wiewohl  die  Füfse  der  Labyrinthodonten  noch  unbekannt  sind, 
so  dürfte  doch  hier  an  dem  Ende  dieser  die  Trias  bezeichnenden 
Familie  gerade  der  passendste  Ort  sein,  eigenthümlicher  Reliefs 
zu  gedenken,  welche  am  meisten  an  die  von  Reptilien -Tatzen 
erinnern. 

Nachdem  schon  früher  Eindrücke  von  Fufstapfen  im  bunten 
Sandsteine  bei  Dumfries  in  Schottland  entdeckt,  von  Dunkan  in  den 
Trans,  Royal  Society  of  Edinburgh  1828    •  )  beschrieben  worden 


*)  L.  Br.  J.  1844.  p.  569. 

**)  Buckland,  welcher  diese  Eindrücke  in  seiner  Geology  PI.  26  abbil- 
det, weist  auf  ihre  grofse  Aehnlichkeit  mit  denen  von  Landschildkröten  hin. 


SAÜRrER. 


107 


waren,  wurde  Hr.  Consistorialrath  Sickler  in  Hildburgliausen  im 
Frühjahre  1833  auf  eigenthiimliche  Gestalten  aufmerksam,  die  er 
auf  einigen  beslofsenen  Platten  des  bunten  Sandsteines  von  Hefs- 
berg bei  Hildburgliausen  wahrnahm ;  nach  seiner  Meinung  konnten 
dieselben  nur  von  organischen  Wesen  herrühren,  und  schon  im 
Sommer  1834  zeigte  es  sich,  wie  schön  seine  Ansicht  darüber 
gerechtfertigt  wurde.  Denn  als  von  neuem  die  Brüche  von  Hefs- 
berg erölTnet  waren,  fanden  sich  jene  Gestalten  in  einer  Deutlich- 
keit, wie  man  sie  kaum  hätte  ahnen  können.  Sie  kommen  als 
Reliefs  auf  der  unteren  Seite  der  Sandsteinplatten  vor  und  haben 
ganz  das  Ansehen  von  einer  Hand.  Dabei  läfst  sich  immer  ein 
deutliches  Fortschreiten  und  eine  sich  gleich  bleibende  Schrittweite 
beobachten,  wodurch  die  Vermuthung,  dafs  man  in  diesen  Reliefs 
die  Hochabdrücke  von  Thierfährten  zu  erkennen  habe,  fast  zur 
Gewifsheit  erhoben  wird.  Da  der  Sandstein,  auf  dessen  unte- 
rer Fläche  die  Reliefs  sich  zeigen,  auf  einer  Mergelthonschicht 
von  ^'  Höhe  aufliegt,  so  scheint  nur  die  Erklärung  zulässig  zu 
sein,  nach  welcher  jene  vierhändigen  Thiere  einst  in  den  weichen 
Thon  eingetreten  sind  und  ihre  Fufseindrücke  durch  später  darauf 
abgelagerten  Sandschlamm  ausgefüllt  wurden.  Und  wie  ein  jeder 
Thon  bei  dem  Austrocknen  an  seiner  Oberfläche  Risse  erhält,  so 
mufste  es  auch  geschehen,  dafs  die  unter  der  Reliefplatte  liegende 
Schicht  durch  zahlreiche  Risse  durchkreuzt  wurde,  deren  erhabene 
Abdrücke  auf  den  Reliefplatten  früher  irrigerweise  darin  Wurzeln 
oder  üppige  Schlingpflanzen  erblicken  liefsen. 

Chir asaurus  Barthii  Kaup.  —  Taf.  V.  Fig.  9^  nach  Sickler. 

—  Chirotherium  Barlhii  Kaup  in  L.  Br.  Jaiirb.  1835.  p.  328.  —  Ch. 
majus  und  Ch.  minus  Sickler,  Sendschreiben  an  Blumenbach,  1834:; 
die  Plastik  der  Urwelt  im  Werralhale,  1836;  Buckl.  Geol.  PI.  26,  27. 

—  Palaeopühecus  Voigt  in  L.  Br.  Jahrb.  1835.  p.  32-i.  —  Affe  oder 
Beutelthier  Bronn  im  Jahrb.  1835.  p.  232.  —  Didelphys  Wiegmann,  Ar- 
chiv 1835.  p.  127,  395.  —  Amphibium  Berthold,  Gött.  Anz.  1835.  p.  32; 
L.  Br.  Jahrb.  1841.  p.  667  u.  a.  a.  0.  —  H.  v.  Meyer  u.  Plieninger, 
Pal.  Würt.  p.  79. 

Die  Tatzenreliefs  von  Ch.  majus  zeigen  einen  Vierhänder  an,  des- 
sen hintere  Hände  über  das  Doppelte  gröfser  als  die  vorderen  waren. 
Die  Länge  der  ersleren  betrug  an  einem  Exemplare  8"  Nürnb. ,  bei 
einer  Breite  von  5",  die  der  letzteren  4"  bei  einer  Breite  von  3". 
An  diesen  Tatzen  erkennt  man  einen  Daumen  und  4  andere  Zehen, 
und  an  beiden  das  frühere  Vorhandensein  einer  spitzen  Klaue.  Vor 
jeder  gröfseren  Tatze  steht  eine   um    die   Hälfte  kleinere,  welches 


108 


REPTILIEN. 


Verliältnifs  sich  auf  gröfseren  Platten  in  regelmäfsigen  Entfernungen 
der  Schrittweite  des  Thieres  wiederholt.  Dabei  ist  abwechselnd  der 
Daumen  des  ersten  Tatzenpaares  nach  der  einen ,  der  des  nächsten 
Paares  nach  der  anderen  Seite  gewendet,  so  dafs  man  hieraus  das 
frühere  Fortschreiten  des  Thieres  selbst  noch  ersieht.  Sämmtliche  Ab- 
drücke liegen  nicht  nur  fast  in  einer  geraden  Linie,  sondern  es  kehrt 
sich  der  Daumen  sogar  mehr  nach  aufsen  und  bezeichnet  somit  einen 
Gang  ,,ew  fauchant^""  wie  er,  nach  Link,  unter  den  lebenden  Rep- 
tilien nur  dem  Chamäleon  eigen  ist. 

Die  Schrittweite  des  beschriebenen  Individuums  betrug  l'  2"; 
allein  es  wurden  durch  Sickler  auch  Reliefs  von  12"  Länge  bei  2' 
Schrittweite  aufgefunden. 

Ein  anderes  Thier  zeigen  die  Fährtenabdrücke  auf  Taf.  V. 
Fig.  12.  an,  welche  Sickler  '')  mit  Chirosaurus  Barthii  zusammen 
bei  Hefsberg  entdeckte. 

Buckland  wies  1838  Chirosaurus -Y^\iv\Qn  und  solche  von 
Landschildkröten,  welche  letztere  denen  von  Dumfries  glichen,  in 
einem  Sandsteine  von  Liverpool  nach  ■*  '-). 

Cotta  lenkte  1839  die  Aufmerksamkeit  auf  eigenthümliche, 
hufeisenförmige  Reliefs  aus  dem  bunten  Sandsteine  bei  Pölzig  im 
Altenburgischen  und  Klein -Förthen  im  Reufsischen  •"'••■•••"^') ,  welche 
auf  Taf.  V.  Fig.  13  u.  14.  in  natürlicher  Gröfse  abgebildet  sind. 
Diese  Körper  dürften  indefs  eher  krebsartigen  Thieren  oder  Schleim- 
thieren  angehören,  als  Thierfährten  sein  t),  zumal  da  hier  niemals 
eine  Anordnung  derselben  vorgefunden  worden  ist,  woraus  man 
auf  ein  regelmäfsiges  Fortschreiten  des  Thieres  hätte  schliefsen 
können. 

Zu  gleicher  Zeit  beschreibt  Laspe  eine  dreizehige  Fährte 
aus  demselben  Sandsteine  von  Klein -Förthen.  Bei  einer  Länge  von 
1^  —  2"  verdicken  sich  die  Zehen  keulenförmig  nach  vorn  tt). 

Koch  und  Schmid  bereicherten  die  Fährten- Wissenschaft  mit 
der  Entdeckung  von  Fährten  im  bunten  Sandsteine  von  Jena  ttt), 
welche  theils  den  Hefsberger  Fährten,  theils  den  von  Cotta  ent- 


*)  Die  Plastik  der  Urwelt,  tb.  7. 

L.  Br.  Jahrb.  1839.  p.  491—493. 
***)  Ueber  Thierfahrten  im  bunten  Sandsteine,  1839.  u.  in  L.  Br.  Jahrb. 
1839,  p.  10. 

-»•)  Geinitz  in  d.  Mitth.  aus  d.  Osterlande,  1839.  p.  110. 
ii)  Laspe  in  L.  Br.  Jahrb.  1839.  p.  416. 

•)"{-|)  Koch  mid  Schmid,  die  Fährtenabdrücke  im  bunten  Sandsteine 
bei  Jena.  1841. 


SCHLANGEN. 


109 


deckten  hufeisenartigen  Körpern  gleichen,  und  in  demselben  Jahre 
noch  machte  Haidinger  eine  neue  Art  vorweltlicher  Thierfährten 
aus  Siebenbürgen  bekannt  *),  welche  nach  ihm  von  Schildkröten 
herrühren.  Bei  Würzburg  wurden  ähnliche  Entdeckungen  durch 
Rumpf  gemacht.    (Briefl.  Mitth.) 

3.  Ordn.  Ophidia.  iSchlangen. 

Dem  langen,  walzenförmigen  Körper  der  Schlangen  entspricht 
natürlich  auch  ein  langes  Skelett.  Bisweilen  zählt  man  daran  bis 
300  Wirbel  und  200  Rippen.  Die  Beine  fehlen  äufserlich  ent- 
weder ganz,  oder  es  sind  von  den  Hinterbeinen  nur  schwache  Ru- 
dimente noch  sichtbar.  Die  beiden  Hälften  des  Unterkiefers  sind 
vorn  nicht  verwachsen ,  sondern  nur  durch  ein  sehniges  Band  ver- 
bunden. Unter  -  und  Oberkiefer  sind  beweglich.  Mit  dem  Kiefer- 
rande sind  die  Zähne  innig  verwachsen ,  welche  hakenförmig  nach 
rückwärts  gekrümmt  und  theils  hohl  (Giftzähne),  theils  auf  dem 
Rücken  nur  mit  einer  tiefen  Furche  versehen  (Furchenzähne) 
sind.  Der  Rücken  der  Schlangen  ist  mit  Schuppen  und  der  Bauch 
mit  einfachen  (Halbringen),  unter  dem  Schwänze  aber  mit  paarigen 
oder  unpaarigen  Schildern  bedeckt. 

Mit  Sicherheit  kennt  man  fossile  Schlangen  nur  aus  tertiären 
Schichten,  und  die  mannichfachen  Angaben  über  ihre  Auffindung 
in  älteren  Bildungen  beruhten  meistens  auf  der  Verkennung  anderer 
schlangenartig  gewundener  Körper.  So  mögen  die  sogenannten 
schlangenförmigen  Absonderungen,  welche  so  häufig  in  der  unte- 
ren Abtheilung  des  Muschelkalkes  vorkommen,  von  Seeschwämmen 
herrühren  und  vielleicht  am  besten  den  Alcyonien  zuzuschreiben 
sein,  während  andere  ähnliche  Körper,  welche  mit  wirklichen 
Schlangen  höchstens  die  Art  ihrer  Windung  gemein  haben,  jedoch 
keine  Spur  eines  Skelettes  zeigen,  entweder  unorganischer  Natur 
oder  von  niedrigstehenden  Organismen  entstanden  sind. 

Coluber  L.  Natter. 

C.  (Tropidonotus?)  Podolicus  H.  v.  Mey.  in  L.  Br.  J.  1844. 
p.  563. 

Schlangenwirbel  aus  dem  Tertiärgebilde  ''■  ")  am  Dniester  in  Podo- 
lien,  in  welchen  Pusch  in  seiner  Palaeontologie  (p.  168.  tb.  15.  f.  5. 
a,  b,  c)  grofse  Aehnlichkeit  mit  denen  der  Siren  lacertina  fand. 


*)  L.  Br.  Jahrb.  1841.  p.  546. 

**)  Pusch  in  L.  Br.  Jahrb.  1842.  p.  179. 


110 


REPTILIEN. 


C.  Owenii  H.  v.  Mey.  (L.  Br.  J.  1844.  p.  331  ii.  565),  aus 
dem  Molasseinergel  von  Oeningen,  unterscheidet  sich  von  der  vorigen 
Art  durch  etwas  gröfsere  Wirbel,  deren  hintere  Gelenkfortsätze  mehr 
nach  hinten,  statt  in  voriger  mehr  nach  aufsen  gerichtet  sind. 

C  Von  beiden  Arten   sind  die  durch  H.  v.  Meyer 

aus  dem  Tertiärgebirge  von  Weisenau  untersuchten  Wirbel  verschie- 
den, welche  kleiner  sind,  und  mit  denen  zugleich  auch  einige  Unterr 
kiefer  vorkommen. 

Cuvier  bestimmte  Wirbel  einer  Coluber  aus  den  tertiären  Mergeln 
von  Argenton  und  dem  Pariser  Gypse  ■•■'^),  Lartet  aus  dem  Gfers-Dep.  •^■*-^'), 
Wagler  aus  der  Knochenbreccie  von  Sardinien  und  Owen  aus  dem 
Londonthone  von  Sheppey. 

Als  Ophis  dubius  bezeichnete  Goldfufs  t)  eine  Art  aus  der 
Braunkohle  des  Siebengebirges  bei  Bonn. 

Als  t  Palaeophis  Owen  2  Arten  aus  dem  tertiären  Sande 
von  Kyson  und  aus  dem  Londonthone  von  Bracklesham,  von  welchen 
die  eine  mindestens  20'  Länge  erreicht  haben  mochte  ff). 

4«  Ordn*  JBatrachia.  liurche. 

Bald  mit  kürzerem,  bald  mit  längerem  Körper,  welcher  mit 
einer  nackten,  schuppenlosen  Haut  bedeckt  ist,  und  welchem  viele, 
in  anderen  Reptilien  noch  vorhandene  Knochen,  wie  die  Rippen, 
gänzlich  fehlen  oder  verkümmert  sind  (vergl.  Labyrinthodonten). 
Kein  Reptil  zeigt  I>«sser  das  wundersame  Durcheinandergreifen  von 
Tliierklassen,  als  gerade  der  Batrachier,  indem  derselbe  eine  förm- 
liche Metamorphose  erleidet.  Dasselbe  Individuum,  welches  zuerst 
in  der  Jugend  durch  Kiemen  athmet,  gleichsam  ein  Fisch  ist,  wird 
später  erst  zu  einem  durch  die  Lungen  athmenden  Reptil.  Hierbei 
erscheinen  auch  erst  die  Beine,  welche  dem  jungen  Batrachier 
fehlten.  Pefshalb  sind  an  diesen  Thieren  bald  4,  bald  2,  bald 
gar  keine  Beine  äufserlich  sichtbar. 

Wirkliche  Batrachier  kennt  man  bis  jetzt  noch  aus  keiner 
älteren  Formation  als  aus  der  tertiären  ttt).  Alle  Angaben  aber 
über  das  Vorkommen  lebender  Frösche  und  Kröten  in  älteren  Ge- 
steinen beruhen  gewifs  nur  auf  Täuschungen. 


*)  L.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  396  u.  1844.  p.  365. 

**)  Keferstein,  Naturgesch.  2.  p.  270;  v.  Mey.  Pal.  p.  164. 

***)  L.  Br.  Jahrb.  1839.  p.  737. 

-«-)  Nov.  Act.  Je.  Leop.  Carl.  JSat.  Cur.  15.  1.  p.  127.  ib.  13.  /.  8. 
it)  L.  Br.  Jahrb.  1842.  p.  493. 
Itf)  H.  V.  Mey.  Pal.  Würt.  p.  30. 


LURCHE. 


III 


a.    Üngeschwänzte  Batracliier. 

Körper  kurz  und  breit,  ohne  Schwanz  und  vierbeinig. 

1.  G.  Rana  L.  Frosch. 

R.  diluniana  Goldf.,  JSov,  Act.  Ac.  Leop.  Car.  Nat.  Cur.  15. 
1.  p.  119.  tb.  12.  f.  1  —  9.,  tb.  13.  f.  1  —  3. 

Er  übertraf  den  gemeinen  Wasserfrosch  merklich  an  Gröfse  und 
unterscheidet  sich  von  diesem  vornehmlich  durch  die  Kürze  seines 
Körpers  im  Verhältnifs  zu  der  Länge  des  Kopfes. 

In  der  schieferigen  Braunkohle  bei  Rott  u.  a.  0.  am  Sieben- 
gebirge. 

Knochen  von  anderen  Arten  dieser  Gattung  beschreibt  Pusch 
aus   tertiären   Schichten   am   Dniester  in  Podolien,   H.  v.  Meyer  von 
Weisenau,  und  einen  fossilen  Knochen   von  Shukowce  Eichwald  als 
R,  wlhynica, 

2.  G.  Bufo  Laurent.  Kröte. 
Hinterfüfse  mit  halber  Schwimmhaut. 

Krötenknochen  kommen  nach  Pusch  zugleich  mit  Froschknochen 
am  Dniester  vor,  und  wohl  mögen  auch  einige  bei  Weisenau,  an  wel- 
chem wichtigen  Fundorte  H.  v.  Meyer  die  Existenz  zahlreicher  Arten 
ungeschwänzter  und  geschwänzter  Batrachier  nachwies,  hierzu  gehören. 

t  3.  G.  Latonia  H.  v.  Mey. 

Der  gröfste  der  hier  vorkommenden  ungeschwänzten  Batrachier 
stand  an  Gröfse  der  Ilornkröte  (Ceratophrys)  Amerikas  nicht  nach  und 
war  von  der  Latonia  (Ceratophrys)  Seyfriedä  H.  v.  Mey.  aus  der  ter- 
tiären Ablagerung  von  Oeningen  speciell  verschieden  ■•■■••'). 

Ein  Exemplar  der  Latonia  H.  v.  Mey.,  des  grofsen  Frosches  von 
Oeningen,  war  früher  immer  für  einen  Vogel   gehalten  worden 

......?  Fossile  Knochen ,  welche  Thiere  von  der  Gröfse  der 

amerikanischen  Kröte  anzeigten,  fand  Lartet  im  Gers-Dep.,  und  Can- 
tor  schrieb  die  Fragmente  eines  Batrachierschädels ,  dessen  Länge  etwa 
lO"  betragen  zu  haben  scheint,  und  welche  in  der  Ebene  Nahun 
von  Sandstein  umschlossen  gefunden  worden  waren,  gleichfalls  einem 
ungeschwänzten  Batrachier  zu  f). 


*)  L.  Br.  Jahrb.  1842.  p.  180;  Paläont.  v.  Polen,  tb.  15.  f.  5.  d—l, 
**)  L.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  395  u.  1844.  p.  565.  ^ 
***)  L.  Br.  Jahrb.  1844.  p.  690. 

-J-)  Wiegm.  Arch.  1839.  2.  p.  390.  —  Ueber  ältere  Angaben  vergl.  H.  v. 
Meyer's  Palaeologica. 


112 


REPTILIEN. 


b.    Geschwänzte  Batrachier. 

Ihr  eidechsenälinlicher  Körper  ist  verlängert,  rund  und  lang 
geschwänzt.  Meistens  haben  diese  Thiere  4,  selten  2  Beine. 
Zähne  stehen  in  beiden  Kiefern  und  in  dem  Gaumen. 

1.  G.  Triton  Laur.  Wassermolch. 

Schwanz  zusammengedrückt. 

T.  noachicus  Goldf.,  Nov.  Act.  Ac.  Leop.  Car.  Nat.  Cur.  15. 
1.  p.  126.  tb.  13.  f.  6,  7. 

Er  war  von  den  lebenden  Arten  durch  den  Bau  seines  Schädels 
sehr  verschieden.  Der  Kopf  war  3a'"  lang  und  2^"'  breit,  der  Rumpf 
6|'"  und  der  Schwanz  12'"  lang,  so  dafs  die  Gröfse  des  ganzen 
Thieres   etwa  2"  betrug. 

In  der  schieferigen  Braunkohle  am  Siebengebirge.  ■ 
T.  palustris  (?)  fossilis;  wird  von  Karg  aus  dem  Oeninger 
Schiefer  angeführt,  und  eine  sehr  kleine  Art  fand  Lartet  im  Gers- 
Departement. 

2.  G.  Salamandra  Laur.  Erdmolch. 
Schwanz  drehrund. 

5.  ogygia  Goldf.,  Nov.  Act.  Ac.  Leop.  Car.  Nat.  Cur.  15.  1. 
p.  124.  th.  13.  f.  4,  5. 

Er  unterschied  sich  von  dem  lebenden  Erdmolche  durch  seinen 
Schädelbau  und  durch  die  weit  nach  hinten  liegenden  Augenhöhlen, 
von  dem  Wassermolche  aber  durch  einen  breiteren  Kopf. 

Mit  Rana  diluviana  zusammen  in  der  schiefrigen  Braunkohle  am 
Siebengebirge. 

3.  G.  Cryptobranchus  Leuckart.  (xgvnTog^  verborgen; 
ßQayyog^  Kieme.) 

{Salamandra  Barton,  Cuv.  etc.  Äbranchus  Harl.  Menopoma 
Harl.  Protonopsis  Bart.  Salamandrops  Wagl.  Proteus  Cuv.  Proteo- 
cordylus  Eichw.  Andrias  Tschudi.  Palaeotriton  Fitzinger.  Hydrosa- 
lamandra  Leuckart.) 

Die  Kiemen  sind  bleibend  und  später  nur  noch  durch  einen 
länglichen  Spalt  an  den  Seiten  des  Halses  angedeutet.  Kopf  und 
Rumpf  sind  etwas  platt,  die  Füfse  kurz  und  dick,  vorn  vier-, 
hinten  fünfzehig,  die  Zehen  klein  und  getrennt,  der  Schwanz,  wie 
bei  den  Tritonen,  zusammengedrückt.  Die  typische  Art  lebt  in 
den  Sümpfen  Nordamerikas.    (Br.  Leth.  p.  1166.) 


LURCHE.  —  FISCHE. 


113 


Mit  dieser  Gattung  vereinigte  van  der  Hoevcn  das  Skelett 
aus  dem  Süfswasserschiefer  von  Oeningen,  welches  Scheuchzer  als 
Homo  dilumi  testis  1726  beschrieb,  und  welches  damals  die  ge- 
bildete Welt  in  so  grofses  Erstaunen  setzte.  Cuvier  erkannte  zu- 
erst seine  nahe  Verwandtschaft  mit  den  Salamandern  und  bestimmte 
dasselbe  als  Salamandre  gigantesque. 

Die  ganze  Länge  des  Thieres,  an  dem  man  das  Schwanzende 
nicht  kennt,  ist,  nach  Bronn,  etwa  3',  von  welchen  der  Schwanz 
ohngefdhr  i  ausmachen  mochte.  Der  Kopf  ist  4"  lang  und  6 ' 
breit,  und  die  Augenhöhlen  haben  1^"  Durchmesser.  Vorn  in  den 
Kinnladen  steht  eine  doppelte  Reihe  kleiner  Zähne.  Die  Wirbel 
(bis  zu  dem  Becken  19)  sind  länger  als  breit.  Die  kurzen  Rip- 
pen und  die  Extremitäten  zeigen  nichts  Eigenthiimliches.  (Holl, 
Petrefactfenkunde,  p.  95  u.  Bronn^  Leihaea,  p.  1169.) 

IV.  Klasse.  Pisces.  Fische. 

Es  sind  Rückgralthiere  mit  rothem,  kalten  Blute,  welche 
durch  Kiemen  athmen,  mit  Schuppen  oder  Schildern  bedeckt  sind 
und  sich  im  Wasser  mit  Flossen  bewegen. 

Die  Kiemen  sind  an  bogenförmige  Knochen,  die  Kiemen - 
bogen,  befestigt  und  mit  einem  Deckel,  dem  Kiemen  de  ekel, 
bedeckt.  Dieser  besteht  aus  3  Knochenstücken ,  von  denen  der 
Vorderdeckel  dem  Augenhöhlenrande  zunächst  liegt,  darunter 
der  Unter deckel  sich  an  die  innere  Seite  des  horizontalen 
Astes  des  Vorderdeckels  legt,  und  der  Zwischen  deckel  die 
hintere  untere  Ecke  bildet.  Der  Oberkiefer  theilt  sich  mit  dem 
Alter  gewöhnlich  in  zwei  bestimmte  Stücke,  die  Kiefern  odei* 
Kinnladen  und  die  Z  wischen  kiefern.  Alle  Theile  des  3Iundes 
können  mit  Zähnen  besetzt  sein,  welche,  mit  Ausnahme  des  Säge- 
fisches, nie  eingekeilt  sind.  Die  Entwickelung  der  Zähne  nimmt 
im  Allgemeinen  nach  dem  äufseren  Rande  hin  zu,  wo  sie  dann 
ausfallen  oder  abbrechen  und  wieder  durch  solche  ersetzt  werden, 
die  auf  dem  inneren  Rande  der  Kiefern  entstehen.  Die  Wirbel- 
säule, &ei  es  nun,  dafs  sie  aus  einem  einfachen  Rückenstrange 
oder  aus  getrennten,  mit  ihren  kreisrunden  Seiten  an  einander 
gefügten  Wirbeln  besteht,  erlaubt  wegen  der  verticalen  Fortsätze 
kaum  die  geringste  Biegung  des  Rückens. 

Die  Bewegungsorgane  der  Fische  bestehen  in  häutigen,  durch 
strahlenförmige  Knochen  (Strahlen)  ausgespannten  Flossen ,  wel- 
che nach  ihrer  Lage  Brustflossen  (Br.)?  Bauch  flössen  (B.), 

Geiiiitz,  Versteincrnngakuiulc.  8 


114 


FISCHE. 


welche  beide  paarig  stehen,  Afterflossen  (A.),  Rückenflos- 
sen (R.)  und  Schwanzflossen  (S.)  heifsen.  Diese  Strahlen 
sind  meistens  gegliedert,  oder  bestehen  nur  aus  einem  steifen 
Stücke  (Flossenstache.l). 

lieber  dip  Naturgeschichte  der  fossilen  Fische  haben  beson- 
ders Blainville,  Cuvier  und  Agassiz  neues  Licht  verbreitet. 

Man  kennt  jetzt  über  8000  Arten  von  Fischen,  darunter 
ohn gefähr  1500  versteinerte. 

Von  letzteren  folgt  hier  eine  Uebersicht  ihrer  Gattungen  und 
der  gewöhnlichsten  Arten,  wie  sie  in  dem  klassischen  Werke  „Äe- 
cherches  sur  les  Poissons  fossiles^  par  Louis  Agassh^  Neuchatel, 
1833  —  1843"*)  gegeben  worden  ist. 

Die  Fische  beginnen  in  kleiner  Anzahl  schon  in  dem  Ueber- 
gangsgebirge,  etwas  zahlreicher  zwar,  aber  ebenso  einförmig  noch 
als  jene,  zeigen  sie  sich  in  der  Steinkohlen-,  der  Zechstein-  und 
Muschelkalk -Formation.  Den  Flacoiden,  als  den  ältesten  For- 
men, gesellten  sich  erst  in  der  oberen  Abtheilung  der  Grauwacken- 
gebilde die  Ganoiden  zu,  ,und  von  ihnen  zeigen  sich  bis  vor 
der  Bildung  des  Lias  nur  Heterocercen  oder  Arten  mit  un- 
symmetrischer Schwanzflosse.  In  der  Juraformation,  zu  welcher 
Agassiz  auch  die  Wealdenbildungen  zählt,  finden  sich  die  beiden 
Ordnungen  der  Flacoiden  und  Ganoiden  in  gröfster  Menge, 
von  ersteren  besonders  grofse  Flossenstacheln  und  gefurchte  Zähne, 
von  letzteren  aber  nur  Homocercen  oder  Arten  mit  symmetri- 
scher Schwanzflosse.  Mit  der  Formation  der  Kreide  sieht  man  jene 
beiden  Ordnungen,  welche  in  der  lebenden  Schöpfung  vorwalten, 
die  Ctenoiden  und  Cycloiden,  zum  ersten  Male  auftreten, 
doch  kommen  hier  noch  mehr  als  f  jetzt  nicht  mehr  lebender 
Gattungen  vor.  In  den  unteren  Tertiärbildungen,  als  im  Thone 
von  London,  im  Grobkalke  von  Paris  und  im  Monte  Bolca  ge- 
hören etwa  f  der  Arten  jetzt  lebenden  Gattungen  an,  und  die 
Arten  der  Molasse,  der  oberen  Subapenninenformation  und  des 
Crags  von  Norfolk  erstrecken  sich  meistens  auf  gemeine  Galtungen 
der  tropischen  Meere.  Demohnerachtet  aber  ist  Mallotus  villosus^ 
den  man  an  Grönlands  Küsten  häufig  in  Thonnieren  findet,  nach 
Agassiz  der  einzige  fossile  Fisch,  welcher  mit  denen  unserer  Meere 
vollkommen  identisch  ist. 


*)  Die  Fortsetzung  dieses  Prachtwerkes  erscheint  jetzt  unter  dem  Titel: 
,,Mono^rapJiie  des  Poissons  fossiles  du  vieux  gres  rouge  ou  Systeme  de- 
vonieii  (Old-red-Saitdslune),  Soleure,  livr,  L — //.  1844. 


KREISSCHÜPPER. 


115 


1.  Ordn.  CycioMes  Ag,  Cycloiepidoti  Ag, 
Krells  j^chiipper. 

{xi;xXo^,  Kreis;  eiSog^  Gestalt.) 
Taf.  VII.  Pig.  30.  31.  Taf.  VIII.  Fig.  1. 

Fische  mit  einem  vollkommenen  Knochenskelelte,  mit  kreis- 
runden oder  elliptischen  Schuppen,  welche  aus  hornigen  Schich- 
ten gebildet  sind  und  deren  Hinterrand  ganz  und  nicht  gezüh- 
nelt  ist. 

Sie  erscheinen  zuerst  in  der  Kreideformation.  Die  Gattungen 
und  Arten  nehmen  in  den  tertiären  Bildungen  zu,  und  in  der  le- 
benden Schöpfung  bildet  diese  und  die  folgende  Ordnung  mehr 
als  I  von  allen  bis  jetzt  bekannten  Arten  von  Fischen,  während 
das  vierte  Viertel  auf  die  Ordnungen  der  Ganoiden  und  Placoiden 
vertheilt  ist. 

Erste  Abtlieilung. 

Mit  zwei  Rückenflossen,  von  denen  die  eine  stachelig,  die  andere 
^  weich  ist. 

1.  Farn,  ^combero'ides  Cuv.  lüakrelen« 

Mehr  oder  weniger  verlängerte,  meistens  spindelförmige  Fische 
mit  2  Brustflossen  oder  unter  der  Kehle  gelegenen  Bauchflossen. 
Die  verticalen  Flossen  sind  unbeschuppt  und  die  Rückenflossen 
bald  zusammenhängend,  bald  getrennt.  Kiemendeckel  ohne  Dornen 
und  Zähne.  Kiefern  mit  starken  kegelförmigen  oder  glattem  Sam- 
met  ähnlichen  Zähnen  besetzt.  Schuppen  sehr  klein.  Eine  grofse 
Zahl  ihrer  Gattungen  ist  ausgestorben. 

t  1.  G.  Gasteronemiis  Ag.  {yaoTi^Q^  Bauch;  Faden.) 

Körper  zusammengedrückt  •).  Leib  sehr  breit.  Bauchflossen 
an  der  Brust,  von  einem  sehr  grofsen  Beckenknochen  getragen. 
Sie  bestehen  aus  einem  langen  einfachen  Strahle  vor  einem  klei- 
nen Knochen.    Zähne  sehr  klein. 

Zwei  Arten  im  Monte  Bolca. 

t  2.  G.  Acanthonemus  Ag.  (^ay.avd-a^  Stachel;  v^jf^ia^  Faden.) 

Nahe  verwandt  der  Gattung  Equula  C.  Körper  untersetzt. 
Rückenflossen  zusammenhängend.    Dornige  Strahlen  der  R.  und  A. 

*)  Unter  „zusammengedrückt"  ist  stets  „seitlich  zusammengedrückt  oder 
comprimirt,"  unter  „niedergedrückt"  aber  „von  oben  zusammengedrückt  oder 
depriniirt"  verstanden. 

8- 


116 


FISCHE. 


sehr  entwickelt.  B.  an  der  Brust.  Schnauze  vorstreckbar.  Zähne 
bürstenförmig. 

Wenige  Arien  im  Monte  Bolca  und  tertiär  im  Vicentinischen. 
3.  G.  Yomer  Cuv.  Spiegelfisch. 

Körper  untersetzt,  zusammengedrückt,  mit  sehr  kleinen  Schup- 
pen besetzt.  Kopf  grofs.  Profil  sehr  schief.  B.  an  der  Brust. 
R.  getrennt.  Wirbelforlsätze  stark,  die  der  Hinterleibswirbel  vor- 
wärts gekrümmt.    Flossenstrahlen  kurz  und  dünn. 

Wenige  Arten  bei  Glaris,  im  Monte  Bolca  und  am  Libanon. 

4.  G.  .^ewÄ  L.  Sonnenfisch. 

Körper  untersetzt.  Kopf  grofs.  Schnauze  vorstreckbar.  R. 
dornig,  aus  sehr  langen  Strahlen  gebildet.  Von  2  A.  ist  die  eine 
stachelig,  die  andere  weich.  Die  weichen  R.  und  A.  sind  von 
dicken  knochigen  und  stacheligen  Schildern  begleitet.  Bauchrand 
mit  ähnlichen  Schildern.  Wirbel  kurz.  Rippen  sehr  schlank  und 
an  sehr  starke  untere  Wirbelfortsätze  befestigt. 

Eine  Art. 

5.  G.  Lichia  Cuv. 

Körper  verlängert  und  zusammengedrückt.  Erste  Rücken- 
flosse aus  freien,  beweglichen  Stacheln  und  aus  einem  vorwärts 
gerichteten,  feststehenden  Stachel  gebildet.  2  freie  Stacheln  vor 
der  A.    Zähne  bürstenförmig. 

Eine  Art  im  Monte  Bolca. 

6.  G.  Trachinotus  Lacepede.  (jQa/vg,  rauh;  vwrog,  Rücken.) 
Körper  untersetzt  und  erhoben.    Profil  sehr  schief.  Erste 
R.  mit  freien  Stacheln.    Zähne  sarametartig.  ^ 
Eine  Art  im  Monte  Bolca. 

t  7.  G.  Carangopsis  Ag.  (Caranx;  oxpig^  Gesicht.) 

Körper  verlängert,  zusammengedrückt.  Erste  R.  aus  ziem- 
lich langen  Stacheln  bestehend,  ohne  einen  nach  vorn  gerichteten. 
Keine  freien  Stacheln  vor  der  A.  Zweite  R.  der  A.  gegenüber. 
Zähne  bürstenförmig. 

Vier  Arten  im  Monte  Bolca. 

t  8.  G.  Amphistium  Ag.  (äf.i(pi^  ringsum;  iotIov^  Segel.) 

Körper  breit  und  untersetzt,  wahrscheinlich  flach.  R.  zusam- 
menhängend, über  die  Hälfte  des  Rückenrandes  einnehmend.  A. 
sehr  grofs. 

Eine  Art  im  Monte  Bolca. 


KRBISSCIIÜPPER. 


117 


t  9.  G.  Palimphyes  Ag.  (jiahf^Kfvtjg,  wiederbelebt.) 

Körper  untersetzt.  R.  getrennt.   B.  sehr  grofs.    Der  fleischige 
Theil  (Fufs)  des  Schwanzes  ist  breit.    Wirbel  kurz  und  zahlreich. 
Drei  Arten  aus  den  Schiefern  von  Glaris. 

t  10.  G.  Archaeus  Ag.  («^/«ro^,  alt.) 

Körper  mehr  oder  weniger  verlängert.    Wirbel  lang  und  an 
Zahl  gering.     Knochen  der  Zwischenfortsätze  dünn. 
Zwei  Arien  von  Glaris. 

t  11.  G.  Isums  Ag.  Qoog,  gleich;  ovqu^  Schwanz.) 

Körper  untersetzt.     Kopf  grofs.    Fufs  des  Schwanzes  sehr 
zurückgezogen.     Skelett  stark. 
Eine  Art  von  Glaris. 

t  12.  G.  Pleionemus  Ag.  (nlttog^  voll;  rtjiK/.^  Faden.) 
P.  macrospondylus  von  Glaris. 

t  13.  G.  Ductor  Ag. 

Körper  verlängert,   cylindrisch.    Fufs  des  Schwanzes  breit. 
Wirbel  lang  und  gering  an  ZahJ. 
Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

14.  G.  Thynnus  Cuv.  Thunfisch. 

Körper  verlängert.  R.  zusammenhängend.  Falsche  Flossen 
hinler  der  R.  und  A.  Ungleiche  Schuppen  bilden  ein  Schild  um 
die  Brust. 

Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

15.  G.  Orcynus  Cuv. 

Durch  sehr  lange  Brustflossen  vom  vorigen  unterschieden. 
Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

16.  G.  Cybium  Cuv. 

Körper  verlängert.  R.  zusammenhängend.  Falsche  Flossen. 
Grofse  Zähne  in  den  Kiefern. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca,  eine  aus  dem  Londonthone  von 
Sheppey. 

t  17.  G.  Go7iiognathus  Ag,   {ymna^  Winkel;  yvd&og^  Kiefer.) 
Zwei  Arten  von  Sheppey. 


118 


FISCHE. 


t  18.  G.  Enchodus  Ag.  Qy/og,  Schwert;  oSovgy  Zahn.) 

Sehr  entwickelte,  an  der  inneren  Seite  gewölbte,  an  der 
äufseren  mehr  zusammengedrückte  Zähne  nehmen  den  ganzen  Um- 
fang der  Kinnlade  ein.  Am  Rande  derselben  stehen  bürstenför- 
mige  Zähne. 

E.  halocyon  Ag.,  Vol.  5.  p.  64.  tb.  25.  c.  fig.  1 — 16.  — 
Esox  Lewesiensis  Mant.,  Geol  of  Süss.  tb.  44.  f.  1,  2.  tb.  33.  f.  2  —  4. 

Die  Zähne  stehen  sehr  entfernt  und  ihre  Zahl  ist  gering,  etwa 
6  —  7  gröfsere  auf  jeder  Seite  des  Unterkiefers. 

In  weifser  Kreide  von  England,  im  Plänerkalke  von  Strehlen 
und  Böhmen. 

t  19.  G.  Anenchelum  Blainv.  («v«,  an,  auf;  ey/jXiovj 
kleiner  Aal.) 

Körper  aalarlig  verlängert.  Kopf  stumpf.  Zähne  stark.  R. 
zusammenhängend.  B.  aus  einigen  langen  Strahlen  gebildet.  Wir- 
bel lang  und  schlank.  Die  Seitenfortsatzknöchelchen  an  die  mitt- 
leren Wirbelfortsätze  angedrückt. 

Sechs  Arten  von  Glaris. 

t  20.  G.  Nemopteryx  Ag.  (yri^a^  Faden;  utIqv^^  Flügel.) 

Körper  verlängert.    S.  abgerundet.    Br.  sehr  grofs.  Zähne 
sehr  stark.    Wirbelsäule  kräftig. 
Zwei  Arten  von  Glaris. 

t  21.  G.  Xiphopterus  Ag.  Qufog^  Schwert;  nrefjov^  Flügel.) 
X.  falcatus  vom  Monte  Bolca. 

t  22.  G.  Palaeorhynchum  Blainv.  (naXaibg,  alt; 
Qvy/og^  Schnabel.) 

Körper  aalartig.  Kopf  klein,  mit  gleichen  zahnlosen  Kie- 
fern, die  sich  in  einen  langen,  dünnen  Schnabel  verlängern.  R. 
und  A.  sehr  entwickelt.  S.  klein  und  gabelig.  Seitenfortsätze 
der  Wirbel  paarweise. 

Sieben  Arten  von  Glaris. 

t  23.  G.  Hemirhynchus  Ag.  halb;  Qvy/og^  Schnabel.) 

Körper  verlängert.  Oberkiefer  schnabelartig  verlängert  und 
zahnlos.  Schuppen  grofs.  Skelett  schwach.  Dornfortsätze  schlank. 
Zwischenfortsatzknöchelchen  paarweise. 


KRKISSCHUFFER. 


119 


S.  Farn.   :KipMotdes  üg. 

Es  sind  verlängerte,  kleinschuppige  Fische,  deren  Oberkiefer 
schnabelartig  verlängert  ist.  B.  stehen  an  der  Brust.  Zähne  bürsten- 
förmig.  Das  starke  Skelett  besteht  aus  langen  Wirbeln,  deren 
Dornfortsätze  breite,  senkrechte  Platten  bilden.  Gelenkfortsätze 
sehr  entwickelt. 

1.  G.  Tetrapterus  Raffinesque.  (teTQameQog^  vierflügelig.) 

Oberkiefer  sehr  verlängert.  Die  R.  beginnt  im  Nacken.  B. 
an  der  Brust.  Schuppen  lang  und  dünn.  Wirbel  sehr  lang  und 
in  der  Mitte  sehr  vertieft. 

Eine  Art  aus  der  Kreide  von  Lewes,  eine  Art  aus  dem  London- 
thone  von  Sheppey. 

I  2.  G.  Coelorhynchus  Ag.  (xotXog^  hohl;  qvyyoQ^  Schnabel.) 
Eine  ausgestorbene  Gattung  mit  zwei  Arten  von  Sheppey. 

3.  Farn,   ^phyreno'ides  Ag^« 

{Sphyraena;  uSog^  Gestalt.) 

Verlängerte  Fische  mit  grofsen  Schuppen,  grofsen  schnei- 
denden Zähnen  und  getrennten  Rückenflossen.  Die  Bauchflossen 
stehen  am  Unterleibe  und  die  Wirbel  sind  wenig  zahlreich. 

1.  G.  Sphyraena  Bloch.  Pfeilhecht. 

Körper  dünnleibig.  Kopf  verlängert.  Starke  schneidende 
Zähne  stehen  auf  den  Zwischenkiefern,  dem  Gaumenbeine  und  dem 
Unterkiefer.  Eine  stachelige  R.  ist  von  einer  weichen  getrennt. 
Wirbel  verlängert  und  wenig  zahlreich. 

Vier  Arten  vom  Monte  Bolca  und  Libanon. 

t  2.  G.  Sphyraenodus  Ag.  {Sphyraena;  odovgy  Zahn.) 

Kinnladen  mit  sehr  starken,  aber  einförmigen  und  schwach 
zusammengedrückt  -  kegelförmigen  Zähnen. 
Eine  Art  von  Sheppey. 

t  3.  G.  Hypsodon  Ag.  (yxpi^  empor;  oöwv^  Zahn.) 

H.  Lewesiensis  Ag.  (Vol.  5.  p.  99.  tb.  25.  a.  u.  b.)  aus  der 
Kreide  von  England,  in  den  Conglomeraten  des  Tunnels  von  Oberau 
in  Sachsen;  zwei  Arten  von  Sheppey. 

t  4.  G  Saurocephalus  Harl.  (oo^v^og^  Eidechse;  xecpalrj,  Kopf.) 

Zähne  sehr  zusammengedrückt  und  gerade. 

Zwei  Arte,n  in  weifser  Kreide ,  eine  vielleicht  bei  Bilin  (Reufs). 


120 


FISCHE. 


i  5.  G.  Saurodon  Hays.  {oavqog^  Eidechse;  oJcoy,  Zahn.) 

Zähne  zusammengedrückt,  an  ihrem  Gipfel  schief  und  an  der 
Basis  gestreift. 

Eine  Art  in  weilser  Kreide. 

t  6.  G.  Cladocyclus  Ag.  {ycladog^  Zweig;  y.vylog^  Kreis.) 

Die  trichterförmige  Oeffnung  der  Schuppen  in  den  Seiten- 
linien ist  ästig. 

Zwei  Arten,  aus  der  Kreide  und  von  Brasilien. 

t  7.  G.  Rhamphognathus  Ag.  {^a^icpog^  Schnabel; 
yvdd-og^  Kiefer.) 

Körper  verlängert.    B.  am  Unterleibe.    Von   den  sehr  ver- 
längerten Kiefern  überragt  der  obere  den  unteren. 
Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

t  8.  G.  31  esogast  er  Ag.  (f.iaoog^  mitten;  yaorriQ^  Bauch.) 

Körper  verlängert.  B.  am  Unterleibe.  Kopf  kurz  und  stumpf. 
Kiefern  gleich  lang. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

4.  Farn.  JBlenniol'des  Ag, 

Untersetzte,  meistens  kleine  Fische  mit  kleinen  Schuppen. 
Die  Bauchflossen  stehen  an  der  Kehle.  Eine  einzige,  sehr  lange 
Rückenflosse  besteht  theils  aus  dornigen  ,  theils  aus  weichen  Strah- 
len.    Zähne  mehr  oder  weniger  entwickelt. 

In  der  jetzigen  Schöpfung  nicht  zahlreich,  in  der  früheren 
nur  durch  eine  Gattung  vertreten. 

t  Spinacanihus  Ag.  (Spinax ;  ay.avd^a ^  Stachel.) 

Die  erste  R.  besteht  aus  Stacheln,  deren  Länge  der  des  Ganzen 
Körpers  gleich  kommt  und  wovon  die  ersten  an  ihrer  Basis  ge- 
zähnelt  sind     Die  zweite  R.  ist  schlank. 

S.  blennioides  Ag.  vom  Monte  Bolca. 

5.  Farn.  XtopMotdes  Cuv. 

Sehr  unregelmäfsige  Fische.  Ihre  Br.  werden  durch  armartig 
verlängerte  Knochen  getragen.  B.  an  der  Brust.  Die  Schuppen 
fehlen  oder  werden  durch  knochige  Höcker  oder  kleine  Dornen 
vertreten.  Kopf  grofs.  Kiefern  mit  zahllosen  scharfen  Zähnen  be- 
walTnet. 


KHErSSCIIÜPPER. 


121 


Lophius  L.  Artcdi.  Seeteufel.  (Ao^/a, .  Mähne.) 

Kopf  sehr  breit  und  niedergedrückt.  Rachen  sehr  grofs.  Von 
den  beiden  R.  erstreckt  sich  die  erste  bis  auf  den  Kopf. 

L.  brachysomus  Ag.,  vom  Monte  Bolca,  ist  die  einzige  fossile  Art. 

6.  Farn.  JLahrol'des  Cuv. 

Längliche  Fische  mit  grofsen  Schuppen.  Eine  einzige  Rücken- 
flosse, deren  vorderer  Theil  aus  dornigen  Strahlen  gebildet  wird. 
Bauchflossen  an  der  Brust.  Kinnladen  mit  fleischigen  Lippen.  Keine 
Zähne  am  Gaumenbeine.  Schlundknochen  mit  grofsen  Zähnen.  Ar- 
ten sehr  zahlreich  in  der  lebenden  Schöpfung. 

Labrus  L.  Artedi.  Lippfisch. 

Körper  untersetzt.  Skelett  plump.  Lippen  dick  und  fleischig. 
Kiemendeckel  ohne  Stacheln  und  Zähne. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca,  eine  aus  der  Molasse  der  Schweiz. 

Zweite  Abtheilung. 
Mit  einer  einzigen  weichen  Rückenflosse. 
7.  Fam.  Cyprino'ides  Ag.  Karpfen.  WeiTsfiscbe. 

Längliche,  sehr  regelmäfsige  Süfswasserflsche,  von  denen  nur 
wenige  in  Salzseeen  leben.  Bauchflossen  am  Hinlerleibe.  Die  un- 
teren Schlundknochen  mit  einer  Reihe  oder  mehreren  Reihen  von 
starken  Zähnen.  Der  kleine  Mund  ist  mit  fleischigen,  oft  bärtigen 
Lippen  umgeben.  Wirbelsäule  kräftig,  aus  wenigen  Wirbeln  ge- 
bildet.    Sie  haben  3  Kiemenstrahlen. 

Sie  scheinen  in  den  süfsen  Gewässern  der  Tertiärepoche 
ebenso  häufig  als  in  unseren  jetzigen  Seeen  und  Flüssen  gelebt  zu 
haben.    Nur  eine  Gattung  von  ihnen  ist  gänzlich  ausgestorben. 

t  1.  G.  Acanthopsis  Ag.  (axavd^a^  Stachel;  oipig,  Gesicht.) 

Körper  sehr  verlängert,  zusammengedrückt  und  schlecht  ge- 
staltet. Schwanzflosse  abgestutzt  oder  gerundet.  R.  ein  wenig  vor 
den  B.  Bart  kurz.  Unteraugenhöhlen  beweglich,  zweispaltig  und 
in  scharfe  Spitzen  endend.    Schunpen  kaum  bemerkbar. 

A.  angustus  Ag.  aus  dem  Schiefer  von  Oeningen. 

2.  G.  Cobitis  L.  GrundeL 

Körper  verlängert,  cylindrisch.  Wangen  glatt.  Unteraugen- 
höhlen unbeweglich  und  unter  der  Haut  verborgen.  "  Schlundzähne 
keilförmig  geschliffen.    Schuppen  klein. 


122 


FISCHE. 


Zwei  Arleu  von  Oeningen,  eine  Art  ans  dem  Süfswasserkalke 
von  Mombach. 

3.  G.  6?oöeo  L.  Gründling. 

Körper  cylindrisch.  R.  gegenüber  den  B.,  mit  einem  grofsen 
einfachen  Strahle.  Die  kegelförmigen  Schlundzähne  stehen  in  2 
Reihen.    Schuppen  von  mittler  Grofse  und  sehr  dünn. 

G.  analis  Ag.  von  Oeningen. 

4.  G.  Tinea  Cuv.  Schleihe. 

Körper  untersetzt.    Flossen  dick.    Schuppen  klein. 
Zwei  Arten  von  Oeningen,  eine  aus  dem  Süfswasserkalke  von 
Steinheim. 

5.  G.  Leuciscus  Klein.  Ag.  Weifsfisch. 

Körper  spindelförmig  und  mit  grofsen  Schuppen  bedeckt. 
Schlundknochenzähne  in  zwei  Reihen.    Skelett  stark. 

Elf  Arten,  theils  von  Oeningen,  theils  aus  dem  Polirschiefer, 
der  Braunkohle  und  dem  Süfswasserkalke. 

L.  papyraceus  Bronn.,  Zeilschr.  f.  Mineral,  v.  Leonhard,  1828. 
p.  395.  —  Taf.  VIII.  Fig.  1.    Nach  Agass.  Vol.  5.  p.  31.  tb.  56.  f.  5. 

Häufig  in  der  Braunkohlenformation,  als:  in  der  Papierkohle  bei 
Bayreuth  und  Bonn  und  dem  Polirschiefer  von  Kutschlin  bei  Bilin 
in  Böhmen. 

t  6.  G.  Aspius  Ag. 

Körper  zusammengedrückt,  verlängert  und  mit  grofsen,  an 
ihrem  Hinterrande  vorspringenden  Schuppen  bedeckt.  Mund  schief 
von  oben  nach  unten  gespalten.  Der  untere  Kiefer  überragt  den 
oberen,  Schlundzähne  verlängert  und  in  zwei  Reihen.  R.  hinter 
den  B.    S.  sehr  gabelförmig.     Skelett  dünn. 

Zwei  Arten,  von  Oeningen  und  aus  der  Braunkohle  von  Menat. 

i  7.  G.  Rhodens  Ag.  (^oJfog,  rosenfarben.) 

Körper  untersetzt,  zusammengedrückt,  mit  grofsen  dünnen 
Schuppen  bedeckt.  Schlundzähne  schiefllächig.  R.  der  A.  gegen- 
über.   S.  gabelförmig.    Nur  kleine  Fische. 

Zwei  Arten  von  Oeningen. 

t  8.  G.  Cyclurus  Ag.  (xvxlog,  Kreis;  ovQa^  Schwar.z.) 

S.  abgerundet.  R.  und  A.  sehr  grofs.  Wirbelsäule  an  ihrem 
Ende  aufwärts  gekrümmt.  Wirbel  dick  und  kurz.  Schuppen  dick 
und  verlängert. 

Eine  Art  von  Oeningen,  eine  von  Menat. 


KUEISSCHUPPEB. 


12e3 


8»  Farn.  Cyprinodontes  Ag. 

Längliche,  sehr  regelmäfsige  und  kleine  Fische  mit  grofsen 
Schuppen.  B.  am  Unterleibe.  Die  Kiefern  tragen  Zähne.  Mehr 
als  drei  Kiemenstrahlen. 

Die  Arten  sind  alle  tertiär  und  gehören  zu  der  Gattung: 

Lebias  Cuv. 

Körper  wenig  verlängert.  Kiefern  horizontal  abgeplattet  und 
mit  einer  Reihe  von  gezähnelten  Zähnen  besetzt.  Kiemendeckel 
grofs.    Kiemenstrahlen  zahlreich.    R.  gegenüber  der  A. 

Fünf  Arten  tertiär. 

9«  Farn.  Msocides  Cuv« 

Dünnleibige  und  grofsschuppige  Fische.  B.  am  Hinterleibe. 
Die  zahnlosen  Oberkiefern  stehen  mit  den  Zwischenkiefern  in  einer 
Linie.  Zähne  des  Unterkiefers,  des  Gaumens  und  Pflugschaarbeines 
im  Allgemeinen  sehr  stark  und  kegelförmig. 

Aufser  Istieus  sind  alle  Süfswasserfische. 

1.  G.  Esox  L.  Cuv.  Hecht. 

Körper  verlängert,  cylindrisch.  Kopf  grofs,  mit  verlängerter, 
stumpfer  und  niedergedrückter  Schnauze.  Rachen  weit.  Oberkiefern 
zahnlos.  Zwischenkiefern  mit  kleinen  konischen  Zähnen.  -  Starke 
Zähne  im  Gaumen,  in  der  vorderen  Gegend  des  Nasenbeines  und 
des  Unterkiefers.  Kiemenstrahlen  sehr  zahlreich.  S.  wenig  aus- 
gerandet.  R.  und  A.  sehr  nahe  der  S.  und  einander  gegenüber. 
Schuppen  grofs.    Skelett  dünn. 

F.  Otto  Ag.  im  Diluvialmergel  bei  Breslau. 

Eine  Art  von  Oeningen. 

t  2.  G.  Holosteus  Ag.  (ßXog^  ganz;  ooiiov^  Knochen.) 

Körper  sehr  verlängert.     Skelett  dünn.     Rippen  schwach. 
Muskelgräten  zahlreich  und  grofs. 
Eine  Art  von  Oeningen. 

t  3.  G.  Sphenolepis  Ag.  (a(p7]v^  Keil;  Xemg,  Schuppe.) 

Körper  verlängert.  Schnauze  spitz.  R.  gegenüber  der  B. 
S.  kaum  gabelförmig.    Schuppen  grofs. 

Zwei  Arten  im  Gypse  von  Montmartre,  und  bei  Oeningen. 

t  4.  G.  Istieus  Ag.  (IotIov,  Segel.) 

Körper  verlängert.  Die  grofse  R.  nimmt  fast  den  ganzen 
Rückenrand  ein.    A.  sehr  zurückgestellt.     Schuppen  grofs.  Wir- 


124 


FISCHE. 


bei  selir  kurz.     Dornforlsälze  sehr  gedrängt.  Fortsatzknöchelchen 
weniger  zahlreich  als  die  Fortsätze.  Kleine  Zähne  in  den  Kinnladen. 
Vier  Arten  in  der  Kreideformation  bei  Münster. 

lO.  Farn.  JEaleco'ides  Ag. 

Regelmäfsige  Fische  mit  mehr  oder  weniger  grofsen  Schup- 
pen. B.  am  Hinterleibe.  Im  Oberkiefer  finden  sich  öfters  Zähne. 
Diese  sind  im  Allgemeinen  kegelförmig.  Skelett  schlank.  Kleine 
oder  mittlere  Fische. 

1.  G.  Mallotus  Cuv.  {(.laXlwTog^  wollig.) 

Ein  verlängerter  Körper  mit  schlankem  Skelette  ohne  Brust- 
bein.    R.  in  der  Mitte.     A.  sehr  grofs.     Zähne  sammetartig. 

M.  villosus  Cuv.,  Salmo  grönlandicus  Bloch,  Ag.  Vol.  5.  p.  98. 
tb.  60.  —  Er  wird  5  —  7"  lang  und  lebt  noch  im  ganzen  Nordmeere. ^ 
An  Grönlands  Küsten  findet  man  das  Skelett  davon  häufig  in  Mergel- 
nieren, welche  die  Form  des  Fisches  angenommen  haben. 

Es  ist  nach  Agassiz  die  einzige  Art  fossiler  Fische,  welche  zu- 
gleich noch  lebend  gefunden  wird. 

2.  G.  Osmerus  Arledi.  Stint.  (loixrjQrig,  riechend.) 

Körper  verlängert.  R.  den  B.  gegenüber.  Starke  kegel- 
förmige Zähne  in  den  Kiefern  und  auf  dem  Gaumenbeine. 

Eine  Art  im  Grünsande  von  Ibbenhühren  und  eine  im  Schiefer 
von  Glaris. 

t  3.  G.  Osmeroi'des  Ag.  (Osmerus;  tldog.) 

R.  weit  vorn.  Kopf  abgeplattet.  Mund  ziemlich  klein.  Brust- 
beinrippen fehlen. 

Unter  fünf  Arten  der  Kreideformation  ist  die  gewöhnlichste: 

0.  Lewesiensis  Mant.  (Salmo  Geol.  of  Süss.  pL  40.  f.  1., 
pL  33.  f.  12.,  pl.  34.  f.  1,  2.  —  Taf.  VII.  Fig.  30.  Eine  Schuppe,  nach 
Ag.  Vol.  5.  p.  105.  tb.  60.  6;  60.  c.  —  Gein.  Char.  tb.  2.  f.  3.  a.  b. 

Häufig  im  Plänermergel  und  Plänerkalke  von  Sachsen  und  Böh- 
men und  in  der  Kreide  von  Lowes  in  England. 

t  4.  G.  Acrognathus  Ag.  (uitQogj  der  höchste; 
yvudog^  Kiefer.) 

A.  Boops  Ag.,  mit  grofsem,  breitem,  abgeplattetem  Kopfe,  in 
der  Kreide  von  Lewes. 

t  5.  G.  Aulolepis  Ag.  (dvkog^  Röhre;  linig^  Schuppe.) 

A.  typus  Ag.  Ebendaher. 


KREISSCIIÜPPER.  125 

6.  G.  Alosa  Cuv.  Alse. 

Körper  regelmäfsig.  Wirbelsäule  aus  zahlreichen  Wirbeln  ge- 
bildet. Briistbeinrippen  sind  vorhanden.  Die  Mitte  der  oberen 
Kinnlade  ist  ausgerandet. 

Eine  Art  tertiär  von  Oran. 

t  7.  G.  Megalops  Cuv.  (/.(e'yag,  grofs;  wxp^  Gesicht.) 
Eine  Art  im  Londonthone  von  Sheppey. 

8.  G.  Chipea  L.  Häring. 
Körper  regelmäfsig,  mit  Brustbeinrippen.    R.  in  der  Mitte 
des  Rückens. 

Vierzehn  fossile  Arten,  meistens  tertiär. 

9.  G.  Engraulis  Cuv.  Sardelle. 
Körper  verlängert.    Maul  grofs.    Die  spitze  Schnauze  über- 
ragt den  Unterkiefer.   R.  den  B.  gegenüber.  Ohne  Brustbeinrippen. 
Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

t  10.  G.  Halec  Ag. 

Kopf  breit  und  abgeplattet.  Rachen  weit  aufgerissen.  Un- 
terkieferknochen  sehr  schmal.    Brustbeinrippen  fehlen. 

H.  Sternhergii  Ag.  Vol.  5.  p.  123.  tb.  63.  Kleine  Zwi- 
schenfortsatzknöchelchen  der  R.  sehr  breit. 

Im  Pläner  von  Böhmen. 

t  11.  G.  Flatinx  Ag.  (nXuTiy^^  Ruder.) 

Körper  verlängert.    R.  sehr  zurückgestellt.    Br.  sehr  lang. 
Wirbelsäule  sehr  kräftig.    Brustbeinrippen  fehlen. 
Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

t  12.  G.  Notaeus  Ag.  (vcuTog^  Rücken.) 

Körper  untersetzt.  S.  abgerundet.    Die  R.  breitet  sich  über 

den  gröfsten  Theil  des  Rückens  aus.  B.  am  Unterleibe.  Wirbel 
höher  als  lang. 

Eine  Art  im  Gypse  des  Montmartre. 

t  13.  G.  Coelogaster  Ag.  (xotlog^  hohl;  yaGjrjQ^  Bauch.) 
A.  analis  Ag. 

II.  Farn.  Anguilliformes  Cuv.  Aale. 

Sehr  verlängerte  Fische  mit  sehr  kleinen  Schuppen.  B.,  bis- 
weilen sogar  auch  die  Br.  fehlen.  Sie  haben  kleine,  im  Allge- 
meinen kegelförmige  Zähne. 


126 


FISCHE. 


1.  G.  Anguilla  Tliunb.  Flufsaal. 

Die  Br.  mit  Kiemen,  welche  sich  von  beiden  Seiten  unter 
den  Flossen  öffnen.  Die  R.  beginnt  in  einer  bestimmten  Entfern- 
ung vom  Nacken. 

Acht  Arten,  von  denen  sechs  vom  Monte  ßolca,  eine  von  Oeningen 
und  eine  aus  dem  Süfswasserkalke  sind. 

t  2.  G.  Enchelyopus  Ag.  (ty/eXrg,  Aal;  novg^  Fufs.) 

Körper  sehr  verlängert.  R.  bis  zu  dem  Nacken  verlängert. 
Brustgürtel  sehr  dünn. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

3.  G.  Sphagebranchus  Bloch,  {ocpuyrj^  Kehle;  ß^dy/ot,^  Kieme.) 
Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 
4.  G.  Ophisurus  Lacep.  (o(pig,  Schlange;  ovqu^  Schwanz.) 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 
t  5.  G.  Leptocephalus  Ag.  (Xenrbg,  dünn;  xeqjaXr]^  Kopf.) 
Zwei  Arten  ebendaher. 

Ordn.  Ctenoi'des  Ag.  Ktenoiden.  Ctenote* 
pidoti  Ag*.  Kammiseliapper« 

(xTetg,  Kamm;  elSog^  Gestalt.) 
Taf.  VII.  Fig.  29. 

Die  rundlichen  Schuppen  sind  aus  hornigen  Schichten  ge- 
bildet, von  denen  die  unteren  stets  die  oberen  überragen  und 
welche  an  ihrem  hinteren,  das  ist  an  dem  äufserlich  sichtbaren 
Rande  kammförmig  gezähnelt  sind. 

Ihre  geognostische  Vertheilung  ist  wie  die  der  Cycloiden. 

1.  Farn.  JPerco'ides  Cuv.  {Percas  Barsch.) 

Längliche  Fische  mit  rauhen  Schuppen.  Kiemendeckel  stark 
gezähnelt  oder  stachelig.  Zwischenkiefern,  Unterkiefern,  der  vor- 
dere Theil  des  Pflugschaarbeines  und  sehr  häufig  auch  das  Gau- 
menbein mit  Zähnen  besetzt.  Starke  dornige  Strahlen  auf  dem 
vorderen  Theile  des  Rückens  bilden  eine  von  den  weichen  Strah- 
len verschiedene  Flosse  oder  vereinigen  sich  damit.  Die  B.  ste- 
hen oft  an  der  Brust. 

A.    H  oloccntri. 
Mit  mehr  als  7  Kiemenstrahlen.    Ihre  B.  aus  einem  Stachel 
und  5  oder  mehreren  weichen  Strahlen  gebildet. 


KAMMSCHÜPPER. 


127 


t  1.  G.  Sp^henocephalus  Ag,  (ocfrjv^  Keil;  xKpalrj^  Kopf.) 

Eine  einzige  R.  mit  einigen  dornigen  Strahlen  nur  am  Vor- 
derrande.   Sie  ist  nur  wenig  breiter  als  die  A.    Kopf  schlank. 
Eine  Art  in  der  Kreide  Westphalens. 

t  2.  G.  Hoplopteryx  Ag.  (onlov^  Waffe;  meQv^^  Flügel.) 

Der  dornige  Theil  der  R.  besteht  aus  sehr  grofsen  Strahlen 
und  ist  eben  so  breit  als  der  weiche  Theil.  Diese  Flosse  zieht 
sich  bis  an  das  Ende  der  A.    Kopfknochen  gezähnelt. 

Eine  Art  ebenda. 

3.  G.  Beryx  Cuv. 

Eine  einzige  R.,  nur  vorn  mit  einigen  Dornstrahlen.  Kopf 
grofs  und  sehr  stumpf. 

Unter  den  fünf  in  der  Kreide  vorkommenden  Arten  ist  die 
gewöhnlichste: 

B.  ornatus  Ag.  —  Taf.  VII.  Fig.  29.  —  Ag.  Vol.  4.  tb.  14.  «, 
14.  b.  f.  1.  2,  tb.  14.  c.  f.  1  —  6  u.  14.  d.  —  Zeiis  Lewesiensis  Mant., 
Geol.  of  Süss.  pl.  34.  f.  6.,  pl.  35  u.  35.  —  Gein.  Kieslingsw.  p.  5. 
tb  4.  f.  1.  —  Reufs,  Bölim.  Kr.  tb.  2.  f.  2,  tb.  5.  f.  12.  13.  15, 
tb.  12.  f.  1.  2. 

Der  Kopf  ist  sehr  dick,  die  Flossen  sind  verhältnifsmäfsig  schwach, 
die  Schuppen  quer -eirund,  und  der  breite  mittlere  Theil  der  hinteren 
Hälfte  ist  kammförmig. 

Im  Grünsande  von  Schweden  (His.  Leth.  Suec.  tb.  C.  4.),  im  Pläner- 
kalke  von  Sachsen  (Strehlen),  Böhmen,  und  in  der  Kreide  von  Sussex. 

t  4.  Gatt.  Acanus  Ag.  («xotro^,  Stachel.) 

Der  dornige  Theil  der  R.  sehr  ausgebreitet  und  aus  dicken 
Strahlen  gebildet,  welche  länger  als  die  weichen  Strahlen  sind. 
Mehrere  starke  Strahlen  vor  der  A. 

Vier  Arten  in  der  Kreide  von  Glaris. 

t  5.  G.  Podocys  Ag.  (novg^  Fufs;  wxvg^  schnell.) 

Unterkiefer  vorragend.    R.  sehr  entwickelt  und  langstrahlig. 
Die  R.  erstreckt  sich  bis  zu  dem  Nacken. 
Eine  Art  in  der  Kreide  von  Glaris. 

t  6.  G.  Acrogaster  Ag.  {äy.Qog^  der  höchste;  yaoi-^Q.,  Bauch.) 

Unterleib  sehr  entwickelt  und  vorragend.    Nur  einige  Stacheln 
vor  der  R.,  welche,  wie  die  A.,  sich  kaum  über  die  Mitte  erstreckt. 
Eine  Art  in  der  westphälischen  Kreide. 


128 


FISCHE. 


7.  G.  Myripristis  Cuv.  Qivgiog^  zahllos;  nQtoibg,  zersägt.) 

Der  Vorderdeckel  mit  2  parallelen  Reihen  von  Zähnen  be- 
deckt, ohne  Stachel  an  seiner  Ecke.  Kiemendeckel,  Gesichts-  und 
Schädelknochen  gleich  gezähnelt.     Zwei  ohngefähr  gleiche  R. 

Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

8.  G.  Holocentrum  Art.  (oXog,  ganz;  centrum,) 

Kiemendeckel  stachelig  und  gezähnelt;  ebenso  der  Vorder- 
deckel an  seiner  vorderen  Ecke  mit  einem  vorwärts  gerichteten 
Dorn.  Schädelknochen  und  Unteraugenhöhlen  ebenso  gezähnelt. 
Von  den  beiden  R.  ist  die  erstere  die  breitere  und  aus  dicken 
dornigen  Stacheln  gebildet. 

Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

t  9.  G.  Fristigenys  Ag.  (nQiojog^  gesägt;  ytvvg^  Kinn.) 

Unteraugenhöhlen  stark  gezähnelt.  Die  dornigen  Strahlen  der 
R.  sind  länger  als  die  weichen  und  nehmen  einen  ebenso  grofsen 
Raum  als  diese  ein. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

B.    Eigentliche  Barsche, 

Mit  7  oder  mehr  Kiemenstrahlen.  Bauchflossen  aus  einem 
Stachel  u.  5  oder  mehreren  weichen  Strahlen  gebildet.    2  R. 

10.  G.  Enoplosus  Lacep.  (Jvonlog^  bewaffnet.) 

Körper  breit,  zusammengedrückt.  Vordere  R.  sehr  hoch. 
B.  sehr  grofs. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

11.  G.  Smerdis  Ag.  {o[,itQÖig^  ein  Fischchen.) 

Erste  Unteraugenhöhle  stark  gezähnelt,  ebenso  der  vordere 
Kiemendeckel,  ohne  Stachel  an  seiner  Ecke.  Der  Kiemendeckel 
endet  hinten  in  einem  abgerundeten  Vorsprunge.  Zwei  gleich 
schmale  R.    S.  gabelförmig. 

Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca,  drei  tertiär. 

12.  G.  Perca  L.  Cuv.  Barsch. 

Beide  R.  genähert.  Der  vordere  Kiemendeckel  gezähnelt,  mit 
stärkeren  Zähnen  am  unteren  Rande.  Ein  starker  Stachel  steht 
an  der  Ecke  des  Kiemendeckels.  Unterer  Rand  des  Zwischen- 
und  Unterkiemendeckels  gezähnelt.  Desgleichen  stehen  Zähnchen 
am  Schulterblalte  und  an  der  Ecke  des  Oberarmknochens. 

Drei  Arten  tertiär. 


KAMMSCIIÜPPER. 


129 


15.  G.  Ldhrax  Cuv.  Seebarsch. 

Kiemendeckel  mit  doppelter  Spitze.  Unteraugeiihöhle,  Zwi- 
schendeckel und  Unterdeckel  glatt.  Der  Vorderdeckel  gezähnelt, 
mit  gerundeter  Ecke  und  an  seinem  Unterrande  mit  stärkeren  Zäh- 
nen.   Kiemendeckelstücken  schuppig. 

Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca ,  eine  im  Grobkalke  von  Passy. 

14.  G.  Apogon  Lacep.  (^unoyovog,  Nachkomme.) 

RR.  sehr  entfernt.    Der  vordere  Kiemendeckel  mit  doppel- 
tem und  gezähneltem  Rande.    Körper  grofs.    Schuppen  grofs. 
Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

15.  G.  hat  es  Cuv.  (Xaioc,  ein  Nilfisch.) 

Der  vordere  Kiemendeckel  gezähnelt,  an  seiner  Ecke  mit 
einem  starken,  nach  hinten  gekrümmten  Stachel.  Ecke  des  Ober- 
armes gezähnelt.    S.  abgerundet. 

Drei  Arten  im  Monte  Bolca  und  eine  im  Grobkalke  von  Sevres. 

t  16.  G.  Cyclopoma  Ag.  (^xvxlog,  Kreis;  nw^ia^  Deckel.) 

Der  Kiemendeckel  endet  in  eine  starke  und  lange  Spitze. 
Vorderdeckel  stark  gezähnelt.  Die  Zähnchen  an  seiner  Ecke  und 
an  dem  Unterrande  richten  sich  vorwärts.  Ecke  des  Oherarm- 
knochens  abgerundet.  Die  beiden  R.  vereinigen  sich  fast  an  ihrer 
Basis.    S.  abgerundet. 

C.  Serrani. 

Mit  7  oder  mehr  Kiemenstrahlen.  B.  aus  einem  Stachel  und 
5  oder  mehr  weichen  Strahlen  gebildet.    RR.  vereinigt. 

17.  G.  Dules  Cuv. 
Kiefern  mit  sammetartigen  Zähnen.     Kiemendeckel  stachelig. 
Vorderdeckel  gezähnelt.    6  Kiemenstrahlen. 
Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

18.  G.  Pelates  Cuv.  (mluTTjg,  Nachbar.) 

Vorderdeckel  gezähnelt.  Kiemendeckel  in  einem  starken  Dorn 
endend.  Kiefern  mit  sammetartigen  Zähnen.  Dornige  Rücken- 
strahlen zahlreich,  und  dieser  Theil  der  R.  unterscheidet  sich  kaum 
von  den  weichen  Strahlen.  , 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

19.  G.  Serranus  Cuv.  Sägebarsch. 
Der  dornige  Theil  der  R.  vereinigt  sich  mit  ihrem  weichen 
Theile.     Die  Kiefern  sind  mit  Hundszähnen  bewaffnet,  zwischen 

Geinitz,  Versteinerungskunde.  9 


130 


welche  sich  bürstenförmige  Zähne  mengen.   Vorderdeckel  fein  ge- 
zühnclt;  der  Kiemendeckel  endet  in  2  —  3  Qaclie  Dornen.     7  Kie- 
menslrahlen.    Kopf-  und  Deckelstücken  sind  schuppig. 
Mehrere  Arten  vom  Monte  Bolca. 

•H.A  i, 

S.  Farn.  Sparotdes  Cuv.  Ifleerlbrassen. 

Längliche,  rauchschuppige  Fische.  Deckelstücken  glatt  oder 
schwach  gezähnelt,  niemals  stachelig.  Verschieden  geformte  Zähne 
stehen  im  Unterkiefer  und  auf  den  Zwischenkiefern.  Gaumen  un- 
bewaffnet. Die  dornigen  Strahlen  des  vorderen  Theiles  der  K. 
sind  mit  den  weichen  zu  einer  Flosse  vereiniget.  B.  an  der  Brust. 
Höchstens  6  Kiemenstrahlen. 

Die  ältesten  Arten  finden  sich  am  Monte  Bolca. 

1.  G.  Ventex  Cuv.  (Deniex^  ein  Meerfisch.) 

An  den  Rändern  der  Unter-  und  Zwischenkiefern  stehen  con- 
ische Zähne,  von  denen  die  vorderen  die  gröfseren  sind  und 
sich  hakenförmig  krümmen.    Wangen  schuppig. 

Fünf  Arten  im  Monte  Bolca  und  eine  im  Grobkalkc  von  Nanterre. 

2.  G.  Pagellus  Cuv. 

Zwei  Reihen  kleiner  Mahlzähne  stehen  in  den  Zwischen-  und 
Unterkiefern,  kleine,  schlanke,  kegelförmige  am  vorderen  Theile 
des  Kiefers. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca  und  Libanon. 

t  3.  G.  Sparnodus  Ag.  (^ana^vog^  selten;  6öovgj  Zahn.) 

Eine  Reihe  dicker,  kurzer  und  stumpf- kegelförmiger  Zähne 
stehen  an  dem  Rande  der  Zwischen-  und  Unterkiefern. 
Sechs  Arten  vom  Monte  Bolca. 

4.  G.  Sarg  US  Cuv.  (od^yog,  ein  Meerfisch.) 

An  dem  vorderen  Theile  der  Zwischen-  und  Unterkiefern 
stehen  scharfe  Schneidezähne. 

5.  Cuvieri  Ag.,  eine  kleine  verlängerte  Art. 

3.  Fain.  ^cienol'de*  Cuv«  Cmberfisclie« 

Längliche,  rauhschuppige  Fische.  Deckelstücken  gezähnelt 
oder  dornig.  Zwischen-  und  Unterkiefern  mit  Zähnen.  Nasen-  und 
Schlundbein  zahnlos  und  eine  gewölbte  Schnauze  bildend.  Die 
verlicaleu  Flossen  sind  mehr  oder  weniger  schuppig.  B.  an  der 
Brust. 


KAMMSCIIÜPPER. 


131 


1.  G.  Pristipoma  Cuv.  (nQiaTog^  gesägt;  nwfia,  Deckel.) 

Die  dornigen  Strahlen  der  R.  sind  mit  den  weichen  Strahlen 
vereinigt.  7  Kiemenstrahlen.  Schnauze  sehr  gewölbt.  Mund  klein. 
Kiemendeckel  stumpf. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

t  2.  G.  Odonteus  Ag.  (oJwv,  Zahn.) 

Der  sehr  hohe  dornige  Theil  der  R.  ist  durch  eine  Aus- 
randung von  dem  weichen  Theile  getrennt.  Zwischen-  und  Un- 
terkiefern mit  einer  Reihe  von  dicken  kurzen  Kegelzähnen.  Vor- 
derkiemendeckel  sehr  fein  gezähnelt. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

4.  Farn.  Cotto'ides  Agf« 

Längliche,  eckige  Fische  mit  rauhen,  schildförmigen  Schup- 
pen, welche  entweder  dachziegelförmig  oder  in  einer  schlaffen 
Haut  liegen.  Der  dicke,  eckige  Kopf  ist  mit  Erhöhungen  oder 
gezähnelten  und  stacheligen  Knochenplatten  bedeckt,  ünteraugen- 
höhlen  sehr  entwickelt  und  hinten  mit  dem  Vorderdeckel  verglie- 
dert. Deckelstücken  gezähnelt  oder  dornig.  Die  stark  entwickel- 
ten dornigen  Strahlen  der  R.  sind  mit  den  weichen  Strahlen  bald 
vereinigt,  bald  von  ihnen  getrennt.    B.  an  der  Brust. 

Am  Monte  Bolca  kommen  zwei  ausgestorbene  Gattungen  von 
ihnen  vor,  die  in  jüngeren  Süfswasserbildungen  erscheinenden  Arten 
gehören  zu  der  Gattung  Cottus, 

t  1.  G.  Pterygocephalus  Ag.  (nri^v^y  Flügel;  xtcpaXri^  Kopf.) 

Die  dornigen  Strahlen  der  R.  sind  sehr  lang,  getrennt  und 
erstrecken  sich  bis  über  den  Kopf,  während  die  weiche  Partie 
den  ganzen  Rücken  einnimmt.    Schuppen  gekielt. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

t  2.  G.  Calliptery X  Ag.  (xaXbg,  schön;  njtQv'^y  Flügel.) 
Grofse  verlängerte  Fische,    Wenig  dornige  Strahlen  stehen 
\os  der  R. ,  welche  sich  längs  des  ganzen  Rückens  ausbreitet. 
Die  A.  fast  ebensa  breit. 

Zwei  Arten  vom  Monte  Boka.  ^ 

3.  G.  Cottus  L.  Groppe.  (xotto?.) 

Kopf  sehr  dick  und  breit,  höckerig  oder  dornig.  RR.  un- 
terschieden; die  erste  schmal.  Untere  Strahlen  der  Br.  einfach. 
B.  aus  wenigen  Strahlen  gebildet.    6  Kiemenstrahlen. 

Drei  Arten  tertiär. 

9* 


132 


FISCHE. 


5.  Farn*  Gohiotdes  Ag. 

Verlängerte,  cylindrische  Fische  mit  rauhen  Schuppen.  Deckel 
g^ezahnelt.  Dornstrahlen  des  Rückens  schlank  und  biegsam.  B. 
an  der  Brust  und  vereint.  Mit  5  Kiemenstrahlen.  KiemenöfF- 
nung  klein. 

Gobius  L.  Meergrundel. 

B.  vollständig  vereint  in  der  Form  eines  Trichters.  Kopf 
gerundet.    Die  erste  R.  ist  dornig  und  schmaler  als  die  zweite. 
Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

6.  Fam.  Vheuties  €uv.  liederfisclie.  SStaclieljsehwänze. 

Eiförmige,  zusammengedrückte  Fische  mit  rauhen  Schuppen. 
Der  kleine  Mund  ist  mit  einer  einzigen  Reihe  von  Zähnen  auf  den 
Unter-  und  Zwischenkiefern  bedeckt.  Gaumen  unbewaffnet.  Dor- 
nige Strahlen  der  R.  mit  den  weichen  vereint.    B.  an  der  Brust. 

Beide  Gattungen  existiren  noch  jetzt. 

1.  G.  Acanthurus  Lacep.  Chirurg,  {axavd^a,  Stachel; 
ovQüLj  Schwanz.) 

Zähne  scharf  und  gezähnelt.   Auf  jeder  Seite  des  Schwanzes 
steht  ein  schneidender  und  beweglicher  Stachel. 
Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

2.  G.  Naseus  Commers.  Nashornfisch.  Einhornfisch. 

Zähne  kegelförmig.  Stirn  mehr  oder  weniger  vorragend. 
4  Kiemenstrahlen,  3  weiche  Strahlen  in  den  B.  Schwanz  mit  fest 
stehenden  Stacheln  bewaffnet. 

Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

7.  Farn.  Axilostomes  €uv.  Röhrenmäiiler. 

Mehr  oder  weniger  verlängerte,  cylindrische  oder  zusammen- 
gedrückte Fische  mit  rauhen  Schuppen,  welche  bisweilen  in  breite 
Rückenplatten  umgewandelt  sind.  Der  Kopf  ist  zu  einer  langen 
Röhre  verlängert.    Mund  klein. 

Die  ältesten  Arten  dieser  Familie  finden  sich  in  dem  Schie- 
fer von  Glaris;  am  Monte  Bolca  kommen  einige  jetzt  ausgestor- 
bene Gattungen  vor. 

1.  G.  Amphisyle  Klein.  {a^(pif  ringsum;  cvlri.  Beute.) 

Der  Rücken  ist  mit  breiten  schuppigen  Platten  bepanzert,  von 
denen  die  erste  mit  dem  vordersten  Stachel  der  R.  vergliedert  ist. 
Eine  Art  vom  Monte ^ Bolca. 


KAMMSCIIUITER. 


2.  G.  Aulo  Stoma  Lacep.  Flöten  maul.  (dvXbg^  Flöte; 
oToi-ia,  Maul.) 

Bauchschuppen  am  Hinterleibe.  Die  weiche  R. ,  vor  welcher 
einige  freie  Stacheln  stehen ,  der  sehr  zurückgestellten  A.  gegen- 
über. Die  Röhre  ist  weit  und  zusammengedrückt.  Die  Kiefern 
sind  zahnlos. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

3.  G.  Fistularia  Lacep.  Pfeifenfisch,  (fistula^  Rohre.) 
Röhre  sehr  lang  und  niedergedrückt.    Kiefern  und  Zwischen- 
kiefern mit  kleinen  Zähnen.     Eine  einzige  R.  gegenüber  der  A. 
Der  mittlere  Strahl  der  S.  ist  fadenförmig. 

Eine  Art  im  Schiefer  von  Glaris,  eine  im  Monte  Bolca. 

t  4.  G.  Rhamphosus  Ag.  (^dfiKpog,  Schnabel.) 

Ein  ungeheuerer,  an  seinem  Hinterrande  gezähnelter  Stachel- 
strahl sitzt  auf  dem  Nacken.  Die  weiche  R.  gegenüber  der  A. 
Die  S.  ist  viereckig.  Die  Schnauze  ragt  nasenartfg  über  die  Kie- 
fern hervor. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca.. 

t  5.  G.  Urosphen  Ag.  (ov()«,  Schwanz;  G(p^v\j  KeiK) 
Der  verlängerte,  cylindrische  Körper  endet  mit  einer  grofsen 
keilförmigen  Flosse.  Die  Röhre  ist,  wie  bei  den  Fistularien,  verlängert. 
Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

6.  Farn.  Chetodontes  Cuv.  Squamipennes  Cuv. 
iSchuppenflosser. 

Kurze,  breite,  stark  zusammengedrückte  Fische  mit  sehr  rauhen 
Schuppen.  Dornige  Rückenstrahlen  stark,  gewöhnlich  an  die  wei- 
chen Strahlen  sich  anlehnend,  selten  davon  getrennt.  Die  verti- 
calen  Flossen  sind  schuppig  und  daher  schwer  von  dem  Körper 
zu  unterscheiden.  Kiemendeckel  gezähnelt  oder  stachelig.  B.  an 
der  Brust,  bisweilen  fehlend. 

Häufig  am  Monte  Bolca,  bisweilen  im  Grobkalke.  Drei  ihrer 
Geschlechter  gehen  nicht  bis  in  die  jetzige  Schöpfung. 

t  1.  G.  Semiophortis  Ag.  (orji^ietocpSQog ,  Fahnenträger.) 

R.  sehr  hoch,  in  ihrem  vorderen  Theile,  aufser  dem  ersten 
dicken  Strahle  und  einigen  kleineren  Stacheln  sehr  weich,  und 
längs  des  Rückens  sich  ausbreitend.  A.  viel  kürzer.  B.  sehr 
verlängert.    Profil  sehr  gerade. 

Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 


134 


FISCHE. 


2.  G.  Ephippus  Cuv.  (i(pmnog,  Reiter.) 

Die  sehr  dicken  Strahlen,  welche  den  vorderen  Theil  der  R. 
bilden,  sind  schuppenlos.  Eine  starke  Ausrandung  trennt  die  dor- 
nigen und  die  weichen  Strahlen. 

Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

3.  G.  Scatophagus  Cuv.  (oyMTocpdyog ,  kothfressend.) 

Die  vorderen  der  dicken  dornigen  Strahlen,  welche  die 
erste  R.  bilden,  sind  die  längsten.  S.  mit  4  Stacheln.  Schuppen 
sehr  klein. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

4.  G.  Zanclus  Cuv. 

Die  wenig  zahlreichen  dornigen  Strahlen  der  R.  nehmen  an 
Gröfse  schnell  zu  und  lehnen  sich  an  den  sehr  hohen  vorderen 
Theil  der  weichen  Flosse  an.    Schnauze  weit  vorspringend. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

t  5.  G.  Macrostoma  Ag.  (/^laxQog,  grofs;  gto/hu,  Mund.) 

Rachen  sehr  grofs.    R.  und  S.  niedrig,  aber  sehr  breit. 
Eine  Art  im  Grobkalke  von  Nanterre. 

6.  G.  Holacanthus  Lacep.  (oXog,  ganz;  äxavd^a,  Stachel.) 

Ein  grofser,  nach  hinten  gerichteter  Stachel  an  der  Ecke 
des  Vorderdeckels,  dessen  Ränder  gewöhnlich  gezähnelt  sind.  Dorn- 
strahlen der  R.  kräftig,  allein  weniger  hoch  als  bei  Pomacanthus, 

Eine  Art  im  Grobkalke  von  Chatillon. 

7.  G.  Pomacanthus  Cuv.  (nwfia^  Deckel;  uxuvd^a,  Stachel.) 
Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

8.  G.  Platax  Cuv.  Breitfisch. 

Körper  sehr  zusammengedrückt,  in  die  hohen  und  schuppigen 
senkrechten  Flossen  verfliefsend.  Die  kurzen  dornigen  Strahlen 
stehen  in  dem  vorderen  Rande  der  Flossen  verborgen.  B.  sehr  lang. 

Vier  Arten  vom  Monte  Bolca. 

t  9.  G.  Pygaeus  Ag.  {nvyaXogj  zum  Hintertheile  gehörig.) 

RR.  vereinigt,  der  dornige  Theil  ist  dickstrahlig,  der  weiche 
abgerundet  oder  zugespitzt,  indem  die  mittleren  Strahlen  die  länge- 
ren sind.    A.  ähnlich,  aber  kürzer. 

Acht  Arien  vom  Monte  Bolca. 


KAMM8CHÜPFEH. 


1^5 


10.  G.  Toxotes  Cuv.  Schütze,  (to^ott;^.) 

R.  sehr  zurückgestellt,  an  ihrem  weichen  Theile,  welcher 
mit  dem  dornigen  Theile  verschmolzen  ist,  schuppig.  A.  der  R. 
gegenüber  und  ihr  ähnlich.    Unterkiefer  vorspringend. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

9*  Farn.  Pleuronectes  €uv^  ISeitenscliwimmer«  iSchollen. 

Butten. 

Unsymmetrische,  stark  zusammengedrückte,  mehr  oder  weniger 
breite  Fische,  welche  oft  ebenso  hoch  als  lang  sind,  mit  sehr  rauhen 
Schuppen.  Der  Schädel  ist  so  gedreht,  dafs  beide  Augen  auf 
einer  Seite  zu  liegen  scheinen.  Die^eite,  auf  welcher  der  auf 
der  Seite  liegende  Fisch  schwimmt,  ist  die  flachere.  Die  verti- 
calen  Flossen  werden  nur  aus  weichen  Strahlen  gebildet,  welche 
sich  stark  vorwärts  über  den  Kopf  und  den  Bauch  biegen.  Die 
B.  verfliefsen  oft  in  einander.  Von  den  ungleichen  Br.  fehlt  die 
untere  bisweilen. 

Rhombus  Cuv.  Steinbutte. 

Sehr  breit.  Die  R.  verbreitet  sich  von  dem  Ende  des  Un- 
terkiefers, ebenso  wie  die  A.  bis  fast  zur  S.  hin. 

R.  minimus  Ag.,  eine  kleine  Art  vom  Monte  Bolca,  ist  die 
einzige  fossile  Form  dieser  in  nordischen  Meeren  so  häufig  vorköm- 
menden Fische. 

3.  Ordn.   Ganoides  Ag^.  Goniolepidoti  AgM 
Granoiden.  Grlanzschupper.  ficksicliiipper. 

(yavoü),  ich  glänze,  —  ywvia^  Ecke.) 
Taf.  VII.  Fig.  19—28. 

Eckige,  rhomboidale  oder  vielseitige  Schuppen,  welche  aus 
knochigen  oder  hornigen  Schichten  gebildet  und  mit  einer  dicken 
Lage  von  glänzendem  Email  bedeckt  sind,  unterscheiden  die  Ga- 
noiden  leicht  von  allen  anderen  Fischen. 

Sie  beginnen  mit  der  Steinkohlenformalion  und  gehen  bis  in 
die  jetzige  Schöpfung. 

Bei  einigen  ihrer  Gattungen  setzt  die  Wirbelsäule  bis  in  den 
längeren  oberen  Lappen  der  Schwanzflosse  fort  (Heterocercen), 
und  diese  bezeichnen  die  Formation  bis  zu  dem  Muschelkalke  her- 
auf; alle  jüngeren  Ganoiden,  von  der  Juraformation  an,  haben 
einen  regelmäfsigen ,  symmetrischen  Schwanz  (Homocercen). 


136 


FISCHE, 


1.  Fam«  Xtepidotdes  Ag,  Jtjepidostei  Ag. 

(Xfniöodörjg^  schlippenartig.) 

Bürstenförniige  Zähne  in  mehreren  Reihen  oder  kleine  stumpfe 
Zähne  in  einer  Reihe.  Schuppen  eben,  rhomboidal  und  mit  dem 
Körper,  welcher  von  ihnen  ganz  bedeckt  wird,  parallel.  Skelett 
knochig.  Kein  Repräsentant  dieser  Familie  existirt  in  der  jetzigen 
Schöpfung. 

A.    Körper  verlängert,  spindelförmig. 

Sie  gehören  zu  den  Heterocercen,  und  ihre  Zähne  sind  bür- 
stenförmig. 

t  1.  G.  Acanthodes  Ag.  Acanthoessus  Ag. 
{uy.avd^wdrig ,  stachelig.) 
Schuppen  aufserordentlich  klein.    R.  gegenüber  der  A.  Br. 
grofs;  der  erste  Strahl  der  Br.,  der  R.  und  A.  ist  dick,  stark  und 
steif;  die  folgenden  Strahlen  und  die  der  S.  sind  sehr  fein.  Un- 
terkiefer länger  als  der  obere.    Rachen  weit  aufgerissen. 
A.  Bronni  Ag.  Vol.  2.  p.  124.  tb.  1. 

In  Thonnieren  aus  der  Steinkohlenformation  des  Hundsrückens. 
A,  sulcatus  kommt  im  Süfswasserkalke  der  Steinkohlenformation  bei 
New  House  vor. 

t  2.  G.  Vipterus  Sedgwick  u.  Murchison.  Catopterus  Ag. 
(jiieQov^  Flügel.) 
Zwei  R.  sind  zwei  ähnlichen  A.  gegenüber  gestellt.   B.  vor  der 
vorderen  R.    Br.  klein.    Schwanz  wie  bei  Palaeoniscus.  Schup- 
pen mittelmäfsig.  ^ 

D.  macrolepidotus  Sedgw.  u.  Murch.,  Ag.  Vol.  2.  p.  il5.  tb.  2. 
f.  1  —  4.,  tb.  2.  a.  f.  1  —  5. 

In  dem  Schiefer  von  Caithness  und  dem  alten  rothen  Sandsteine 
zu  Dovvnton-Hall. 

t  3.  G.  Amblypterus  Ag.  (äf.ißXvg,  stumpf,  mtQov^  Flügel.) 
Alle  Flossen  sind  sehr  breit  und  aus  zahlreichen  Strahlen 
gebildet.  Br.  sehr  grofs.  A.  breit.  R.  in  dem  Zwischenräume 
zwischen  den  B.  und  der  A.  Nur  im  oberen  Schwanzlappen  stehen 
kleine  Strahlen,  an  dem  Rande  der  anderen  Flossen  nicht.  Schup- 
pen mittelmäfsig. 

Vier  Arten  aus  der  Steinkohle  von  Saarbrück,  Lebach,  Börsch- 
weilcr  und  eine  von  Ceara  in  Brasilien,  drei  von  New  Häven  und 
A.  Agassizii  Münsl.  (Ag.  Vol.  2.  p.  105.  tb.  4.  «.  f.  1—8.)  kommt 
im  iMuschelkalkc  von  Espcrstädt  in  Thüringen  vor. 


GLANZ-   ODER  ECKSCHÜPPER. 


137 


t  4.  G.  Palaeoniscus  Ag.  Schildflossenfisch,  (nalaibg,  alt; 
oploKog,  ein  Meerüsch.)  Taf.  VII.  Fig.  24. 

Alle  Flossen  sind  mittelgrofs,  und  an  ihren  Rändern  ste- 
hen kleine  Strahlen.  R.  dem  Zwischenräume  zwischen  den  B. 
und  der  A.  gegenüber.  Schuppen  mittelgrofs.  Immer  liegen  dicke 
ungleiche  Schuppen  vor  der  R.  und  der  A.,  von  der  Gestalt  spa- 
tel-  oder  lanzettförmiger  Schilder.  (Taf.  VII.  Fig.  26.  b.) 

Dreizehn  Arten  aus  der  Steinkohlen-  und  Zechsteinformation. 
Die  Arten  aus  der  ersteren  haben  glatte,  die  aus  der  letzteren 
Formation  gestreifte  Schuppen. 

F.  Freieslebeni  Ag.  Vol.  2.  p.  5  u.  66.  tb.  11  u.  12.  —  Ger- 
mar, Verstein.  d.  Mansfelder  Kupferschiefers,  p.  12  u.  f.  fig.  9  — 14. 
Hiernach  Taf.  VII.  Fig.  26.  a — e.  (i). 

Dieser  in  dem  Kupferschiefer  von  Mansfeld  so  überaus  häufige 
Fisch  wird,  nach  Germar,  gewöhnlich  6  —  7"  lang,  doch  kommen 
auch  kleinere  Exemplare  und  gröfsere  bis  zu  lO"  Länge  vor.  Die 
Länge  des  Kopfes  verhält  sich  zur  Länge  des  Körpers  bis  an  die 
Schwanzspitze  wie  1  ;  4^.  Die  Brustflossen  haben  etwa  i  der  Länge 
des  Kopfes  und  die  Afterflosse  sitzt  genau  in  der  Mitte  zwischen  den 
Bauchflossen  und  der  unteren  Schwanzflosse. 

Die  Augenhöhle  liegt  weit  nach  vorn  über  dem  vorderen  Ende 
des  Oberkiefers,  und  der  Kopf  war  mit  einer  körnigen  Haut  über- 
zogen. Die  Schuppen  bilden  Rhomboide,  die  am  Bauche  und  am 
Rücken  kleiner  sind,  und  am  oberen  Schwanzlappen  zu  spitzen  Rhomben 
werden.  Die  den  Kiemen  zunächst  liegenden  Schuppen  sind  an  ihrer 
vorderen  Seite  mit  ziemlich  kleinen  Furchen  bezeichnet ,  welche 
parallel  den  schmalen  Seiten  des  Rhomboides  und  bis  fast  an  den 
fein  gekerbten  Hinterrand  gehen  (Fig.  26.  «.).  In  der  Mitte  gewahrt 
man  nur  5  —  7  solcher  Furchen,  welche  von  ungleicher  Länge  sind, 
und  näher  dem  Schwänze  bleiben  nur  noch  eine  bis  drei  Furchen 
übrig.  Die  Schuppen  des  oberen  Schwanzlappens  (Fig.  26.  c.)  führen 
gewöhnlich  nur  eine  abgekürzte,  diagonale,  eingedrückte  Linie,  und 
neben  dieser  zuweilen  noch  eine  oder  zwei  kürzere.  Ging  das  Email 
verloren,  so  sieht  man,  wie  jede  Schuppe  in  die  über  ihr  liegende 
gleichsam  eingezapft  war  (Fig.  26.  rf.).  (Germar.) 

Eine  schildförmige  Schuppe  von  den  Flossen  ist  Fig.  26.  b.  dar- 
gestellt. 

P.  e  leg  ans  Sedgw.  vertritt  die  vorige  Art  in  dem  Magnesian- 
Limeslone  Englands. 

F.  macropomus  Ag.  VoL  2.  p.  81.  tb.  9.  f.  6.  7. 


138 


FISCHE, 


Eine  sehr  verlängerte  Form;  der  Körper  verengt  sich  kaum  nach 
hinten.  Der  Kopf  nimmt  ^  der  ganzen  Körperlänge  ein.  Schuppen 
sehr  gleichmäfsig  grofs  und  eben  so  breit  als  hoch.  Flossen  sehr 
klein.  Br.  scheinen  gröfser  und  verhältnifsmäfsig  länger  als  bei  an- 
deren Arten  gewesen  zu  sein.    R.  weit  zurückgestellt. 

In  Thonnieren  (Geoden,  Schwielen)  des  Kupferschiefers  von 
Ilmenau. 

F.  Vratislaeiensis  Ag.  Vol.  2.  p.  60.  tb.  10.  —  Hiernach 
Taf.  VII.  Fig.  25.  a.  b.  (vergröfsert). 

Der  kurze  Körper  verengt  sich  sehr  wenig  nur  bis  zu  dem 
Fufse  des  Schwanzes;  Kopf  verhältnifsmäfsig  klein;  die  B.  nehmen 
nicht  genau  die  Mitte  des  Bauches  ein,  die  R.  steht  dem  Zwischen- 
räume zwischen  den  B.  und  der  A.  gegenüber.  Die  S.  ist  grofs,  be- 
sonders übertreffen  die  Strahlen  des  unteren  Lappens  die  von  anderen 
Arten  an  Gröfse.  Die  fast  platten  Schuppen  behalten  eine  gleiche 
Breite  und  bilden  schiefe  Reihen,  welche  am  Rückenrande  etwas  vor- 
wärts, am  Bauchrande  etwas  rückwärts  gekrümmt  sind. 

Häufig  in  einer  röthlichen  Kalkschicht  des  Rothliegenden  bei 
Ruppersdorf  an  der  schlesisch- böhmischen  Grenze. 

t  5.  G.  Osteolepis  Valenciennes  u.  Pentland.  Pleiopterus  Ag. 
{ooitovj  Knochen;  Xenlg,  Schuppe.) 

Zwei  R.  sind  von  einander  weiter  als  bei  Dipterus  entfernt; 
die  erste  in  der  Mitte  des  Rückens,  die  zweite  in  der  Mitte 
zwischen  dieser  und  dem  Schwänze.  Die  beiden  A.  sind  den  R. 
nicht  gegenübergestellt,  wie  bei  Dipterus^  sondern  sie  wechseln 
mit  jenen  ab,  indem  die  erste  dem  Zwischenräume  zwischen  bei- 
den R.  gegenüber  and  die  zweite  unmittelbar  vor  dem  unteren 
Schwanzlappen  steht.  S.  wie  bei  Palaeoniscus.  Er.  grofs  und 
gerundet.  B.  klein  und  dem  vorderen  Ende  der  ersten  R.  gegen^ 
über.    Schuppen  gröfser  als  bei  Palaeoniscus. 

0.  macrolepidotus  und  0.  microlepidotus  Val.  u.  Pentl.,  sind  häufig 
in  den  Schiefern  von  Caithness  und  Pomona  (welche  wahrscheinlich 
alter  als  die  Steinkohle  sind),  eine  dritte  Art  kommt  in  Nieren  von 
Gamrie  vor. 
• 

t  6.  G.  Pierichihys  Ag.  {nxiQov,  Flügel;  i/ßvg,  Fisch.) 
Mit  acht  Arten  aus  dem  alten  rothcn  Sandsteine  (Old-red  Sandstone). 

t  7.  G.  Coccosleus  Ag.  (xoxxog,  Beere;  oarlov^  Knochen.) 
Mit  drei  Arten  ebendaher. 


GLANZ-    ODER  E€KSCHUPPER. 


139 


t  8.  G.  Chelotiichthys  Ag,  (xilwvrj,  Schildkröte;  l/ßvg,  Fisch.) 
Mit  zwei  Arten  aus  dem  alten  rothen  Sandsteine  von  Riga, 
t  9.  G.  Cephalaspis  Ag.  (yti(faXri,  Kopf;  aomg,  Schild.) 

Vor  allem  merkwürdig  durch  seinen  Kopf,  welcher  ein  gro- 
fses  breites  Schild  bildet,  dessen  Seiten  sich  nach  hinten  wie  die 
Hörner  des  zunehmenden  Mondes  verlängern.  Der  ganze  Kopf 
scheint  wegen  der  dichten  Stellung  seiner  Knochen  aus  einem 
einzigen  Stücke  zu  bestehen.  Zwei  kleine,  nach  oben  gewendete 
Augen  stehen  ziemlich  in  der  Mitte  dieses  Schildes.  Verhältnifs- 
mäfsig  viel  weniger  dick  ist  der  Körper.  Der  Rücken  ist  ge- 
wölbt und  nach  dem  Nacken  hin  stärker  erhoben.  Der  Schwanz 
ist  sehr  verengt  und  verlängert  sich  in  einen  langen  Fufs,  der 
die  S.  trägt.  Von  den  beiden  R.  erkennt  man  nur  die  Basis  der 
vorderen  Strahlen  deutlich;  die  erste  steht  unmittelbar  hinter  dem 
Nacken  und  breitet  sich  bis  zur  Mitte  des  Rückens  aus,  die  zweite 
steht  ganz  am  Fufse  des  Schwanzes.  Die  A.  ist  sogar  noch  etwas 
weiter  zurückgestellt. 

Alle  Arten  dieser  Gattung  sind  im  alten  rothen  Sandsteine  von 
England  und  Schottland  gefunden  worden. 

t  10.  G.  Cheiracanthus  Ag.  {/^tQ,  Hand;  ay.avd^a,  Stachel.) 

Ihr  ganzer  Körper  ist  mit  sehr  kleinen  Schuppen  bedeckt, 
ähnlich  wie  Acanthodes^  womit  überhaupt  eine  grofse  Aehnlichkeit 
obwaltet.  Die  Er.,  B.,  R.  und  A.  werden  ebenfalls  durch  einen 
dicken,  dornigen  Stachel  unterstützt,  allein  die  R.  steht  in  der 
Mitte  des  Rückens,  dem  Zwischenräume  zwischen  den  B.  und  der 
A.  gegenüber. 

Mehrere  Arten  im  alten  rothen  Sandsteine. 

t  11.  G.  Cheirolepis  ixiiQ,  Hand;  Imig,) 

Durch  Kleinheit  der  Schuppen  der  vorigen  Gattung  gleich, 
durch  die  Flossenbildung  aber  davon  unterschieden.  Ihre  Stellung 
ist  etwa  so  wie  bei  Acanthodes,  Die  weit  zurückgestellte  R.  ist 
gegenüber  der  A.,  die  B.  in  der  Mitte  zwischen  Br.  und  A.  Alle 
diese  Flossen  bestehen  aus  sehr  dünnen,  wiederholt  tief  gabeligen, 
knochigen  Strahlen,  wodurch  diese  Gattung  sich  von  Cheiracan- 
thus und  Acanthodes  hinlänglich  unterscheidet.  S.  wie  bei  Fa- 
laeoniscus.    Rachen  grofs.    Zähne  im  Allgemeinen  sehr  klein. 

Drei  Arten  im  alten  rothen  Sandsteine. 


J40 


FISCHE. 


t  12.  G.  Diplacanthus  Ag.  (ömloog,  doppelt;  äxavO^u/  1 

Stachel.) 

Vier  Arten  im  alten  rothen  Sandsteine, 
t  13.  G.  Coccolepis  Ag.  (xoxxog^  Beere;  lenig.) 

C,  Bucklandi  Ag.,  ein  kleiner  Fisch,  kommt  als  Heterocerce 
ausnahmsweise  in  der  Juraformation,  und  zwar  bei  Solenhofen,  vor. 
Sein  Körper  ist  mit  sehr  kleinen,  regelmäfsigen,  einförmigen  Schup- 
pen bedeckt,  welche,  unter  der  Lupe  betrachtet,  eine  sehr  feinkörnige 
Structur  zeigen.  R.  ist  sehr  grofs  und  vertical  nach  hinten  zu  ab- 
geschnitten, wodurch  sie  eine  dreieckige  Form  erhält.     Sehr  selten. 

t  14.  G.  Plectrolepis  Ag.  (nX^xr^ov;  Xemg,) 

B.    Körper  platt  und  breit 
a.  Heterocerci. 

t  15.  G.  Platysomus  Ag.  (nXuTvg,  breit;  owfia^  Körper.) 
(Stromateus  Blainv.  z.  Th.) 

Der  platte  Körper  ist  sehr  erhoben  und  kurz.  Zähne  bür- 
stenförmig.  Der  obere  Schwanzlappen  ist  sehr  verlängert  und  trägt 
am  Rande  kleine  Strahlen.  R.  und  A.  einander  gegenüber  und 
von  der  Mitte  des  Körpers  bis  zu  der  Verengung  des  Schwanzes 
gehend.    Br.  klein. 

Fünf  Arten  in  der  Zechsteinformation. 

P.  gibbosus  Ag.  Vol.  2.  p.  164.  tb.  15.  f.  1 — 4.  —  Germar, 
Verst.  des  Mansf.  Kupfersch.  p.  25. 

Körper  eirund,  stark  zusammengedrückt,  ohne  Kopf  und  Schwanz 
ebenso  hoch  als  lang.  Br.  klein  und  dicht  an  dem  Hinlerrande  der  Kie- 
mendeckel, dem  unteren  Rande  nahe.  B.  ?  A.  und  R.  einander  gegen- 
über, beide  bei  f  des  Körpers  beginnend  und  bis  an  den  Schwanz 
fortsetzend.  S.  gabelförmig.  Die  Schuppen  bilden  lang  gestreckte 
Rhomboide,  deren  Oberfläche  mit  feinen,  dichtstehenden,  wellenförmigen, 
parallelen,  ziemlich  diagonalen  Linien  besetzt  ist.  Der  Körper  bildet 
bei  den  Rückenflossen  eine  vorstehende  Ecke,  hinter  welcher  er  nach 
dem  Schwänze  zu  steil  abfällt  (nach  Germar).  Er  wird  bis  zu  8" 
lang  und  findet  sich,  immer  auf  der  Seite  liegend,  nicht  selten  in 
dem  Kupferschiefer  von  Mansfeld. 

P.  rhombus  Ag.,  der  mit  ihm  zusammen,  jedoch  seltener,  vor- 
kommt, unterscheidet  sich  von  ihm  durch  gleichmäfsige  Wölbung  des 
Rückens  und  schmale  lanzettförmige  Brustflossen ,  welche  länger  als  in 
der  vorigen  Art  sind. 


i 


GLANZ-    ODER  ECKSCIIüPPER. 


141 


f  16.  G.  Gyrolepis  Ag.  (yi^Qog,  rund;  Unig.) 

Diese  dem  Muschelkalke  eigene  Gattung  ist  nur  nach  ihren 
Schuppen  hestimmt,  welche  auf  der  Oberfläche  durch  ihre  An- 
wachsstreifen concentrische  Vorsprünge  machen. 

G.  tenuistriatus  kg.  Vol.  2.  p.  174.  tb.  19.  —  Taf.  VII.  Fig.  27. 

Die  Schuppen  sind  etwas  länger  als  breit,  wenig  schiefwinkelig 
und  mit  genäherten  feinen,  oft  in  einander  tliefsenden  und  gabelnden, 
fast  diagonalen  Streifen  bedeckt. 

Häufig  in  den  oberen  Schichten  des  Muschelkalkes  von  Rüders- 
dorf bei  Berlin,  Mattstedt  bei  Jena,  bei  Rottweil,  Rietheim,  Biberfeld 
und  Bayreuth,  bei  Tarnowitz  in  Schlesien,  Luneville  in  Frankreich  und 
in  der  Knochenbreccie  an  der  Mündung  der  Axe  in  England. 

G,  Albertii  Ag.  Vol.  2.  p.  173.  tb.  19. 

Der  emailirte  Theil  ist  fast  gleichseitig  und  fast  rechtwinkelig. 
Mehrere  Falten  laufen  darauf  schief  von  dem  Vorderrande  nach  dem 
Hinterrande. 

Noch  häufiger  im  Muschelkalke,  sowohl  mit  voriger  Art  zusam- 
men, als  auch  in  tieferen  Schichten. 

t  17.  G.  Eurynotus  Ag.  (tvQvg,  breit;  vwiog^  Rücken.) 

Durch  die  Form  des  Körpers  und  der  R.  nähert  sich  diese 
Gattung  mehr  den  platten  Formen,  durch  die  paarigen  Flossen  in- 
dessen Amblypterus.  Die  R.  nimmt  den  ganzen  Rücken  ein  und 
ihre  vorderen  Strahlen  sind  sehr  verlängert.  A.  gegenüber  dem 
hinteren  Theile  der  R.,  und  auch  ihre  ersten  Strahlen  sind  viel 
länger  als  die  folgenden.  S.  weniger  stark  entwickelt.  B.  sehr 
grofs  und  in  der  Mitte  des  Hinterleibes.  Er.  noch  gröfser,  bis 
zu  den  B.  ausgebreitet.  Die  paarigen  Flossen  haben  jedoch  we- 
niger Strahlen  als  bei  Amblypterus.  Kopf  klein  und  die  Kinnladen 
Vfiit  ^elir  kleinen  stumpfen  Zähnen.  .  , 

Eine  Art  im  bunten  Sandsteine  von  Sunderland  in  Massachuseil», 
die  beiden  anderen  von  New-Hawen  und  Burdie-House. 

b.  Homocerci. 

t  18.  G.  Tetragonolepis  Bronn.  (rerQdywvog ^  viereckig;  Xfmg.) 

Körper  flach,  sehr  erhoben  und  kurz.  R.  und  A.  einander 
gegenüber,  von  der  Mitte  bis  zu  der  Verengung  des  Schwanzes 
sich  ausbreitend.  Br.  und  B.  klein.  S.  viereckig.  Zähne  keu- 
lenförmig abgerundet  und  in  einer  Reihe. 

Ein  und  zwanzig  Arten,  meist  aus  dem  Lias. 


142 


FISCHE. 


T,  momlifer  Ag.  Vol.  2.  p.  212.  tb.  21.  a.  f.  2  —  5.  Hier- 
nach Taf.  VII.  Fig.  23.  a.  b.  Schuppen  von  dem  vorderen  Theile 
des  Rumpfes. 

Aus  dem  Lias  von  England. 

t  19.  G.  Dapedius  de  la  Beche.  (Sdntöov^  Fufsboden.) 

Zähne  in  einer  einzigen  Reihe,  an  ihrer  Spitze  ausgezackt. 
R.  beginnt  nahe  dem  Nacken.  A.  kürzer,  ein  wenig  zurück- 
gestellter und  kleiner.    S.  gabelförmig,  sehr  klein.    Br.  gröfser. 

Zwei  Arten  aus  der  Juraformation. 

t  20.  G.  D  ory  opterus  Germar.  {66qv,  Speer;  mtgov^  Flügel.) 

D.  Hoffmanni  Germar,  Münst.  Beitr.  z.  Petref.  Hft.  5.  p.  35. 
tb.  14.  f.  4. 

Dieser  Fisch,  an  welchem  weder  Schuppen  noch  Zähne  deut- 
lich zu  erkennen  sind,  hat  zur  Zeit  im  Systeme  noch  eine  un- 
sichere Stellung.  Es  lassen  sich,  nach  Germar,  an  ihm  jedoch 
folgende  Gattungscharaktere  erkennen:  ein  in  der  Seitenansicht  ei- 
runder, an  den  Seiten  flacher  Körper,  mit  deutlichem  Knochen- 
skelett, eine  sehr  hohe  spiefsförmige  Rückenflosse;  in  der  Mitte 
der  Höhe  des  Körpers  hinter  den  Kiemendeckeln  sitzende  Brust- 
flossen; kleine,  schmale,  in  der  Mitte  des  Bauches  befindliche  Bauch- 
flossen und  eine  gabelförmige,  gleichlappige  Schwanzflosse. 

Die  Art  war  3''  7'"  lang  und  kam  aus  dem  Kupferschiefer  von 
Eislehen, 

2L  G.  Amhlyurus  Ag,  (^u/jßXvg^  stumpf;  ovqu^  Schwanz.) 

Durch  Form  des  Kopfes  und  der  S.  nähert  er  sich  dem  Tetra- 
gonolepis^  während  die  anderen  Flossen,  so  wie  die  Form  der 
Kiefern  und  Zähne  mehr  mit  Semionotus  übereinstimmen.  R.  lang, 
gegenüber  den  B.  A.  klein  und  schmal.  S.  breit  und  abgestutzt. 
Der  Körper  ist  breit  und  flach,  der  Rachen  weit  aufgerissen  und 
mit  kleinen  spitzen  Zähnen  bewaffnet.    Die  Kiefern  sind  schmal. 

Eine  Art  aus  dem  Lias  von  Lyme  Regis. 

C,  Körper  verlängert  und  spindelförmig,  Schwanz  gabelförmig 
oder  abgerundet. 

Sie  sind  alle  Homocercen. 

t  22.  G.  Semionotus  Ag.  (o7]f.uTov^  Fahne;  vwwg,  Rücken.) 

Kopf  verlängert.  Kiefern  mit  feinen  bürstenförmigen  Zähnen. 
Die  lange  R.  beginnt  etwas  vor  den  B.  und  breitet  sich  bis  der 
A.  gegenüber  aus.   Br.  mittelmäfsig.   B.  klein.   A.  verlängert  und 


GLANZ-    ODER  ECKSCHÜPPER. 


143 


zugespitzt.  S.  gabelförmig.  Der  obere  Schwanzlappen  ist  der 
gröfsercy  allein  die  Strahlen,  welche  ihn  bilden,  sind  alle  auf 
dem  letzten  Schwanzwirbel  befestigt  und  unter  sich  parallel.  Die 
Schuppen  verlängern  sich  nur  auf  den  äufseren  Strahlen  des  obe- 
ren Lappens,  welche  zugleich  die  gröfsten  in  dieser  Flosse  sind. 
Kleine  Strahlen  auf  den  äufseren  vorderen  Strahlen  der  Flossen. 

Unter  sechs  Arten,  welche  meistens  aus  dem  Lias  stammen,  kommt 
S.  Bergeri  Ag.  (Vol.  2.  p.  224.  tb.  26.  f.  2.  3.  —  Palaeoniscum 
arenaceum  Berger,  Verslein,  der  Coburger  Gegend)  im  Lias  der  Um- 
gegend von  Coburg  vor. 

t  23.  G.  Pentrolepis  Ag. 
<     t  24.  G.  Lepidotus  Ag.  (UmScDTog^  schuppig.) 

Taf.  VIL  Fig.  21.  Zaline  von  L.  MantelUi  Ag. 

R.  gegenüber  dem  Anfange  der  A.  und  beide  von  gleicher 
Form.  S.  gabelförmig,  der  obere  Lappen  ein  wenig  gröfser.  Br. 
und  B.  mittelgrofs.  Kleine  Strahlen  am  vorderen  Rande  aller 
Flossen.    Zähne  stumpf. 

Unter  ein  und  zwanzig  Arten  gehören  die  meisten  der  Jura- 
formation, einige  der  Kreideformation  und  dem  Grobkalke  an. 

t  25.  G.  Pholidophorus  Ag.  (cfoXig^  Schuppe;  (fO(jia)y 
ich  trage.) 

Körper  verlängert.  R.  gegenüber  den  B.  und  klein.  S. 
gabelförmig,  gleichlappig.  Die  Schuppen  breiten  sich  ein  wenig 
noch  auf  dem  Anfange  des  oberen  Schwanzlappens  aus.  Zähne 
bürstenförmig. 

Viele  Arten  im  LiaS  von  Seefeld  und  im  Schiefer  von  Solenhofen. 

t  26.  G.  Nothosomus  Ag.  (lo^o^,  unächt;  oojf.ia^  Körper.) 
Eine  Art. 

t  27.  G.  Ophiopsis  Ag.  (ocpig,  Schlange;  oiptg^  Gesicht.) 

,^  Bei  einer  übrigens  grofsen  Aehnlichkeit  mit  Pholidophorus 
sind  die  Lappen  der  S.  sehr  ungleich.  Die  lange  R.  nimmt  die 
halbe  Länge  des  Rückens  ein.  Die  rhomboidalen  Schuppen  sind 
auf  dem  ganzen  Körper  sehr  regelmäfsig,  und  ihre  Oberfläche  ist 
glatt.  Das  Skelett  ist  ziemlich  stark.  Die  kleinen  kegelförmigen 
Zähne  im  Rachen  sind  verhältnifsmäfsig  gröfser  als  bei  den  Pho- 
lidophoren. 

Drei  Arten  in  der  Juraformation. 


144 


FISCHE. 


t  28.  G.  Microps  Ag.  (f^rxQogy  klein;  a>i//,  Auge.) 

Unterscheidet  sich  von  Pholidophorus  nur  durch  die  ganz  re- 
gelmäfsige  Form  der  Schuppen  an  der  Basis  der  S.  Zähne  bür- 
stenförmig.  ••  '''^-^ 

M.  fnrcatus  Ag.  im  Lias  von  Seefeld. 

"  f  29.  G.  Notagogus  Ag.  (vwzog^  Rücken;  dyaiybg^  Führer.) 

Die  Strahlen  der  kleinen  Seitenzwischenfortsätze  des  Rückens 
bilden  zwei  bestimmte  Flossen.    Zähne  bürslenförmig. 

Unter  den  vier  Arten  kommen  zwei  in  dem  lithographischen 
Schiefer  von  Solenhofen  (iV.  ZietenU  Ag.)  und  Kehlheim  (iV.  denticu- 
latus  Ag.)  vor. 

t  30.  G.  Propterus  Ag.  (jiqo,  vor;  njtQov^  Flügel.) 

Diese  Gattung  unterscheidet  sich  von  Notagogus  dadurch,  dafs 
die  Strahlen  der  ersten  R.,  besonders  die  ersten,  viel  länger  als 
die  der  zweiten  sind.  Das  Skelett  ist  knochig  und  stark,  die 
Wirbel  sind  dick  und  kurz,  d.  h.  viel  höher  als  lang.  Die  A.  liegt 
ein  wenig  hinter  der  zweiten  R.  und  die  B.  sieht  man  dem  Ende 
der  ersten  R.  gegenüber.    S.  schlank. 

Zwei  Arten  in  Kehlheim. 

S.  Fam.  Sauro'ides  Ag. 

(oavQogy  Eidechse;  ilöog^  Art.) 

Zähne  kegelförmig  und  spitz,  mit  kleinen  bürstenförmigen  Zäh- 
nen abwechselnd.  Flache,  rhomboidale  Schuppen  laufen  parallel 
dem  Körper,  welcher  ganz  damit  bedeckt  wird.    Skelett  knochig. 

A.  Heterocerci. 

Mit  verlängertem,  spindelförmigem  Körper.  Sie  sind  alle  älter 
als  die  Juraformation. 

t  1.  G.  Diplopterus  Ag.  (ömXoog^  doppelt;  7rT«()öV,  Flügel.) 

Zwei  R.  stehen  zwei  ähnlichen  A.  gegenüber,  wie  bei  Dipterus. 
Der  Schwanz  ist  sehr  grofs.  Kiefern  mit  dicken  konischen  Zähnen. 
.,  _  ^wei  Arten  1^1  djBr  Steinkohlenformation,  drei  im  alten  rothen 
Sändsteine  Englands^       '  ,    „  . 

t  2.  G.  Megalichthys  Ag.  Vol.  2.  P.  %  p.  89.  154. 

(jÄtyag^  grofs;  l/ßvg^  Fisch.) 
Eine  Art  aus  dem  alten  rothen  Sandsteine  und  zwei  Arten  aus 
der  Stcinkohlcnformation ,  mit  riesenmäfsigen  Zähnen  und  Schuppen  wie 
in  der  folgenden  Gattung. 


GLANZ-    ODER  ECKSCHÜPPER. 


145 


f  3.  G.  Platygnathus  Ag.  {nXuivgj  breit;  yvu&og^  iCiefer.) 
Mit  drei  Arten  aus  dem  alten  rothen  Sandsteine, 
t  4.  G.  Dendrodus  Owen.  Ag.  {devS^ov^  Baum;  Söovg^  Zahn.) 
Ebendaher. 

t  5.  G.  Lamnodus  Ag.  (Lamna;  oöovg^  Zahn.) 
Mit  zwei  Arten  im  alten  rothen  Sandsteine  von  Riga, 
t  6.  G.  Cricodus  Ag.  (xQixog^  Ring;  oöovgy  Zahn.) 
Mit  einer  Art  ebendaher, 
t  7.  G.  Py gopterus  Ag.  (iwy^^  After;  nreQov,  Flügel.) 

A.  sehr  verlängert.  R.  dem  Zwischenräume  zwischen  A.  und 
B.  gegenüber.  Der  Oberkiefer  überragt  den  Unterkiefer.  Kleine 
Strahlen  längs  der  äufseren  Strahlen  der  Flossen. 

Einige  Arten  gehören  der  Steinkohlenformation,  einige  der  Zech- 
steinformation an. 

F.  Humboldli  Ag.  Vol.  2.  P.  2.  p.  74.  tb.  54.  55.  —  Germar, 
Verstein.  d.  Mansfelder  Kupfersch.  p.  22. 

Er  wird  bisweilen  über  2'  lang  und  ist  die  gröfsle  Fischart  des 
Kupferschiefers.  Nach  Germar  erkennt  man  ihn  leicht  an  der  deut- 
lichen Wirbelsäule,  an  einer  fast  bis  zu  der  Schwanzflosse  sich  fort- 
ziehenden Afterflosse  und  an  der  der  A.  fast  gerade  gegenüberstehen- 
den R.  Die  rhombischen,  verhältnifsmäfsig  kleinen  Schuppen  sind  glatt. 
Im  Unterkiefer  stehen  etwa  eine  Linie  lange,  kegelförmige  Zähne. 

Im  Kupferschiefer  von  Mansfeld,  Nendershausen,  Rigelsdorf  und 
Glücksbrunn  '•■'). 

t  8.  G.  Acrolepis  Ag.  (äxQogj  der  höchste;  lemg^  Schuppe.) 

A.  kurz.    Jede  Schuppe  wird  von  einem  Kegel  überlagert. 

A.  S edgewicki  Ag.  im  Magnesian  Limestone  von  East-Thickley. 

A»  asper  Ag.  Vol.  2.  P.  2.  p.  81,  oder  Palaeoniscus  Dun 
keri  Germar,  Verst.  d.  Mansf.  Kupfersch.  p.  19.  f.  1  —  5.  —  Kurtze, 
Commentatio  de  Fetrefactis,  Halae^  1839. 

Eine  grofse  Art,  welche  2^'  lang  werden  mochte,  sehr  ausge- 
zeichnet durch  ihre  Schuppen,  welche,  nach  Germar,  mit  hohen,  ge- 


*)  Das  mineralogische  Museum  in  Halle  besitzt  von  dieser  grofsen  Art 
Rippen,  Schuppen  und  Zähne.    Vielleicht  gehören  derselben  auch  die  lang- 
gezogenen Körper  im  Kupferschiefer  an,  >velche  an  Schuppen  und  Kräten  so 
reich  sind  und  welche  die  Exkremente  gerade  dieser  Art  gewesen  sein  mochten. 
Geinitz,  Versteineniiigskunde.  10 


146 


FISCHE. 


schlängelten,  hier  und  da  verästelten,  glatten,  diagonal  laufenden  Run- 
zeln bedeckt  sind,  die  durch  tiefe  Furchen  gebildet  werden. 
Im  Mansfelder  Kupferschiefer. 

i  9.  G*  Saurichlhys  Ag.  (oavQog^  Eidechse;  Ix^vg^  Fisch.) 

Man  kennt  davon  nur  Bruchstücke  von  Köpfen,  und  Agassiz 
stellt  diese  Gattung,  welche  durch  ihre  Zähne  einen  förmlichen 
Uebergang  von  den  Fischen  zu  den  Sauriern,  mit  welchen  sie 
auch  früher  vereinigt  wurde,  macht,  nach  mikroskopischen  Be- 
obachtungen darüber,  zu  den  Heterocercen  der  Sauroiden.  Die 
Zähne  sind  längsgefaltet,  wie  Eidechsenzähne,  und  stehen,  wie 
diese,  in  Fugen. 

S.  tenuirostris  Münst.  Beiträge  zur  Petrefactenkunde,  Hft.  1. 
tb.  U  f.  3.  —  Hiernach  Taf.  VII.  Fig.  22.  (Kiefer).  —  Ag.  Vol.  2. 
P.  2.  p.  88. 

Das  Köpfchen  war  in  eine  lange,  schmale  Schnauze  verlängert 
und  mit  einer  fein  gekörnelten  Haut  bedeckt  (Fig.  22.  a.  vergröfsert). 

S.  apicalis  Münst.  (Beitr.  z.  Petr.  Hft.  1.  tb.  14.  f.  1.  2.  — 
Ag.  Vol.  2.  P.  2.  p.  85.)  ist  wenig  davon  vesschieden.  Auf  dem 
langen,  schmalen  Kiefer  stehen  in  unregelmäfsiger  Entfernung  abwech- 
selnd kleinere  und  gröfsere  kegelförmige  Zähne,  welche  ein  wenig 
rückwärts  gekrümmt,  leicht  zusammengedrückt,  an  ihrer  Basis  gefaltet 
und  an  ihrem  mit  Email  bedeckten  Scheitel  glatt  sind. 

Beide  Arten  im  Muschelkalke  von  Bayreuth,  bei  Esperstädt  und 
im  Saurier -Dolomit  des  Muschelkalkes  bei  Jena. 

t  10.  G.  Graptolepis  Ag.  (yQanTog,  geschrieben;  Xtnig.) 

Ist  nur  nach  Schuppen  bestimmt. 

t  11.  G.  Orognathus  Ag.  C'^Qog,  Berg;  yrdd^og,  Kiefer.) 

t  12.  G.  Pododus  Ag.  (novg,  Fufs;  odovg,  Zahn.) 

Beide  Gattungen  sind  nur  nach  Kieferfragmenten  bestimmt. 

Alle  drei  stammen  aus  der  Steinkohltjnformation. 

B.  Homocerci. 

Mit  verlängertem,  spindelförmigem  Körper. 

a.    Schwanzflosse  gabelförmig. 

t  13.  G.  Eugnathus  Ag.  (f^,  gut;  yvd&og^  Kiefer.) 

Diese  Gattung  vertritt  in  der  Juraformation  Pygopterus  und 
Acrolepis  der  älteren  Formationen,  von  welchen  sie  im  Allgemei- 
nen die  Gestalt  und  Stellung  der  Flossen  hat.    Auch  ist  die  S. 


GLANZ-    OJHER  ECKSCHüPPKR. 


147 


ungleichlappig,  indem  der  obere  Lappen  mehr  zurückgestellt  ist 
als  der  untere,  indessen  gehört  sie  doch  zu  den  Homocercen. 
Die  Flossen  sind  grofs,  die  Schuppen  bilden  breite  Rhomben, 
sind  gefurcht  und  am  Hinterrande  alle  eigenthümlich  gezähnelt. 
Der  Zahnapparat  ist  bei  ihnen  sehr  entwickelt  und  zeigt,  dafs 
diese  Fische  Fleischfresser  waren.  Man  findet  sehr  grofse  und 
kleinere  kegelförmige  Zähne.  Die  gröfsten  stehen  vorzüglich  in 
Mitte  des  Unterkiefers.   Die  Schnauze  ist  in  eine  Spitze  verlängert. 

Die  Arten  herrschen  im  Lias  vor,  einige  finden  sich  in  höheren 
Schichten  der  Juraformation. 

t  14.  G.  Conodus  Ag.  (xwvog,  Kegel;  oSovg^  Zahn.), 

mit  der  einzigen  Art,  C.  ferox  Ag.  aus  dem  Lias  von  Lyme 
Regis,  weicht  von  Eugnathus  nur  durch  einige  Eigenthümlichkeiten 
in  dem  Zahnapparate  ab. 

t  15.  G.  Ptycholepis  Ag.  (nrvxrj,  Falte;  Itnlg.) 

Nahe  verwandt  mit  Eugnathus.  Der  Kopf  ist  jedoch  kür- 
zer und  die  Zähne  sind  zwar  ebenso  dick  und  kegelförmig,  je- 
doch viel  weniger  unregelmäfsig.  Die  S.  ist  viel  schlanker,  ihre 
Strahlen  sind  sehr  dünn;  und  die  R.  steht  mehr  nach  vorn  als 
nach  hinten. 

F.  hollensis  Ag.,  aus  dem  Lias  von  Boll  und  Lyme  Regis,  ist 
die  einzige  Art. 

t  16.  G.  Caturus  Ag.,  früher  Uraeus  Ag.  (xura),  unterhalb; 

ovQUy  Schwanz.) 

Sehr  regelmäfsige  Fische,  welche  sich  der  vorigen  Gattung 
durch  ihre  untersetzte  Gestalt  und  die  Schwäche  der  Schuppen 
nähern.  Die  S.  ist  grofs,  gleichlappig,  eckig  und  breit  aus- 
gerandet ;  ihr  erster  Strahl  ist  bis  an  sein  Ende  mit  kleinen 
Stützen  versehen.  R.  weit  vorn,  gegenüber  den  B. ,  von  mittler 
Gröfse  wie  die  B.  und  A.  Die  Br.  sind  kleiner  als  bei  Pachy- 
cormus.    Kiefern  mit  dicken,   gedrängten  Kegelzähnen  bewaffnet. 

Elf  Arten  in  der  Juraformation,  besonders  in  ihrer  oberen  Ab- 
theilung. 

t  17.  G.  Pachy  cormus  Ag.  (nuyvg^  dick;  xoQfiög,  Stamm.) 

Körper  in  der  Mitte  sehr  aufgequollen.  S.  sehr  breit.  Br. 
grofs.    R.  den  B.  gegenüber.     Schuppen  sehr  dünn. 

Mehrere  Arten  in  der  Juraformalion,  besonders  im  Lias. 

10- 


148 


FISCHE. 


i  18.  G.  Amhlysemius  Ag.  {ä/nßXvgf  stumpf;  orji.ta,  Fahne.) 

Die  Fische  dieser  Gattung  waren  dünnleibiger,  ihre  Wirbel 
weniger  stark  und  deren  Dornfortsätze  dünner  als  bei  Caiurus. 
Das  Ende  der  Wirbelsaule  sehr  erhoben.  Die  S.  regelmäfsig  ga- 
belförmig.   Die  R.  ist  die  breiteste  von  allen  Flossen. 

Eine  Art  in  den  Oolithen  Englands. 

t  19.  G.  Sauropsis  Ag.  {oav^og^  Eidechse;  oipig,  Gesicht.) 

Wirbel  sehr  kurz  (nicht  halb  so  lang  als  hoch)  und  sehr 
zahlreich  {S,  longimanus  Ag.  mit  etwa  140).  Schuppen  aufser- 
ordentlich  klein.  Br.  sehr  entwickelt.  B.  in  der  Mitte  des  Bauches. 
Eine  kleine  R.  steht  der  A.  gegenüber;  letztere  ist  breit  und  zieht 
sich  bis  zu  dem  Anfange  des  Schwanzes.  Die  S.  ist  gleichlappig, 
sehr  breit  und  gabelförmig.  Der  kurze  dicke  Kopf  trägt  auf  sei- 
nen Kinnladen  sehr  scharfe,  entfernte  Kegelzähne. 

Drei  Arten  in  der  Juraformation. 

t  20.  G.  Thrissops  Ag.  {Thrissa;  Si%\j ^  Auge,  Gesicht.) 

Von  der  Form  eines  Härings,  mit  grofsen  und  dünnen  Schup- 
pen. R.  klein  und  gegenüber  der  sehr  langen  A.  S.  gabelförmig. 
Die  Wirbel  sind  fast  eben  so  lang  als  hoch.  Ihr  Anzahl  über- 
schreitet nicht  60.  Es  kommen  Formen  mit  sehr  breiter  und  tief 
ausgeschnittener  S.  vor,  mit  sehr  langen  Rippen  und  Fortsätzen, 
und  grofsen  dünnen  Schuppen,  welcher  höher  als  lang  sind.  Alle 
Arten  von  Solenhofen  gehören  hierher.  Andere  haben  eine  viel 
kleinere  und  wenig  ausgezackte  S.  Die  R.  entspricht  der  Mitte 
der  A.  Schuppen  klein  und  dick.  Ihr  Leib  ist  weniger  aufge- 
quollen. 

Die  Arten  sind  alle  jurassisch. 

t  21.  G.  Thrissonotus  Ag.  {Thrissa;  nozog,  Rücken.) 

Von  dem  Ansehen  der  Pachycormen,  steht  es  in  mehreren 
Hinsichten  zwischen  Sauropsis  und  Thrissops.  R.  in  der  Mitte 
des  Rückens.    A.,  wie  bei  Thrissops^  verlängert. 

T.  Colei  von  Lyme  Regis  ist  die  einzige  Art. 

t  22.  G.  Leptolepis  Ag.  {Xembg^  dünn;  }^e7iig,  Schuppe.) 
Taf.  VII.  Fig.  28.   Nach  Agassiz. 

Schuppen  sehr  dünn.  R.  gegenüber  den  B.  S.  gabelförmig. 
Rachen  aufgerissen.  Kiemendeckel  breit.  Unterkiemendeckel  grofs, 
was  beweist,  dafs  diese  Fische  keine  Häringe  waren.  Bürsten- 


-I 


GLANZ-    ODER  ECKSCIIÜPFER. 


149 


förmige  Zähne  im  vorderen  Theile  der  Kiefern,  gröfsere  weiter 
hinten. 

Alle  Arten  in  der  Juraformalion,  am  häufigsten  in  der  oberen 
Abtheilung  derselben. 

L.  sprattiformis  Ag.  Vol.  2.  Part.  2.  p.  130.  Ib.  61.  a.  f.  1. 
—  Clupea  sprattiformis  de  Blainville. 

Ein  kleiner,  3  —  4"  langer  Fisch,  von  der  Form  der  Anchovis, 
welcher  sehr  häufig  in  dem  lithographischen  Schiefer  von  Solenhofen 
und  Pappenheim  ist.  Der  Kopf  nimmt  etwa  ein  Viertheil  der  ganzen 
Körperlänge  ein;  die  Augenhöhle  ist  sehr  grofs,  die  Wirbel  (42)  sind 
dick  und  kurz.     Rückenflossen  ziemlich  verlängert. 

Die  unter  dem  Namen  Lumhricaria  früher  zu  den  Wür- 
mern gestellten,  in  einander  geschlungenen  Röhren  (Taf.  XVI. 
Fig.  26.)  sind  nach  Agassiz,  welcher  dieselben  öfters  in  der  Bauch- 
höhle zwischen  den  Rippen  mehrerer  Thrissops-  und  Leptolepis  -  Ar- 
ien gefunden  hat,  wirkliche  Fischdarme,  und  er  nennt  sie  daher 
Cololithen'-'), 

t  23.  G.  Aspidorhynchus  Ag.  (uanig,  Schild;  Qvy/og,  Schnabel.) 

Im  Allgemeinen  sehr  verlängerte  Fische.  Der  Oberkiefer  über- 
ragt den  Unterkiefer  bedeutend  und  bildet  einen  langen  Schnabel. 
Br.  und  V.  gerundet.  R.  weit  zurückgestellt  und  gegenüber  der 
A.  S.  gabelförmig.  Die  Schuppen  sind  sehr  grofs  und  oft  doppelt 
so  hoch  als  lang.  In  beiden  Kiefern  stehen  ungleich  grofse  ke- 
gelförmige Zahne. 

Mehrere  Arten  Iheils  in  der  Jura-,  Iheils  in  der  Kreideformalion, 
die  meisten  im  lithographischen  Schiefer  von  Solenhofen  und  Kclheim. 

t  24.  G.  Belonostomus  Ag.  {ßtlovrj,  Spitze;  oio^ia^  Mund.) 

Etwas  mehr  verlängert  als  die  Arten  der  vorigen  Gattung; 
beide  Kiefern  sind  aber  gleich  lang  und  der  obere  ist  ohne  eine 
Auszackung,  in  welche  sich  der  unlere  einlegen  könnte.  Der 
Rachen  ist  tief  gespalten.  Kiefern  mit  sehr  scharfen,  ungleich 
grofsen  Zähnen.  Augenhöhleu  sehr  grofs.  Wirbel  länger  als  in 
Aspidorhynchus, 

Man  findet  die  Arten  von  dem  Lias  an  bis  zu  der  Kreide. 

t  25.  G.  Saurostomus  Ag.  (oavQog,  Eidechse;  (rro/m,  Mund.) 

S.  esocinus  Ag. ,  die  einzige  Art,  hat  einen  verlängerten  Unter- 
kiefer mit  dreieckigen,  zusammengedrückten  und  schneidenden  Zähnen. 

Im  Lias  des  badener  Oberlandes. 


)  Agastsiz  in  Buckland's  Geologie  und  Mineralogie,  1838.  2.  Bd.  PI.  15. 


150 


FISCHE. 


b.    Schwanzflosse  gerundet, 
t  26.  G.  Megaltirns  Ag.  (fityag^  grofs;  ovqu^  Schwanz.) 

S.  sehr  grofs  und  gerundet.  R.  dem  Zwischenräume  zwi- 
schen den  B.  und  der  A.  gegenüber.  Auch  die  übrigen  Flossen 
gerundet.  S.  mit  schmalen,  verlängerten  Strahlen.  Die  Kinnladen 
des  grofsen  Kopfes  sind  mit  grofsen  konischen  und  kleineren  Zäh- 
nen dazwischen  versehen. 

Vier  Arten  im  lithographischen  Schiefer  von  Solenhofen  und 
Kelheim. 

t  27.  G.  Macrosemius  Ag.  (/nuxQog,  lang;  oT^fneTov,  Fahne.) 

3L  rostratus  Ag.,  die  einzige  Art,  ist  ein  kleiner  Fisch, 
dessen  R.  sich  mit  sehr  grofsen  Strahlen  längs  des  ganzen  Rückens 
ausbreitet.  Die  S.  ist  nicht  gabelförmig,  allein  gerundet  wie  bei 
Megalurus.  Ihr  oberer  Lappen  ist  schwächer  als  der  untere.  Br. 
grofs.  B.  und  A.  klein.  Kopf  dick.  Rachen  klein,  aber  mit 
starken  grofsen  Zähnen. 

In  Solenliofen. 

An  diese  Gattung  schliefsen  sich  die  beiden  lebenden:  Lepi- 
dosteus  Lacep.,  der  Knochenhecht,  und  Polypierus  GeolFr.  an. 

3.  Farn.    Celacanthes  A^. 

Alle  Knochen  und  besonders  die  Strahlen  sind  in  ihrem  In- 
neren hohl,  wie  diefs  bei  keinem  anderen  Ganoiden  der  Fall  ist. 
Der  gröfste  Theil  der  Strahlen  ist  steif  oder  nur  an  ihrem  Ende 
gegliedert.  Die  Wirbelsäule  verlängert  sich  mehr  oder  weniger 
deutlich  in  beide  Hauptlappen  des  Schwanzes. 

t  1.  G.  Coelacanthus  Ag.  (xotlog,  hohl;  uxavd^a,  Stachel.) 

Die  Fortsätze  theilen  sich  an  ihrer  Basis  in  zwei  Arme,  eine 
Gabel  bildend,  welche  den  Wirbelkorper  einfafst.  Diesem  Fort- 
satze folgt  ein  Knöchelchen,  welches  mit  ihm  so  vereinigt  ist, 
dafs  es  eine  directe  Verlängerung  bildet.  Der  eigentliche  Strahl 
ist  an  seiner  Basis  auch  gabelig.  Alle  drei  Knochenstücke  sind 
hohl.  Eine  A.  und  zwei  R.,  wovon  die  vordere  dem  Ende  der 
Br.,  die  hintere  dem  Baume  zwischen  den  B.  und  der  A.  entspricht. 
Letztere  steht  der  S.  sehr  nahe.  Die  S.  wird  von  kleinen  Zwi- 
schcnseitenforlsätzcn  getragen,  und  der  Schwanz  verlängert  sich 
über  die  Strahlen  hinaus,  welche  als  ein  kleines  Bündel  geglie- 
derter Strahlen  ihn  umgeben. 

Hierdurch  nähert  sich  diese  Gattung  der 


GLANZ-    ODBK  ECKSCHUFrEK. 


151 


f  2.  G.  Undina  Münst.  (mytholog.  Name), 

aus  dem  lithographischen  Schiefer  von  Kelheim,  welche  sich  je- 
doch durch  ihren  Zaiinapparat  davon  unterscheidet.  Undina  hat 
pflasterförmige  Zahne,  Coelacanthus  kegelförmige. 

Sechs  Arten  von  Coelacanthus  kommen  nur  im  Sleinkohlengebirge, 
im  Zechsteine  und  im  Muschelkalke  vor. 

t  3.  G.  Macropoma  Ag.  (fiaxQog,  lang;  mo(j.u,  Deckel.) 

Diese  Gattung  hat  den  untersetzten  Körper  und  die  Stellung 
der  Flossen  mit  der  vorigen  gemein.  Die  zweite  R.  wird  von 
einem  starken  Knochen  getragen.  S.  sehr  entwickelt.  Die  Strah- 
len strotzen  auf  ihrer  scharfen  Seite  von  Dornen,  welche  ohne 
Zweifel  zur  Vertheidigung  dienten,  während  die  von  der  vorigen 
unbewaffnet  sind. 

M.  Manteliii  Ag.  Vol.  2.  P.  2.  p.  174.  tb.  65.  a.  b.  c.  d. 

Dieser  Fisch  wurde  mehrere  Fufs  lang  und  war  mit  grofsen  ge- 
körnelten  Schuppen  bedeckt. 

Koprolithen  von  Fischen.  (Ichthyocopros.) 

Von  Macropoma  Mantellii  stammen  die  als  Koprolithes 
Manteliii  Ag.  bezeichneten  Exkremente  (Taf.  VIII.  Fig.  2.  u.  3.). 
Durch  ihre  spiralförmig -blätterigen,  unregelmäfsig  gefalteten  und 
gefurchten  Ueberlagerungen  ähneln  sie  sehr  einem  Lärchenzapfen, 
womit  sie  auch  so  lange  verwechselt  wurden,  bis  Mantell  und 
Buckland  ihre  wahre  Natur  nachwiesen.  Der  spiralförmigen  Windung 
dieser  Körper  geschah  schon  früher  Erwähnung  '^'),  und  die  Fur- 
chen und  Falten  rühren  vermuthlich  von  dem  Muskeldrucke  der 
Darmwände  her  **). 

Mantell  fand  Koprolithen  in  der  Kreide  von  Lewes,  im  Leibe 
dieses  Raubfisches,  noch  in  Berührung  mit  seinem  langen  Magen, 


*)  S.  unter  Koprolithen  von  Ichthyosauren ,  p.  93. 

**)  Nach  der  neuesten  und  genauesten  Untersuchung  durch  Herrn  Che- 
miker Stein  in  Dresden  bestand  ein  Koprolithes  Mantellii  aus  dem  Pläner- 
kalke  von  Strehlen  aus: 
1,111  Kieselsäure, 
30,162  kohlensaurem  Kalke, 
4,170  kohlensaurer  Magnesia, 
3,441  Thonerde, 
54,988  phosphorsaurem  Kalke, 
5,335  basisch  phosphorsaurer  Magnesia,  und  Spuren  eines  festen  Fettes, 
so  wie  von  Chlor,  Schwefelsäure,  Ammoniak  und  Kali. 


152 


FISCHE. 


an  welchem  die  Magenhaut  noch  zu  erkennen  war.  Aehnliches 
wurde  an  anderen  Arten  im  Lias  von  Lyme  Regis  beobachtet. 

Kleinere  Formen  von  anderen  Koprolithen  kommen  in  dem 
Muschelkalke  bei  Jena  vor  ,  und  aus  dem  Muschelkalke  von 
Backleben  bei  Kölleda  besitzt  das  mineralogische  Museum  in  Halle 
ein  schönes  Exemplar. 

Auch  aus  der  Steinkohlenformation  sind  Koprolithen  bekannt. 
Buckland  citirt  sie  aus  England  und  Schottland,  v.  Gutbier  ■'■'')  bil- 
det einen  Koprolithen  von  der  unteren  Gränze  des  Kohlengebirges 
von  Zwickau  ab,  und  vielleicht  dieselbe  Art  (Taf.  VIII.  Fig.  4.) 
beschreibt  Girard  ■•■'^•')  aus  dem  Kohlengebirge  von  Hohenelbe  in 
Böhmen. 

Vor  allen  anderen  zeichnet  sich  KoproUthes  MantelUi  dadurch 
aus,  dafs  er,  trotz  seiner  mannichfaltigen  Form,  in  der  Nähe  des 
hinteren  Endes  immer  am  breitesten  ist,  und  aus  einer  zahlreichen 
Menge  von  "Windungen  besteht.  Er  ist  häufig  in  der  Kreide  von 
England  und  im  Plänerkalke  von  Sachsen  und  Böhmen. 

Die  Koprolithen  aus  älteren  Formationen  bestehen,  wie  es 
scheint,  aus  sparsameren,  entfernteren  Windungen,  verlängern  sich 
gewöhnlich  mehr  nach  hinten  und  haben  mehr  Aehnlichkeit  mit 
Koprolithen  von  Sauriern. 

i  4.  G.  Hoplopygus  Ag.  (pnXovy  Waffe;  nvyrj,  After.) 

H.  Binneyi  ist  ein  kleiner  Fisch  aus  der  Steinkohle  von 
Manchester.  Die  S.  ist  etwas  dreilappig;  der  Kopf  ist  sehr  breit 
und  die  grofsen  Schuppen  ähneln  denen  von  Coelacanthus. 

t  5.  G.  Uronemus  Ag.  {ovQa,  Schwanz;  vijfia^  Faden.) 

Unterscheidet  sich  durch  seine  lange  R.,  welche  sich  fast  von 
dem  Nacken  an  bis  an  den  Schwanz  erstreckt.  Auch  die  A.  ist 
von  der  S.  nicht  getrennt.  Es  sind  kleine  Fische  aus  der  Stein- 
kohlcnformation. 

t  6,  G.  Holoptychius  Ag.  (oXo^,  ganz;  nTv/jj ,  Falte.) 

Ausgezeichnet  durch  grofse  runzelige  Schuppen,  ausgeschnitzte 
Schädelknochen,  wie  jene  der  Krokodile,  und  kegelförmige  Zähne, 
welche  die  Gröfse  der  der  gigantischen  Saurier  noch  übertreffen. 

Häufig  in  devonischen  Grauwacken-  und  in  Steinkohlen -Bildungen. 

♦)  Gein.  in  Leonh.  Br.  Jahrb.  1842. 

Geogn.  Besclir.  d.  Zwickaaer  Schwarzkohlcngcb.  tb.  7.  f.  7. 
Leonh.  Br.  Jahrb.  1843.  p.  757.  tb.  8.  f.  1.  2. 


GLANZ-    ODER  ECKSCIIÜPPER. 


153 


f  7.  G.  Glyptosteus  Ag.  (ylvnTog,  geschnitzt;  ootIov,  Knochen.), 
und 

t  8.  G.  Glyptolepis  Ag.  (yXvnTog;  Itmg,  Schuppe.), 

nähern  sich  sehr  der  vorigen  Gattung,  mit  welcher  sie  in  devon- 
ischen Bildungen  vorkommen. 

t  9.  G.  Phyllolepis  Ag.  (cpvXXov^  Blatt;  lenlg,  Schuppe.) 
Nach  dünnen  Schuppen  von  fast  3"  Durchmesser  bestimmt, 
deren  Vorkommen  wie  das  von  Holoptychius  ist. 

t  10.  G.  Ctenolepis  Ag.  (xreig^  Kamm;  Xenlg.)^ 

und 

11.  G.  Gyrosteus  Ag.  (yvQog^  rund;  oartov^  Knochen.), 
gehören  der  Juraformation  an. 

4.  Farn.  JPycnoüontes  Ag. 

Ihre  Zähne  sind  abgeplattet  oder  gerundet  und  stehen  in 
mehreren  Reihen.  Schuppen  flach  rhombisch,  parallel  dem  Kör- 
per, der  ganz  von  ihnen  bedeckt  wird.  Skelett  knochig.  Körper 
flach  und  breit. 

Kein  Repräsentant  dieser  Familie  lebt  in  der  jetzigen  Schöpfung, 
t  1.  G.  Py cnodus  Ag.  (nvxvbgj  häufig;  odovg,  Zahn.) 

Fische  mit  untersetztem  Körper.  Ihr  Unterkiefer  ist  ganz 
mit  dicken,  abgeplatteten  Zähnen  bedeckt,  welche  auf  jeder  Seite 
in  3  —  5  Reihen  stehen  und  die  Form  von  Bohnen  oder  gerunde- 
ten Halbcylindern  haben.  Am  Ende  der  Schnauze  stehen  2  oder 
mehrere  breite  meiseiförmige  Zähne.  Aehnliche,  allein  etwas  schmä- 
lere Schneidezähne  stehen  im  Oberkiefer.  Das  Pflugschaarbein 
trägt  5  Reihen  stumpfer,  platter,  bohnenförmiger  Zähne,  welch© 
ganz  ähnlich  denen  des  Unterkiefers  sind.  Die  S.  ist  breit  und 
gabelförmig,  die  anderen  Flossen  sind  wenig  entwickelt.  Die  nie- 
drige R.  geht  etwa  von  der  Mitte  des  Körpers  bis  zu  dem  An- 
fange des  Schwanzes.    A.  ihr  ähnlich.    Br.  dünn  und  feinstrahlig. 

P.  priscus,  aus  dem  Keuper  von  Würtemberg,  ist  die  älteste 
Art;  zwanzig  Arten  beschreibt  Agassiz  aus  der  Juraformation,  zehn 
aus  den  Kreidegebilden ,  zwei  vom  Monte  Bolca  und  eine  andere  tertiäre. 

F.  cretaceus  Ag.  Vol.  2.  PI.  2.  p.  198.  tb.  72.  a.  f.  60.  — 
P.  rhomhoidalis  Reufs.,  Böhm.  Kr.  p.  10.  tb.  4.  f.  46  —  54.  —  Taf.  VII.Fig.  19. 

Längliche  Zähne  von  rhomboidischer  Form,  an  dem  spitzeren  Ende 
nach  der  einen  Seite  hin  schwach  gebogen,  mit  einer  platten  oder 
schwach  gewölbten,  glatt  emaillirten  Krone. 


154  FISCIIB. 

Nicht  selten  im  unleren  Plänar  von  Plauen  bei  Dresden  und  in 
den  enls|)rechenden  Schichten  bei  Bilin.    In  der  Kreide  von  Kenl. 

t  2.  G.  Periodus  Ag.  (ntQ),  herum;  oSovg,  Zahn.) 

Von  der  vorigen  Gattung  nur  durch  die  Zähne  verschieden, 
deren  Krone  von  einer  breiten  Furche  umgeben  wird. 

F.  Königii  Ag.  aus  dem  Londonthone  von  Sheppey  ist  die 
einzige  Art. 

t  3.  G.  Gyronchus  Ag.  {yvQOQj  rund;  oyxog^  Geschvi^ulst.) 

Man  kennt  davon  nur  den  Oberkiefer,  welcher  grofse  Aehn- 
lichkeit  mit  dem  vom  Fycnodus  hat.  Es  ist  gleichsam  ein  Fycno- 
dus^  dessen  Zähne  in  der  Hauptreihe  oder  der  mittleren  des  Pflug- 
schaarbeines nach  ihrem  Längsdurchmesser  hin  verlängert  sind, 
während  die  von  Pycnodus  mehr  in  die  Quere  sich  ausdehnen. 

Eine  Art  von  Stonesfield. 

t  4.  G.  Acrotemnus  Ag.  (Jxkqoq,  der  höchste; 
ril-ivio ,  ich  spalte.) 

Die  Zähne  gleichen  grofsen  P«/c/joö?m5- Zähnen,  zeigen  aber 
eine  vorspringende  Kante. 

A.  Faha  stammt  aus  der  Kreide  von  Kent. 

7  5.  G.  Scrobodus  Münst.  (scrobs^  eine  Grube;  oSovg,  Zahn.), 

ist  der  einzige  spindelförmige  Pycnodonte,  welcher  bekannt  ist. 
S.  subovatvs  Münst.,  aus  dem  Schiefer  von  Solenhofen. 

t  6.  G.  Globulodus  Münst.  (Globulus^  Kiigelchen;  oöovg.)^ 

mit  der  Art  G.  elegam  Münst.  (Beitr.  z.  Petr.  Hft.  5.  p.  47.),  aus 
dem  Zechsteine,  könnte,  nach  Agassiz,  durch  seinen  Zahnapparat 
nur  mit  Plaiysomus  verwechselt  werden. 

t  7.  G.  Micro  dort  Ag.  QitxQogj  klein;  odatv,  Zahn.) 

Körper  abgeplattet,  sehr  erhoben,  kurz  und  zusammengedrückt. 
II.  und  A.  sehr  lang,  einander  gegenüber  und  bis  zur  Basis  der 
S.  verlängert,  welche  letztere  stark  ausgezackt  und  gabelförmig 
ist.    Kleine,  flache,  eckige  Zähne  stehen  in  mehreren  Reihen. 

Fünf  Arten  von  Solenhofen. 

i  8.  G.  Sphaerodus  Ag.  (offatguy  Kugel;  ddovg^  Zahn.) 

Zähne  vollkommen  halbkugelig.  Körper  abgeplattet.  R.  und 
A.  lang,  einander  gegenüber,  und  die  gabelförmige  S.  fast  be- 
rührend. 


GLANZ-    ODEU  ECKSCllUPPEa. 


155 


Zwei  Arien  im  Keuper  von  Würtemberg,  drei  Arten  in  der  Jura- 
formation, drei  in  der  Kreide,  fünf  tertiär  und  vier  aus  unbestimmten 
Formationen. 

t  9.  G.  Placodus  Ag.  (nXä'^,  Tafel;  oöovg.) 
Vieleckige  Zähne  mit  abgerundeten  Ecken  und  abgeplatteter, 
ganz  glatter  Oberfläche.  Aufser  den  breiten  Gaumenzähnen,  von 
denen  die  gröfsten  in  der  Mitte  stehen,  sind  vorn  einige  dicke 
Schneidezähne  vorhanden.  Schuppen  und  Skelett  sind  unbekannt. 
Mehrere  Arten  kommen  im  Muschelkalke  und  im  bunten  Sand- 
steine vor. 

P.  gigas  Ag.  Vol.  2.  P.  2.  p.  218.  tb.  70.  f.  U  — 21. 

Die  gröfste  Art  dieser  Gattung,  mit  14  flachen  Mahlzähnen,  wel- 
che in  4  Reihen  stehen,  und  mit  grofsen,  dicken,  sehr  stumpfen 
Schneidezähnen. 

P.  Andriani  Münst.,  Ag.  Vol.  2.  P.  2.  p.  219.  tb.  70.  f.  8  —  13. 
—  Hiernach  Taf.  VIT.  Fig.  20  {\). 

Unterscheidet  sich  von  der  vorigen  Art  durch  etwas  mehr  ver- 
längerten Schädel,  kleinere  Mahlzähne  und  dünnere  Schneidezähne. 

Einzelne  Mahlzähne  beider  Arten  von  einander  zu  unterscheiden 
dürfte  jedoch  schwer  gelingen. 

Sie  kommen  im  Muschelkalke  von  Bayreuth,  Rüdersdorf,  Matt- 
stedt bei  Jena  und  Luneville  vor. 

t  10.  G.  Gyrodus  Ag.  (yvQog^  rund;  oöovg.) 

Die  äufsere  Form  dieser  Fische,  Stellung  der  Flossen  und 
Structur  der  Schuppen  erinnert  ganz  an  die  der  Pycfiodus-  und 
Microdon- Arten,  Die  elliptischen  oder  kreisrunden  Zähne  zeigen 
eine  Furche,  welche  ihren  Gipfel  von  der  Umgebung  trennt  und 
ihnen  ein  nabelartiges  Ansehen  ertheilt. 

Neunzehn  Arten  in  der  Juraformation,  sechs  in  der  Kreideforma- 
tion und  eine  im  Londonthone. 

t  11.  G.  Colobodus  Ag.  (xoXoßog^  knollig;  oöovg,) 
C.  Hogardi  Ag.,  aus  dem  Muschelkalke,  hält,  seiner  Form 
nach,  die  Mitte  zwischen  Microdon  und  Sphaerodus.    Die  Zähne 
sind  fein  gestreift,  gegen  die  Basis  abgerundet  und  cylindrisch,  und 
in  der  Mitte  ihrer  keulenförmigen  Krone  erhebt  sich  eine  kleine  Warze. 

t  12   G.  Pisodus  Owen,  (nioov^  Erbse;  oöovg,) 
t  13.  G.  Phyllodus  Ag.  (gjvXXov^  Blatt;  oöovg,) 
Hierunter  begreift  Agassiz  Zahnplatten  mit  einer  eigenthüm- 
lich  blätterigen  Structur  der  Zähne,  welche  diese  tragen.    In  Bezug 


15G 


FISCUE. 


auf  ihre  allgemeine  Form  ähneln  sie  Pyctiodus  und  stehen  in 
Reihen,  sind  jedoch  aus  4  —  8  —  10  über  einander  liegenden 
Schichten  gebildet,  von  denen  jede  kaum  die  Stärke  von  einem 
Viertheile  einer  Linie  hat,  und  welche  sich  in  den  Maafsen  wie- 
der ersetzen,  als  die  oberen  sich  abnutzen. 

Sechs  Arten  aus  dem  Loudonthone  von  Sheppey. 

5.  Farn.  Scelerodermes  €uv«  Harthäuter. 

Gaumenbogen  unbeweglich.  Schnauze  vorspringend,  mit  ei- 
nigen deutlichen  Zähnen  bewaffnet.  Flache  Schuppen,  in  der 
Form  breiter  rhombischer  oder  vieleckiger  Platten,  bedecken  in 
schiefen  Reihen  den  ganzen  Körper.  Skelett  faserig.  Knochen- 
bildung langsam. 

Von  den  noch  lebenden  Gattungen  dieser  Familie  kommt  nur 
von  Ostracion  eine  fossile  Art  vor. 

t  1.  G.  Acanthoderma  Ag.  {axav&u,  Stachel;  Si^fia^  Haut.) 

Zwei  Arten  aus  dem  Schiefer  von  Glaris,  von  dem  Typus  der 
Hornfische  {Batistes  L.). 

f  2.  G.  Acanthopleurus  Ag.  früher  Pleuracanihus  Ag. 
(Jly^avd^oL^  Stachel;  nXtvQa^  die  Seite.) 

Zwei  Arten  von  Glaris  sind  den  Arten  von  Batistes  nahe  ver- 
wandt, welche  nur  einen  Strahl  auf  dem  Rücken  haben.  Bei  einer 
längeren  Form  unterscheiden  sie  sich  jedoch  durch  das  Vorhandensein 
von  einem  starken  Dorn  in   den  Bauchflossen. 

t  3.  G.  Blochius  Volta. 

Der  Körper  ist  sehr  verlängert,  schmal  und  mit  schief  ste- 
henden, kleinen  rhombischen  Schuppen  bedeckt.  Der  sehr  ver- 
längerte Kopf  endet  in  einen  langen,  durch  beide  Kiefern  gebil- 
deten Schnabel.  Diese  sind  gleich  lang  und  mit  sehr  feinen 
Zähnen  bewaffnet.  Die  kleinen  B.  stehen  unter  den  Br.  Die  R. 
nimmt  den  ganzen  Rücken  ein,  die  A.  die  hintere  Hälfte  des 
unteren  Randes.  Beide  werden  durch  sehr  schlanke  Strahlen  ge- 
bildet.    Die  Hinterleibshöhlung  ist  kurz. 

B.  tongirostris  Volta  vom  Monte  Bolca. 

t  4.  G.  Dercetis  Münst.  u.  Ag.  (Mythol.  Name.) 

Bei  einer  verlängerten  Form  des  Körpers  wie  in  der^ vor- 
igen Gattung,  ist  der  Kopf  zwar  auch  schnabelartig  verlängert. 


GLANZ  -    ODER  ECKSCIIUPPER. 


157 


doch  kürzer,  und  der  Oberkiefer  etwas  langer  als  der  Unterkiefer. 
In  beiden  stehen  lange,  kegelförmige  Zahne,  welche  mit  mehreren 
Reihen  von  kleineren  wechseln.  Die  mittleren  Zähne  sind  die 
längsten.  Br.  sehr  grofs.  B.  am  Hinterleibe,  aus  5  Strahlen  ge- 
bildet, welche  stärker  und  kürzer  als  die  der  Br.  sind.  Die  R. 
beginnt  vor  den  B.  und  breitet  sich  bis  an  den  Schwanz  aus.  Die 
A.  fängt  weiter  hinten  an  und  zieht  sich  gleichfalls  bis  zu  der 
etwas  ausgezackten  S.  Die  Seilen  dieses  Fisches  sind  mit  drei 
Reihen  knochiger,  an  ihrer  Oberfläche  gekörnelter  Schilder  be- 
deckt, welche  in  ihrer  Mitte  einen  eckigen  Vorsprung  machen. 
Zwei  Arten  aus  der  Kreide  von  Lewes  und  Westphalen. 

t  5.  G.  Rhinellus  Ag.  {qiv^  die  Nase.) 

Ein  kleiner  Fisch  vom  Libanon,  von  sehr  verlängerter  Ge- 
stalt und  mit  einer  hageren  Schnauze.  Skelett  schlank.  Flossen 
sehr  entwickelt.  Von  zwei  R.  ist  eine  dem  Kopfe,  die  andere 
dem  Schwänze  genähert.  S.  ziemlich  grofs  und  gabelförmig.  Drei 
Reihen  von  Schildern  erinnern  an  Dercetis. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

t  6.  G.  Glyptocephalus  Ag.  (ylvmög^  geschnitzt; 
KScpaXrj^  Kopf.) 

Nähert  sich  durch  die  Form  des  Schädels  sehr  den  Balisten. 
Dieser  wird  aber  von  in  regelmäfsigen  Reihen  geordneten  Knöt- 
chen eigenthümlich  bedeckt. 

Im  Londonthone  von  Sheppey. 

7.  G.  Ostracion  L.  Koffer  fisch.  (ooTQaxov^  gebrannter  Thon.) 

Körper  viereckig,  dreieckig  oder  fünfseitig,  und  mit  grofsen 
sechsseitigen  Platten  bedeckt. 

O.  micrurus  Ag.  vom  Monte  Bolca. 

6.  Farn.  €fyfnnodontes  €uv.  JSTacktzähne* 

(yvjiivbg^  nackt;  dSovg^  Zahn.) 

Gaumenbogen  unbeweglich.  Kiefern  mit  einer  Kette  von  El- 
fenbein bedeckt,  welches  aus  vereinigten  Zähnen  gebildet  ist.  Spitz- 
oder stachelförmig  hervorspringende  Schuppen  bedecken  schief  den 
ganzen  Körper.  Das  Skelett  ist  faserig  und  die  Knochenbildung 
langsam. 


158 


FISCME, 


Nur  von   einer   noch   lebenden  Gattung  kennt  man  fossile 

Arten. 

Diodon  L.  Igel  fisch. 

Der  Körper  ist  kreisrund,  verlängert  oder  kugelig  und  ganz 
mit  Stacheln  besetzt. 

D.  temüspinus  Ag.  vom  Monte  Boica  und  eine  zweite  tertiäre 
Art  aus  Süd- Italien. 

9,  Farn.  M^ophohranches  €uv.  Bttschelkiemer. 

Die  Kiemen  sind  zu  kleinen  runden  Büscheln  vereinigt.  Der 
verlängerte  eckige  Körper  ist  mit  eckigen  Platten  bedeckt.  Eine 
röhrenförmige  Schnauze  endet  in  den  kleinen  freien  Kiefern.  Das 
Skelett  ist  knochig. 

Nur  eine  Art  gehört  der  ausgestorbenen  Gattung  Calamo- 
Stoma  an,  die  übrigen  gehören  zu  noch  lebenden  Gattungen. 

i  1.  G.  Calamostoma  Ag.  (x«A«^(o^,  Rohr;  oiofia^  Mund.) 

Körper  kurz.    Die  R.  beginnt  unmittelbar  an  dem  Nacken. 
Die  Kinnladenröhre  ist  schmal. 
Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

2.  G.  Sygnathus  Cuv.  Meernadel. 

Körper  sehr  verlängert.  Röhre  sehr  lang  und  mit  einem  klei- 
nen Munde  endigend,  dessen  Unterkiefer  senkrecht  steht.  R.  auf  der 
Mitte  des  Rückens.  Der  Schwanz  endet  in  eine  kleine  gerun- 
dete Flosse. 

Eine  Art  vom  Monte  Bolca. 

8.  Farn.  A^ccipenserides  iStöre« 

Ihr  Körper  ist  theilweise  mit  mehreren  Längsreihen  grofser 
Schilder  bedeckt,  welche  an  den  Seiten  noch  zwei  breite,  mit 
schuppigen  Flitterchen  besetzte  Binden  frei  lassen.  Der  Mund  ist 
klein,  zahnlos  und  unter  der  schnabelartigen  Verlängerung  offen, 
der  untere  Lappen  der  S.  ist  sehr  entwickelt. 

Agassiz  führt  drei  fossile  Arten  auf,  von  denen  die  eine  zu 
der  noch  lebenden  Gattung  Accipenser  L.,  Stör,  zwei  andere  zu 
einer  nur  fossilen,  Chondrosteus  Ag.,  gehören.  Erstere  stammt 
aus  dem  Londonthone  von  Sheppey,  letztere  sind  aus  dem  Lias 
und  tertiär. 


KÖHNSCIIÜPPER.  FLOSSENSTACflELN. 


159 


4«  Ordn.  JPlacoMes  Ag^«  Körniscliiipper« 
Knorpelfijsehe  CiiTier, 

(7ila§,  Tafel;  elSog,  Form.) 
Taf.  VII.  Fig.  1—18. 

Ihre  Bedeckung  besteht,  statt  der  Schuppen,  aus  kleinen  har- 
ten Körnchen,  welche  der  Haut  eine  chagrinartige  Beschaffenheit 
ertheilen.  Das  Skelett  ist  weich  und  knorpelartig,  d.  h.  ohne 
Knochenfasern,  indem  sich  hei  ihnen  die  Kalkmasse  nur  körnig, 
nicht  faserig  oder  fadenförmig  absetzt.  Zu  ihnen  gehören  die 
Haie,  Rochen  und  Chimären.  Da  bei  den  fossilen  Arten  die- 
ser Ordnung  gewöhnlich  nur  die  festeren  kalkigen  Theile,  Flossen 
und  Flossenstacheln,  Zähne  und  Wirbel  sich  erhalten  haben,  so 
ist  die  Kenntnifs  von  diesen  untergeordneten  Formen  weit  geringer 
als  die  von  anderen  Ordnungen.  Ueberreste  von  ihnen  kommen 
in  allen  Formationen  vor. 

Taf.  VII.  Fig.  1.  stellt  den  in  dem  Mittelmeere  noch  leben- 
den Spinax  Blainvillei  Risso,  nach  Agassiz,  Vol.  3.  tb.  B.  f.  1. 
verkleinert  vor,  um  ein  allgemeines  Bild  eines  Haifisches  zu  ge- 
ben. Eine  ähnliche  Form  haben  die  Chimären,  während  die  Rochen 
flach  sind. 

A.    Flossenstacheln.  Ichthyodorulithen* 

(IxO^vg^  Fisch;  öoqv^  Lanze;  Xid^og^  Stein.) 

Ihre  Stellung  vor  den  Rückenflossen  geht  aus  Taf.  VII.  Fig.  1. 
hervor.  Eigenthümlich  ist  ihre  Structur  und  die  Art  ihrer  Be- 
festigung. Sie  sind  nämlich  wirklich  faserig  und  knochig,  ganz 
wie  die  Knochen  der  gewöhnlichen  Fische  und  haben  nicht  das 
körnige  Ansehen  anderer  Theile  der  Haie  und  Rochen.  Sie  sind 
symmetrisch,  bestehen  immer  nur  aus  einem  einzigen  Stücke  und 
zeigen  an  ihrer  Basis  keine  Gliederungsfläche,  wie  das  bei  den 
Knochenfischen  der  Fall  ist.  Ihr  unterer  Theil,  welcher  in  dem 
Fleische  sitzt,  ist  schief  abgeschnitten  und  endet  in  eine  stumpfe 
Spitze,  deren  hintere  und  innere  Fläche  eine  mehr  oder  weniger 
tiefe  Aushöhlung  (Taf.  VII.  Fig.  3.  a.)  zeigt,  welche  sich  im  In- 
neren des  Stachels  öfters  bis  gegen  das  Ende  emporzieht. 

Aufser  Pleuracanthus  und  Myliobates  nähern  sich  alle  hier 
folgenden  Gattungen  von  Flossenstacheln  mehr  dem  Haien  als  den 
Rochen. 


160 


FISCHE. 


i  1.  G.  Onchus  Ag. 

Sie  sind  von  mittlerer  Gröfse,  ihre  Seitenflächen  längsgefurcht, 
und  zwischen  diesen  Furchen  finden  sich  mehr  oder  weniger  breite, 
abgerundete  Rippen.   Der  Hinterrand  ist  ebenso  gefurcht  oder  glatt. 

Arten  in  silurischer  Grauwacke  (Ludlow),  im  alten  rothen  Sand- 
steine und  zwei  im  Kohlenkalke  (Bristol). 

t  2.  G.  Ctenacanthus  Ag.  (xralg,  Kamm;  ay,av&a,  Stachel.) 

Gigantische,  sehr  zusammengedrückte,  an  ihrer  Basis  breite 
Stacheln,  mit  einer  kleineren  Aushöhlung  als  bei  Oracanthus  und 
einem  sehr  tief  in  dem  Fleische  verborgenen  Theile.  Oberfläche 
längsgestreift,  Hinterrand  mit  kleinen  Stacheln  besetzt. 

Eine  Art  im  alten  rothen  Sandsteine,  drei  im  Kohlenkalke  von 
Bristol. 

t  3.  G.  Oracanthus  Ag.  (o^jo?,  Berg;  ayurS-a.) 

Stacheln  von  beträchtlicher  Dicke,  an  ihrer  Basis  sehr  breit 
und  nicht  tief  im  Fleische  sitzend,  an  der  sichtbaren  Oberfläche 
mit  Sternen  geschmückt.  Sie  bilden  wahrscheinlich  mit  den  Zäh- 
nen von  Orodus  ein  und  dasselbe  Geschlecht. 

Drei  Arten  im  Kohlenkalke  von  Bristol. 

t  4.  G.  Gyracanthus  Ag.  {yvQog^  rund;  äyMv&u.) 

Ihre  Oberfläche  ist  durch  schiefe  Falten  und  Furchen  aus- 
gezeichnet, welche  von  der  Mitte  der  vorderen  Seite  aus  abwärts 
nach  hinten  laufen,  wo  sie  an  der  Gränze  von  einigen  Längs- 
furchen enden. 

G.  formosus  Ag.  —  Taf.  VII.  Fig.  3.  Nach  Agassiz  Vol.  3.  tb. 
5.  f.  5 — 6. 

Diese  Stacheln  erreichen  die  Länge  von  15  Zoll  und  sind  in 
dem  Steinkolüengebirge  von  England  sehr  verbreitet. 

t  5.  G.  Tristychius  Ag.  (jQt^  drei;  ozlyog^  Reihe.) 

Die  Oberfläche  der  Stacheln,  welche  nicht  in  dem  Fleische 
safs,  zeigt  stark  hervortretende  Längsfurchen,  zwischen  welchen 
feine,  häufig  in  einander  laufende  Streifen  liegen;  die  Basis  ist 
nur  fein  gestreift.  Längs  der  vorderen  Seite  laufen  drei  Kiele 
herab,  von  denen  der  mittlere  der  hervortretendste  ist.  Zwischen 
ihnen  bemerkt  man  feine  Längsstreifen.  Am  Hinterrande  stehen 
scharfe  Stacheln,  wie  bei  Hybodus. 

Eine  Art  im  Schieferlhone  der  Steinkohlenformation  bei  Glasgow. 


KÖRNSCHUPPER.  FLOSSBNSTACHELN. 


161 


t  6.  G.  Pfychacanthus  Ag.  (jirvyji^  Falte;  ay.avd^a.) 

Ein  schwach  sichelförmig  gekrümmter  Stachel,  welcher  an 
der  Seite  zusammengedrückt  und  am  vorderen  Rande  stumpf  ge- 
kielt ist.  Oberfläche  eng  und  fein  gefaltet,  Hinterrand  wie  bei 
Hybodus. 

Im  Süfswasserkalke  der  Kohlenformation  von  Bourdie-House. 

t  7.  G.  Sphenacanthus  Ag.  (aq^^v^  Keil;  äxavd^a.) 

Ein  einziger  Stachel  von  Bourdie-House,  mit  stark  hervor- 
tretenden Falten  und  Furchen,  welche  von  dem  Gipfel  bis  an  die 
Basis  herablaufen.  Er  ist  vorn  und  an  den  Seiten  gerundet,  hin- 
ten flach  abgeschnitten  und  fein  gekerbt. 

t  8.  G.  Nemacanthus  Ag.  (vrj/^ia^  Faden;  äxavd^a.) 

Seitlich  zusammengedrückte  Stacheln  mit  flachen  Seiten,  vorn 
kielartig  und  in  der  Mitte  mit  einer  fadenförmigen  Erhöhung,  wel- 
che in  eine  schwache  Rinne  übergeht.  Die  innere  Höhlung  ist 
schmal,  an  der  Basis  nur  von  der  halben  Dicke  des  Stachels, 
und  setzt  sich  dann  sehr  schmal  bis  zu  dem  Anfange  der  Knöt- 
chen fort.  Von  hier  verbreitet  sich  auf  der  hinteren  Seite  nur 
noch  äufserlich  eine  Rinne  bis  an  den  Gipfel  herauf.  Die  ge- 
rundeten Ränder  dieser  Rinne  sind  mit  kleinen,  verlängerten  und 
abgeplatteten  zahnartigen  Erhöhungen  bedeckt.  Der  obere  Theil 
der  vorderen  Fläche  trägt  rundliche  Wärzchen,  welche  parallel  der 
vorderen  fadenförmigen  Erhöhung  zu  Reihen  geordnet  sind;  die 
ganze  übrige  Oberfläche  ist  fein  gestreift. 

Zwei  Arten  im  Lias  bei  Bristol. 

t  9.  G.  Leptacafithus  Ag.  {XtnTog^  dünn;  uxav&a.) 

Kleine  schwertförmige  Platten,  am  hinteren  Rande  mit  schar- 
fen Zähnen  und  am  vorderen  schneidend ,  übrigens  fein  gestreift. 

Mehrere  Arten  im  Lias  von  Lyme  Regis  und  im  Jura  von  Sto- 
«esfield  und  bei  Caen. 

t  10.  G.  Asteracanthus  Ag.  (aar^^),  Stern;  äxavd-a,) 

Ziemlich  grofse,  schwach  gekrümmte  Stacheln,  vorn  gerun- 
det, hinten  mit  zwei  genäherten  Reihen  von  Zähnen,  übrigens 
ganz  mit  sternförmig  angeordneten  Knötchen  bedeckt,  und  nur  an 
der  Basis  glatt. 

Charakteristisch  für  die  oberen  Schichten  der  Juraformation,  wo 
sie  die  Oracanthen  des  Kohlenkalkes  zu  vertreten  scheinen. 
Gcinitz,  Versteinerungskunde.  1  J 


162 


FISCHB. 


t  11.  G.  Prisfacanthns  Ag.  (n^iaTÖg^  gesägt;  ay.aida.) 

Sehr  verlängeric  und  so  zusammengedrückte  Strahlen,  dafs 
die  innere  Höhlung  nur  einem  Spalte  gleicht.  Der  Vorderrand  ist 
scharf  schneidend,  der  Hinterrand  ebenso  dünn  und  sägeförmig 
gezahnt. 

Eine  Art  aus  dem  Jura  von  Caan  und  Stonesfield. 

t  12.  G.  Myriacanthus  Ag.  (^(ivqIoq^  zahllos;  axavS-a.) 

Diese  Stacheln  sind  vierseitig  und  an  den  Seiten  der  hinteren 
Fläche  mit  grofsen,  zusammengedrückten,  scharfen  und  nach  oben 
gekrümmten  Dornen  besetzt.  Der  Raum  dazwischen  ist  fast  flach 
und  fein  längsgestreift,  und  in  seiner  Mitte,  in  der  halben  Länge 
des  Stachels,  bemerkt  man  noch  einige  ähnlich  gebildete,  aber 
abwärts  gekrümmte  Dornen.  Die  Seitenflächen  sind  etwas  zusam- 
mengedrückt und  runden  sich  nach  der  vorderen  Fläche  hin  ab. 
Feine  Längsstreifen  und  in  Längsreihen  geordnete  rundliche  Knöt- 
chen bedecken  die  Seitenflächen  und  die  vordere  Fläche.  Auf  der 
Mitte  der  letzteren  steht  eine  Reihe  von  sehr  grofsen,  aufwärts 
gerichteten  Dornen,  welche  ähnlich  den  hinteren  Dornen,  aber 
noch  gröfser  als  diese  sind. 

Drei  Arten  aus  dem  Lias  von  Lyme  Regis. 

i  13.  G.  Hybodus  Ag.  (vßog^  Buckel;  oöot^g^  Zahn.) 

Hiervon  kennt  man  Stacheln  und  tlieilweise  auch  die  zu  ihnen 
gehörigen  Zähne. 

Die  Stacheln  sind  grofs,  ein  wenig  gekrümmt,  und  werden 
nach  unten  zu  dicker  und  breiter  als  nach  oben,  wo  sie  in  einer 
schwachen  Spitze  enden.  Ein  ziemlich  bedeutender  Theil  steckt 
in  dem  Fleische,  ist  sehr  fein  gestreift  und  zeigt  an  dem  Hinter- 
rande eine  offene,  sehr  erweiterte  Furche.  Der  äufsere  Theil  ist 
etwas  von  der  Seite  zusammengedrückt,  am  Hinterrande  abgeschnit- 
ten und  vorn  gerundet.  Der  seitliche  und  vordere  Theil  zeigt 
starke  Längsfalten  und  entsprechende  Furchen  dazwischen,  der  Hin- 
terrand ist  mehr  oder  weniger  flach,  fein  längsgestreift  und  zeigt 
zwei  Reihen  dicker,  nach  unten  gekrümmter,  scharfer  Zähne. 
Arten  kommen  schon  im  bunten  Sandsteine  vor  und  hören  erst  in 
der  Kreide  auf. 

H.  apicalis  Ag.  Vol.  3.  p.  43.  Ib.  10.  f.  22.  —  Hiernach. 
Taf.  VH.  Fig.  2. 

Eine  kleine  Art  von  Stonesfield. 


KÖRNSCHÜPPEK.  FLOSSENSTACHELN. 


163 


t  14.  G.  Leiacanthus  Egert.  {Ittog^  glatt;  uxavd^a,} 

Unterscheidet  sich  von  Eyhodus  dadurch,  dafs  dem  Hinter- 
rande der  Stacheln  die  Zähne  mangeln. 

Eine  Art  aus  dem  Muschelkalke  von  Bayreuth  und  Luneville. 

t  15.  G.  Ptychodus  Ag.  (mv/^^  Falte;  döovg.) 
Auch  hiervon  kennt  man  die  Zähne. 

Ihre  Strahlen  sind  sehr  dick  und  bilden  nicht  ein  Stück,  wie 
die  der  anderen  Gattungen,  sondern  flache  Stäbe  oder  vielmehr 
breite  Platten,  vrelche  innig  mit  einander  verbunden  sind,  so  dafs 
man  sie  nur  noch  durch  Längsfurchen  an  der  äufseren  Oberflache 
unterscheiden  kann.  Ihr  Vorderrand  ist  höckerig,  und  diese  Höcker 
bilden  auf  den  Seiten  breite,  gerundete  Rippen  und  mehr  oder 
vt^eniger  deutliche  quere  Eindrücke.  Gegen  die  Basis  des  Hinter- 
randes zu  stehen  dicke  knochige  Fasern  senkrecht  oder  schief, 
welche  zur  Befestigung  der  Stacheln  gedient  haben  mögen. 

Alle  Arten  stammen  aus  der  Kreide. 

F.  articulatus  Ag.  Vol.  3.  p.  58.  tb.  10.  a.  f.  5.  6.  —  Mantell, 
Geol.  of  Süss.  tb.  39.  —  Gein.  Char.  p.  12.  tab.  1.  f.  6. 

In  der  Kreide  von  Lewes,  im  Plänerkalke  von  Strehlen  bei 
Dresden  und  in  Böhmen. 

16.  G.  Spinax  Cuv.  (Taf.  VII.  Fig.  1.) 

Die  fossilen  Stacheln  dieser  Gattung  sind  glatt  und  gehören 
daher  zu  der  Untergattung  Acanthias  des  Prinzen  Musignano. 

S.  major  Ag.  Vol.  3.  p.  62.  tb.  10.  b.  f.  8  —  14.  —  Gein. 
Kieslingsw.  p.  3.  tb.  4.  f.  4. 

1  —  l"  lang;  in  der  Kreide  von  Lewes  und  im  Plänerkalke  von 
Sachsen  und  Böhmen. 

17.  G.  Chimaera  L.  Ag.  Seedrache. 

Die  Stacheln  sind  an  den  Seiten  flacher  als  bei  Spinax^  vorn 
gekielt  und  an  den  Hinterrändern  gezähnelt. 
Eine  Art  in  der  Kreide  von  Lewes. 

t  18.  G.  Pleuracanthus  Ag.  (nXtv^ä^  die  Seite;  axavd-a.) 

Die  ganze  Oberfläche  des  Stachels  ist  gerundet,  von  vorn 
nach  hinten  etwas  zusammengedrückt,  und  auf  jeder  Seite  mit  einer 
Reihe  von  abwärts  gekrümmten  Zähnen  bewaffnet. 

R.  laevissimus  Ag. ,  aus  dem  Kohlengebirge  von  Dudley,  ist  die 
älteste  Art  der  bekannten  Formen  von  Rochen. 

11* 


164 


FISCHE. 


19.  G.  Myliobates  Dumeril.  {^ivllaq^  Mühlstein;  ßariq^  Roche.) 

Auch  von  dieser  Gattung  der  Rochen  beschreibt  Agassiz  meh- 
rere fossile  Stacheln. 

B.    Zähne  und  einige  andere  üeberreste  der  Placoiden. 

Alle  Zähne  der  Placoiden,  welche  in  früheren  Zeiten  theil- 
weise  für  versteinerte  Schlangenzungen  (Glossopetren)  gehalten, 
theihveise  Krötensteine  (Bufoniten '■)  genannt  wurden,  haben  eine 
knochige  Wurzel,  welche  in  der  dicken  Haut  verborgen  liegt,  von 
sehr  verschiedener  Form,  und  eine  mit  dickem  Email  bedeckte  Krone, 
welche  in  dem  Munde  hervorragt.  Die  Beschaffenheit  der  letzteren 
ist  bei  den  verschiedenen  Gattungen  dieser  Ordnung  verschieden. 
Sie  stehen  weder  in  Höhlen  (Alveolen) ,  noch  sind  sie  an  beson- 
deren Rändern  der  Kiefern  befestigt,  sondern  sitzen  ganz  einfach 
in  der  Haut,  welche  den  Rachen  auskleidet.  Daher  ist  ihnen 
meistens  auch  eine  Beweglichkeit  möglich,  wie  sie  in  keiner  an- 
deren Klasse  der  Thiere  wieder  vorkömmt.  Die  der  Haien  und 
Rochen  stehen  in  mehreren  Reihen,  von  denen  die  vorderen  sich 
zuerst  abnutzen,  ausfallen  und  durch  jene  der  inneren  Reihen  wie- 
der ersetzt  .werden.  Fortwährend  bilden  sich  hinter  den  schon 
vorhandenen  Zähnen  neue,  welche  später  allmählig  nach  vorn 
rücken.  Die  Basis  von  allen  ist  breit  und  flach,  niemals  kegel- 
förmig oder  spitz. 

Nur  die  tertiären  Arten  ähneln  noch  den  jetzt  lebenden  For- 
men, die  in  älteren  Formationen  weichen  sehr  von  ihnen  ab. 

a«   Cestraciontes.  Fflasterförmige  Haifischzähne. 

Mehr  oder  weniger  flache  und  stumpfe  Zähne,  deren  Krone 
aus  kleineren  an  einander  gefügten  Röhren  besteht,  welche  der 
Oberfläche  eine  poröse  Beschaffenheit  ertheilen.  Der  einzige  Re- 
präsentant in  der  lebenden  Schöpfung  ist  Cestracion  Plülippi  bei 
Neu -Holland. 

t  1.  G.  Orodus  Ag.  C^Qog^  Berg;  döovg^  Zahn.) 

Zähne  verlängert,  in  der  Mitte  zu  einem  stumpfen  und  que- 
ren Kegel  erhoben  und  ihrer  ganzen  Länge  nach  mit  einer  Kante 
versehen,  von  welcher  schiefe,  an  den  Rändern  verzweigte  Run- 


*)  Hierunter  verstand  man  auch  Zahne  von  Ganoiden,  besonders  von 
Pycnodonten. 


KÖRNSCHUPPER.  ZAHNE. 


165 


zeln  herablaufeii.  Zu  ihnen  gehören  die  als  Ctenacanthus  oder 
als  Oracanthus  beschriebenen  Stacheln. 

Zwei  Arten  im  Kohlenkalke  von  Bristol. 

t  2.  G.  Ctenopty chius  Ag.  (xra^,  Kamm;  titv/tj^  Falte.) 

Sie  erscheinen  als  kleine,  stark  zusammengedrückte  Orodus- 
Zähne,  deren  Querwurzeln  einen  förmlichen  Kamm  von  mehr  oder 
weniger  gerundeten  und  losgerissenen  Vorsprüngen  bilden. 

Mehrere  Arten  im  Kohlenkalke,  Schieferthone  und  Süfswasser- 
kalke  der  Steinkohlenformation  Englands,  mit  Stacheln  von  Gyracan- 
thus,  Ftychacanthus  und  Sphenacanthus  zusammen. 

t  3.  G.  Eelodus  Ag.  Psammodus  z.  Th.  Buckel; 
oSovg^  Zahn.) 

Ihre  Oberfläche  ist  vollkommen  glatt  und  ihre  Mitte  in  der 
Form  eines  stumpfen  Kegels  aufgequollen.  Bald  sind  diese  Zähne 
verlängert,  gerundet  und  nur  in  der  Mitte  erhaben,  bald  zeigen 
sie  eine  Reihe  stumpfer  Kegel,  von  denen  der  mittelste  der 
gröfste  ist. 

Im  Kohlengebirge. 

f  4.  G.  Chomatodus  Ag.  Psammodus  z.  Th. 
{/fil^a^  Wall;  odovg,) 

Meistens  sehr  verlängerte,  in  der  Mitte  bald  flache,  bald 
erhobene,  bisweilen  sogar  auch  schneidende  Zähne,  deren  Krone 
an  ihrer  Basis  mit  einer  Reihe  concentrischer  Falten  umgeben  ist. 

Im  Kohlenkalke. 

t  5.  G.  Psammodus  Ag.  im  engeren  Sinne,  (tpafif-iog^  Sand; 

Breite  und  flache  Zähne,  mit  einer  sandartigen  porösen  Ober- 
fläche.   Die  Basis  ist  ebenso  breit  als  ihre  Krone. 
Drei  Arten  im  Kohlenkalke. 

t  6.  G.  Cochliodus  Ag.  Psammodus  z.  Th. 
{xo/Uag^  Schnecke;  oSovg.)  * 

Die  Zähne  haben  eine  zusammengerollte  Form,  und  es  sind 
ihrer  nur  wenige  vorhanden. 

C.  contorlus  k^.  Vol.  3.  p.  113.  tb.  19.  f.  14;  tb.  14.  f.  16  —  33. 

Der  erste  Zahn  ist  dreieckig,  seine  hintere  Seite  ist  die  gröfste 
und  gerade,  die  innere  Seite  ist  S-förmig  gekrümmt  und  die  vordere 
kurze  gleichfalls  gerade.  Die  Oberfläche  ist  vorn  niedergedrückt  und  zeigt 


166 


FISCHE. 


eine  Furche  parallel  mit  dem  Vorderrande,  während  sie  hinten  stark 
aufgequollen  ist. 

Mit  vier  anderen  Arten  im  Kohlenkalke  von  Armagh.  Aufser- 
dem  bei  Bristol  und  Clifton. 

t  7.  G.  Sfrophodus  Ag.  Psammodiis  z.  Th. 
(^OTQOcprjy  Drehung;  döovg.) 

Die  Zähne  sind  verlängert,  mehr  oder  weniger  verengt  und 
an  beiden  Enden  abgestutzt,  der  Länge  nach  etwas  gekrümmt,  in 
ihrer  Milte  oder  nach  dem  einen  Ende  zu  etwas  gewölbt,  mit 
einer  netzförmigen  porösen  Oberfläche. 

Die  Arten  beginnen  in  der  Trias,  herrschen  in  der  Jura- 
periode vor  und  gehen  bis  in  die  Kreide. 

S.  angustissimus  Ag.  Vol.  3.  p.  128.  tb.  18.  f.  28  —  30.  — 
Tab.  VII.  Fig.  4.  (f),  nach  Gein.  Beitr.  z.  Kenntn.  d.  thür.  Muschelk. 
tb.  3.  f.  6. 

Sie  sind  flach,  gerade,  an  ihren  schmalen  Enden  gerundet  und 
auf  ihrer  Oberfläche  netzförmig -porös. 

Häufig  im  oberen  Muschelkalke  von  Mattstedt  bei  Jena,  Rüders- 
dorf bei  Wilhelmshall  und  bei  Luneville. 

t  8.  G.  Ceratodus  Ag.  Psammodus  z.  Th.  (xtQag^  Horn;  dSovg.) 

Ihre  innere  Seite  ist  fast  gerade,  während  die  ihr  entgegen- 
gesetzte äufsere  vorspringende  Hörner  hat.  Die  Krone  zeigt 
feine  Pünktchen,  wie  die  vorigen  Gattungen.  Wahrscheinlich  ge- 
hören die  Stacheln  von  NemacantJms  zu  ihnen. 

Viele  Arten  kommen  im  Lias  von  Aust-Cliff  bei  Bristol,  eine 
Art  im  Jura  von  Stonesfield  vor. 

t  9.  G.  Ctenodus  Ag.  (xrtlg^  Kamm;  oSovg,) 

Zähne,  welche  einem  Fächer  mit  gezähnelten  Seiten  gleichen. 
Wenige  Arten    in    der  Steinkohle    und    dem  Steinkohlenkalke 
Englands. 

t  10.  G.  Acrodus  Ag.  (ax()og,  der  höchste;  döovg.) 

Fische,  welche  ihren  Kiefern  nach  die  gröfste  Aehnlichkeit 
mit  dem  Ceslracion  von  Neu- Holland  haben.  Eine  knochige  Wur- 
zel, mit  körniger  Structur,  trägt  die  Krone  von  Email,  welche  in 
der  Mitte  aufgequollen,  an  den  Seiten  zugerundet  und  an  beiden 
Enden  verschmälert  ist.  Von  einem  mittleren  Längskiele  laufen  nach 
beiden  Seiten  sich  verästelnde  Runzeln  über  die  ganze  Oberfläche 
herab. 


KÖRNt^CIfUPl'ER.  ZAHNE. 


167 


A.  GaillardoH  Ag.  Vol.  3.  p.  146.  Ib.  22.  f.  16 — 20.  — 
Taf.  VII.  Fig.  5.  a.  b. 

Es  sind  kleine ,  nachenförmige  Zähne ,  welche  sich  sehr  häufig, 
besonders  in  den  oberen  Schichten  des  Muschelkalkes  von  Thüringen 
(Mattstedt),  am  Krienberge  bei  Rüdersdorf,  bei  Bayreuth  und  in  V\^ür- 
4emberg  finden. 

Eine  andere  Art  im  Kupferschiefer,  sieben  Arten  im  Lias,  einige 
noch  in  den  Oolithen  und  in  der  Kreide. 

t  11.  G.  Ptychodus  Ag.  (nTv/rj,  Falle;  QSovg.) 

Zähne  von  eckiger,  mehr  oder  w^eniger  vierseitiger  Form. 
Ihre  Krone  ist  immer  breiter  und  verhältnifsmäfsig  höher  als  die 
abgestumpfte  W^urzel.  Sie  breitet  sich  nach  den  Seiten  hin  be- 
sonders aus  und  erhebt  sich  in  der  Mitte  zu  einer  grofsen  Warze, 
welche  auf  ihrem  abgeplatteten  Gipfel  mit  dicken,  stark  hervor- 
tretenden Querfalten  bedeckt  ist.  Der  übrige  Theil  der  Krone 
zeigt  unregelmäfsig  in  einander  verfliefsende  Höckerchen  oder 
schwächere,  gedrängtere  und  unregelmäfsigere  Falten. 

Alle  Arten  gehören  der  Kreideformation ,  besonders  der  ei- 
gentlichen Kreide  und  deren  Aequivalenten  an. 

P.  latissimus  Ag.  Vol.  3.  p.  157.  tb.  25.  a.  u.  h.  f.  24  —  26. 
—  Gein.  Char.  p.  63.  Ib.  7.  f.  5;  tb.  17.  f.  1.  2.  3.  —  Taf.  VII. 
Fig.  6.  a.  5. 

Viereckige,  hinten  steil  abfallende  oder  eingedrückte  Zähne,  mit 
5  —  8  sehr  starken  und  scharfkantigen,  parallelen  Falten  auf  dem  er- 
habenen mittleren  Theile  der  Krone  und  einem  breiten,  höckerigen 
Rande.  Gewöhnlich  breiter  als  lang,  bisweilen  auch  ebenso  breit  als 
lang,  kommen  sie,  1  —  ^"  grofs,  häufig  in  der  Kreide  von  England, 
im  Plänerkalke  von  Sachsen  und  Böhmen,  bei  Quedlinburg,  im  Grün- 
sande von  V\^estphalen  und,  nach  Catullo,  im  Vicentinischen  und  Ve- 
ronesischen  vor. 

P.  polygyrus  Ag.  ist  immer  breiter  als  lang,  flach  gewölbt, 
und  eine  gröfsere  Anzahl  (ohngefähr  lO)  etwas  gebogener  und  bis- 
weilen gespaltener  Falten  zieht  sich  bis  fast  zu  dem  Rande. 

In  der  Kreide  von  England,  selten  im  Pläner  von  Deutschland 
(Quedlinburg,  Strehlen,  Oberau  und  Plauen  bei  Dresden). 

P.  decurrens  Ag.  Vol.  3.  p.  154.  tb.  25.  b.  f.  1  —  8.  Gein. 
Char.  p.  64.  tb.  17.  f.  8.  9.  10.  12.  —  Taf.  VII.  Fig.  7. 

Ein  hoher  schmaler,  quer  gefalteter  Höcker,  welcher  vom  vorde- 
ren bis  zum  hinteren  Rande  reicht,  in  der  Mitte  aber  am  höchsten  ist, 


1G8 


FISCHE. 


bildet  den  mittleren  Theil  dieser  Zähne ,  so  dafs  nur  die  beiden  Sei- 
ten sich  flugelartig  daneben  ausbreiten. 

Gegen  4'"  breit,  mit  P.  latissimus  zusammen  und  eben  so  häufig. 

b.   Myhodontes  Ag. 

Spitze  Haifischzähne,  beiderseits  mit  Nebenzähnen  versehen  ^ 
und  längsgefaltet. 

t  1.  G.  Hybodus  Ag.  (yßog^  Buckel;  dSovg.) 

Von  dieser  Gattung  kennt  Agassiz  ganze  Kiefern  und  ver- 
schiedene andere  Theile  des  Körpers,  als  Stücken  der  Haut,  die 
früher  beschriebenen  Flossenstacheln  und  die  Zähne. 

Auf  einer  langen,  schmalen  und  niedrigen  Wurzel  erhebt  sich 
in  der  Mitte  des  Zahnes  ein  schmaler,  spitzer  Kegel,  häufig  von 
der  Länge  der  Wurzel ,  und  neben  ihm  auf  jeder  Seite  stehen 
1  —  4  kleinere,  welche  nach  den  Enden  hin  allmählig  an  Gröfse 
abnehmen.  Der  mittlere  Kegel  ist  ein  wenig  zusammengedrückt, 
und  zwar  auf  der  äufseren  Seite  mehr  als  auf  der  inneren.  Die 
Oberfläche  aller  dieser  Kegel  ist  mit  deutlichen  senkrechten  Falten 
bis  an  die  Spitze  oder  f  der  Höhe  bedeckt.  Auf  der  knochigen 
Wurzel,  deren  unterer  Rand  gewöhnlich  dem  Emailrande  parallel  ist, 
bemerkt  man  unter  der  Lupe  netzförmige  Structur  und  kleine  Foren. 

Die  Arten  erscheinen  zuerst  in  dem  Muschelkalke,  gehen 
durch  die  Juraformation  hindurch  und  enden  schon  in  der  Kreide. 
Agassiz  beschreibt  neun  aus  der  Trias ,  elf  aus  der  Juraformation 
und  eine  Art  aus  der  Kreide  von  Lewes. 

H,  plicatilis  Ag.  Vol.  3.  p.  189.  tb.  22.  a.  f.  1;  tb.  24. 
f.  10  u.  13.  —  H.  y.  Meyer  und  Plieninger,  Palaeontol.  Würtembergs, 
tb.  12.  f.  70.  71.  —  Gein.  Thür.  Muschelk.  tb.  3.  f.  8.  —  Taf.  VH. 
Fig.  8. 

Zahnwurzel  dick,  Hauptkegel  auf  jeder  Seite  mit  2  —  3  Neben- 
kegeln und  mit  vielen  Falten  bedeckt,  welche,  nach  oben  zu  in  ein- 
ander laufend,  theilweise  bis  zu  der  Spitze  gehen. 

Häufig  im  oberen  glauconitischen  Muschelkalke  des  Krienberges 
bei  Rüdersdorf,  zu  Mattstedt  bei  Jena,  in  der  Knochenbreccie  von 
Schwemmingen,  Echterdingen  und  Crailsheim  in  Würtemberg. 

i  2.  G.  Cladodus  Ag.  (^xXudog^  Zweig;  döovg,) 

Zähne  wie  die  von  Hybodus^  mit  dem  Unterschiede,  dafs 
die  an  dem  Ende  stehenden  Nebenzähnchen  gröfser  sind  als  die 
zwischen  ihnen  und  dem  Hauptkcgel. 


KÜRNSCHÜPPER.  ZÄHNE. 


169 


Acht  Arten  im  Kohlenkalke  von  Armagh,  Bristol  und  dem  Kalke 
von  Bourdie-House. 

t  3.  G.  Sphenonchus  Ag.  (o(prjv^  Keil;  07x0c,,  Haken.) 

Hier  ist  nur  ein  einziger,  sehr  entwickelter  Hauptkegel  vor- 
handen, welcher  hakenförmig  einwärts  gebogen,  übrigens  fast  cy- 
lindrisch,  sehr  dick  und  an  der  Basis  gefaltet  ist.  Nebenzähne 
fehlen  oder  sie  sind  nur  schwach  angedeutet. 

Eine  Art  im  Lias ,  zwei  in  der  oberen  Jura-  und  Wealdenfor- 
mation  Englands. 

t  4.  G.  Diplodus  Ag.  (ömXoog^  doppelt;  döovg,  Zahn.) 

Hier  entwickeln  sich  die  Nebenzähne  auf  Kosten  des  Haupt- 
kegels ,  welcher  kaum  die  Hälfte  der  Höhe  der  ersteren  erreicht. 
Diese  Seitenzähne  sind  gewöhnlich  nach  vorn  gekrümmt,  sehr  scharf, 
cylindrisch  und  von  verschiedener  Zahl,  bis  5  auf  einer  Wurzel. 

Zwei  Arten  in  der  Steinkohlenformation  von  England. 

c.  Squalides, 

Spitze  Haifischzähne,  mehr  oder  weniger  halbkegelförmig,  auf 
der  inneren  Seite  stark,  auf  der  äufseren  schwach  gewölbt  oder 
fast  flach. 

1.  G.  Notidanus  Cuv. 

Jeder  Zahn  besteht  aus  einer  Reihe  von  Zähnchen,  von  denen 
der  erste  der  gröfste  ist  und  jeder  der  folgenden  allmählig  klei- 
ner wird.  Dieses  vorderste  Zähnchen  ist  bei  den  Zähnen  im  Un- 
terkiefer verhältnifsmäfsig  gröfser  als  bei  denen  im  Oberkiefer. 

N.  Münsteri  Ag.  im  Jura  bei  Streitberg  und  Randen,  JV.  mi- 
crodon  Ag.  in  der  Kreide  von  England  und  im  Plänerkalke  von 
Sachsen,  einige  Arten  sind  tertiär,  und  auch  in  der  jetzigen  Schöpfung 
finden  sich  noch  Repräsentanten. 

t  2.  G.  Corax  Ag.,  früher  Galeus  Cuv.  z.  Th. 

Eine  ausgestorbene  Gattung,  von  welcher  man  nur  die  Zähne 
kennt.  Sie  haben  eine  starke  und  grofse,  d.  h.  weit  von  vorn 
nach  hinten  laufende ,  unten  etwas  concave  Wurzel ,  welche  eine 
breite,  spitze,  stark  rückwärts  geneigte  Krone  trägt.  Diese  ist 
auf  der  äufseren  Seite  schwach,  auf  der  inneren  stark  gewölbt, 
und  gleicht  etwas  einem  schiefen  Halbkegel.  Unten  breitet  sich 
die  hintere  Seite  etwas  nach  hinten  aus,  oder  es  steht  ein  klei- 
ner niedriger  Zahn  dahinter,  welcher  mehr  oder  weniger  deutlich 


170 


FISCHE. 


davon  gelrennt  ist.  Dadurch,  dafs  diese  Zähne  massiv  und  nicht 
holil  sind,  und  dafs  ihr  scharfer  Vorder-  und  Hinlerrand  durch 
Randzähnchen  von  fast  gleicher  Grofse  gekerbt  ist,  unterschei- 
den sie  sich  von  den  übrigens  sehr  ähnlichen  Zähnen  des  noch 
lebenden  Galeus. 

Die  Arten  gehören  der  Kreideformation  an,  eine  Art  ist  tertiär. 

C.  pristodontus  Ag.  Vol.  3.  p.  224.  tb.  26.  f.  9  —  13.  — 
Gein.  Char.  tb.  1.  f.  1.  —  C.  heterodon  Reufs,  böhm.  Kr.  p.  3.  tb.  3. 
—  Taf.  VII.  Fig.  11.  12. 

Die  hintere  Seite  verläuft  unter  einem  Bogen  allmähiig  in  die 
liintere  Ausbreitung.  Bei  C.  appendiculatus  Ag.  ist  ein  kleiner  hin- 
terer Zahn  deullich  von  dem  Hauplzahne  getrennt. 

Zwischenstufen  zwischen  beiden  sind  von  Agassiz  unter  anderen 
Namen  beschrieben  worden. 

Sie  sind  häufig  in  den  oberen  Schichten  der  Kreideformation, 
als  in  der  Kreide  von  England,  dem  Kalke  von  Mastricht,  dem  Plä- 
nerkalke  von  Strehlen  und  Weinböhla  in  Sachsen,  von  Teplitz  und 
Bilin  in  Böhmen,  sehr  selten  in  älteren  Schichten,  als:  im  unteren  Plä- 
ner von  Plauen  bei  Dresden  oder  dem  Grünsande  von  Kreibitz  in  Böh- 
men, Kieslingswalda  im  Glatzischen,  Haldem  und  Aix-de-Chapelle. 

3.  G.  Galeocerdo  Müll.  u.  Henle.  Galeus  Cuv.  z.  Th. 

Die  Zähne  unterscheiden  sich  von  denen  der  vorigen  Gattung 
durch  die  grofse  Unregelmäfsigkeit  der  Kerbzähnchen  an  ihrem 
ganzen  Rande,  während  bei  Galeus  Cuv.  der  Vorderrand  ganz 
glatt  und  nur  der  Hinterrand  gezähnelt  ist. 

Man  kennt  zwei  Arten  aus  der  Kreide,  drei  tertiäre  und  zwei 
noch  lebende. 

Hier  schliefsen  sich  vielleicht  die  folgenden  vier  Gattungen 
am  befsten  an: 

t  4.  G.  Aellopos  Münst.  (utlXonog^  schnell.) 

Ausgezeichnet  durch  die  beträchtliche  Gröfse  der  zweiten 
Rückenflosse,  welche  dort,  wo  sie  eingesetzt  ist,  höher  als  der 
Körper  ist.  Die  Schwanzflosse  scheint  sich  sehr  zu  verlängern. 
Das  Chagrin  der  Haut  ist  gleichmäfsig  granulirt.  Die  Wirbelkör- 
per sind  ebenso  hoch  als  lang. 

Zwei  grofse  Arten  von  Solenhofen. 

t  5.  G.  Scylliodus  Ag.  (ßcyllium;  odovg.) 

Ein  Haifisch  von  mittlerer  Gröfse,  aus  der  Kreide  von  Kenl, 
welcher  sich  Scyläum  durch  die  dreispitzige  Form  und  die  Klein- 


KÖRNSCHUPPER.  ZÄHNE. 


171 


heit  seiner  Zähne  nähert.  Der  Rachen  war  an  seiner  Mündung 
sehr  gekrümmt. 

t  6.  G.  Thyellina  Münst.  (Mythol.  Name.) 

Ein  kleiner  Haifisch  aus  den  Kreidegebilden  bei  Münster, 
dessen  beide  Rückenflossen  weiter  zurück  stehen  als  die  Baucli- 
flossen.  Die  gröfsere  zweite  R.  ist  gegenüber  der  A.  Alle  Flos- 
sen sind  vorn  gerundet,  die  S.  aber  ist  kurz  und  ihr  oberer  Lap- 
pen schwach  ausgezackt. 

t  7.  G.  Arthropterus  Ag.  (a^^^ov,  Glied;  nnQov^  Flügel.) 

Nach  Brustflossen  von  bedeutender  Länge  (5'')  bestimmt. 
Aus  dem  Lias. 

8.  G.  Sphyrna  Rafin.  Zygaena  Cuv.  Hammerfisch. 

Da  die  Zähne  des  lebenden  Hammerfisches  nicht  nur  in  bei- 
den Kiefern  verschieden  sind,  sondern  auch  in  einem  und  dem- 
selben Kiefer  bald  Zähne  mit  feiner  Randzähnelung,  bald  ohne  die- 
selbe vorkommen,  so  ist  es  noch  nicht  mit  Sicherheit  anzugeben, 
ob  einzeln  aufgefundene  fossile  Zähne  dieser  Gattung  angehören. 
Sie  haben  übrigens  viel  Aehnlichkeit  mit  einigen  Arten  von  Car- 
charias^  unterscheiden  sich  aber  durch  schmälere  Form. 

Zwei  Arten  aus  der  Kreide,  zwei  tertiäre. 

9.  G.  Squatina  Dum.  Meerengel. 

Von  dieser  noch  im  Mittelmeere  lebenden  Gattung  kommt, 
nach  Reuss,  eine  fossile  Art  im  Pläner  von  Böhmen  vor. 

t  10.  G.  Hemipristis  Ag.  (^y"?  halb;  nqioTog^  gesägt.) 

Die  Arten  dieser  Gattung  stehen,  nach  Agassiz,  zwischen 
Galeocerdo  und  einigen  gekrümmten  Zähnen  von  Carcharias  ^  un- 
terscheiden sich  aber  dadurch,  dafs  die  Randzähnelung  in  einiger 
Entfernung  von  dem  Gipfel  aufhört  und  der  letztere  glatt  erscheint. 

Drei  Arten,  deren  geologisches  Alter  noch  nicht  genau  ge- 
kannt ist. 

11.  G.  Carcharias  Cuv. 

Diese  in  der  lebenden  Schöpfung  so  reich  entfaltete  Gattung 
der  Haie  hat  nur  wenige  fossile  Vertreter,  welche  der  Unter- 
gattung Prionodon  Müller  u.  Henle  angehören.  Ihre  Zähne 
sind  schief  oder  gerade,  breit-  oder  schmal -dreieckig  mit  einer 
breiten  Basis  und  an  beiden  Rändern,  wenigstens  stets  in  dem 
Oberkiefer,  gezähnelt. 


172 


FISCHE. 


Zwei  Arten  im  Grünsande  von  Sentis  in  Sl.  Gallen,  und  im  Kreide- 
mergel von  Bockum. 

t  12.  G.  Qlyphis  Ag.  (yXi;^/^,  Kerbe.) 

Zähne  lang  und  schmal,  mit  breiterer  Wurzel  und  in  der 
Nähe  des  Gipfels  sich  etwas  erweiternd,  so  dafs  sie  die  Form 
eines  Steinmeifsels  annehmen.  Ihre  Wurzel  ist  massiv  und  hat  zwei 
sehr  vorstehende  Hörner.  Diefs  ist  die  BeschaiFenheit  der  vorde- 
ren Zähne  im  Unterkiefer  des  lebenden  Carcharias  (Prionodon) 
Glyphis^  welche  Agassiz  zu  der  Gattung  Glyphis  erhebt. 

G.  hastalis  Ag.  aus  dem  Londonthone. 

13.  G.  Carcharodon  Smith.  {Carcharias;  döwv.) 

Es  sind  Carcharias  -  Arien  mit  halbmondförmiger  S.  und  sehr 
breiten,  dreieckigen,  an  den  Rändern  gezähnelten  Zähnen.  Wäh- 
rend in  der  lebenden  Schöpfung  nur  eine  einzige  Art,  C.  Lamia^ 
existirt,  kennt  man  eine  grofse  Anzahl  fossiler  Arten,  welche 
meistens  durch  die  beträchtliche  Gröfse  der  Zähne  auf  eine  bedeu- 
tende Entwickelung  jener  Haifische  schliefsen  lassen. 

C.  (Carcharias)  megalodon  Ag.  Vol.  3.  p.  247.  tb.  29.  f.  3. 

—  Hiernach  Taf.  VH.  Fig.  17.  in  \  Gröfse. 

Agassiz  beschreibt  vierzehn  tertiäre  Arten  und  einige  von  un- 
bekannten Fundorten. 

t  14.  G.  Otodus  Ag.  (wg,  Ohr;  oöovg,  Zahn.) 

Wie  bei  allen  Squaliden,  sind  die  vorderen  Zähne  gerade 
und  pyramidal,  während  die  hinteren  immer  kürzer  werden  und 
mehr  und  mehr  sich  nach  rückwärts  krümmen.  Die  innere  Seite 
ist  stark,  die  äufsere  flach  gewölbt.  Die  Basis  der  Krone  ist 
meistens  glatt  und  nur  bei  einigen  Arten  gefaltet.  Bei  Otodus 
trägt  eine  breite  und  starke,  in  der  Mitte  ausgeschnittene  Wurzel 
den  breiten,  scharfrandigen  Zahn,  welcher  an  seiner  Basis  jeder- 
seits  mit  einem  zusammengedrückten  und  scharfen  Höcker  oder 
Nebenzahn  innig  verbunden  ist,  der  auf  beiden  Seiten  ziemlich 
gleiche  Form  und  Entwickelung  hat. 

Die  mehrsten  Arten  kommen  in  der  Kreide,  einige  in  tertiä- 
ren Bildungen  vor. 

0.   appendiculatus  Ag.   Vol.   3.   p.  270.   Ib.   32.   f.  1  —  25. 

—  Gein.  Char.  Ib.  1.  f.  3.  —  Taf.  VH.  Fig.  9.  10. 

An  Form  und  an  Gröfse  sehr  variabel,  mit  breiten,  bald  stumpf-, 
bald  spitzwinkeligen  Nebenzähnen. 


KÖRNSCHÜPPER.  ZÄHNE. 


173 


Sehr  häufig  in  der  Kreide  von  England,  im  Plänerkalke  von 
Strehlen,  Quedlinburg,  Teplitz  und  anderen  Orten  von  Deutschland, 
seltener  in  älteren  Schichten.  Agassiz  citirt  diese  Art  aus  den  ver- 
einigten Staaten  von  den  Ufern  des  Delaware -Canals,  aus  der  Kreide 
der  Normandie  und  aus  dem  Gault  von  Speeton. 

15.  G.  Oxyrhina  Ag.  {oE,vg^  spitz;  q\v^  Nase.) 

Zähne  ohne  Seitenzähne  oder  Seitenhöcker,  übrigens  fast  von 
der  Form  der  0^oc?wä- Zähne,  mit  welchen  man  sie  sehr  leicht 
verwechseln  kann,  wenn  dieselben  ihrer  Wurzeln  beraubt  sind. 
Im  Allgemeinen  sind  jedoch  die  Zähne  von  Oxyrhina  schmäler, 
und  ihre  Wurzel  ist  weniger  breit.  Der  Typus  dieser  Gattung  ist 
0.  Spallamani  (Lamna  Oxyrhina  Cuv.)  im  grofsen  Weltmeere. 

Eine  Art  gehört  der  Juraformation  an,  drei  Arten  kommen  in 
der  Kreide  und  elf  in  tertiären  Bildungen  vor. 

0,  Manteliii  Ag.  Vol.  3.  p.  280.  tb.  33.  f.  1  —  9.  —  Gein. 
Char.  tb.  1.  f.  4.  —  Reufs,  böhm.  Kr.  tb.  3.  f.  1  —  6.  —  Taf.  VII. 
Fig.  13.  14. 

Häufig  im  Plänerkalke  von  Böhmen,  Strehlen,  Quedlinburg,  Gos- 
lar, im  Kreidemergel  bei  Aachen  und  Schweden,  und  in  der  weifsen 
Kreide  von  England. 

0.  angustidens  Reufs.  —  Taf.  VII.  Fig.  15.  a.  b.  c. 

Diese  viel  schmälere  Art  von  Zähnen  ist  aufserordentlich  häufig 
in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  bei  Dresden  und  bei  Bilin. 

16.  G.  Lamna  Cuv.  mit  den  Untergattungen:  t  Sphenodus  Ag. 
(^oq)7]v^  Keil;  oöovg,)  und  t  Odontaspis  Ag.  {oÖcüv; 
uoTiig^  Schild.) 

Die  Zähne  dieser  Gattung  nähern  sich  sehr  denen  von  Oto- 
duSy  sind  jedoch  etwas  schmäler  als  diese,  und  ihre  Seitenkegel 
(Seitenzähne)  sind  viel  kleiner.  Bei  Odontaspis  Ag.  entsprechen 
den  dünnen  und  langen  Zähnen  auch  lange  und  sehr  spitze  Seitenzähne. 

Zwei  Arten  in  der  Jura-,  sechs  in  der  Kreideformation,  etwa 
zehn  tertiäre  und  mehrere  Arten  noch  in  den  jetzigen  Meeren. 

L,  (Odontaspis)  raphiodon  Ag.  Vol.  3.  p.  296.  tb.  37.  «. 
f.  11  — 16.  —  Gein.  Char.  {Enchodus  halocyon)  tb.  17.  f.  13.  14.  — 
Taf.  VII.  Fig.  16.  a.  b.  c. 

Diese  Zähne  sind  hoch  und  schmal,  auf  ihrer  inneren  Seite  stark 
gewölbt,  an  den  Rändern  aber  dennoch  sehr  scharf,  unten  nach  au- 
fsen,  in  der  Mitte  nach  innen  und  oben  wieder  nach  aufsen  gebogen, 
wie  diefs  in  schwächerem  Maafse  ^uch  bei  Oxyrhina  und  bei  Otodus 


174 


FISCHE. 


der  Fall  ist.  Die  gewölbte  Seite  ist  von  unten  bis  über  die  Mitte 
der  Höhe  fein  gestreift,  die  äufsere  flache  Seite  ihrer  ganzen  Länge 
nach  in  der  Mitte  gekielt.  Nebenzähne  habe  ich  nur  einmal  vor- 
gefunden. 

Im  Grünsande  bei  Aachen  und  Regensburg,  im  unteren  Pläner 
von  Plauen  bei  Dresden  und  in  Böhmen,  selten  im  oberen  Pläner  von 
Strehlen,  in  der  Kreide  von  Lewes. 

d.   Zähne  und  andere  Ueberreste  aus  der  Familie 
der  Rochen. 

Sie  zeichnen  sich  nicht  allein  durch  ihre  flach -scheibenförmige 
Gestalt,  sondern  auch  durch  die  Eigenthümlichkeit  ihres  Chagrins 
aus.  Man  unterscheidet  nämlich  in  der  Ordnung  der  Placoiden 
zwei  Arten  davon.  Entweder  ist  ihre  Haut  mit  schuppigen  Plätt- 
chen versehen,  welche  an  ihrem  Hinterrande  verschieden  ausge- 
schnitten sind,  oder  es  finden  sich  statt  derselben  harte  Höcker, 
welche  auf  einer  breiten  Basis  ruhen  und  bald  körnig  sind,  bald 
mehr  oder  weniger,  oft  stachelig,  hervorspringen.  Die  letztere 
Beschaffenheit,  wofür  Agassiz  den  Namen  „6owc/eÄ"  braucht,  hat 
das  Chagrin  der  eigentlichen  Rochen ,  während  der  gröfste  Theil 
der  Haifische  mit  einem  einförmigen  Chagrin  bedeckt  wird  und 
bei  Myliobates  und  Trygon  die  Haut  vollkommen  glatt  ist.  —  Hierzu 
auch  die  Flossenstacheln  von  Pleuracanthus  und  Myliobates. 

t  1.  G.  Squalo  Kaja  Riley.  Spinacorhmus  Ag. 

Eine  Form,  die  die  Haifische  und  Rochen  verbindet.  Ein 
Haifischkopf,  dessen  vorderer  Theil  in  einen  langen  Schnabel  ver- 
längert ist,  Wirbel  so  wie  Brust-  und  Bauchflossen  ähnlich  stark 
entwickelt  wie  bei  dem  Hairochen  (Rhinobates)  ^  ein  mit  einem 
Stachel  bewaffneter  Schwanz,  wie  Trygon  und  Myliobates^  und  das 
Chagrin  der  eigentlichen  Rochen  zeichnen  diese  Gattung  hinrei- 
chend aus. 

Eine  Art  aus  dem  Lias  von  Lyme  Regis. 

2.  G.  Raja  L.  Eigentlicher  Roche. 

Körper  rhombisch,  mit  vorragender  Schnauze  und  zwei  Rücken- 
flossen. Agassiz  kennt  das  Chagrin  von  zwei  fossilen  Arten,  wel- 
che beide  aus  tertiären  Schichten  herrühren. 

R.  anliqua  aus  dem  Crag  von  Norfolk. 

3.  G.  Pristis  Latham.  Sägefisch. 
Aufser  den  kleinen  Kieferzähnen  haben  die  Sägefische  noch 
gröfsere,   von  der  Form  sehr  verlängerter,  zusammengedrückter 


KÖKNSCIIÜPPEK.  ZÄUNE. 


175 


Kegel,  welche  an  ihrem  Hinterrande  hohlkehlig  sind.  Diese  Zähne 
sitzen  auf  beiden  Seiten  der  unter  dem  Namen  „Säge"  bekannten 
schnabelartigen  Verlängerung  der  Schädelknochen. 

F.  bisulcatus  Ag.  von  Sheppey,  ist  ein  Stück  jener  Säge. 

4.  G.  Try'gon  Adanson.  Stechroche.  Pfeilschwanz. 

Von  der  Form  der  eigentlichen  Rochen,  aber  mit  einem  säge- 
förmig  gezähnten  Stachel  am  Schwänze. 
Zwei  Arten  vom  Monte  Bolca. 

5.  G.  Torpedo  Dumeril.  Zitterroche. 

Auch  diese  Gattung,  mit  kreisrundem  Körper,  wird  am  Monte 
Bolca  durch  T.  gigantea  Ag.  vertreten. 

t  6.  G.  Asterodermus  Ag.  {uottiq^  Stern;  ötQi-ia^  Haut.) 

Ein  kleiner  Roche  von  Solenhofen,  mit  verlängerten,  cylindri- 
schen,  in  der  Mitte  ihrer  Länge  niedergedrückten  Wirbelkörpern,  wel- 
che mehr  denen  der  Haifische  als  jenen  der  Rochen  ähneln.  Die 
ganze  Oberfläche  des  Körpers  ist  mit  kleinen  stacheligen  Sternchen 
bedeckt.  Die  Flossen  bestehen  aus  platten,  einfachen,  aus  wenigen 
Gliedern  bestehenden  Strahlen. 

t  7.  G.  Cyclarthrus  Ag.  (xvxXo^,  Kreis;  uq9-qov,  Glied.) 

Ausgezeichnet   durch   cylindrische  Glieder   der  Brustflossen- 
strahlen, welche  in  der  Nähe  ihrer  Basis  hurz  und  dick  sind. 
Aus  dem  Lias  von  Lyme  Regis. 

t  8.  G.  Euryarthra  Ag.  C^vQvg,  breit;   Ixq^qqv^  Glied.) 

E.  Münsteru  Ag.,  von  Solenhofen,  deutet  durch  die  breiten, 
flachen,  aus  Avenigen ,  aber  sehr  grofsen  Gliedern  bestehenden  Brust- 
flossenstrahlen eine  grofse  Rochenart  an. 

9.  G.  Myliohates  Dum.  (/nvXiugy  Mühlstein;  ßaug,  Roche.) 

Die  Kiefern  dieser  Rochen  tragen,  anstatt  spitzer  Zähne, 
breite  Zahnleisten  mit  flacher  Krone,  welche  durch  feine  Nähte 
mit  einander  so  vereinigt  sind,  dafs  sie  parketirte  Platten  bilden, 
deren  Theile  unter  sich  bald  gleich,  bald  ungleich  und  in  mehre- 
ren symmetrischen  Reihen  angeordnet  sind.  In  dieser  Gattung  sind 
die  mittleren  Zähne  der  beiden  Kiefern  aufserordentlich  in  die  Quere 
entwickelt;  übrigens  ist  die  Zahnplatte  des  Unterkiefers  flach  und 
länger  als  die  des  oberen  Kiefers,  welche  um  den  vorderen  Rand 
desselben  gekrümmt  und  auf  ihren  Seiten  leicht  gewölbt  ist. 

Fünf  Arten  leben,  vierzehn  fossile  sind  alle  tertiär. 


J-6 


FISCHE. 


10.  G.  Aetobatis  Müll.  u.  Henle.  («VoCj  stürmisch; 

ßoLTig,  Roche.) 

Der  Unterkiefer  macht  einen  Vorsprung  vor  dem  kürzeren 
und  rechtwinkelig  abgeschnittenen  Oberkiefer.  Beide  sind  mit  einer 
einzigen  Reihe  von  queren  Zähnen  versehen,  und  ohne  Seitenleisten. 
Die  Zahnplatte,  deren  Oberflüche  der  Breite  nach  fast  flach  ist, 
bedeckt  nicht  die  ganze  Fläche,  vi^ährend  sein  vorderer  Theil  den 
Kiefer  beträchtlich  überflügelt,  was  um  so  mehr  hervortritt,  als 
die  Zähne  nach  vorn  gekrümmt  sind. 

Aufser  zwei,  an  der  Küste  von  Brasilien,  in  dem  indischen  und 
rothen  Meere  lebenden  Arten,  sind  vier  Arten  fossil,  wahrschein- 
lich tertiär. 

11.  G.  Zygobates  Ag.  {L^vyhg^  Joch;  ßaTig^  Roche.) 

Die  Zahnleisten  stehen  hier  in  mehreren  Reihen,  welche  von 
der  Mitte  nach  dem  Rande  zu  sich  an  Breite  allmählig  verringern. 

Zwei  Arten  leben  an  der  Küste  von  Brasilien,  zwei  sind  ter- 
tiär, in  der  Molasse  der  Schweiz  und  im  Crag  von  England. 

t  12.  G.  Janas sa  Münst.  (Mythol.  Name.) 

Die  Anordnung  ihrer  Zähne  hat  einige  Aehnlichkeit  mit  der 
von  Zygobates.  Ihre  Zahnleisten  haben  eine  röhrenförmige  Structur, 
wiewohl  ihre  Krone  emailirt  ist.  Die  vorderen  Zähne  sind  die 
kleinsten.  Aufser  drei  Hauptreihen  von  Zähnen  stehen  kleinere 
auf  den  Seiten. 

/.  angulata  Münst.  Beitr.  1.  p.  67.  tb.  4.  f.  1.  —  Germ. 
Beitr.  d.  Mansf.  Kupf.  p.  26.  —  Gaea  v.  Sachsen,  p.  95. 

Im  Kupferschiefer  von  Glücksbrunn,  Liebenstein,  Kamsdorf,  Eis- 
leben, Mansfeld  und  Riegelsdorf. 

t  13.  G.  Dictea  Münst.  (Dicte^  Mythol.  Name.) 

Hiervon  kennt  man  einen  fast  vollständigen  Abdruck  von  ab- 
geplatteter Form.  Die  Brustflossen  sind  breit,  abgerundet  und 
verlängern  sich  nach  vorn  über  die  Seiten  des  Kopfes.  Die  erste 
Rückenflosse  scheint  gelappt  zu  sein.  Die  Haut  ist  sehr  fein  cha- 
grinirt.  In  der  Mitte  des  Kiefers  stehen  verlängert -birnförmige 
Zähne  in  vier  schwach  nach  hinten  divergirenden  Reihen.  Die 
vorderen  Zähne  sind  die  kleinsten.  Hinten  steht  auf  jeder  Seite 
ein  sehr  dicker,  flacher  Zahn,  und  aufserdem  eine  Reihe  von 
rhombischen  Zähnen. 

Im  Zechsteine  von  Thalitter. 


KÖHNSCnUFPER.  ZAHNE. 


177 


e.   Zäliiie  und  andere  Ueberreste  aus  der  Familie  der 
Cliimären  oder  ^androelien. 

Die  beiden  lebenden  Gattungen  dieser  Familie  sind  Chimaera 
lind  Gallo rhynchus. 

Die  vorderen  Zähne  oder  die  der  Zwischenkiefern  der  in  dem 
Mittelmeere  lebenden  Chimaera  monstrosa^  oder  der  Seeratze,  sind 
länglich  und  fast  zweimal  höher  als  breit ,  und  enden  nach  vorn 
mit  einem  scharfen,  gezähnelten  Rande.  Aeufserlich  zeigen  sie 
verticale  Rippen,  abwechselnd  aus  sehr  harter  und  etwas  weniger 
harter  Zahnsubstanz,  woraus  sich  die  Zähnelung  des  Randes  er- 
klärt; innerlich  unterscheidet  man  schiefe,  unter  sich  parallele 
Rlätlerschichten.  Die  Zähne  des  Oberkiefers  stehen  horizontal  und 
bilden  auf  dem  Gaumen  einen  knochigen  Boden  von  der  Form 
eines  Dreiecks,  dessen  innerer  Rand  der  breiteste  ist. 

Die  fossilen  Arten  gehören  weder  zu  Chimaera  noch  zu  Cal- 
lorhynchiis  ^  sondern  bilden  mehrere  eigenthümliche  Gattungen. 

t  1.  G.  Ischyodon  (Jschyodus)  Egerton. 

Die  zum  Zermalmen  der  Nahrung  dienenden  Höcker  im  Un- 
terkiefer stehen  von  einander  getrennt  und  sind  stark  entwickelt. 
Besonders  breit  ist  der  Höcker  in  der  Mitte. 

t  2.  G.  Ganodus  Egert.  {yavog^  Glanz;  odovg.) 

Hier  stehen  diese  Höcker  viel  gedrängter  und  sind  in  eine 
einzige,  mit  einer  knochigen  Schicht  bedeckte  Erhöhung  vereinigt. 

t  3.  G.  Psittacodon  Ag.  {ipmaxT^^  Papagai;  oöovg.) 

Unterkiefer  vorn  in  eine  Spitze  verlängert. 

Agassiz  führt  die  drei  genannten  Gattungen  noch  als  Untergattungen 
von  Chimaer a  auf,  und  beschreibt  von  Ganodus  vier  Arten  aus  den 
Oolithen  von  Stonesfield,  von  Ischyodon  eine  aus  dem  Lias,  zwei  aus 
dem  mittleren,  sechs  aus  dem  oberen  Jura,  zwei  aus  der  Kreide  von 
England  und  eine  Art  aus  der  Molasse  der  Schweiz.  Von  Psittacodon 
kommen  zwei  Arten  in  den  Oolithen  und  zwei  in  der  Kreide  von 
England  vor. 

t  4.  G.  Elasmodus  Eg.  (llao/na,  Platte;  oöovg.) 
Mit  einer  Art  aus  dem  Londonthone  von  Sheppey. 

t  5.  G.  Psaliodus  Eg.  (ipuXiog,  weifs  glänzend;  odovg.) 

Mit  einer  Art  ebendaher. 
Geinitz ,  Versteinernugskuncle.  ,  12 


178 


FISCHE.  —  ^ÜRNSCHUPPER.  WIRBEL. 


t  6.  G.  Edaphodon  Buckl.  (eSafog^  Fufsboden;  oSwv.) 

Mit  drei  Arfen  aus  dem  Sande  von  Bagshol  und  dem  London - 
thone  von  Sussex. 

t  7.  G.  Passalodon  Buckl.  (nuGoulog^  Pfahl;  dSwv,) 

Eine  Art  aus  dem  Sande  von  Bagshot. 

C.  Wirbel. 

Von  den  manniclifachen  Wirbeln  der  Haifische,  worüber  Prof. 
Müller  in  Agassiz  Poiss.  foss.  Vol.  3.  p,  361  u.  f.  die  schätzbarsten 
Mittheilungen  gegeben  hat,  führe  ich  nur  die  in  dem  Plänerkalke 
von  Sachsen,  Böhmen,  und,  nach  Glocker,  auch  bei  Oppeln  in 
Schlesien,  so  wie  in  der  Kreide  von  England  nicht  selten  vor- 
kommenden Wirbel  von  Lamna  (Taf.  VII.  Fig.  18.)  an.  Im  voll- 
kommenen Zustande  gleichen  sie  einem  Damenbretsteine ,  da  beide 
Seitenflächen  sich  nach  der  Mitte  zu  allmählig  vertiefen,  und  sind 
etwa  dreimal  höher  als  breit.  Ablösungsstücke  von  ihnen  haben  oft 
ein  Schild-  oder  patellenähnliches  Ansehen.  Aeufserlich  wie  inner- 
lich sieht  man  bei  ihnen  dicht- concentrische  Streifen  und  Furchen, 
welche  durch  radiale  Streifen  durchkreuzt  werden. 

Sie  enthalten  sehr  vielen  phosphorsauren  Kalk.  In  Strehlen 
bei  Dresden  und  bei  Hundorf  in  Böhmen  erreichen  sie  bisweilen 
eine  Höhe  von  2  Zoll. 


B.  Arthrozoa.  Gliederthiere. 


Die  Gliederthiere  verdanken  ihren  Namen  dem  eigenthiimlichen  Bau 
eines  länglichen,  symmetrisch  gebildeten  Körpers,  welcher  in  mehr 
oder  weniger  deutliche,  gürtelförmige  Abschnitte  oder  Ringe  ge- 
theilt  ist.  Ein  inneres  Skelett  fehlt  ihnen  fast  gänzlich,  statt 
dessen  ist  aber  den  meisten  von  ihnen  ein  äufseres  (Hautskelelt) 
zuertheilt  worden,  welches  in  einer  derben,  hornigen  oder  kalkigen 
Hülle  besteht,  und  vorzüglich  zur  Befestigung  der  Muskulatur  ihrer 
Bewegungsorgane  gebraucht  wird. 

Die  Bewegungsorgane  der  Gliederthiere  stehen  paarig  und 
sind,  an  den  Würmern  und  mehreren  Crustaceen  ausgenommen, 
gegliedert.    Ihre  Zahl  variirt  zwischen  6  und  mehr  noch  als  100. 

In  vielen  Würmern  und  den  Tausendfüfsern  geschieht  die 
Ausbildung  der  hinter  einander  liegenden  Leibesringe  so  gleich- 
mäfsig,  dafs  in  jedem  gleiche  oder  gleich  viele  Antheile  sowohl 
der  inneren  als  der  äufseren  Organe  enthalten  sind ;  bei  den  übrigen 
Gliederthieren  aber  entwickeln  sich  einzelne  Ringe  vor  den  übrigen 
besonders  und  bewirken  dadurch  eine  Ungleichartigkeit  der  Leibes- 
ringe. Gewisse  Ringe  reifsen  dann  auch  gewisse  Organe  an  sich, 
wie  die  vordersten  die  Sinnesorgane,  während  die  mittleren  am 
liebsten  die  Bewegungsorgane,  Respirationsorgane  und  das  Herz 
an  sich  ziehen,  und  die  Verdauungs-  und  Geschlechtsorgane  in 
den  hinteren  Ringen  ihren  Platz  finden.  Nach  ihrem  Inhalte  hat 
man  die  vorderen  Ringe  als  Kopf  (caput)^  die  mittleren  als  Brust 
oder  Brustkasten  (thorax)^  und  die  hinteren  als  Bauch  oder 
Hinterleib  (abdomen)  bezeichnet.  (Burmeister  Handb.  d.  Naturg. 
p.  519  u.  520.) 

Die  Säfte  der  Gliederthiere  sind  in  der  Regel  ungefärbt,  und 
ihre  Fortpflanzung  geschieht,  wie  bei  den  meisten  Thieren,  durch 
das  Ei. 

12* 


180 


INSECTEN. 


V,  Klasse.  Insecta.  Insecten. 

Der  Körper  der  Insecten  ist  deutlich  in  Kopf,  Brust  und 
Hinterleib  geschieden.  Sie  athmen  durch  Luftröhren,  haben  sechs 
gegliederte  Beine,  sind  meistens  geflügelt  und  bestehen  eine  mehr 
oder  minder  vollständige  Metamorphose. 

Aus  dem  Eie  entwickelt  sich  eine  Larve  (Made,  Raupe),  die 
sich  verpuppt,  und  erst  aus  der  Puppe  (Nympfe)  schlüpft  das  voll- 
kommene Insect  hervor. 

Am  Kopfe  dieser  Thiere  unterscheidet  man:  zwei  gegliederte, 
sehr  bewegliche  Fühler  oder  Antennen ,  welche  sich  in  der  Nähe 
der  Augen  befinden;  zwei  unbewegliche  zusammengesetzte  Augen, 
deren  Oberfläche  aus  zahlreichen  sechseckigen  Linsen  besteht  (Netz- 
augen), neben  welchen  öfters  noch  zwei  oder  drei  einfache  oder 
Nebenaugen  stehen;  die  Mundtheile,  Kiefern  (mandibulae)  mit  Ober- 
und  Unterlippe  (Zunge),  und  zwei  Paare,  in  Hülfsorgane  für  den 
Mund  verwandelte  Füfse,  welche  hier  Unterkiefer  (maxillae)  und 
Unterlippe  (lablum)^  woran  man  den  hornigen  Theil  als  Kinn,  den 
häutigen  als  Zunge  unterscheidet,  genannt  werden.  Die  3  —  6 
freien  Englieder  der  Unterkiefer  und  Unterlippe  bilden  die  Taster 
(palpi).    (Burm.  Hdb.  d.  Naturg.  p.  588.) 

Die  Brust  besteht  aus  drei  verwachsenen  Hornringen,  von 
denen  jeder  ein  Fufspaar  trägt,  und  der  Hinterleib  ist  aus  3 — 9 
zusammen  verbundenen  Ringen  gebildet. 

Keine  Klasse  der  lebenden  Thierwelt  hat  eine  so  grofse  An- 
zahl von  Formen  aufzuweisen,  als  die  der  Insecten,  und  schon 
möchte  sich  die  Anzahl  der  in  der  jetzigen  Schöpfung  unterschie- 
denen Arten  auf  80,000  belaufen. 

Wie  die  Klasse  der  Insecten  auf  die  Existenz  der  höher  or- 
eanisirten  Thiere  und  Pflanzen  noch  gegenwärtig  einen  entschei- 
denden Einflufs  ausübt,  so  war  es  wohl  ohne  Zweifel  auch  früher 
der  Fall.  Mit  dem  ersten  Dasein  der  ersten  Spuren  von  insecten- 
fressenden  Säugethieren  und  Vögeln,  mit  dem  Emporblühen  einer 
Flora  von  Phanerogamen,  deren  Befruchtung  doch  vorzugsweise 
durch  Insekten  bewirkt  wird,  durften  diese  Thiere  nicht  fehlen, 
und  umgekehrt  setzt  wieder  ihr  Vorhandensein  die  Existenz  ge- 
wisser Pflanzen  und  Thiere  voraus. 

Die  See  ernährt,  nach  Germar  (Act.  Ac.  Caes.  Leop,  Car. 
Nat.  Cur.  Vol.  19.  P.  1.  p.  189.),  kein  einziges  Insect;  nur 
einige  Gattungen  und  Arten,  wie  Pogonus  aus   der  Familie  der 


[NHECTE.N. 


181 


Carabicinen ,  Halobales  ■'•)  aus  der  Familie  der  Wasserlaiifer,  noch 
einige  Arten  von  Käfern  und  einige  Fliegen  sind  an  die  Nähe  des 
Meerwassers  gebunden. 

Fossile  Insecten  sind  daher  vorzugsweise  in  Süfswasserbild- 
ungen,  und  zwar  vornehmlich  in  denjenigen  zu  erwarten,  in  wel- 
chen wir  die  Reste  einer  ausgedehnten  Phanerogamenflora  vorfinden, 
womit  auch  die  bisherigen  Erfahrungen  über  ihr  Vorkommen  voll- 
ständig übereinstimmen. 

Die  ältesten  Insecten  sind  durch  Buckland  )  in  England, 
und  durch  Germar  *'^"^')  bei  Wettin  in  der  Steinkohlenformation  er- 
kannt worden. 

Prast,  Strickland,  Dale  und  Brodie  fanden  Flügel  von  Li- 
bellen {Aeschna  Uaslna  Strickl.)  mit  vielen  Käferflügeln  im  Lias 
von  England  (Leonh.  Br.  Jahrb.  1842.  p.  497.  750;  1843.  p.  501; 
1844.  p.  127.),  und 

Westwood  bestimmte  einen  anderen  Neuropteren-Fliigel  (f  He- 
merohioides) aus  dem  Juraschiefer  von  Stonesfield.  (L.  Br.  J.  1839. 
p.  729.) 

Die  Insecten  des  lithographischen  Schiefers  von  Solenhofen 
wurden  vorzüglich  durch  Germar  gesichtet.  (Die  versteinerten  In- 
secten Solenhofens  in  Act.  Ac.  Caes.  Leop.  Car.  Nat.  Cur.  Vol.  19. 
P.  1.  p.  189-222;   in  Münst.  Beitr.   z.  Petref.  Hft.  5.  p.  79.); 

Brodie  wies  Spuren  von  Insecten  in  der  Wealden-Forma- 
tion  des  Wardour- Thaies,  westlich  von  Salisbury  nach.  (L.  Br. 
J.  1843.  p.  238.) 

Am  zahlreichsten  sind  die  fossilen  Insecten  in  tertiären 
Gebilden  beobachtet  worden,  welche  Thatsache  mit  dem  Charak- 
ter der  Tertiärformation,  in  welcher  eine  Menge  localer  Süfswas- 
serbildungen  zwischen  Meeresniederschlägen  eingelagert  sind,  vor- 
trefflich zusammenpafst. 

Der  fossilen  Insecten  im  Kalkschiefer  von  Oeningen  gedenkt 
schon  Knorr  t). 

Landgreve  beschrieb  einen  im  Polirschiefer  des  Habichlwal- 
des  aufgefundenen  Käfer,  welcher  am  meisten  dem  Aphodius  ßme- 
tarius  Fabr.  glich.    (L.  Br.  J.  1843.  p.  137.) 


*)  Die  Larve  einer  Art  von  Halobates  wurde  im  Bernsteine  der  Ostsee 
gefunden.  (Germar,  briefl.  Mitth.) 

**)  Geol.  p.  459;  Leonh.  Br.  Jahrb.  1842.  p.  751. 

***)  Münst.  Beitr.  z.  Petref.  Hft.  5. 

•}■)  Sammlungen  der  Merkwürdigkeiten  der  Natur.  1755. 


182 


INSBCTEN. 


V.  Ciiarpenlier  beschrieb  die  durch  Unger  bei  Radoboj  in 
Croatien  aufgefundenen  Insecten,  welche  in  einem,  dem  dortigen 
Grobkalke  aufliegenden,  bituminösen  Mergelschiefer  mit  vielen  Pflan- 
zenresten zusammen  vorkommen.  {Act.  Ac.  Caes.  Leop.  Car.  Nat. 
Cur.  Vol.  20.  P.  1.  p.  401  —  410.) 

Eine  umfassende  Schrift  über  die  Insecten  der  Braunkoh- 
lenformation verdanken  *wir  wiederum  Germar'),  welchem  Ge- 
lehrten auch  Goldfufs  und  Münster  ihre  Insectenabdrüche  aus  der 
schieferigen  Braunkohle  des  Siebengebirges  von  Arzburg,  Bayreuth, 
Aix  in  der  Provence  u.  a.  0.  zur  Untersuchung  milgetheilt  hatten. 

Die  zahlreichen  Insecten,  welche  sich  bei  Aix  in  einem  ter- 
tiären, die  Gypsschichten  trennenden  Kalkmergel  finden,  werden 
von  Abdrücken  verschiedener  Pflanzen  begleitet.  Die  meisten  von 
ihnen  haben  ihre  hornige  Substanz  noch  erhalten,  doch  scheint  die 
Farbe  verloren  gegangen  zu  sein,  da  sie  in  der  Regel  einfarbig, 
braun  oder  schwärzlich  sind.  Marcel  de  Serres  hat  in  einer  eige- 
nen Abhandlung  in  den  Annales  des  sciences  natur.  T.  15.  p.  18. 
diese  Insecten  näher  beschrieben  (Burm.  Hdb.  d.  Entomol.  Bd.  1. 
p.  636.),  geht  aber,  nach  Germar,  offenbar  zu  weit,  wenn  er  in 
ihnen  eine  Menge  der  noch  in  der  Umgegend  lebenden  Arten  zu 
erkennen  glaubt. 

Die  meisten  Insecten  werden  im  Bernsteine  gefunden,  wel- 
ches fossile  Harz  zu  der  Aufbewahrung  der  Insecten  der  Tertiär- 
zeit ganz  vortrefflich  geeignet  war.  Jedenfalls  klebte  das  Insect 
an  jenem  Harze  fest,  als  es  noch  in  einem  flüssigen  Zusande  war, 
und  wurde  von  dem  aus  dem  Baume  nachquellenden  Harze  um- 
hüllt. Nach  der  Schnelligkeit,  mit  welcher  diese  Umhüllung  ge- 
schah, richtet  sich  auch  die  Beschalfenheit  der  eingeschlossenen 
Insecten,  und  die  genauen  Beobachtungen  Burmeister's  ergaben, 
dafs  solche,  welche  längere  Zeit  mit  der  freien  Luft  in  Berührung 
standen,  mehr  oder  weniger  entstellt  und  auf  der  ganzen  Ober- 
flache mit  einem  weifsen,  schimmelartigen  Ueberzuge  umgeben 
waren,  der  bisweilen  selbst  die  zunächst  angelegene  Harzmasse 
getrübt  und  entstellt  hat,  während  andere,  welche  rasch  eingehüllt 
wurden,  vollkommen  gut,  selbst  mit  ihren  natürlichen  Farben  er- 
halten ^wurden.  (Burm.  Handb.  d.  Entomol.  Bd.  1.  p.  634,)  Ger- 
mar, Burmeister  ''''),  Rathke  und  Berendt  in  Danzig  trugen  zu  der 


*)  Insectorum  protogaeac  spccimcn  sistens  Insevta  Carbonum  fossilium 
{Faunae  Insectorum  Europac  fasciculus  19.  Halac,  1837.). 

*♦)  Handbuch  der  Entomologie.  Berlin,  1832.  Band  1.  p.  633  u.  f. 


KÄFER. 


183 


Kenntnifs  dieser  Geschöpfe  besonders  viel  bei,  und  der  Letztere 
ist  noch  gegenwärtig  mit  einer  ausführlichen  Bearbeitung  der  Bern- 
steininsecten  beschäftigt.  Nach  ihm ''')  enthält  der  Bernstein  nur 
Land-  und  zwar  meistens  Waldinsecten.  Eine  Nepa  war  damals 
das  einzige,  ihm  aus  dem  Bernstein  bekannte  Wasserinsect.  Am 
häufigsten  sind  die  Dipteren,  am  seltensten  die  Lepidopteren. 

Die  Insectenfauna  des  Bernsteins  schliefst  sich,  nach  Germar,  . 
an  die  von  Nordamerika  an,  und  fast  jedes,  im  Bernstein  ge- 
fundene Insect  läfst  sich  seiner  Form  nach  zu  einer  in  Nordame- 
rika oder  in  Europa  noch  lebenden  Gattung  ziehen ,  ja  bei  sehr 
vielen  ist  sogar  kein  Unterschied  von  der  noch  lebenden  Art  zu 
erkennen  gewesen. 

An  fossilen  Hölzern,  im  Quadersandsteine  von  Sachsen  und 
Böhmen,  im  Grünsande  von  Aachen,  in  den  mit  nordischen  Ge- 
schieben vorkommenden  Hölzern,  in  den  rheinischen  Holzopalen 
und  in  der  Ukraine  **)  zeigen  sich  öfters  die  Spuren  von  eigen- 
thümlichen  Verletzungen,  welche  am  meisten  an  die  Höhlungen, 
theils  die  Gänge,  theils  die  Fluglöcher  erinnern,  welche  von  Holz- 
und  Borkenkäfern  in  dem  Holze  und  der  Rinde  unserer  lei)enden 
Bäume  gebildet  werden. 

Sie  mögen  allerdings  zum  Theil  von  fossilen  Insecten  her- 
rühren, manche  dieser  Höhlungen  aber  müssen  bestimmt  auf  Ga- 
strochänen  und  andere  Bohrmuscheln  zurückgeführt  werden,  (ß. 
Gaslrochaena.) 

Alle  Insecten  zerfallen,  nach  Burmeister '*"''"''*),  dessen  Defini- 
tionen ich  hier  wiedergebe,  in  zwei  Hauptgruppen  und  in  sechs 
Ordnungen. 

A.    Insecten  mit  voHkommener  Verwandlung. 

Die  Larve  ist  eine  längliche  Made,  Raupe  oder  Engerling.  Die 
Puppe  ruht  allermeist  und  frifst  nie.  Das  vollkommene  Insect  hat  nur 
zvveigförmige  Fliigeladern. 

'  1.  Ordn.  Coleoptera.  (JEleutherata.)  [Käfer. 

Sie  besitzen  beifsende  Mundtheile  und  vier  ungleiche  Flügel, 
von  denen  die  vorderen  hornartige  Deckschilde  bilden. 


*)  Berendt,  die  Insecten  im  Bernsteine.  Danzig,  1830. 
*♦)  Gein.  Char.  d.  Sachs.  Böhm.  Kreidegeb.  p.  13;  Göppert,  d.  Gatt, 
der  foss.  Pflanzen.  Bonn,  1841.  p.  25. 

***)  Handbuch  der  Entomologie.  Bd.  2.  p.  39. 


184 


INSBCTEN. 


Curculioniden  aus  der  Steinkohlenformation  Englands  beschreibt 
Buckland  und  bezeichnet  dieselben  als  CurcuUoides  Ansticii  und 
C.  Prestvicü  Buckl.  (Geol.  IL  PI.  46''.  f.  1  u.  2.)  Sie  wurden 
beide  in  Eisensteinnieren  bei  Coalbrook-Dale  entdeckt. 

Cerambycinen ,  Scarabaeiden  und  Carabicinen  wurden  im  Lias 
von  Gloucestershire,  in  den  Juraschiefern  von  Stonesfield  und  So- 
lenhofen entdeckt,  und  Germar  beschreibt  in  den  Act.  Ac.  etc.  l.  c. 
und  in  Miinst.  Beitr.  Hft.  5.  Cerambycinus  duhius  Miinst.,  Sca- 
rabaeides  deperditus  Germ,  und  Carabicina?  decipiens  Germ,  von 
Solenhofen. 

Zahlreiche  Formen  finden  sich  in  tertiären  Bildungen,  wie 
in  der  Braunkohlenformation  an  dem  rheinischen  Siebengebirge, 
wo  die  Mehrzahl  der  beobachteten  Insecten  eben  in  diese  Ordnung 
gehört;  bei  Oeningen,  Aix  und  in  dem  Bernsteine. 

Ordn*  Wymenoptera.  iJPiessata.) 
Aderllüg'ler. 

Saugende  Mundtheile  mit  bleibenden,  beifsenden  Oberkiefern 
und  vier  ungleiche,  feinbehaarte  Flügel  zeichnen  sie  aus.  Sie 
sind  es,  nach  Germar,  besonders,  welche  zur  Befruchtung  der 
Phanerogamen  beitragen. 

Bis  jetzt  wurden  sie  nicht  vor  der  Juraformation  beobachtet.~ 

Zwei  am  meisten  an  Apiaria  erinnernde  Arten,  A.?  antiqua 
Miinst.  und  A.7  lapidea  Germ.,  lehrte  Germar  aus  Solenhofen  kennen. 

In  tertiären  Gebilden  sind  sie  sehr  häufig,  und  namentlich 
gehören  bei  Aix  und  im  Bernsteine,  sowohl  an  der  Ostsee  als  in 
Sicilien  (L.  Br.  J.  1842.  p.  750.),  die  Ameisen  zu  den  gewöhn- 
licheren Erscheinungen.  An  beiden  Orten  kommen  Schlupfwespen, 
und  bei  Aix  mehrere  Blattwespen  vor. 

3.  Ordn.  Ijepidoptera.  iGlossata.) 

Mit  vier  grofsen,  ganz  oder  zum  Theil  von  breiten  Schup- 
pen bedeckten  Flügeln,  verkümmerten  Oberkiefern  und  saugenden 
Mundtheilen. 

Fossile  Schmetterlinge  gehören  bis  jetzt  noch  unter  die  gröfs- 
ten  Seltenheiten. 

Einen  Abendfalter,  Sphinx  SchrÖteri  Germ.  (a.  a.  0.),  er- 
wähnt Schlotlieim  ''O  und  ist  in  Schröler's  Literatur  Th.  1.  tb.  3. 

*)  Versteinerungskunde,  p.  42.  (N.  Germar.) 


SCHMET  TERi.INGE.  ZWEIFLÜGLER. 


185 


f.  16.  abgebildet;  einen  anderen,  dem  S.  Tiliae  ähnlich,  beschreibt 
V.  Charpentier  ■')  als  S.  atams  Charp.  aus  dem  tertiären  Mer- 
gelschiefer von  Radoboj  in  Croatien.  An  diesem  scheinen  drei 
grofse  dunkele  Flecken,  die  sich  vom  äufsersten  Vorderrande  fast 
bindenartig  über  einen  grofsen  Theil  des  Flügels  ziehen,  noch  die 
ehemalige  Zeichnung  und  Färbung  des  Thieres  anzudeuten.  Be- 
rendt  erwähnt  aus  dem  Bernsteine  eines  gröfseren  Abendfalters 
und  mehrerer  Raupen. 

Eine  Galleria  wurde  unter  dem  Namen  Tlneites  lithophüus 
Germ,  aus  dem  Juraschiefer  von  Eichstädt  bekannt;  einen  Tagfal- 
ter aus  der  Gattung  Satyrus^  eine  Zygaena  und  eine  Bombyx  be- 
stimmte Marcel  de  Serres  von  Aix. 

4.  Ordn.  mptera.  Zweiflüg'ler, 

Zwei  nackte,  durchsichtige  Flügel,  und  statt  der  hinteren 
gestielte  Knöpfchen,  Schwingkölbchen,  machen  die  Zweiflügler  leicht 
kenntlich.    Ihre  Mundtlieile  sind  saugend,  die  Kiefer  borstenförmig. 

Vereinzelt  kommen  sie  im  Lias  von  England  '^'''^)  und  im 
Jurakalkschiefer  von  Baiern  vor,  häufig  dagegen  in  tertiären  Ge- 
bilden. 

Als  Musca  lithophila  beschrieb  Germar  a.  a.  0.  eine  Fliege 
von  Solenhofen;  als  Asilicus  lithophilus  eine  Raubfliege,  wel- 
che dem  Asilus  crahroniformis  am  meisten  ähnelt,  von  Kelheim; 
als  Sciara  prisca  Münst.  eine  Schwammmücke  von  Solenhofen. 

In  dem  tertiären  Mergelschiefer  von  Aix  erkannte  Marcel  de 
Serres  eine  Empis^  eine  Nemestrina^  eine  Oxycera^  '  ein  dem  Xylo- 
phagus  ater  Latr.  verwandtes  Thierchen,  ein  Microdon  Meig.  und 
eine  Ochthera;  mehrere  Bibionen  {Eirtaea  Latr.),  zwei  Pentlie- 
triae;  einige  kleinere  Sciarae  und  eine  Plalyura 

Unter  den  Dipteren  von  Radoboj  gehören,  nach  Unger,  zwei 
Arten  zu  Rhipidia^  fünf  zu  Bibio  und  eine  zu  Lepfogaster,  (L. 
Br.  J.  1843.  p.  369.) 

Im  Bernsteine  finden  sie  sich,  nach  Burmeister,  äufserst 
zahlreich,  und  zwar  aus  fast  allen  Familien,  vor  allen  anderen 
aber  kleinere  Fliegen,  Schwammmücken  und  Mücken. 


*)  Jet.  Ac.  etc.  Fol.  20.  P.  1.  p.  408.  th.  22.  /.  4. 

**)  Der  Flügel  einer  Tipula  aus  dem  Lias  von  Gloiicestershire  erwähnt 
Buckman  im  Lond.  Ed.  Dubl.  ph.  Mag.  V.  24.  p.  377. 
Burm.  Hdb.  d.  Entom.  Bd.  1.  p.  639. 


186 


INSECTE.V. 


B.    Insecten  mit  unvollkommener  Verwandlung; 

(1.  h.  Larve,  Puppe  und  vollkommenes  Insect  gleichen  sich  sehr,  die 
Puppe  bewegt  sich  und  frifst.  Das  vollkommene  Insect  hat  netzförmige 
Flügeladern. 

5.  Ordn.  Weuroptera.  ]Vetzflü§^ler. 

Sie  erhielten  ihren  Namen  von  den  vier  grofsen,  netzförmig- 
geäderten,  gleich-  oder  ungleichförmigen  Flügeln.  Sie  haben  freie 
meistens  beifsende  Mundtheile.  Ihre  Metamorphose  ist  mitunter 
vollkommen,  gewöhnlich  unvollkommen. 

Als  Uebergangsglied  der  Insecten  mit  vollkommener  Ver- 
wandlung in  die  mit  unvollkommener  tritt  hier  die  zahlreiche  Fa- 
milie der  Phryganeoden  auf,  deren  Larven  in  süfsen  Gewässern 
leben,  den  Schmetterlingsraupen  ähneln,  aber  in  selbstgebildelen 
Röhren  stecken,  welche  sie  aus  kleinen  Steinen,  Muscheln  oder 
Rohrstücken  zusammenspinnen.  Aehnliche  Röhren  finden  sich  in 
tertiären  Süfswassermergeln  der  Auvergne  und  gaben  zu  der  Be- 
nennung Indusitenkalk  Veranlassung.  (Vergl.  Br.  Leth.  p.  1161.) 
Auch  im  Bernsteine  hat  man  ausgebildete  Phryganeen  beobachtet. 

Eine  Hauptform  dieser  Ordnung  ist  die  bekannte  Familie 
der  Libellen  oder  Wasserjungfern,  deren  Existenz  schon  im 
Lias  von  England  (Aeschna  Brodiei  Buckman ,  Lojid.  Ed,  Vubl.  ph. 
Mag,  V,  24.  p.  377.)  erkannt  worden  ist.  Die  wichtigsten  Fund- 
orte für  sie  sind  jedoch  die  Schiefer  der  oberen  Juraformation  des 
südlichen  Baierns,  aus  •  welchen  Graf  Münster,  neben  vielen  ande- 
ren Schätzen  der  Vorwelt,  auch  viele  Libellen  auffand,  über  wel- 
che sich  daher  Germar's  und  v.  Charpentier  s  Untersuchungen  gleich- 
falls verbreiten  konnten. 

Die  lebenden  Libellen  vertheilen  sich  auf  die  drei  Galtungen: 
Libellula  L. ,  Aeschna  F.  und  Ayrion  F.;  nach  v.  Charpentier  ''■) 
sind  unter  den  fossilen  die  Aeschniden  am  häufigsten,  seltener  die 
Agrioniden  und  am  seltensten  die  Libelluliden. 

Viele  Libellen,  einige  vom  Bau  der  Aeschna  grandis,  auch 
Larven  derselben,  finden  sich  bei  Aix  und  in  Oeningen. 

Aescha  L. 

Nach  V.  Charpentier  ist  das  grofse,  schöne  Exemplar  des 
Dresdener  Museums,  LibelluUles  Solenhofensis  Cliarp.  (Libellulina 


*)  L.  Br.  J.  1840.  p.  501. 


netzflCglek. 


187 


europaea  ib.  48.  f.  1.)  ein  Aeschnide  männlichen  Geschlechts;  das 
von  L.  V.  Buch  (über  den  Jura  in  Deutschland,  1839.)  abgebildete 
aber  ein  weibliches  Individuum  dieser  Gattung,  und  die  in  den 
Act.  Ac,  etc.  Vol.  19.  P.  1.  tb.  23.  f.  12  —  15.  von  Germar  dar- 
gestellten Individuen  sind  weibliche  Aeschniden. 

A.  longiolata  Münst.  —  Taf.  VIII.   Fig.  5  und  5.  a.  —  Nach  ' 
Germar  in  Münst.  Beitr.   p.  7^.   tb.  9.  f.   1;   tb.  13.  f.  6.  und  nach 
einer  späteren  Handzeichnung  Germar's  ergänzt. 

Dieser  prachtvolle  Abdruck  aus  Solenhofen  ist  ein  männliches 
Exemplar.  Am  vorderen  Ende  des  Kopfes  erkennt  man,  nach  Ger- 
mar, die  ausgespreitzten  Mandibeln,  und  an  der  Seite  einen  einzelnen 
feinen  pfriemenförmigen  Fühler.  Charakteristisch  für  die  Art  ist  zwi- 
schen der  Wurzel  und  der  Mitte  des  oberen  Flügels  ein  dreieckiges 
Feld,  das  mit  7  Zellen  (3.  2.  1.  1.)  ausgefüllt  ist,  während  dieses 
Feld  bei  allen  lebenden  Libellen,  nach  Burmeister's  Beobachtung,  deren 
nur  5  (2.  1.  1.  1.)  erkennen  läfst. 

Agrion  Fabr. 

A,  Latreillii  Münst.,  Germ,  in  Act.  Ac.  etc.  Vol.  19.  P.  l. 
p.  218.  th.  23.  f.  16. 

Diese  Art  übertrifft  die  lebenden  Agrioniden  an  Gröfse,  und  ihre 
Längsadern  scheinen  dichter  gestanden  zu  haben  als  bei  A.  virgo  u.  a. 
Gleichfalls  von  Solenhofen. 

Die  Flügel  eines  zierlichen  Agrioniden  beschreibt  v.  Charpenticr 
in  L.  Br.  J.  1841.  p.  332.  tb.  1.  aus  Radoboj. 

Libellula  L. 

Eine  Libellula  aus  Solenhofen  kommt,  nach  v.  Charpentier, 
durch  einen  in  der  Mitte  sehr  dünnen  Hinterleib  und  dessen  fast 
kugelförmigen  Hinterrand ,  der  L.  Sabinae  aus  China  sehr  nahe, 
ist  aber  beträchtlich  gröfser.    (L.  Br.  J.  1840.  p.  502.) 

L.  piatyp tera  v.  Ch.  Act.  Ac.  Vol.  20.  P.  1.  p.  408.  Ib.  22. 
f.  3.     Von  Radoboj. 

Die  Familie  der  Platlflügler,  zu  welcher  auch  die  Schwamm- 
fliegen, Florfliegen,  Ameisenlöwen  gehören,  hat  in  einer,  der 
nordamerikanischen  Corydalis  cornuta  ähnlichen  Form  ihre  ältesten 
Repräsentanten  in  Englands  Steinkohlenformation.  (Buckl.  Geol.  -  v. 
Ag.  I.  p.  459.) 

Des  Hemerobioides  aus  den  Juraschiefern  von  Stonesfield  ge- 
schah schon  früher  Erwähnung,  und  die  durch  Unger  in  Radoboj 
entdeckten  Ameisenlöwen  beschreibt  v.  Charpentier  (a.  a.  0.)  als 
Myrmcleon  brcvipenne  und  M.  reticulatum. 


188 


INSECTEN. 


Hemerobius  und  Mynneleon  kommen  nicht  selten  im  Bernsteine 
vor,   und  einen  Termiten  erkannte  v.  Charpentier  in  Radoboj. 

Eine  besondere  Hauptform  der  Neuroptera  bilden  die  Gerad- 
flügler (ßrthopterä)  ^  welche  sich  durch  ihre  festeren  leder- 
artigen Vorderflügel  und  ihre  gröfseren,  fächerartig  gefalteten  Hin- 
terflügel vor  den  übrigen  Mitgliedern  auszeichnen. 

Unter  den  Insecten  waren  die  Orthopteren  mit  am  frühesten 
vorhanden,  und  sie  wurden  durch  Germar  schon  in  dem  Schiefer- 
thone  der  Steinkolilenformation  von  Wettin  entdeckt.  Man  hielt 
die  hier  vorkommenden  Flügel  von  ihnen  früher  für  Pflanzenreste, 
und  Rost  benannte  eine  Art  in  seiner  hiaugural  Dissertation  (de 
Filicum  ectypis.  Halae^  1839.)  als  Dictyopteris  didyma.  Göppert 
erkannte  zuerst,  dafs  ein  solcher  Aderverlauf,  wie  ihn  diese  Flü- 
gel zeigten,  keinem  Farren  zukommen  könne,  und  Germar  wies 
in  den  aufgefundenen  Oberflügeln  die  Structur  der  Blattinen  nach. 
Er  unterschied  in  Münster's  Beiträgen  (Hft.  5.  p.  92  u.  93.  tb.  13. 
f.  1  —  4.)  vier  Arten  dieser  Schaben: 

A  Blattina  didyma^  welche  auf  ein  Thier  von  beträchtlicher 
Gröfse,  etwa  wie  Blatta  Maderae  ^  hinwies; 

B.  anaglyptica^  welche  ein  Thier  von  der  Gröfse  der  Blatta 
americana  andeutete ; 

B.  anthracophila^  von  der  Gröfse  der  vorigen,  und 

B.  flabellata,  welche  um  ein  Drittlheil  kleiner  als  die  vorigen 
beiden  Arten  sein  mochte. 

Mit  diesen  Flügeln  kam  ein  anderer  vor,  welchen  Germar  (a.  a. 
0.  p.  93.  tb.  J3.  f.  5.),  wegen  seiner  Aehnlichkeit  mit  dem  der  Feld- 
heuschrecken oder  der  Grashüpfer,  Acridites  carbonatus  nannte. 

Viel  gewöhnlicher  sind  die  Schaben  oder  Blattarien  in  dem 
Bernsteine. 

Dafs  die  Geradflügler,  und  besonders  die  Heuschrecken,  auch 
in  Solenhofen  nicht  fremd  waren ,  bezeugen  Locusta  speciosa  Münst., 
Locusta  prisca  Münst.,  Chresmoda  obscura  Münst.,  Phaneroptera 
Germari  Münst.  und  Gryllites?  dubius  Germ.  (Münst.  Beitr.  Hft.  5.); 
häufiger  sind  dieselben  im  Bernsteine  und  in  tertiären  Gesteinen, 
wie  bei  Aix,  wo  eine  Forßcula^  mehrere  Achetae,  eine  kleine 
Gryllotalpa^  eine  Xya  und  ein  Gryllus  gefunden  worden  sind. 
(Burm.  Entom.  1.  p.  640.) 

Deutliche  Abbildungen  eines  Grashüpfers  von  Radoboj  ver- 
danken wir  V.  Charpentier  (a.  a.  0.),  nach  welchen  die  Zeich- 
nungeu  von 


HALBFI.ÜGLER. 


189 


Oedipoda  melano  stica  v.  Charp.  —  Taf.  VIII.  Vig.  6  und  7, 
welche  ein  Männchen  und  ein  Weibchen  dieser  Art  darstellen,  co- 
pirt  wurden. 

Die  Flügeldecken  sind  linear  und  überragen  den  Hinterleib  etwas. 
Drei  grofse  schwarze  Flecken  auf  der  Oberseite  der  Hinterschenkel, 
und  namentlich  deren  schwarze  Spitze  oder  Knie  dürften  (nach  v. 
Ch.)  das  Charakteristische   für  diese  Heuschrecken  der  Vorwelt  sein. 

6.  Ordn.  JHEemiptera.  Halbflügler. 

Sie  haben,  nach  Burmeister,  saugende  Mundtheile,  welche 
einen  Schnabel  bilden,  der  gegen  die  Brust  zurückgeklappt  ist. 
Von  den  vier  Flügeln  sind  die  zwei  vorderen  oft  härter  als  die 
hinteren,  doch  fehlen  nicht  selten  beide,  wie  diefs  in  der  Familie 
der  Läuse  der  Fall  ist. 

Brodie  glaubt  einen  gleichflügeligen  Halbflügler  in  der  Weal- 
denformation  des  Wardour- Thaies  erkannt  zu  haben. 

Die  Halbflügler  Solenhofens,  welche  Germar  beschrieb,  sind: 
t  Düomoptera  dubia  Germ.,  Ricania  hospes  Germ.,  Belostomiim 
elongatum  Germ.,  Nepa  primordialis  Münst.  und  Fygolampis  gigan- 
tea  Münst. 

Bei  Aix  kommen,  nach  Marcel  de  Serres,  vorzugsweise  nur 
Wanzen  aus  verschiedenen  Gattungen,  z.  B.  Pentatoma ^  Coreus, 
Lygaeus^  Syrtis^  Reduvius^  Hydrometra^  Gerris  und  Nepa^  und 
eine  der  Cicada  plebeja  ähnliche  Zirpe  vor. 

Die  Zirpen  oder  Cicaden  sind  ziemlich  häufig  im  Bernsteine. 
Burmeister  erwähnt  eine  Flata  und  mehrere  Arten  von  Jassus^ 
und  einige  Arten  von  Cixia^  welche  Germar  in  dem  Bernsleine 
entdeckte,  sind  denen  von  Mittelamerika  ähnlich. 

VI.  Klasse.  Arachnoidea.  Spinnenthiere* 

Gliederthiere,  deren  gleichartige  Bewegungsorgnnc  blofs  zum 
Gehen  tauglich  sind;  mit  inneren  Respirationsorganen,  theils  blo- 
fsen  gefalteten  Säcken  (Lungen),  theils  einfachen  oder  verästelten 
Röhren  {Tracheen)^  und  mit  wenigstens  vier  Gangfufspaaren.  Stall 
einer  Verwandlung  häuten  sie  sich  blofs  mehrere  Male. 

Sie  haben  nur  einfache  Augen  in  bestimmter,  allermeist  ge- 
ringer Zahl  (selten  jederseits  40,  meist  1,  2,  4,  6,  8).  Ist 
der  Kopf  frei  beweglich,  so  findet  sich  ein  Paar  Fühler  über 
dem  Munde,  ist  er  mit  der  Brust  zum  Cephalothorax  verwach- 
sen, so  fehlen  die  eigentlichen  Fühler.    Im  ersteren  Falle  ist  die 


190 


SFINNENTIMERE. 


Brust  deutlich  gegliedert  und  vom  Hinterleibe  in  ihrer  Form  nicht 
zu  unterscheiden;  im  letzteren  Falle  ist  die  Brust  von  dem  Hinter- 
leibe meistens  recht  gut  zu  unterscheiden.  Die  Beine  sitzen  bald 
nur  an  der  Brust,  bald  mit  am  Hinterleibe.  Sie  bestehen  aus  6 
Gliedern,  von  denen  das  letzte,  der  Fufs,  bisweilen  wieder  in 
mehrere  Glieder  gesondert  ist.  Der  letztere  an  seiner  Spitze  mit 
einer  oder  zwei  Klauen.  Die  Mundtheile  sind  unbedeutend  ent- 
wickelt. 

Die  Mitglieder  dieser  Klasse,  deren  mehr  als  1000  Arten 
jetzt  leben,  halten  sich  am  Tage  gewöhnlich  versteckt,  unter  Stei- 
nen, in  Gebüschen  und  Erdlöchern  auf,  gehen  bei  Nacht  ihrer  Nahr- 
ung nach,  und  scheinen  alle  vom  Raube  zu  leben.  .  (Burmeister, 
Hdb.  d.  Naturgesch.  1837.  p.  573.) 

1«  Ordn«  Arachnidae.  Cryptodecapoda. 
I§piiiiieii. 

Kopf  und  Brust  sind  zu  einem  Cephalothorax  verwachsen, 
welcher  aus  fünf  innig  verschmolzenen  Ringen  besteht  und  mei- 
stens kurz  und  dick  ist.    Die  Fühler  fehlen. 

Vorn  an  ihm  findet  sich  die  Mundöifnung,  umgeben  von 
zwei  oft  scheeren-  oder  klappenartigen  Oberkiefern,  einer  Unter- 
lippe oder  Zunge,  und  ein  Paar  Unterkiefer,  welche  letzteren  eigent- 
lich schon  zu  den  Beinen  gehören.  Der  lange  Taster  derselben,  der 
eigentliche  Fufs,  ist  bald  fadenförmig,  bald  scheerenförmig,  bald 
zangenförmig  und  hat  höchstens  sechs,  oft  weniger  Glieder.  Die 
übrigen  vier  Fufspaare  dienen  meistens  zum  Gehen. 

Der  Hinterleib  ist  entweder  ungegliedert  und,  wie  bei  den 
Milben,  mit  der  Brust  verwachsen,  gewöhnlich  aber,  wie  bei 
den  eigentlichen  Spinnen,  von  ihr  gesondert;  oder  er  ist  ge- 
gliedert (hat  dann  6  — 12  Ringe),  aber  nur,  wie  bei  den  Scor- 
pionen  und  Afterscorpionen,  durch  eine  schwache  Zusam- 
menschnürung vom  Cephalothorax  gesondert.  (Burm.  Hdb.  d.  Na- 
turg.  p.  576.) 

Fossile  Ueberreste  von  Spinnen  sind  bei  weitem  seltener  als 
die  der  Insecten. 

A.    Fossiler  Scorpion  aus  dem  Steinkohlengebirge. 

t  Cycl  ophthalmus  Corda.  (y.vy.log^  Kreis;  b(f  d^al[.iog^  Auge.) 

Im  seinem  ganzen  Baue  nähert  sich  dieser  Scorpion  der  le- 
benden Galtung  Androctonus  Ehrb. ,  mit  welcher  er  auch  durch 


SPINNEN. 


191 


das  Vorhandensein  von  12  Augen  übereinstimmt.  Diese  stehen 
bei  ihm  in  einem  Kreise,  durch  welchen  Cliarakler  dieser  Scor- 
pion  zum  Typus  einer  neuen  Gattung  geworden  ist.  Seine  Länge 
beträgt  ohne  das  abgebrochene  Schwänzende^  32'", 

In  den  Verhandlungen  der  Gesellschaft  des  vaterländischen 
Museums  in  Böhmen,  1835,  wird  von  Sternberg  berichtet,  wie 
eins  der  kleineren  Augen  und  das  linke  grofse  Auge  noch  ihre 
ursprüngliche  Form  haben  und  die  Hornhaut  in  einem  runzeligen 
Zustande  erhalten  sei;  wie  man  an  jedem  Kiefer  nicht  allein  drei 
vorstehende  Zähne,  sondern  auch  noch  Haare,  mit  welchen  die 
hornige  Haut  bedeckt  war,  beobachten  könne;  dafs  die  Ringe  des 
Thorax  und  des  Schwanzes,  wie  es  schien,  von  allen  bekannten 
Arten  sich  unterschieden;  dafs  die  charakteristischen  Zangen  der 
rechten  11'"  langen  Scheere  noch  wohl  erhalten  seien,  und  dafs 
die  hornige  Bedeckung  dieses  Scorpions  aus  einer  oberen  rauhen, 
beinahe  undurchsichtigen  und  biegsamen  Schicht  von  dunkelbrauner 
Farbe,  und  einer  unteren  zarten,  gelben  und  weniger  elastischen 
Schicht  bestehe.  Beide  Schichten  waren,  unter  dem  Mikroskope, 
aus  sechsseitigen  Zellen  bestehend  gefunden  worden,  welche  durch 
Wände  scharf  von  einander  getrennt  sind,  und  selbst  die  Poren 
der  Tracheen  und  Eindrücke  der  Muskelfasern  glaubt  man  daran 
noch  erkannt  zu  haben.  (Buckland,  Geol.  v.  Agassiz,  1.  p.  457; 
II.  Fl.  46.) 

Dieses  merkwürdige  Geschöpf  wurde  1834  vom  Grafen  Stern- 
berg in  einem  Steinbruche,  am  Ausgange  von  Steinkohlenlagern 
bei  Chomle  unweit  Radnitz  in  Böhmen  entdeckt.  Es  ist  das  älteste 
spinnenartige  Thier,  welches  man  kennt. 

B.    Fossile  Spinnen  aus  jüngeren  Formationen. 

Aus  dem  lithographischen  Schiefer  von  Solenhofen  beschrieb 
Münster  (Beitr.  z.  Petr.  Hft.  1.  p.  97.  tb.  8.  f.  2.  3.  4.)  drei 
Spinnen,  welche  er,  wegen  ihrer  Aehnlichkeit  mit  Phalangium  L., 
dem  gewöhnlichen  Weberknechte,  Phalangites  priscus  nannte. 

Unger  fand  den  deutlichen  Abdruck  einer  Spinne  in  dem  ter- 
tiären bituminösen  Mergelschiefer  von  Radoboj.  (L.  Br.  J.  1840. 
p.  377.) 

Marcell  de  Serres,  Murchison  und  Northampton  haben  fos- 
sile Spinnen  in  tertiären  Süfswasserschichten  bei  Aix  in  der  Pro- 
vence entdeckt  (Buckl.  Geol.  v.  Ag.  I.  p.  456;  II.  PL  46''.  f.  12; 
L.  Br.  J.  1842.  p.  750.),  von  denen  zwei  Arten  zu  Argyronecta 
und  eine  zu  Chelifer^  dem  Bücherskorpione,  zu  gehören  scheinen; 


192 


SPINNEXTHIERE. 


häufiger  kommen  Spinnen  im  Bernsteine  vor,  aus  welchem  ein 
CheJifer  oder  Ohisium^  Scorpio  Schweiggeri  Holl.  (Petrefactenk. 
p.  177.),  ein  Trombidium  (Keferst.  Naturg.  d.  Erdk.  II.  p.  371.) 
und  die  merkwürdige  Gattung 

t  Entomocephalus  Holl  entdeckt  wurden. 

Der  Kopf  ist  in  ihr  von  der  Brust  getrennt  und  es  scheint 
diese  Gattung  einen  Uebergang  von  den  Spinnen  zu  den  Ameisen  zu 
bilden.  Von  den  sechs  Augen  stehen  vier  fast  in  einer  geraden 
Linie;  Füfse  sind  acht  vorhanden. 

Es  formicoides  Holl,  Petref.  p.  178. 

Brust  und  Hinterleib  länglich;  Kopf  viereckig;  Lippe  dreieckig; 
Kiefer  fast  sichelförmig  und  an  deren  Spitze  ein  cylindrischer  Haken, 
welcher  scharf  zugespitzt  und  fast  so  lang  als  der  Kiefer  ist.  Die 
Füfse  endigen  in  einem  Büschel  kurzer,  steifer  Haare.  Das  ganze 
Thier  ist  von  brauner  Farbe  und  Sh"  lang. 

9.  Ordn.  Myriapoda.  Taujsendfüfser. 

„Ihr  Leib  besteht  aus  lauter  gleichen  oder  abwechselnd  glei- 
chen, deutlich  gesonderten  Ringen,  deren  jeder  ein  oder  zwei 
Paar  Füfse  trägt.  Der  Kopf  ist  deutlich  abgesetzt,  und  hat  jeder- 
seils  vier,  acht,  oder  zahlreiche  einfache  Augen  und  vorn  ein 
Paar  Fühler.''  (Burm.,  Hdb.  d.  Natg.  p.  574.)  Linne  vertheilte  die 
Arten  unter  seine  beiden  Gattungen  Scolopendra  und  Julus. 

,,Die  Scolopendriden  zeichnen  sich,  aufser  durch  ihren 
langen,  platten,  aus  vielen  Gliedern  bestehenden  Leib,  wo  jedes 
Glied  an  beiden  Seiten  mit  einem  kürzeren  Beine  versehen  ist, 
auch  durch  ihre  eigenthümliche  Construction  der  Frefswerkzeuge 
aus.  Es  wird  nämlich  der  Kopf  auf  der  Unterseite,  wo  er  die 
gewöhnlichen,  aus  einer  Lippe,  Mandibeln  und  Tastern  zusammen- 
gesetzten Frefswerkzeuge  führt,  noch  von  einer  besonderen  Platte 
bedeckt,  welche  aus  mehreren  Theilen  besteht,  und  an  jeder 
Seite  eine  grofse  gegliederte  Klaue  trägt,  womit  das  Thier  seine 
Beute  fafst.  Dieser  ganze  Apparat  ist  aber  nicht  dem  Kopfe 
selbst  angehörig,  sondern  entspringt  aus  dem  ersten  Körperseg- 
mente, welches  noch  überdiefs  das  letzte  Fufspaar  trägt.  Nach 
der  Zahl  der  Abschnitte,  aus  denen  der  Körper  besteht,  und  dem 
daran  beündlichen  Beine,  unterscheidet  man  mehrere  Gattungen, 
unter  welchen  Geophilus  diejenigen  Arten  begreift,  bei  denen  der 
Körper  mehr  als  21  Abschnitte  enthält.  Die  jetzt  lebenden  Arten 
hsilten  sich  gern  an  feuchten  und  dunkeln  Orten  auf,  sind  beson- 


TAUSBNüFtSSER.   —  KREBSE.  193 

ders  bei  Nacht  lebhaft,  und  manche  leuchten  des  Nachts  mit  phos- 
phorischem Lichte."    (Germar  in  Münst.  Beitr.  5.  p.  89.) 

Geophilus  proavus  Germar.  —  Taf.  Vlll.  Fig.  18.  (etwas 
verkleinert),  nach  Münst.  Beitr.  Hft.  5.  p.  89.  tb.  9.  f.  9. 

Er  übertrifft  alle  lebenden  Arten  an  Gröfse  und  mag  gegen 
100  Fufspaare  gehabt  haben,  da  man  an  dem  Fossile,  welchem 
das  hintere  Ende  fehlt,  deren  schon  78  zählen  kann. 

Im  Juraschiefer  von  Kelheim: 

Julus  fahulosus  Marc,  de  Serres,  gehört  dem  tertiären 
Süfswasserkalke  von  Aix  an.  (Keferst.  Naturg.  d.  Erdk.  II.  p.  370.) 

Eine  Scolopendra  soll  in  dem  Kreideschiefer  von  Glarus 
vorgekommen  sein;  sicherer  jedoch  ist  ihre  Existenz  im  Bernsteine 
nachgewiesen.    (Keferst.  Nat.  d.  E.  II.  p.  370.) 

VII.  Klasse.  Crustacea.  Krebse. 
Krustenthiere  *). 

Die  Krebse  sind  Gliederthiere,  deren  vordere  Körperringe 
sich  mehr  ausgebildet  haben  als  die  hinteren.  Sie  stellen  daher 
zwei  Hauptabschnitte  dar,  den  vorderen,  Brustkasten  oder  Ce- 
phalothorax,  den  hinteren  oder  Hinterleib.  Jener  trägt  Füh- 
ler, Augen,  Frefswerkzeuge  und  Füfse;  dieser  nur  Flossen  oder 
gar  keine  Bewegungsorgane.  Sie  athmen  durch  Kiemen,  welche 
theils  an  den  Füfsen  des  Brustkastens,  theils  an  den  Flossen  des 
Hinterleibes  sitzen. 

Am  ersten  Ringe  des  Körpers,  welcher  nicht  immer  ein  selbst- 
ständiger Kopf  ist,  sitzen  l)  die  Sinnesorgane:  zwei  aus  mehreren 
Aeugelchen  zusammengesetzte,  gestielte  oder  ungestielte  Augen  (Netz- 
augen), neben  denen  bisweilen  noch  einfache  (Nebenaugen)  sich  finden, 
und  2  Paar  Fühler  oder  Antennen;  2)  die  Kauwerkzeuge,  welche 
eigentlich  nur  aus  den  sogenannten  Oberkiefern  (mandibulae)  bestehen, 
die  zwischen  der  Oberlippe  (labrum)  und  Unterlippe  (Zunge,  lingua) 
liegen.  Alle  anderen  sogenannten  Mundtheile,  deren  Zahl  von  2  bis  zu  5 
Paaren  wechselt,  und  von  denen  die  vorderen  Unterkiefer  (maxillae)^ 
die  hinteren  Kaufüfse  genannt  werden,  sind  nur  veränderte  Fiifse 
(accessorische  Mundtheile,  Burm.).     Sie  bestehen  immer  aus  zwei  un- 

*)  Ich  lege  hier  die  Ejntheilung  Burmeister's  zu  Grunde,  welche  der- 
selbe in  seinem  Handbuche  der  Naturgeschichte,  Berlin  1837,  und  in  seiner 
Schrift:  „die  Organisation  der  Trilobiten  aus  ihren  lebenden  Verwandton 
entwickelt,  Berlin,  1843"  gegeben  hat. 
GeiiiUz,  Versteiuerungskunde.  13 


194 


KREBSE. 


gleichen  Lappen,  von  welchen  der  äufsere  bald  kleinere,  bald  gröfsere 
wohl  Taster  (paJpus)  genannt  wird,  und  dienen  zum  Auffischen  und 
Festhalten  der  Nahrungsmittel. 

Der  übrige  Brustkasten  trägt  blofs  Bewegungsorgane.  Von  letz- 
teren unterscheidet  Burmeister:  a)  Beine,  welche  nur  mit  einfacher 
Klaue  enden  und  zum  Gehen  bestimmt  sind;  b)  Scheeren,  mit  ei- 
ner Zange  endend,  indem  das  vorletzte  Glied  einen  Fortsatz  parallel 
dem  letzten  Gliede  aussendet;  c)  Klammer-  oder  Raubfüfse,  deren 
letztes  Glied  gegen  das  vorletzte  zurückgeklappt  ist;  d)  Flossen- 
füfse,  kurze,  zweireihige,  gegliederte  Fortsätze,  am  Rande  mit  Bor- 
sten besetzt,  die  zum  Schwimmen  dienen;  e)  Rankenfüfse,  lang  und 
spiralförmig  aufgerollte  Flossenfüfse;  f)  Blattfüfse,  ungegliederte, 
zweilappige,  dünne,  häutige,  am  Rande  mit  Borsten  besetzte  Fortsätze, 
ebenfalls  nur  zum  Schwimmen  brauchbar. 

Der  Hinterleib  hat  entweder  gar  keine  äufseren  Organe,  oder 
ähnliche  Flossen-  und  Blattfüfse;  sein  Ende  ist  gewöhnlich  etwas  ge- 
spalten und  mit  Lappen  oder  Borsten  besetzt.  (Burm.  Hdb.  d.  Nat. 
p.  544  —  546.) 

Die  Krebse  leben  vorzugsweise  im  Wasser,  nur  wenige  be- 
ständig auf  dem  Lande;  ihre  Nahrung  besteht  in  thierischen  Stof- 
fen. Mitglieder  dieser  Klasse  bewohnten  schon  die  ältesten  Meere, 
die  unsere  Erde  bedeckt  haben.  Diesen  Krebsen  ist  jedoch  ein 
der  jetzigen  Schöpfung  ganz  fremder  Typus  aufgeprägt,  und  erst 
in  den  mittleren  Formationen  neigen  die  von  den  lebenden  immer 
noch  abweichenden  Krebsgattungen  sich  den  jetzigen  mehr  zu. 

A.  Malacoslraca. 

Die  Grundzahl  ihrer  Brustkastenringe  ist  zehn.  Augen  zu- 
sammengesetzt, mit  facettirter  Hornhaut;  Bewegungsorgane  stets 
zwiefach,  am  Brustkasten  Füfse,  am  Hinterleibe  beständig  Flos- 
sen. (Burm.) 

!•  Ordn^  Arthrostraca. 

An  dem  frei  abgesonderten  Kopfe  sind  zwei  ungestielte  Netz- 
augen und  zwei  Paar  Fühler,  ein  Paar  Kiefern  und  drei  Paar 
accessorische  Mundtheile  zu  erkennen.  Nur  sieben  von  den  zehn 
Brustkastenringen  sind  selbstständig  geblieben  und  tragen  paarige 
Gangfüfse.  (Burm.) 

a.   Isopoda.  Gleichfüfser.  Asseln. 

Der  flach  gedrückte  Rumpf  besteht  aus  sieben  freien  Ringen, 
in  welchen  sieben  Paar  Gang-  oder  z.  Th.  Ruderfüfse  befestigt  sind. 


ISOPODEN. 


193 


Hinterleib  ein-  bis  siebengliederig-,  mit  Kiemen  tragenden  Flossen. 
Einige  leben  auf  dem  Lande  und  haben  Aggregate  einfacher  Au- 
gen, andere  leben  nur  in  dem  Wasser,  und  von  diesen  sind  meh- 
rere Schmarotzer  und  haben  dann  verkümmerte  Augen.  (Burm.) 

Als  Isopoden  beschreibt  Graf  Münster  '^')  mehrere  fossile 
Krebse  aus  Solenhofen  (Sciilda^  Alvis^  Urda,  Norna  und 
Reckur  Münst.),  welche  jedoch,  nach  Burmeister's  brieflichen  Mit- 
theilungen, anderen  Gruppen  angehören. 

Die  einzigen  fossilen  ächten  Isopoden  sind  nur  die  beiden 
folgenden  von  Milne  Edwards  beschriebenen  Gattungen; 

t  1.  G.  Archaeoniscus  Milne  Edwards.  (aQ/atog^  alt; 
Oniscus^  Kelleresel.) 

A,  Broda  M.  Edw.  —  L.  Er.  J.  1843.  p.  238  u.  1844.  p.  638. 

In  der  Wealdenformation  des  Wardourthaies  in  Wiltshire  wurden 
von  Brodie  neben  Insectenresten  auch  Körper  von  Isopoden  entdeckt, 
welche  den  Habitus  der  Cymothoiden  haben  und  an  Serolis  erinnern 
sollen.     Sie  besitzen  gewöhnlich  die  Länge  von  und  die  Breite 

von  0,"'o9,  lassen  im  ganzen  12  Glieder  erkennen,  von  denen  5 
auf  den  Schwanz  kommen  würden.  Das  Endschild  oder  der  sechste 
Schwanzabschnitt  ist  halbkreisrund  und  schwillt  vorn  und  in  der  Blitte 
höckerartig  an,  wie  in  einigen  Sphaeromatiden. 

t  2.  G.  Palaeoniscus Milne  Edw.  (nalaibg^  alt;  Oniscus.) 

P.  Brongniartii  M.  Edw.  —  L.  Br.  J.  1844.  p.  639. 

Kleine,  bis  lange,  flach -ovale  Körper  dieser  Art  kommen 

in  grofser  Menge  in  einem  Cythereen- Mergel  unter  den  grünen  ter- 
tiären Mergeln  bei  Paris  vor.  Am  Kopfe  erkannte  man  Fühler  und 
kleine  seitliche  Augen,  am  Brustkasten  die  7  Ringel  und  an  dem  Hin- 
terleibe 2  Abschnitte,  von  denen  der  letzte  halboval -schildförmig  ist 
und  an  den  Seiten  fast  sichelförmige  Flossenanhänge  zeigt,  wodurch 
das  Thier  sich  sehr  den  Sphaeromen  nähert. 

3.  G.  Sphaeroma  (?)  Latr. 

Körper  eiförmig,  mit  zwei  kleinen  seitlichen  Flossen  am  letz- 
ten Ringe  des  Hinterleibes,  welche  die  Kiemen  nicht  bedecken, 
sondern  unter  paarigen  Schwimmblättern  liegen. 


*)  Beitr.  z.  Petref.  Hft.  3  u.  5. 

**)  Dieser  Name  wurde  schon  früher  von  Agassiz  einer  Gattung  fossi- 
ler Fische  gegeben. 

13- 


196 


KREBSE. 


S.  antiqua  Desm.  beschreibt  Desmarest  (er.  foss.  p.  138.)  aus 
dem  Jiiraschiefer  von  Pappenheim  und 

S.  mar  gar  um  Desm.  aus  dem  Knochengypse  von  Paris. 

b.    Laemodipoda^  Kehlfüfser. 

Rumpf  rund  oder  flach;  der  vierte  Ring  auch  noch  mit  dem 
Kopfe  verwachsen,  daher  nur  sechs  freie  Ringe  übrig  bleiben. 
Hinterleib  fehlt  oder  ist  eingliederig.  (Burm.) 

Nach  Gray  ist  ein  Fossil  von  Solenhofen  zunächst  mit  der 
Galtung  Nymphon  Müll,  verwandt. 

c.   Amphipoda,  Flohkrebse. 

Rumpf  seitlich  zusammengedrückt;  sieben  selbstständige  Brust- 
kastenringe mit  verschieden  gestalteten  Füfsen.  Hinterleib  stets 
siebengliederig,  mit  Endflossen,  aber  ohne  Kiemen,  die  nur  am 
Brustkasten  sitzen.  (Burm.) 

Noch  nicht  fossil  beobachtet. 

2.  Ordn.  Thoracostraca.  iJPodophthalma.} 

Kopf  unbeweglich,  mit  zwei  gestielten,  beweglichen,  facet- 
tirten  Augen.  Brustkasten  ganz  oder  gröfstentheils  von  einem  ein- 
fachen Panzer  bedeckt.    Hinterleib  stets  siebengliederig.  (Burm.) 

a.   ^tomatopoda.  Maulfürser. 

Von  den  zehn  Ringen  des  Brustkastens  tragen  die  beiden 
vorderen  accessorische  Mundtheile  und  verlieren  daher  ihre  Selbst- 
ständigkeit, von  den  übrigen  selbststandig  gebliebenen  Füfsen 
ähneln  die  hintersten,  oder  auch  alle,  Flossen.  Kiemen  variabel, 
doch  meistens  am  Hinterleibe ;  dieser  mit  grofser  Endflosse.  (Burm.) 

Die  fossilen  Stomatopoden  sind  sehr  selten  und  zur  Zeit  nur 
aus  dem  lithographischen  Schiefer  von  Fappenheim  und  aus  dem 
fischreichen  Schiefer  des  Monte  Boica  bekannt. 

t  1.  G.?  Nor  na  Münst.  (Nord.  Myth.) 
Die  einzige  und  noch  wenig  gekannte  Art,  iV.  lithophila  Münst. 
(Beitr.  3.  p.  22.  tb.  3  u.  4.  f.  9.)  von  Solenhofen,  könnte,  nach  Bur- 
meister, mit  Mysis  verwandt  sein,  wenn  man  die  langen  dünnen  Beine 
für  vielgliedrige  Ruderfüfse  nehmen  darf. 

t  2.  G.?  Urda  Münst.  (Nord.  Myth.) 
Krebse  dieser  Gattung  haben,  nach  Münster,  welcher  sie  wie 
die  vorige  Gailling  den  Isopoden  zurechnet,  eine  lange,  fast  cy- 


STOMATOPODEN.  197 

lindrische  Gestalt,  14  Füfse,  einen  sechs-  bis  siebengliedrigen 
Schwanz,  welcher  mit  fünf  grofsen,  schmalen  Schwimmflossen, 
unter  denen  die  mittelste  am  breitesten  ist,  endet.  An  einem 
Exemplare  waren  vier  Fühler  zu  erkennen. 

Erst  bei  genauerer  Kenntnifs  der  Beine  läfst  sich  entscheiden, 
ob  diese  Thiere  Macruren  oder  Stomatopoden  seien.  Sie  zu  den  lelx- 
teren  zu  stellen,  findet  Burmeister  defshalb  angemessener,  da  der  Ent- 
decker von  einem  abgesetzten  Kopftheile  spricht. 

Münster  beschreibt  vier  Arten  von  Solenhofen. 

3.  G.  Squilla  Fabr.  Schaufel  krebs. 

Squilla  antiqua  Münst.,  Beitr.  5.  p.  76.  tb.  9.  f.  11,  mochle 
am  meisten  der  lebenden  S.  scabricauda  Lam.  ähneln,  besafs  jedoch  an 
dem  letzten  langen  Gelenke  des  zweiten  Fufspaares  nur  6,  statt  8,  Seiten- 
zähne und  eine  glatte,  nicht  rauhe ,  mittlere  Schwanzflosse. 

Das  einzige  bekannte  Exemplar  ist  vom  Monte  Bolca. 

t  4.  G.  Reckur  Münst.  (Nord.  Myth.) 

R.  punctatus  Münst.,  Beitr.  Hft.  5.  p.  77.  tb.  9.  f.  10. 

Kopf  grofs,  vierseitig  und  gerundet,  seine  vordere  Seite  breiler 
als  die  gegen  den  Rumpf  gekehrte.  Rumpf  fast  cylindrisch,  an  sei- 
nem vorderen  Ende  mit  einem  fast  eiförmigen,  dreitheiligen  Rücken- 
schilde,  das  in  der  Mitte  glatt  ist,  dessen  Seiten  aber  schwach  ge- 
bogen ,  etwas  gewölbt  und  reihenweise  granulirt  sind.  Der  Schwanz 
hat  4  deutliche,  in  der  Mitte  winkelförmig  eingebogene  Glieder  und 
endet  mit  einer  grofsen,  breiten  Klappe,  zu  deren  Seiten  2  schmale 
Schwimmflossen  liegen.  (Münst.) 

Im  Jura  -  Dachschiefer  von  Daiting. 

t  5.  G.  Naranda  Münst.  (Skand.  Myth.) 

N.  an 0 mala  Münst.,  Beitr.  5.  p.i  78.  tb.  14.  f.  5. 

Diesen  kleinen  Krebs  von  Kelheim  verweist  Burmeister  aus  der 
Abtheilung  der  Isopoden  auch  in  die  der  Stomatopoden  und  erkennt  in 
ihm  einige  Verwandtschaft  mit  Alima  oder  Erichthus. 

t  6.  G.  Bostrychopus  Goldf.  (ßooiQv'^^  Locke;  novg,  Fufs.) 

B.  antiquus  Goldf.  in  Act.  Ac.  Caes.  etc.  T.  19.  P.  1.  p.  35^, 
tb.  32.  f.  6. 

Dieser  merkwürdige  Krebs,  welcher  in  dem  Grauwackenschiefer 
von  Dillenburg  aufgefunden  worden  ist,  gleicht  auf  den  ersten  An- 
blick einer  Comatula.     Aus  einem  ovalen  Mitlelkörper  von  \\'"  Länge 


198 


KREBSE. 


Strahlen  nämlich  ringsum  eine  grofse  Anzahl  (60)  verschieden  ge- 
bogener, gegliederter  Fäden  aus,  welche  von,  der  Stärke  eines  Haares 
und  bis  lO'"  lang  sind.  Die  zahlreichen  Glieder  derselben  sind  etwas 
breiter  als  lang,  erweitern  sich  an  ihrem  vorderen  Ende  und  bilden 
•  hier  vortretende  Ecken.  Der  Mittelkörper  besteht  aus  einem  Kopf- 
bruststücke, in  dessen  Mitte  vier  Paar  Füfse  befestigt  sind,  und 
einem  Hinterleibe.  Das  hinterste  Fut'spaar,  welches  das  vorhergehende 
an  Länge  und  Dicke  übertrifft,  bildet  am  Ende  eine  scheibenförmige 
Fufsplalte,  an  deren  Rande  16  gegliederte  Fäden  eingefügt  sind.  Das 
vorletzte  Fufspaar  ist,  wie  es  scheint,  zugespitzt,  und  trägt  3  —  4  geglie- 
derte Fäden.  Beide  Fufspaare  sind  nach  hinten  gerichtet,  wogegen  die 
zwei  kleineren  vorderen,  an  welchen  die  zehn  übrigen  gegliederten 
Fäden  sitzen,  nach  vorwärts  stehen.  Der  Hinterleib  stöfst  mit  sei- 
ner ganzen  Breite  an  das  Kopfbruststück  an,  verschmälert  sich  nach 
hinten,  ist  in  sechs  Abschnitte  getheilt  und  endet  mit  einigen  Schwanz- 
blättern. Längs  seiner  unteren  Seite  ist  auf  ihm  eine  Mittelfurche 
eingedrückt.  (Goldf.)  Nach  Burmeister  gehört  diese  Gattung  zu  den 
Stomatopoden ,  und  zwar  in  die  Abtheilung  der  Schizopoden,  in  die 
Nähe  von  Mysis^  Noctiluca  etc. 

b.  Decapoda^  Zelinfüfser. 

Bei  den  Decapoden  oder  eigentlichen  Krebsen  sind  Kopf- 
und  Brustkasten,  oder  vielmehr  Kopf-  und  Rückenschild,  zu  einem 
gemeinsamen  Schilde,  dem  Kopfbruststücke  (cephalothorax ^  Rücken- 
schild bei  Münster,  carapace  bei  Desmarest)  verwachsen.  Daran 
erkennt  man  vorn  zwei  gestielte  Augen,  und  zwischen  diesen  zwei 
Paar  Fühler  oder  Antennen,  die  mittleren  oder  oberen,  und  die 
äufseren  oder  unteren. 

Sie  haben,  nach  Burmeister,  alle  eigentlich  zehn  Brustkasten- 
ringe, von  denen  aber  nur  die  fünf  hinteren  selbstständig  bleiben 
und  zehn  Gangfüfse  tragen.  Von  letzteren  sind  gewöhnlich  die 
vorderen  in  Scheerenfüfse  umgewandelt.  Die  fünf  vorderen  ver- 
steckten Brustkastenringe  tragen  fünf  Paar  sogenannter  Unterkiefer- 
oder Kaufüfse,  welche  Hülfsorgane  für  den  Mund  abgeben.  Am 
Grunde  neben  den  Gangfüfsen  sitzen  die  Kiemen. 

1.  JSMlacrura»  Ijaiigschwänze. 

In  den  Langschwänzen  sind  die  Flossenfüfse  des  vorletzten 
Hinterleibsringes  nach  hinten  ausgestreckt  und  bilden  mit  dem  letz- 
ten Ringe  eine  grofse,  fünfblälterige  Endflosse.  Der  Hinterleib 
ist  bald  ausgestreckt,  bald  gekrümmt. 


MACRUREN. 


199 


Die  Langschwänze  sind  die  ältesten  Decapoden  und  erschei- 
nen in  wenigen  Arten  schon  im  bunten  Sandsteine  und  im 
Muschelkalke;  neue  Geschlechter,  obgleich  noch  in  geringer  An- 
zahl, finden  sich  im  Lias,  in  grofser  Menge  kommen  sie  aber  in 
der  oberen  Juraformation  vor. 

Alle  Decapoden,  welche  älter  als  die  wenigen  in  der  Kreide- 
formation gefundenen  sind,  scheinen  in  ausgestorbene  Gattungen 
vertheilt  werden  zu  müssen,  und  selbst  hier  findet  sich  noch  ein 
ausgestorbenes  Geschlecht. 

Die  Krebse  von  Solenhofen  beschrieb  Graf  Münster  in  den 
Beiträgen  zur  Petrefactenkunde,  Hft.  2.  1839. 

Die  Makruren  der  jetzigen  Schöpfung  leben  meistens  im  Meere. 

a,  Caroidea.  Garneelenkrebse  **). 
t  1.  G.  Saga  Münst.  (Scand.  Myth.) 

Kleine  Krebse,  die  einige  Aehnlichkeit  mit  der  lebenden 
Gattung  Mysis  Latr.  darbieten. 

Ihr  Rückenschild  ist  vorn  sehr  spitz,  und  der  Schwanz ,  mit 
seinen  engen  Schwimmflossen,  verschmälert  sich  sehr  nach  hinten. 
Mittlere  Fühler  kurz  und  schwach,  äufsere  von  der  Länge  des 
übrigen  Körpers ,  mit  einer  lanzettförmigen  Schuppe  zur  Seite. 
Drei  Paar  Frefsspitzen  haben  die  Gestalt  der  Füfse,  sind  aber 
kleiner  und  kürzer;  übrigens  sind  sie,  wie  die  eigentlichen  Fufs- 
paare,  an  der  Basis  in  zwei  Arme  getheilt,  haben  an  den  Seiten 
Schwimmflossen  und  an  der  Spitze  einen  einfachen  Nagel.  (Münst. 
B.  2.  p.  80.) 

Zwei  Arten  von  Solenhofen  und  Dailing. 


*)  Nach  H.  V.  Meyer  (foss.  Kr.  p.  25.)  kommen  zwei  Arten  dieser  Krebse 
im  bunten  Sandsteine  von  Sulzbad  vor,  welche  den  Qattungen  Gebia  und 
Galathea  am  nächsten  verwandt  sind. 

**)  „Da  die  Garneelenkrebse  stets  einen  Körper  haben,  der  höher  ist 
als  breit,  so  fallen  sie  im  Tode,  wie  die  Fische,  auf  die  Seite;  bei  den 
übrigen  Macruren  aber  und  bei  den  Stomatopoden  ist  der  Leib  breiter  als 
hoch,  sie  liegen  also  im  Tode  auf  dem  Rücken  oder  auf  dem  Bauche.  Man 
mufs  daher  versteinerte  Macruren,  die  auf  der  Seite  liegen,  für  Caroideen 
halten ,  die  auf  dem  Bauche  oder  Rücken  liegenden  dagegen  für«  Paguriden, 
Palinuriden,  Astaciden  oder  Stomatopoden,  je  nachdem  ihre  sichtbare  Or- 
ganisation es  verlangt.  In  ähnlicher  Weise  unterscheiden  sich  auch  die 
Amphipoden  und  Isopoden,  jene  haben  ein  corpus  compressum,  diese 
ein  corpus  deprcssum^  s.  deprcssiusculum.'^  (Burmeister,  in  brieflichen  Mit- 
theilungen.) 


200  KREBSE. 

t  2.  G.  Eider  Münst.  (Nord.  Myth.) 

Auch  hiervon  sind  nur  die  Extremitäten  gekannt.  Die  inne- 
ren Fühler  sind  zweiborstig  und  zeigen  an  ihrer  Basis  längliche 
Schuppen.  Frefsspitzen  klein,  mit  Nägeln  wie  an  den  Füfsen. 
Die  ersten  zwei  Paare  der  letzteren  sind  klein  und  kurz,  die  drei 
folgenden  länger;  Blätter  der  Schwanzflosse  zugespitzt;  letzere  mit 
langen  falschen  Füfsen.    (Münst.  B.  2.  p.  77.) 

Zwei  Arten  von  Solenhofen. 

t  3.  G.  Rauna  Münst.  (Nord.  Myth.) 

Kleine  Krebse,  deren  Rückenschild  in  einen  zahnlosen  Schna- 
bel verläuft,  mit  langen  falschen  Füfsen  am  Schwänze  und  kurzen 
dicken  Nägeln  an  den  ungleichen  eigentlichen  Füfsen.  Innere 
Fühler  fein,  borstig  und  ziemlich  lang,  äufsere  lang  und  mit 
langen,  schmalen  Schuppen  an  ihrer  Basis.  Die  Frefsspitzen  ha- 
ben die  Gestalt  von  geraden  Füfsen.  (Münst.  B.  2.  p.  78.) 

Zwei  Arten  von  Solenhofen. 

t  4.  G.  Blaculla  Münst.  (Wend.  Myth.) 

Man  kennt  von  diesen,  wahrscheinlich  sehr  weichschaaligen 
Krebsen  bis  jetzt  nur  die  Extremitäten,  nach  welchen  dieselben 
der  lebenden  Gattung  Nica  Risso  sehr  ähnlich  sein  sollen,  von 
derselben  sich  aber  dadurch  unterscheiden,  dafs  sämmtliche  Füfse 
zweifingerig  sind.    (Münst.  B.  2.  p.  75.) 

Zwei  Arten  von  Solenhofen  und  Eichstädt. 

t  5.  G.  Aeger  Münst.  (Nord.  Myth.) 

Das  breite  Rückenschild  ist  hinten  herzförmig  ausgeschnitten 
und  vorn  in  einen  schmalen,  oben  ungezahnten  Schnabel  verlängert. 
Die  vier  sehr  langen,  borstigen,  inneren  Fühler  sind  lang  gestielt 
und  gleich  lang,  die  beiden  äufseren  übertreffen  an  Länge  den 
ganzen  Körper  und  haben  zur  Seite  eine  schmale,  stachelähnliche 
Schuppe  stehen.  Vor  allen  anderen  Organen  zeichnen  sich  auch 
ihre  äufseren  Frefsspitzen  aus,  welche  das  Ansehen  von  langen 
Füfsen  haben,  und  zu  deren  beiden  Seiten  lange,  bewegliche 
Stacheln  sitzen,  die  aber  gewöhnlich  nur  einseitig  erscheinen.  Die 
Füfse,  von  denen  das  erste  Paar  das  längste  ist,  sind  alle  zwei- 
llngerig  und,  die  beiden  letzten  Paare  ausgenommen,  zum  grofsen 
Theil  gleichfalls  mit  zwei  Reihen  beweglicher  Stacheln  besetzt. 
Der  Schwanz  geht  gegen  das  Ende  spitz  zu ,  ist  gewöhnlich  ge- 
krümmt und  zeigt  viele  blattförmige  Anhänge  und  falsche  Füfse. 


AIACRÜREN. 


201 


Seine  mittlere  Endflosse  ist  kurz  und  spitz,  die  übrigen  vier  sind 
lang  und  gerundet.    (Münst.  B.  2.  p.  64.) 

A.  spinipes  Desm.,  Crust.  foss.  p.  134.  tb.  IL  f.  4.  (Palae- 
mon  sp.)  —  Münst.  Beitr.  Hft.  2.  p.  65.  tb.  24. 

Es  ist  die  typische  Art  dieses  Geschlechtes,  welche  mit  einigen 
anderen,  als  A,  tipularius  Schloth.  (Macrurites  tip.)^  nicht  selten  in 
dem  Schiefer  von  Solenhofen  und  Eichstädt  gefunden  wird. 

-     t  6.  G.  Udora  Münst.  (Nord.  Myth.) 

Von  Aeger  durch  kürzere  Fühler  und  die  zwei  letzten  Fufs- 
paare  unterschieden,  welche  nur  einfmgerig  und  kürzer  sind.  Auch 
fehlt  dem  Rückenschilde  der  Schnabel,  und  das  letzte  Schwanz- 
glied ist  länger.    (Münst.  B.  2.  p.  69.) 

Vier  Arten  von  Solenhofen  und  Eichstädt. 

t  7.  G.  Kölga  Münst.  (Nord.  Myth.) 

Die  Repräsentanten  dieser  Gattung  sind,  nach  Münster,  in 
der  Jetztwelt  Hippolyte  und  Alpheus. 

Sie  sind  von  Antrimpos  durch  einen  dickeren  und  zusammen- 
gebogenen Körper  und  durch  ihre  Füfse,  von  welchen  nur  die 
beiden  vorderen  Paare  zweifingerig,  die  hinteren  dagegen  ein- 
fingerlg  sind,  leicht  zu  unterscheiden.  Das  breitere  und  kürzere 
Rückenschild  verläuft  vorn  in  einen  gezahnten  oder  glatten  Schna- 
bel.    Das  zweite  Fufspaar  ist  das  längste.    (Münst.  B.  2.  p.  60.) 

Münster  beschreibt  acht  Arten  aus  dem  Schiefer  von  Eichstädt, 
Kelheim  und  Solenhofen. 

t  8.  G.  Drobna  Münst.  (Nord.  Myth.) 

Diese  Gattung  unterscheidet  sich  von  den  anderen  besonders 
durch  Eigenthümlichkeiten  der  drei  ersten  Fufspaare,  deren  er- 
stes zwei  bewegliche  Finger  hat  und  länger  ist  als  das  zweite, 
welches  letztere  eine  breite,  dicke  Scheere  mit  einem  kleinen, 
beweglichen  Finger  hat.  Die  Finger  der  übrigen  Scheeren  sind 
lang  und  schmal;  das  dritte  Fufspaar  ist  das  längste.  Der  Rücken 
ist  eingebogen  und  die  Schuppe  an  der  Basis  der  äufseren  Fühler 
ist  eirund.    (Münst.  B.  2.  p.  58.) 

Zwei  Arten  von  Solenhofen  und  Daiting. 

t  9.  G.  Bylgia  Münst.  (Nord.  Myth.) 

Die  Krebse  dieser  Gattung  stimmen  in  den  meisten  Stücken 
mit  den  Arten  von  Antrimpos  überein,  jedoch  ist  ihr  Rückenschild 
viel  kürzer,  die  Scheeren  des  ersten  Fufspaares  sind  kürzer  und 


202 


KREBSE. 


viel  dicker,  und  von  den  Beinen  ist  das  zweite  Paar  am  längsten. 
(Miinst.  B.  2.  p.  56.) 

Zwei  Arten  von  Solenhofen  und  Eichstädt. 

t  10.  G.  Vusa  Münst.  (Nord.  Mylh.) 

Diese  Krebse  unterscheiden  sich  von  allen  anderen  durch 
ihre  langen,  fadenförmigen  Füfse,  an  denen  unverhältnifsmäfsig 
grofse,  spindelförmige  Scheeren  hängen.  Das  Rückenschild  ist 
kurz,  der  Schwanz  lang  und  mit  blätterförmigen  falschen  Füfsen  und 
schmalen,  gerundeten  Endflossen  versehen.    (Münst.  B.  2.  p.  71.) 

Zwei  Arten  aus  Solenhofen. 

t  11.  G.  Antrimpos  Münst.  (Äntrimp^  Meergott  der  Wenden.) 

Schmale,  langgestreckte  Krebse  mit  fast  cylindrischem  Kopf- 
brustschilde, das  vorn  in  einen  spitzen,  gezähnten  Schnabel  ver- 
läuft, langem  Schwänze  und  langen  Endflossen.  Auch  die  äufse- 
ren  Fühler  sind  sehr  lang  und  an  ihrer  Basis  mit  einer  langen 
Schuppe  versehen,  dagegen  sind  aber  die  inneren,  zwei-  und  drei- 
fadigen  kurz.  Die  äufseren  Frefsspitzen  gleichen  langen  Füfsen 
und  bestehen  aus  fünf  sichtbaren  Gliedern.  Beine  von  ungleicher 
Länge  und  sämmtlich  zweifingerig ;  das  erste  Paar  ist  das  kürzeste, 
das  dritte  das  längste.  In  der  Jetztwelt  scheint  diese  Gattung 
durch  Pemeus  Fabr.  vertreten  zu  sein.   (Münst.  B.  2.  p.  49.) 

Münster  beschreibt  neun  zum  Theil  grofse  Arten  von  Antrimpos 
aus  dem  Schiefer  von  Solenhofen,  Eichstädt,  Kelheim  und  Pointen. 

t  12.  G.?  Hefriga  Münst.  {Eefrig ;  Nord.  Myth.) 

Rückenschild  hinten  wenig  ausgebogen  und  vorn  schnabel- 
artig verlängert.  Jeder  der  mittleren  Fühler  besteht  aus  drei  eng- 
gegliederten, borstigen  Fäden,  von  welchen  die  längsten  die  halbe 
Länge  des  Körpers  erreichen.  Doppelt  so  lang  als  diese  sind  die 
äufseren  Fühler,  an  deren  Basis  schmale,  spitze  Schuppen  stehen. 
Die  Frefsspitzen  sind  den  Füfsen  ähnlich.  Alle  Fufspaare  haben 
eine  einfache,  etwas  gebogene  Klaue;  das  erste  Paar  ist  am  kür- 
zesten und  dicksten,  das  zweite  am  längsten.  Der  Schwanz  ist 
ziemlich  dick;  das  mittlere  Blatt  der  langen  Schwanzflossen  spitz, 
die  anderen  gerundet.    (Münst.  B.  2.  p.  73.) 

Zwei  Arten  von  Solenhofen. 

t  13.  G.  ?  Bomhur  Münst.  (Nord.  Myth.) 

Kleine  Krebse,  von  der  äufseren  Form  der  Anlrimpos- Xvltn^ 
allein  besonders  durch  ein  sehr  kurzes  Rückenschild,  welchem  auch 


MACRUREN. 


203 


die  schnabelartige  Verlängerung  fehlt,  und  durch  einen  sehr  stark 
zusammengekrümmten  Schwanz  von  ihnen  unterschieden.  (Münst. 
B.  2.  p.  74.) 

Zwei  Arten  von  Solenhofen. 

t  14.  G.  Megachirus  Bronn.  Mecochirus  Germar. 
{{.liyag^  grofs;  y/iQ'^  Arm,  Hand.) 

Rückenschild  vorn  wenig,  hinten  stark  ausgebogen,  mit  einigen 
schwachen  Furchen,  welche  sich  von  oben  gegen  den  Seitenrand 
herabziehen ,  übrigens  dem  des  Flufskrebses  ähnlich.  Sehr  lange, 
eng  gegliederte,  borstige,  äufsere  oder  Seiten -Fühler  sitzen  auf 
langen  gegliederten  Stieleiu  Das  erste  Fufspaar,  vorzüglich  aber 
die  Mittelhand  desselben,  ist  ungewöhnlich  lang  und  endet  vorn 
mit  einem  langen,  beweglichen  Finger,  der  an  der  einen  Seite 
durch  eine  flossenartige  Bildung  geflügelt  ist.  Die  Mittelhand  oder 
das  Glied,  welches  mit  dem  Finger  articulirt,  wird  an  ihrem  vor- 
deren Ende  breiter  und  oft  sehr  stark  ausgebogen.  Die  Mittel- 
hand des  zweiten  Fufspaares  ist  dagegen  kurz  und  vorn  sehr  breit; 
die  drei  hinteren  Fufspaare  sind  schmal  und  enden  in  spitz  ge- 
bogene Klauen,  die  an  einer  schmalen  Mittelhand  sitzen.  Der  lange, 
gewöhnlich  sehr  gekrümmte  Schwanz  endet  in  fünf  grofse,  fächer- 
förmige, gerundete,  hinten  gefranste  Flossen.  (Münst.  B.  2.  p.  29.) 

M.  locusta  Germar.  —  Taf.  VIII.  Fig.  17.  Etwa  f  nach 
Münst.  Beitr.  2.  p.  31.  tb.  11.  —  M.  locusta  und  M.  longimanus  Münst., 
Er.  Leih.  p.  475  u.  476.  tb.  27.  f.  1  u.  16.  —  M.  longimanatus  Schlotheim. 

Rückenschild  klein  und  fast  herzförmig.  Die  äufseren  Fühler  er- 
reichen fast  die  Länge  des  ersten  sehr  langen  Fufspaares,  welches  letz- 
tere länger  als  der  übrige  Körper  ist.  Der  geflügelte  Finger  hat 
ziemlich  die  halbe  Länge  der  Mittelhand. 

Häufig  in  den  Schiefern  von  Solenhofen  und  Eichstädt,  von  wo 
auch  die  anderen  selteneren  Arten  herstammen. 

t  15.  G.  Pterochirus  Bronn.  Münster.  (jixiQov^  Flügel;  y/iQ-) 

Hierunter  sind  diejenigen  Arten  von  Megachirus  begriff'en, 
deren  Finger  und  Mittelhand  des  ersten  Fufspaares  an  beiden  Sei- 
ten durch  Flossenbildung  geflügelt  sind.  (Münst.  B.  2.  p.  27.) 

Sie  kommen  mit  den  vorigen  zusammen  vor. 

t  16.  G.?  Carcinium  H.  v.  Mey.  (xag/Jvog^  Krebs.) 

C.  sociale  H.  v.  Mey.  (L.  Er.  J.  1841.  p.  96;  1842.  p.  589; 
1844.  p.  337.),  ist  ein  kleiner  Krebs,  welcher  durch  die  überwiegende 
Länge  des   vorletzten  Gliedes  am  ersten  Fufse   dem  Megachirus  und 


204 


KRKBSE. 


Pterochinis  ähnlich  wird,  und  sich  durch  das  vorletzte  Glied  des  zwei- 
ten Fufses  an  Megachirus  anschliefst. 

Er  kommt  in  grofser  Menge  im  Liegenden  des  Jurakalkes,  im 
mittleren  oder  braunen  Jura  bei  Dettingen  in  Würtemberg,  im  Oxford- 
thone  von  Dives  in  der  Normandie  vor. 

t  17.  G.?  Magila  Münst.  (Preufs.  Myth.) 

Das  längliche,  etwas  bauchige  Rückenschild  endet  vorn  in 
eine  schnabelartige  Spitze.  Innere  Fühler  sehr  kurz,  äufsere  lang, 
dünn  und  borstig,  auf  einem  langen,  dreigliederigen  Stiele.  Das 
erste  Fufspaar  ist  grofs  und  dick,  und  endet  mit  zwei  eingebo- 
genen Scheeren,  an  welchen  der  unbewegliche  Finger  kurz  und 
fast  gerade,  der  bewegliche  länger  und  krumm  ist.  Die  anderen 
sind  schmal  und  kurz,  und  die  drei  hinteren  haben  nur  eine  ein- 
fache Klaue.  Der  lange,  etwas  umgebogene  Schwanz  endet  in 
fünf  Schwimmflossen,  von  denen  die  mittlere  schmal  und  kurz  ist. 

Von  den  lebenden  Gattungen  Thalassina  und  Gehia  Leach 
unterscheidet  sich  Magila  besonders  durch  das  zweite  dicke  Fufs- 
paar, welches  noch  deutliche  kurze  Scheeren  hat.  (Münst.  B.  2. 
p.  25.) 

Drei  Arten  von  Solenhofen  und  Eichstädt. 

t  18.  G.?  Aura  Münst.  (Griech.  Myth.) 

Von  allen  anderen  Krebsen  durch  die  Scheeren  des  ersten 
grofsen  Fufspaares  unterschieden,  welche  bis  fast  an  die  Basis 
in  zwei  lange  Finger  getheilt  sind.  Rückenschild  kurz.  Schwanz 
lang,  mit  fünf  schmalen  Schwimmflossen.    (Münst.  B.  2.  p.  26.) 

A.  Desmarestii  Münst.,  von  Solenhofen,  ist  die  einzige  seltene 
Art  dieser  Gattung. 

t  19.  G.?  Brome  Münst.  (Griech.  Myth.) 

Münster  vereinigt  unter  diesem  Namen  drei  Arten  aus  den  Schie- 
ferbrüchen von  Solenhofen  und  Dailing,  welche  noch  wenig  gekannt 
sind.  (Münst.  Beitr.  2.  p.  47.) 

ß.    Astacina.  Krustenkrebse, 
t  20.  G.  Eryon  Desmarest.  (Jqvo),  ich  ziehe,  schleppe.) 

Das  Kopfbrustschild  ist  flach,  breit  oder  oval,  -vorn  abge- 
stumpft; die  mittleren  (oberen)  Fühler  sind  sehr  kurz,  zweitheilig, 
viergliederig ;  die  äufseren  kurz,  lang  gestielt  und  an  der  Basis 
von  einer  breiten  Schuppe  bedeckt;  die  Augen  lang-  und  dick- 
gestielt, an  der  Seite  der  äufseren  Fühler. 


MACRUREN. 


205 


Der  Hinterleib  (Schwanz)  hat  ohngefähr  die  Lunge  des  Riicken- 
schildes;  seine  mittleren  Glieder  verlängern  sich  seitlich  in  einen 
spitzen  Winkel;  das  letzte  Glied  endet  mit  fünf  fein  gefranzten 
Schwimmflossen. 

Die  Beine  (Füfse)  sind  sechsgliederig,  schlank,  und  nehmen 
von  vorn  nach  hinten  an  Länge  allmählig  ab,  die  vier  ersten 
enden  mit  einer  zweifingerigen  Scheere,  das  fünfte  hat  nur  einen 
einfachen,  geraden,  langen  Nagel.    (Münst.  B.  2.  p.  2.) 

Die  Arten  dieser  Gattung  sind  auf  die  Juraformation  be- 
schränkt. 

E.  arctiformis  v.  Schlotheim  (Macrurites  arctiformis).  —  Taf. 
VIIL  Fig.  8,  von  oben;  Fig.  9,  von  unten  (^).  Nach  Münst.  Beitr. 
Hft.  2.  p.  3.  tb.  1.  —  Br.  Leth.  p.  474.  tb.  27.  f.  2.  —  E.  Cuvieri 
Desm.,  Crustaces  fossiles^  Paris ^  1822.  p,  128.  pl.  10.  f.  4. 

Das  breite  granulirte  Kopfbruststück  lauft  zu  beiden  Seilen  nach 
vorn  in  drei  spitze,  vorwärts  gekrümmte  Zacken  aus. 

Häufig  bei  Eichstädt  und  Solenhofen. 

Seltener  als  dieser  Krebs  sind  die  anderen  zwölf  Arten  von 
Eryon,  die  Münster  und  H.  v.  Meyer  {Act.  Ac.  Caes.  Leop.  Car.  1836. 
V.  18.  p.  261.  tb.  11.  12.)  aus  Solenhofen  und  Eichstädt  beschreiben. 
Bei  einigen  von  ihnen  ist  das  Rückenschild  breiter  als  lang,  und  am 
vorderen  Rande  mit  Einschnitten  versehen,  bei  anderen,  wie  bei  E. 
Schuberti  v.  Mey.,  ist  das  Rückenschild  ohne  Einschnitte  und  entweder 
länger  als  breit  oder  fast  so  breit  als  lang. 

t  21.  G.  Glyphea  H.  v.  Mey. 

Kopfbruststück  lang  und  schmal,  durch  zwei  Querfurchen  in 
drei  Theile  getrennt,  von  welchen  der  erste  vorn  in  eine  schna- 
belförmige, zweitheilige  Spitze  ausläuft,  der  mittlere  aber  sich 
weit  hinterwärts  zieht;  unter  dem  vorderen  Haupttheile  ist  der 
Seitenrand  mit  einem  mehr  oder  weniger  stumpfen  Winkel  einge- 
bogen; die  Rückenlinie  ist  gerade,  (v.  Meyer  '"'.)  Die  mittleren 
Fühler  sind  gabelig,  vielgliederig;  die  äufseren  sehr  lang,  bor- 
stenförmig  und  fein  gegliedert;  beide  sitzen  auf  einem  dreiglie- 
derigen  Stamme;  an  der  Basis  der  äufseren  steht  eine  kleine 
Schuppe;  halbkugelige  Augen  an  der  Seite  der  letzteren.  Erstes 
Fufspaar  lang,  mit  starken  Scheeren;  zweites  und  drittes  lang  und 
schmal,  mit  dünnen  Scheeren;  viertes  und  fünftes  nur  mit  einem 
klauenförmigen   Ende.     Der   grofse    Schwanz   mit   fünf  grofsen 


*)  Neue  Gattungen  fossiler  Krebse,  Stuttgart.  1843. 


20() 


KHEB8B. 


Schwimmflossen.  Sie  finden  iliren  Repräsentanten  in  dem  leben- 
den Astacus,   (Münst.  B.  2.  p.  15.) 

Nach  V.  Meyer  bilden  die  von  Münster  beschriebenen  Arten 
die  neue  Gattung  Eryma  II.  v.  Mey.  '•),  und  Burmeister  möchte 
mit  Glyi)hea  auch  Alvis  und  vielleicht  selbst  Sculda  Münst. 
(Beitr.  3.)  vereinen. 

Bezeichnend  für  die  Juraformation. 

G.  modestiformis  Schloth.  (Macrourites  m.)  —  Taf.  VIII.  Fig. 
10.    Nach  Münst.  Beitr.  Hft.  2.  Ib.  9.  f.  2. 

Diese  Art  wird  ^"  bis  über  2j"  grofs,  ist  auf  ihrer  dicken 
Schaale  fein  punktirt  und  zeichnet  sich  besonders  durch  ihre  grofsen 
Scheeren  und  einen  kurzen  Schnabel  am  vorderen  Ende  aus. 

Nicht  selten  im  lithographischen  Schiefer  von  Solenhofen  und 
Kelheim. 

Aufserdem  werden  von  Münster  noch  acht  Arten  aus  diesen 
Schiefern  beschrieben,  denen  v.  Meyer  mehrere  aus  anderen  Bildungen 
der  Juraformation,  unter  diesen  G»  liasina  und  G,  grandis  aus  dem 
Lias  von  Würtemberg,  noch  hinzufügt. 

t  22.  G.  Klytia  H.  v.  Mey.  (Griech.  Myth.) 

„Wie  bei  Glyphea^  wird  der  Cephalotliorax  durch  zwei  Haupt- 
querfurchen in  drei  hinter  einander  liegende  Haupttheile  geschie- 
den, welche  indefs,  etwa  mit  Ausnahme  der  randlichen  Gegend 
des  mittleren  Haupttheiles,  keine  scharf  ausgedrückten  Erhaben- 
heiten oder  Vertiefungen  darbieten,  welche  denen  in  Glyphea 
ähnlich  wären;  auch  ist  der  mittlere  Haupttheil  nicht  so  weit  nach 
hinten  gezogen,  zwischen  ihm  und  dem  hinteren  Haupttheile  liegt 
eine  gabel-  oder  sichelförmige  Rückenregion,  und  unter  dem  vor- 
deren Haupttheile  biegt  sich  der  Seitenrand  nicht  (oder  nur  wenig) 
ein;  übrigens  ist  der  Rücken  auch  vollkommen  geradlinig."  (H. 
V.  Mey.,  neue  Gatt.  foss.  Krebse,  1840.  p.  19.) 

Arten  in  der  mittleren  Jura-  und  in  der  Kreideformation. 

K.  ventrosa  II.  v.  Mey.  (a.  a.  0.  p.  20.  tb.  4.  f.  29.),  im 
Terrain  ä  Chailles  von  Chaviez  im  Dep.  d.  ob.  Saöne. 

K.  Mandelslohii  H.  v.  Mey.   (a.  a.  0.  p.  21.  tb.  4.  f.  30.) 

Im  braunen  Jura  von  Dettingen  in  Würtemberg  mit  Carcinium 
sociale^  und  bei  Thurnau  und  Rabenslein  mit  K,  ventrosa  zusammen. 

K.  Leachii  Mantcll  {Astacus  L.),  Geol.  of  Sussex  tb.  29.  f.  1. 
4.  5;  tb.  30.  f.  1  —  3;  tb.  31.  f.  1  —  4.  —  Gein.  Char.  p.  39.  Ib.  9. 


♦♦)  L.  Br.  J.  1840.  p.  587. 


^  MACBÜREN.  207 

f.  1.  —  Glyphea  L.  Rom.  Kr.  p.  105.  —  Klytia  L.  Keufs,  ßöhm.  Kr. 
p.  14.  tb.  6.  f.  1  —  6. 

Der  Cephalothorax  dieses  Krebses  ist  eirund,  bis  3^'  lang,  und 
hat  ohngefähr  die  Form  von  dem  eines  Flufskrebses ,  welcher  seitlicli 
zusammengedrückt  ist,  verengt  sich  nach  vorn  allmählig,  nach  hinten 
schneller,  ist  vorn  in  der  Mitte  zugespitzt,  und  hinten  zur  Aufnahme 
des  Schwanzes  halbmondförmig  ausgeschnitten.  Er  wird  zum  gröfsten 
Theile  von  einem  dicken  Rande  eingefafst,  welcher  auf  seiner  oberen 
Seite  von  einer  tiefen  Furche  begleitet  ist.  In  dem  vorderen  Theile, 
wo  der  Seitenrand  auch  etwas  eingebogen  ist,  sind  beide  nur  noch 
schwach  angedeutet.  Die  Charaktere  der  Klytia  prägen  sich  sehr  deut- 
lich in  ihm  aus,'  denn  der  Cephalothorax  wird  durch  zwei  breite  und 
tiefe  Querflächen  in  drei  Theile  geschieden,  von  welchen  der  mittlere 
am  kürzesten  ist  und  sich  nach  hinten  verlängert.  Die  randliche  Ge- 
gend desselben  zeigt  zwei  Verdickungen,  welche  durch  eine  Querfurche 
von  einander  getrennt  sind.  Zwischen  dem  mittleren  und  hinteren 
Felde  liegt  in  der  Mitte  des  geradlinigen  Rückens  eine  schmale,  ga- 
belförmige Wulst.  Die  ganze  Oberfläche  ist  dicht  mit  spitzen  Knöt- 
chen bedeckt,  welche  nach  vorn  hin  gröfser  werden.  Die  Scheeren- 
füfse  erreichen  in  meinem  Exemplare  die  Länge  von  wenigstens  6". 
Hiervon  nimmt  die  Scheere  4?"  ein,  und  if  bis  2''  kommen  auf  die 
unteren  Glieder.  Die  Hand  ist  vierseitig,  ohngefähr  if  lang  und 
über  l|-"  breit,  und  die  Länge  des  unbeweglichen  Fingers  ist  dem- 
nach Beide  Finger  oder  Zangen  sind  ganz  gerade,  verengen  sich 
sehr  allmählig  nach  vorn  und  tragen  an  ihrem  inneren  Rande  hohe, 
stumpf  dornige  Fortsätze.  Alle  Fufsglieder  sind  mit  zahlreichen  grö- 
fseren  und  kleineren  spitzen  Höckern  besetzt.  Reufs  entdeckte  an 
seinen  Exemplaren  die  Einlenkungsstellen  der  dicken  hinteren  4  Fufspaare. 

Im  Plänerkalke  von  Strehlen  bei  Dresden,  im  Plänerkalke  und 
Plänermergel  von  Böhmen  und  in  der  Kreide  von  Sussex. 

t  23.  G.  Bolin a  Münst.  (Griech.  Mylh.) 

Bolina  unterscheidet  sich  von  Glyphea-  vorzüglich  durch  die 
langen,  schmalen  Scheeren  und  die  grofsen,  nierenförmigen  Augen, 
durch  gröfsere  Dicke  und  Länge  der  äufseren  Fäden  der  mittleren 
Fühler  und  durch  eine  lange,  spitze  Schuppe  an  dem  grofsen 
Stiele  der  äufseren  Fühler.    (Münst.  B.  2.  p.  23.) 

Die  beiden  Arten  kommen  bei  Solenhofen  vor. 

t  24.  G.  Orphnea  Münst.  (Orphne,  Griech.  Myth.) 
Das  Rückenschild  dieser  Gattung,  welche  der  lebenden  Gatt- 
ung Gebia  am  nächsten  stehen  soll,  ist  vorn  stumpf  und  kürzer 


208 


KRKBSE. 


als  (1er  Schwanz.    Die  äufsereii  Fühler,  welche  anf  einem  fünf- 

gliederigen  Stiele  befestigt  sind ,  übertreffen  an  Länge  den  ganzen 
Körper;  die  inneren  zwei  Paare  erreichen  nur  ^  dieser  Länge; 
die  Frefsspitze  ist  sechsgliederig  und  die  Augen  ruhen  auf  cylin- 
drischen,  beweglichen  Stielen.  Von  den  Beinen,  welche  sämmtlich 
mit  einer  einfachen,  gebogenen,  spitzen  Klaue  endigen,  zeichnet 
sich  das  vordere  Paar  durch  seine  Breite  und  Länge  aus.  (Münst. 
B.  2.  p.  39.) 

Man  kennt  hiervon  die  fünf  von  Münster  beschriebenen  Arten 
aus  Solenhofen  und  Eichstädt. 

f  25.  G.  Brisa  Münst.  (Griech.  Myth.) 

Bei  aller  Aehnlichkeit  dieser  Gattung  mit  Orphnea  unter- 
scheidet sie  sich  von  ihr  durch  das  Vorhandensein  von  breiten 
Schwimmflossen  nicht  nur  an  dem  Ende,  sondern  auch  an  den 
Seiten  des  Schwanzes.    (Münst.  B.  2.  p.  45.) 

Zwei  Arten  kommen  bei  Solenhofen  und  Eichstädt  vor. 

y.  Palinuridae. 

t  26.  G.  Pemphix  H.  v.  Mey.  Blasen  krebs.   {n^Kfi^j  Blase.) 

Der  Cephalothorax  ist  cylindrisch,  wird  nach  hinten  zu  schmä- 
ler, zeichnet  sich  durch  viele  warzenförmige  Erhöhungen  aus  und 
wird  durch  zahlreiche  Furchen  in  drei  Hauptregionen  und  mehrere 
Unterabtheilungen  getheilt.  Sein  Vorderrand  verläuft  in  der  Mitte 
in  einen  kurzen,  lanzettförmigen  Schnabel,  dessen  Oberseite  rin- 
nenförmig  eingedrückt  ist,  und  an  der  Seite  in  mehrere  spitze 
Zacken.  Der  vordere  Haupttheil  ist  sechseckig;  unter  seinen  Er- 
höhungen zeichnet  sich  besonders  die  an  der  Gränze  des  zweiten 
Haupttheiles  in  der  Mitte  liegende  aus,  welche  eine  quer -ovale, 
bis  fast  trapezische  Form  hat.  Die  mittlere,  kleinste  Region  reicht 
mit  einer  breiten  Ausbiegung  in  die  hintere,  ziemlich  lange  Re- 
gion hinein. 

Der  Schwanz  übertrifft  den  Cephalotorax  an  Länge  und  nimmt 
nach  hinten  sehr  allmählig  an  Breite  ab,  seine  breiten,  gerunde- 
ten fünf  Endflossen  sind  längs  der  Mitte  gekielt  und  nach  den 
Rändern  hin  feinstachelig. 

Die  inneren  Fühler  bestanden  aus  zwei  kurzen,  schwachen 
Fäden,  welche  auf  kurzgliederigen  Stielen  safsen;  die  äufseren 
waren  stärker  und  länger. 

Das  erste  Fufspaar  war  länger  und  stärker  als  die  anderen, 
und  mit  einer  Scheere  bewaffnet.     Seine  Oberfläche  ist,  wie  der 


MACRÜREN.  209 

Cephalothorax,  mit  Warzen  bedeckt.  (Br.  Leth.  p.  182;  H.  v.  Mey. 
foss.  Krebse,  p.  3-10.  u.  in  L.  Br.  J.  1842.  p.  261.) 

F.  Sueurii  Desmarest,  hist.  nat,  des  crust.  foss.  p.  132.  tb.  10. 
f.  8.  9.  (Palinurus  Sueurii).  —  Taf.  VIII.  Fig.  14.  Nach  H.  v.  Mey., 
foss.  Kr.  tb.  1.  (J). 

Auf  diese  grofse  Art,  welche  in  dem  Muschelkalke  von  Fried- 
richshall so  häufig  ist,  in  dem  Muschelkalke  von  Villingen,  Rottweil 
und  vielen  anderen  Orten  von  Schwaben,  bei  Würzburg,  Äugst,  Aar- 
gau, im  Saarbrückenschen  bei  Blittersdorf ,  im  französischen  Departe- 
ment des  Niederrheins,  in  Lothringen  u.  a.  0.  aufgefunden  worden 
ist,  pafst  die  vorangegangene  Beschreibung  vorzugsweise. 

F.  Alb  er  tu  H.  v.  Mey.,  foss.  Kr.  p.  9.  tb.  4.  f.  37. 

Der  Cephalothorax  ist  etwas  kürzer  und  unterscheidet  sich  von 
dem  des  F.  Sueurii  vorzüglich  durch  das  hintere  Ende  des  vorderen 
Haupttheiles ,  welches,  bei  dem  Mangel  einer  quer -ovalen  Erhöhung, 
hier  eine  kurze  Zuspitzung  besafs,  nach  welcher  von  den  Seiten  her 
zwei  gabelförmige  Wülste  zusammenliefen.  Die  Rückenlinie  ist  durch 
eine  Längswulst  bezeichnet. 

Bis  jetzt  ist  nur  ein  Exemplar  aus  dem  Wellenkalke  von  Horgen 
am  Schwarzwalde  bekannt. 

t  27.  G.?  Liogaster  H.  v.  M.  {UTog,  glatl;  yaoTtjQ^  Bauch.) 

Kleine  zierliche  Krebse,  welche  in  dem  mittleren  Haupttheile 
des  Rückenschildes  einige  Aehnlichkeit  mit  Pemphix  haben,  von 
diesem  sich  aber  schon  durch  die  glatte  Beschaffenheit  ihrer  Ober- 
fläche, vorzüglich  des  vorderen  Haupttheiles  leicht  unterscheiden. 
(H.  v.  Mey.  in  L.  Br.  J.  1844.  p.  567.) 

Im  Muschelkalke  von  Friedrichshall. 

t  28.  G.  Palinurina  Münst. 

Diese  Gattung  vertritt,  mit  einigen  kleinen  Arten  in  den 
lithographischen  Schiefern,  die  noch  lebenden  Palinuren,  von  wel- 
chen sich  die  fossilen  Arten  fast  nur  durch  ihre  Kleinheit  und 
Kürze  unterscheiden  '•'). 

Das  Rückenschild  ist  kurz,  eiförmig  und  läuft  nach  vorn 
spitz  zu;  die  mittleren  Fühler  sind  kurz  und  bestehen  aus  zwei 
feinen,  vielgliederigen  Armen,  die  äufseren  sind  aufserordentlich 


*)  Die  noch  lebende  Gattung  Palinurus  Fabr.,  zu  welcher  Desmarest 
Pemphix  Sueurii  und  Glyphea  Regleyana  rechnete,  scheint  in  der  Vorwelt 
noch  nicht  existirt  zu  haben.    (H.  v.  Mey.  foss.  Kr.  p.  7.) 
Geinttz,  Versteinernngskunde.  14 


210 


KREKSB. 


lang,  eng  gegliedert  und  werden  von  einem  grofsen,  dreiglie- 
derigen  Stiele  getragen. 

Die  Beine,  von  denen  das  erste  Paar  das  kürzeste  ist  und 
die  mittleren  die  längsten  sind,  haben  siimmtlicli  an  ihrem  Ende 
einen  einfachen,  kurzen,  spitzen  Nagel.  Die  beiden  iiufseren  Frefs- 
spitzen  gleichen  schmalen,  kurzen  Füfsen.  Den  ziemlich  Jangen 
und  stark  gekrümmten  Schwanz  beschliefsen  fünf  fächerförmige 
Schwimmllossen.    (Münst.  B.  2.  p.  36.) 

Drei  Arten  von  Solenhofen. 

i  29.  G.  Cancrinos  Münst.  (Griech.  Myth.) 

Grofse  Krebse,  welche  sich  durch  die  unverhältnifsmäfsige 
Dicke  der  Fühler  leicht  erkennen  lassen.  Sämmtliche  Fufspaare 
sind  dick  und  haben  an  der  Mittelhand  einen  einfachen ,  dicken 
Nagel.  Der  Schwanz  ist  so  lang  als  der  übrige  Körper  und  seine 
Endflossen  sind  breit.    (Münst.  B.  2.  p.  43.) 

Sehr  seilen  bei  Solenhofen  und  Eichstädt. 

8.    Paguridae.  Einsiedlerkrebse. 

30.  G.  Pagurus  Fabr.  Eremiten  krebs. 

Der  Cephalothorax  der  fossilen  Faguren  ist  unbekannt  und 
war  vermuthlich  so  weich,  dafs  er  sich  nicht  lange  erhalten  konnte. 
Der  lange  und  stark  gekrümmte  Hinterleib  (Taf.  VIII.  Fig.  13.) 
besteht  aus  flach -sattelförmigen  Gliedern,  auf  denen  zwei  tiefe, 
nach  hinten  divergirende  Längsfurclien  ein  mittleres  Feld  abschei- 
den. Diese  Furchen  beginnen  in  dem  vorletzten  Gliede  dicht  an 
dem  vorderen  Rande,  in  allen  vorderen  Gliedern  erst  nahe  der 
Mitte  ihrer  Länge.  Dieses  mittlere  Feld  wird  in  dem  vorletzten 
Gliede  durch  eine  mittlere,  vertiefte  Längslinie  in  zwei  gleiche 
Hälften  getheilt.  Das  letzte  Glied  hat  in  der  Mitte  ein  ei -lanzett- 
förmiges Feldchen,  zu  deren  beiden  Seilen  sich  zwei  längere  Flos- 
sen ausbreiten. 

A'on  den  Füfsen  sind  nur  die  grofsen  Scheerenfüfse  (Taf.  VIII. 
Fig.  12.)  vollkommen  gekannt,  welche  von  ungleicher  Gröfse  sind, 
wie  an  dem  Eremiten-  oder  Bernhardskrebse,  Pagurus  Bernhar- 
dus  L.,  von  den  übrigen  kleineren  und  dünneren  Beinen  sind  nur 
Rudimente  gesehen  worden. 

P.  antiquus  Olto  (Callianassa  antiqua  Otto).  —  Taf.  VIII.  Fig. 
12  u.  13.  —  K«)m  Kr.  p.  106.  tb.  16.  f.  25.  —  Gein.  Verstcin.  von 
Kieslingswalda ,  p.  6.  tb.  1.  f.  1  —  4. 


MACRUREN. 


211 


Das  erste  Glied  der  grofsen  Scheerenfüfse  ist  schief  kegelförmig 
und  hat  eine  Längsfiirche ,  nahe  dem  inneren  Rande  (welche  in  der 
Abbildung-  nicht  angegeben  ist);  das  zweite  Glied  ist  im  Durchschnitte 
drei-  oder  vierkantig,  und  ist  auf  der  sichtbaren  mittleren  Kante  mit  zwei 
Reihen  kleiner  Körner  besetzt;  das  dritte  breitere  und  gröfsere  Glied 
ist  etwas  vierseitig,  verengt  sich  nach  dem  vorigen  zu,  ist  flach  gewölbt ; 
das  vierte,  oder  die  Hand,  ist  vierseitig,  länger  als  breit,,  und  endet 
in  ein  kurzes,  gerades,  nur  an  der  Spitze  wenig  eingebogenes  Zangen- 
glied. Das  andere  Zangenglied  ist  schwach  gekrümmt.  Die  ganze  Ober- 
fläche ist,  mit  Ausnahme  der  Knochen  auf  dem  zweiten  Gliede,  ganz  glatt. 

Im  Grünsandsteine  von  Kieslingswalda  in  der  schlesischen  Graf- 
schaft Glatz  ungemein  häufig,  in  entsprechenden  Schichten  bei  Kreibitz, 
von  Glocker  bei  Schirmdorf  und  Triebitz  bei  Landskron  in  Böhmen 
entdeckt,  und  bei  ?  Quedlinburg. 

P.  F  au  ja  Sil  Desm.,  Cr,  foss.  p.  127.  tb.  11.  f.  2.  (Pagurus  F.). 
—  Br.  Leth.  p.  736.  tb.  27.  f.  23.  —  Rom.  Kr.  p.  106. 

Das  dritte  und  vierte  Glied  scheint  relativ  kurzer  als  in  voriger 
Art  zu  sein,  ersteres,  nach  Römer,  in  der  Mitte  der  Höhe  stumpf 
gekantet  und  hier  grob  gekörnt;  Hand  und  Finger  sind,  nach  Des- 
marest,  an  den  Rändern  gezähnelt,  und  ihre  Oberfläche  ist  durch  Kör- 
nelung  rauh. 

Im  Kreidemergel  bei  Gehrden,  Quedlinburg  und  Dülmen,  in  der 
Kreide  bei  Mastricht  und  in  England. 

£.  Anomura, 

t  31.  G.  Prosopon  H.  v.  Mey.  (tiqoocotiov ^  Maske,  Gesicht.) 

Eine^  Gattung,  welche  in  der  Mitte  zwischen  den  Macruren 
und  Brachyuren  zu  stehen  scheint.  Den  letzteren  nähert  sie  sich 
besonders  durch  die  Beschaffenheit  des  Einschnittes  an  der  hinte- 
ren Seite  des  Rückenschildes,  welcher  zur  Aufnahme  des  Hin- 
terleibes dient.  Dieses  Schild  ist  ziemlich  gleichmäfsig  gewölbt, 
hat  einige  Aehnlichkeit  mit  einer  Maske  oder  einem  Gesichte,  und 
ist  durch  zwei  Querfurchen  in  drei  Hauptstücke  getrennt. 

Die  Arten  kommen  in  den  Oolithen  und  P.  tuberosum  in  der 
untersten  Abtheilung  der  Kreideformation  (im  Neocomien)  vor. 
(H.  V.  Mey.,  foss.  Krebse,  p.  25;  in  Münst.  Beitr.  5.  p.  70.) 

P.  heb  es  H.  v.  Mey.,  foss.  Kr.  p.  23.  tb.  4.  f.  32. 

Rückenschild  (i''  grofs)  rundlich- viereckig,  fast  so  breit  als 
lang;  die  gröfste  Breite  liegt  ziemlich  in  der  Mitte.  Auf  der  Mitte 
des  vorderen  Haupttheiles  sondert  sich  durch  zwei  Längsfurchen  ein 
dreieckiges  Feld  ab,  welches  nach  vorn  in  eine  gewölbte  Spitze  zu- 

14* 


212  KRBBSB. 

läuft.  In  demselben  liegen  ferner  an  der  Basis  des  Dreieckes  zwei 
rundliche  Höcker.  Die  Seitengegend  daneben  ist  stark  aufgetrieben 
und  besitzt  an  der  Seitenecke  eine  starke  Warze.  Die  beiden  auf- 
getriebenen Seiten  des  mittleren  Hauptlheiles,  welche  auch  an  ihrem 
äufseren  Hände  zu  einer  Warze  anschwellen,  sind  auf  dem  Rücken 
durch  eine  schmale  Wulst  verbunden,  welche  von  dem  wenig  in  das 
hintere  Hauptschild  hineinragenden  Theile  durch  einen  Quereindruck 
geschieden  wird.  Das  hintere  Hauptstück  ist  schwächer  gewölbt.  Die 
ganze  Oberfläche  der  Schaale  ist  dicht  mit  kleinen  Wärzchen  bedeckt. 

Im  Unteroolith  von  Crune  (Dep.  de  la  Moselle). 

P.  Simplex  H.  v.  Mey.,  foss.  Kr.  p.  23.  tb.  4.  f.  33.  Aus 
dem  Scyphien- Mergel  oder  dem  unteren  Cordt- Rag  von  Streitberg. 

F.  tuberosum  H.  v.  Mey.,  foss.  Kr.  p.  21.  tb.  4.  f.  31.  Im 
Neocomien  oder  der  untersten  Abtheilung  der  Kreideformation  von  Bou- 
cherans  im  Dep.  des  Jura. 

P.  spinosum  H.  v.  Mey.  in  Münst.  Beitr.  Hfl.  5.  p.  71.  tb.  15. 
f.  1.  2.     Aus  dichtem  gelben  Jurakalke  von  Aalen  in  Würtemberg. 

P.  rostratum  H.  v.  Mey.,  foss.  Kr.  p.  24.  tb.  4.  f.  34;  in 
Münst.  Beitr.  Hft.  5.  p.  74.  tb.  15.  f.  4 — 6,  und 

P.  marginatum  H.  v.  Mey.  in  Münst.  Beitr.  Hft.  5.  p.  72.  tb. 
15.  f.  3,  aus  dem  Jurakalke  von  Aalen,  möchte  v.  Meyer,  unter  dem 
neuen  Gattungsnamen  Pithonoton^  von  den  anderen  Arten  trennen. 

8.    JBrachyura,  Kurzscliwänze.  Kralblben. 

Sie  unterscheiden  sich  von  den  Macruren  durch  den  Mangel 
einer  Endflosse  am  Schwänze,  so  wie  auch  dadurch,  dafs  ihr  Hin- 
terleib beständig  gegen  die  Brust  geklappt  ist.  Derselbe  ist  bei 
männlichen  Individuen  zungenförmig  und  verschmälert  sich  sehr 
nach  dem  Ende,  bei  den  weiblichen  hingegen  breiter,  fast  kreis- 
förmig oder  eiförmig. 

Die  Brachyuren  treten  zuerst  mit  der  Kreideformation  auf, 
und  die  fossilen  Arten  haben  im  Allgemeinen  einen  den  lebenden 
Formen  ähnlicheren  Charakter,  als  diefs  bei  den  älteren  Lang- 
schwänzen der  Fall  ist.  Gegenwärtig  bewohnen  sie  das  Meer  oder 
Flufsmündungen ,  und  nur  wenige  von  ihnen  können  eine  Zeit  lang 
auf  dem  Lande  leben. 

1.  G.  Portunus  Fabricius.  Ruderkrabbe. 

Der  Cephalothorax  ist  eben,  nicht  höckerig,  breiter  oder 
eben  so  breit  als  lang,  an  seinem  vorderen  Seitenrande  gezähnelt 
und  gegen  den  Hinterrand  zusammengezogen;  der  Rand  zwischen 


BRACHYDREN. 


213 


den  Augenhöhlen  ist  gezähnelt  oder  buchtig;  diese  liegen  von  ein- 
ander in   mäfsiger  Entfernung,   weiche  gerade  so   grol's  als   die  ' 
Länge  des  Hinterrandes  ist,  und  umschliefsen  die  kurz  gestielten 
Augen. 

Das  erste  Fufspaar  ist  am  Ende  flossenartig  abgephittet.  Der 
Schwanz  beim  Männchen  aus  fünf  Gliedern  gebildet,  von  denen 
das  vorletzte  das  gröfste  und  an  der  Seite  seiner  Basis  mit  einem 
ziemlich  vorspringenden  Fortsatze  versehen  ist;  der  Schwanz  des 
Weibchens  besteht  aus  sieben  Stücken,  von  welchen  das  letzte 
viel  kleiner  als  das  vorletzte,  dreieckig  und  spitz  ist.  {Desmarest^ 
crust.  foss.  p.  85.  —  Br.  Leth.  p.  1157.)  Zuerst  in  tertiären  Gebilden. 

F.  Hericartii  Desm.,  Crust.  foss.  p.  87.  tb.  5.  f.  5.  —  Br. 
Leth.  p.  1158. 

Der  Rand  zwischen  den  Augenhöhlen  ist  spitz  und  fiinfzähnig, 
der  vordere  ^  Seiteurand  jederseits  mit  fünf  gröfseren  Zähnen  und  dar- 
unter mit  einem  Stachel  besetzt. 

Der  Cephalothorax,  etwa  von  6"  Gröfse,  wird  sehr  häufig  im 
oberen  tertiären  Meeressandsteine  von  Paris  gefunden. 

2.  G.  Podophthalmus  Lam.  Stie lauge,  (novg^  Fufs ; 
oqjS'alf.ibg Auge.) 

Der  ebene,  nicht  höckerige  Cephalothorax  ist  viel  breiter 
als  lang  und  endet  zu  beiden  Seiten  in  eine  scharfe  Ecke.  Die 
lang  gestielten  Augen  stehen  in  einer  Grube  oder  Furche  des 
zahnlosen  Vorderrandes,  welcher  zwischen  denselben  einen  Vor- 
sprung macht. 

Das  erste  Fufspaar  ist  an  der  Basis  etwas  erhaben,  übrigens 
ähnlich  wie  in  der  vorigen  Gattung.  Schwanz  ähnlich  dem  von 
Portunus.   {Desmar.  crust.  foss.  p.  88.) 

F.  Bucha  Reufs,  die  Versteinerungen  der  böhmischen  Kreide- 
formation, 1.  Abth.,  Stuttgart,  1845.  p.  15.  tb.  50. 

Der  Cephalothorax  einer  kleinen  Art  aus  dem  Plänermergel  von 
Hochpetsch  in  Böhmen. 

F.  Defrancii  Desm.,  Cr.  foss.  p.  88.  tb.  5.  f.  6.  7. 

Aus  tertiären  Schichten  von  Sceaux  bei  Paris. 

3.  G.  Cancer  Fabr.  Grabe. 

Cephalothorax  eben,  oberhalb  ziemlich  gewölbt  und  etwas 
breiter  als  lang.  Seine  theils  glatten,  theils  sägeförmig  gezähnten 
Seiten  runden  sich  am  Vorderrande  in  einem  Kreisbogen  ab,  lau- 
fen  aber  nach   der  schmalen  hintereu  Seite  hin  gegen  einander. 


214  KREBSE. 

Die  Augen  stehen  auf  kurzen  Stielen,  und  der  Zwischenraum  zwi- 
sclien  ihnen  ist  gezähnelt  oder  buchtig-. 

Die  Fiifse  enden  in  einer  Spitze,  mit  Ausnahme  derer,  wel- 
che Scheeren  tragen. 

Der  Schwanz  besteht  bei  dem  Männchen  aus  fünf  bis  sechs, 
bei  dem  Weibchen  aus  sieben  Stücken. 

Die  ältesten  Arten  sind  tertiäre. 

C,  punctulatus  Desin.,  Cr.  foss.  p.  92.  tb.  7.  f.  3.  4.  — 
Hiernach  Taf.  Vlll.  Fig.  15,  von  oben,  und  Fig.  16,  ein  Weibchen  von 
unten  (-5). 

Die  Länge  des  Schildes  verhält  sich  zur  Breite  wie  3:4;  seine 
ganze  Oberfläche  ist  mit  Wärzchen  bedeckt. 

Häufig  in  den  kalkigen  tertiären  Schichten  der  Umgegend  von 
Verona ,  Vicenca  und  Bologna. 

C.  Sismondae  H.  v.  Mey.,  aus  tertiären  Schichten  bei  Turin, 
steht  der  vorigen  Art  ziemlich  nahe  ). 

4.  G.  Grapsus  Lam.  Wanderkrabbe. 

Cephalothorax  eben,  schwach  gewölbt,  vierseitig,  mit  Augen- 
höhlen, welche  an  den  Enden  des  breiten  Vorderrandes  liegen. 
Hinterrand  schmal.  Der  mittlere,  erhabenste  Theil  des  Schildes 
ist  von  den  Seitenflächen,  so  wie  von  dem  Vorderrande  desselben, 
durch  eine  starke  Vertiefung  geschieden,  und  man  erkennt  an  ihm 
sehr  deutlich  die  vorn  liegende  Blagengegend ,  die  fast  mit  dieser 
zusammenhängende  Geschlechts-  oder  Genilalgegend ,  und  dahinter 
die  auch  zusammenhängenden  Gegenden  des  Herzens  und  der  hin- 
teren Leber.  Die  Kiemengegenden,  welche  den  mittleren  und 
hinteren  Theil  der  Seitenflächen  des  Schildes  einnehmen  (der  vor- 
dere Theil  derselben  bildet  die  vordere  Lebergegend),  lassen  am 
äufseren  Rande  öfters  unter  sich  parallele  Wülste  und  Vertief- 
ungen erkennen,  welche  der  Richtung  der  inneren  Kiemen  ent- 
sprechen. 

Der  Schwanz  ist  in  beiden  Geschlechtern  siebengliederig. 

Die  vier  letzten  Fufspaare  sind  unter  sich  gleich,  sehr  lang 
und  enden  in  einer  gegliederten  Spitze.  (Desm.^  crust.  foss.  p.  97.) 

G.  dubius  Desm.,  Cr.  foss.  tb.  8.  f.  7.  8.    Aus  grauem  Thone. 

G.  speciosus  H.  v.  Mey.  in  L.  Br.  J.  18i4.  p.  690.  Im  ter- 
tiären Schiefer  von  Oeningen. 


*)  L.  Br.  J.  1843,  p.  591. — -Bronn,  paläontol.  Collectaneen ,  p.  61. 


RACHYÜRBN. 


215 


5.  G.  Gonoplax  Leach.  Eckschild,  {y^vog^  Ecke; 
nlu^,  Platte.) 

Der  Cephalothorax  unterscheidet  sich  von  dem  der  vorigen 
Gattung  durch  leichte  Ausbiegungen  des  breiten  Vorderrandes,  wel- 
cher auf  beiden  Seiten  in  eine  Ecke  verläuft.  Die  Augen  sind 
lang  gestielt;  der  Raum  zwischen  ihnen  macht  in  der  Mitte  einen 
schmalen ,  bald  spateiförmigen ,  bald  eckigen  Vorsprung.  Die  ein- 
zelnen Gegenden  sind  auf  dem  Schilde  wohl  zu  unterscheiden. 
Die  Magengegend  ist  sehr  breit  und  fällt  mit  der  vorderen  Leber- 
gegend in  dieselbe  Querlinie.  Schwanz  siebengliederig.  Fiifse 
sehr  lang,  im  Durchschnitte  vierseitig,  und  mit  mittelgrofsen  Schee- 
ren.  {Desm.  Crust.  foss.  p.  98.) 

Desmarest  rechnet  fünf  Arten  von  Krebsen  hierher,  welche  mei- 
stens in  einem  erhärteten,  graulichen,  thonigen  Kalke  incrustirt  bei 
der  Meerenge  von  Malacca  gefunden  werden. 

Aufser  G.  incerta  Desm.,  p.  104.  tb.  8.  f.  9,  welche  Art  ein 
wirklicher  Gonoplax  ist,  gehören  die  übrigen,  G.  Latreillii^  G,  incisa^ 
G.  emarginala  und  G.  impressa  Desm.,  nach  Milne  Edwards  (Suites  ä 
Buffon^  hist.  nat.  des  Crustaces^  Vol.  II.  p.  64.  *),  zur  Gattung  Ma- 
crop hthalmus  Latr.,  von  welcher  noch  eine  andere  Art  aus  Ma- 
lacca durch  Lucas  als  M.  Desmarestii  Luc.  beschrieben  wird.  (L.  Br.  J. 
184L  p.  263.) 

Die  Angabe  von  Gaillardot,  dafs  Gonoplax  Latreillii  im  Muschel- 
kalke von  Luneville  vorkomme,  widerlegt  H.  v,  Meyer,  welcher  die 
dafür  angesprochenen  Reste  einem  Wirbelthiere  zuschreibt.  (L.  Br.  J. 
1843.  p.  590.) 

6.  G.  Gelasimus  Latr.  Ocypoda  F.  (yeldoi/nog ^  lächerlich.) 

G.  nitidus  Desm.,  Cr.  foss.  p.  106.  tb.  8.  f.  7.  8,  von  unbe- 
stimmtem Fundorte,  ist  die  einzige  fossile  Art. 

7.  G.  Gecarcinus  Leach.  Erdkrabbe. 

G.  trispinosus  Desm.  {Cr.  foss.  p.  108.  tb.  8.  f.  10.)  ist  die 
einzige  Art,  und  deren  Fundort  nicht  gekannt. 

8.  G.  Atelecyclus  Leach.  (ärtXrjg,  unvollkommen;  nvxXog^  Kreis.) 

Cephaltohorax  gewölbt,  höckerig,  fast  kreisförmig,  etwas  vier- 
seitig, mit  scharfen,  gezähnelten  vorderen  und  hinteren  Seilen- 
rändern u.  s.  w.   (Desm.  Cr.  foss.  p.  110.) 

*)  Eine  Mittheilung,  die  ich  ebenfalls  Herrn  Prof.  Burineister  verdanke. 
Leider  war  mir  nicht  vergönnt,  die  Arbeit  von  Milne  Edwards  selbst  einzusehen. 


216 


KREBSE. 


A.  rugosus  Desm.  (Cr.  foss.  p.  III.  tb.  9.  f.  9.),  etwa  9"' 
breit  und  8"'  lang,  wurde  im  tertiären  Kalke  bei  Montpellier  entdeckt. 

9.  G.  Leucosia  Fabr.  Linsenkrabbe. 
Cephalothorax  halbkugelförmig  gewölbt,  vorn  und  hinten  zu- 
sammengezogen, und  am  vorderen  Ende  mit  zwei  kleinen  Grüb- 
chen für  die  Augen,  welche  nahe  beisammen  stehen.  Die  ein- 
zelnen Regionen  sind  auf  dem  Schilde  kaum  von  einander  zu 
unterscheiden. 

Der  Schwanz  besteht  bei  dem  Männchen  aus  fünf  schmalen, 
bei  dem  Weibchen  aus  vier  breiten  Stücken. 

Füfse  lang,  besonders  aber  an  ihren  dünnen,  gleichartigen 
En^en. 

L.  cranium  Desm.,  Cr.  foss.  p.  113.  tb.  9.  f.  10  —  12.  —  Taf. 
VIII.  Fig.  11.  a.  b.  c. 

Das  vordere  Ende  des  fast  kreisförmigen  Schildes  tritt  wenig 
hervor.  Sein  scharfer  Rand  ist  fein  gekerbt  und  die  Oberfläche  mit 
zahllosen  vertieften  Punkten  besäet,  zwischen  welchen  noch  feinere 
zu  bemerken  sind. 

Aus  grobkörnigem  Sande,  wahrscheinlich  von  Ostindien. 

10.  G.  Inachus  Fabr.  Meerspinne  (Inachos^  Griech.  Myth.) 

/.  Lamarckii  Desm.,  Cr.  foss.  p.  116.  tb.  9.  f.  15.  16. 
Wahrscheinlich  aus  dem  Londonthone  von  Sheppey. 

11.  G.  Dorippe  Fabr.  (Myth.) 

D.  Rissoana  Desm.,  Cr.  foss.  p.  120.  tb.  10.  f.  1  —  3. 
Aus  Ostindien. 

t  12.  G.  Dromiliihes  Milne  Edwards.  (Dromia;  Ud^og,  Stein.) 

Diese  Gattung  erhielt  ihren  Namen  wegen  der  Aehnlichkeit 
in  Form  und  Eintheilung  des  Cephalothorax  mit  der  lebenden  Dromia. 

Bisher  war  von  ihr  nur  eine  einzige  Art  aus  dem  Londonthone 
von  Sheppey  bekannt,  in  neuester  Zeit  beschreibt  Reufs  die  Rücken- 
schilder und  Bruchstücken  von  den  Scheeren  eines  kleinen  Brachyuren 
aus  dem  Plänermergel  von  Postelberg  in  Böhmen  als  D.  pustulosus 
Reufs  (die  Verstein.  der  böhmischen  Kreideformation,  1.  Abth.  Stutt- 
gart, 1845.  p.  15.  tb.  7.  f.  26.  a — c.  f.  29,  tb.  11.  f.  23.). 

13.  G.  Ranina  Latr.  Albunea  Fabr.  Froschkrabbe. 
(rana^  Frosch.) 
Cephalothorax  länglich,  fast  umgekehrt  eiförmig,  mit  glattem 
Rande,  vorn  breit  und  abgestumpft,  hinten  ziemlich  schmal.  Der 


BRACHYURBN.  POECILOPODEN. 


217 


siebena^liederige  Schwanz  gleiclit  einem  langgezogenen  Dreiecke. 
Die  Fiil'se  sind  zum  Schwimmen  eingerichtet  und  enden  in  einer  spitz- 
ovalen, an  ihrem  Ende  etwas  gekrümmten  Fläche.  Ihre  zusammen- 
gedrückten Enden  haben  die  Form  eines  gezähnellen  Dreieckes. 

R.  Ädrovandi  Desm.,'  Cr.  foss.  p.  121.  tb.  10.  f.  5  —  7,  tb. 
11.  f.  1. 

Häufig  im  gelben  grobkörnigen  Kalke  bei  Verona, 
t  14.  G.  Heia  Münst.  (Nord.  Myth.) 

Cephalothorax  oblong,  elliptisch  oder  viereckig,  vorn  ab- 
gestutzt und  gezahnt,  in  der  Mitte  flach  gewölbt.  Schwanz  sechs- 
gliederig.  Von  den  dicken  Füfsen  hat  das  erste  Paar  sehr  grofse, 
plattgedrückte,  inwendig  mit  Stacheln  besetzte  Scheeren.  (Münst. 
Beitr.  3.  p.  24.) 

H.  speciosa  Münst.  und  H.  oblonga  Münst.  (Beitr.  3.  p.  24. 
25;  tb.  2.  f.  1  —  4.)  kommen  in  tertiären  Meerwasser- Gebilden  bei 
Bünde,  erstere  Art  auch  bei  Bodenburg  im  Hildesheimischen  vor. 

B.  Ostracodermata. 

Die  Grundzahl  in  ihren  Brustkastenringen  scheint  drei  zu  sein, 
und  ihre  Anzahl  ist  meistens  sechs,  neun,  zwölf.  Augen  zusam- 
mengesetzt, mit  einfacher,  glatter  Hornhaut.  Die  Jungen  von  allen 
sind  einäugig  und  bringen  gewöhnlich  blofs  Fühler  und  Taster 
als  Bewegungsorgane  mit  auf  die  Welt.  Sie  sind  beständig  Was- 
serbewohner. (Burm.) 

3»  Ordn.  Aspidostraca.  Entamostraca. 
ISchaalenkrebse. 

Sie  haben  stets  Augen  mit  glatter  Hornhaut  und  meistens 
zwei  oder  vier  Fühler.  Die  meisten  schwimmen  im  Wasser  frei 
umher,  wefshalb  diesen  die  Gangfüfse  ganz  fehlen.  (Burm.) 

a.    Poecilopoda*  Stachelfüfser. 

Sechs  Gangfüfse  am  Brustkasten,  sechs  Kiemenfüfse  am  Hin- 
terleibe; jene  zugleich  Fühler  und  Kiefern.  Zusammengesetzte 
Augen  und  Nebenaugen.  (In  Halicyne  sollen  die  Augen  gänzlich 
fehlen,  was  Burmeister  jedoch  bezweifelt.)  Brustkasten  und  Hin- 
terleib jeder  \on  einer  grofsen,  schildförmigen  Schaale  bedeckt. 
(Burm.) 


218 


KREHSE. 


1.  G.  Limulus  Fabr.  S tieisch wahz. 

Das  vordere  Schild  ist  oberhalb  stark  gewölbt  und  bedeckt 
den  grofsen  Mund  und  die  sechs  Kieferfiifse,  welche  um  den- 
selben herumstehen;  das  Hinterleibsschild  ist  am  Rande  mit  be- 
weglichen Stacheln  bewaffnet  und  endet  hinten  in  einem  steifen 
und  spitzen  Stachel. 

Aechte  Limulus  -  Arien  scheinen  zuerst  in  der  oberen  Jura- 
formation aufgetreten  zu  sein,  sind  aber  hier,  wie  in  jüngeren 
Formationen,  sehr  selten.  Den  Limulus  oculatus  Kutorga  aus  dem 
?  Kupfersandsteine  am  Ural  hält  Bronn  *')  eher  für  einen  Eurypte- 
rus^  und  die  Arten  aus  der  Steinkohlenformation  und  dem  Muschel- 
kalke bilden  neue  Geschlechter. 

L.  Walchii  Desm.  (Cr.  foss.  p.  140.  th.  11.  f.  6.),  so  wie  die 
von  Münster  aufgefundenen  und  von  van  der  Hoeven  beschriebenen 
fossilen  Arten  wurden  aus  den  Kalkschiefern  von  Baiern,  bei  Kelheim 
und  Solenhofen,  hervorgezogen,  und  sie  bieten  in  den  beiden  Schil- 
dern keinen  wesentlichen  Unterschied  mit  dem  noch  lebenden  moluk- 
kischen  Krebse ,  Limulus  polyphemus  L.,  dar.  Auch  besitzen  sie  an 
dem  Rande  des  Hinterleibsschildes  jederseits  sechs  bewegliche  Stacheln; 
während  aber  bei  den  lebenden  Arten  der  Endstachel  dreikantig  ist, 
so  besitzen  die  fossilen  auf  der  oberen  und  unteren  Seile  desselben 
eine  Längsfurche. 

In  L.  brevispina  Münst.  scheinen  diese  Furchen  zu  fehlen,  und 
in  der  gröfsten  aller  Arten,  dem 

L.  giganteus  Münst.  aus  Solenhofen,  dessen  Schwanzstachel 
8"  lang  und  8'"  breit  ist,  zeigen  sich  oben  und  unten  zwei  Längs- 
furchen '•'••••). 

i  2.  G.  Ha  Heyne  H.  v.  Mey-  (aXixog,  vom  Meere.) 

Von  Limulus  durch  den  Mangel  (?)  von  Augen  verschieden. 

H.  agnota  H.  v.  Mey.,  früher  Limulus  agnotus  H.  v.  Mey., 
{Olenus  serotinus  Goldf.),  und 

H.  laxa  H.  v.  Mey.  rühren  aus  dem  oberen  dolomitischen  Mu- 
schelkalke von  Rottweil  her  t). 

H.?  prisca  {Limulus  priscus)  Münst.,  Beitr.  1.  p.  71.  tb.  5.  f.  1. 
Ihr  scheinen  wenigstens  die  Netzaugen  zu  fehlen. 

Aus  dem  Muschelkalke  von  Bayreuth. 

*)  L.  Br.  J.  1839.  p.  489. 

**)  Recherches  sur  Vhistoire  naturelle  des  Limulus,  Leyde,  1838. 

L.  Br.  J.  1839.  p.  680;  Münst.  Beitr.  3.  p.  26.  tb.  1.  f.  9. 
J-)  L.  Br.  J.  1838.  p.  415;  1844.  p.  567. 


POECILOPODEN.    PH  VLLOFOUEX. 


219 


i  3  G.  Belinurus  König,  {ßtlog,  Pfeil;  otoa,  Schwanz.) 

Diese  Gattung  unterscheidet  sich  von  Limulus  durch  die  Ar- 
ticulation  des  langen  Stachels  am  Schwänze  und  durch  Querein- 
driicke  an  den  Seiten  des  Hinterleibes,  wodurch  eine  grofse  Aehn- 
lichkeit  mit  gewissen  Trilobiten  entsteht;  doch  sollen  die  Quer- 
eindriicke  nicht  durch  die  ganze  Fläche  hindurchgehen,  so  dafs 
die  Bauchgegend  blos  von  einer  einzigen  Platte  bedeckt  war. 

B.  {Limulus)  trilobitoides  Buckl.,  Geol.  II.  tb.  56".  f.  3.  En- 
tomolithus  monoculites  Martin. 

Aus  einer  Eisenniere ,  welche  in  der  Steinkohlenformation  von 
Colbrook  Dale  häufig  vorkommen. 

Einen  ganz  ähnlichen,  mehr  trilobitenartigen  Körper  bildet  Par- 
kinson {Organ.  Rem.  Vol.  3.  PL  17.  f.  18.)  aus  demselben  Gestein 
von  Dudley  ab. 

b.   Phyllopoda»  Blattfüfser. 

Bewegungsorgane  gleichartig  und  blofs  zum  Rudern  geeignet. 
Wirkliche  Kiefern  und  ein  bis  drei  Paar  accessorischer  Mundtheile. 
Die  ungegliederten  aber  gespaltenen  Füfse  sind  mit  gefranzten 
Hautlappen  versehen.  Sie  haben  zwei  zusammengesetzte  Augen 
und  meistentheils  auch  Nebenaugen.  Brustkasten  und  Hinterleib 
sind  gegliedert,  und  der  erstere  besteht  in  den  lebenden  Gattungen 
aus  zwölf,  der  letztere  aus  zwei  bis  achtzehn  Gliedern.  Thiere 
mit  oder  ohne  Schaale,  alle  aber  nur  zum  Leben  im  Wasser  be- 
stimmt. 

Von  den  noch  lebenden  Gattungen  ist  nur  der  Blattfufs, 
Apus  *)  Scopoli^  im  fossilen  Zustande  aufgefunden  worden;  da- 
gegen werden  dieselben  durch  die  auf  die  beiden  älteren  For- 
mationen beschränkten  Paläaden  vertreten,  von  denen  Burmeister 
gezeigt  hat,  dafs  sie  sich  unmittelbar  an  die  lebenden  Phyllopo- 
den,  besonders  an  Branchiopus,  anschliefsen. 

Palaeadae  Burmeister.  Paläaden. 

Sie  zeichnen  sich  durch  zwei  grofse,  zusammengesetzte  Augen, 
kurze,  unentwickelte  Fühler  und  weiche,  blattartige,  Kiemen  tra- 

*)  Schimper  entdeckte  einen  Apus  in  einer  Schicht  des  bunten  Sand- 
steines von  Sulzbad,  welche  sehr  reich  an  Posidonia  minuta  (?)  ist.  Er 
besitzt  grofse  Aehnlichkeit  mit  dem  in  süfsen  Gewässern  Deutschlands  hau 
figen  Jpus  cancriformisj  und  Schimper  nennt  ihn  Jpus  ajitiquus.  (L.  Br.  J. 
1840.  p.  338.) 


220 


KREBSE. 


gende  Füfse  aus,  und  unterscheiden  sich  von  den  lebenden  Phyl- 
lopoden  wesentlich  durch  das  schwankende  Zahlenverhältnifs  ihrer 
Brustkastenringe.  (Burmeister,  die  Organisation  der  Trilobiten  aus 
ihren  lebenden  Verwandten  entwickelt.  Berlin,  1843.) 

1.  Farn.  Xurypteridae  Burm. 

Es  sind  Paläaden  ohne  Schaale.  Ihr  Rumpf  besteht  wahr- 
scheinlich aus  neun  Ringen,  von  denen  der  erste  ein  Paar  fünf- 
gliederiger  Ruderfüfse  trägt.  Hinterleib  mit  drei  bis  sechs  Ringen. 
Nur  im  Grauwackengebirge. 

Eurypterus  Dekay.  {iVQvg^  breit;  njfQov^  Ruder.) 

E.  retnipes  Dekay.  —  Burm.  Tril.  p.  62.  —  Br.  Leth.  p.  109. 
tb.  9.  f.  1.  —  Fischer  de  Waldheim  ^  notice  sur  V Eurypterus  de  Podolie^ 
Moscou,   1839.  tb.  4.  f.  2. 

Länge  3V;  Breite  oben  1^'^ 

Im  Thonschiefer  von  Westmoreland  und  New -York. 
E.  lacustris  Harlan.  —  Burm.  Tril.  p.  62. 
Länge  fast      \  Breite  2V. 

In  der  Grauwacke  von  Williamsville  bei  BufFalo. 
E,  tetragonophthalmus  Fischer,  notice  etc.  tb,  4.  f.  1. 
Augen  weit  entfernt  von  einander  und  viereckig.     Rumpf  schlank, 
Hinterleib  noch  schlanker,  Glieder  am  Rande  spitz. 
Im  Grauwackengebirge  Podoliens. 

3.  Farn.  Cytherinidae  Burm. 

Die  bisher  noch  unbekannten  Thiere  stecken  in  zweiklappigen, 
bohnenförmigen  Schaalen,  deren  oberer  Rand  convex  und  geschlos- 
sen ist,  während  der  untere  concave  sich  öffnet. 

Zu  dieser  Familie  rechnet  Burmeister  vorläufig  nur  die  Cy- 
therinen  *)  aus  dem  älteren  Gebirge. 

t  Cytherina  Lam.  (Cythere^  Griech.  Mylh.) 

Eine  Meeresgattung. 

C,  b  alt  hie  a  Hisinger,  Lethaea  Suecica,  p.  10.  tb.  1.  f.  2; 
tb.  30.  f.  1. 

Schaale  länglich,  und  auf  der  einen  Seite  fast  geradlinig.  Bis 
10'"  lang  und  6'''  breit. 

Im  jüngeren  Uebergangskalke  von  Gothland. 

*)  Die  Cytherinen  aus  jüngeren  Gebirgsarten  sollen ,  wie  es  gewöhnlich 
geschieht,  den  Ostracoden  einverleibt  werden. 


TRILOBITEN. 


221 


C.  Phaseolus  His. ,  Leth.  Suec.  p.  9.  tb.  1.  f.  1.  —  Klöden, 
die  Versteinerungen  der  Mark  Brandenburg,  Berlin,  1834.  tb.  1.  f.  10.  11. 
Schaale  länglich,  fast  nierenförmig ,  glatt.    5'"  lang,  2'"  breit. 
Aus  dem  Sandsteine  bei  Hoburg  in  Gothland. 

3.  Farn.  OCrilolbitae      Trilolbiten.  JPalaeadae  Dalman. 

Der  Leib  dieser  merkwürdigen  Krebse  besteht  aus  drei  deut- 
lichen Hauptabschnitten  und  jeder  aus  mehreren  Ringen,  die  alle 
von  hornigkalkigen  Panzerstücken  bedeckt  waren.  Nur  diese  letz- 
teren sind  in  den  fossilen  Resten  der  Trilobiten  erhalten  geblieben. 
In  einigen  Gattungen,  zumal  bei  Calymene,  Homalonotus^  Phacops, 
Harpes  und  Odontopleura^  hat  der  Panzer  eine  ungleich  körnige, 
granulirte  Oberfläche,  welche  an  einer  besonderen  dünneren  Ober- 
hautschicht haftet  und  nur  theilweise  ihre  Granulation  der  unteren 
derberen  Panzerlage  mittheilt;  bei  den  meisten  übrigen  Gattungen 
fehlt  eine  solche  granulirte  Schicht,  und  statt  ihrer  hat  die  Pan- 
zerlage selbst  feine  Risse,  Leisten  oder  Punkte,  die  den  Linien 
an  der  Innenfläche  unserer  Hand  ähneln.  Namentlich  bei  Asaphus 
und  lllaenus  bemerkte  Burmeister  diese  Sculptur  deutlich.  Der 
untere  oder  innere  Theil  der  Panzerstücke  bildet  eine  stets  dün- 
nere Hornlamelle,  welche  sich  durch  eine  sehr  regelmäfsige,  pa- 
rallele Streifung  auf  ihrer  freien  Oberfläche  auszeichnet. 

Der  Kopf  ist  deutlich  vom  Rumpfe  gesondert  und  wird  von 
einem  grofsen,  halbkreisförmigen  oder  parabolischen  Schilde  be- 
kleidet, dessen  mittleren  Theil  der  wirkliche  Kopf  einnimmt  und 
hier  als  Kopfbuckel  hervorragt,  vermittelst  einer  mehr  oder 
minder  deutlichen  Furche  von  dem  übrigen  Schilde  sich  absetzend. 
Die  Seitentheile  dieses  Schildes  sind  selbstständige  Stücke  (Wange n - 
Schilder)  und  hängen  mit  dem  Mittelschilde  nur  durch  eine 
.  Naht  zusammen,  welche  im  Schilde  als  vertiefte  Linie  (daher  Ge- 
sichtslinie) wahrgenommen  wird.  Der  Verlauf  dieser  Linie  ist 
bei  den  verschiedenen  Gattungen  manchen  Abweichungen  unter- 
worfen. Gewöhnlich  entspringt  sie  zu  beiden  Seiten  am  hinteren 
Rande  des  Kopfschildes  (aber  bei  Phacops  schon  am  Seitenrande), 


*)  Dem  vortrefi'lichen  Werke  von  Burmeister:  „die  Organisation  der 
Trilobiten  aus  ihren  lebenden  Verwandten  entwickelt,  Berl.  1843.  4."  ent- 
lehnte ich  vorzugsweise  das  über  Trilobiten  hier  Mitgetheilte.  Des  Verfas- 
sers Eintheilung  beibehaltend,  habe  ich  nur  die  Reihenfolge  umgekehrt,  weil 
naeh  brieflichen  Mittheilungen  desselben,  die  Trilobiten  mit  Zusammenkugel- 
ungsvermögen  vor  den  beständig  ausgestreckten  den  Vorrang  verdienen,  und 
ich  das  System  der  Thiere  in  diesem  Grundrisse  von  oben  herab  behandele. 


222 


KKEBSE. 


wendet  sich  von  da  gerade  vorwärts  oder  schief  einwärts,  S-förmig 
geschwungen  zu  den  Augen,  bildet  über  ihnen  die  Deckelplatten, 
verläuft  nun  weiter  zum  Rande  des  Kopfschildes,  ihn  entweder  an 
zwei  Stellen  neben  der  Mitte  (z.  B.  bei  Paradoxides  und  Caly- 
mene)^  oder  in  der  Mitte  selbst  (bei  Asaphus)  ^  oder  gar  nicht 
(bei  Phacops)  überschreitend.  Im  letzleren  Falle  gehen  die  bei- 
den Hälften  der  Gesichtslinien  unter  einem  Bogen  in  einander  über. 
In  den  beiden  ersten  Fällen  entstehen  also  zwei  Wangenschilder, 
ein  rechtes  und  ein  linkes,  neben  dem  Mittelschilde;  im  dritten 
Falle  hängen  beide  Wangenschilder  vor  dem  Mittelschilde  an  ein- 
ander. Aufser  diesen  Schildern  giebt  es  noch  ein  Schnauzen- 
schild, welches  unten  vor  dem  Munde  liegt  und,  wenn  die  bei- 
den Hälften  der  Gesichtslinie  getrennt  über  den  vorderen  Schildrand 
wegsetzen,  durch  eine  untere  Quernaht,  die  dem  Schildrande  vorn 
parallel  verläuft,  abgesondert  wird.  An  ihm  hängen  das  abwärts 
gewölbte,  untere  Stück  des  Kopfes  (clypeus)  und  ein  Paar  bauchige 
Seitentheile,  welche  wahrscheinlich  die  Kiefer  bedeckten. 

Alle  Trilobiten  besitzen,  nach  Burmeister,  zwei  Augen,  weN 
che  theils  als  Kugelsegmente,  theils  als  Stücke  einer  Kegelzone 
gewölbt  sind,  und  aus  der  Gesichtsnaht  in  der  Mitte  neben  dem 
Kopfbuckel  hervortreten.  Die  Naht  klafft  an  dieser  Stelle  mehr 
oder  weniger  und  beschreibt  einen  kleinen  Bogen,  unter  dem  das 
Auge  hervorquillt.  Dieser  Bogen  begränzt  die  Deckelplatte  des 
Auges.  Trilobiten  mit  sehr  flach  gewölbten  Augen  hielt  man 
früher  für  blind.  Die  aus  vielen  Linsen  zusammengesetzten  Augen  ''■) 
sind  mit  einer  glatten  Hornhaut  bedeckt,  welche  jedoch  ihrer  Fein- 
heit halber  bei  einigen  Gattungen  verloren  ging  und  dann  die 
Augen  facettirt  erscheinen  läfst. 

Der  gegliederte  Rumpf  wird  von  6  —  20  gleichartigen  Ring- 
schildern bedjeckt,  deren  Verbindung  mit  einander  bei  mehreren 
Gattungen  eine  Zusammenkugelung  des  Leibes  gestattete.  Der  mitt- 
lere Theil  dieser  Ringe  ist  halbcylindrisch  gewölbt  und  wird  von 
den  seitlichen,  flacheren  Ausläufern  durch  eine  Furche  geschieden. 
Hierdurch  beurkundet  sich  das  Dreilappige  in  der  Form  der  Tri- 
lobiten auch  nach  der  zweiten  queren  Dimension. 

Den  Hinterleib  bedeckt  das  Schwanzschild,  welches  in 
seiner  allerdings  undeutlicheren  Gliederung  dem  Rumpfe  sehr  ähn- 
lich wird.  Burmeister  nennt  den  mittleren  gewölbten  und  ge- 
ringelten Theil  dieses  Schildes  die  Achse. 


*)  Burmeister  zählte  am  Auge  des  Phacops  arachnoides  162  Linsen. 


TRILOBITEN. 


223 


Die  grofse  Aehnlichkeil,  welche  im  Bau  der  Trilobiten  und 
dem  der  lebenden  Pliyllopoden  besieht,  läfst  auch  annehmen,  dafs 
ihre  Füfse  weiche,  häutige,  gefranzte  Schwimmblätter  waren,  ähn- 
lich etwa  der  Form,  in  welcher  sie  auf  Taf.  IX.  Fig.  1.  im  Durch- 
schnitte dargestellt  sind.  Ihrer  Weichheit  halber  konnten  sie  sich 
nicht  gut  erhalten  ■').  Nach  Analogie  der  Phyllopoden  bewegten 
sich  übrigens  die  Trilobiten  nur  schwimmend ,  gewöhnlich  wohl 
dicht  unter  der  Oberfläche  des  Wassers,  den  Rücken  nach  unten, 
die  Bauchseite  nach  oben  gewendet.  In  der  Nähe  der  Küsten 
und  an  untiefen  Stellen  des  Meeres  scheinen  die  Trilobiten  am 
liebsten,  oft  in  grofser  Anzahl  beisammen  gelebt  zu  haben;  ihre 
Nahrung  bestand,  wie  es  scheint,  aus  kleineren  Wasserthieren, 
vielleicht  auch  der  Brut  ihrer  nächsten  Verwandten,  und  das  Ver- 
mögen von  vielen,  sich  zusammenkugeln  zu  können,  schützte  die- 
selben gegen  äufsere  Gefahren. 

Wie  viele  Krebse,  bestanden  auch  sie  eine  Metamorphose, 
und  Battus  oder  Agnostus  scheint  Burmeistern  nichts  anderes  als 
der  Jugendzustand  dieser  Krebse  zu  sein. 

Die  Trilobiten  gehören  zu  den  ältesten  Bewohnern  der  frü- 
heren Meere  und  verbreiten  sich  vom  Thonschiefer  aufwärts  bis 
in  die  Steinkohlenformation.  Die  Gattungen  mit  kleineren  flacheren 
Augen,  denen  das  Zusammenkugelungsvermögen  abgeht,  sind  nur 
in  den  älteren  Theilen  dieser  Schichtenfolge  zu  finden,  doch  kom- 
men neben  ihnen  auch  immer  Arten  mit  Kugelungsvermögen  vor; 
die  letzteren  reichen  mit  eigenthümlichen  Gattungen  bis  in  den 
Bergkalk  hinein,  aber  die  ersteren  fehlen  daselbst  ganz,  lieber 
dem  Bergkalke  giebt  es  keine  Trilobiten  mehr. 

Von  lebenden  Thieren  so  abweichende  Gestalten,  wie  man 
in  den  Trilobiten  zu  erblicken  gewohnt  war  **  •'■'),  mufsten  die  Auf- 
merksamkeit der  Naturforscher  um  so  mehr  auf  sich  ziehen,  als 
sie  für  die  Kenntnifs  der  älteren  Gebirgsschichten  eine  höchst 
wichtige  Rolle  spielen. 

Aus  der  reichhaltigen  Literatur  über  Trilobiten  hebe  ich  fol- 
gende, für  ihre  Kenntnifs  besonders  wichtige  und  von  mir  ver- 
glichene Schriften  heraus: 

Wahlenberg ^  Petrißcata  Telluris  Siiecanae,  in  nov.  actis 
reg.  soc.  scient.  Upsaliensis^  VoL  8.  Upsalae^  1821; 

*)  Die  von  Goldfufs,  Sternberg  und  Castehiau  für  Trilobitenfüfsc  an- 
gesprochenen Theile  hält  Burmeister  noch  für  sehr  problematisch. 

**)  Diefs  drücken  die  Namen  für  die  Trilobiten:  EntomoUthus  para- 
doxus  L.  und  Paradoxides  Brongn.  hinreichend  aus. 


224 


KHBBSE. 


Alexandre  Brongniart^  histoire  naturelle  des  Crusiacis  fos- 
siles.  Paris,  1822; 

D.  E.  Eichwaldi,  de  Trilohitis  ohsermiiones.  Casani,  1825; 

Dal  man,  über  die  Paläaden  oder  die  sogenannten  Trilobi- 
ten,  übersetzt  von  Engelhart.   Nürnberg,  1828; 

Quenstedt,  Zahlenverhältnisse  der  Trilobiten,  in  Wieg- 
mann's  Archiv  1837.  Bd.  1.  p.  337; 

L.  V.  Buch,  Beiträge  zur  Bestimmung  der  Gebirgsformationen 
in  Rufsland,  in  Karsten's  Archiv  Bd.  15.  1840; 

Goldfufs,  systematische  Uebersicht  der  Trilobiten,  in  Leonh. 
Br.  Jahrb.  1843.  p.  537; 

Burmeister,  die  Organisation  der  Trilobiten  aus  ihren  le- 
benden Verwandten  entwickelt.  Berlin,  1843; 

Emmerich,  über  die  Trilobiten,  in  Leonh.  Br.  Jahrb.  1845. 
p.  18. 

I.     Trilobiten  mit  Zusammenkugelungsvermögen. 

Die  Seitenlappen  der  Rumpfschilder  stehen  nur  Anfangs  wage- 
recht, biegen  sich  dann  aber  mehr  oder  weniger  senkrecht  nach 
unten  herab.  Die  Augen  sind  grofs  und  ragen  weit  empor.  Der 
hornige  Panzer  hatte  eine  feste  Beschaffenheit,  und  das  Schwanz- 
schild ist  an  Gröfse  und  Gestalt  dem  Kopfschilde  ziemlich  ent- 
sprechend. 

Sie  sind  die  vollkommeneren,  und  finden  sich  meistens  in 
jüngeren  Schichten  als  die  übrigen  Trilobiten. 

1.   Calymenidae.    Mit  nach  hinten  verschmälerter  Rumpfachse ,  granulirler 
Scbaale ,  und  gew  öhnlich  mehr  als  zehn  Rumpfringen. 

A.    Mit  dreiz  ehngliederiger  Rumpf  achse. 

t  1.  G.  Calymene  Brongn.  Amphion  und  Zethus  Pander. 
(xaXog^  schön;  /uipT] ^  Mond.) 

Kopfschild  halbmondförmig,  ziemlich  stark  gewölbt,  mit 
ringsum  aufgeworfenem  Rande  versehen,  und  an  der  hinteren  Ecke 
stumpf,  abgerundet,  nicht  ausgebogen.  Der  Kopfbuckel  ist  stark 
gewölbt,  an  der  Seite  gelappt,  wird  nach  vorn  schmäler  und  stöfst 
hinten  mit  einem  wulstförmigen  Rande  an  den  Rumpf  an.  Die 
Augen  ragen  stark  hervor,  sind  nur  von  mittlerer  Gröfse  und  las- 
sen keine  Hornhaut  erkennen;  sie  stehen  bald  auf  der  Mitte,  bald 
auf  der  vorderen  Hälfte  der  Wangen.  Die  beiden  Gesichlslinien 
sind  durch  eine  Randnaht  verbunden. 


TRILOBITEN. 


225 


Die  dreizehn  Rumpfringe  sind  stark  gewölbt;  ihre  hoch  ge- 
wölbte Achse  ist  von  den  gleichfalls  hochgewölbten  Seitenlappen 
scharf  gesondert. 

Das  Schwanzschild  ist  schmäler ,  doch  oft  länger  als  das 
Kopfschild;  seine  sieben-,  neun-  oder  elfgliederige  Achse  wird 
nach  hinten  schnell  schmäler  und  rundet  sich  ab,  (Burm.) 

Die  Arten  beginnen  zum  Theil  schon  in  den  ältesten,  am 
häufigsten  sind  sie  jedoch  in  jüngeren '  Grauwackenschichten  und 
im  Kohlengebirge. 

C.  Blumenbachii  Brongniart  a.  a.  0.  p.  11.  pl.  1.  f. ,  1.  — 
Entomolühus  paradoxus  Blumenbach.  —  Entomostracites  tuberculatus  Wah- 
lenberg a.  a.  0.  p.  31.  u.  295.  —  Parkinson ,  org.  rem.  III.  pl.  17. 
f.  11.  13.  14.  —  Dalman,  a.  a.  0.  tb.  1.  f.  2.  3.  —  Buckland,  Geol. 
pl.  46.  f.  1  —  3.  —  Bronn ,  Leth.  tb.  9.  f.  3.  —  Hisinger ,  Leth.  Suec. 
tb.  1.  f.  3.  4.  —  Burmeister,  Tril.  p.  96.  tb.  2.  f.  1—3.  —  Hiernach 
Taf.  IX.  Fig.  2.  a.  b. 

Kopfschild  vorn  ganzrandig,  mit  stark  aufgeworfenem  Rande; 
Kopfbuckel  undeutlich  vierlappig,  indem  die  beiden  vordersten  Lappen 
nur  schwach  von  einander  getrennt  sind;  der  vierte  hinterste  Lappen 
ist  der  gröfste.  Augen  auf  der  Mitte  der  Wangen.  Schwanzschild 
viel  kleiner  als  das  Kopfschild,  mit  kurzer,  breiter,  siebengliederiger 
Achse  und  sechs  Furchen  auf  jeder  Seite,  von  denen  die  vier  mittleren 
der  Länge  nach  vom  Rande  aus  gespalten  sind.  Die  ganze  Oberfläche  ist 
bei  wohl  erhaltenen  Stücken  fein  granulirt.     Länge  l\  —  3".  (Burm.) 

Nach  Archiac  und  Verneuil  "•)  in  der  oberen  silurischen  Grau- 
wacke  von  Wifsenbach,  Daun,  Contentin,  Angers,  Golhland,  Oeland, 
Scandinavien,  Ostgothland,  Dalecarlien,  Shropshire;  im  Cederngebirge 
in  Süd -Afrika,  sehr  häufig  in  den  vereinigten  Staaten:  Ohio,  Trenton 
Falls,  Grafschaft  Perry,  Tenessee  u.  s.  av. 

Andere  Arten  sind  nach  Burmeister: 

C.  Trist ani  Brongn.  a.  a.  0.  pl.  1.  f.  2.  A  — K. 

Aus  silurischer  Grauwacke  von  Prüm,  Contentin,  Lahunaudiere 
(Bretagne)  und  vom  Cederngebirge  in  Süd -Afrika. 

C,  polytoma  Dahn.  a.  a.  0.  tb.  1.  f.  1. 

Im  rothen  Grauwacken-  (Uebergangs -)  Kalke  Oslgothlands  und 
Esthlands. 

C.  callicep  hala  Green,   Burm.  p.  98. 


*)  Fauna  der  paläozoischen  Gebilde  in  den  Rheinlanden,  in  Sedgwick 
und  Murchison,  über  die  älteren  oder  paläozoischen  Gebilde,  bearbeitet  von 
G.  Leonhard.    Stuttgart,  1844. 

Ceiiiitz  y,  Versteiiiernngskuade.  15 


226 


KREBSE. 


In  Nordamerika  von  Hampshire  in  Virginien,  an  den  Ufern  des 
Miamis  bei  Cincinnati  und  aus  Indiana,  in  einem  schwarzgrauen  Grau- 
wackenkalke. 

I  2.  G.  Homalonotusi  König.  Trimerus  Green,  Murchison. 
Dipleiira  Goldf.  (ofnulbg,  ähnlich;  vwrog,  Rücken.) 

Kopfschild  hyperbolisch,  mit  ziemlich  scharfer  Vorderecke, 
sanft  geschwungenen  Seitenrändern,  ziemlich  geradem  Hinterrande, 
ohne  rückwärts  vorgezogene  Ecken.  Die  ganze  Oberfläche  ist 
sanft  gewölbt,  breitet  sich  nach  dem  äufseren  Rande  ziemlich  flach 
aus,  während  der  Saum  am  Hinterrande  durch  eine  Furche  ab- 
gegränzt  und  leicht  gewölbt  ist.  Kopfbuckel  ungetheilt,  hinten 
etwas  breiter  als  vorn,  wo  er  sich  zurundet.  Augen  neben  der 
Mitte  des  Kopfbuckels,  flach  gewölbt,  und  relativ  etwas  kleiner 
als  bei  Calymene.  Die  Gesichtslinie  ist  vorn  dem  Rande  des  Kopf- 
schildes parallel,  doch  von  ihm  entfernt,  scharfwinkelig,  auf  der 
flachen  Ausbreitung  des  Kopfschildes  verlaufend,  von  da  unter 
einem  Bogen  sich  zum  Auge,  und  dann  S-förmig  geschwungen 
zur  hinteren  Seitenecke  wendend,  die  durch  sie  halbirt  wird. 

Rumpfachse  nach  hinten  verschmälert,  wenig  gewölbt;  der 
hintere  Rand  jedes  Achsenringes  ist  scharfkantig  vorgezogen,  der 
vordere  durch  eine  mehr  oder  weniger  vertiefte  Querfurche  von 
dem  hinteren  Theile  gesondert. 

Schwanzschild  ähnlich  dem  Kopfschilde,  allein  kleiner  und 
schmäler.  (Burm.) 

A.  Dipleura  Green.  Das  äufsere  Ende  der  Gesichtslinie 
halbirt  die  Hinterecke  selbst.  Die  Achsenglieder  sind  nicht  brei- 
ter als  die  Seitenlappen  und  sehr  deutlich  von  ihnen  abgesetzt. 

H.  Dekayi  Green.  —  Bronn,  Leth.  p.  113.  pl.  9.  f.  6.  7.  — 
Burm.  p.  101. 

In  New -York,  bei  Northumberland  in  Pennsylvanien,  Mount  Hope 
in  der  Gegend  von  Baltimore. 

B.  Trimerus.  Das  äufsere  Ende  der  Gesichtslinie  trifft  den 
Rand  etwas  vor  der  Ecke  des  Kopfschildes  nach  aufsen  zu.  Die 
Achsenglieder  sind  breiter  als  die  Seitenlappen  und  sehr  wenig 
von  ihnen  abgesetzt. 

a.  Arten  ohne  Stacheln  und  Hocker.   Trimerus  Green,  Homalonotus  König. 

H,  Knightii  König.  —  Bronn,  Leth.  p.  119  tb.  9.  f.  14.  — 
H.  Knightii  und  H.  Ludensis  Murch.  Sil.  Syst.  —  Burm.  p.  101. 

Oberfläche  glatt.  Schwanzschild  spitz,  mit  acht-  bis  neunringeliger 
Achse  und  sechs  Seitenrippen.     Körper  3  —  4"  lang. 


TRILOBITEX. 


227 


Nach  Archiac  und  Verneiiil  in  silurischer  Grauwacke  von  Ludlow, 
N6hou,  Wifsenbach,  Daun,  Ehrenbreitenstein ,  Martelange,  Altenahr, 
am  Rheinufer,  an  der  Ahr  und  Lahn;  in  devonischer  von  Torquay. 

H,  delphinocephalus  Green.  —  Br.  Leih.  p.  112.  tb.  9.  f.  5. 

—  Burm.  p.  102. 

Das  spitze  Schw^anzschild  ist  am  Ende  zurückgebogen,  hat  eine  zehn- 
bis  zwölfringelige  Achse  und  acht  Seitenrippen.     Körperlänge  3  —  6". 

In  einer  gelben,  stark  eisenhaltigen  Grauwacke  aus  der  Eifel; 
im  Uebergangskalke  Englands  (Wenlock,  Dudley)  und  Nordamerikas 
(Williamsville,  Niagara,  New -York). 

b.  Arten  mit  dicken,  symmetrischen  Stacheln  auf  der  ganzen  Rückenfläche. 

Homalonotus  Murch. 

H.  armatus  Burm.  p.  103.  tb.  4.  f.  1.  —  Hiernach  Taf.  IX. 
Fig.  1.  (Kopfschild  und  die  ersten  beiden  Rumpfringe,  in  ^  nat.  Gr.) 

Kopfbuckel  achtslachelig,  Seitenschilder  mit  einem  Stachel,  Hin- 
terrand mit  drei,  jeder  der  Rumpfringe  mit  zwei  Stacheln.  Körper- 
länge 3  —  6''. 

In  Grauwackenschichten  der  Eifel  bei  Daun. 

Herschelii  Murch.  Sil.  Syst.  pl.  7  bis.  f.  2.  —  Burm.  p.  103. 

—  Arch.  u.  Vern.  a.  a.  0.  p.  173. 

Körperringe  vierstachelig,  Seitenlappen  mit  einem  Stachel,  Schwanz- 
achse an  der  Basis  vierstachelig. 

In  silurischer  Grauwacke  von  Brüm,  Contentin,  Lahunaudiere 
(Bretagne)  und  im  Cederngebirge  in  Süd -Afrika. 

B.    Mit  elfgliederiger  Rumpfachse. 

t  3.  G.  Cyphaspis  Burm.  (xvcfog,  Buckel;  danlg,  runder  Schild.) 

-Oberfläclie  gekörnelt.  Kopfschild  etwas  kürzer  als  halb- 
kreisförmig, mit  stark  herabgezogenen  Seiten,  ringsum  verdicktem 
Rande,  hoch  gewölbtem,  einem  Ei  ähnlichen  Kopfbuckel,  wel- 
cher ohne  Furchen  ist,  an  seinem  hinteren  Ende  aber  von  zwei 
Längswulsten  begleitet  wird.  Die  kleinen  Augen  liegen  auf  hohen 
Höckern  neben  dem  Kopfbuckel.  Die  Gesichtslinie  beginnt  am 
Hinterrande,  nahe  der  in  einen  Stachel  ausgezogenen  Aufsenecke, 
und  läuft  von  dem  Auge  geradlinig  zum  Vorderrande. 

Die  Rumpfachse  verschmälert  sich  nach  hinten. 

Schwanzschild  sehr  klein,  mit  gegliederter  Achse  und  un- 
deutlichen Rippen. 

C.  clavifrons  Dalman  (Calymene  clavtfrons  und  Cal.  bellatula)\ 
Dalm.  a.  a.  0.  tb.  1.  f.  4.  a.  d.  —  Burm.  p.  104.  tb.  3.  f.  3.  4.  — 
Hiernach  Taf.  IX.  Fig.  4. 

15* 


228 


KREBSE. 


Im  grauen  silur.  Grauwackenkalke  OstgoUilands  bei  Husbyfjöd, 
bei  Ladegaard's  Oen  in  Norwegen,  und  in  einem  ganz  ähnlichen  Kalke 
aus  der  Eifel. 

t  4.  G.  Phacops  Emmrich.  Pleuracanthus  und  Peltura 
Milne  Edwards.  (q)axüg,  Linse;  wxp^  Auge.) 

Kopfschild  halbkreisförmig  oder  etwas  parabolisch,  biswei- 
len auch  mondförmig;  am  Aufsenrande  scharfkantig  oder  etwas 
ausgebreitet ,  am  Hinterrande  verdickt.  Kopfbuckel  hoch  ge- 
wölbt, einfach  oder  gelappt,  vorn  breiter  als  hinten,  und  dort 
breiter  oder  eben  so  breit  als  der  Abstand  beider  Augen.  Die 
Gesichtslinie  läuft  vorn  um  den  Kopfbuckel  herum  und  dann 
von  dem  hinteren  Augenwinkel  S-förmig  zum  Seitenrande  (was  in 
den  beiden  Abbildungen  nicht  ausgedrückt  worden  ist).  Die  gro- 
fsen  hochgewölbten  Augen  bilden  ein  Stück  einer  Kegelzone. 

Die  Achse  der  Rumpfringe  ist  etwas  stärker  gewölbt  als 
ihre  Seitenlappen. 

Schwanzschild  mit  deutlich  gegliederter  Achse  und  stark  ge- 
rippten Seiten. 

A.  Arten  mit  einfachem,  ungetheiltem,  trapezoidalem  Kopf- 
buckel, der  hinten  einen  kurzen  Stiel  und  daneben  zwei  Knötchen 
hat.     Kopfecken  stumpf,   das  Schwanzschild  am  Ende  abgerundet. 

F.  latifrons  Burm.  p.  105.  tb.  2.  f.  4  —  6.  —  Hiernach  Taf. 
IX.  Fig.  5.  —  Calymene  macrophlhalma  Brongn.  Crust.  foss,  p.  15. 
pL  1.  f.  b.  A  —  C.  —  Bronn,  Leih.  p.  III.  tb.  9.  f.  4.  —  Buckl. 
Mi7i.  and  Geol.  pl.  46.  f.  4.  —  Arch.  u.  Vern.  a.  a.  0.  p.  170. 

Schaale  stark  gekörnelt;  Kopfbuckel  ungetheilt  und  an  den  Sei- 
ten gerade;  Schwanzachse  sieben-  bis  neunringelig;  Seitenrippen  5  —  7. 
Länge  1  —  3". 

Nach  Burmeister  im  Grauwackenkalke  der  Eifel,  des  Harzes,  des 
Fichtelgebirges,  Böhmens,  Englands  und  Nordamerikas.  Archinac  und 
Verneuil  führen  noch  andere  Fundorte  an,  die  sich  wahrscheinlich  auf 
Ph.  macrophthalmus  (p.  229.)  beziehen. 

P.  protuberans  Dalm.  {Cal.  prot.).  —  Burm.  p.  107.  tb.  3.  f.  6. 

Die  Seiten  des  Kopfbuckels  sind  etwas  winkelig  oder  doch  ge- 
bogen, wodurch  sich  diese  Art  leicht  von  der  vorigen  unterscheidet. 

In  einem  grauen  Kalksleine  vom  Branikberge  bei  Prag,  und  nach 
Slernberg  aus  Weslphalen. 

B.  Arten  mit  gelapptem  Kopfbuckel;  ihnen  fehlen  die  iso- 
lirten  Knötchen  in  den  Hinterecken  neben  dem  Stiele  des  Kopf- 
buckels, statt  ihrer  erscheint  eine  Querwulst. 


TRILOBITEN. 


229 


a.    Kopfbuckel  mit  zwei  Seitenlappen. 
cc.    Die  Hinterecken  des  Kopfschildes  sind  abgerundet  oder  stumpf. 

Ph.  anchiops  Green  (Calymene  a.).  —  Burm.  p.  107. 
In   einem   schwarzen    Grauwackenkalke   von   Ulster   und  Murron 
(New -York). 

Ph.  rotundifrons  Emmr.  —  Burm.  p.  108.  tb.  4.  f.  2. 
Bei  Dillenburg  auf  dem  Westerwalde. 
Ph.  proaevus  Emmr.  —  Burm.  p.  108.  tb.  4.  f.  3. 
Aus  böhmischer  Grauwacke  von  Ginec. 

ß.    Die  Hinterecken  des  Kopfschildes  sind  zugespitzt. 

Ph.  conop hthalmus  Emmr.  —  Burm.  p.  109.  tb.  4.  f.  5.  6. 
In  einem  gelblich- grauen  Kalksteine  von  Reval  und  Ladegaard's 
Oen  bei  Christiania. 

b.    Kopfbuckel  mit  drei  oder  vier  Seitenlappen. 
a.  Die  Hinterecken  des  Kopfschildes  sind  abgerundet  und  ragen  nicht  hervor, 
aa.    Kopfbuckel  mit  drei  mittleren  Söitenlappen. 

Ph.  macropht halmus  Brongn.  (Calymene  macr.)  a.  a.  0.  p.  14. 
tb.  1.  f.  4.  A.  B.  —  Burm.  p.  110. 

Augen  sehr  grofs.  Der  vorderste  Theil  des  Kopfbuckels  ist 
quer  rhombisch  und  vorn  ziemlich  scharfeckig;  die  drei  folgenden 
Lappen  werden  allmählig  kleiner  und  der  hinterste  ist  am  stärksten 
gewölbt.     Schwanzachse  zehn-  bis  zwölfgliederig. 

Im  älteren  Grauwackenkalke  von  Hunaudiere  in  der  Bretagne 
und  der  Petersburger  Hügel. 

Ph.  odontocep halus  Green  (Calym.  odont).  —  Burm.  p.  110. 
tb.  4.  f.  4. 

In  einem  grauen  Sandsteine  aus  Ulster  in  New -York, 
bb.    Kopfbuckel  mit  vier  mittleren  Seitenlappen. 

Ph.  sclerops  Dalm.  (Calym.  sei.).  —  Burm.  p.  III. 

Der  vordere,  nierenförmige  Theil  des  Koptbuckels  ist  am  gröfs- 
ten,  die  anderen  nehmen  an  Gröfse  ab.  Schwanzachse  achtringelig ; 
Seitenrippen  sechs.     Länge  li  —  ü". 

Im  grauen  silurischen  Kalke  bei  Ifusbyfjöd  in  Ostgothland,  im 
rothen  Kalke  bei  Skarpasen  und  bei  Furudal  in  Dalecarlien. 

ß.    Die  Hinterecken  des  Kopfschildes  ragen  als  ausgezogene  Spitzen  hervor; 
Kopfbuckel  vierlappig. 

aa.    Schwanzschild  am  Ende  zugespitzt,  ohne  Seitenstacheln. 

Ph.  Hausmanni  Brongn.  (Asaphus  H.)  Cr.  foss.  p.  21.  pl.  2.» 
f.  3.  A.  B.  —  Burm.  p.  lU.  —  Arch.  u.  Vern.  a.  a.  0.  p.  172. 


230 


KREBSE. 


Die  sehr  grofsen  Augen  breiten  sich  bis  fast  an  den  Rand  des 
Kopfschildes  aus.  Schwanzachse  neunzehn-  bis  zwanzigringelig ;  Sei- 
tenrippen fünfzehn.     Lange  3  —  5". 

In  silurischer  und  devonischer  Grauwacke  von  Kemmenau,  Prag, 
am  Moldau -Ufer  bei  Kosorz,  Branik,  Karlstein. 

Ph.  caudatus  Brünn  (Trilob.  caud.).  —  Parkinson,  org.  rem. 
III.  tb.  17.  f.  17.  —  Asaph.  caud.  Brongn.  Cr.  foss.  p.  22.  pl.  2.  f.  4. 
—  Dahn.  Pal.  p.  65.  tb.  2.  f.  4.  —  Buckl.  Geol.  and  Min.  II.  pl.  45. 
f.  9 — 11;  pl.  46.  f.  11 — 12.  —  As.  Cordieri  Castelnau,  Essai  sur  le 
Systeme  Silurien  de  PAmerique  septentrionale  ^  pl.  4.  f.  2. 

Augen  kleiner  als  bei  der  vorigen  Art;  Schwanzachse  vierzehn- 
ringelig;  Seitenrippen  acht,  Ende  des  Schwanzschildes  in  eine  Spitze 
verlaufend.     Länge  2  —  3''. 

Im  silurischen  Grauwackenkalke  Englands  (Dudley,  Ludlow),  Schwe- 
dens (Gothland)  und  Nordamerikas  (Lockport). 

Ph.  mucronatus  Brongn.  (Asaph.  mucr.)  Cr.  foss.  p.  22.  pl.  2. 
f.  4.  —  Dahn.  Pal.  p.  65.  tb.  2.  f.  4.  —  Entomostrae.  caud.  Wahlenb. 
a.  a.  0.  tb.  2.  f.  3.  —  As.  longicaiidatus  Murch.  Sil.  Syst.  —  ?  A. 
Limularius  Green,  Casteln.  ess.  etc.  tb.  4.  f.  1.  —  Burm.  p.  113. 

Durch  das  Schwanzschild  der  vorigen  Art  ähnlich,  von  welcher 
sich  diese  durch  gröfsere  Augen,  welche  den  zweiten  und  dritten  Lap- 
pen des  Kopfbuckels  überragen,  unterscheidet.  Schwanzach^e  vierzehn- 
bis  fünfzehngliederig;  acht  bis  neun  Seitenrippen;  hinteres  Ende  in 
eine  Spitze  auslaufend.     Länge  3  —  4''. 

In  den  Grauwackenkalken  Englands  (Dudley,  Wenlock),  Schwe- 
dens (Ostgothland,  Schonen),  im  Thonschiefer  von  Mösseberg  und  in 
der  Eifel  bei  Daun. 

bb.   Das  Schwanzschild  hat  an  seinem  ganzen  Umfange  lange  Stacheln. 

Ph.  arachnoides  Höninghaus,  Brief  von  Crefeld  d.  10.  März 
1835.  —  Burm.  p.  115.  tb.  4.  f.  8.  —  Hiernach  Taf.  IX.  Fig.  6. 

Das  Kopfschild  dieser  Art  verläuft  vorn  in  eine  scharfe  Ecke; 
seine  hinteren  Ecken  mit  langgezogenen  Hörnern;  Band  des  Sch'vvanz- 
schildes  zehnstachelig.  Jedes  einzelne  Auge  hat  162  Linsen.  Länge 
l-li". 

In  einem  aschgrauen  devonischen  Kalke  von  Gerolstein  in  der  Eifel. 
Ph.  st  eilt  (er  Burm.  p.  115.  tb.  4.  f.  8. 
In  einem  aschgrauen  Kalke  der  Eifel. 


TRILOBITBN. 


231 


C.    Mit  zehn  gliederiger  Rumpfachse. 

t  5.  G.  Aeonia  Burm.  Calymene  Dalm.,  Green.  Asaphus 
Emmr.  (aiwviog,  langwährend.) 

Kopfschild  halbkreisrund,  mit  verdicktem  Rande.  Der  stark 
gewölbte  Kopfbuckel  ist  parabolisch,  ungetheilt  oder  seitlich  schwach 
gefurcht,  rundet  sich  vorn  zu  und  stöfst,  gleich  breit  bleibend, 
hinten  unmittelbar  an  dem  Gliederungsrande  an.  Die  Gesichtslinien 
laufen  von  oben  fast  gerade  nach  den  Augen  und  wenden  sich 
unter  denselben  S- förmig  nach  dem  Hinterrande.  Augen  mäfsig 
grofs,  stark  gewölbt,  glatt  und  ziemlich  dicht  an  dem  Kopfbuckel. 
Die  Rumpfachse  ist  von  den  Seiten  stark  geschieden.  Das  Schwanz- 
schild ähnelt  dem  Kopfschilde,  ist  jedoch  kleiner  und  hat  eine 
kurze,  deutlich  gegliederte  Achse. 

A.  diops  Green   (Calymene  d.).  —  Burm.  p.  117.  tb.  3.  f.  5. 

In  einem  schwarzen  Sandsteine  aus  dem  Staate  Ohio. 

A.  CO  nein  na  Dalm.  (Calym.  conc).  Pal.  p.  40.  tb.  1.  f.  7.  — 
Burm.  p.  117.  tb.  3.  f.  1.  2.  —  Gerastos  laevigatus  Goldf.  in  Leonh. 
Br.  Jahrb.  1843.  p.  557.  tb.  4.  f.  7.  —  Hiernach  Taf.  IX.  Fig.  7.  a.  b. 

Kopfhuckel  ungetheilt  und  mäfsig  gewölbt;  Schwanzachse  nieder- 
gedrückt.    Länge  \" . 

In  (?)  silurischer  Grauwacke  von  Gothland,  in  devonischer  der  Eifel, 
und  im  Steinkohlengebirge,  über  den  Productenschichten  '•')  von  der 
Mülke  bei  Hausdorf  in  der  schlesischen  Grafschaft  Glatz. 

A.  cornuta  Goldf.  (Gerastos  cornutus)  in  Leonh.  Br.  Jahrb. 
1843.  p.  558.  tb.  5.  f.  1. 

Aus  der  Eifel. 

2.    Asaphidae.    Mit  nach  hinten  nicht  verschmälerter  Rumpfachse  und 
glatter,  in  sich  sculpirter  Schaale. 

A.    Mit  z  ehngliederiger  Rumpfachse. 

t  6.  G.  Illaenus  Burm.  Illaenus  und  Bumastes  Aut. 
(lllalvü)^  ich  schiele.) 

Das  Kopfschild  gleicht  am  meisten  dem  vierten  Theile  einer 
Kugelfläche,  aus  welcher  der  Kopfbuckel  nur  hinten  wenig  her- 
vortritt. Die  Gesichtslinien,  welche  auf  dem  abgeplatteten  A  or- 
derrande  durch  eine  Quernaht  verbunden  sind,  steigen  hier  unter 
einer  leichten  Schwingung  zum  Auge  hinauf,  und  durchbrechen 
nicht  weit  von  der  Rumpfachse  den  Hinterrand.    Die  Augen  sind 


*)  V.  Buch,  über  Goniatiten  und  Clymenien  in  Schlesien,  Berlin,  1839. 


232 


KREBSE. 


Iialbmoiidförmig,  niedrig  und  glatt.  In  dem  grofsen  und  stark 
gewölbten,  halbmondförmigen  Schwanzschilde  ist  eine  kurze  Achse 
erkennbar. 

Die  Oberfläche  aller  Panzerstücke  ist  fein  und  unregelmäfsig 
concentrisch  liniirt  und  punktirt. 

A.  Illaenus  Aut.  Rumpfachse  nicht  breiter  als  die  Sei- 
tenlappen und  deutlich  von  ihnen  abgesetzt. 

/.  crassicauda  Wahl.  (Entomostrac.  er.)  a.  a.  0.  tb.  2.  f.  5.  6. 
—  Dalm.  Pal.  p.  51.  Ib.  5.  f.  2.  —  His.  Leth.  Suec.  tb.  3.  f.  5.  — 
Br.  Leth.  p.  115.  Ib.  9.  f.  9.  —  Cryptonymus  Rudolphii,  Cr.  Rosen- 
bergii^  Cr.  Parkinsonii Cr.  Waldenbergn  Eichwald,  observ.  etc.  p.  50. 
51.  52.  tb.  4.  f.  3;  tb.  2.  f.  1;  tb.  4.  f.  1;  tb.  3.  f.  2.  —  Burm. 
p.  119.  tb.  5.  f.  2.  —  Arch.  u.  Vern.  a.  a.  0.  p.  172.  —  Taf.  IX. 
Fig.  8.  a.  b.  c.  nach  Dalnian. 

Die  Augen  sind  dem  hinleren  Rande  des  Kopfschildes  sehr  ge- 
nähert.    Länge  1  —  3". 

In  silurischer  Graüwacke  von  Cornden  bei  Schelve,  bei  Salop 
und  Montgomery  in  England,  in  Dalecarlien,  bei  Hushyfjöd  in  Ost- 
gothland,  bei  Christiania,  in  Esthland  bei  Reval  und  Petersburg,  in 
der  Bretagne;  in  devonischer  Graüwacke  von  Prefseck. 

/.  gig anteus  Guettard.  —  Burm.  p.  119.  tb.  3.  f.  10. 

Im  unteren  silurischen  Thonschiefer  von  Angers. 

B.  Bumastes  Murch.  Die  Rumpfachse  ist  relativ  breiter 
und  von  den  Seitenlappen  nur  sehr  unvollständig  durch  eine  leichte 
Längsvertiefung  abgesetzt. 

/.  barriensis  Murch.  —  Burm.  p.  120. 

In  den  mittleren  silurischen  Schichten  Englands,  bei  Barr  in 
Staffordshire,  Brand -Lodge  und  Presteign. 

B.    Mit  neunglied eriger  Rumpfachse. 

t  7.  G.  Archegoniis  Burm.  Illaenus  Dalm.  Asaphus  Emmr. 
Calymene  H.  v.  Mey.  Phillipsia  Portlock ')  z.  Th. 
{aQ/Jyovog,  uranfänglich.) 

Durch  den  Lauf  der  Gesichtslinie,  so  wie  durch  die  kleinen, 
aber  flacher  gewölbten  Augen  und  die  kurzen  Rumpfringe  scheint 
sich  Archegonm  unmittelbar  an  Illaenus  anzuschliefsen,  nähert  sich 
aber  auch  ebenso  sehr  der  folgenden  Gruppe  durch  höhere  Wölb- 


*)  Von  Phillipsia  beschreibt  de  Köninck,  description  des  animaux  fos- 
siles, Li^ge,  1842 — 1844.  p.  595—607,  sechs  Arten  aus  dem  Kohlenkalke  von 
Vifi<i,  Ratingen,  Bolland,  Kildare,  Miatchkova,  Borofsk  n.  a.  O. 


TRILOBITEN. 


283 


ung  des  Kopfbuckels  und  die  wenigstens  häufig  längere,  gewölb- 
tere Scliwanzachse. 

A.  Dysplanus  Burm.  Kopfschild  gewölbt,  parabolisch  mond- 
förmig,.  mit  lang  ausgezogenen  Hinterecken  und  undeutlich  um- 
gränztem  Kopfbuckel;  Rumpfringe  kurz,  Seitenlappen  ungefurcht, 
Schwanzschild  flach  gewölbt,  herzförmig,  mit  kurzer,  ungeglie- 
derter Achse,  die  kaum  bis  zur  Mitte  reicht. 

D.  centrotus  Dalm.  (Asaph.  c.)  Pal.  p.  51.  tb.  5.  f.  1.  — 
Burm.  p.  120. 

Im  Grauwackenkalke  Ostgothlands  bei  Husbyfjöd,   und  bei  Chri- 

sliania. 

B.  Archegonus.  Kopfschild  mehr  kreisabschnittähnlich,  an 
den  Ecken  nicht  in  Spitzen  ausgezogen;  die  Gesichtslinie  läuft 
schief  über  den  abgeplatteten  breiten  Kopfrand  hinab,  wie  bei 
Illaenus.  Kopfbuckel  hoch  g:ewölbt  und  ziemlich  deutlich  abgesetzt; 
in  der  Mitte  daneben  stehen  die  kleinen  Augen.  Die  Seitenlappen 
der  Rumpfringe  haben  einen  schiefen  Eindruck.  Die  hohe  Schwanz- 
achse reicht  weit  über  die  Mitte  des  Schildes  hinaus. 

A.  aequalis  H.  v.  Mey.  (Calymene?  aeq.)  in  Act.  Ac.  Caes. 
etc.  IX.  2.  p.  100.  tb..  56.  /.  13.  —  Burm.  p.  121.  tb.  5.  f.  3.  — 
Hiernach  Taf.  IX.  Fig.  10. 

Kopf-  und  Schwanzschild  fast  parabolisch.  Schwanzachse  zwölf- 
ringelig,  Seitenfurchen  acht.     Länge  l". 

In  dem  zum  Steinkohlengebirge  gehörenden  Schiefer  bei  Herborn 
und  bei  Altwasser  in  Schlesien. 

A.  globiceps  Phill.  —  Burm.  p.  122.  —  PhilUpsia  gl.  de  Köninck, 
descript.  des  anim.  foss.  p.  599.  tb.  53.  f.  1. 

Im  Kohlenkalksteine  von  Kildare  in  Irland  und  von  Vise. 

C.    Mit  achtgliederiger  Rumpfachse. 

t  8.  G.  Asaphus  Brongn.  Asaphus  und  Nileus  Dalm., 
Isoteles  Dekay,  Hemicrypturus  Green. 
(aaacprig,  undeutlich.) 

Die  Augen  sind  grofs,  hoch,  sehr  stark  hervorgequollen, 
und  haben  eine  dicke,  glatte  Hornhaut.  Den  Verlauf  der  Gesichts- 
linien, welche  sich  über  dem  Kopfbuckel  in  einem  Bogen  oder  in 
einem  Winkel  mit  einander  vereinigen,  zeigt  Fig.  9.  a.  b.  auf 
Taf.  IX.  Das  Schwanzschild  gleicht  dem  Kopfschilde  an  Umfang 
und  Gestalt. 


234 


KREBSK. 


A.  Nile  US  Dahn.  Die  Seilenlappen  durch  keine  Furche 
von  der  Rumpfaclise  gesondert  und  ohne  diagonale  Furchen;  Kopf- 
8child  ohne  sichtbaren  Buckel;  Schwanzschild  ohne  Achse. 

A.  (N.)  armadillo  Dalm.  Pal.  p.  49.  tb.  4.  f.  3.  —  Hisinger, 
Leih.  S.  p.  16.  tb.  3.  f.  3.  —  Burm.  p.  123.  —  Taf.  IX.  Fig.  9.  a.  b. 
nach  Dalman. 

Kopf-  und  Schwanzschild  kurz  und  breit;  ersteres  mit  stumpfen 
Hinterecken.  Augen  weit  von  einander.  Rumpfachse  etwa  doppelt  so 
breit  als  die  Seitenlappen.     Länge  1  —  2". 

Im  Grauwackenkalke  Ostgothlands  bei  Husbyfjöd  und  Skarpasen ; 
in  Dalekarlien  bei  Rältwick;  in  Esthland  bei  Petersburg. 

B.  Die  Seitenlappen  durch  eine  tiefe  Furche  von  der  Rumpf- 
achse gesondert  und  mit  diagonalen  Furchen. 

a.  Die  Gesichtslinie  beschreibt  vorn  einen  Bogen. 

A.  palpebrosus  Dalm.  Pal.  p.  48.  tb.  4.  f.  2.  —  His.  Leth. 
S.  p.  15.  tb.  3.  f.  1.  —  Burm.  p.  124.  —  Symphysurus  p.  Goldf.  in 
L.  Br.  J.  1843.  p.  553. 

Im  Grauwackenkalke  Ostgothlands  bei  Husbyfjöd. 

A.  laeviceps  Dalm.  Pal.  p.  47.  tb.  4.  f.  1.  —  His.  Leth.  S. 
p.  15.  tb.  2.  f.  8.  —  Burm.  p.  124.  —  Symphysurus  l.  Goldf.  a.  a.  0.  p.  553. 

Ebendaher. 

A.  expansus  L.  (Entomol.)  —  Entomost.  exp.  Wahl.  a.  a.  0. 
—  Dalm.  Pal.  p.  45.  tb.  3.  f.  3.  —  Br.  Leth.  p.  114.  tb.  9.  f.  7.  — 
His.  Leih.  S.  p.  14.  tb.  2.  f.  6.  —  A.  cornigerus  Brongn.,  Cr.  foss. 
p.  18.  pl.  2.  f.  1.  —  Cryptonymus  Lichtensteinii  ^  Cr.  Panderi  und  Cr. 
Schlothemii  Eichw.,  diss.  etc.  p.  47.  45.  Ib.  2.  ^  3;  tb.  3.  f.  1;  tb.  4. 
f.  2.  —  Burm.  p.  124.  tb.  5.  f.  1. 

Der  Kopfbuckel  ist  hinten  zusammengezogen  und  hier  beiderseits 
dicht  am  Gliederungsrande  von  einem  Höcker  begleitet.  Die  hinteren 
Ecken  des  Kopfschildes  sind  stumpf.     Länge  2  —  3'^ 

Im  Grauwackenkalke  Schwedens,  bei  Husbyfjöd  und  auf  Oeland; 
in  Esthland  bei  Heval  und  Petersburg;   in  Norwegen  bei  Christiania. 

A.  tyrannus  Murch.  —  Burm.  p.  126.  tb.  5.  f.  4. 

Wird  6  —  lO"  lang;  in  den  ältesten  silurischen  (Llandeilo)  Schich- 
ten Englands,  Caermarlhenshire,  Pembrokeshire. 

b.  Die  Gesichtslinic  beschreibt  vorn  einen  Winkel. 

aa.    Die  Schwanzachac  ragt  hervor  und  ist  durch  eine  F'urche  im  Schilde 
deutlich  abgesetzt. 

A.  raniceps  Dalm.,  Pal.  tb.  3.  f.  4.  —  Crypl.  Weissii  Eicinv., 
diss.  p.  46.  tb.  2.  f.  2.  —  Burm.  p.  126. 


TRILOBITKN. 


235 


Mit  A.  expatisus  zusammen. 

A.  extetiuatus  Wahl.  (Entom.  ext.)  a.  a.  0.  Ib.  7.  f.  4.  — 
Dalm.  Pal.  p.  43.  tb.  2.  f.  5.  —  His.  Leth.  suec.  p.  13.  tb.  2.  f.  3. 

Im  gTiinen  Kalksteine  bei  Husbyfjöd  und  Heia  in  Ostgothland; 
im  schwarzen  Kalksteine  von  Aggersbakken  bei  Christiania. 

bb.    Isoteles  Dekay.    Die  Schwanzachse  ragt  nicht  oder  sehr  wenig  aus 
dem  Schilde  hervor. 

A.  platycephalus  Stokes.  —  Isoteles  gigas  Dek. ,  Br.  Leth. 
p.  115.  tb.  9.  f.  8.  —  Brongniartia  isotela  Eaton.  —  Burm.  p.  127. 
tb.  2.  f.  12. 

Im  schwarzen  Grauwackenkalksteine  von  Trentonfalls  in  New-York, 
bei  Cincinnati  im  Ohiostaate  u.  a.  a.  0. 

D.    Mit  sechsgliederiger  Rumpfachse. 

t  9.  G.  Ampyx  Dalm.  {afxnv^^  Stirnband.) 

Das  Kopfschild  ist  grofs  und  dreieckig,  der  Kopfbuckel  ragt 
stark  hervor;  Augen  sind  bis  jetzt  noch  nicht  beobachtet  worden. 
Die  Sertenlappeu  der  Rumpfringe  sind  breit.  Im  dreieckigen 
Schwanzschilde  erkennt  man  eine  deutlich  vorragende  Achse. 

A.  nasutus  Dalm.  Pal.  p.  54.  tb.  5.  f.  3.  —  Br.  Leth.  p.  116. 
,  tb.  9.  f.  11.  —  His.  Leih.  suec.  p.  18.  tb.  3.  f.  8.  —  Burm.  p.  128. 

Kopfbuckei  fast  birnförmig  und  vorn  in  eine  über  den  Rand  hin- 
aus sich  ausbreitende  Spitze  verlaufend. 

Im  Grauwackenkalke  von  Skarpasen  und  Husbyfjöd  in  Oslgoth- 
land;  bei  Varving  nahe  bei  Sköfda  in  Westgothland. 

A.  mammillatus  Sars,  Burm.  p.  128. 

Im  Grauwackenkalke  von  Ladegaarts  Oen  und  Hjorlnaestangen  bei 
Christiania. 

A.  rostratus  Sars,  Burm.  p.  128. 
Mit  der  vorigen  Art  zusammen. 

II.     Trilobiten  ohne  Kugelungs  verm ö  gen. 

Die  Seitenlappen  der  Rumpfschilder  bleiben  gleich  breit  und 
verschmälern  sich  nie  auf  der  nach  oben  und  aufsen  gewendeten 
Seite  gegen  den  Rand  hin,  was  immer  bei  den  Trilobiten  mit 
Kugelungsvermögen  der  Fall  ist.  Jeder  Seitenlappen  ist  in  der 
Regel  durch  eine  diagonale  Furche  getheilt.  Die  Augen  sind  klein, 
flach  gewölbt  und  lang  gestreckt. 

Sie  sind  die  unvollkommeneren  und  gehören  vorzugsweise  der 
unteren  und  mittleren  Abtheilnng  des  Grauwackengebirges  an. 


23(5 


KHEUSE. 


I.  Die  SeilenlapptMi  der  RumptVinge  liegen  in  einer  und  derselben 
Ebene,  biegen  sich  nicht  nach  unlen,  enden  aber  hinterwärls  in  eine 

mehr  oder  weniger  hervorgezogene  Spitze,  die  einen  stumpfen 
Winkel  gegen  den  Lappen  bildet. 

A.  Ogygidae.  Mit  einfachem,  grofse  m  Schwanzschild  e,  dess  en 
Achse  y ielglie d erig  ist  und  die  Länge  des  Rumpfes 
erreicht  oder  übertrifft. 

I  10.  G.  Trinucleus  Murch.  Cryptolithus  Green. 
(treSj  drei;  nucleus^  Niifs.) 

Kopfschild  fast  halbkreisförmig,  mit  breitem,  warzig  punk- 
tirtem  Rande  und  lang  ausgezogenen  Hinterecken.  Der  mittlere 
Kopfbuckel  ist  hoch  gewölbt  und  hinten  stark  verengt.  Augen 
und  Gesichtslinien  noch  nicht  beobachtet.  Der  Rumpf  besteht  aus 
sechs  schmalen  Ringen,  deren  mittlerer  Theil  kaum  halb  so  breit 
als  der  seitliche  ist.  Schwanzschild  dreiseitig,  mit  sechs-  oder 
mehrgliederiger  Achse  und  einigen  radialen  Furchen  an  seinen 
Seiten. 

Tr.  Cataracti  Murch.  —  Brongn.,  Cr.  foss.  tb,  4.  f.  7.  — 
Asaph.  Cyllarus  His.  Leth.  suec.  Suppl.  II.  p.  3.  tb.  37.  f.  3.  — 
Burm.  p.  66.  tb.  1.  f.  1. 

In  der  unteren  silurischen  Grauwacke  Englands,  Schwedens  und 
Nordamerikas  (Montreal). 

Tr.  granulatus  Wahl.  (Entom.  gr.)  a.  a.  0.  tb.  2.  f.  4.  — 
^5.  gr.  Dalm.  Pal.  p.  43.  tb.  2.  f.  6.  —  Brongn.  Cr.  foss.  tb.  3.  f.  7. 
—  Burm.  p.  66. 

o 

Bei  Alleberg  in  Schweden. 

Tr.  fimbriatus  Murch.  — As.  seticornis  His.  Leth.  suec.  Suppl. 

II.  p.  3.  tb.  37.  /".  2.       Burm.  p.  o6. 

Im  Grauwackenschiefer  von  "Furudal  und  Dragga  in  Dalecarlien. 
Tr.  ornatus  Sternberg.  —  Burm.  p.  67. 

Bei  Builth  und  in  böhmischer  Grauwacke  (zwischen  Zebrak  und 
Proskales). 

Tr.  tesselatus  Green  (Cryptol.  tess.).  —  Br.  Leth.  p.  118. 
tb.  9.  f.  13.  —  Burm.  p.  67. 

In  einem  schwarzen  Grauwackcnkalke  bei  Trenlonfalls  und  Glen- 
falls  in  New-Yorl^;  auch  auf  der  Insel  Montreal. 

t  lll^.  G.  Ogygia  Burm.  (wyvytog^  uralt.) 

Kopfschild  halbkreisförmig  oder  parabolisch,  flach;  Kopfbuckel 
hinten  verengt  und  mit  drei  schwachen  Seitencindriicken ;  Hinter- 
ecken mehr  oder  weniger  verlängert.   Augen  halbkreisförmig,  neben 


1  RILOBITEN. 


237 


der  Mille  des  Kopfbuckels.  Die  Gesichtslinie  läuft  dem  Vorder- 
rande parallel,  wendet  sich  unter  einem  fast  rechten  Winkel  mit 
stumpfer  Ecke  nach  dem  Auge,  und  geht,  nachdem  sie  dieses 
verlassen  hat,  S- förmig  nach  dem  Hinterrande,  den  sie  etwa  in 
f  seiner  Breite  vom  Kopfbuckel  an  durchschneidet.  Rumpf  acht- 
gliederig,  mit  schmaler  Achse.  Das  Schwanzschild  entspricht  in 
Form  und  Gröfse  dem  Kopfschilde,  hat  eine  lange,  vielgliederige 
Achse  und  radial  gefurchte  Seiten. 

Die  Arten  kommen  in  den  ältesten  Schichten  vor. 

0.  Bucha  Burm.  p.  69.  tb.  1.  f.  2.  —  Asaphus  dilatatm  Brünn, 
Dalm.  Pal.  p.  67.  tb.  3.  f.  1.  —  As.  de  Buchii  Brongn.  Cr.  foss.  p. 
20.  pL  2.  f.  2.  —  Park.  Org.  Rem.  III.  PL  17.  f.  13. 

Kopf-  und  Schwanzschild  halbkreisförmig;  das  erstere  mit  zu- 
gespitzten Hinterecken.  Die  Schwanzachse  enthält  nach  dem  Alter  des 
Individuums  11  — 17  Glieder.     Länge  3  —  5". 

Nach  Parkinson  bei  Llanelly;  nach  Brongniart  in  einem  schwar- 
zen Grauwackenkalke  von  Dynevors-Park. 

0.  Guettardi  Brongn.  Cr.  foss.  p.  28.  pl.  3.  f.  1.  —  Br. 
Leih.  p.  120.  tb.  9.  f.  19.  —  Burm.  p.  70. 

Im  schwarzgrauen  silurischen  Thonschiefer  von  Angers. 

B.    Mit  einfachem,  ziemlich  grofsem  Schwanz  schilde,  dessen 
Achse  aus  wenigen  Gliedern  besteht  und  kürzer  als 
der  Rumpf  ist. 

a.    Mit  acht  Rumpfringen. 

■\  12.  G.  0 dontopleura  Emmr.  Acidaspis  Murch.? 
{döovg^  Zahn;  nXivQa,  Seite.) 

Das  Kopfschild  ist  kürzer  als  ein  Halbkreis;  neben  dem  ziem- 
lich gewölbten  Kopfbuckel  stehen  drei  kleine  Buckel  in  zwei  Rei- 
hen; der  Gliederungsrand  ist  breit.  Gesichtslinie  wie  bei  Ogygia; 
Augen  sehr  klein.  Die  acht  schmalen,  aber  stark  gewölbten  Rumpf- 
ringe liegen  mit  ihren  Seitenlappen  in  einer  Ebene;  jeder  der 
letzteren  hat  eine  Querwulst,  welche  in  einem  schief  nach  hinten 
gerichteten  !Endslachel  endet.  Schwanzschild  mit  zweigliederiger 
Achse,  einer  Seitenrippe  und  grofsen  Randstacheln.  Die  ganze 
Oberfläche  ist  mit  regelmäfsig  geordneten  Höckern  bedeckt. 

In  oberen  silurischen  Schichten  (dem  Kalksteine  von  Wenlock 
entsprechend):  Eifel,  England. 

0.  ovata  Emmr.  —  Battus  tuberculatus  Klöden,  Verst.  d.  Mark 
Brandenburg,  p.  112.  tb.  1.  f.  16-  2:3.  —  Burm.  p.  72.  tb.  2.  f.  11.  — 
Hiernach  Taf.  IX.  Fig.  11.  Kopfschild  und  die  beiden  ersten  Rumpfringe. 


238 


KREBSR. 


Körper  breit- elliplisch ,  un  seinem  ganze»  Umlange  mit  dünnen 
Stacheln  besetzt;  Seitenlappen  des  Rumpfes  zweistachelig^,  Schwanz- 
schild zwölfstachelig:.     Länge  J". 

Das  vollständige  Exemplar  bei  Burmeister  lag  in  einem  Kalk- 
steine, der  als  Geschiebe  in  Schlesien  gefunden  worden  ist;  die  von 
Klöden  als  Battus  tuberculafus  beschriebenen  Kopfbruchstücke  jünge- 
rer Individuen  dieser  Art  kommen  häufig  in  Kalksteingeschiehen  der 
Mark  vor. 

0.  elliptica  Burm.  p.  73.  tb.  l.'f.  4.  —  Arges  armatus  Goldf. 
in  Act.  Ac.  Caes,  19.  /.  tb.  33.  f.  1.  d.  e. 

Körper  elliptisch;  Seitenlappen  des  Rumpfes  oinstachelig,  Schwanz- 
schild zehnstachelig.  Länge 

Aus  dem  Grauwackenkalke  der  Eifel. 

t  13.  G.  Arges  Goldf.  (Griech.  Myth.) 

Kopfschild  mit  einem  hinten  in  lange  Hörner  auslaufenden 
Rande  umgeben;  Kopfbuckel  hoch  angeschwollen,  meistens  gelappt; 
Allgen  noch  nicht  beobachtet;  Gesichtslinien  gerade,  vorn  nach  bei- 
den Seiten  divergirend.  Rumpf  achtgliederig;  die  Seitenlappen  in 
Stacheln  auslaufend.  Schwanzschild  mit  undeutlich  viergliederiger 
Achse  und  stacheligem  Rande.  (Goldf.  in  L.  Br.  J.  1843.  p.  544.) 
Die  ganze  Oberfläche  ist  fein  gekörnelt;  auf  dem  Umfange,  wo  die 
Stacheln  entspringen,  stehen  grofsere  Höcker. 

A.  armatus  Goldf.  in  Act.  Ac.  Caes.  etc.  Vol.  19.  P.  1.  p. 
355.  tb.  33.  f.  1.  a.  c.  —  Burm.  p.  74. 

Im  devonischen  Grauwackenkalke  der  Eifel. 

b.    Mit  zehn  Rumpfringen. 

t  14.  G.  Bronteus  (Brontes)  Goldf.  Goldius  de  Kon. 
(Griech.  Myth.) 

Kopfschild  flach  gewölbt  und  gerandel;  Kopfbuckel  stumpf, 
dreieckig,  vorn  bogenförmig  abgeschnitten,  an  der  Seile  undeut- 
lich gelappt  und  nach  hinten  sich  verengend.  Gesichtslinien  gerade, 
einander  parallel,  und  hinter  dem  Auge  c/^- förmig  nach  dem  Hin- 
terrande laufend,  den  sie  in  der  Mitte  der  Seitenschilder  erreichen. 
Rumpfringe  gewölbt,  gleich  breit  mit  den  Seitenlappen.  Schwanz- 
Bchild  grofs,  fast  kreisrund  oder  parabolisch,  mit  kurzer,  ein- 
gliederiger Achse ,  von  welcher  radiale  Furchen  und  Leisten  aus- 
gehen. 

Im  devonischen  Grauwackenkalke  der  Eifel  und  bei  Elbers- 
reulh  im  Fichlelgcbirge. 


TKILOBITEN. 


239 


Br.  flabellifer  Goldf.  in  Act.  Ac.  Caes.  XIX.  1.  p.  361.  tb. 
33.  f.  3.  —  Br.  alutaceus,  Br.  granulatus Br.  flabellifer  und  Br.  in- 
termedius  Goldf.  in  L.  Br.  J.  1843.  p.  549.  tb.  6.  f.  1  —  4.  —  Hier- 
nach Taf.  IX.  Fig.  18.  Schwanzschild.  —  Römer,  Harzgebirge,  p.  37. 
tb.  9.  f.  1.  —  Br.  radiatus  Münsl.  —  Burm.  p.  75.  —  Arch.  u.  Vern. 
a.  a.  0.  p.  172. 

Die  ganze  Oberfläche  ist  granulirt.  Schwanzschild  parabolisch, 
mit  fünfzehn  Rippen  oder  vierzehn  von  denselben  eingeschlossenen 
Furchen. 

In  silurischer  Grauwacke  von  Ober-Ludlow;  in  devonischer  von 
Devonshire,  Elbersreuth,  der  Eifel  und  dem  Harze,  wo  Schwanz-  und 
Kopfschilder  häufig  gefunden  werden,  und  bei  Bogoslowsk. 

Br.  signatus  Phill. —  Br.  scuber Br.  canaliculatus  Goldf.  u. 
Br.  sign.  Phill.,  Goldf.  in  L.  Br.  J.  1843.  p.  550.  tb.  5.  f.  4  u.  tb.  6. 
f.  5  — 7.  —  ?  Römer,  Harzgeb.  p.  37.  tb.  2.  3.  —  Burm.  p.  139. 

Die  Oberfläche  ist  glatt  oder  fein  concentrisch  gestreift;  das 
Schwanzschild  ist  relativ  etwas  breiter  als  an  der  vorigen  Art,  seine 
Rippen  sind  etwas  schmäler,  zwischen  ihnen  erhebt  sich  oft  gegen 
den  Rand  hin  noch  eine  kleinere  Rippe,  und  die  mittlere  Rippe  ist 
hinten  gespalten. 

In  devonischer  Grauwacke  der  Eifel,  am  Winterberge  und  bei 
Grund  im  Harze,  bei  Wenlock  und  Aymestry. 

Br.  laticauda  Wahlb.  (Entom.  l.)  a.  a.  0.  tb.  2.  f.  7.  8.  — 
Äs.  l.  Brongn.  Cr.  foss.  pl.  3.  f.  8.  —  Burm.  p.  76. 

Oberfläche  glatt;  Schwanzschild  mit  dreizehn  radialen  Leisten. 

Im  weifsen  Grauwackenkalke  von  Osmundsberg  in  Dalecarlien. 

C.    Olenidae.    Mit  einfachem,  aber  sehr  kleinem  Schwanz- 
schilde, dessen  Achse  m ehrglied e rig,  aber  stets  viel 
kürzer  ist  als  der  Rumpf. 

t  15.  G.  Paradoxides  Brongn.  Olenus  div.  L  Dalm. 
(naQudo'iog ,  wunderbar.) 

Kopfschild  halbmondförmig,  in  lange  Hörner  auslaufend;  Kopf- 
buckel kolben-  oder  umgekehrt  eiförmig,  durch  drei  Querfurchen 
in  vier  Abschnitte  getheilt,  deren  vorderster  sehr  grofs  ist,  und 
deren  hinterster  den  Gliederungsrand  mit  dem  Rumpfe  bildet.  Ge- 
sichtslinien ziemlich  parallel.  Augen  länglich  mondförmig,  flach 
gewölbt.  Rumpf  vielgliederig ,  mit  allmählig  nach  hinten  ver- 
schmälerter Achse;  Seitenlappen  mit  einer  diagonalen  Furche,  und 
in  einer  nach  hinten  gewendeten  Spitze  endend.  Schwanzschild 
kreis-  oder  eirund,  mit  kurzer  gegliederter  Achse. 


240 


KREBt^E. 


In  sehr  alten  Grauwackenscliichten  in  Böhmen,  Schweden 
und  bei  Petersburg. 

P.  bohemicus  Boeck,  Sternb. ,  Burm.  p.  78.  tb.  1.  f.  6.  — 
Hiernach  Taf.  IX.  Fig.  15.  —  Etitom.  paradoxus  L.  —  Entom.  para- 
doxissimus  Wahlb.  a.  a.  0.  tb.  1.  f.  1.  —  Parad.  Tessini  Brongn. 
Cr.  foss.  tb.  4.  f.  1.  —  Olenus  Tessini  Dalm.  Pal.  tb.  6.  f.  3.  — 
Pat,  T.  Buckl.  Geol.  II.  tb.  46.  f.  8.  —  Br.  Leth.  p.  120.  tb.  9.  f.  16. 
—  Ol.  T.  His.  Leth.  Suec.  p.  18.  tb.  ^.  f.  1.  —  OL  pyramidalis, 
Ol.  latus  u.  Ol.  longicaudatus  Zenker,  Beitr.  z.  Naturg.  d.  Urwelt. 

Der  mittlere  Theil  des  Kopfschildes  ist  ziemlich  quadratisch; 
der  Kopfbuckel  keulenförmig;  die  Hinterecken  des  Kopfschildes  ver- 
längern sich  bis  über  die  Hälfte  der  Rumpflänge  herab.  Bei  jungen 
Individuen  {Olenus  pyramidalis  Zenker  und  Trilobites  gracilis  Boeck) 
enthält  die  Rumpfachse  16  — 18,  im  reiferen  Lebensalter  hingegen  (Tril. 
bohemicus  Boeck,  Sternb.,  Tr.  longicaudatus  Zenk.,  Olenus  Tessini  var.  1. 
Dalm.)  20  Ringe.     Länge  1  —  6". 

In  einer  schwarzgrünen  Grauwacke  Böhmens,  bei  Horrowic  und 
Ginec;  im  Alaunschiefer  von  Olstrog,  Dämmen  und  Carlsfors  in  Schweden. 

F.  spinulo sus  Wahlb.  (Entom.  sp.)  a.  a.  0.  tb.  1.  f.  3.  — 
Brong.  Cr.  foss,  tb.  4.  f.  2.  3.  —  Dalm.  Pal.  tb.  6.  f.  4.  —  His. 
Leth.  suec.  tb.  4.  f.  2.  —  Burm.  p.  80. 

Kopfbuckel  parabolisch;  Hinterecken  des  Kopfschildes  kürzer  als 
die  halbe  Länge  des  Rumpfes;  der  letztere  sechzehnringelig.    Länge  l''. 

Mit  voriger  Art  zusammen,  und  im  Thonschiefer  von  Angers. 

t  16.  G.  Olenus  Burm.  Paradoxides  und  Olenus  aut. 
(Griech.  Myth.) 

Kopfschild  breiter  als  bei  Paradoxides;  Kopfbuckel  parabo- 
lisch, vorn  etwas  schmäler  als  hinten  und  zugerundet,  jeder- 
seits  mit  drei  leichten  Einschnürungen.  Die  Augen  bilden  einen 
länglichen  Bogen.  Die  Gesichtslinien  laufen  oberhalb  der  Augen 
ziemlich  parallel,  divergiren  aber  unterhalb  derselben.  Rumpf- 
achse vielgliederig  (ob  immer  14?),  schmäler  als  die  Seiten,  de- 
ren Lappen  in  einer  kurzen,  nach  hinten  gebogenen  Spitze  enden. 
Schwanzschild  breit,  vorn  gerade,  hinten  bogig  oder  stumpfwin- 
kelig dreiseitig,  mit  deutlich  gegliederter  Achse. 

Die  Arten  kommen  in  alten  Grauwackenbildungen  mit  der 
vorigen  Gattung  zusammen  vor. 

0.  gibbosus  Wahl.  (Entom.  g)  a.  a.  0.  p.  39.  tb.  1.  f.  4. 
Par.  g.  Brongn.  Cr.  foss.  p.  35.  tb.  3.  f  6.  —  His.  Leth.  p.  19. 
tb.  4.  f  3.  —  Burm.  p.  81.  Ib.  3.  f.  9. 


TRILOBITEN. 


241 


Kopfschild  zwischen  dem  vorderen  Ende  des  Kopfbuckels  und 
der  Gesichtslinie  durch  eine  quere  Wulst  ausgezeichnet;  Rumpfachse 
mit  vierzehn,  Schwanzachse  mit  fünf  Ringen.     Länge  l". 

Die  Kopfschilder  junger  Individuen  (Taf.  IX.  Fig.  16.  nach  ßurm. 
tb.  5.  f.  8.)  umfassen,  nach  Burmeister  p.  56,  zum  Theil  die  von 
Dalman  als  Battus  und  von  Brongniart  als  Agnostus  beschriebenen 
Schilder. 

Sehr  häufig  im  Alaunschiefer  und  Stinksteine  von  Andrarum. 
0.  forficula  Sars,  Burm.  p.  82. 

In  einem  kalkhaltigen,  schwarzgrauen  Alaunschiefer  von  Rusielök- 
bacjien  bei  Christiania. 

0.  scarabaeoides  Bromel,  Wahlb.  (Ent.  sc.)  a.  a.  0.  tb.  1. 
f.  2.  —  Par.  sc.  Brongn.  Cr.  foss.  tb.  3.  f.  5.  —  Burm.  p.  83. 

Die  Jugendform  dieser  Trilobiten  ist,  nach  Burmeister  p.  56. 
tb.  5.  f.  5.  6.  u.  hiernach  Taf.  IX.  Fig.  17,  ein  Agnostus  Brongn. 
{Battus  Dalm.). 

Im  Alaunschiefer  von  Andrarum. 

2.    Campylopleuri.    Die  Seitenlappen  der  Rumpfringe  biegen  sich  von 
der  Mitte  an  abwärts  und  schliefsen  mit  einem  bogig  abgerundeten  Ende. 
Auf  ihrer  Fläche  sind  sie  der  ganzen  Länge  nach  gefurcht. 

t  17.  G.  Conocephalus  Zenker,  {xwvog^  Kegel;  xecpaXtj,  Kopf.) 

Kopfschild  halbmondförmig,  mit  ringsum  aufgeworfenem  Rande; 
der  innere  ist  nur  wenig  gebogen.  Der  Kopfbuckel  wird  nach 
vorn  schmäler  und  ist  jederseits  durch  drei  Einschnitte  in  vier 
Lappen  getheilt.  Die  kleinen  Augen  stehen  entweder  neben  den 
vorderen  Ecken  des  Kopfbuckels  oder  auf  der  Mitte  der  Seiten. 
Die  Gesichtslinien  convergiren  von  vorn  bis  zu  den  Augen,  und 
divergiren  von  hier  bis  zu  der  in  einen  Stachel  ausgezogenen 
Hinterecke  des  Kopfschildes.  Die  Achse  des  vierzehngliederigen 
Rumpfes  ist  hoch  gewölbt  und  von  den  breiteren  Seitenlappen 
durch  eine  tiefe  Furche  getrennt;  Schwanzschild  kreisabschnitt- 
ähnlich, mit  fünfgliederiger  Achse  und  schwachen  Seitenfurchen. 

In  der  Grauwacke  Böhmens  von  Ginec. 

C.  Sulzeri  Kinsky,  Schlotli.,  Bronn  Leth.  p.  121.  tb.  9.  f.  15. 
—  Conoc.  costatus  Zank.  Beitr.  tb.  5.  f.  G — K.  —  Burm.  p.  86.  tb.  1. 
f.  10.  —  Hiernach  Taf.  IX.  Fig.  12.  Kopfschild. 

Die  Augen  stehen  neben  dem  vorderen  Ende  des  Kopfbuckels. 
Länge  1^  —  2". 

C  striatus  Emmr.  —  Burm.  p.  86.  tb.  1.  f.  9. 

Die  Augen  stehen  in  der  Mitte  der  Seitenschilder.  Länge  \\  —  2''. 
Geinitz,  Versteineruugskunde,  16 


242  KBKBSE. 

t  18.  G.  Ellipsocephalus  Zenk.   (llXeixpigy  Ellipse; 
xecfaXf),  Kopf.) 

Kopfschild  halbkreisförmig,  ohne  verlängerte  Ecken,  und 
äufserlich  ohne  erhabenen  Vorderrand.  Der  Kopfbuckel  ist  flach 
gewölbt,  nur  durch  eine  leichte  Vertiefung  von  dem  übrigen  Theile 
des  Schildes  und  von  dem  Gliederungsrande  getrennt.  Augen  läng- 
lich mondförmig,  sehr  schmal  und  nach  aufsen  gerückt.  Die  kurzen 
Gesichtslinien  convergiren  ein  wenig  bis  zu  den  Augen,  und  di- 
vergiren  von  diesen  nach  hinten.  Rumpfachse  zwölfgliederig,  flach 
gewölbt  und  ziemlich  so  breit  als  die  Seiten.  Schwanzschild  klein, 
eiaem  kurzen  Kreisabschnitte  gleichend. 

Die  einzige  bekannte  Art  ist: 

E.  Hoffii  Schloth.,  Sternb.,  Bronn  Leth.  p.  122.  tb.  9.  f.  18. 
—  E.  ambiguus  Zenk.  a.  a.  0.  —  Burm.  p.  87.  tb.  1.  f.  8.  —  Taf. 
IX.  Fig.  13  u.  14. 

In  der  alten  Grauwacke  von  Ginee  in  Böhmen. 

.  t  19.  G.  Harpes  Goldf.  (Griech.  Myth.) 

Kopfschild  sehr  grofs  und  hufeisenartig,  mit  breitem,  flachem 
Aufsenrande  und  langgezogenen  Hinterecken.  Der  stark  gewölbte, 
ovale  Kopfbuckel  ist  hinten  verengt  und  hier  mit  zwei  elliptischen 
Seitenlappen  verziert.  Augen  klein  und  neben  der  vorderen  Hälfte 
des  Kopfbuckels.  Rumpf  vielgliederig  (über  20  Glieder),  mit 
hoch  gewölbter  Achse,  welche  die  Breite  der  Seitenlappen  hat. 
Schwanzschild  noch  nicht  beobachtet. 

H.  ungula  Sternb.  —  Harpes  speciosus  Münst.  u.  H.  macroce- 
phalus  Goldf.  in  Act.  Ac.  Caes.  XIX.  1.  p.  359.  tb.  33.  f.  2.  —  Burm. 
p.  88.  tb.  1.  f.  11.  —  Arch.  u.  Vern.  a.  a.  0.  p.  172. 

Der  breite  vordere  Rand  des  Kopfschildes  ist  punktirt. 

In  devonischer  Grauwacke  von  Elbersreuth,  der  Eifel,  Ober- 
scheld im  Nassauischen,  und  Barton. 

c.  Lophyropoda, 

Bewegungsorgane  gleichförmig  und  blofs  zum  Rudern  geeig- 
net, aber  gegliederte  Flossenfüfse.  Sie  haben  ein  Paar  wirk- 
liche Kiefern  und  ein  bis  drei  Paar  accessorische  Mundtheile, 
wie  die  Phyllopoden.  Ihre  Füfse  sind  nicht  zahlreich,  zwei-  bis 
dreigliederig,  einfach  oder  gespalten  und  mit  langen  Flossenbor- 
sten versehen.  Die  Grundzahl  der  Brustkastenringe  ist  drei  bis 
neun. 


I-OPHYROPOUEN. 


243 


Von  ihnen  kommen  nur  die  Miischelkrebse  oder  Ostracoda 
fossil  vor.  Sie  unterscheiden  sich  von  den  übrigen  Gattungen  der 
Lophyropoden  durch  eine  grofse  zweiklappige  Schaale,  einfache 
Augen,  kurze  Fühler  und  einen  ungegliederten  Hinterleib. 

1.  G.  Cypris  Müller.  (xvnQig^  Griech.  Myth.) 

Eine  zweiklappige  hornige  ^chaale  ist  mit  dem  Thiere  am 
Rücken  verbunden.  Vor  dem  Munde  stehen  zwei  Fufspaare,  von 
welchen  das  erste  fühlerförmig,  vielgliederig  und,  wie  das  zweite 
drcigliederige,  mit  langen  Borsten  besetzt  ist;  das  dritte  und  vierte 
sehr  klein,  das  fünfte  und  sechste  zum  Anklammern  geschickt, 
ohne  Flossenborsten,  jenes  aber  mit  einer  Kieme  versehen.  (Bur- 
meister, Handb.  d.  Naturgesch.  p.  556.) 

Cytherea  (Cythere)  Müll.,  Cytherina  Aut.  unterscheidet 
sich  von  der  Süfswassergattung  Cypris  Müll,  fast  nur  durch  ihr 
Vorkommen  im  Meere. 

Bean  erwähnt  eine  Cypris^  C.  arcuata  B.,  aus  der  Kohlen- 
formation von  Newcastle  ;  de  Köninck  beschreibt  Cythere  Phil- 
lipsiana  (de  Kon.  descr.  d.  an.  foss.  p.  585.  ib.  52.  f.  1.)  aus 
dem  Kohlenkalke  von  Vise  in  Belgien  und,  Bolland  in  Yorkshire. 
Die  als  Cypris  bezeichneten  Arten  kommen  in  gröfster  Menge  in 
der  Wälderformation  und  der  Tertiärformation  vor,  wo  sie  bis- 
weilen ganze  Schichten  erfüllen;  die  zu  Cytherina  gerechneten  be- 
ginnen eigentlich  erst  mit  dem  Kreidegebirge.  Von  Letzteren 
wurden  durch  Römer  '''')  und  Reufs '■•'■■'"■••')  elf  Arten  bekannt,  wel- 
che meistens  im  Plüner  gefunden  werden. 

a.  Cypris. 

C.  V aldensis  Fitton  Obsermt.  on  some  of  the  strata  between 
the  Chalk  and  Oxford  Clay.  London,  1836.  PL  21.  f.  1.  —  Taf.  VIII. 
Fig.  19.  a.  b.  —  Nach  Sowerby ,  Blin.  Conch.  PL  485.  f.  3.  4.  (C. 
Faba).  —  Br.  Leth.  tb.  27.  f.  24.  b.  c. 

Länglich  eiförmig,  stark  gewölbt,  fein  punktirt;  der  untere  Rand 
ist  etwas  concav  und  macht  an  dem  einen  Ende  einen  kleinen  rund- 
lichen Vorsprung.  Der  Rand,  an  welchem  die  Schaalen  zusammen- 
stofsen,  ist  convex  und  zwischen  beiden  Schaalen  etwas  ausgehöhlt. 
i  —  lang. 


L.  Br.  J.  1838.  p.  495. 
*♦)  Verst.  d.  norddeutsch.  Kreidegebirges. 
**♦)  Verst.  d.  böhm.  Kreideformation. 

16^ 


244 


KREBSE. 


In  grofser  Menge  überall  in  der  ganzen  Wealdenformation  Eng- 
lands mit  mehreren  anderen,  zum  Theil  höckerigen  '••')  Arten  dieser 
Gattung,  verbreitet. 

C.  Faha  Desm.  Cr.  foss.  tb.  11.  f.  8.       Br.  Leth.  tb.  36.  f.  11. 

Der  vorigen  Art  sehr  ähnlich,   doch  etwas  schmäler  und  glatt. 

Häufig  in  tertiären  Schichten  am  Puy-de-D6me. 

Unter  diesem  Namen  werden  gewöhnlich  die  kleinen  glatten  Ar- 
ten von  Cypris  aus  tertiären  Süfswassergebilden  bezeichnet,  welche 
Desmarest's  Art  mehr  oder  weniger  gleichen. 

b.  Cytherina. 

C.  suhdeltoidea  Münst.  in  L.  Br.  J.  1830.  p.  64.  —  Taf.  VIII. 
Fig.  21.  —  Röm.  Kr.  p.  105.  tb.  rS.  f.  22.  —  Reufs,  Böhm.  Kr.  p.  16. 
tb.  5.  f.  38. 

Diese  im  Pläner,  besonders  im  Plänerkalke  von  Sachsen  und 
Böhmen  sehr  gewöhnliche  Art  wird  ^  —  l'"  lang,  ist  eirund  —  oder 
breit  eirund  —  dreiseitig,  stark  gewölbt,  glatt,  und  läuft  an  dem  einen 
Ende  in  einen  spitzen  Schnabel  aus. 

C.  ovata  Röm.  Kr.  p.  104.  tb.  J6.  f.  16.  —  Reufs,  Böhm.  Kr. 
p.  16.  tb.  5.  f.  35. 

\"'  lang,  breit  eiförmig,  gleichseitig,  mäfsig  gewölbt,  an  dem 
breiten  Ende  am  flachsten,  glatt  und  glänzend.  (Reufs.) 

Nicht  selten  im  Plänerkalke  von  Böhmen  und  Sachsen;  im  Plä- 
nermergel  von  Lemförde. 

Die  Cytherinen  aus  den  tertiären  Ablagerungen  von  Paris, 
Castellarquato,  Palermo,  Dax  und  dem  nordwestlichen  Deutschland 
beschrieb  Römer  in  einer  Monographie:  „die  Cytherinen  des  Mo- 
lassegebirges" (L.  Br.  Jahrb.  1838.  p.  514.  tb.  6.),  und  in  dem 
tertiären  Steinsalzgebirge  von  Wieliczka  wurden  durch  Philippi 
drei  neue  Arten  dieser  Gattung  entdeckt.  (L.  Br.  Jahrb.  1843. 
p.  569.) 

2.  G.?  Cypridina  M.  Edw. •)• 

Eine  zwei-  und  gleichklappigc  Schaale  ist  mit  dem  Thiere 
am  Rücken  verbunden.    Auf  jeder  dieser  Schaalen  erhebt  sich  in 


*)  Vergl.  Fitton,  observ.  etc.  PL  21. 

**)  Nach  Burmeister  ist  es  überhaupt  noch  sehr  zweifelhaft,  ob  Cypri- 
dina, Cyprella  und  Cypridella  Krebse  sind. 

Dasselbe  gilt  auch  für  den  auf  Taf.  VIII.  Fig.  20.  a.  b.  c.  abgebildeten 
Körper,  welchen  ich  bisher  den  Krebsen  zurechnete,  welcher  aber,  nach 
Burmeister,  vielleicht  ein  Samenkorn  ist.  Die  dicke,  fein  gekörnelte  Schaale 


LOPHYROPODEN. 


245 


oder  oberhalb  der  Mitte  ein  dem  Auge  des  Thieres  entsprechen- 
der Höcker,  durch  welchen  sich  diese  Gattung  von  Cypris  un- 
terscheidet. 

C.  Edwardsiana,  C.  annulata  und  C.  concentrica  de 
Köninck  (descr.  d.  an.  foss.  p.  587.  u.  588.  tb.  52.  f,  2.  3.  4.  5.), 
kommen  in  dem  Kohlenkalke  von  Vise  vor;  die  einzige  lebende  Art 
gehört  dem  indischen  Ocean  an. 

i  3.  G.?  Cyprella  de  Kon. 

Die  zweiklappige  Schaale  ist  unten  zugespitzt,  oben  schna- 
belförmig und  hat  eine  dreieckige  Oeffnung.  Ein  hervorstehender 
Höcker  auf  jeder  Seite  entspricht  den  Augen. 

C.  chrysalidea  de  Kon.  {descr.  d.  an.  foss.  j».  589.  52. 
f.  6.),  aus  dem  Kohlenkalke  von  Vise,  ist  die  einzige  bekannte  Art. 

i  4.  G.?  Cypridella  de  Kon. 

Schaale  kugelig,  nicht  gegliedert,  an  beiden  Seiten  mit  zwei 
vorragenden,  einander  gegenüberstehenden  Augenhöckern,  und  zwei 
Oeifnungen,  von  denen  die  hintere  kreisförmig  ist,  die  vordere 
aber  eine  quere,  bogenförmige  Linie  bildet. 

C.  er u data  de  Kon.  (descr.  d.  an.  foss.  p.  590.  tb.  52.  f.  7.), 
aus  dem  Kohlenkalke  von  Vise,  welche  durch  zwei  sich  rechtwinkelig 
schneidende  Furchen  sich  auszeichnet,  ist  die  einzige  bekannte  Art. 


dieses  über  2'"  langen  Körpers  ist,  von  aufsen  gesehen,  elliptisch  und  endet 
vorn  in  einer  spitzen  Ecke.  Der  ganze  Körper  ist  stark  seitlich  zusammen- 
gedrückt und  die  beiden  Seiten  hängen  als  breite,  gerundete  Lappen  herab, 
ähnlich  wie  an  dem  Panzer  einiger  Macruren,  wozu  aber  der  Panzer  zu 
dick  wäre.  Längs  der  Mitte  der  inneren  Fläche  läuft  eine  tiefe  und  breite 
Längsfurche,  welche  nach  dem  spitzen  Ende  zu  von  zwei  anderen  Furchen 
eingefafst  wird.  (In  der  Zeichnung  b.  sind  diese  Furchen  von  der  mittleren 
nicht  geschieden.) 

Hält  man,  mit  Burmeister,  die  versteinerte  Masse  für  ein  calcinirtes 
Albumen,  dessen  Aufsenfläche  wie  die  Testa  granulirt  war,  so  würde  die 
Hauptfurche  für  die  Stelle  zu  halten  sein,  in  welcher  der  bereits  ausge- 
wachsene und  verloren  gegangene  Embryo  lag.  Die  Herren  Schlechtendahl 
und  Reichenbach  halten  diese  Ansicht  allerdings  für  möglich,  wenn  auch 
eben  nicht  für  wahrscheinlich,  und  es  ist  einige  Aehnlichkeit  dieses  Kör- 
pers mit  dem  Samen  von  Lucuma  mammosum  von  Mexico  nicht  zu  ver- 
kennen; bei  der  grofsen  Armuth  aber  an  Vegetabilien  im  Plänerkalke  von 
Strehlen,  welchem  dieser  Körper  entnommen  wurde,  müssen  sich  gegen  die 
vegetabilische  Natur  dieses  Körpers  schon  einige  Bedenken  einstellen. 


246 


KREBSE. 


4.  Ordu.  JProthesmia.  Haftkrebise« 

Sie  haben  im  reifen  Lebensalter  gewöhnlich  keinen  Kopf, 
insofern  das  Vorderende  des  Leibes  nur  etwas  verdickt  und  ab- 
g-erundet  ist  und  an  ihm  keine  Sinnesorgane  bemerkbar  werden. 
Wenigstens  sind  alsdann  keine  Augen  vorhanden.  Wo  die  Zahl 
der  Brustkastenringe  deutlich  nachzuweisen  ist ,  beti'ägt  dieselbe 
sechs.  Der  Hinterleib  fehlt  oder  hat  keine  Bewegungsorgane. 
(Burmeister.) 

Aus  dieser  Ordnung  sind  bis  jetzt  nur  die  Rankenfüfser  (fiir- 
ripedid)  im  fossilen  Zustande  bekannt.  Aufserdem  gehören  zu  ihr 
aber  noch  die  Schmarotzerkrebse  {SipJionostoma)  und,  nach  Bur- 
meister, auch  die  mikroskopischen  Räderthiere  {Rotatoriä). 

Cirripedia,  (statt  Cirrhopodd),  Rankenfüfser. 

Diese  Thiere,  welche  meistens  in  dicken,  kalkigen,  aus  meh- 
reren Stücken  gebildeten  Schaalen  stecken  und  damit  unbeweglich 
angeheftet  sind,  verdanken  ihren  Namen  den  sechs  Paar  geglie- 
derten, rankenförmigen  Bewegungsorganen  ihres  Rumpfes.  Kopf 
und  Hinterleib  fehlen.  Der  Mund  ist  in  der  Schaale  nach  unten, 
der  After  nach  oben  gekehrt. 

Die  lebenden  Cirripedien  sind  alle  Meeresbewohner. 

1.  G.  Pollicipes  Lam.  Fufsklaue.  Anatifera  etc.  Gray. 
(polleXj  Daumen;  pes^  Fufs.) 

Das  kalkige  Gehäuse,  welches  von  einem  langen,  lederartigen 
Stiele  getragen  wird,  besteht  aus  fünf  Hauptschaalenstücken  und 
mehreren  kleineren  Stücken  an  der  Basis. 

Die  Anordnung  dieser  Schaalen  ist  (Taf.  IX.  Fig.  20.)  aus 
der  idealen  Zeichnung  von  Pollicipes  Eausmamd  Dunker  und  Koch''") 
ersichtlich,  in  welcher  a.  die  unpaarige  hintere  Rand-  oder  Rücken- 
schaale, b.  die  beiden  gröfseren  hinteren  Seitenschaalen,  und  c. 
die  beiden  vorderen  Seitenschaalen  bezeichnet. 

P.  radial  US  Dunk.  u.  Koch,  norddeutsch.  Ool.  p.  35,  aus  dem 
unteren  Oohlh  bei  Holtensen,  scheint  die  älteste  Art  dieser  Gattung 
zu  sein. 

Häufiger  kommen  die  Pollicipeden  im  Kreidegebirge  und  in 
tertiären  Schichten  ^vor,  P.  cornucopiae  Leach  im  Mittelmeere  und 
P.  Mitella  im  chinesischen  Meere  vertreten  diese  Gattung  noch 
in  der  jetzigen  Welt. 

*)  Be  tr.  z.  Keniitn.  de.«  norddeutschen  Oolithengeb.  Braunschweig,  1837. 


CIRRIPEDIE?». 


247 


F.  Hausmanni  Dunk.  u.  Koch,  norddeutsch.  Oolith.  p.  52. 
tb.  6.  f.  6.  —  Hiernach  Taf.  IX.  Fig.  20.  21. 

Rückenschaale  (Fig.  20.  a.  u.  21.)  dreiseitig  pyramidal,  mit  brei- 
tem, stumpfem  Kiele;  hintere  Seitenschaalen  (b.)  rhomboidisch,  vorn 
mit  ein  bis  zwei  schmalen  Längsfalten;  vordere  Seitenschaalen  (c.) 
schief  dreieckig,  etwas  gewölbt  und  mehrentheils  mit  Längslinien, 
welche  die  stärkeren,  oft  wellenförmigen  queren  Zuwachsstreifen  durch- 
schneiden. 

Im  Hilsthone,  des  EUigser  Brinkes,  welches,  nach  Römer,  die 
unterste  Bildung  der  Kreideformation  in  Deutschland  ist. 

F.  Bronnii  Rom.    Kreide,   tb.  16.  f.  8.  —   Taf.  IX.  Fig.  22. 

—  Belemniten- Schnabel.  Nilss.  Petr.  Suec.  tb.  2.  f.  1.  2;  His.  Leth. 
Suec.  tb.  30.  f.  2;  Br.  Leth.  tb.  32.  f.  16;   Gein.  Char.  tb.  14.  f.  9. 

—  Anatifera  Nilssoni  Steenstrupp  (L.  Br.  J.  1843.  p.  864.).  —  Reufs, 
Böhm.  Kr.  tb.  5.  f.  40.  41;  tb.  12.  f.  4. 

Rückenschaale  (Fig.  22.),  welche  zur  Zeit  noch  allein  gekannt 
ist,  dreiseitig  pyramidal,  oben  zugespitzt  und  etwas  nach  vorn  ge- 
bogen. ,  Längs  der  Mitte  läuft  eine  scharfe  Kante  herab ,  welche  die- 
selbe in  zwei  dachförmige  Flächen  scheidet.  Diese  lassen  feine  Quer- 
linien erkennen,  welche  den  unteren,  an  der  Mittelkanle  unter  einem 
stumpfen  oder  rechten  Winkel  zusammenstofsenden  Kanten  parallel  laufen. 

Im  Hilsconglomerat  bei  Essen,  im  Plänerkalke  von  Sachsen  und 
Böhmen,  in  ähnlichen  Bildungen  an  vielen  Orten  in  Schweden,  im 
Petersberge  bei  Mastrichl. 

F.  gl  ab  er  Rom.  Kr.  p.  104.  Ib.  16.  f.  11.  —  ?  F.  gracilis  Rom. 
Kr.  p.  104.  tb.  16.  f.  14;  Gein.  Char.  p.  65.  tb.  17.  f.  16  —  18.  — 
Reufs,  Böhm.  Kr.  p.  17.  tb.  5.  f.  45  —  49;  tb.  13.  f.  86  —  91. 

„Rückenschaale  lang  keilförmig,  vorwärts  gar  nicht  übergebogen, 
gewölbt,  in  der  Mitte  gekielt,  an  den  Seiten  gewölbt;  Mitteischaalen 
rhombisch,  in  der  Mille  am  breitesten,  etwas  breiter  als  hoch,  in 
der  Milte  gekantet,  neben  dem  oberen  vorderen  Rande  mit  flacher 
Furche;  vordere  paarige  Schaalen  schinkenförmig,  gewölbt,  vorn  mit 
zwei  schwachen  Längskanten;  alle  Schaalen  sind  ziemlich  dünn  und 
fein  quergestreift,  nur  die  vorderen  zeigen  auch  feine  ausstrahlende 
Streifen.''  (Römer.) 

Im  Kreidemergel  am  Lindner  Berge  bei  Hannover,  im  Plänermergel 
und  Plänerkalke  von  Sachsen  und  Böhmen  nicht  selten. 

F.  radiatus  Sow.  b.  Fitton,  observ.  on  some  of  the  strata 
betw.  the  Chalk  and  Oxford -Ool.  tb.  11.  f.  6.  —  Rom.  Kr.  Ib.  16. 
f.   13.  —  Reufs,  Böhm.  Kr.  Ib.  5.  f.  42. 


248 


KREBSE. 


Fitton  und  Römer  bilden  rhombische ,  Reufs  dreiseitige  Seiten- 
schaalen ab,  von  deren  Spitze  scharfe,  divergirende  Linien  nach  un- 
ten strahlen. 

Es  ist  zweifelhaft,  ob  diese  Schaalen  aus  dem  unteren  Griin- 
sande  Englands ,  dem  Hilsthone  bei  Bredenbeck  und  dem  Plänerkalke 
von  Hundorf  in  Böhmen  zu  einer  Art  gehören,  jedenfalls  scheinen  sie 
von  P.  radiatus  aus  dem  unteren  Oolithe  verschieden  zu  sein. 

Viele  Arten  dieser  Gattung  sind  überhaupt  nur  nach  Seitenschaa- 
len, andere  nur  nach  Rückenschaalen  bestimmt  worden,  so  dafs  sich 
später  auch  wohl  hier  zeigen  wird,  dafs  die  grofse  Anzahl  der  Arten 
verringert  werden  müsse. 

Mehrere  andere  Arten  aus  der  Kreideformation,  welche  Steen- 
strup  in  der  Isis  1841  Sowerby  bei  Fitton,  Römer,  Reufs  a. 
a.  0.  bekannt  machen,  so  wie  P.  angustatus  Gein.  mufsten 
hier  übergangen  werden. 

P.  atitiquus  nennt  Michelotti  eine  Art  aus  den  mittlen  tertiären 
Bildungen  bei  Turin.    (L.  Br.  J.  1840.  p.  742.) 

P.  carinatus  Philippi  (L.  Br.  J.  1835.  p.  512.  tb.  4.  f.  3  —  9.) 
wurde  im  Tertiärkalke  von  Tremonti  bei  Messina  entdeckt. 

t  2.  G.  Lorica  Sow.  jun.  (lorica^  Panzer.) 

L.  pulchella  Sow.,  aus  der  oberen  Kreide  bei  Rochester,  ist 
nach  Bronn  (L.  Br.  J.  1844.  p.  384.)  ein  Mittelding  zwischen  gestiel- 
ten und  sitzenden  Cirripedien. 

3.  G.  Baianus  Lam.  Seetulpe.  Seeeichel,  (ßulavog^  Eichel.) 

Die  tulpenförmige  Schaale  der  Balanen  besteht  aus  sechs 
dreieckigen  Kalkschaalen,  welche  zu  einem  abgestutzten  Kegel  fest 
vereinigt  sind.  Dieser  sitzt  mit  einer  runden  Bodenscheibe  fest, 
und  seine  obere  ovale  Oeffnung  wird  durch  vier  bewegliche  Deckel- 
klappen geschlossen.  Eine  höchst  genaue  Schilderung  der  Bala- 
nen verdanken  wir  Bronn  in  den  Ergebnissen  seiner  Reisen  in 
Italien,  Bd.  2.  p.  486  u.  f.,  und  in  der  Lethaea  geognostica  p. 
1151  u.  f. 

Die  Thiere,  welche  von  diesen  Schaalen  eingeschlossen  sind, 
wohnen,  nach  Bronn,  am  Rande  des  Meeres  theils  beständig  un- 
ter Wasser,  theils  zeitweise  in  der  Luft,  innerlich  mit  einem  Vor- 
rathe  von  Wasser  versehen.    Sie  sitzen  an  Felsen  oder  anderen 


♦)  L.  Br.  J.  1843.  p.  863  u.  864. 

*♦)  Nachtrag  zur  Charakteristik  u.  s.  w.  p.  7.  tb.  4.  f.  10. 


CIRRIPEUIEN. 


249 


Körpern.  Ihre  zahlreichen  Arten  gehören  hauptsächlich  den  jünge- 
ren tertiären  Schichten  und  der  jetzigen  Schöpfung  an. 

Petzholdt  *)  entdeckte  den  Balanen  höchst  ähnliche  Körper 
in  dem  Schieferthone  der  Pottschappeler  Steinkohlenformation  bei 
Dresden.  Römer  führt  einen  kleinen  Baianus  aus  dem  Hilscon- 
glomerate  von  Essen  an  (Rom.  Kr.  p.  129.);  ^hr  vereinzelt  er- 
scheinen die  Balanen  im  Grobkalke,  häufiger  werden  sie  erst  in 
der  jüngeren  Tertiärformation  mit  der  Molasse,  dem  Crag  und 
den  Subapenninengebilden,  welche  letzteren  sie  besonders  zu  cha- 
rakterisiren  scheiaen. 

Einige  Arten  leben  gesellig,  wie  die  auf  Taf.  IX.  Fig.  19. 
abgebildeten  Balanen,  welche  man  häufig  zu  Maigen  bei  Eggen- 
burg in  Niederösterreich  auf  Ostreen  aufsitzend  findet,  andere  le- 
ben einzeln. 

Die  Eggenburger  Balanen,  welche  ich  Herrn  Professor  v.  Hol- 
ger verdanke,  erreichen  die  Höhe  von  2"  und  zeichnen  sich  beson- 
ders durch  einen  nach  unten  kegelförmig  verlängerten  Boden  aus.  Die 
einzelnen  Klappen,  welche  den  abgestutzten  Kegel  bilden,  haben  auf 
ihrer  Oberfläche  viele  unregelmäfsige ,  stumpfe  Längsrippen,  welche 
unter  der  äufseren  Oberfläche  scharfe  Lamellen  und  tiefe  Furchen  da- 
zwischen bilden.  Die  innere  Fläche  ist  quer  gestreift,  Sie  scheinen 
eine  noch  nicht  benannte  Art  zu  bilden,  und  in  diesem  Falle  würde 
ich  den  Namen  B.  Holgeri  vorschlagen. 

Aufser  einigen  von  Bronn  in  der  Lethaea  beschriebenen  Ar- 
ten wurden  die  Balanen  aus  den  jüngeren  tertiären  Meerwasser- 
gebilden Deutschlands  durch  Münster  bekannt. 

Anhang. 

t  Cyclus  de  Köninck  (descr.  des  anim.  foss.  p.  591.),  mit 
zwei  Arten  aus  dem  Kohlenkalke  von  Vise  und  Tournay,  hat  im 
Systeme  noch  gar  keine  Stellung  und  ist,  nach  Burmeister,  viel- 
leicht der  Abdruck  eines  Cephalothorax  von  der  Innenseite,  in 
welchem  Falle  er  eher  einem  Arachnoiden  als  einem  Crustaceum 
angehören  könnte. 

VIII.  Klasse.   Kermes.  Würmer. 

Gliederthiere  mit  langgestrecktem  Körper,  welcher  aus  mehr 
oder  weniger  deutlich  abgesetzten,  gleichen  Körperringeln  zusam- 


*)  Additamcnta  ad  Saxoniae  Palaeologiam,  1841.  th.  1 ;  L. Br.  J.  1842.  p.  402. 
*♦)  Beitr.  z.  Petr.  Hft.  3.  p.  27.  tb.  7. 


250 


WL'RiMKR. 


mengesetzl  ist.  Die  Bewegungsorgane  sind  ungegliedert  und  sitzen 
theils  an  einigen,  theils  an  allen  Ringen,  oder  fehlen. 

Fossile  Würmer  sind  bis  jetzt  nur  aus  der  Ordnung  der 
Annulaten  mit  Sicherheit  nachgewiesen  worden. 

Annulata^  Annelides.  Rundwürmer, 
Rotliwürmer. 

Der  Lumbricarien,  in  welchen  Münster  Würmer  zu  erblicken 
glaubte,  welche  der  Gattung  L\imbricus  L.,  dem  Regenwurme,  ver- 
wandt wären,  geschah  schon  unter  den  Fischen  Erwähnung, 
da  dieselben  von  Agassiz  für  die  Därme  von  Leptolepis  und  Thris- 
sops  erklärt  worden  sind. 

In  dem  fünften  Hefte  der  Beiträge  zur  Versteinerungskunde 
beschreibt  Münster  (p.  98.)  ein  wurmartiges  Fossil  aus  dem  Jura- 
schiefer von  Kelheim,  welches  er,  wegen  oberflächlicher  Aehn- 
lichkeit  mit  Hirudo^  dem  Blutegel,  Hirudella  angusta  nennt. 

Bestimmt  läfst  sich  in  der  Vorwelt  nur  das  Vorhandensein 
der  Röhrenwürmer  erkennen,  da  die  kalkige  oder  aus  verkit- 
tetem Sande  gebildete  Röhre,  in  welcher  dieselben  eingeschlossen 
waren ,  sich  zur  Erhaltung  im  fossilen  Zustande  wohl  eignete. 

1.  G.  Serpula  L.  Wurmröhre.  Serpula^  Spinorbis^ 
Vermilia  und  Galeolaria  Lam. 

"Das  cylindrische,  entweder  stielrunde  oder  flachgedrückte 
Thier  wird  von  einer  hinten  (am  Anfange)  geschlossenen ,  vorn 
(am  Ende)  off'enen  Kalkröhre  eingehüllt,  welche  sich  von  dem 
spitzen  Anfange  an  sehr  allmählig  nach  dem  off'enen  Ende  hin  er- 
weitert, mehr  oder  weniger  gebogen  und  gewunden  und,  theils 
einzeln,  theils  mit  mehreren  vereint,  auf  anderen  Körpern  auf- 
gewachsen ist. 

Auf  ihrer  inneren  Fläche  sind  diese  Röhren  stielrund  oder 
gerundet,  und  glatt,  auf  ihrer  äufseren  aber  häufiger  prismatisch 
und  kantig  als  cylindrisch,  nicht  selten  höckerig  und  durch  Wachs- 
thumsschichten quer  gestreift. 

♦)  S.  Coiolithen,  p.  149. 

**)  Nur  an  einigen  Individuen,  welche  auf  Inoceramus  Jironp^niarti  auf- 
sitzen, und  wahr^;cheinlich  zu  S.  deprcssa  Goldfufs  (Petr.  tb.  20.  f.  6.)  ge- 
hören, glaube  ich  das  in  Kalk  verwandelte  Thier  selbst  erkennen  zu  müssen, 
an  welchem  indessen  eine  Gliederung  nicht  bemerkbar  ist.  Dieselben  Indi- 
viduen zeigen  durch  quere,  blätterige  Zuwachsschichten  auch  »ehr  deutlich 
die  Art  des  Wachsthums  jener  Kalkröhren. 


■d 


RUNDWLRMB«. 


251 


Stellenweise  Anscliwellungen  der  Röhren,  welche  in  einigen 
Arten  bisweilen  bemerkt  werden,  scheinen  auch  Verdickungen  einzel- 
ner Ringe  des  Thieres  zu  entsprechen. 

Zahlreiche  Arten  von  Serpein  kommen  in  allen  Formationen, 
welche  überhaupt  Versteinerungen  führen,  vor,  und  werden  noch 
lebend  in  den  jetzigen  Meeren  gefunden. 

VortrelFliche  Abbildungen  und  Beschreibungen  der  wichtig- 
sten fossilen  Arten  finden  sich  in  dem  ersten  Theile  von  Gold- 
fufs's  Fetrefacla  Germaniae^  Düsseldorf,  1826  — 1833. 

S.  gordialis  y.  Schlotheim.  —  Taf.  XVI.  Fig.  20.  21.  22.  — 
S.  Plexus  Sow.  Min.  Conch.  tb.  598.  f.  1.  —  Goldf.  Pelr.  I.  p.  234 
u.  240.  tb.  68.  f.  8;  tb.  71.  f.  4.  —  Gein.  Char.  p.  65.  tb.  22. 
f.  7  —  11.  —  Reufs,  Böhm.  Kr.  p.  19. 

Glatte  und  runde,  fadenförmige  Röhren  von  -g- — l'^'  Dicke,  wel- 
che theils  schlangenförmig,  theils  spiralförmig  in  einer  Ebene  oder 
über  einander  gewunden  sind,  oder  auch  knäuelartige  Durchschling- 
ungen  bilden. 

Nach  Goldfufs  im  mittleren  Jura  bei  Streitberg,  Nettheim,  Hei- 
denheim und  in  der  Walkererde  bei  Buxweiler;  auch  fast  in  allen 
Schichten  der  Kreideformation.  lieber  dem  Quadersandsteine,  von  Ban- 
newitz und  Welschhufa  bei  Dresden  ist  eine,  dem  unteren  Pläner  ent- 
sprechende Sandschicht  von  ihnen  ganz  erfüllt,  im  Plänermergel  von 
Sachsen  sind  sie  in  glauconithaltigen  Kalkknollen  gewöhnlich,  und  die 
im  Plänerkalke  bei  Strehlen  häufig  auf  Muscheln  und  Seeigeln  auf- 
sitzenden Serpein  gleichen  am  mehrsten  den  Abbildungen  in  Fig  21 
u.  22.  Goldfufs  citirt  diese  Serpula  aus  der  Kreide  und  dem  Grün- 
sande von  Münster,  Paderborn,  Essen,  Osnabrück,  Mastricht,  Regens- 
burg und  England. 

S.  spirographis  Goldf.  (Petr.  I.  p.  239.  tb.  70.  f.  17.),  S.  par- 
mla  Münst.  (Goldf.  Petr.  I.  p.  239.  tb.  70.  f.  18.)  und  S.  implicata 
V.  Hagenow  (L.  Br.  Jahrb.  1840.  p.  668.  tb.  9.  f.  17.)  möchte  ich 
wieder  mit  S.  gordialis  Schi,  vereint  wissen. 

S.  valvata  Goldf.  I.  p.  225.  tb.  67.  f.  4.  Hiernach  Taf.  XVI. 
Fig.  23.'    In  natürlicher  Gröfse  und  vergröfsert. 

Die  glatte,  rundliche  Schaale  macht  zwei  spiralförmige  Umgänge, 
welche  an  Dicke  schnell  zunehmen  und  mit  schief  abgeschnittener 
Mündung  enden. 

Auf  Conchylien  des  Muschelkalkes  von  Bayreuth  und  Jena. 

S.  lumbilicata  v.  Hag.  in  L.  Br.  Jahrb.  1840.  .p.  666.  —  Taf. 
XVI.  Fig.  24.  a.  6.  c. 


252 


wCrmer. 


Vier  bis  fünf  gewölbte,  scheibenförmig  aufgerollte  und  mit  ein- 
ander verwachsene  Umgänge  sind  mit  der  einen  ganzen  Fläche  auf- 
gewachsen und  bilden  auf  der  anderen  einen  liefen  Nabel.  Längs 
des  äufseren  Randes  (Rückens)  der  Windung  läuft  eine  Furche. 

Im  Plänerkalke  von  Strehlen  und  in  der  Kreide  von  Rügen. 

S.  Rotula  Goldf.  I.  p.  237.  tb.  70.  f.  7.  —  Reufs,  Böhm.  Kreide- 
verst.  p.  18.  Ib.  13.  f.  94. 

An  Gestalt  und  Gröfse  der  vorigen  ähnlich,  jedoch  nicht  mit 
der  ganzen  Fläche  aufgewachsen,  mit  scharf  gekieltem  Rücken  und 
jederseits  mit  einer  Seitenfurche. 

Aus  dem  Grünsande  von  Regensburg  und  im  Plänerkalke  bei 
Bilin  in  Böhmen. 

S.  septemsulcata  Reich.  —  Taf.  XVI.  Fig.  18.  a.  b.  c,  — 
Gein.  Char.  p.  66.  tb.  22.  f.  6. 

Die  dicke,  durch  sieben  hohe  Längskiele  und  diesen  entspre- 
chende Zwischenfurchen  ausgezeichnete  Schaala  ist  regelmäfsig  halbkreis- 
förmig gekrümmt,  und  nimmt  an  Dicke  allmählig  zu.  Der  runden 
inneren  Höhlung  entsprechen  die  stielrunden  Steinkerne  dieser  Röhren. 

Im  unteren  Quader  (Bannewitz)  und  unteren  Pläner  von  Sachsen 
nicht  selten. 

Eine  ähnliche  Art  ist  S.  heptagona  v.  Hag.  (L.  Br.  Jahrb. 
1844.  p.  669.);  S.  sexsulcata  Münst.  (Goldf.  P.  L  p.  238  tb.  70. 
f.  13.)  unterscheidet  sich  aber  von  S.  septemsulcata  durch  das  Vor- 
handensein von  nur  sechs  Kielen.  Letztere  Art  stammt  aus  einer 
kalkigen  Schicht  über  dem  Eisensande  von  Amberg  und  ist  jurassisch. 

S.  tri  angularis  Münst.  —  Taf.  XVL  Fig.  19.  a.  b.  —  Goldf. 
P.  I.  p.  236.  tb.  70.  f.  4.  —  Gein.  Kiesl.  p.  7.  tb.  4.  f.  15. 

Schlangenförmig  gebogen,  dreiseitig,  mit  der  ganzen  Bauchseite 
und  einem  Saume  aufgewachsen.  Seiten  gewölbt,  mit  feinen  Anwachs- 
linien; Rücken  scharf,  oft  faltig  gekielt.  Zu  beiden  Seiten  des  Kieles 
läuft  eine  schwache  Furche.  Nicht  selten  verdickt  sich  die  Schaale 
zu  unregelmäfsigen  Ringen. 

S.  lophioda  Goldf.  Petr.  I.  p.  234.  tb.  120.  f.  2. 

Mit  schwächerem,  nur  linsenförmigem  Kiele. 

S.  Trachinus  Goldf.  Petr.  I.  p.  233.  tb.  120.  f.  1. 

Mit  höherem,  gekräuseltem  Kiele,  welcher  aber  vorn  verschwindet 
und  hier  einer  Furche  Platz  macht. 

S.  laevis  Goldf.  Petr.  I.  p.  236.  tb.  170.  f.  3. 

Ohne  deutlichen  Kiel  und  ohne  Furche,  und  mit  gewölbteren  Seiten. 

Es  scheinen  diese  drei  Arten,  so  wie  auch  S.  carinella  Sow. 
{Min.  C.  tb.  598.  f.  2.),   nur  Varietäten  von  S.  triamjularis  zu  sein, 


rünüwCrmer. 


253 


und  sie  gehören  sämmtlich  dem  Grünsande  Westphalens  und  dem  Plä- 
nerkalke  von  Strehlen  bei  Dresden  an. 

S.  carinella  bildet  Sowerby  aus  dem  Grünsande  von  Blackdown  ab. 

S.  filiformis  Sow.  —  Fitton,  observ.  on  the  str,  etc.  PI.  16. 
f.  2.  —  Taf.  XVI.  Fig.  25.  —  Parkins.  Org.  rem.  PL  7.  f.  2.  — 
S.  socialis  Goldf.  Petr.  I.  p.  233.  tb.  69.  f.  12.  —  Reufs,  böhm.  Kr. 
tb.  5.  f.  26, 

Die  langen,  dünn  fadenförmigen  und  glatten,  bald  rundlichen, 
bald  mehr  kantigen  Röhren  liegen  bündeiförmig  beisammen,  sind  mit 
einander  verwachsen  und  verschlingen  sich  in  einander. 

Schon  im  jüngeren  Uebergangskalke  der  Eifel,  häufiger  aber  in 
den  baierischen  und  schwäbischen  Oolithen  und  in  der  Walkererde  zu 
Navenne  und  Vesul  kommen,  nach  Goldfufs,  Formen  vor,  welche  die- 
ser Art  zugeschrieben  werden  können,  vorzugsweise  gehört  dieselbe  dem 
Grünsande,  und  zwar  den  Schichten  desselben  an,  welche  dem  unteren 
Pläner  von  Sachsen  oder  den  unmittelbar  darunter  liegenden  oberen 
Schichten  des  unteren  Quaders  entsprechen.  Kieslingswalda  in  der 
Grafschaft  Glatz,  die  von  Reufs  für  diese  Art  angeführten  Fundorte, 
so  wie  auch  Kreibitz  in  Böhmen,  Quedlinburg,  Regensburg  und  Black- 
down, von  welchen  Orten  man  diese  Serpein  kennt,  gehören  gerade 
in  diese  Region  der  Kreideformation. 

2.  G.  Terehella  Lara. 

Die  noch  an  den  Küsten  lebenden  Terebellen  bauen  sich  zu 
ihrer  Wohnung  eine  lange,  cylindrische,  sich  allmählig  erweiternde 
Röhre,  welche  sie  aus  verschiedenartigen  kleinen  Körpern  zusam- 
menkitten. 

T.  lapilloides  Münst.,  aus  dem  Jurakalke  von  Streitberg,  ist, 
nach  Bronn  (Leth.  p.  473.  tb.  27.  f.  19;  Goldf.,  Petr.  I.  p.  242.  tb.  71. 
f.  16.),  die  einzige  fossile  Art  dieser  Gattung. 


4 


C.  Gastrozoa.  Myxozoa.  Bauchthiere  oder 
Schleimthiere. 

Kein  symmetrisches  inneres  Knochengerüst,  keine  symmetrische 
Anordnung  der  Bewegungsorgane  ist  in  der  dritten  Hauptgruppe 
des  Thierreiches  zu  finden,  und  den  meisten  Schleimthieren  fehlt 
sogar  auch  der  Kopf  mit  den  Sinnesorganen.  Ihr  Leib  ist  ein 
blofser,  bald  mehr  rundlicher,  bald  flacher,  scheibenförmiger,  bald 
auch  länglicher,  aber  stets  ungegliederter  Sack,  in  welchem  die 
oft  sehr  vollkommen  entwickelten  Verdauungs-  und  Fortpflanzungs- 
organe stecken.  Bisweilen  finden  sich  an  ihm  einige  oder  viele 
regelmäfsige  Ausstrahlungen,  welche  entweder  ungegliedert  sind, 
0(]er  aus  einer  zahllosen  Menge  von  Gliedern  bestehen;  in  der 
Anzahl  dieser  Ausstrahlungen  aber  sieht  man  gewöhnlich  die  Zah- 
len fünf  oder  vier  vorwalten.  Bei  den  sack-  und  röhrenförmigen 
Bauchthieren  liegt  der  Mund  vorn,  bei  den  scheibenförmigen  in 
der  Mitte  an  der  Unterseite;  um  ihn  stehen  meistens  einziehbare 
Fühlfäden,  oder  lange,  hohle,  nicht  einziehbare  Fangarme.  Aus 
der  weichen,  schleimigen  Haut  dieser  Thiere,  welche  eine  grofse 
Neigung  zu  Abscheidungcn  von  kohlensaurem  Kalke  besitzt,  son- 
dern sich  bei  manchen  äufsere  kalkige  Schaalen  ab,  in  anderen 
entsteht  ein  inneres  Kalkgerüst,  andere  bleiben  aber  nackt  und 
schleimig. 

Die  Fortpflanzung  geschieht  bei  den  meisten  durch  das  Ei, 
und  nur  in  den  niedrigsten  Familien  durch  Theilung  und  Sprossen- 
bildung.   (Burmeister,  Grundrifs  der  Naturgeschichte,  Berlin,  1845.) 

IX,  Klasse.  Mollusca.  Weichthiere. 

Es  sind  symmetrische  Bauchtiere,  welche  meistens  einen  deut- 
lichen Kopf  und  Sinnesorgane  besitzen.  Ihr  weicher  Leib  ist  eine 
ziemlich  grofse,   fleischige  Höhle  mit  vorderer  Mundöfl'nung;  er 


WEICHTHIBRB. 


255 


wird  ganz  oder  zum  Theil  von  einem  weichen,  vielen  Schleim 
absondernden  Hautlappen,  dem  Mantel,  umhüllt,  welcher  an  den 
Seiten  des  Rückens  entspringt  und  die  kalkigen  Schaalen  absondert, 
von  denen  die  meisten  Weichthiere  umgeben  werden.  Unter  dem 
Mantel  liegen  zugleich  die  Athmungsorgane,  bei  den  meisten  fal- 
tige und  büschelförmige  Kiemen,  bei  anderen  eine  grofse,  faltige 
Lunge.  Alle  haben  einen  wahren  Darm,  mit  AfteröfFnung  und 
einer  grofsen  Leber.  Gefäfssystem,  Herz  und  Nervensystem  sind 
vorhanden.  Bei  den  meisten  bildet  die  untere  Kante  des  Bauches 
eine  fleischige  Schwiele,  auf  welcher  sie  fortkriechen,  und  die 
daher  den  Namen  Fufs  erhalten  hat.     (Burm.  Grundr.  d.  Naturg.) 

Diejenigen  Weichthiere,  welche  mit  Kalkschaale  bedeckt  sind, 
werden  vorzugsweise  Schaalthiere  genannt,  und  zwar  Schnecken 
{Cochleae^  testae),  wenn  das  Gehäuse  einschaalig  ist,  Muscheln 
(conchae)^  wenn  es  zweischaalig  ist,  und  Vielschaalige  (Viel- 
kammerige,  Polythalamia  Lam.  z.  Th.),  wenn  es  aus  mehreren  Schaa- 
len besteht.  Die  nähere  Eezeichnungsweise  für  die  Unterschiede  an 
dem  Gehäuse  wird  bei  den  verschiedenen  Ordnungen  selbst  angege- 
ben werden. 

Die  Mollusken  sind  in  unendlichen  Formen  über  die  ganze 
Erde  verbreitet.  Die  meisten  bewohnen  das  Meer,  andere  das 
Land,  wo  sie  sich  feuchte  und  kalkhaltige  Orte  auswählen,  eine 
kleine  Anzahl  nur  die  süfsen  Gewässer.  Die  Wasserbewohner  näh- 
ren sich  zum  gröfsten  Theile  von  AVasserthieren,  die  Landbewoh- 
ner von  Vegetabilien. 

In  allen  neptunischen  Gebirgsformationen,  und  zwar  schon 
in  den  ältesten  ihrer  Schichten,  treffen  wir  wohl  erhaltene  Schaa- 
len von  Weichthieren  an.  Wie  es  aber  in  allen  Klassen  der  Fall 
ist,  so  treten  auch  die  Mitglieder  dieser  Klasse  zuerst  mit  einem 
der  jetzigen  Welt  fremden  Charakter  auf,  gingen  wieder  unter  und 
wurden  durch  neue  Formen  ersetzt,  welche  denen  der  gegen- 
wärtigen Schöpfung  immer  ähnlicher  und  ähnlicher  wurden.  Nur 
sehr  wenige  ihrer  Gattungen  gehen  von  der  ersten  Schöpfungs- 
epoche bis  in  die  letzte  herauf. 

Sowohl  diesem  Umstände ,  der  grofsen  Mannichfaltigkeit  in 
den  verschiedenen  Familien,  Gattungen  und  Arten,  als  auch  dem 
grofsen  Reichthume  an  Individuen,  der  sich  zum  Theil  schon  im 
Grauwackengebirge ,  mehr  noch  aber  in  jüngeren  Gebirgsforma- 
tionen beurkundet,  und  der  kalkigen  Beschaffenheit  ihrer  Schaale, 
welche  zur  Erhaltung  im  fossilen  Zustande  vortrefflich  geeignet 
war,  und  wodurch  der  neueren  Geognosie  eine  so  kräftige  Stütze 


256 


WEICHTHIERE. 


geworden  ist,  verdankt  es  diese  Thierklasse,  dafs  die  ausgezeich- 
netsten Paläontologen  ihre  Untersuchungen  über  sie  vorzugsweise 
verbreiteten.  Dem  Vaterlande  wird  es  immer  zum  Stolze  gerei- 
chen, Arbeiten  die  seinen  zu  nennen,  wie  die  hier  folgenden  sind: 

Bronn:  Lethaea  geognostica.    Stuttgart,  1837  — 1838. 
v.  Buch:  Recueil  de  planches  de  petrißcations  remarquables.  Ber- 
lin, 1831. 

—  ExpUcation  de  irois  planches  d Ammonites. 

—  lieber  Ammoniten  und  ihre  Sonderung  in  Familien,  über  die 

Arten,  welche  in  den  älteren  Gebirgsschichten  vorkommen, 
und  über  Goniatites  insbesondere.    Berlin,  1832. 

—  lieber  Terebrateln.    Berlin,  1834. 

—  lieber  Delthyris  oder  Spirifer  und  Orthis.     Berlin,  1837. 

—  lieber  Goniatiten  und  Clymenien  in  Schlesien.    Berlin,  1839. 

—  lieber  Productus  und  Leptaena,    Berlin,  1842;  etc.  etc. 
Deshayes:  Vescription  des  coquilles  fossiles  des  environs  de  Paris. 

Paris,  1837. 

Goldfufs:  Petre facta  Germaniae.    Düsseldorf,  1826' — 1844. 
de  Köninck:  Vescription  des  animaux  fossiles.    Liege,  1842  — 
1844. 

Lamarck:  Histoire  naturelle  des  ßnimaux  sans  v>ertehres.  Paris, 
1815  — 1822.  Die  neue,  vermehrte  Auflage  dieses  Werkes 
von  Deshayes  und  Milne  Edwards  erscheint  seit  1835. 

d'Orbigny:  Paleontologie  frangaise.  Terrains  cretaces  et  Terr. 
jurassiques.    Paris,  1842  — 1845. 

V.  Schlotheim:  Die  Petrefactenkunde.  Gotha,  1820.  Mit  spä- 
teren Nachträgen. 

Sowerby:  Mineral- Conchology  of  Great - Britain.  1812  —  1830. 
Deutsch  bearbeitet  von  Desor  und  Agassiz.    Solothurn,  1842. 

V.  Zielen:  Die  Versteinerungen  Würtembergs.  Stuttgart,  1830 
— 1833.     (Durch  seine  Abbildungen  ausgezeichnet.) 

Andere  treffliche  Arbeiten  werden  theils  unter  den  Citaten, 
theils  in  dem  allgemeineren  Theile  dieses  Grundrisses  Erwähnung 
linden. 

1.  Ordn.    Cephalopoda.  Kopffufiser. 

Sie  haben  einen  deutlichen,  grofsen,  rundlichen  Kopf  mit 
zwei  grofsen  Augen  und  grofsen,  fleischigen,  mit  Saugnäpfchen 
besetzten  Fangarmen,  welche  um  den  Mund  herumstehen  und  zum 
Greifen  so  wie  zum  Rudern  dienen.     Im  Munde  liegen  zwei  einem 


kopffCssek. 


257 


Papageischnabel  ähnliche  Kiefern,  welche  man  öfters  fossil  in  dem 
Muschelkalke  findet,  und  eine  mit  Hornspitzen  besetzte  Zunge. 
Der  Leib  ist  von  einem  weiten,  sackförmigen  Mantel  umhüllt, 
welcher  am  Nacken  mit  dem  Thiere  verwachsen,  an  der  Kehle 
aber  frei  ist  und  hier  den  Eingang  zu  einer  Höhle  bildet,  in  wel- 
cher die  Kiemen  liegen  und  der  Mastdarm  mündet.  Der  Mantel 
umgiebt  entweder  am  Rücken  eine  hornige  oder  eine  poröse 
kalkige  Platte  (den  Sepienknochen  des  Tintenfisches,  der  Se- 
2na  ofßcmalis)^  oder  wird  selbst  von  einer  allermeist  vielkammer- 
igen  Schaale  mehr  oder  weniger  eingeschlossen.  Im  ersteren  Falle 
legt  sich  an  die  innere  Seite  jener  Platte  ein  länglicher  Beutel 
(Tinten sack)  an,  der  eine  braune  Flüssigkeit  (Sepie)  abson- 
dert, mit  welcher  das  lebende  Thier  zum  Schutze  gegen  äufsere 
Angriffe  das  Wasser  trübt;  im  letzteren  Falle  lebt  das  Thier  in 
der  einzigen,  oder  bei  Vorhandensein  von  mehreren  Kammern,  in 
der  vordersten  (obersten)  Kammer,  seinen  Schutz  gegen  schwächere 
Angriffe  wenigstens  in  der  es  umgebenden  Schaale  findend.  Jede 
der  einzelnen  Kammern  war  von  dem  Thiere  eine  Zeit  lang  be- 
wohnt, und  zwar  so  lange,  als  die  Gröfse  derselben  dem  Um- 
fange des  Thieres  genügte;  war  diefs  nicht  mehr  der  Fall,  so  hob 
sich  das  Thier  empor  und  bildete  unter  und  neben  sich  durch 
Abscheidung  einer  neuen  Kalkscheidewand  eine  neue,  gröfsere 
Kammer.  Durch  eine  Oeffnurig,  welche  entweder  innerlich  oder 
randlich  die  Kammern  durchbricht,  stellte  ein  faseriger  Strang 
(Nervenrölire,  Sipho)  die  Verbindung  von  allen  einzelnen  Kam- 
mern   mit  dem  lebenden  Thiere  her. 

Der  vordere  Theil  der  Schaale  wird  die  Mündung  (Mund- 
öffnung,  apertura)^  und  der  freie  Rand  derselben  der  Mundsaum 
genannt;  die  äufsere  Seite  bei  gewundenen  Schaalen  ist  die  Rücken- 
seite, die  innere  die  Bauchseite  ■•''). 

Die  Cephalopoden  sind  Meeresgeschöpfe,  und  beginnen  in 
grofser  Anzahl  schon  im  Grauwackengebirge  zu  erscheinen. 

A.    Dihranchiata  Owen  **).  Acetibulifera  d'Orbignj 

Cephalopoden  mit  zwei  Kiemen  und  mit  Saugnäpfen  an  ihren 
Fangarmen.     Der  Kopf  ist  deutlich  vom  Rumpfe  gelrennt. 


*)  Der  übrigen  Benennungen  halber  bitte  ich,  den  betreffenden  Artikel 
unter  den  Schnecken  einzusehen. 

*♦)  Wiegmann's  Archiv  f.  Naturgeschichte.  1839.  Bd.  2.  p.  203. 
*+*)  Pal.  fr.   Terr.  cret.  L  p.  28;  Terr.  jur.  I.  p.  32. 
Geinitz,  Versteineningskimde.  17 


258 


WEICHTfHERE. 


a.    Mit  acht  Fangarmen. 
1.  Faiii.   Octopoda,  AchtfüTser. 

Schaala  äufserlicli,  einkammerig  und  symmetrisch  oder  fehlend. 
Das  Thier  hat  acht  Arme  von  gleicher  und  bedeutender  Länge, 
und  der  Mantel  keine  seitlichen  Flossen.  (Burm.) 

Nacktschaalige  hat  man  bis  jetzt  noch  nicht  fossil  gefunden. 

1.  G.  Argonauta  L.  Papiernautilus.  (^Argonauten.  Griech.  Myth.) 

Das  Thier  steckt  in  einer  kahnfürmigen ,  quer  gerippten, 
dünnen,  zerbrechlichen  Schaale;  zwei  seiner  mit  zwei  Reihen  Saug- 
näpfchen besetzten  Arme  sind  am  Ende  flossenartig  erweitert  und 
dienen  als  Segel. 

A.  argo  L. ,  die  im  Mittelmeere  lebt,  wurde  durch  Monda  in 
blauen  tertiären  Mergeln  zu  Cornigliano  in  Piemont  (L.  Br.  J.  1838. 
p.  459),  durch  Sismonda  bei  Turin  (L.  Br.  J.  1839.  p.  488;  1844. 
p.  117.)  gefunden. 

t  2.  G.  Bellerophon  Montfort.  (Griech.  Myth.) 

Schaale  eng -Spiral  eingerollt,  kugelförmig,  oder  vom  gerun- 
deten, in  der  Mitte  meist  gekielten  Rücken  her  platt  gedrückt. 
Die  Windung  wird  vom  letzten  Umgange  eingeschlossen  oder  ist 
von  beiden  Seiten  im  doppelten  Nabel  noch  etwas  sichtbar.  Münd- 
ung bogenförmig,  oft  an  beiden  Seiten  etwas  verlängert.  (Bronn, 
Leth.  p.  96.) 

Es  vertritt  diese  Gattung  die  vorige  im  Grauwackengebirge, 
in  dessen  oberer  (devonischer)  Abtheilung  sie  häufig  vorkommt. 

B,  hiulcus  Sow.  Min.  Conch.  tb.  470.  f.  1.  —  Taf.  X.  Fig.  1. 
a.  b.  c.  —  De  Köninck  a.  a.  0.  p.  348.  tb.  27.  f.  2. 

Schaale  sehr  eng  genabelt;  Rücken  breit,  gerundet  und  flach 
gekielt;  Oberfläche  parallel  dem  Mundsaume  dicht  gestreift;  in  der 
Nähe  des  Kieles  biegen  sich  jedoch  die  Streifen  schnell  rückwärts 
gegen  denselbe;i.     Bis  grofs. 

Häufig  im  Kohlenkalke  von  Tournay  und  Vise  in  Belgien,  Har- 
lingstone  und  Cronstone  in  Derbyshire,  Bolland  in  Yorkshire,  in  Ir- 
land, bei  Coalbrookdale ,  nach  Castelnau  am  Brie -See  in  Nordamerika, 
und  bei  Altwasser  in  Schlesien. 

B.  decussatus  Flemming.  Taf.  X.  Fig.  3.  Nach  de  Köninck, 
p.  339.  tb.  29.  f.  2.  u.  Ib.  30.  f.  3. 

Von  der  vorigen  Art  durch  spiralförmige  Linien  unterschieden, 
welche  sich  mit  sehr  feinen  Zuwachslinien  kreuzen. 


KOPFFtSSER. 


259 


In  denselben  Schichten  von  Belgien,  Schlesien,  Yorkshire  und 
in  devonischer  Grauwacke  von  Pfaffrath. 

Wie  viele  Arten  aufser  diesen  beiden  besonders  aus  devonischer 
Grauwacke  noch  hervorgezogen  wurden,  geht  aus  de  Koninck's  Werk 
und  aus  der  schon  mehrfach  citirten  Uebersicht  paläozoischer  Ver- 
steinerungen von  Archiac  und  Verneuil  hervor. 

b.    Mit  zehn  Fangarmen. 
2,  Fand.  Xeuthidae»  (Ijongmeen.) 

(rtvd^ig^  eine  Art  Tintenfisch.) 

Längliche  Thiere,  denen  eine  äufsere  Schaale  fehlt,  und  die 
eine  dünne,  hornige  Rückenplatte  (Schulpe)  enthalten,  welche 
mehr  oder  weniger  die  Form  einer  Feder  hat  und  hinten  (unten) 
bisweilen  mit  einem  kleineren  oder  gröfseren  Kegel  endet.  Als 
nackte  Cephalopoden  besitzen  sie  auch  einen  Tintenbeutel.  Von  den 
zehn  Armen,  welche  sämmtlich  an  ihrem  Ende  mit  Saugnäpfchen 
bedeckt  sind,  sind  gewöhnlich  zwei  viel  länger  als  die  anderen 
acht,  und  werden  an  ihrem  Ende  breiter.  Aus  den  Saugnäpfen 
der  längeren  Arme  ragen  bei  der  lebenden  Ony  choteuthis  (Lich- 
tenstein) gekrümmte  Haken  von  horniger  Substanz  hervor,  wie  diefs 
bei  keiner  anderen  lebenden  Gattung  mehr  vorkommt. 

1.  G.  Loligo  Lam.  Calmar. 

Das  Thier  der  Loligo  ist  verlängert;  ihr  Mantel  breitet  sich 
hinten  zu  zwei  dreieckigen  Hautlappen  aus;  die  Rückenplatte  ist 
schmal,  lancett-  oder  degenförmig,  und  gleicht  in  der  lebenden  L. 
vulgaris  sehr  einer  Schreibfeder. 

L,?  Schübleri  Quenstedt,  das  Flötzgebirge  Würtembergs ,  Tü- 
bingen, 1843.  p.  254.  —  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  37.  f.  L  —  Hiernach 
Taf.  XH.  Fig.  8.  (J). 

Eine  dünne,  breit  pfeilförmige ,  etwas  trapezoidale ,  unten  oval 
sich  erweiternde,  oben  spitz  zulaufende  Rückenplatte,  mit  dickem  mitt- 
lerem Kiele. 

Im  Liasschiefer  von  Boll  in  Würtemberg. 

Es  scheint  diese  Art  unter  den  als  Loligo  beschriebenen  noch 
am  sichersten  dieser  oder  der  folgenden  Gattung  zugezählt  werden 
zu  können.     L.  Bollensis  oder  L.  Aalensis  gehört  zu  den  Belemniten. 

L.  subsagittata  Miinst.  Beitr.  z.  Pelr.  Hft.  1.  (2.  Aufl.)  p.  107. 
tb.  10.  f.  3. 

17.. 


260 


WEfCHTIlIERE. 


Eine  Rückenpiatie  aus  den  lithographischen  Schiefern  von  Eich- 
städt, welche  nach  Münster  der  der  lebenden  Loligo  sagüta  am  ähn- 
lichsten sein  soll. 

2.  G.  Sepioteuthis  Blainv.  (oipla^  Tintenfisch;  Twd\c.) 

.Von  Loligo  dadurch  unterschieden,  dafs  die  seitlichen  Haut- 
lappen sich  längs  des  ganzen  Körpers  herabziehen.  Die  innere 
Rückenplatte  wird  breiter  als  die  von  Loligo. 

Nach  d'Orbigny  (L.  Br.  J.  1844.  p.  116.)  und  Fielet  {tr.  elem. 
de  Paleont.  IL  p.  317.)  finden  sich  Ueberresle  dieser  Gattung  im  Lias 
von  Deutschland,  und  vielleicht  gehört  Z,ö%o  Schiibhri  hierher. 

t  3.  G.  Teuthopsis  (Teudopsis)  Deslongchamps.  (jiv&\g; 
oipig^  Aussehen.) 

Die  hornigen  Rückenplatten  sind  mehr  spateiförmig,  erwei- 
tern sich  vorn  eiförmig,  verengen  sich  allmählig  nach  hinten, 
und  haben  einen  mittleren,  stark  hervortretenden  Kiel. 

T.  Bunellii  Deslongch.  —  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terrains  juras- 
siques^  PL  1.     Es  ist  die  einzige  bekannte  Art. 

Auf  der  ei -lanzettförmigen,  5''  langen  Rückenplatte  liegt  ein 
wenig  über  l''  langer  Tintenbeulel. 

In  der  Juraformation  von  Calvados. 

t  4.  G.  Acanthoteuthis  (früher  Kelaenö)  Münst.  Enoplo- 
teuthis  d'Orb.   {äy.avd-a^  Stachel;  rfvd^tg.) 

Ihrem  länglichen  Körper  und  der  Form  ihres  Kopfes  nach 
gehört/ Acanthoteuthis  nur  in  diese  Familie,  wiewohl  man  bis  jetzt 
nur  die  acht  kürzeren,  nicht  auch  die  beiden  längeren  Kopfarme 
kennt.  Jeder  der  ersteren  ist  seiner  ganzen  Länge  nach  mit  zwei 
Reihen  gekrümmter  Häkchen  besetzt,  welche  aus  den  Saugnäpfen 
hervorragen.  Wie  schon  erwähnt,  kommen  solche  Häkchen  unter 
den  lebenden  Gattungen  nur  an  den  längeren  Armen  von  Onycho- 
teuthis  Lichtenstein  vor,  während  die  Saugnäpfe  der  kürzeren  Arme, 
nach  R.  Wagner,  höchstens  hornige,  gezähnelte  Ringe  tragen. 

A.  speciosa^  A.  Ferussacii  und  A.  Lichtensteinii  Münst.  (Beitr, 
z.  Petr.  2.  Aufl.  Hft.  1.  p.  105  —  106.  tb.  9.  u.  tb.  10.  f„  1.  2.)  wur- 
den von  d'Orbigny  {Pal.  f.  terr.  jur.  p.  140.)  mit  Recht  zu  einer 
Art  wieder  vereinigt. 

Die  wahrscheinlich  zu  dieser  Art  gehörenden  Rückenplaiten  (d'Orb. 
Pal.  fr.  terr.  jur.  p.  140.  tb.  23.  f.  1.)  sind  sehr  schmal  und  glei- 
chen einem  dreischneidigen  Degen.  Münster  hatte  dieselben  Onycho- 
teuthis  angusta,  0.  lata  und  0.  tricarinata  genannt. 


kopffOsser. 


261 


Im  lithographischen  oder  kalkigen  Schiefer  von  Solenhofen,  Eich- 
städt und  Daiting,  und  in  einem  bituminösen  Schiefer  des  oberen  Jura 
des  Dep.  de  l'Ain. 

Die  von  Münster  beschriebenen  breiteren  Arten,  mit  lancett- 
förmigem  Ende,  wie  A.  hrevis  Miinst.  (Beitr.  5.  p.  97.  tb.  1.  f.  3.), 
dürften  wohl  eher  von  Belemniten  herzuleiten  sein. 

5.  G.  Ommastrephes  d'Orb.  •).  (ofn/iia^  Ansehen;  pr^icfM^ 
ich  kehre  um.) 

Die  lange,  schmale,  degenförmige  Rückenplatte  hat  einen 
mittleren  Kiel  und  endet  hinten  mit  einem  umgekehrt-  und  schief- 
kegelförmigen Körper,  welcher,  da  er  hohl  ist,  einem  Schöpf- 
eimer gleicht.    (Pictet,  Pal.  IL  p.  320.  tb.  14.  f.  8.) 

Die  wenigen'  Arten  kommen,  nach  d'Orbigny,  in  der  Jurafor- 
mation und  noch  lebend  vor. 

t  6.  G.  Conoteuthis  d'Orb.  {xwvog^  Kegel;  Twdig.) 

Von  der  vorigen  Gattung  nur  dadurch  verschieden,  dafs  sich 
in  dem  eimerartigen  Kegel  Querscheidewande  befinden,  wie  in 
der  Höhlung  der  Belemniten,  wodurch  es  den  Uebergang  von 
Ommastrephes  zu  den  Belemniten  macht.  (d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er. 
L  p.  620.) 

C.  Dupiniana  d'Orb.  wurde  dem  Neocomien  Frankreichs  ent- 
nommen. 

3.  Fam.  ^epiadae. 

Die  Sepien  haben  einen  viel  breiteren  und  gedrungeneren 
Körper  als  die  Loligineen ,  welchem  auch  eine  starke ,  breite, 
kalkige  Rückenplatte  entspricht;  letztere  endet  hinten  in  einer 
Spitze. 

7.  G.  Sepia  L.  Sepie.  Tintenfisch.  Seche.  Seiche. 
Die  Rückenplatte  der  lebenden  S.  ofßcinaUs  ist  unter  dem 
Namen:  Sepienknochen,  os  sepiae^  .allgemein  bekannt.  Sie  ist 
oval,  länglich  elliptisch,  hat  in  der  Mitte  einen  breiten,  flachen 
Längskiel,  endet  hinten  in  einer  kleinen,  festen  Spitze,  und  besteht 
aus  einer  porösen  Kalkmasse,  welche  äufserlich  von  einer  hornig- 
perlmutterartigen  Schicht  bedeckt  wird.  Die  erstere  ist  durch 
wellenförmige  Streifen  geziert,  auf  der  letzteren  sieht  man  von 
der  Endspilze  eine  Menge  Linien  ausstrahlen,  welche  von  con- 
centrischen  Linien  durchkreuzt  werden.    (Vergl.  Belemnites.) 

*)  D'Orbigny  schreibt  bisweilen  Omnastrephes  oder  Omastrephes  ^  wel- 
ches jedenfalls  Druckfehler  sind. 


262 


WBICHTHIBRE. 


S.  hastiformis  Büppell,  Abbild,  u.  Beschreib,  einiger  neuen 
oder  wenig  gekannten  Versleinerungen.  Frankf.  a.  M.  1829.  tb.  3.  f.  2. 

Eine  dem  gewöhnlichen  Sepienknochen  ähnliche  Rückenplalte  aus 
dem  lithographischen  Schiefer  von  Solenhofen. 

t  8.  G.  Belosepia  Voltz.  (ßeXog^  Pfeil;  ofjma.) 

Die  hierunter  begrilFenen  fossilen  Körper  entsprechen  den 
hinteren  Theilen  der  gewöhnlichen  Sepienknochen,  von  denen  sie 
sich  nur  durch  etwas  andere  Dimensionen  unterscheiden,  so  dafs 
man  Belosepia  nur  als  Untergattung  von  Sepia  betrachten  kann. 
Arten  tertiär. 

B.  Cuvieri  Voltz  (Beloptera  Cuv.  u.  Belopt.  sepioidea  de  Blainv.), 
Er.  Leth.  p.  1127.  tb.  42.  f.  19. 

Häufig  im  Grobkalke  des  Pariser  Beckens  und  in  Belgien. 

t  9.  G.  Beloptera  Desh.  {ßtlog;  uTiQov^  Flügel.) 

Der  kalkige  innere  Knochen  ist  länglich,  vorn  fast  cylindrisch 
verlängert,  läuft  hinten  in  einen  stumpfen  Schnabel  aus  und  hat 
an  beiden  Seilen  eine  fliigelartige  Ausbreitung.  Der  cylindrische 
Theil  enthält  eine  conische,  gehämmerte  Höhlung,  welche  der 
Alveole  der  Belemniten  zu  vergleichen  ist.    Arten  tertiär. 

B.  belemnitoidea  Blainv.  {Sepia  parisiensis  d'Orb.),  Br.  Leth. 
p.  1129.  tb.  42.  f.  18.  —  Pict.  Pal.  p,  315.  tb.  14.  f.  2. 

Im  Grobkalke  zu  Grignon. 

B.  an 0 mala  Sow.  Min.  Conch.  tb.  591.  f.  3 — 5. 
Aus  dem  Londonthone  von  Highgate. 

4.  Farn.   Belemnitidae»  Belemniten. 

t  10.  G.  Belemnites  Breyn.  {Cetocis^  Acamas,  Thalamus^ 
Callirhoe  und  Paclites  Montfort         Actinocamax  Miller; 
Pseudolebus  Blainv.;    Belemnosepia  Agassiz  und  Buckland; 
B elopeltis  Voltz;  Belemnitella  d'Orbigny.) 
{ßtltl-ivov^  Geschofs,  Wurfspiefs.) 

Wer  an  der  Küste  von  Pommern  und  auf  der  Insel  Rügen 
umherwanderte,  dem  blieben  auch  jene  Körper  nicht  fremd,  die 
an  vielen  Orten  so  häufig,  und  fast  überall  unter  dem  Namen  der 
Donnerkeulen  bekannt  sind.  Längst  auch  haben  sie  schon  die 
Aufmerksamkeit  auf  sich  gezogen.  Die  Alten  sollen  sie,  als  an- 
geblich von  Jupiter  berührt,  heilig  verehrt  haben,  und  auch  in 

"f)  Bronn,  Leth.  p.  402,  u.  im  Jahrb.  f.  Min.  a.  a.  O. 


kopffCsser. 


263 


späteren  Zeiten  erklärte  man  ihren  Ursprung  noch  auf  die  man- 
nichfachste  Weise.  Die  wahre  Natur  der  Belemniten  ist  indefs, 
nach  wichtigen  Vorarbeiten  von  Münster  *),  Quenstedt*'"),  Voltz 
Buckland  und  Agassiz  t) ,  d'Orbigny  tt)  u.  A. ,  erst  in  der  neue- 
sten Zeit  durch  Owen  ttt)  dargethan  worden.  Nach  jenen  in 
England  gefundenen  Exemplaren  sind  an  der  zusammengesetzten, 
inneren  Schaale  der  Belemniten  folgende  Theile  zu  unterscheiden: 

1)  Die  Scheide  {rostre  d'Orb.,  guard  Ow.),  welche  der 
Spitze  eines  Wurfspiefses  gleicht,  sich  gewöhnlich  allein  noch 
erhalten  hat  und  zu  dem  Namen  Belemnit  Veranlassung  gab.  Diese 
spitzt  sich  hinten  (unten)  zu,  und  erweitert  sich  vorn  (oben,  an 
der  Basis),  wo  sich  eine  kegelförmige  Höhlung  (Alveole)  in  die- 
selbe einsenkt.  Sie  besteht  aus  spathigem  Kalke,  welcher  sich 
in  concentrischen  Schichten  um  die  Achse  der  Scheide  so  abge- 
setzt hat,  dafs  er  im  Längsdurchschnitte  (Taf.  XII.  Fig  21.  e.) 
hyperbolische  Linien,  im  Querdurchschnitte  aber  (Taf.  XII.  Fig. 
15.  a.  b;  Fig.  19.  a.  b;  Fig.  21.  a.  b.)  radiale  und  concen- 
trische  Linien  erkennen  läfst.  Die  Exemplare  aus  der  Kreide  sind 
gewöhnlich  verkieselt,  welcher  Frocefs  dann  von  der  Oberfläche 
aus  erfolgt  ist. 

2)  Der  Alveolit  {Phragmacone  Owen.  Taf.  XIL  Fig.  21.6/.) 
oder  der  gekammerte  Schaalentheil ,  welcher  in  der  conischen 
Höhlung  an  der  Basis  des  Belemniten  steckt.  Seine  Scheidewände 
sind  nach  aufsen  concav  und  werden,  analog  denen  der  lebenden 
Spirula^  an  der  meist  breiteren  Bauchseite  von  einem  randlicheu 
Sipho  durchbrochen.  Sie  bestehen  hauptsächlich  aus  Perlmutter- 
substanz, die  auf  beiden  Seiten  mit  einer  dünnen  Lage  einer  wei- 
fsen,  zerbrechlichen  Kalkmasse  überzogen  ist. 

3)  Der  ho  r  nig- kalkige  Knochen  {osselet  dOrb.),  wel- 
cher an  der  Spitze  der  Alveole  beginnt,  als  dünne  Decke  dieselbe 
auskleidet,   und  so  den  Alveolit  von  der  Scheide  des  Belemniten 


*)  Bemerkungen  zur  näheren  Kenntnifs  der  Belemniten.  Bayreuth,  1830. 
**)  Ueber  Loligo  Bollensis,  in  L.  Br.  J.  1839.  p.  156.  u.  a.  a.  O. 
***)  Ueber  Actinocamax  y  in  L.  Br.  J.  1839.  p.  522;  über  Belopeltls, 
in  L.  Br.  J.  1840.  p.  342.  742;  1841.  p.  623. 

i)  Geologie  und  Mineralogie,  I.  p.  410.  u.  f.  II.  tb.  38  u.  44'. 
-{•f)  Paleontologie  frangaise, 

ftf)  A  Description  of  certain  Belemnites ,  preserved,  with  a  great 
Proportion  of  their  Soft  Parts  ^  in  the  Oxford  Clay  at  Christian  Malford, 
Wilts.  In  the  Quaterly  Journal  of  the  Geological  Society.  London,  1845. 
p.  119. 


264  WEICllTHIEHE. 

trennt,  sich  aber  dann  mehr  oder  weniger  weit  über  die  letzte 
Scheidewand  des  Phragmacones  erstreckt,  um  die  breite  vordere 
Eingeweidekammer  zu  bilden,  welche  den  Tintenbeutel  und  einige 
andere  innere  Theile  d^es  Belemniten  enthält.  Diese  Kammer  ist 
nur  unten  dutenförmig  geschlossen,  und  breitet  sich  nach  oben 
hin  als  ein  mehr  oder  weniger  erweitertes  Rückenschild  {Belo- 
peltis^  wozu  auch  Loligo  Bollensis  gehört)  aus  (Taf.  XII.  Fig,  12, 
unvollkommen;  Taf.  XXllI.  Fig.  9.  a.  b.).  Es  besteht  dieser  Knochen 
aus  dünnen  Lagen  hornig-kalkiger,  mit  Perlmuttersubstanz  bekleide- 
ter Masse,  und  entspricht  den  beiden  Gattungen  Ommastrephes  und 
Conoteuthis^  so  wie  auch  der  convexen,  breiten,  hinteren  Platte 
des  Sepienknochens,  während  die  kleine  Endspitze  des  letzteren 
der  Scheide  des  Belemniten,  und  die  Reihe  der  Querplatten  in 
jener  nebst  dem  porösen,  kalkigen,  durch  wellenförmige  Quer- 
streifen ausgezeichneten  Theile  den  Querscheidewänden  des  Be- 
lemniten -  Alveoliten  entspricht. 

Das  Thier  des  Belemniten,  welches  Owen  nach  den  englischen 
Exemplaren  sehr  genau  kennen  lehrte,  zeichnete  sich  durch  acht 
lange,  emporstehende  Fangarme  aus,  von  denen  jeder  15  —  20 
Paar  Haken  trug,  die  aus  den  Saugnäpfen  entspringen,  ein  Cha- 
rakter, der  aufserdem  nur  noch  der  lebenden  OnycJwteuthis  und 
der  fossilen  Acanthoteuthis  zukommt.  Die  beiden  herabhängenden 
Arme  sind  nur  unvollständig  gekannt.  Zwei  halbkreisförmige  Vor- 
sprünge, die  mit  ihrer  concaven  Seite  gegen  einander  gekehrt 
sind,  einem  gekrümmten  Bande  von  1'"  Höhe  und  1"'  Breite  glei- 
chend ,  erkannte  Owen  als  die  Augen  des  Thieres. 

Aufser  einem  ovalen  Tintenbeutel,  in  welchem  sich  häufig 
noch  die  erhirtete  Sepie  ■■*')  vorfindet,  und  dem  Darm,  sind  auch 
noch  zwei  Seitenflossen,  häutig- faserige  Ausbreitungen  des  Man- 
tels, von  halb -eiförmigem  Umrisse  bekannt,  deren  breiter  Theil 
vorn  liegt,  von  wo  aus  sich  dieselben  nach  hinten  allmählig 
verengen. 

Die  Kiefern  dieser  Thiere  scheinen  hornig  gewesen  zu  sein, 
da  man  in  Begleitung  der  Belemniten  keine  kalkigen  findet.  Die 


*)  Die  fossile  Sepie  ist  hart,  zerbrechlich,  läfst  sich  zu  einem  dunkel- 
braunen Pulver  zerreiben  und  hat  beim  Gebrauche  einen  etwas  dunkleren 
Ton  als  die  römische  Sepie.  Römer  fertigte  schon  seit  längerer  Zeit  seine 
Handzeichnungen  mit  Sepie  von  Loligo  Bollensis  an,  welche  man  nur  mit 
Wasser  und  etwas  Gummi  stark  einzureiben  braucht,  um  sie  sofort  benutzen 
zu  können. 


KOPFFlSSER. 


265 


Dicke,  zu  welcher  der  graue,  musculöse  Mantel  zusammengedrückt 
worden  ist,  betrug  nach  Owen  l'"- 

Ihrer  relativen  Gröfse,  Form  und  Stellung  der  Seitenflossen 
nach,  glichen  die  Belemniten,  nach  Owen,  den  lebenden  Gattungen 
Rossia  und  Sepiola^  und  vereinigten  aufserdem  Charaktere  der 
Sepia ^  des  Onychthoteuthis  und,  wegen  der  Lage  des  randlicli- 
ventralen  Siphos  auch  mit  Spirula. 

Die  mit  unzählbaren  "  )  Namen  belegten  Arten  der  Belemni- 
ten sind  auf  das  Oolithengebirge  und  Kreidegebirge  beschränkt. 
Unter  ihnen  kann  ich  hier  nur  einige  der  wichtigsten  herausheben. 

Sie  zerfallen,  nach  Münster  (a.  a.  0.)  und  nach  v.  Buch 
(über  den  Jura  in  Deutschland,  p.  33.),  nach  ihrer  Scheide  in 
folgende  drei  Gruppen: 

1)  Belemniten  mit  einer  kurzen,  allein  selbst  in  den  Alveo- 
liten noch  einschneidenden  Spalte  an  der  Basis  der  Scheide, 
welche  jederzeit  auf  der  breiteren,  dem  Sipho  gegenüber  liegenden 
Rücken  Seite  ■■'■■0  die  Mitte  einnimmt. 

Sie  gehören  ausschliefslich  der  oberen  Kreideformation  an, 
und  d'Orbigny  vereinigte  sie  unter  dem  Gattungsnamen  Beiern- 
niiella  d'Orb. 

B.  mucronatus  Schloth.  —  Taf.  XII.  Fig.  20.  (f).  —  Brongniart, 
desc.  geol.  des  env.  de  Paris,  1822.  tb.  3.  f.  ].  — ■  Nilsson,  Petrißcata 
Suecana,  tb.  2.  f.  1.  A.  £.  —  Hisinger,  Lethaea  Suecica,  tb.  10.  f.  6. 
—  Sow.  Min.  Conch.  tb.  600.  f.  1.  2.  3.  —  Mantell,  Geology  of 
Sussex,  tb.  16.  f.  1.  —  Br.  Leth.  tb.  33.  f.  10.  11.  —  d'Orb.  Pal. 
fr.  terr.  er.  I.  tb.  7. 

Die  rauhe,  fast  cylindrische  Scheide,  die  sich  nach  hinten  zu 
erst  sehr  wenig  verengert  und  bisweilen  sogar  sich  etwas  verdickt, 
ist  an  der  Basis  stumpf  dreikantig,  wird  allmählig  plattrund  und  endet 
hinten  ziemlich  schnell  mit  einer  kurzen,  pfriemenförmigen  Spitze.  Die 
Mitte  der  Bauchseite  ist  an  der  Basis  kielartig  erhöht  und  von  zwei 
flachen  Furchen  eingefafst,  welche  schwach  von  einander  divergiren 
(so  dafs  der  Kiel  nach  hinten  zu  flacher  und  breiter  wird),  in  der 
Nähe  der  Endspitze  die  Seite  erreichen,  jederseits  nur  noch  als  zwei 


*)  Den  Belemnites  dilatatus  Blainville  z.  B.  zertrennte  allein  Raspail 
in  32  (!)  verschieden  benannte  Arten ,  welche  indefs  alle  durch  d'Orbigny 
(Pal.  fr.  Terr.  cret.  p.  39.)  wieder  eingezogen  wurden.  Die  Bemühungen 
V.  Buch's,  Bronn's,  Quenstedt's  und  einiger  Anderen,  die  Errichtung  neuer 
Arten  zu  beschränken,  finden  leider  noch  immer  nur  bei  Wenigen  Nach- 
ahmung. 

+*)  Diese  Seite  wurde  bisher  häufig  als  Bauchseite  bezeichnet. 


266 


WEICIITIKERE, 


verlieffe  Linien  sichtbar  sind,  und  sich  verlieren,  ehe  sie  die  Spitze 
erreichen.     Alveole,  Alveolit  und  Spalt  sind  lang. 

Diese  Art  ist  leitend  für  das  obere  Kreidebirge ,  und  findet  sich 
häufig  in  der  weifsen  Kreide  von  Rügen,  Dänemark  (auf  Moen),  Eng- 
land (Brighton  und  Lev^es  in  Sussex,  Danes  Dike  in  Yorkshire),  Ir- 
land, Frankreich  (an  vielen  Orten);  überall  in  Kreide  und  Kreide- 
mergel von  Polen,  Schweden  (Kjugestrand  und  Köpinge);  im  Kreidetuff 
bei  Mastricht  u.  s.  w. 

2)  Belemniten  mit  einer  mittleren  Rinne  auf  der  Bauch- 
seite, dem  Sipho  zunächst,  welche  gewöhnlich  nur  in  die  oberen 
Lagen  der  Scheide,  bisweilen  aber  auch  bis  an  die  Alveöle  ein- 
schneidet, und  welche  sich  von  der  Basis  an  mehr  oder  weniger 
weit  nach  der  Endspitze  hinzieht. 

a.  Mit  zwei  Seitenfurchen,  welche  auf  der  jener  Rinne  ge- 
genüber liegenden  Seite  (nach  d'Orbigny  Rückenseite)  einen  brei- 
ten, flachen  Kiel  abschneiden. 

Aus  der  Aehnlichkeit  im  Verlaufe  dieser  Linien  mit  denen  von 
B,  mucronatus^  liefs  sich  vermulhen,  dafs  die  Rinnenseite  die  Rücken- 
seile, und  die  gegenüberliegende  die  Bauchseite  wäre,  in  welchem 
Falle  diese  Abtheilung  sich  an  die  erste  Gruppe  anschliefsen  würde. 
Weder  aus  d'Orbigny's  Abbildungen  und  Beschreibungen  (Pal.  fr.  Terr. 
er.  /.),  noch  aus  meinem  Exemplare  von  B.  minimus  läfst  sich  für 
die  Lage  des  Siphos  ein  sicherer  Schlufs  ziehen. 

Die  Arten  kommen  nur  in  der  unteren  Kreideformation  bis 
zu  dem  Plänerkalke  herauf  vor. 

B.  minimus  Lister.  —  Taf.  XII.  Fig.  17.  u.  18.  (Var.:  B.  sub- 
fusiformis  Raspail.)  —  B.  Listen  Mant.  Geol.  of  Süss.  tb.  19.  f.  17.  18. 
23.  —  B.  min.  Sow.  M.  C.  tb.  589.  f.  1 — 7.  —  B.  lanceolatus  Sow. 
M.  C.  tb.  600.  f.  8.  9;  B.  attennatus  Sow.  M.  C.  tb.  589.  f.  8  —  10. 
(Var.)  —  Br.  Leth.  tb.  33.  f.  13.  —  ?  B.  subquadratus  Römer,  Kreide, 
p.  83;  Ool.  tb.  16.  f.  6.  —  Gein.  Charakt.  tb.  17.  f.  30  —  34.  —  Acti- 
nocamax  fusiformis  und  Act.  Milleri  Voltz  (n.  d'Orb.).  —  d'Orb.  PaL 
fr.  Terr.  er.  I.  tb.  4.  f.  9—16;  tb.  5.  f.  3—9.  (Var.)  —  Phillips, 
Geol.  of  Yorkshire,  1835,  tb.  1.  f.  18.  (Var.) 

Die  äufscrlich  rauhe,  verlängerte  Scheide  ist  allermeist  etwas 
spindelförmig  und  läuft  hinten  in  eine  (nach  Sowerby,  tb.  589.  f.  9. 
nnd  nach  d'Orbigny  a.  a.  0.  Ib.  5.  f.  6  —  9,  bisweilen  sehr  ver- 
längerte, oder  auch,  nach  Phillips  a.  a.  0.  und  d'Orb.  tb.  5.  f.  3.  4, 
sehr  kurze  und  stumpfe)  Spitze  aus;  an  dieser  erkennt  man  bisweilen 
eine  kurze,  undculliche  Furche.  Mittlere  Furche  gewöhnlich  kurz. 
Die   seitlichen   Furchen   (in   den  Abbildungen   nicht   sichtbar)  werden 


kopffL'sser. 


267 


aus  zwei  Doppellinien,  sowohl  vertieften  als  erhabenen  daneben  ge- 
bildet, zwischen  welchen  letzteren  sich  nach  vorn  hin  eine  dritte  er- 
habene Linie  einzulegen  pflegt.  Je  nach  der  Form  der  Scheide  sieht  man 
diese  Doppellinien  nach  hinten  zu  mehr  oder  weniger  aus  einander 
laufen;  übrigens  sind  sie  oft  kaum  zu  bemerken. 

In  der  Nähe  der  Basis  ist  der  Querdurchschnitt  rundlich  drei- 
eckig, wobei  die  Furchenseite  die  Basis  des  Dreieckes,  die  von  den 
Seitenfurchen  eingefafste  die  gegenüberliegende  Ecke  vertritt;  nach 
hinten  zu  wird  der  Durchschnitt  mehr  kreis-  oder  eirund. 

Der  Alveolit  ist  kurz.  Ein  Exemplar  mit  dem  spitzen  Ende  war 
etwa  4'"  lang  und  vorn  2'"  breit,   und   enthielt  gegen  15  Kammern. 

Wo  die  Alveole  beginnt ,  hat  die  Basis  dieser  Belemnilenscheide 
grofse  Neigung,  sich  von  dem  übrigen  Theile  eigenthiimlich  abzulösen, 
was  zur  Errichtung  des  AcHnocamax  Veranlassung  gab.  Das  vordere 
Ende  (Taf.  XII.  Fig.  17.  a.  18.  a.)  erhebt  sich  dann  zu  einem  Schei- 
tel, in  dessen  Mitte  sich  eine  runde  Vertiefung  einsenkt.  Aus  dieser 
läuft  eine  tiefe  Rinne  bis  in  die  früher  erwähnte  mittlere  Rinne  herab, 
während  nach  der  entgegengesetzten  Seite  sich  eine  breite  Falte  herab; 
zieht,  und  noch  mehrere  schmälere  Falten  und  Rinnen  nach  den  seit- 
lichen Theilen  verlaufen;  die  ganze  Oberfläche  ist  concentrisch  liniirt. 

B.  minirrms  ist  nicht  immer  so  klein  als  der  Name  erwarten 
läfst,  sondern  wird  bisweilen  sogar  gegen  b"  lang. 

Vorkommen:  Im  Neocomien  des  südlichen  Frankreichs,  und  Falls 
B.  subquadralus  hierher  gehört,  im  Hilsthone  und  Hilsconglomerate  Nord- 
deutschlands (des  Elligser  Brigs,  des  Hilses,  bei  Bradenbeck  und 
Schandelahe);  selten  im  unteren  Quader  Sachsens;  häufig  im  Galt  Eng- 
lands, und  im  unteren  und  mittleren  Pläner  Sachsens  (Plauen  bei 
Dresden,  Oberau),  bei  Langelsheim,  Sarstedt  und  Rethen,  selten  im 
Plänerkalke  von  Strehlen  bei  Dresden  und  Hundorf  in  Böhmen. 

b.  Theils  ohne  Seitenfurchen,  theils  mit  zwei  Seitenfurchen, 
welche  dann  der  Bauchseite  genähert  sind  oder  wenigstens  nicht 
oberhalb  der  Mitte  der  Seitenfläche  liegen. 

Sie  kommen  im  mittleren  und  oberen  Jura  vor. 

B.  canaliculatus  v.  Schloth.  —  Taf.  XIL  Fig.  13.  14.  (B. 
semihastatus  de  Blainv.).  —  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  21.  f.  1.  3.  —  Br. 
Leth.  p.  416.  tb.  21.  f.  19.  —  v.  Buch,  Jura,  p.  62.  —  Quenst.  Flötzg. 
Würt.  p.  368.  —  d'Orb.  Pal.  fr,  Terr.  jur,  I.  p.  108.  tb.  13.  f.  1—5. 
Nach  V.  Buch  und  Bronn  gehört  auch  B.  semihastatus  de  Blainv.,  nach 
Quenstedt  noch  B.  Aldorßensis,  apiconus.,  acutus  u.  A.  zu  ihm. 

Scheide  pfahlförmig  oder  verlängert  spindelförmig  (i?.  semihasta- 
tus  de  Blainv.),    mit  einer   schmalen,   ziemlich   scharfrandigen  Rinne 


268 


WEICIITIHERE. 


versehen ,  welche  nach  hinten  zu  schwacher  wird  und  sich  in  der 
Nähe  der  Spitze  oder  an  der  Spitze  gänzlich  verliert.  Von  dieser 
Furche  schneidet  ein  feiner  Spalt  bis  an  den  Sipho  ein.  Etwas  un- 
terhalb der  Mitte  der  Seiten  erkennt  man  die  schwachen  Längsfurchen. 
Querdurchschnitt  an  und  in  der  Nähe  der  Basis  fast  kreisrund,  und 
nach  hinten    zu  immer  mehr  querelliptisch. 

Er  fehlt  nie  in  den  oberen  Schichten  (Oxford- Thon)  des  mitt- 
leren Jura  Deutschlands  (Thurnau,  Rabenstein,  Würgau,  Bärendorf  in 
Franken;  Wasseralfingen,  Dellingen,  NeufTen  am  Stuifenberge  in  Wür- 
temberg;  bei  Goslar  in  Hannover),  der  Schweiz  (im  Porrentruy  am 
Mont- terrible ,  im  Aargau,  im  Kanton  Basel)  und  Frankreichs  (Port- 
en-Bassin  in  Calvados). 

B.  ha  Status  de  Blainv.  —  Taf.  XII.  Fig,  12.  (n.  Bronn).  — 
B.  unicanaliculatus  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  24.  f.  8.  —  B.  semisulcatus 
Münst.  a.  a.  0.  p.  6.  tb.  1.  —  Br.  Leih.  p.  415.  tb.  21.  f.  15.  — 
V.  Buch,  Jura,  p  72.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  446.  —  d'Orb.  Pal.  fr. 
Terf.  jur.  1.  p.  121.  tb.  18.  19.  —  B.  semihastatus  de  Blainv.  z.  Th. 

Scheide  verlängert  spindelförmig,  ganz  ähnlich  dem  B.  canali- 
culatus  ^  nur  schwellt  der  bauchige  Theil  der  Spindel,  nach  Quenstedt, 
viel  dicker  an,  denn  er  kann  durch  die  Furche  nicht  in  gleichem 
Grade  deprimirt  werden,  weil  diese  nur  in  der  Alveolen-  (Basal-) 
Gegend  einer  schmalen,  scharfkantigen,  tiefen  Rinne  gleicht,  über  die 
Mitte  hinaus  sich  aber  verflacht  und  kaum  noch  verfolgt  werden  kann. 
Wie  bei  der  vorigen  Art,  dringt  auch  hier  von  der  Furche  ein  glat- 
ter Spalt  bis  zur  Alveole  hinab.  Eine  schwache  Seitenfurche  in  der 
Milte  jeder  Seile  ist  auch  an  dieser  Art  zu  bemerken. 

Im  oberen  Jura  (Coralrag  und  den  lithographischen  Schiefern) 
von  Wiirlemberg  und  Franken  (Thurnau,  Würgau,  Müggendorf,  Streit- 
berg, Amberg,  Pappenheim),  Hannover,  Hohnsein  in  der  sächsischen 
Schweiz  und  in  Frankreich. 

3)  Belemniten  ohne  Basalrinne  und  ohne  Seitenfurchen, 
aber  mit  kurzen  Rinnen  von  der  Spitze  aus. 

Sie  linden  sich  nur  im  unteren  und  mittleren  Jura.  Zu  ihnen 
gehört  der  gröfste  aller  Belemniten, 

B.  giganleus  \.  Schloth.  —  Taf.  XII.  Fig.  21.  a.  b.  c.  d.  e. 
(Nach  Zielen,  Verst.  Würt.  Ib.  19.  y.)  —  B.  Aalensis  Voltz,  Br.  Leih, 
p.  407.  tb.  21.  f.  14.  —  V.  Buch,  Jura,  p.  59.  —  Quenst.  Flölzg. 
p.  329.  —  d'Orb.  Pal  fr.  Terr,  jur.  p.  112.  ib.  14.  15.  —  Nach  Quen- 
stedt und  d'Orbigny  gehören  hierzu:  -B.  elUpticus  Miller,  B.  quinquc- 
sulcatus ,  B.  r/ladius  und  B.  gigas  de  Blainv. ,  B.  compressus  Sow.,  B. 


kofffCssek. 


269 


longus  Voltz",  B.  quinquesulcatus  Ziet.,  B.  grandis  Schübler,  B.  bipar- 
titus  und  B.  bicanaliculatus  Ilarlmann. 

Die  Scheide  wird  bis  2'  lang  und  an  der  Basis  bis  3"  breit. 
Ihre  Dicke  bleibt  entweder  in  der  oberen  Hälfte  der  Länge  ziemlich 
gleich,  oder  nimmt  nach  vorn  hin  zu  {B.  grandis  Schüb.  b.  Ziet.). 
Die  andere  Hälfte  verjüngt  sich  ganz  allmählig  nach  dem  hinteren, 
unteren  Ende,  der  Spitze.  Im  Durchschnitte  ist  sie  elliptisch  bis  birn- 
förmig,  an  der  Bauchseite  enger  als  an  der  Rückenseite.  Der  Raum 
zwischen  beiden  ist  abgeplattet,  mit  einer  Einbiegung  nach  innen, 
w^elche  nach  der  Spitze  zu  immer  merklicher  wird;  daher  läuft  zu 
beiden  flacheren  Seiten  der  meistens  slark  seitlich  zusammengedrückten 
Spitze  eine  Furche  (ß.  acuminatus  Ziet.  T.  20.  5.),  oder  es  bilden 
sich  noch  mehrere  kürzere  Furchen,  wie  an  dem  abgebildeten  Exem- 
plare. Hiernach  und  nach  dem  verschiedenen  Alter  erhält  diese  Art 
ein  verschiedenes  Ansehen ,  worauf  de  Blainville  und  v.  Zielen  meh- 
rere ihrer  neuen  Arten  gründeten. 

Im  mittleren  braunen  Jura  Würtembergs  überall,  zu  Rabenstein 
in  Franken,  zu  Bergen  im  Anspachischen,  an  der  schlesisch- pol- 
nischen Gränze  zu  Weichrow^  von  wo  mir  Herr  Berghauptmunn  v. 
Charpentier  Alveoliten  dieser  Art  mittheilte,  und  in  Frankreich. 

B.  paxillosus  v.  Schlpth.  —  Taf.  XII.  Fig.  16.  (|). —  Ziet. 
Verst.  Würt.  tb.  23.  f.  I.  nebst  anderen,  von  Quenstedt  hiermit  ver- 
vereinigten,  als  B.  laemgatus^  B.  carinatus^  B.  subaduncatus  ^  und 
wahrscheinlich  .auch  B.  furgidus,  B.  apicicurvatus  und  B.  quadrisulca- 
tus.  —  Br.  Leth.  p.  409.  tb.  21.  f.  16.  —  v.  Buch,  Jura,  p.  33.  — 
Quenst.  Flötzg.  p.  209.  —  B.  Bruguierianus  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  jur. 
p,  84.  tb.  7.  f.  1 — 5. 

Scheide  pfahlförmig  und  bis  \'  lang.  An  der  Spitze  liegen, 
symmetrisch  zu  den  Seiten,  zwei  der  Rückenseite  etwas  genäherte, 
deutliche  Furchen  (Dorsolateralfurchen).  Zwischen  beiden  ist  in  der 
Mitte  des  Bauches  und  des  Rückens  bisweilen  noch  eine  kleinere,  wie 
die  in  Fig.  16.  an  der  Spitze  auf  der  linken  Seite  in  \  der  Breite 
angedeutete  Furche  die  Mitte  des  Rückens  bezeichnet. 

Im  unteren  Liasschiefer  (Belemnitenschiefer )  von  Würtemberg, 
Baden,  Franken  (Rabenstein),  Frankreich  (Lyon,  Nancy  u.  v.  a.  0.) 
und  von  Lyme  Regis  in  England. 

B.  acuarius  v.  Schloth.  —  v.  Buch,  Jura,  p.  34.  —  Quenst. 
Flötzg.  p.  275.  —  B.  gracilis  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  22.  f.  2.  —  d'Orb. 
Pal.  fr.  Terr.  jur.  p.  76.  tb.  5.  —  Nach  d'Orb,  gehören  hierher:  B. 
tabularis  Young,  B.  longissimus  Mill.,  Pseudolebus  slriatus  und  Ps.  lae- 


270 


WEICIITHIERR. 


vis  Bl.,  B.  tabularis  Phill.,  B.  lagenaeformis  Harlin.  b.  Ziel ,  B.  Ion- 
giscatus  VoUz,  B.  temiis  und  B.  semistriatus  Münst.  u.  s.  w. 

Scheide  bis  l'  lang-,  sehr  dünn,  nadeiförmig,  mit  zwei,  an  der 
Gränze  des  Uückens  gegen  die  Seiten ,  von  der  Spitze  nach  vorn  hin- 
laufenden Rinnen. 

Nicht  selten  im  oberen  Lias  zu  Boll,  in  den  Marmorbrüchen  von 
Berg,  bei  Altdorf,  Mistelgau,  Geisfeld  bei  Bayreuth,  zu  Banz  und  in 
Frankreich. 

B.  Owenii  Pratt,  aus  dem  Oxfordthon  von  Christian  Malford, 
die  Art,  an  welcher  Owen  das  Thier  der  Belemniten  kennen  lehrt, 
soll  der  vorigen  Art  sehr  ähnlich  sein. 

B.  clavalus  v.  Schloth.  —  Taf.  XII.  Fig.  19.  (Nach  B.  sub- 
clavatus  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  22.  f.  5.)  —  Br.  Leth.  p.  414.  tb.  21. 
f.  23.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  182.  —  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  jur.  p.  103. 
tb.  11.  f.  19  —  23. 

Scheide  bis  2"  lang,  verlängert  keulenförmig,  zuletzt  ziemlich 
rasch  in  eine  ungefurchte  Spitze  zulaufend,  mit  rundlichem  Querschnitte. 

B.  pistilliformis  de  Blainv.  ist  eine  Varietät  dieser  Art  mit 
stumpferem  und    kürzerem  hinterem  (unterem)  Ende. 

Nach  Quenstedt  zu  Millionen  in  den  Steinmergeln  des  mittleren 
Lias  von  Würlemberg ,  mit  Terebratula  numismalis  zusammen ;  in  den 
oberen  Liasmergeln  von  Nancy  u.  a.  0.  Frankreichs  und  in  England. 

B.  digitalis  Faure -Biquet.  —  Taf.  XII.  Fig.  15.  (|.)  —  Ziet.  ' 
Verst.  Würt.  tb.  23.  f.  6.   {B.  irregularis  Schloth.)   u.  f.  9.  —  Br. 
Leth.  p.  412.  tb.  21.  f.  17.  —  v.  Buch,  Jura,  p.  42.  —  Quenst.  Fl. 
p.  275.  —  B.  irregularis  Schloth.,  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  jur.  p.  74. 

Die  3''  lange  Scheide  gleicht  einem  Finger  oder  einem  breit- 
gedrückten Cylinder,  der  an  dem  hinteren  Ende  abgerundet  ist.  Hier 
ist  er  entweder  mit  einem  kleinen,  warzenförmigen  Stachel  oder  mit 
einer  Grube  versehen,  von  welcher  auf  der  Bauchseite  eine  Rinne 
ziemlich  weit  herauf  geht. 

Im  oberen  Liasschiefer  von  Würtemberg,  Franken  (Altdorf,  Bay- 
reuth und  Banz)  und  Frankreich. 

Zu  der  dritten  Gruppe  der  Belemniten  gehören  höchst  wahr- 
scheinlich auch  die  als  Loligo  Bollensis  (Zieten,  Verst.  Würt. 
tb.  25.  f.  4-7.  —  Buckl.  Geol.  tb.  28.  f.  6.  7;  tb.  29.  f.  2.) 
bezeichneten  Rückenschilder  von  Belemniten.  Quenstedt  beschreibt 
dieselben  mit  folgenden  Worten:  ,,Es  sind  dünne,  parabolische 
Kalkknochen,  im  Anfangspunkte  des  Unterrandes  etwas  gespalten, 
aber  beiderseits  dieser  Spaltung  wohl  gerundet  und  ganz.  Oben, 


kopffL'sser.  271 

wo  sich  die  Parabel  Öffnet,  sind  die  Knochen  immer  zerrissen. 
Eine  feine  fadenförmige  Linie,  nach  oben  convex,  lialbirt  die  Pa- 
rabel, in  der  Mitte  zwischen  dieser  Linie  und  den  Schenkeln  (In- 
den sich  markirte  hyperbolische  Aawachsstreifen ,  deren  äufserer 
Schenkel  sich  plötzlich  zurück  nach  unten  biegt,  und  dem  Aufsen- 
rande  ein  fein  gefiedertes  Ansehen  giebt.  Besagte  Structur  findet 
sich  immer  in  der  oberen,  braun  gefärbten  Schicht  (denn  was 
über  dieser  braunen  Schicht  liegt,  ist  nur  ein  höchst  dünner,  un- 
terbrochener weifser  Anflug),  die  dickeren  darunter  liegenden  Kalk- 
platten zeigen  sie  nicht.  Unter  diesem  Schilde  findet  sich  immer 
ein  mit  schwarzer  Sepientinte  erfüllter,  birnförmiger  Beutel,  mit 
seiner  schmalen,  halsförmigen  Mündung  der  Oeffnung  der  Parabel 
zugekehrt.  Dieser  Tintenbeutel  ist  rings  von  einer  perlmutter- 
glänzenden Kalkschicht  umgeben  u.  s.  w.  —  L.  Aalensis  unter- 
scheidet sich  von  L.  Bollensis  nur  dadurch,  dafs  sein  beiliegen- 
der Tintenbeutel  weniger  stark  von  Tinte  strotzt."  (Quenstedt, 
Flötzgebirge  Würtembergs,  1843.  p.  252.) 

Diese  Körper  kommen  im  oberen  Lias  von  Würtemberg  mit 
Belemnites  acuarius  zusammen  vor,  von  welcher  Art  sie  vielleicht 
auch  herrühren. 

Sehr  ähnlich  sind  auch  die  im  Lias  von  Lyme  Regis  ge- 
fundenen, welche  von  Buckland  abgebildet  worden  sind. 

5.  Faiii.  Spirulidae, 

Der  einzige  lebende  Repräsentant  dieser  Familie  ist  die  zier- 
liche Spirula  Peronii  Lam.,  das  sogenannte  Posthörnchen,  dessen 
Gehäuse  einige  in  einer  Ebene  liegende  und  sich  einander  nicht 
berührende  Windungen  macht.  Die  nach  aufsen  concaven  Kam- 
merscheidewände sind  am  Rande  der  Bauchseite  durch  einen  Sipho 
durchbrochen. 

10.  G.  Spirularostra  d'Orb. 

In  den  tertiären  Schichten  der  Umgegend  von  Turin  ent- 
deckte Bellardi  einen  Körper  {Spirularostra  Bellardiana  d'Orb.  Fal. 
fr.  Terr.  jur.  L  p.  35.  —  Pict.  Pal  IL  p.  316.  tb.  14.  f.  5.), 
der  die  Spirula  mit  Sepien  und  Belemniten  verbindet.  Er  besteht 
aus  einer  gekammerten  Schaale,  welche  ähnlich  der  Spirula  Pe- 
ronii^ doch  weniger  eingerollt  ist,  und  in  seiner  hinteren  Hälfte 
von  einer  dicken  Kalkmasse  umgeben  wird.  Diese  läuft  nach 
unten  und  hinten  in  einen  spitzen  Schnabel  aus  und  entspricht 
offenbar  der  Scheide  der  Belemniten. 


272 


WELCHTIIIEHE. 


B.     Tetrahranchiala  Owen.    Tentaculifera  d'Orbignj. 

Ceplialopodcii  mit  vier  Kiemen  und  ohne  Sangwarzen  an  ihren 
zahlreichen,  cylindrischen  und  nicht  sehr  langen  Fangarmen,  wel- 
che um  den  Mund  herumstelien.  Der  Kopf  ist  weniger  deutlich 
vom  Körper  getrennt  als  Lei  den  Thieren  der  Dibrancliiaten.  Die 
Schaale  ist  mehr  oder  weniger  äufserlich  und  in  Kammern  ge- 
theilt.  Alle  Kammern  stehen  durch  einen  Sipho  mit  dem  Thiere, 
welches  jedesmal  nur  die  letzte,  äufserste  Kammer  bewohnt,  in 
Verbindung.  Ein  Tintenbeutel  fehlt.  In  der  jetzigen  Schöpfung 
wird  diese  Gattung  nur  durch  den  Nautilus  Pompüms  L. ,  das 
Schiffsbool,  vertreten. 

1.  Fain.  Jfautilidae»  nrautileen  Q^uenstedt  *}» 

,,Die  geradlinig  gestreckte  oder  in  einer  Ebene  (Krümmungs- 
ebene) beliebig  gekrümmte '^''••)  Röhre  ist  durch  querliegende,  au- 
fsen  concave  Scheidewände  in  Kammern  getheilt.  Die  Scheide- 
wände, deren  Ränder  einfach  oder  auf-  und  niedergebogen 
sind,  werden  in  irgend  einem  Punkte  ihrer  mit  der  Krümmungs- 
ebene gebildeten  Schnittlinie  (Ventrodorsallinie)  durchbrochen.  Die 
Durchbruchsöffnung  drängt  die  Scheidewand  dutenförmig  nach  hin- 
ten. Der  Sipho,  aus  einer  gegliederten  Haut  bestehend,  geht 
durch  sämmtliche  Duten  (Trichter)  hindurch,  und  befestigt  sich 
an  der  Spitze  der  Schaale. 

Die  Schaale  besteht  aus  einer  äufseren,  matten,  kalkigen, 
und  einer  inneren  perlmutterglänzenden  Schicht."  (Quenst.) 

t  1.  G.  Orthoceratites  (Orthoceras)  Breyn.  Geradhorn. 
(oQd^dg^  gerad;  xt^ag^  Horn.) 

Schaale  geradlinig,  nach  vorn  ganz  allmählig  an  Stärke  zu- 
nehmend. Die  Kammern  sind  niedrig,  nur  die  letzte,  in  welcher 
das  Thier  gerade  lebte,  ist  unverhältnifsmäfsig  verlängert.  Der 
Sipho  wankt  von  der  Mitte  nach  dem  Rande  (Bauchseite  oder 
Rücken)  hin.    Der  Theil  der  Schaale,  auf  welchem  äufsere  Quer- 


*)  De  notis  Nautilearum  primariis.  Bcrolini,  1836.  —  L.  Br.  J.  1840. 
p.  253. 

*+)  Moseley  in  Cambridge  und  Naumann  in  Leipzig  fanden,  dafs  die 
eingerollten  Conchj'lien  logarithmischen  Spiralen  folgen.  (L.  Br.  J.  1841.  p. 
394;  Poggond.  Annalen  f.  Phys.  u.  Chemie.  1845.  Bd.  64.  p.  538.) 

Die  abwärtsgehenden  Biegungen  der  Ränder  heifsen  Loben,  die 
zwischen  diesen  befindlichen  aufwärtsgehenden  Sattel. 


KOPFFüSSER. 


273 


streifen  hinterwärts  gebogen  sind  und  einen  Sinus  bewirken,  is^ 
nach  Quenstedt  die  Rückenseite. 

Auf  Taf.  X.  Fig.  4.  ist  in  i  nat.  Gr.  ein  eigenthümlicher 
Körper  abgebildet,  welcher,  wie  es  scheint,  noch  üeberreste  der 
weichen  Theüe  des  Orthoceratitenthieres  enthält.  Er  wurde  im 
Grauwackenschiefer  von  Bögendorf  bei  Schweidnitz  in  Schlesien 
durch  Herrn  Apotheker  Beinert  in  Charlottenbrunn  aufgefunden, 
dessen  bekannter  Güte  ich  diesen  Körper  auch  verdanke.  Wäre 
diefs  Exemplar  wirklich  ein  Orthoceratit,  so  würde  der  wulst- 
förmige  Körper  auf  der  rechten  Seite  den  Sipho  bezeichnen.  Die- 
ser zeigt  auf  der  ganzen  Oberfläche  unregelmäfsige  Längsfurchen, 
und  ist  nur  einem  Strange  von  feinen  neben  einander  liegen- 
den Fäden  vergleichbar.  Auf  ihm,  so  wie  auf  dem  links  von 
ihm  befindlichen  vertieften  Theile  (der  inneren  Scheidewand  viel- 
leicht), so  wie  auf  der  rechten  Seite,  deuten  feine,  mehr  oder 
weniger  regelraäfsig  von  einander  entfernte  Querlinien  noch  die 
frühere  Lage  der  Kammerscheidewände  an.  Das  obere  Ende  scheint 
häutige  Masse  gewesen  zu  sein,  welche  noch  jetzt  in  inniger  Ver- 
bindung mit  dem  als  Sipho  angesprochenen  Körper  und  dessen 
Nebenpartieen  steht,  und  welche  in  mehrere  kurze,  oben  gerun- 
dete Arme  ausläuft,  von  denen  der  eine  (in  der  linken  oberen 
Ecke  bei  a.)  noch  wohl  erhalten  ist.  Möglich  wäre  es  sogar, 
dafs  die  bei  b.  sichtbare  schmälere  Wulst  einen  längeren  Ruder- 
arm  anzeige. 

Die  Orthoceratiten  begannen  in  den  ältesten  Grauwacken- 
schichten,  waren  die  steten  Begleiter  der  Trilobiten  und  beschlos- 
sen ihre  Existenz  auf  unserem  Erdballe  noch  vor  der  Bildung  der 
Steinkohle. 

Quenstedt  unterscheidet  von  ihnen  folgende  Gruppen: 

A.  Vaginati.  Ein  grofser  randlicher  Sipho ,  welcher  oft 
mehr  als  die  Hälfte  des  Durchmessers  einer  Scheidewand  einnimmt, 
schliefst,  wie  eine  Scheide  (m^ma),  einen  kleineren  Sipho  ein. 
Die  Enden  der  einzelnen  Trichter  sind  an  den  Steinkernen  durch 
elliptische  Linien  scharf  markirt. 

Hauptleitmuscheln  in  den  ältesten  nordischen  Grauwackenkal- 
ken  beider  Hemisphären. 

0.  duplex  sive  0.  gigauteus  Wahl.  (0.  spiralis  Pander.)  — 
Quenst.  a.  a.  0.  p.  262.  —  Hisinger,  Leth.  Suec.  p.  28.  tb.  9.  f.  1. 
Schaala  glatt,  ohne  deulliche  Querstreifen,  aber  mit  einer  zahllosen 
Menge  von  vertieften  Punkten   übersäet.     Der  Abstand  der  einzelnen 

Geiuitz,  Versteinerangskunde.  18 


274 


WEicirniiEUE. 


Scheide>Yände  ist,  nach  Quenstedt,  sehr  veränderlich,  und  das  Gesetz 
der  Zunahme  schwankt  zwischen        und  9-. 

Das  oben  beschriebene  schlesische  Exemplar  ist  dieser  Art  rm 
ahnlichsten. 

0.  rag  in  at  US  v.  Schloth.  —  Taf.  X.  Fig".  5.  Kammer  von  oben, 
i.  Nach  Br.  Leth.  p.  100.  tb.  1.  f.  9.  —  0.  undvlatus  Fand.  —  0. 
cancellatus  Eichwald,  die  Urwelt  Rufslands.  Hft.  2.  1842.  p.  67.  tb.  3. 
f.  9.  10.  —  Quenst.  p.  263. 

Schaale  w  ellenförmig  gebogen ,  so  dafs  selbst  die  Steinkerne 
noch  geringelt  erscheinen,  und  deutlich  quergestreift. 

0.  Irocklearis  His.  {Leth.  Suec.  p,  28.  tb.  9.  f.  7.),  mit  klei- 
nerem Sipko^  scheint  nur  eine  Varietät  dieser  Art  zu  sein. 

0.  duplex  und  0.  vaginatus  finden  sich  stets  zusammen  in  den 
Kalken  von  Eslhland,  Livland,  Lithauen,  Ingermannland,  Skandinavien 
und  Nordamerika. 

13.  Gochleati.  Der  Sipho,  oder  vielmehr  die  Ausfüllung  der 
Trichter,  welcher  ohngefähr  die  Mitte  der  Scheidewände  einnimmt, 
schwillt  so  an,  dafs  er  einer  Reihe  von  über  einander  liegenden, 
niedergedrückten  Kugeln  gleicht,  und  mit  einem  Schneckengehäuse 
(Cochlea)  verglichen  wurde.  Derselbe  findet  sich  gewöhnlich  allein, 
woraus  auf  die  grofse  Zerbrechlichkeit  der  Schaale  und  der  Scheide- 
wände geschlossen  werden  darf.  Bigsby  schrieb  solche  Körper 
Korallen  zu,  und  belegte  sie  mit  dem  Namen  Huronia.  Auch 
Bronn's  Actinoceras  ist  auf  verwitterte  Steinkerne  solcher  Or- 
thoceratiten  gegründet. 

Sie  gehören  den  oberen  silurischen  Schichten  an. 

0.  cochleatus  v.  Schloth.  —  0.  crassiventris  Wahl.,  His.  Leth. 
Suec.  p.  30.  tb.  10.  f.  3.  —  Quenst.  p.  264. 

Die  Einschneidungen  des  Sipho  sind  so  eng,  dafs  der  Vergleich 
mit  einer  Schnecke  ganz  passend  ist.  Seine  einzelnen  Glieder  sind 
sehr  breitgedrückt. 

Diese  Art  kommt  auf  Gothland,  in  Livland  bei  Pernau,  und  im 
Huronensee  mit  vielen  sehr  ähnlichen  Formen  vor. 

Actinoceras^  Strahlenhorn,  Bronn  (Leth.  p.  98.  tb.  1.  f.  8.) 
umfafst  verwitterte  Steinkerne  von  Orthoceratiten  aus  dieser  oder 
der  folgenden  Gruppe,  welche  am  Huronensee  so  häufig  sind.  Ca- 
stelnau  beschreibt  in  seinem  Essai  sur  le  Systeme  silurien  de  VAme- 
rique  septentrionale ,  Paris,  1843,  viele  dem 

0.  (Actin.)  Richardsoni  Stockes  (Taf.  X.  Fig.  3.  in  ^  nat. 
Gr.,  nach  Gast.  a.  a.  0.  Ib.  8.  f.  2.)  sehr  ähnliche  Formen  theils  als 
Huronien,  theils  als  Arten  von  Actinoceras. 


KOPFFL'SSER. 


275 


Diese  verbinden  die  zweite  und  dritte  Gruppe  von  Quen- 
stedt,  die 

C.  Gigantei^  deren  einzelne  Trichter,  nach  Quenstedt, 
oben  stärker  aufgebläht  als  bei  den  Vaginaten,  und  weniger  als 
bei  den  Cochleaten,  verhältnifsmäfsig  sehr  lang  sind  und  sich 
unten  nur  mäfsig  verengen. 

D.  Reguläres.  Hier,  so  wie  auch  bei  allen  folgenden 
Familien  wird  der  Sipho  viel  kleiner  als  bei  den  vorhergehenden, 
tritt  höchst  selten  hart  an  den  Rand,  sondern  nähert  sich  immer 
der  Mitte.  Hier  sind  die  Duten  der  Scheidewände  cylindrisch. 
Die  äufserste  Schaalenschicht  ist  gewöhnlich  quer  gestreift,  selten 
über  noch  vorhanden. 

Sie  gehen  von  den  ältesten  Grauwackenschichten  bis  in  die 
Steinkohlenformation  empor. 

a.  Mit  fernstehenden  Scheidewänden.  Der  Sipho  liegt  gern 
nach  der  Mitte  hin. 

0.  regularis  v.  Schloth.  —  Taf.  X.  Fig.  6.  Nach  Br.  Leth. 
p.  100.  tb.  1.  f.  10.  —  0.  cinctus  Sow.  M.  C.  th,  588.  f.  3.  —  His. 
Leth,  Suec.  p.  29.  tb,  9.  f.  3.  —  Quenst.  p.  267. 

Der  Sipho  liegt  in  der  Mitte  der  fast  kreisrunden  Röhre.  Zu- 
nahme der  Kammern  iV  bis  -^V  Nicht  selten  läuft  auf  dem  Rücken  (?) 
eine  scharf  markirte  Linie  herab,  die,  nach  Quenstedt,  durch  einen 
Muskeleindruck  des  Mantels  entstanden  ist.  Die  äufsere  Scliaale  ist 
fein  punktirt. 

0,  giganteus  Sow.  {M.  C.  tb.  246.)  ist,  nach  Quenstedt,  nur 
eine  grofse  Varietät  dieser  Art,  mit  ovaler  Oeffnung. 

0.  gracilis  Blumenbach,  verkiest  im  silurischen  Grauwacken- 
schiefer  von  Dillenburg,  mit  centralem  Sipho  und  einer  Zunahme  von 
^V?  ist  wenig  von  0.  regularis  verschieden. 

Archiac  und  Verneuil  bezeichnen  als  Fundorte  für  0.  regularis: 
die  silurische  Grauwacke  von  Prag,  Wifsenbach,  Oeland,  Petersburg, 
Reval,  West-Gothland,  und  die  devonische  von  der  Eifel  und  Elbers- 
reuth;  für  0.  giganteus:  die  devonische  G.  von  Elbersreuth?  und  Ge- 
rolstein in  der  Eifel,  den  Kohlenkalk  von  Yorksliire,  Closeburn  und 
Schottland;  für  0.  cinctus:  die  silurische  G.  von  Reval  und  Schweden, 
die  devonische  von  Pethervvin,  Newton,  Schübelliammer ,  und  den  Koh- 
lenkalk von  Lancashire,  Yorkshire,  Vise  und  Tournay. 

b.  Mit  nahestehenden  Scheidewänden.  Der  Sipho  liegt  zwi- 
schen der  Mitte  und  dem  Rande,  und  schwillt  nicht  selten  kugel- 
förmig an. 


276 


WEICHTHIERE. 


0.  fragt  Iis  v.  Schloth.,  Ouenst.  p.  269. 

Schaale  fein  gestreift;  Siplio  fast  in  der  Mitte;  Zunahme  i. 

0.  acuarius  Münst.  (Beitr.  Hft.  3.  p.  95.  tb.  17.  f.  5.),  von 
fast  cylinderförmiger  Gestalt,  mit  centralem  Sipho  und  glatter  Schaale, 
schliefst  sich  hier  an. 

In  devonischer  Grauwacke  von  Elbersreuth  und  Gattendorf. 

E.  Vndulati.  Auf  der  Schaale  treten  wellige  Erhebungen 
und  Vertiefungen  scharf  hervor,  vrelche,  so  wie  die  ihnen  parallel 
kaufenden  feinen  Streifen  auf  dem  Rücken,  ausgezeichnete  Busen 
bilden,  deren  Convexität  nach  der  Spitze  (hinten)  gerichtet  ist. 
Der  Sipho  liegt  zwischen  der  Mitte  und  der  Bauchseile. 

0.  undulatus  v.  Schloth.,  Quenst.  p.  271. 

Die  Wellen,  die  selbst  auf  den  Steinkernen  noch  hervortreten, 
steigen  von  der  Bauchseite  aus  auf  den  Seiten  stark  empor ,  um  auf 
dem  Rücken  den  tiefen  Busen  zu  bilden.     Zunahme  tV- 

In  den  alten  nordischen  Grauwackenkalken ,  die  sich  über  die 
Mark  Brandenburg  verbreitet  haben. 

F.  Annulati.  Die  Schaale  und  Steinkerne  erheben  sich 
zu  scharfen  Ringen,  welche  sammt  ihrer  Streifung  in  einer  Ebene 
liegen  und  nie  einen  Busen  bilden.  Sipho  klein  und  meist  in 
der  Mitte. 

0.  annu latus  Sow.  M.  C.  p.  183.  tb.  133.  —  His.  Leth.  Smc. 
p.  29.  tb.  9.  f.  8.  —  Quenst.  p.  271. 

Ringe  wenig  scharf;  in  dem  Räume  dazwischen  liegen  wenige 
feine  Streifen. 

Im  Kohlenkalke  von  Colebrookdale  in  Shropshire,  und  in  Gothland. 
0.  nodulosus  v.  Schloth.  —  Quenst.  p.  271. 
Die  dichter  stehenden  Ringe  tragen  auf  jeder  Kante  12  — 16  ge- 
rundete Knoten. 

In  devonischen  Eifelschichten. 

0.  undulatus  His.  Leth.  Suec.  p.  28.  tb,  10.  f.  2.  —  Quenst. 
p.  272. 

Durch  entfernte  Querringe  mit  zahlreichen  zwischen  denselben 
liegenden  Streifen  und  regelmäfsige  Längsfurchen,  bildet  diese  Art 
einen  Uebergang  zu  der  folgenden  Gruppe. 

In  Gothland  bei  Djupviken  und  bei  Capellhamn. 

Nach  Quenstedt  zeigen  die  Annulaten  eine  grofse  Neigung,  ihre 
geradlinige  Richtung  zu  verlassen  und  Lituiten  zu  werden. 

G.  Lineati.  Schaale  mit  scharf  hervortretenden  Längsstrei- 
fen und  nur  untergeordneten  Querstreifen.    Junge  Exemplare,  auf 


kopffCsser. 


277 


welchen  die  ersteren  weniger  ausgeprägt  sind ,  können  leicht  mit 
Regularen  verwechselt  werden. 

0.  lineatus  His.  LetL.  Suec.  p.  29.  tb.  9.  f.  6.  —  0.  sfriatus 
Marklin.  —  Quenst.  p.  272. 

Längsstreifen  dünn  und  scharf.    Sipho  in  der  Mitte.    Zunahme  |-. 

Im  alten  Grauwackenkalke  von  Mösseberg  in  Westgothland. 

0.  angulatus  Walilb.,  His.  Leth.  Suec.  p.  28.  tb.  10.  f.  1. 

Schaale  längsgerippt,  mit  20  —  30  Rippen;  Sipho  deutlich.  Die 
Stärke  der  Schaale  nimmt  viel  bedeutender  zu  als  bei  anderen  Or- 
thoceratiten ,  so  dafs  diese  Art,  welche  aufserdem  sich  oben  schwach 
krümmt,  einen  Uebergang  zu  Cyrtoceras  bildet. 

H.  Inflati.  Die  Stärke  der  letzten  Kammer  nimmt  gegen 
die  der  übrigen  Schaale  beträchtlich  zu,  verringert  sich  öfters  auch 
wieder,  so  dafs  sie  dann  birn-  oder  spindelförmig  (Gompho Ge- 
ras Murch.)  wird.     Diefs  ist  der  Fall  bei 

0.  fusiformis  Sow.  (M.  C.  tb.  588.  f.  2.  —  0.  pyriformis 
Phill.),  aus  dem  Kohlenkalke  von  Irland  und  von  Preston  in  Lancashire. 

0.  sub fusiformis  und  0.  subpyrif ormis  Münst.  (Beitr.  Hft. 
3.  p.  103.  tb.  20.  f.  7.  6.  u.  10.)  kommen,  nach  Arch.  und  Vern., 
im  devonischen  Grauwackenkalke  von  Schübelhammer ,  Pfaffrath,  deE 
Eifel,  Oberscheld  und  Pskof  vor. 

t  2  G.  Lituites  Breyn.  Schnörkel  hörn. 

Die  gekammerte  Schaale  ist  in  einer  Ebene  bald  mehr,  bald 
weniger  spiral  gewunden  und  setzt  dann  gewöhnlich  noch  eine 
Strecke  geradlinig  fort  (Taf.  X.  Fig.  7.).  Im  letzteren  Falle  erhält 
sie  das  Ansehen  eines  Krummstabes  {liluus).  Die  Windungen  be- 
rühren sich  entweder  gar  nicht,  oder  es  drückt  sich  wenigstens 
niemals  der  Rücken  der  vorhergehenden  Windung  in  die  Baruch- 
seite  der  folgenden  ein. 

Die  Lituiten  begleiteten  die  Orthoceratiten  und  starben  mil 
ihnen  auch  aus. 

A.  Cyrtoceras  (Cyrlocera)  Goldf.,  Pkragmacoceras  Bro- 
derip  und  Murchison  z.  Th.  Bogenhorn.  (xvQTog^  krumm;  yJ^ag.) 
Der  Bogen  überschreitet  kaum  einen  Halbkreis;  der  Sipho  ist  der 
convexen  Rückenseite  genähert. 

L.  (C.)  depressus  Goldf.  —  Br.  Leth.  p.  101.  tb.  1.  f.  5.  — 
Römer,  Harzgebirge  p.  35.  tb.  10.  f.  2.  —  Quenst.  p.  277. 

Schaale  niedergedrückt;  Kammern  niedrig;   Zunahme  |r. 

In  devonischer  Grauwacke  der  Eifel  und  von  Pfaffrath. 


278 


WEICHTHIERE. 


B.  Flexuosi.  Die  Schaale  nähert  sich  mehr  der  Form 
eines  Hakens  oder  Hufeisens,  und  der  Sipho  ist  stets  der  Bauch- 
seite genähert.    Arten  silurisch. 

L.  flexuosus  V.  Schloth.  —  Quenst.  p.  278. 
In  der  Eifel. 

Diejenigen  Phragmacoceraten,  in  welchen  der  Sipho  der  Bauch- 
seite genähert  ist,  schliefsen  sich,  nach  Quenstedt,  hier  an. 

C.  Spirulites  (ßpirula  Aut.)-  Die  Schaale  ist,  wie  bei 
der  lebenden  Spiriila^  in  von  einander  entfernt  liegende  Umgänge 
gewunden,  die  jedoch  bisweilen  auch  hart  an  einander  treffen, 
und  bildet  nach  vorn  hin  einen  sanft  gekrümmten  Stab,  dessen 
schwach  concave  Seite  der  Spira.  zugekehrt  ist.  Allermeist  ziehen 
sich  auf  dem  Rücken  die  Querstreifen  in  einen  Busen  herab.  Bei 
den  eigentlichen  Spiruliten  Q.  wird  die  Kammerscheidewand  hart 
an  der  Rückenseite  durchbrochen,  bei  den  Falcaten  Q.  liegt 
er  zwischen  dem  Rücken  und  der  Mitte,  und  bei  den  Perfecten 
Q.  oder  den  wahren  Lituiten- Stäben  neigt  sich  derselbe  ein  wenig 
der  Bauchseite  zu. 

L.  (S.)  nodosus  Goldf.  —  Er.  Leth.  p.  102.  tb.  1.  f.  4.  — 
L.  lituus  His.  Leth.  Suec.  p.  27.  tb.  8.  f.  5. 

Die  quer -geringelte  und  gestreifte  Schaale  macht  1 — -3  Umgänge 
und  setzt  dann  gerade  fort.     Sipho  rundlich. 

In  silurischer  Grauwacke  von  Dalecarlien  und  Oeland;  in  de- 
vonischer von  Plymouth  und  Newton. 

L.  falcatus  v.  Schloth.  —  Quenst.  p.  280. 

Mundöffnung  ein  wenig  zusammengedrückt.  Querstreifen  bilden 
auf  dem  Rücken  der  Schaale  einen  starken  Busen  nach  hinten.  Re- 
präsentant der  Falcaten. 

'  Im  ältesten  Grauwackenkalke  Livlands. 

L.  lituus  Monlf.  —  Taf.  X.  Fig.  7.  Nach  Bronn,  Leth.  tb.  1. 
f.  3.  a.  (i). 

Dieser  wahre  Lituit  kommt  in  den  tiefsten  silurischen  Schichten 
von  Schweden  und  Rufsland  vor. 

D.  Imperfecti.  Das  letzte  Ende  entfernt  sich  nur  wenig 
von  der  grofsen  Spira  mit  hart  an  einander  liegenden  Umgängen. 
Die  äufsere  Schaale  ist  gewöhnlich  glatt,  und  auf  der  inneren 
Seite  derselben  sind  mehrere  Furchen,  die  einen  nach  hinten  ge- 
öffneten Sinus  bilden. 

L.  zmperfectus  Wahl.  —  L.  convolmns  His.  Leth.  Suec.  p.  27- 
tb.  8.  f.  6. 


KOPFFÜSSBR. 


279 


Schaale  scheibenförmig,  mit  stielrunden,  fein  quergestreiften  Um- 
gängen, und  einem  dem  Rücken  genäherten  Sipho. 

Im  alten  Grauwackenkalke  von  Schweden  und  Livland. 

3.  G.  Nautilus  Aristot.  Schiffsboot.  (vavzlXog^  Schiifer.) 

Die  Umgänge  liegen  so  hart  an  einander,  dafs  die  Riicken- 
seite  der  früheren  Windungen  in  der  Bauchseite  der  späteren  we- 
nigstens einen  Eindruck  bewirkt,  dafs  aber  in  den  meisten  Fällen 
der  frühere  Umgang  von  dem  späteren,  wenn  nicht  ganz,  so  doch 
zum  gröfsten  Theil  eingehüllt  wird. 

Es  ist  diese  Gattung  in  allen  Formationen,  und  durch  JV. 
Pompilius  L.  auch  in  den  jetzigen  Meeren  vertreten,  Allein  der 
Nautilus  der  älteren  Gebirge,  wo  Goniatiten  vorkommen,  hat,  nach 
V.  Buch,  allermeist  eine  viel  geringere  Zunahme  und  ist  weniger 
involut  (d.  h.  die  frühere  AVindung  wird  viel  weniger  von  der 
späteren  umhüllt),  als  der  in  jüngeren  Formationen. 

A.  Imperfecti.  Die  Schaale  ist  nur  wenig  involubel  und 
nimmt  sehr  langsam  an  Dicke  zu,  wodurch  sie  den  imperfecten 
Lituiten,  mit  welchen  sie  auch  gleiches  Alter  haben,  sehr  ähnlich 
werden.  Der  Sipho  liegt  nahe  der  Mitte  ihrer  Scheidewände,  de- 
ren Ränder  noch  einfach  sind. 

L.  imperf ectus  Quenst.  (p.  283.),  und  eine  grofse  Reihe  von 
Arten  aus  älteren  englischen  Formationen,  als:  N.  p entagonus  Sow. 
(M.  C.  tb.  249.  f.  1.),  N.  cariniferus  Sow.  {M.  C.  tb.  482.  f.  3. 
4.),  iV.  triangulatus  Sow.  {M.  C,  tb.  458.  f.  2.),  N.  multi- 
carinatus  Sow.  {M.  C.  tb.  482.  f.  1.  2.)  im  ßergkalke,  und  N. 
globatus  Sow.  (ßl.  C.  tb.  481.)  im  Kohlengebirge,  gehören  hierher. 

B.  Moniliferi,  Zwischen  den  Scheidewänden  der  Schaale 
finden  sich  kugelförmig  angeschwollene  Duten  des  Sipho,  die  einer 
Perlenschnur  gleichen.  Die  Ränder  der  Scheidewände  bilden  an 
den  Seiten  einen  flachen  und  weiten  abwärtssteigenden  Bogen  (Si- 
nus^.   Nur  im  Muschelkalke. 

iV.  bidorsatus  v.  Schloth.  Nachtr.  tb.  21.  f.  2.  —  Ziel.  Verst. 
Würt.  tb.  18.  f.  1.  —  Hiernach  Taf.  X.  Fig.  8.  (4).  —  Br.  Leth. 
tb.  11.  f.  21. 

Sein  Rücken  ist  breit  und  flach,  oder  durch  eine  flache  Furche 
zweitheilig.  Die  Seiten  fallen  steil  ab,  wefshalb  auch  seine  Mündung 
frapezoidal  ist.     Nicht  selten  l'  grofs. 

Leitmuschel  für  die  oberen  Schichten  des  Muschelkalkes,  mit 
Ammonites  nodosus   zusammen,  bei  Jena,   Ballenstedl,  Rüdersdorf  bei 


i 


280  ■    ,  M'BICHTIIIEKE. 

Berlin,  Göttingen,  Bayreuth,  am  Schwarzwalde,  bei  Luneville  in  Frank- 
reich u.  a.  a.  0. 

Von  diesem  Nautilus  mag  wenigstens  der  eine  jener  Cepha- 
lopoden- Kiefern  herrühren,  die  mit  ihm  und  mit  Ammonites  no- 
dosus  im  Muschelkalke  zusammen  vorkommen,  einem  Vogelschnabel 
(Qvy/og)  nicht  unähnlich  sind,  und  defshalb  von  Blainville  i  Rhyn- 
cholythus  und  \  Conchorhynchus  genannt  worden  sind. 

Rh.  hirundo  Faure  -  Biquet.  —  Taf.  XII.  Fig.  7.  a.  b.  c.  — 
Br.  Leth.  p.  181.  tb.  11.  f.  17.  —  Münst.  Beilr.  Hft.  1.  (2.  Aufl.)  p. 
71.  tb.  5.  f.  6—10. 

Dieser  Kiefer  ist  unten  (c.)  flach  und  hinten  gekerbt,  oberhalb 
zu  einer  Spitze  gewölbt,  und  im  verticalen  Längsschnitte  symmetrisch. 
Der  vordere  breitere  Theil  ist  von  dem  hinteren  schmäleren  durch 
eine  tiefe  Bucht  getrennt. 

Im  Muschelkalke  von  Bayreuth,  Thüringen,  Würtemberg  und 
Frankreich. 

Rh.  duplicatus  Münst.  (Beitr.  Hft.  1.  p.  70.  tb.  5.  f.  4.  5.) 
verbindet  die  eben  beschriebene  mit  der  folgenden  Art. 

Im  Muschelkalke  von  Laineck  bei  Bayreuth. 

Rh.  (Conch.)  avirostris  v.  Schloth.  {Rh.  Gaillardoti  d'Orb. 
—  C.  ornatus  de  Blainv.  —  Br.  Leth.  p.  182.  tb.  11.  f.  16.  —  Münst. 
Beitr.  Hft.  1.  p.  69.  tb.  5.   f.  2.  3. 

Kiefer  symmetrisch,  dreieckig,  vorn  spitz;  der  Kieferrand,  oder 
der  Rand  des  vorderen  Theiles  ist  nach  dem  hinteren  Theile  faltig 
übergeschlagen.  Die  Rückenseite  der  oberen  convexen  Fläche  ist  feder- 
artig gestreift. 

Mit  vorigen  beiden  zusammen. 

D'Orbigny  beschreibt  in  der  Pal.  fr.  Terr.  jur.  I.  p.  163.  fos- 
sile Cephalopodenschnäbel  aus  dem  Oxfordthone  Frankreichs,  und  schreibt 
dieselben  dem  Nautilus  gigunteus  d'Orb.  zu. 

V.  Hagenow  entdeckte  Rh.  cretaceus  in  der  Kreide  von  Rügen. 

C.  Bisiphites.  „Ein  kleiner  deutlicher  Bauchlobus,  oft 
tief  herabgehend,  während  die  Seitenloben  sich  kaum  herabsenken, 
tritt  auf  Steinkernen  oft  so  deutlich  hervor,  dafs  ihn  Montfort  für 
einen  zweiten  Sipho  ansah  und  aus  Exemplaren  der  Art  sein  Ge- 
schlecht Bisiphites  machte.  Die  Schaale  erhält  durch  Längs-  und 
t^uerstreifen  ein  netzförmiges  Ansehen."  (Quenst.)  Sie  sind,  nach 
V.  Buch,  vorzugsweise  dem  unteren  und  mittleren  Jura  eigen. 

N.  aratus  v.  Schlolh.  —  N.  giganleus  Schübl.  b.  Ziet.  Verst. 
Würt.  Ib.  17.  f.  1.  2.  -  y.  Buch,  Jura,  p.  32.  —  Quenst.  p.  286.  u. 
Flötzg,  p,  131 


KOFFFÜSSER. 


281 


Er  wird  bis  ij'  grofs,  nimmt  besonders  nach  der  Höhe  hin  an 
Gröfse  schnell  zu,  und  seine  Windungen  sind  nicht  ganz  involut.  An 
den  Seiten  bilden  die  Scheidewände  einen  weiten  Busen.  Wegen  der 
deutlichen  Linien  nannte  ihn  Sowerby  (l/.  C.  tb.  182.  —  d'Orb.  Pal. 
fr.  Terr.  jur.  p.  148.  tb.  25.)  N.  striatus. 

In  den  untersten  Liaskalken  von  Würtemberg,  Frankreich  und 
England. 

D.  Simplices.  Die  Ränder  der  Querscheidewände  sind 
ohne  hervortretende  Loben ;  nur  in  der  Jugend  ist  ein  Bauchlobus 
vorhanden.  Längsstreifen  undeutlich;  Querstreifen  fein  und  haar- 
förmig,  auf  den  Seiten  zuweilen  in  Bündel  vereinigt. 

Vom  mittlen  Jura  bis  in  die  lebende  Welt. 

iV.  Simplex  Sow.  M.  C.  tb.  122.  —  Römer,  Kreide,  p.  84.  — 
Geinitz,  Char.  p.  66. 

Zusammengedrückt,  glatt  und  eng  genabelt.  Mündung  halbmond- 
förmig.    Der  Sipho  ist  dem  Bauchrande  etwas  genähert. 

Im  Hilsconglomerat  bei  Osterwald,  im  Grünsande  der  Waterlappe, 
in  England  und  im  unteren  Pläner  von  Plauen  bei  Dresden;  sehr  häufig 
im  oberen  Pläner  von  Sachsen  (Strehlen  bei  Dresden),  Böhmen  (Te- 
plitz,   Bilin),   Schlesien  (Oppeln),   Sarstedt,   Goslar  und  Quedlinburg. 

E.  Undulati.  Auf  der  Schaale  und  selbst  auf  den  Stein- 
kernen sind  scharf  ausgeprägte,  wellenartige  Falten  vorhanden, 
welche  mit  ihren  parallelen  feinen  Streifen  auf  dem  Rücken  einen 
tiefen,  nach  hinten  gebogenen  Sinus  bilden. 

N.  elegans  Sow.  M.  C.  tb.  116.  —  Gein.  Char.  p.  42.  u.  66. 
—  Röm.  Kr.  p.  85.  —  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  cret.  I.  p.  87.  tb.  19. 

Windungen  sehr  involut,  mit  hohen,  schwach  gewölbten  Seiten 
und  ziemlich  schmalem  Rücken.  Zahlreiche,  meist  dichotome  Falten 
bedecken  wenigstens  die  vorderen  Kammern.     Bis  grofs. 

In  allen  Schichten  des  Kreidegebirges  bis  zum  Kreidemergel 
herauf.  Steinkerne,  welchen  die  Wellen  fehlen,  sind,  besonders  im 
verdrückten  Zustande,  nicht  von  iV.  simplex  zu  unterscheiden. 

N.  Bonelli  Catullo,  Observaz4oni  geogn.  zool.^  Mem.  della  soc. 
geol.  dl  Parigi,  1838,  Padova^  1840. 

Schaale  fast  kugelig,  sehr  eng  genabelt,  an  den  Seiten  schwach 
zusammengedrückt,  und  mit  wellenförmig  gekräuselten  Rippen  bedeckt. 

Häufig  im  Juradolomit  von  Venedig. 

N.  Freieslebeni  Gein.   in  L.  Br.  J.  1841.  p.  637.  tb.  9.  A. 
Der  Nautilus   des  Zechsteines,   welcher   mit  Corbula  Schlotheimii 
zusammen  bei  Gera  und  Ilmenau  vorkommt. 


282 


WBICHTIIIKRE. 


F.  Aganites  (Lobali  Ag.).  „Die  Gränzen  der  Scheidewände 
bilden  auf  dem  Rücken  einen  flachen,  auf  den  Seiten  einen  tiefen 
Sinus  (Lobus).  Ein  spitzer  Bauchlobus  scheint  auch  nie  zu  feh- 
len.    Der  Sipho  nähert  sich  der  Bauchseite. 

Vom  mittleren  Jura  an  in  allen  jüngeren  Formationen."  (Quenst.) 

N.  aganiticus  Montf.,  Schloth.,  v.  Buch,  Jura,  p.  71.  —  N. 
sinuatus  Sow.  M.  C.  tb.  194.  —  Quenst.  p.  289.  —  d'Orb.  Pal.  fr. 
Terr.  jur.  p.  157.  tb.  32. 

Mündung  zusammengedrückt.  Der  Seitenlobus  ist  weit  und  tief, 
mit  geneigten  Wänden,  und  liegt  ziemlich  genau  in  der  Mitte  der 
Seite.  Der  daneben  gelegene  Bauchsatlel  ist  niedriger  als  der  den 
zweikantigen  Rücken  überschreitende  Sattel. 

Im  oberen  Jura  von  Müggendorf,  Pappenheim,  Wasseralfingen, 
Schönfeld  bei  Gräfenberg,  Randen  und,  nach  Sowerby,  im  unteren 
Oolithe  von  Yeovil. 

N.  Danicus  Schloth.  (v.  Buch,  Jura,  p.  71.  —  Quenst.  p.  289.), 
aus  den  gelben  Kreidekalken  von  Faxoe; 

N.  Aturi  Bast.  (iV.  Ziczac  Sow.  M.  C.  tb.  1.  f.  5.  —  v.  Buch, 
Gon.  u.  Clym.  in  Schles.  f.  6  —  8.  —  Quenst.  p.  289.),  aus  tertiären 
Schichten  vom  Kressenberge  bei  Traunstein,  von  Dax,  Paris,  Marmora  auf 
Malta,  aus  dem  Londonthone  von  Highgate; 

iV.  lingulatus  v.  Buch  (Quenst.  p.  290.),  aus  Tertiärschichten 
des  Kressenberges,  sind  die  anderen  Mitglieder  dieser  interessanten 
Gruppe ,  welche  durch  die  Bildung  ihrer  Loben  und  durch  die  Lage 
des  Sipho  den  Uebergang  der  eigentlichen  Nautili  zu  den  Clymenien 
bildet.  In  iV.  aganiticus  erreicht,  nach  v.  Buch,  der  Sipho  fast  die 
Mitte,  in  iV.  Aturi  liegt  er  der  Bauchseite  ziemlich  nahe,  und  in  den 
Clymenien  liegt  er  unmittelbar  an  der  inneren  Wand  dieser  Seite. 

F.  Clymenia  Münst.  '*•)  Planulites  Aut.  Der  Sipho  liegt 
bei  den  Arten  dieser  Gruppe  unmittelbar  an  der  Bauchseite,  wo 
er  die  trichterförmig  sich  verengende  Kammerwand  durchbohrt. 
Der  Rand  der  letzteren  bildet  wellenförmige  Einsenkungen  oder 
einfache  schiefwinkelige  Seitenloben  und  abgerundete  Seiten-  und 
Rückensättel,  welche  sämmtlich  ohne  Zähne  und  Einschnitte  sind. 
Da  der  Sipho  häufig  nicht  sichtbar  ist,  so  sind  die  Clymenien  am 
sichersten  durch  ihren  Rücken-  (Dorsal-)  Sattel  von  den  mit  ihnen 
leicht  zu  verwechselnden  Goniatiten  zu  unterscheiden,  welche  lelz- 


*)  Ueber  die  Clymenien  und  Goniatiten  im  Uebergangskalke  des  Fich- 
telgebirges. Bayreuth,  1832.  Zweite  Auflage,  auf  welche  sich  die  Citate 
beziehen ,  1843. 


KOPFFtSSER. 


283 


teren  auf  der  Milte  des  Rückens  stets  einen  Rücken-  (Dorsal-) 
Lobus  haben.  (Münster.) 

Die  zahlreichen  Arten  gehören  der  jüngeren  devonischen 
Grauwacke  an,  und  sie  zerfallen,  nach  Münster,  in  zwei  Haupt- 
abtheilungen. 

a.  Clymenien,  deren  Loben  schwach  gebogen  und  gerun- 
det sind. 

C.  laevigata  Münst.  p.  5.  Ib.  1.  f.  1.  —  v.  Buch,  Gon.  u. 
Clym.  in  Schles.  p.  13.  —  Taf.  X.  Fig.  10.  (Loben  und  Sattel  einer 
Kammerwand.) 

Schaala  scheibenförmig,  fast  gar  nicht  involut,  gewöhnlich  ganz 
glatt.  Der  breite  Dorsal- Sattel  ist  bogenförmig  abgerundet,  der  Sei- 
tenlobus  ist  einfach  gerundet.     1 — l"  grofs. 

Im  schwarzgrauen  devonischen  Kalksteine  von  Schübelhammer  im 
Fichtelgebirge,  und  vielleicht  bei  Ebersdorf  in  der  Grafschaft  Glatz. 

C.  compressa  Münst.  p.  6.  tb.  1.  f.  4. 

Windungen  bis  zu  f  involut,  seitlich  zusammengedrückt.  Der 
Seitenlobus  erhebt  sich  nach  der  Bauchseite  hin  viel  Aveniger  als  bei 
der  vorigen  Art. 

Schübelhammer. 

b.  Clymenien  mit  einfachen,  spitzen  Seitenloben  und  abge- 
rundeten Sätteln. 

Diese  theilt  v.  Buch  in  die  aufsteigenden  und  die  ge- 
wölbten. Bei  den  ersteren  (Taf.  X.  Fig.  9.  a.)  geht  der  Rand 
der  Kammer  vom  Rücken  her  plötzlich  mit  einer  kleinen,  senk- 
rechten Fläche  herunter,  der  andere  (Ventral-)  Schenkel  dieser 
Vertiefung  steigt  aber  wieder  ganz  sanft  in  die  Höhe,  so  dafs 
der  Lobus  ein  V  bildet.  Dann  steigt  aber  die  Kammerwand  im- 
mer noch  höher  bis  zur  Sutur  (Naht,  wodurch  die  beiden  auf 
einander  liegenden  Windungen  mit  einander  zusammenhängen)  ge- 
wöhnlich über  die  Höhe  des  Rückens  hervor.  In  der  zweiten 
Abtheilung  (Taf.  X.  Fig.  11.)  zieht  sich  die  Dorsal -Wand  des 
kleinen  Seiten -Lobus  etwas  gegen  den  Rücken,  bildet  dort  eine 
rückkehrende  Spitze  und  geht  an  der  Ventralseite  in  einem  Bogen 
wieder  herauf.  Eine  dieser  ähnliche  Bildung  ist  bei  den  Aga- 
niten  zu  finden,    (v.  Buch.) 

a,    Adscendentes  f  die  Aufsteigenden. 

C.  undulata  Münst.  —  Taf.  X.  Fig.  9.  (Steinkern)  u.  9.  a, 
(Rand  der  Kammerwand.)  Nach  Münster,  tb.  2.  a,  f.  6.  a.  u.  2.  c. 
—  C.  sublaevis  und  C.  inaequistriata  Münst.   p.  8.  tb.  2.  f.  3.  u.  4. 


284 


WEICIITIIIERB. 


Scheibenförmig,  mit  7  —  9  sehr  schwach  involiiten  und  wenig  zu- 
nehmenden Umgängen,  bis  über  3"  grofs.  Die  Schaale  ist  fein  ge- 
streift und  die  Slreifen  biegen  sich,  wie  bei  allen  Clymenien,  zuerst 
ein  wenig  nach  vorn,  dann  auf  dem  Rücken  rückwärts,  welche  Bieg- 
iing  bei  dieser  Art  unter  einem  scharfen  Winkel  erfolgt.  Den  Loben 
nach  gehört  sie,  wie  die  folgende,  zu  den  Aufsteigenden;  bei  einer 
Abreibung  der  Seitenflächen  werden  die  Loben  denen  der  Clym.  lae~ 
vigata  sehr  ähnlich. 

Schübelhammer  und  Ebersdorf. 

C.  pl anorbiformis  Münst.  p.  7.  Ib.  2.  f.  1.  (C.  linearis  Münst. 
p.  9.  tb.  2.  f.  5.  —  V.  Buch,  Gon.  u.  Clym.  p.  13.) 

Unterscheidet  sich  von  voriger  durch  noch  geringere  Stärkezu- 
nahme der  Windungen.     Mit  ihr  zusammen. 

ß.    Incumbentes j  die  Gewölbten. 

C.  striata  Münst.  p.  11.  tb.  3.  f.  3.  —  v.  Buch,  Gon.  u.  Clym. 
p.  13.  —  Taf.  X.  Fig.  U.  (Loben  und  Sättel.) 

1^"  grofs ,  mit  seitlich  zusammengedrückten ,  ohngefähr  J  invo- 
luten  Windungen.  Der  Rücken  ist  schmal.  Schaale  wellenförmig  fein 
gestreift. 

Mit  vorigen  zusammen  und  bei  Petherwin. 

*l  2»  Farn.  JLwfnonitidae*  Ammoneen  v.  Buch. 
Ainmonsliörner. 

Die  Ammoneen  sind  vielkammerige  Cephalopoden ,  deren  Kam- 
merwände allermeist  nach  oben  (aufsen)  hin  gewölbt  sind,  und 
deren  Sipho  längs  des  Rückens  zwischen  den  Kammerwänden  und 
der  äufseren  Schaale  läuft. 

Der  Rund  der  Scheidewände  ist  auf-  und  niedergebogen,  und  so 
entstehen  die  (abwärtsgebogenen)  Loben  und  die  dazwischengelegenen 
(aufwärtssteigenden)  Sättel,  welche,  bisweilen  noch  mit  Nebenloben 
und  Nebensätleln ,  um  den  Umfang  der  Schaale  höchst  regelmäfsig  um- 
herslehen.  L.  v.  Buch  zeigte,  dafs  man  an  allen  vollkommenen  Am- 
moneen sehr  bestimmt  sechs  '•)  solcher  Hauptloben  unterscheiden  kann, 
welche  nach  seiner  Bezeichnung  folgende  sind  (Tal.  X.  Fig.  21.  u.  22.); 
Der  auf  dem  Rücken  liegende  Lobus  ist  der  Rücken-  oder  Dorsal- 
Lobus  (D).  Der  Sipho  theilt  denselben  in  zwei  symmetrische  Hälften 
und   zieht  an   seiner  Befestigungsstelle  den  mittleren  Theil  desselben 


*)  Nur  bei  den  unvollkommeneren  Ammoneen,  Goniatiten  und  Conoce- 
ratiten,  fehlen  zuweilen  einige  dieser  Loben,  doch  mangelt  der  Rücken- 
lobus  nie. 


KÜPFFiJSSER. 


285 


gewöhnlich  ein  Stück  mit  empor.  An  den  Riickenlobus  gränzt  links 
und  rechts  der  Rücken-  oder  D orsal-Sattel  (Sd),  welcher  von 
dem  Seiten-  oder  Lateral-Sattel  (SL)  durch  den  oberen  Sei- 
tenlobus  (L)  getrennt  ist.  Neben  dem  Lateralsattel  liegt  auf  der 
anderen  Seite  der  untere  Lateral-Lobus  (1),  an  welchen  dann 
der  Bauch-  oder  Ventral-Sattel  (SV)  gränzt,  zwischen  welchem 
und  dem  die  Mitte  der  Bauchseite  einnehmenden  Bauch-  oder  Ven- 
tral-Lobus  (V)  häufig  noch  mehrere  Hülfs-  oder  Auxiliarloben 
(a^,  c^,  a^,  ö*)  und  Hülfssattel  liegen. 

Die  Ammoneen  bewohnten  die  früheren  Meere  bis  zn  der 
Zeit,  in  welcher  die  Kreide  sich  bildete. 

Cuvier  sprach  1802  zuerst  aus,  dafs  das  Thier  der  Ammo- 
niten  ein  sepienartiges  Thier  gewesen  sein  müsse,  Lister  bemerkte 
zuerst  die  blätterartigen  Zeichnungen  ihrer  Loben  und  Sättel,  Bronn 
und  d'Orbigny  zeigten  später  die  den  Ammoneen  eigenthümliche 
Lage  ihres  Siphos,  und  nach  einem  etwas  mifsglückten  Versuche 
von  de  Haan  (1825) ,  die  Ammoneen  in  eine  systematische  Reihe 
zu  ordnen,  wurde  diese  Aufgabe  erst  durch  v.  Buch  gelöst,  wel- 
cher die  Reihen  der  vielnamigen  Ammoniten  lichtete  und  sie  (a.  a.  0. 
s.  p.  256.)  in  die  von  ihm  fest  begründeten  Gruppen  vertheilte. 

t  1.  G.  Ammonites  v.  Buch  "'^').  {Ammonites  im  weiteren  Sinne.) 

Ammoneen,  deren  Windungen  in  einer  Ebene  spiral  auf- 
gerollt sind,  wobei  alle  so  dicht  auf  einander  liegen,  dafs  der 
Rücken  der  früheren  Windungen  mehr  oder  weniger  tief  in  die 
Bauchseite  der  folgenden  eingedrückt  ist  (dafs,  mit  anderen  Wor- 
ten, die  Windungen  mehr  oder  weniger  involut  sind).  Sie  ent- 
sprechen hierdurch  der  Gattung  Nautilus, 

A.  Goniatites  de  Haan,  v.  Buch,  (ywna,  Winkel.)  Lo- 
ben und  Sättel  sind  gänzlich  ohne  Zähne  und  Einschnitte.  Feine 
Streifen  auf  der  Oberfläche  der  Schaale  biegen  sich  erst  vorwärts, 
dann  aber  auf  dem  Rücken  wieder  zurück,  wie  diefs  bei  den 
Nautileen  der  Fall  ist,  während  die  Streifen  aller  anderen  Ammo- 
neen sich  auf  dem  Rücken  nach  vorn  wenden.  Ohne  Berücksich- 
tigung ihrer  Loben  würde  es  häufig  sehr  schwer  sein,  sie  von 
Clymenien  unterscheiden  zu  können. 

Die  Goniatiten  mit  einfachem  Rückenlobus  sind  nur  auf  das 
Grauwackengebirge  beschränkt;  die  mit  getheiltem  Rückenlobus  hin- 
gegen gehen  bis  in  das  untere  Steinkolilengebirge. 


*)  Ueber  Ammoniten,  über  ihre  Sonderung  in  Familien  u.  s.  w.  1832. 


286 


WEICHTHIEBE. 


Beyrich  (de  Gonialiiis  in  montibus  Rhenanis  occurrentibus. 
Bet^olmi^  1837)  vertheilt  die  Goniatiten  in  die  hier  bezeichneten 
sechs  Gruppen. 

a.  Nautilini.  Mit  einem  einfachen  trichter-  oder  zungen- 
förmigen  Riickenlobus  und  einem  einzigen,  breit  ausgezogenen 
Seitenlobus. 

A.  (G.)  compressus  Beyr.  p.  5.  tb.  1.  f.  6.  —  Spirula  co-m- 
pressa  Goldf.  —  Gyroceratües  gracilis  H.  v.  Mey.,  Br.  Leih.  p.  102. 
tb.  1.  f.  6.  —  Taf.  X.  Fig.  16.  (Loben). 

Riickenlobus  sehr  klein,  Seitenlobus  fast  verschwindend.  In  Ge- 
stalt und  Gröfse  der  Spirula  Peronii  sehr  ähnlich,  kommt  diese  Art 
sehr  häufig  verkiest  im  Thonschiefer  von  Dillenburg  vor. 

b.  Simplices.  Mit  einem  einfachen,  trichter-  oder  zungen- 
förmigen  Riickenlobus  und  einem  einzigen,  mehr  oder  vv^eniger 
spitzen  Seitenlobus. 

A.  (G.)  retrorsus  v.  Buch,  Ammon.  tb.  2.  f.  13.  —  Beyr.  p. 
6.  tb.  1.  f.  10.     Hiernach  Taf.  X.  Fig.  17.  (Loben). 

Nach  Arch.  u.  Vern.  im  devonischen  rothen  Grauwackenkalke 
von  Oberscheld,  Adorf  und  Martenberg. 

A.  (G.)  pessoides  v.  Buch,  Gon.  u.  Clym.  p.  4.  f.  1. 

Durch  seine  sehr  schwach  involuten  acht  Windungen,  deren 
flacher  Rücken  fast  rechtwinkelig  an  die  flachen  Seiten  gränzt,  wird 
er  einem  Damenbretsteine  sehr  ähnlich.  Der  lange,  zungenförmige 
Riickenlobus  ist  von  dem  ihm  ähnlichen  Seitenlobus  durch  einen  vier- 
mal breiteren  Rückensattel  getrennt,  in  welchem  letzteren  sich  oben 
eine  flache  Vertiefung  einsenkt.     Diese  über  l"-  grofse  Art  und 

A.  (G.)  biimpressus  v.  Buch  (Gon.  u.  Clym.  p.  5.  f.  2.),  bei 
welcher  auch  noch  der  Seitensattel  oben  vertieft  ist,  stellen  durch 
ihre  Hülfsloben  eine  Verbindung  zwischjen  der  zweiten  und  dritten 
Gruppe  Beyrich's  her. 

Sie  kommen  in  Ebersdorf  vor. 

c.  Aequales.  Mit  einem  Rückenlobus  wie  an  den  Vor- 
hergehenden und  zwei  oder  mehreren  Seitenloben,  welche 'nach 
der  Naht  hin  allmählig  an  Gröfse  zu-  oder  abnehmen. 

A.  (G.)  Münsteri  v.  Buch  (Münst.  Gon.  u.  Clym.  p.  21.  tb.  5. 
f.  3.),  und 

A.  (G.)  orbicularis  Münst.  (a.  a.  0.  p.  22.  Ib.  5.  f.  4.)  sind 
beide  ganz  involut,  unterscheiden  sich  dadurch,  dafs  der  erstere  zwei 
spitze,  der  zweite  zwei  gerundete  Seitenloben  (was  vielleicht  durch 
Abreibung  entstanden  ist)  hat,  und  kommen  bei  Schübelhammer  und 
Elbersreulh  vor. 


I 


KOPFFÜSSBR. 


287 


A.  (G.)  Becher i  Goldf.,  v.  Buch,  Amin.  tb.  2.  f.  2.  —  Beyr. 
p.  80.  tb.  1.  f.  8.  —  Hiernach  Taf.  X.  Fig.  18.  (Loben). 
Mit  vier  zungenförmigen  Seitenloben. 

Im  rolhen  devonischen  Kalke  von  Eibach  und  Oberscheld. 

d.  Irreguläres.  Mit  einfachem,  trichterförmigem  Rücken- 
lobus  und  unsymmetrischen  Schenkeln  der  zwei  oder  mehreren 
Seitenloben. 

A.  (G.)  Höninghausii  v.  Buch,  Amm.  tb.  2.  f.  3.  —  Br.  Leth. 
tb.  1.  f.  1.  —  Beyr.  p.  9. 

Devonisch  bei  Bensberg. 

A,  (G.)  contiguus  Münst.  Gon.  u.  Clym.  p.  22.  tb.  3.  f.  8. 

Er  ist  ganz  involut  und  hat  zwei  ungleiche  Seitenloben.  Die- 
sem, von  Schübelhammer,  scheint 

A,  (G.)  cucullatus  v.  Buch  (Clym.  p.  8.  f.  4.)  von  Ebersdorf 
zu  entsprechen. 

e.  Primordiales.  Mit  getheiltem  Rückenlobus  und  einem 
einzigen  Seitenlobus,  der  meistens  gerundet  ist  und  nur  selten  in 
eine  Spitze  ausgeht. 

A.  (G.)  aequabilis  Beyr.  p.  10.  tb.  2.  f.  1.  —  Hiernach  Taf. 
X.  Fig.  19.  (Loben). 

Aus  rothem   devonischem  Kalke  bei  Dillenburg. 

f.  Carhonarii.  Mit  getheiltem  Rückenlobus,  einem  in 
eine  Spitze  auslaufenden  Seitenlobus  und  einem  gerundeten,  ge- 
wöhnlich breiten  Seitensattel. 

A.  (Cr.)  sphaericus  Martin  (A.  carbonarius  Goldf.),  v.  Buch, 
Amm.  p.  M.  tb.  2.  f.  9.  —  Beyr.  p.  13. 

In  den  Aveslphälischen  und  Lütticher  Kohlengruben,  im  Kohlen- 
kalke von  Vise. 

A.  (G.)  diadema  Goldf.,  Beyr.  tb.  2.  f.  8  —  10.  —  Hiernach 
Taf.  X.  Fig.  20.  (Loben). 

Im  Alaunschiefer  von  Choquier. 

B.  Ceratites  de  Haan.  (yJ^ug^  Horn.)  Die  Loben  sind 
einfach  gezähnt,  die  Sättel  aber  noch  glatt. 

Die  typische  Art,  Ä.  nodosus^  bezeichnet  den  Muschelkalk; 
mehrere  andere  Arten  wurden  in  der  neueren  Zeit  aus  dem  süd- 
östlichen Tyrol  von  St.  Cassian  bekannt  ,  wo  sie  in  Kalkmergel- 
schichten höchst  merkwürdiger  Weise  mit  Orthoceratiten ,  Gonia- 


*)  Beiträge  zur  Geognosie  und  Petrefactenkunde  des  südlichen  Tyrols. 
Von  Dr.  Wifsmann  und  Graf  Münster,  Bayreuth,  1841. 


288 


WEICIITIMEHE. 


liten  und  eigentlichen  Ammoniten  zusammen  vorkommen.  Es  wer- 
den diese  noch  immer  räthselhaften  Schichten  gewöhnlich  dem 
Muschelkalke  entsprechend  gehalten  ■*). 

A.  (C.)  nodosus  Boso,  v.  Schloth.  Nachtr.  ib.  31.  f.  1.  —  Taf. 
XI.  Fig.  1.  (l).  —  Ziet.  Verst.  Wärt.  tb.  2.  f.  1.  —  Br.  Leth.  p.  178. 
Ib.  11.  f.  20.  —  Nautilus  undatus  Rein.  —  Amm.  undatus  Alberti,  Mo- 
nogr.  d.  bunt.  Sandst.  u.  s.  w.  —  Gaea  v.  Sachsen,  p.  102. 

Er  erreicht  bisweilen  die  Gröfse  von  8''  und  zeigt  gewöhnlich 
vier  bis  fünf  Umgänge,  welche  i  bis  ^  involut  sind.  Der  Rücken 
ist  flach  gewölbt  und  die  Mündung  fast  vierseitig,  höher  als  breit. 
Die  flach  gewölbten  Seilen  tragen  auf  jeder  Windung  zehn  bis  vier- 
zehn dicke,  oben  mit  einem  Knoten  endende  Rippen.  Der  Rücken 
nimmt  mit  dem  Alter  gewöhnlich  an  Breite  zu.  Den  Sipho  sah  Wifs- 
mann  '^''■').  Die  Rippen  variiren  in  ihrer  Entwickelung  gar  sehr.  An 
manchen  Exemplaren  sind  sie  nur  noch  schwach  angedeutet,  an  an- 
deren, sogar  auch  bei  jungen  Individuen,  treten  sie  um  so  höher 
hervor.  Bei  einem  Exemplare  von  Mattstedt  bei  Jena  findet  sich  aufser 
der  einen  Knotenreihe  an  der  Gränze  des  Rückens  noch  eine  zweite 
auf  der  Mitte  der  Seiten,  deren  Knotenzahl  ohngefähr  halb  so  grofs 
als  die  der  oberen  Reihe  ist. 

In  den  oberen  Schichten  des  Muschelkalkes  (Ammonitenschichten) 
von  Schlesien  (Tarnowitz),  Rüdersdorf  bei  Berlin,  Thüringen  (Jena, 
Weimar,  Cölleda  u.  s.  w.),  Hannover  (Göttingen),  Franken  (um  Pyr- 
mont), am  unteren  Main  und  Neckar  (Heidelberg),  im  badenschen  und 
würlembergischen  Schwarzwalde,  in  Rheinbaiern  und  in  Frankreich 
(Luneville,  Toulon). 

Vielleicht  gehört  zu  Ammonites  nodosus  auch  einer  der  als  Rhyn- 
choUjthus  p.  280.  beschriebenen  Kiefern. 

C.  Ammonites  Aut.  im  engeren  Sinne.  Loben  und  Sättel 
sind  mannichfaltig  gezähnt,  gezackt  und  zerschnitten.  Die  Streifen 
und  Rippen  auf  der  Oberfläche  der  Schaale  biegen  sich  stets  auf 
dem  Rücken  nach  vorn. 

Sie  gehören  ausschliefslich  dem  Oolithengebirge  ''■*''')  und  dem 
Kreidegebirge  an. 

a.  Ariel  es.  Widderhörn  er.  Auf  der  Mitte  des  breiten 
Rückens  erhebt  sich  ein  kielartiger  Sipho,  welcher  durch  zwei 

*)  L.  Br.  J.  1838-1844. 

**)  L.  Br.  J.  1842.  p.  309. 

Ueber  die  Ammoniten  aus  dem  französischen  Oolithengebirge,  wel- 
che d'Orbigny  (Val.  fr.  Terr.  jur.  /.)  beschreibt  und  abbildet,  vergl.  Quen- 
ütedt  in  L.  Br.  J.  1845.  p.  86.  u.  f. 


KOPFFÜSSER. 


289 


Rinnen  von  den  Seiten  getrennt  wird.  Letztere  sind  mit  einfachen, 
starken,  sich  in  der  Nähe  des  Rückens  schwach  vorwärts  biegen- 
den Rippen  bedeckt,  welche  an  der  Rinne  mit  einer  Verdickung 
schnell  enden.  Der  Riickenlobus  (D)  ist  etwas  tiefer  als  breit, 
der  Anheftiingspunkt  seiner  Scheidewand  an  dem  Sipho  ist  genau 
in  der  Mitte  seiner  Tiefe.  Der  obere  Seitenlobus  (L)  ist  breiter 
als  tief,  erreicht  nicht  die  Hälfte  dieser  Tiefe,  und  weit  erhebt 
sich  der  Seitensattel  (SL)  über  die  anderen  Sättel  empor.  Der 
untere  Seitenlobus  (1)  ist  ebenfalls  breiter  als  tief,  und  der  kleine 
Ventralsattel  erreicht  nicht  die  Hälfte  der  Höhe  und  Breite  des 
Seitensattels,  (v.  Buch.) 
Arten  nur  im  Lias. 

A.  Bucklandi  Sow.  M.  C.  tb.  130.  —  Taf.  XL  Fig.  2.  (i). 
Nach  Zielen,  Verst.  Würt.  tb.  2.  L  2 — 4;  tb.  27.  f.  1.  —  Br.  Leih, 
p.  421.  tb.  22.  f.  1.  —  v.  Buch,  Amm.  tb.  3.  f.  1..  —  Quenst.  Flölzg.  p.  131. 

Mit  sechs  bis  sieben  wenig  involuten  Windungen,  von  denen 
jede  auf  ihren  schwach  gewölbten  Seiten  dreifsig  bis  vierzig  entfernt- 
stehende, starke  Rippen  trägt.  Mündung  (Fig.  2.  ö.)  fast  viereckig, 
etwas  höher  als  breit.  Der  Seitenlobus  ist  wenigstens  ebenso'  breit 
als  tief. 

Bis  zu  einem  Durchmesser  von  mehr  als  2',  im  unteren  Lias 
von  Würtemberg,  der  Schweiz,  Frankreich  und  England. 

A.  Conybeari  Sow.  M.  C.  tb.  131.  —  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  26. 
f.  2;  tb.  15.  f.  1.  (A.  oblique -costatus.)  —  v.  Buch,  Jura,  p.  28.  — 
Quenst.  Flötzg.  p.  p.  132. 

Unterscheidet  sich  vom  vorigen  durch  geringeres  Anwachsen  der 
Windungen,  wodurch  mehr  Windungen  sichtbar  werden  als  bei  jenem 
und  alle  mehr  in  einer  Ebene  liegen,  so  wie  durch  eine  viel  grö- 
fsere  Anzahl  von  Seitenrippen,  welche  auch  gegen  den  Rücken  hin 
weniger  anschwellen.  Er  erreicht  nie  die  Gröfse  des  vorigen,  mit 
dem  er  zusammen  vorkommt. 

A.  Brooki  Sow.  M.  C.  tb.  190.  —  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  27. 
f.  2.  —  V.  Buch,  Jura,  p.  29.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  132. 

Er  wächst  viel  schneller  als  A.  Bucklandi  an.  Bei  seiner  ge- 
wöhnlichen Gröfse  von  1  —  ^"  im  Durchmesser  werden  die  Seiten  von 
22  wenig  zurückgebogenen  und  am  Rücken  nur  schwach  anschwellen- 
den Rippen  bedeckt.  Gewöhnlich  ist  er  in  der  Nähe  der  Bauchseite 
am  breitesten  und  verengt  sich  bedeutend  nach  dem  Rücken  zu. 

Häufig  im  Lias  von  Lyme  Regis  in  England,  von  Gammelshausen 
und  bei  Göppingen,  auch  noch  in  den  dunkelgefärbten  Schieferkalken 
Würtembergs  unmittelbar  über  den  Liaskalken. 
Gcinitz,  Versteiuerungskunde.  19 


290 


WEICHTHIBRE. 


b.  Falciferi^  die  Sicheltragenden.  „Loben  sehr  ge- 
zähnelt  und  in  der  Tiefe  mit  bedeutender  Breite,  kaum  schmäler 
als  an  ihrer  Mündung.  Sättel  wenig  eingeschnitten,  besonders 
flach  und  fast  alle,  wenigstens  von  dem  Laterallobus  an,  hinter 
einander  in  einer  Linie,  welche  ohngefähr  auch  der  Radius  der 
Windung  ist.  Der  Dorsallobus,  viel  kürzer  als  der  obere  Lateral, 
slüfsl  die  spitzen  Enden  seiner  beiden  Arme  schief  gegen  den 
Lateral,  so  dafs  beide  Arme  bedeutend  divergiren,  und  seine  Wände 
gehen  schief  zum  Dorsalsattel  herauf.  Streifen  und  Falten  der 
Seiten  höchst  zart  und  fein.  Sie  biegen  sich  erst  vorwärts,  dann 
mit  schneller  AVindung  bedeutend  zurück,  und  nahe  am  Rücken 
abermals  so  weit  gegen  die  MundöiFnung  hin,  dafs  hier  eine  aus- 
gezeichnete Sichel  entsteht.  Innere  Seite  der  Windungen  jederzeit 
mit  besonders  scharfer,  ebener  Fläche  abgestumpft.  Rücken  meist 
scliarf,  einzig  aus  dem  Sipho  bestehend."   (v.  Buch.) 

A.  depressus  v.  Buch,  rec.  de  Planches  etc.  PL  1.  f.  3.  — 
Hiernach  Taf.  X.  Fig.  21.  (Loben)  und  Fig.  22.  —  v.  Buch,  Jura,  p. 
38.  —  A.  elegans  Ziet.  tb.  16.  f.  5.  6.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  257. 

Er  ist  sehr  involut,  d.  h.  sein  Anwachsen,  und  zwar  in  die 
Höhe,  ist  so  bedeutend,  dafs  die  spätere  Windung  die  vorhergehende 
1"  umschliefst.  Innere  Seiten  der  Windungen  nach  dem  engen  Nabel 
treppenförmig  abgesetzt,  äufsere  Seiten  hoch,  mit  mäfsig  starken,  sichel- 
förmig gekrümmten  Falten  bedeckt.  Rücken  scharf.  Meist  4-^5^'  grofs. 
Häufig  im  Liasschiefer  von  Würtemberg. 

A.  Murchisonae  Sow.  M.  C.  tb.  550.  —  Ziet.  Verst.  Würt. 
tb.  6.  f.  1  —  4.  —  V.  Buch,  Amm.  p.  52.  —  Br.  Leth.  p.  426.  tb.  22. 
f.  3.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  306. 

Die  Windungen  sind  i  bis  f  involut  und  fallen  nach  innen  zu 
treppenförmig  ab.  Die  hohen  Seiten  verlaufen  mehr  oder  weniger 
schnell  nach  einem  scharfen  Rückenkiele  ab  und  tragen  vierzehn  bis  zwan- 
zig flache  Sichelrippen,  welche  einfach  oder  zwei-  bis  dreitheilig  sind. 
Bis  zu  l'  grofs  im  oberen  Lias- Sandsteine  und  im  unteren  Oolilh 
von  England  und  Schottland. 

A.  opalinus  Rein.  —  Taf.  XI.  Fig.  3.  (?).  Nach  Ziet.  tb.  4. 
f.  4.  (^A.  primordialis  Schi.,  A.  elUpticus.  Sow.)  —  v.  Buch,  Amm. 
p.  52.  —  Br.  Leth.  p.  427.  tb.  22.  f.  4.  —  Quenst.   Flötzg.  p.  285. 

Schliefst  sich  durch  seine  Form  an  den  vorigen  an.  Seine 
schneeweifse ,  oft  noch  opalglanzendc  Schaale  ist  mit  feinen  und  ab- 
wechselnd scharfen  Sichel-Linien  und  Streifen  bedeckt,  welche  sich  bü- 
schelförmig vereinigen  und  dann  das  Ansehen  von  flachen  Sichelrippen 
erhallen.     Gewöhnlich  von  geringer  Gröfse,  doch  auch  6  —  l"  grofs. 


KOPFFÜSSER. 


291 


Nach  Quensledt  für  die  untersten  Thonlagen  des  braunen  Jura 
Würtembergs  charakteristisch. 

A,  radians  Rein.  —  Ziet.  tb,  4.  f.  3;  tb.  7.  f.  7.  (cosfulatus)  \ 
ib.  9.  f.  7.  (lineatus);  tb.  10.  f.  5.  (mdulatus) ;  tb.  14.  f.  6.  (stria- 
tulus);  f.  7.  (solaris);  tb.  28.  f.  3.  (Aalensis).  —  Br.  Leth.  p.  424. 
tb.  22.  f.  5.       V.  Buch,  Jura,  p.  43.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  270. 

Windungen  wenig  involut  (J  bis  f).  Die  ziemlich  flachen  Sei- 
ten wölben  sich  oben  zu  einem  stumpfen  oder  gekielten  Rücken  zu- 
sammen und  fallen  nach  innen  (der  Nabelgegend)  häufig  ohne  Kante 
ab.  Die  Oberfläche  ist  mit  etwa  fünfzig  Rippen  bedeckt,  welche  un- 
ten nur  schwach  gebogen,  fast  ohne  Knie  sind,  aber  in  der  Nähe 
des  Kieles  sich  schnell  nach  vorn  biegen. 

Häufig  im  Liasschiefer  Deutschlands,  oft  ganz  flach  gedrückt. 

A.  Serpentinus  Rein.  —  Br.  Leth.  p.  424.  —  v.  Buch,  Jura, 
p.  38.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  258. 

Wenig  involut.  Wegen  seiner  geringen  Höhenzunahme  gleicht 
er  einer  spiralförmig  gewundenen  Schlange.  Durch  das  treppenförmigo 
Abfallen  der  Windungen  nach  innen  mit  einer  Kante  unterscheidet  er 
sich  sogleich  von  dem  vorigen.  Hierzu  kommt  die  mehr  S-förmige 
Gestalt  der  schmalen  Rippen  und  eine  flache  Einsenkung  längs  der 
Mitte  der  Seitenflächen. 

Nach  v.  Buch  im  fränkischen  Jura  bei  Nürnberg,  Bayreuth,  Banz, 
und  im  oberen  Lias  von  Schwaben. 

A.  Walcotti  Sow.  M.  C.  tb.  106.  —  Br.  Leth.  p.  432.  (pi- 
frons).  —  V.  Buch,  Jura,  p.  39.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  259. 

Hier  tritt  diese  Einsenkung  als  flache  Furche  noch  deutlicher 
hervor,  da  besonders  die  Sichelrippen  erst  über  ihr  deutlich  hervor- 
treten, während  die  Furche  selbst  und  die  Fläche  darunter  nur  fein 
gestreift  ist.  Uebrigens  hat  diese  Art  einen  breiten  Racken  mit  einem 
Kiele,  welche  nur  bei  den  Arieten  durch  eine  Furche  von  den  Seiten 
getrennt  ist.     Gegen  3''  grofs. 

Im  oberen  Lias  und  unteren  Oolith  von  Franken,  Schwaben,  Frank- 
reich und  England. 

A.  he  oticus  (hecticus  et  fonticola)  Rein.  —  Br.  Leth.  p.  428. 
tb.  22.  f.  9.  —  V.  Buch,  Jura,  p.  67.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  387.  Nie 
über  ly  grofs  und  gewöhnlich  viel  kleiner. 

Nach  V.  Buch  durch  das  auffallend  grofse  und  hohe  Knie,  mit 
welchem  der  Sichelstiel  der  Falten  in  die  zwei-  bis  dreitheilige  Sichel 
übergeht,  besonders  ausgezeichnet.  Windungen  halbumfassend,  elliptisch 
rundlich,  etwa  J  höher  als  breit.  Nach  Quenstedt  variirt  diese  Art 
sehr  bedeutend,  indem  junge  Individuen  oft  ganz  glatt  (A.  laevigatus 

19* 


292 


WEICIITIHERE. 


Rein.)  sind,  anderen  die  Knotung  mangelt  und  bei  ihnen  die  Sicheln 
sehr  gedrängt  stehen  {A.  Lunula  Münst.)  u.  s.  f. 

Sehr  häufig  im  oberen  braunen  Jura  (Oxfordthone  und  Kelloway- 
Rock)  Frankens  und  Schwabens,  der  Schweiz  und  Frankreichs. 

c.  Amalthei.  {AmaUhea^  die  Ziege  des  Jupiter.)  Die  Si- 
cheln undeutlich,  indem  die  Seitenrippen  oder  Falten  sich  erst 
oben  stark  nach  vorn  biegen  und  bis  auf  den  starken  Kiel  fort- 
setzen, welchen  sie  dann  meistens  in  Knoten  oder  Schuppen  ab- 
iheilen. Nach  V.  Buch  ist  der  Dorsallobus  viel  kürzer  als  der 
obere  Lateral,  und  seine  Wände  gehen  schief  zum  Dorsalsattel 
Iierauf,  doch  weniger  schief  als  bei  den  Falciferen.  Der  obere 
und  untere  Lateral  sind  sehr  breit,  fast  so  breit  als  tief,  Sättel 
und  Loben  aufserordentlich  zerschnitten,  so  dafs  in  den  Loben 
grofse  und  weit  ausgreifende  Arme,  in  der  Mitte  der  Sättel  sehr 
tiefe  Secundärloben  entstehen.  Die  Spitzen  der  Zähne  stehen  ge- 
wöhnlich senkrecht  auf  der  Achse  der  Loben. 

Vom  Lias  an  bis  in  die  oberen  Schichten  des  Jura. 

Ä.  amaltheus  v.  Schloth.  —  Ziel.  Verst.  Würt.  tb.  4.  f.  1.  2. 

—  Taf.  XL  Fig.  5.  (1)  nach  Zieten.  —  Br.  Leth.  p.  434.  Ib.  22.  f.  13. 

—  y.  Buch,  Ammon.  tb.  3.  f.  3;  Jura,  p.  37.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  204. 

Flach  scheibenförmig,  zur  Hälfte  involut,  mit  knotigem  Kiele, 
dessen  Knotenzahl  die  wenig  gebogenen  Sichelfalten  mehr  als  um  das 
Doppelte  übertrifft.  Die  oft  noch  erhaltene  Schaale  ist  auf  ihrer  oberen 
Hälfte  der  Seite  bis  zu  dem  Kiele  hin  quer  gestreift.  Je  glätter,  um 
so  flacher  und  hochmündiger  sind  die  Individuen;  junge  Exemplare 
sind  durch  starke,  dornige  Erhöhungen  auf  den  Seiten  breitrückiger, 
sogar  breiter  als  hoch,  und  werden  im  Alter  erst  wieder  glatt;  bei 
anderen  bleiben  die  Stacheln  das  ganze  Leben  hindurch  oder  fehlen 
in  der  Jugend  und  kommen  im  Alter  erst  wieder. 

A.  amalth.  gibbosus  Schloth.  und  A.  Stockesü  Sow.  sind  der- 
artige stachelige  Varietäten. 

Die  Gröfse  beträgt  an  Individuen,  wie  sie  in  Unzahl  im  Lias- 
schiefer  Würtembergs  u.  a.  a.  0.  vorkommen,  gewöhnlich  2 — 3'^ 

A.  costatus  Rein.  —  Taf.  XI.  Fig.  4.  (4).  Nach  Ziet.  Verst. 
Würt.  Ib.  4.  f.  7.  —  Br.  Leih.  p.  436.  tb.  22.  f.  12.  —  v.  Buch,  Jura, 
p.  38.  —  Quenst.  Flölzg.  p.  206. 

Die  vier  bis  fünf  auf  einander  liegenden  Windungen,  von  fast 
quadratischem  Durchschnitte,  haben  einen  breiten,  rinnenförmigen  Rücken, 
in  dessen  Mitte  ein  stark  gekerbter  Kiel  (der  Sipho)  liegt,  und  ein- 
fache hohe  Seitenrippen,  welche  ,an  der  Gränze  des  Rückens  zu  zwei 
Knoten  anschwellen,  von  denen  der  untere  spitzer,  der  obere  stumpfer 


kopffC'sser. 


'  293 


ist.  Die  oft  noch  opalglänzende  Schaale  ist  zwischen  den  Rippen 
noch  längsgestreift. 

Wegen  seiner  grofsen  Häufigkeit  in  den  unteren  Liasschichten 
Frankens,  wo  er  sich  2  —  3''  grofs  oft  in  Knollen  (Geoden)  von  thon- 
igem Brauneisensteine    findet,   nannte   ihn   Schlotheim  A.  Franconicus. 

A.  cordafus  Sow.  M.  C.  tb.  17.  f.  1.  2.  —  Br.  Leth.  p.  437. 
ib.  22.  f.  15. 

Windungen  i  bis  f  umfassend,  nach  innen  steil  abgesetzt;  Sei- 
tenflächen erst  parallel,  dann  schnell  nach  einem  scharfen  Kiel  oder 
in  einem  gerundeten  Rücken  zusammenlaufend.  Der  Kiel  ist  nicht  sel- 
ten auf  jeder  Seite  von  einer  flachen  Furche  begleitet.  Seiten  mit 
stärkeren  oder  schwächeren,  über  die  Mitte  meist  mehrtheiligen  Rip- 
pen bedeckt,  welche  oben  weit  nach  vorn  und  über  den  schwach  ge- 
kerbten Sipho  hinweg  laufen. 

Bis  2"  grofs,  häufig  in  den  Oolithen  Schwabens  und  Frankens, 
der  Schweiz,  Hannovers,  Frankreichs  und  Englands. 

A.  Lamberti  Sow.  M.  C.  tb,  242.  f.  1 — 3.  —  Ziel.  Verst. 
Würt.  tb.  28.  f.  1.  —  Br.  Leth.  p.  438.  tb.  22.  f.  14.  —  v.  Buch, 
Jura,  p.  66.  —  Quenst.  p.  384. 

Ist  dem  vorigen  sehr  ähnlich,  unterscheidet  sich  jedoch  vorzugs- 
weise durch  die  viel  geringere  Biegung  der  Falten  nach  vorn,  welche 
unter  spitzem  {A.  Lamberti)  oder  unter  stumpfem  Winkel  (yl.  ompha- 
lodes  Sow.)  sich  auf  der  Milte  des  Rückens  mit  denen  der  anderen 
Seite  verbinden.  Zwischen  den  längeren  Rippen  setzen  sich  kür- 
zere ein. 

Vorzüglich  im  Oxfordthone  und  .in  ihm  meist  in  Thoneisenstein 
verwandelt.  So  in  Würtemberg  (Gammelshausen),  Hannover,  Franken, 
England  ii.  s.  f. 

d.  Capricorni.  (capra^  Ziege;  cornu^  Horn.)  Ringartige, 
ungetheilte,  gewöhnlich  starke  Rippen  laufen  über  den  breiten 
Rücken  hinweg,  auf  welchem  der  Sipho  nicht  besonders  hervor- 
ragt, so  dafs  die  Windungen  am  meisten  an  das  Horn  eines 
Steinbocks  erinnern.  Der  Rückenlobus  geht  senkrecht  herab,  die 
Seitenloben  sind  wenig  tiefer  als  breit  und  unten  oft  breiter  als 
oben.  Die  Windungen  liegen  auf  einander  oder  umfassen  sich 
nur  sehr  wenig. 

A.  capricornus  v.  Schloth.  —  Taf.  XI.  Fig.  6.  (4).  Nach 
Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  4.  f.  8.  —  A.  planicosta  Sow.  M.  C.  tb,  73. 
—  V.  Buch,  Amm.  tb.  4.  f.  4.  b;  Jura,  p.  37.  —  Br.  Leih.  p.  440. 
tb.  23.  f.  1.  —  Quenst.  Flölzg.  p.  158. 


294 


WEICHTHIEKB. 


Die  sich  kaum  umfassenden  Windungen  sind  im  Durchschnitte 
fast  breiter  als  hoch,  und  dicke,  gerundcle  Rippen  schwellen  auf  dem 
Rücken  zu  einer  breiteren,  dickeren  Fläche  an.  A,  maculatus  Phillips 
(Geol.  of  Yorhshire  I.  PL  13.  f.  11.)  ist  eine  Varietät,  wo  die  Rip- 
pen auf  dem  Rücken  nicht  breiter  werden. 

Im  unteren  Lias  von  Franken  und  Würtemberg,  England  und 
Frankreich. 

A.  natrix  v.  Schlotli.,  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  4.  f.  5.  —  Quenst. 
Flölzg.  p.  167. 

Sehr  kleine  Ammoniten,  die  wegen  der  geringen  Umfassung  der 
Windungen  einer  spiralförmig  aufgerollten  Schlange  gleichen.  An  der 
Gränze  des  breiten  Rückens  bilden  die  deutlichen  Rippen  ein  Knötchen, 
und  laufen  von  hier  zwei-  bis  dreitheilig  über  den  schwach  gewölb- 
ten Rücken  hinweg,  dem  gegenüberliegenden  Knötchen  zu. 

Im  mittleren  schwarzen  Jura  Würtembergs. 

A.  fimbr latus  Sow.  M.  C.  tb.  J64.  —  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  12. 
f.  1.  —  Br.  Leth.  p.  Ml.  —  v.  Buch,  Jura  p.  44.  —  Quenst.  Flötzg. 
p.  260. 

Wellenartig  gekräuselte,  streifenförmige  Linien  laufen  ringförmig 
über  Seiten  und  Rücken  hinweg.  Bevor  er  die  Gröfse  von  ^"  er- 
reicht, sind  diese  Streifen,  nach  Quenstedt,  nur  einfache,  feine  Linien 
{A.  lineatus  v.  Schloth.).  Die  im  Durchschnitt  fast  kreisrunden  Um- 
gänge umschliefsen  sich  höchst  wenig. 

Im  oberen  schwarzen  Jura  Würtembergs  besonders  im  jüngeren 
Zustande  häufig. 

e.  Planulati,  (planus^  eben.)  Alle  Windungen  liegen  fast 
in  einer  Ebene.  Die  Rippen  spalten  sich  oberhalb  der  Hälfte  der 
Seiten  ohne  Knoten,  und  laufen  über  den  abgerundeten  Rücken 
hinweg.  Nach  v.  Buch  ist  der  Dorsallobus  theils  kürzer,  theils 
länger  als  der  obere  Lateral ,  hat  senkrechte  Wände  und  Arme, 
die  Seitenloben  sind  wohl  dreimal  tiefer  als  breit  und  mit  weit 
verbreiteten  abstehenden  Armen  versehen,  und  nach  dem  unteren 
Lateral  senken  sich  zwei  oder  drei  Auxiliarloben  mit  ihrer  Münd- 
ung schief  herab. 

Sie  finden  sich  besonders  in  den  Oolithen  und  den  oberen 
Kalksteinschichten  der  Juraformation,  nicht  aber  in  der  Kreide. 

A.  polyplocus  Rein.  —  Taf.  XI.  Fig.  8.  (i).  Nach  Ziet.  Verst. 
Würt.  tb.  8.  f.  7.  —  ßr.  Lelli.  p.  445.  tb.  23.  f.  5.  —  v.  Buch,  Jura, 
p.  73.  —  Quenst.  Flölzg.  p.  443. 

Windungen  höher  als  breit,  sich  mehr  als  die  Hälfte  umschlie- 
fsend.     Die  flachen  Seiten  sind   gegen  einander  geneigt  und  mit  30 


kopffCsser. 


295 


bis  40  fast  geraden  Rippen  besetzt,  welche  sich  in  der  Nahe  des 
Rückens  unregelmäfsig  in  zwei  bis  fünf  Falten  theilen,  die  über  den 
Rücken  hinAveglaufen.     Bis  4"  grofs. 

Im  Jurakalke  von  Hohnstein  in  Sachsen,  im  mittleren  weifsen 
Jurakalke  Würtembergs! ,  in  Franken,  der  Schweiz  und  in  Polen. 

A,  biplex  Sow.  M.  C.  tb.  293.  f,  1.  2.  —  Taf.  XI.  Fig.  7. 
(i).  Nach  Br.  Leih.  p.  443.  tb.  23.  f.  3.  (Ä.  communis.)  —  v.  Buch, 
Jura ,  p.  74.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  444. 

Windungen  nur  ^  sich  umschliefseud ,  mit  gewölbten  Seiten. 
Scharfe  Rippen  theilen  sich  oben  bestimmt  in  zwei  Rippen,  welche 
sich  auf  dem  schmalen,  gewölbten  Rücken  etwas  nach  vorn  biegen. 
Bis  über  4"  grofs. 

Mit  vorigem  zusammen. 

A.  Tarkinsonii  Sow.  M.  C.  tb.  307.  —  Ziet.  Verst.  Würt.  tb. 
10.  f.  7.  —  Quenst.  Flötzg.  p.  360. 

Windungen  ^  umschliefsend,  mit  hohen,  fast  flachen  Seiten,  wel- 
che schwach  gegen  einander  geneigt  sind.  Starke  Seitenrippen  thei- 
len sich  in  der  Nähe  des  Rückens  unregelmäfsig  in  zwei  Theile, 
nicht  selten  steht  auch  eine  ungetheilte  Rippe  dazwischen,  und  unter 
einem  Winkel  von  50  bis  60  Grad  gehen  dieselben  bis  zu  einer 
Furche,  die  längs  der  Höhe  daß  Rückens  läuft.  Hier  wechseln  die 
Enden  der  Rippen  meist  mit  einander  ab.  Wenn  diese  Furche  schwä- 
cher entwickelt  ist,  so  wird  er  dem  A.  Lamberti  sehr  ähnlich.  Bis 
über  1'  grofs. 

Im  oberen  braunen  Jura  Würtembergs!  bei  Hildesheim,  bei  Hohn- 
slein in  Sachsen,  durch  Herrn  Berghauptmann  v.  Charpentier  bei  Li- 
pitze  in  der  Nähe  von  Bodzanowitz  und  Sternalitz  mit  Pholadomya 
Murchiscni  zusammen  aufgefunden,  u.  a.  a.  0. 

f.  Dorsati.  {dorsum^  Rücken.)  Rücken  breit,  mit  der 
Seite  fast  im  rechten  Winkel  verbunden.  Eine  einfache  Knoten- 
reihe, durch  welche  einfache  Falten  gewöhnlich  in  doppelte  zer- 
Iheilt  werden,  läuft  nahe  am  Rücken  fort;  Rucken  jederzeit  schmä- 
ler als  die  Seite,  wodurch  die  meisten  Arten  ziemlich  scheiben- 
artig werden.  Auch  hier  gehen  die  Auxiliarloben  schief  gegen 
den  oberen  Lateral,  wenn  auch  nicht  bei  allen  Arten,    (v.  Buch.) 

A.  Davoei  Sow.  M.  C.  tb.  350. —  Taf.  XI.  Fig.  II.  (i)-  Nach 
Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  14.  f.  2.  —  Br.  Leth.  p.  447.  —  v.  Buch,  Jura, 
p.  45.  —  Quenst.  p.  171. 

Fünf  bis  sechs  nur  J  involute  Windungen  liegen  fast  alle  in 
einer  Ebene,  und  sind  im  Durchschnitt  fast  viereckig.  Seiten  wenig 
gewölbt,  Rücken  breit.     Auf  mehreren  der  schmalen  Rippen  steht  an 


296 


WEICHTIIIERK. 


der  Gränze  zwischen  Seiten  und  Rücken  ein  stumpfer  Knoten,  von 
wo  diese  Rippe  zweilhcilig  über  den  Rücken  läuft. 

Im  mittleren  Lias  von  Deutschland,  namentlich  Würtemberg,  Eng- 
land und  Frankreich. 

g.  Coronarii.  (corona^  Krone.)  Eine  ausgezeichnete  Reihe 
von  Spitzen  dehnt  den  Rücken  so  aus ,  dafs  er  -.ganz  flach  und 
viel  breiter  als  die  Seite  wird.  Scharfe,  weit  hervortretende  Fal- 
ten werden  durch  die  Spitzen  zerspalten.  Die  Windungen  greifen, 
hei  verhältnifsmäfsig  geringer  Höhe,  sehr  weit  über  einander  und 
bilden  einen  tiefen  iimbüicus  (Nabel).  Der  obere  Lateral  steht 
jederzeit  über  den  Spitzen,  der  untere  darunter.  Der  Dorsallobus 
ist  länger  als  der  obere  Lateral,  mehrere  Auxiliarloben  sind  aber 
noch  in  Stellung  und  Form  denen  der  Planulaten  ganz  ähnlich. 
Nur  in  den  mittleren  Oolithen.   (v.  Buch.) 

A.  cor onatus  v.  Schloth.  —  A.  Blagdeni  Sow.  M.  C.  th,  201. 
—  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  1.  f.  1.  —  Quenst.  p.  326. 

Windungen  sehr  breitrückig,  an  der  inneren  Seite  mit  dicken 
Rippen  bedeckt,  welche  an  der  Rückenkante  zu  hohen  Knoten  an- 
schwellen und  von  da  drei-  bis  vierspaltig  über  den  gerundeten 
Rücken  laufen.  Individuen  von  l"  Durchmesser  erreichen,  nach  Quen- 
stedt,  eine  Höhe  von  . 

Leitend  für  den  mittleren  braunen  Jura,  besonders  in  Würtem- 
berg;  im  unteren  Oolith  von  Scherborne. 

A.  anceps  Rein.,  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  1.  f.  2  u.  3.  —  Quenst. 
Flötzg.  p.  365. 

Diese  kleinen,  breitrückigen  Ammoniten,  die  häufig  im  oberen 
braunen  Jura  Würtembergs  vorkommen,  scheinen  wegen  ihrer  grofsen 
Aehnlichkeit  mit  A.  coronatus  junge  Exemplare  davon  zu  sein. 

A.  Humphresianus  Sow.  M.  C.  tb.  500.  f.  1  —  3.  —  Ziet. 
Verst.  Würt.  67.  f.  2.  Hiernach  Taf.  XI.  Fig.  9.  (i).  Die  Loben  (A.) 
sind  verfehlt. 

Dem  A.  coronatus  sehr  ähnlich,  doch  ist  der  Rücken  viel  höher 
gewüUit  und  die  Windungen  sind  weniger  umfassend. 

Häufig  im  mittleren  Jura  Würtembergs  (und  zwar  in  den  Eisen- 
oolithen),  Englands,  Frankreichs,  Frankens,  und  im  Jurakalke  von 
Hohnstein  in  Sachsen  oft  von  der  Seile  ganz  zusammengedrückt. 

A.  convolutus  v.  Schloth.  —  Taf.  XL  Fig.  10.  (f).  Nach 
Br.   Leth.  Ib.  23.  f.  9.  (A.  annularis).  —  Quenst.  Flötzg.  p.  382. 

Windungen  wenig  involut,  breiter  als  hoch,  und  häufig  einge- 
schnürt. Durch  das  Zwcitheiligc  der  Rippen  erinnert  er  sehr  an  A. 
biplex^   von   welchem   er   sich  jedoch   durch   spitze   Knötchen  unter- 


KOr'FFiJsSBR. 


297 


scheidet,  die  sich  gewöhnlich  an  den  Theilungspunkten  der  Rippen 
erheben. 

Von  l"  Gröfse,  häufig  im  oberen  braunen  Jura  Würtembergs 
und  im  Jurakalke  von  Hohnstein  in  der  sächsischen  Schweiz. 

h.  Macrocephali.  Die  Grof sköpf ig en.  Die  Stärke- 
zunahme der  Windungen  ist  vorzüglich  in  die  Breite  ungemein  stark. 
Rücken  und  Seiten  verbinden  sich  zu  einem  völligen  Halhzirkel.  Ge- 
gen die  früheren  Windungen  fällt  aber  die  Seite  oft  mit  scharfer 
Kante  und  zuweilen  senkrecht  herab.  Der  untere  Lateral  steht  alle- 
zeit über  der  inneren  Kante,  nicht  wie  bei  den  Coronariern  dar- 
unter. Die  Arten  finden  sich  in  den  Oolithen  und  in  der  Kreide, 
(v.  Buch.) 

A.  macrocephalus  v.  Schloth.  —  Taf.  XI.  Fig.  12.  (f).  Nach 
Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  14.  f.  3.  —  A.  Herweyi  Sow.  M,  C.  tb.  195. 

—  Br.  Leth.  p.  455.  tb.  23.  f.  11.  —  v.  Buch,  Jura,  p.  61.  — 
Quenst.  p.  363. 

Zusammengedrückt  kugelig,  mit  engem  Nabel.  Durchschnitt  der 
sehr  umfassenden  Windungen  halbmondförmig;  scharfe  hohe  Radialrip- 
pen gehen  ohne  Knoten  zwei-  bis  dreitheilig  über  den  Rücken  hinweg. 

1  —  22"  grofs  im  oberen  braunen  Jura  Würtembergs! 

A.  peramplus  Sow.  M.  C.  tb.  357. —  A.  Lewesiensis  Mantell, 
Geol.  of  Süss.  tb.  22.  f.  2.  —  Gein.  Char.  p.  39.  u.  67.  tb.  12.  f.*2. 

—  d'Orb.  Pal.  f.  Terr.  cret.  I.  p.  333.  tb.  100.  f.  \.  % 

Windungen  4  bis  J  involut,  stark  gewölbt  nach  den  vorigen 
abfallend,  etwa  doppelt  so  hoch  als  breit.  Die  gewölbten  Seiten  ver- 
laufen allmählig  in  den  gerundeten  oder  stumpf  gekielten  Rücken.  Ent- 
ferntstehende ,  stumpfe ,  oben  schwach  nach  vorn  gekrümmte  Rippen 
beginnen  am  unteren  Rande  der  Seiten  mit  einem  flachen  Knoten  und 
werden  nach  oben  flacher  und  undeutlicher.  Bei  gröfseren  Exemplaren 
lagern  sich  an  der  letzten  Windung  zwischen  die  gröfseren  Falten 
noch'  vier  bis  fünf  kleinere.  Bei  einem  Durchmesser  von  4"  zählt 
man  auf  eine  Windung  zehn  bis  zwölf,  bei  12"  etwa  die  doppelte 
Menge  von  Rippen.  Auf  einem  Exemplare  bemerke  ich  auf  der  Schaale 
ganz  ähnliche  Querstreifung,  wie  bei  A.  amaltheus  zuerst  von  Quen- 
stedt  beobachtet  wurde. 

Bis  über  2'  grofs  häufig  im  Plänerkalke  von  Sachsen  und  Böh- 
men, seltener  im  mittleren  Pläner  und  in  den  diesen  entsprechenden 
Schichten  Frankreichs  und  anderer  Länder. 

A.  Decheni  Rom.  Kreide,  p.  85.  tb.  13.  f.  1. 

Scheibenförmig,  mit  vier  bis  fünf,  i  bis  f  involuten  Windungen, 
die   nach   den    früheren  von  einer  Kante   steil   abfallen,  mit  schwach 


298 


WEICHTHIERE. 


gewölbten  Seiten,  die  sich  mit  dem  gerundeten  oder  stumpf  gekielten 
Rücken  allmälilig  vereinigen.  An  der  Seitenkante  beginnen  entfernt 
stehende  Ha'uptrippen,  von  denen  sich  die  meisten  kurz  darauf  zu  einem 
schmalen  hohen  Knoten  erheben  und,  erst  rückwärts  gebogen,  nebst 
zwei  bis  drei  schwächeren  und  kürzeren  Rippen  zwischen  ihnen,  mit 
einer  starken  Biegung  vorn  über  den  Rücken  laufen. 

Wiewohl  ich  noch  kein  Exemplar  mit  ganz  vollkommenen  Loben 
beobachtet  habe,  so  zeigt  doch  das  eine  entschieden,  dafs  diese  Art 
zu  den  Macrocephalen  gestellt  werden  mufs.  In  der  Gröfse  von  1  — 
3"  der  häufigste  Ammonit  in  dem  Plänerkalke  von  Strehlen.  Aufser- 
dem  in  Böhmen  und,  nach  Römer,  im  Quader  des  Teutoburger  Waldes. 

i.  Armati.  Die  Bewaffneten.  Mehrere  Spitzenreihen 
laufen  parallel  über  die  Seiten,  selten  über  den  Rücken.  Dieser 
wird  flach,  oft  breiter  als  die  Seite  und  ist  mit  ihr  durch  eine 
Kante  fast  im  rechten  Winkel  verbunden,  auf  welcher  die  obere 
Spitzenreihe  steht.  Der  Dorsallobus  ist  etwas  tiefer  als  der  obere 
Lateral,  dieser  nicht  selten  dreimal  tiefer  als  breit.  Der  Dorsal- 
sattel ist  mehr  als  doppelt  so  breit  als  dieser,  mit  einem  tiefen 
Secundärlobus  in  der  Mitte,  und  oben  ganz  flach.  Der  untere 
Lateral  ist  sehr  klein. 

•  In  den  jüngeren  Oolithen  und  in  der  Kreide,  A.  Birchü  Sow., 
A.  Backeriae  Bronn  und  A.  Ziphus  Ziet.  hingegen  im  Lias.  (v. 
Buch.) 

A.  Rhotomagensis  v.  Buch,  Amm.  p.  15.  —  Taf.  XI.  Fig.  14. 
(verkleinert).  Nach  Bronn,  Leth.  tb.  33.  f.  1.  —  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr. 
er.  I.  p.  345.  tb.   105.  106. 

Windungen  dick,  im  Durchschnitte  fast  achtkantig,  mit  einigen 
zwanzig  dicken,  gerade  über  den  Rücken  laufenden  Radialrippen  be- 
deckt, welche  meist  abwechselnd  an  der  inneren  Seite  der  Windungen 
und  in  der  Mitte  der  Seiten  entspringen.  Die  ersteren  schwellen  bald 
nach  ihrem  Anfange,  beide  an  dem  oberen  Theile  der  Seiten  und  dar- 
auf an  der  Gränze  des  Rückens  zu  einem  spitzen  Knoten  an ,  und  auf 
der  Mitte  des  Rückens  entsteht  durch  einen  länglichen  Knoten  an  je- 
der Rippe  ein  unterbrochener  Kiel.  Bei  älteren  Exemplaren  werden 
die  Knoten  undeutlicher  und  verschmelzen  mehr  mit  den  stark  erho- 
benen Rippen. 

Bis  zu  einer  Gröfse  von  1^'  vom  unteren  Quader  an  (ßannewitz 
bei  Dresden,  bis  zu  dem  oberen  Pläner  (Strehlen)  in  Sachsen,  Böh- 
men und  Norddeutschland,  in  der  Kreide  von  England  und  den  glau- 
conitischen  Schichten  von  Frankreich. 


kopfflsser. 


299 


A,  Manteliii  Sow.  M.  C.  tb.  55.  —  Manl.  GeoL  of  Süss.  tb.  22. 
f,  1.  —  Gein.  Char-  p.  67.  —  Rom.  Kr.  p.  88.  —  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr. 
er.  1.  p.  340.  tb.  103.  104. 

Dick  scheibenförmig,  zu  ^  involut,  mit  flach  gerundeten  Seiten 
und  gerundetem  oder  durch  drei  Höcker  dreiseitig  werdendem  Rücken. 
Im  Durchschnitt  breiter  als  hoch.  Starke  Rippen,  von  denen  die  ab- 
wechselnden erst  später  beginnen,  verdicken  sich  nach  oben  alhnählig. 

Bis  über  l'  grofs  häufig  im  unteren  Quader  (Bannewitz,  wo  die 
Arbeiter  ihn  und  den  vorigen  versteinerte  Bäben  nennen),  im  Pläner- 
mergel  des  Tunnels  von  Oberau,  im  Pläner  von  Böhmen,  dem  Harze 
u.  s.  w. 

k.  Dentati  und  Ornati.  Die  Gezähnten  und  Ge- 
schmückten. „Rücken  flach  oder  vertieft,  schmal  und  ungekielt; 
an  die  grofsen  und  fast  parallelen  Seitenflächen  mittels  je  einer 
rechtwinkeligen,  gezähnten  Kante  angränzend,  deren  Zähne  von 
den  Radien  der  Seitenflächen  oft  unabhängig  (minder  zahlreich)  sind. 
Diese  zeigen  nämlich  feine  Radial  -  Rippen ,  welche  in  ihrer  Mitte 
gegabelt  und  an  diesen  Theilungspunkten  mitten  auf  der  Fläche 
öfters  mit  je  einem  kleinen  Knötchen  besetzt  sind.  Zum  Unter- 
schiede von  der  vorigen  Familie  ist  der  Rückenlappen  viel  weniger 
lief  als  der  obere  Seitenlappen. 

Im  Oxfordthone,  in  den  höheren  Oolithen  und  in  der  Kreide." 
(Bronn.) 

A.  ornatus  v.  Schloth.  —  Taf.  XI.  Fig.  13.  (f).  Nach  Ziet. 
Verst.  Würt.  tb.  13.  f.  5.  {A.  deeoratus).  —  A.  Castor  und  A.  Pol- 
lux  Rein.  —  v.  Buch,  explic.  de  trois  planches,  tb.  II.  f.  3.  (A.  Pol- 
lux).  -  A.  Dunkani  Br.  Leth.  p.  460.  tb.  23.  f.  13.  15.  16.  — 
Quenst.  p.  378. 

Windungen  halb  umschliefsend,  im  Durchschnitte  sechsseitig.  Sie 
sind  mit  feinen,  etwas  gebogenen  Rippen  besetzt,  von  denen  etwa 
der  dritte  Theil  in  der  Mitte  der  Seiten  zu  spitzen  Knoten  anschwillt. 
Hier  spalten  sich  die  Rippen  gewöhnlich  in  zwei,  und  diese  vereini- 
gen sich  meistens  wieder  an  den  spitzen  Knötchen,  welche  einen 
schmalen ,  glatten  Rücken  begränzen.  Die  Knotenlinie  des  Rückens 
enthält  gewöhnlich  mehr  als  die  doppelte  Anzahl  der  Seitenknoten. 
Die  gewöhnlich  nur  l"  grofsen  Individuen  werden  theils  rundmündig, 
theils  hochraündig. 

Im  oberen  braunen  Jura  Würtembergs ,  Frankens,  Frankreichs, 
und  dem  entsprechenden  Oxfordthone  und  Kelloway-Rock  Englands. 

A.  varians  Sow.  M.  C.  tb.  176.  —  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  14. 
f.  5.   —   Brongn.  descr.  des  env,  de  Par.  tb.  6.  f.  5.  —  Br.  Leth. 


300 


WEICHTIIIERE. 


p.  725.  tb.  23.  f.  2.  —  Rom.  Kr.  p.  89.  —  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er. 
I.  p.  311.  tb.  92. 

Windungen  halbumfassend,  schnell  an  Gröfse  zunehmend,  höher 
als  breit.  Jede  Windung  ist  auf  der  unteren  Seite  mit  etwa  vierzehn 
Rippen  bedeckt,  welche  an  ihrem  Anfange  und  etwas  unterhalb  der 
Mitte  der  Seiten  zu  spitzen  Knoten  anschwellen,  hier  sich  meist  thei- 
len,  und  nun  divergirend  nach  den  in  gröfserer  Anzahl  an  der  Gränze 
des  Rückens  vorhandenen  Knoten  laufen,  oder,  bevor  sie  dieselben 
erreichen,  sich  auch  wohl  noch  einmal  theilen.  Der  flache  Rücken 
tragt  einen  hohen,  glatten  Kiel. 

Im  Pläner  bei  Sarstedt,  Iburg,  Goslar,  Bochum,  im  Grünsande 
an  der  Waterlappe,  in  der  chloritischen  und  Tuff- Kreide  Frank- 
reichs (Rouenl),  und  in  verschiedenen  Schichten  der  Kreideformation 
Englands. 

I.  Flexuosi.  Die  Gekrümmten.  Zu  beiden  Seiten  des 
Rückens  stehen  ebenfalls  Zähne;  dieser  hebt  sich  darüber  hinaus 
und  ist  knotig.  Seitenfalten  neigen  sich  sehr  stark  vorwärts  ge- 
gen den  Rücken,  sind  gewöhnlich  schon  unter  der  Hälfte  gegabelt 
und  bilden  hier  längliche  Knoten,  welche  den  unteren  Theil  der 
Seitenfläche  etwas  erheben.  Der  Dorsallobus  ist  um  vieles  kürzer 
als  der  obere  Lateral. 

In  den  oberen  Juraschichten  bis  in  die  Kreide,    (v.  Buch.) 

A.  flexuosus  Münst.  —  A.  disciis  Rein.  —  Ziet.  Verst.  Würt. 
tb.  11.  f.  2.  u.  ^;b,  28.  f.  7.  —  Br.  Leth.  p.  463.  tb.  23.  f.  17.  — 
Quenst.  Flötzg.  p.  441. 

Windungen  sehr  hoch,  fast  ganz  umschliefsend.  Die  Rippen 
sind  etwas  sichelförmig  gebogen  und  erheben  sich  an  der  Kante  des 
schmalen  Rückens  und  der  hohen,  flach  gewölbten  Seiten  zu  abwechseln- 
den, stumpfen  Knoten.    Zwischen  ihnen  liegen  mehrere  kürzere  Rippen. 

Meist  gegen  2"  grofs,  doch  auch  bis  l'  grofs  im  oberen  wei- 
fsen  Jura,  dem  Coral-Rag  Deutschlands. 

A.  noricus  Schloth.  —  Röra.  Kr.  p.  89.  tb.  15.  f.  4.  —  Gein. 
Char.  p.  67. 

Scheibenförmig,  Windungen  halbumfassend,  höher  als  breit,  mit 
lang  eiförmiger  Mündung,  mit  zahlreichen,  schwach  sichelförmigen, 
oben  stark  vorwärts  gerichteten  Rippen  bedeckt.  Diese  spalten  sich 
ziemlich  weit  unten,  oder  zwischen  sie  legen  sich  über  der  Mitte  der 
hohen  Seiten  kürzere  Rippen.  Bevor  sie  unter  einem  Winkel  von 
etwa  60''  den  gekerbten  Rückenkiel  erreichen,  schwellen  sie  an  der 
Gränze  des  Rückens  meistens  zu  einem  länglichen  Knoten  an. 


kopffCsser. 


301 


Bis  über  2'  grofs  im  Plänerkalke  von  Strehlen  und,  nach  Rö- 
mer, im  Hilsthone  und  Hilsconglomerate  von  Norddeutschland. 

t  2.  G.  Hamites^  im  weiteren  Sinne.  Qiamus ^  Haken,  Angel.) 

Ammoneen,  deren  Windungen  in  oder  aufserlialb  einer  Ebene 
Spiral  gewunden  oder  beliebig  gebogen  sind,  von  einander  ent- 
fernt liegen  oder  sich  berühren,  und  im  letzteren  Falle  gar  nicht 
oder  nur  eine  Strecke  weit  involut  sind.  Sie  entsprechen  der 
Nautileengattung  Lituites.  Loben  und  Sättel  sind  gezackt  und  zer- 
schnitten, dafs  sie  sich  hierdurch  unmittelbar  an  die  entwickeltsten 
Ammoniten  anschliefsen. 

Bevor  diese  Thiere  für  immer  aus  der  Reihe  der  lebenden 
Geschöpfe  ausschieden,  liefs  die  Natur,  anscheinend  mit  launen- 
hafter Sorgfalt,  sie  noch  einmal  in  wunderlichen  Formen  sich  ent- 
wickeln, die  auf  das  Kreidegebirge  und  zumal  auf  dessen  obere 
Abtheilung  beschränkt  sind 

Die  Hamiten  wurden  von  den  Autoren  in  die  hier  beschrie- 
nen  Untergattungen,  jedoch  nur  künstlich  getrennt. 

A.  Scaphites  Park.  Sow.  Kahnammonit.  Die  Schaale 
bildet  anfangs  mehrere  spirale,  involute  Windungen,  welche  in 
einer  Ebene  liegen,  wie  bei  einem  ächten  Ammoniten,  setzt  aber 
dann  eine  Strecke  gerade  fort  und  biegt  sich  zuletzt,  mit  ihrer 
ovalen  Mündung  wieder  rückwärts  gegen  die  Spirale.  Nach  d'Or- 
bigny  zeigen  die  Kammerscheidewände  aufser  den  sechs  Hauptloben 
noch  Hülfsloben,  und  es  könnten  defshalb,  so  wie  ihrer  lavolu- 
bilität  wegen,  die  Scaphiten  noch  am  ehesten  als  selbstständige 
Gattung  aufgeführt  werden.  Der  Rückenlobus  ist  eben  so  lang 
als  der  obere  Seitenlobus,  der  untere  Seitenlobus  ist  ohngefähr 
um  die  Hälfte  kleiner,  und  viel  kleiner  noch  sind  die  übrigen 
Loben. 

H.  (S.)  aequalis  Sow.  —  Taf.  XH.  Fig.  1.  —  S,  aeq.  und  S, 
ohliquus  Sow.  M.  C.  tb.  18.  —  S.  costatus  und  S.  striatus  Mant.  Geol. 
of.  Süss.  tb.  22.  —  Br.  Leth.  p.  728.  tb.  33.  f.  8.  —  S.  aeq.  und  S. 
cost.  Gein.  Char.  p.  40.  67.  —  S.  aeq. ,  S.  obl.  und  cost.  Rom.  Kr. 
p.  90.  —  S.  aeq.  und  S.  compressus  d'Orbigny,  Pal.  fr.  Terr.  er.  p. 
517.  518.  tb.  129.  f.  1 — 7;  tb.  128.  f.  4.  5.  —  Reufs,  Böhm.  Kr.  p.  23. 


*)  Die  angeblichen  Scaphiten,  Hamiten  und  Turriliten  aus  der  Jura- 
formation, und  namentlich  aus  dem  Lias  von  Frankreich  (d'Orbigny,  Pal.fr. 
Terr.  jur.  1.  p.  172.  tb.  41.  42.),  können  füglich  für  nichts  anderes  als 
für  verdrückte  Ammoniten  gehalten  Averden.  Vergl.  auch  Quenstedt  in  L. 
Br.  J.  1845.  p.  86. 


302 


WEICHTHIERE. 


Die  Schaale  ist  elliptisch,  quer -gestreift  oder  gerippt,  an  den  drei 
ersten  Windungen  sehr  involut,  am  gerade  fortlaufenden  Theile  bauchig 
und  nahe  der  Mündung  wieder  verengt.  Sie  wird  mit  feinen,  schwach 
sichelförmig  gekrümmten  Rippen  bedeckt,  die  sich  in  zwei  bis  drei 
andere  zertheilen  und  mit  ihnen  über  den  gewölbten  Rücken  hinweg- 
laufen; an  dem  gerade  fortlaufenden  Theile  aber  stehen  die  Rippen 
entfernter  und  schwellen  gewöhnlich  zu  einem  oder  zwei  länglichen 
Knoten  an,  um  hierauf  drei-  bis  sechstheilig  über  den  Rücken  zu 
gehen.     Bis  lg"  lang. 

Im  oberen  Grünsande,  im  Kreidemergel  und  in  der  Kreide  von 
England  (Yeovil,  Lewes,  Brighton);  in  der  unteren  chloritischen  Kreide 
des  Pariser  Beckens  und  der  Provence;  im  mittleren  und  oberen  Plä- 
ner bei  Hannover,  Iburg,  Alfeld,  Goslar,  Liebenburg,  Quedlinburg; 
im  Plänerkalke  von  Strehlen  und  Weinböhla  in  Sachsen,  und  Oppeln 
in  Schlesien;  im  Grünsande  (bei  Kreibitz),  im  Plänermergel,  Pläner- 
kalke und  Pyropensande  von  Böhmen;  in  der  weifsen  Kreide  von  Rügen. 

B.  Crioceras  (Crioceratites)  Leveille.  Topaeum  Sow. 
Spiralammonit.  (yQiog^  Widder.)  Die  Schaale  bildet  in  einer 
Ebene  eine  regelmäfsige  Spirale,  deren  Windungen  sich  nirgends 
berühren.  Von  den  sechs  Loben  ist  der  obere  Laterallobus  der 
längste,  und  zwar  länger  als  der  Rückenlobus.  Alle  Loben  und 
Sättel  sind  an  ihrer  Basis  schmal  und  breiten  sich  an  ihrem  Ende 
stark  aus. 

Man  kennt  die  Crioceraten  nur  aus  dem  unteren  Kreidegebirge, 
fünf  Arten  aus  dem  französischen  Neocomien  '^■)  oder  dem  englischen 
Speeton  Clay  *'•') ,  und  zwei  aus  dem  Galt. 

C.  Toxoceras  d'Orb.  B o genammonit,  (to§ov^  Bogen; 
xeQag.)^  ist  von  Crioceras  nur  daduröh  unterschieden,  dafs  die 
Schaale,  anstatt  einer  regelmäfsigen  Spirale,  nur  einen  stark  ge- 
krümmten Bogen  bildet,  welcher  Umstand  indefs  nicht  einmal  einen 
Artunterschied  bedingen  kann. 

Wie  unverkennbar  ist  nicht  die  Aehnlichkeit  zwischen  Crioceras 
Dumlii  Lew.  (d'Orb.  a.  a.  0.  tb.  113.)  und  Toxoceras  Duvalianus  und 
T.  elegans  d'Orb.  (a.  a.  0.  tb.  117.)  selbst  in  den  Loben!  und  alle 
drei  wurden  im  unteren  Neocomien  von  Caslellane  (Basses-Alpes)  ge- 
sammelt. 

D.  Ancyloceras  d'Orb.  (äyxvXogy  krumm.)  Wie  sich  Crio- 
ceras zu  Ammonites  verhält,  so  Ancyloceras  zu  Scaphiies,  indem 


*)  d'Orb.  Pal  fr.  Terr.  er.  1.  p.  457—472.  tb.  113—115. 
*♦)  Phillips,  GeoL  of  Yorkshire,  P.  U.  ib.  1.  /.  29. 


kopffCssbr. 


303 


die  Schaale  in  einer  Ebene  einige  regelmafsig-spirale,  sich  nicht 
berührende  Windungen  macht,  hierauf  ein  Stück  ziemlich  gerade 
fortsetzt,  und  sich  endlich  hakenförmig  der  Spirale  wieder  zu- 
kehrt. Die  sechs  Loben  sind  sehr  ungleich  und  denen  der  Crio- 
ceraten  sehr  ähnlich. 

d'Orbigny  beschreibt  elf  Arten  von  Ancyloceras ,  aus  dem  Neo- 
comien  von  Frankreich,  welche,  nach  ihm,  von  den  in  unteren  Kreide- 
bildungen Englands  vorkommenden  '^■)  verschieden  sind. 

E.  Hamiles  Park.  d'Orb.  Hakenammonit.  (hamus,  Haken.) 
Hierunter  begreift  d'Orbigny  nur  diejenigen  Hamiten,  deren  Schaale 
lang -elliptische  Krümmungen  in  einer  Ebene  bildet.  In  Bruch- 
stücken erscheinen  dieselben  parabolisch,  hakenförmig  oder  fast 
gerade.  Unter  den  sechs  sehr  ungleichen  Loben  ist  der  gröfste 
der  obere  Seitenlobus,  welcher  stets  zweilappig  und  kürzer  als 
der  Rückenlobus  ist.  Auch  ist  in  einigen  Arten  der  Bauclilobus 
zweilappig. 

Die  Arten  kommen  in  allen  Schichten  des  Kreidegebirges  vor. 

H.  rotundus  Sow.  M.  C.  Ib.  61.  f.  2 — 4.  —  Brongn.  descr. 
des  env.  de  Paris,  tb,  7.  f.  5.  6.  (//.  mrgulatus),  —  Fitton,  a.  a.  0. 
tb.  12.  f.  2.  —  Br.  Leth.  tb.  33.  f.  9.  —  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er. 
tb.  132.  /*.  1—4.  —  Taf.  XII.  Fig.  4.  u.  4.  A  (Loben). 

Die  Schaale  ist  im  Durchschnitte  kreisrund,  mit  einfachen  und 
gleichen  Rippen  bedeckt,  welche  etwas  schiefe  und  verbogene,  eng 
an  einander  liegende  Ringe  bilden.     Querdurchschnitt  kreisrund. 

Die  Loben  und  Sättel  dieser  Art  sind  in  Fig.  4.  A.  zum  ersten 
Male  gezeichnet,  und,  den  Rückenlobus  ausgenommen,  ziemlich  richtig. 
Es  sollte  in  letzterem  die  Entfernung  seines  tiefsten  Endes  bis  zu  dem 
Befestigungspunkte  am  Sipho  ohngefähr  seiner  ganzen  Tiefe  betra- 
gen. Der  obere  Seitenlobus,  mit  seinen  beiden,  wieder  zweitheiligen 
Armen  ist  um  ^  tiefer  als  der  Rückenlobus,  während  der  untere  Sei- 
tenlobus (l)  kaum  die  Tiefe  des  letzteren  erreicht.  Der  Bauchlobus 
(V)  gleicht  ohngefähr  dem  oberen  Seitenlobus,  ist  aber  um  \  kleiner 
als  er.  Die  oberen  Enden  der  Sättel  fallen  in  die  Richtung  einer 
Rippe,  sind  an  der  Basis  eng,  breiten  sich  nach  oben  aus,  theilen 
sich  oben  in  zwei  Hauptarme,  und  diese  wieder  in  zwei  Nebenarme 
(welche  Eigenthümlichkeit  in  der  Zeichnung  nicht  gut  hervortritt). 


*)  Harn,  grandis  und  //.  gigas  Sow,  (M.  C.  tb,  593.),  Scaph.  HUsti 
Sow.  b.  Fitton  (a.  a.  O.  tb.  25.  f.  2.),  aus  dem  unteren  Grünsande;  H.  in- 
termedius  und  H.  Beanii  Phill.  {YorksJi.  IL  tb.  1.  f.  22  u.  28.)  aus  dem 
Speeton  Clay. 


304  WEICIITIIIBRB. 

Im  Galt  von  England  und  Frankreich,  im  Plänermergel  von  Böh- 
men, im  Plänerkalke  von  Böhmen  und  Sachsen. 

Der  dem  H.  rotundus  sehr  ähnliche  H.  attenuatus  Sow.,  wel- 
cher mit  ihm  um  so  eher  verwechselt  werden  kann,  als  er  mit  ihm 
zusammen  vorkommt,  weicht  in  der  Lobenbildung  von  ihm  ab.  Nach 
d'Orbigny's  Zeichnung  sind  die  Loben  von  H.  attenuatus  an  der  Basis 
weniger  schmal  und  der  Bauchlobus  ist  nicht  zweitheilig.  Wie  selten 
glückt  es  aber,  Exemplare  mit  Loben  zu  finden! 

H.  ellipticus  Mant.  Geol  of  Süss.  tb.  23.  f.  9.  —  Rom.  Kr. 
tb.  14.  f.  5.  —  Gein.  Char.  p.  41. 

Die  Schaale  ist  seitlich  zusammmengedrückt  und  im  Querdurch- 
schnitte elliptisch.  Glatte,  fast  gerade  Querrippen,  die  durch  ihren 
gleich  breiten  Zwischenraum  getrennt  werden,  erheben  sich  jederseits 
an  der  Gränze  des  Rückens  zu  einem  spitzen  Knötchen. 

Im  Plänerkalke  von  Strehlen,  im  Pläner  bei  Hildesheim  und  in 
England. 

H.  armatus  und  H.  plicatilis  Sow.  M.  C.  tb.  168.  u.  tb.  234. 
f.  1.  —  Mant.  Geol.  of  Süss.  tb.  23.  f.  1.  2.  —  Rom.  Kr.  tb.  14.  f.  7. 

—  Gein.  Char.  tb.  12.  f.  4;  tb.  14.  f.  2;  Kiesl.  p.  8.  tb.  5.  f.  1.  2. 

—  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er.  p.  547.  tb.  135.  —  Reufs,  Kreidev.  tb.  7. 
f.  5.  6.  —  Taf.  XII.  Fig.  2  u.  3. 

Er  windet  sich  nicht  nur  in  einer  Ebene,  sondern  häufiger  noch 
aus  derselben  heraus  (Fig.  3.)  und  bildet  dadurch  einen  förmlichen 
Uebergang  zu  den  Turriliten.  Im  letzteren  Falle  liegen  die  Wind- 
ungen gewöhnlich  von  einander  entfernt,  bisweilen  aber  auch,  wie 
es  Römer's  Abbildung  zeigt,  thurmförmig  auf  einander.  Die  Ober- 
fläche ist  gerippt;  zwischen  gröfseren  Rippen,  welche  gewöhnlich 
vier  Reihen  von  Dornenknoten  auf  den  Seiten  und  dem  Rücken  tragen, 
liegen  drei  bis  sechs,  gewöhnlich  aber  fünf  feinere  Rippen. 

Im  Galt,  oberen  Grünsande,  Kreidemergel  und  in  den  diesen 
Bildungen  entsprechenden  Schichten  von  Deutschland,  Frankreich  und 
England. 

F.  Turrilites  Montf.  Thurmammonit.  {turris^  Thurm.) 
Die  bald  rechts,  bald  links  gewundene  Schaale  ist  thurmförmig; 
ihre  Windungen  liegen  meistens  eng  auf  einander  (Turrilites)., 
bisweilen  jedoch  auch  von  einander  entfernt  (Helicoceras  d'Orb.) 
Von  den  sechs  Loben  ist  der  Rückenlobus  meistens  kürzer  als  der 
obere  Seitenlobus,  selten  länger  als  er. 

So  wie  Hamites  armatus  bisweilen  als  Helicoceras  und  selbst 
als  Turrilites  auftritt,  so  findet  sich  umgekehrt  Turrilites  polyplocus  auch 
als  Helicoceras. 


kopffCsser. 


305 


H.  (T)  polyplocus  Rom.  Kr.  p.  92.  tb.  14.  f.  1.  2.  —  Gein. 
Char.  tb.  13.  f.  1.  —  Kiesl.  p.  8.  tb.  5.  f.  4.  —  T.  Senequierianus 
d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er,  p.  579.  tb.  141.  f.  1.  2.  —  Taf.  XII.  Fiff.  5. 
(verkleinert  und  nach  mehreren  Exemplaren  ergänzt.) 

Die  Schaale  macht  mehrere  stark  gewölbte  und  fein  gerippte 
Umgänge,  welche  sich  gewöhnlich  berühren,  ausnahmsweise  jedoch 
auch  (Kiesl.  tb.  5.  f.  4.)  von  einander  entfernt  liegen.  Die  Anzahl 
der  Rippen  auf  jedem  Umgange  ist  ohngefähr  60  —  70. 

Häufig  im  Plänerkalke  von  Strehlen  und  Weinböhla  in  Sachsen, 
seltener  in  dem  von  Hundorf  in  Böhmen  und  Oppeln  in  Schlesien, 
im  Kreidemergel  bei  Dülmen  und  Lemförde,  und  im  oberen  Galt  bei 
Aiglun  (Var)  in  Frankreich. 

T,  undulatus  Sow.  M.  C.  tb.  7b.  f.  3.  —  Mant.  Geol.  of  Süss, 
tb.  23.  f.  14.  16.  —  Gein.  Char.  tb.  13.  f.  3.  —  T.  Scheuchzerianus 
Bosc,  d'Orb.  PaL  fr.  Terr.  er.  p.  602.  tb.  146.  f.  3.  4.  —  Reufs, 
böhm.  Kreidev.  p.  24.  tb.  7.  f.  8.  9. 

Auf  jeden  Umgang  der  thurmförmig  gewundenen  Schaale  kom- 
men nur  18 — 25  breite  und  stumpfe,  fast  gerade  Rippen,  über  Avel- 
che,  so  wie  über  die  Zwischenräume  feine  Längs-  oder  Querlinien 
hinweglaufen. 

Im  oberen  Grünsande  von  Czencziz  und  Malnitz  in  Böhmen,  im 
Plänerkalke  von  Strehlen,  im  grünen  Kalkmergel  Englands,  und  in 
chloritischer  Kreide  Frankreichs. 

T.  eos latus  Lam.,  Sow.  M.  C.  tb.  36.  —  Brongn.  Env.  de  Par. 
tb.  7.  f,  4.  —  Mant.  Geol.  of  Süss.  tb.  23.  f.  15,  tb.  24.  f.  1 — 5. 

—  Br.  Leth.  tb.  23.  f.  7.  —  d'Orb.  PaL  fr,  Terr.  er,  tb.  145.  — 
Röm.  Kr.  p.  91. 

Die  Längsrippen,  deren  Anzahl  zwischen  sechzehn  und  zwanzig 
wechselt,  zertheilen  sich  in  zwei  bis  drei  Höcker,  von  denen  der 
obere  länglich  ist. 

Im  Grünsande  von  England,  im  Kreidemergel  von  Frankreich 
(in  der  mittleren  chloritischen  Kreide  des  Pariser  Beckens  und  in  der 
Provence),  im  Flammenmergel  bei  Langelsheim  und  im  Pläner  bei  Sar- 
stedt und  Rethen. 

H.  (T.)  tuberculatus  Sow.  M.  C.  tb.  74.  —  Mant.  Geol.  of 
Süss.  tb.  24.  f  7.  —  T.  Bergeri  Brongn.  Em.  de  Par.  tb.  7.  f.  3. 

—  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er.  tb.  143.  f  3—6.  (T.  Bergeri)  u.  tb. 
144.  f.  1.  2. 

Diese  Art  unterscheidet  sich  von  der  vorigen  durch  einen  Höcker 
mehr  in  jeder  Rippe.     Die  oberen  Höcker  sind  länglich,  die  unteren 
kleiner  und  rund. 
Geinitz,  Versteinerangskande,  ^  20 


306  AVEICIITIIIERE. 

Im  Kreideniergel  (Plänerkalke)  von  Ringmer  in  England,  Salz- 
gitter, Langelsheim  und  Alfeld  in  Deutschland,  im  oberen  GauU  und 
in  der  unteren  chloritischen  Kreide  von  Frankreich. 

G.  Ptychoceras  d'Orb.  (tctv/j)^  Falte.)  Die  Schaale  bil- 
det einen  geraden  Stab,  welcher  sich  so  schnell  zurückbiegt,  dafs 
das  zuriickgebogene  Stück  ganz  auf  ihm  aufliegt.  Die  Mündung 
ist  rund  oder  oval.  Von  den  sechs  Loben  ist  der  obere  Seiten- 
lobus  kürzer  als  der  Rückenlobus,  und  der  untere  Seitenlobus 
wieder  um  ^  kürzer  als  der  obere. 

d'Orbigny  beschreibt  zwei  Arten  aus  dem  Neocomien  des  Dep. 
Basses-Alpes. 

t  3.  G.  Baculites  Lam.  Stabammonit.  (baculum^  Stab.) 

Ein  Ammonit,  dessen  Schaale  geradlinig  ist,  und  der  sich 
zu  den  Ammoneen  verhalt,  wie  Orthoceratites  zu  den  Nautileen. 
Der  Sipho  liegt  auf  der  schmäleren  Seite,  die  daher  Rückenseite 
ist.  Der  Rückenlobus  ist  gleich  lang  oder  kürzer  als  der  obere 
Seitenlobus.  Der  Rückensattel  ist  breit.  Der  untere  Seitenlobus 
ist  kürzer  als  der  obere.  Bisweilen  ist  der  Bauchsattel  sehr  klein 
oder  fehlt  ganz.  Der  Bauchlobus  ist  sehr  klein  und  aus  unglei- 
chen Theilen  gebildet. 

B.  incurvatus  Dujardin,  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er,  p.  564.  tb. 
139.  f.  8—10.  —  Gein.  Kiesl.  p.  9.  tb.  1.  f.  5.  —  Taf.  XIL  Fig.  6. 
(^);  a.  (eine  Kammervvand  und  Loben). 

Im  Durchschnitte  oval,  auf  der  Rückenseite  stumpf  gekielt.  Die 
Seifen  sind  in  der  Nähe  der  Bauchseile  mit  einer  Reihe  entferntste- 
hender, runder  Knoten  besetzt.  Oberfläche  mit  stärkeren  und  schwä- 
cheren Faltenlinien  bedeckt,  welche  von  der  Rückenseite  herablaufen  und 
mit  einem  Sinus  sich  in  der  Nähe  der  Knoten  nach  der  Bauchseite 
wieder  heraufbiegen. 

Im  oberen  Grünsande  von  Kieslingswalda  in  der  Grafschaft  Glatz, 
und  am  Salzberge  bei  Quedlinburg;  nach  d'Orbigny  in  der  Tuffkreide 
der  Touraine. 

B.  anceps  Lam.  —  Nilss.  Petr.  Suec.  tb.  2.  f,  5.  —  His.  Leth. 
Snec,  p.  31.  tb.  4.  f.  2.  —  Br.  Leth.  p.  732.  tb.  33.  f.  6.  —  d'Orb. 
Pal.  f.  Terr.  er.  p.  564.  tb.  139.  f.  1—7.  —  Reufs,  böhm.  Kr.  p.  24. 
Ib.  7.  f.  1.  2.  Hierzu  nach  d'Orbigny:  ß.  vertebralis  Defr.,  B.  dis- 
similis  Desm.  und  B.  Faujasä  Haan. 

Der  vorigen  Art  sehr  ähnlich,  jedoch  ohne  Knoten. 

Im  Plänermergel  und  Pyropensande  von  Böhmen,  im  Plänerkalke 
von  Sachsen,  Oppeln  in  Schlesien,  im  diesen  entsprechenden  Kreide- 


KOFFFÜSSBR, 


307 


mergel  bei  Aachen,  Lemförde,  Blankenburg,  im  Baculitenkalke  bei 
Valogne  (Manche);  in  der  Kreide  von  Rügen,  bei  Balsberg,  Kjuge- 
strand  und  Köpinge  in  Schweden. 

t  4.  G.?  Conoceras  Bronn.  Kegelhorn,  (y.wvog^  Kegel.) 

Nach  Bronn  ist  die  Schaale  kegelförmig,  kurz,  gerade; 
die  Spitze  abgerundet,  die  Scheidewände  stehen  dicht  beisammen, 
und  der  Sipho  liegt,  wie  es  scheint,  dicht  am  Rande,  so  dafs 
man  in  dieser  Gattung,  Wenn  sich  die  Lage  des  Sipho  bestätigen 
würde,  mit  Quenstedt  '*"'*)  einen  gestreckten  Goniatiten  erblicken 
müfste. 

C.  angulosa  Br.  wurde,  mit  Orthoceratiten  zusammen,  am  Hu- 
ronensee  in  Nordamerika  aufgefunden. 

Anhang. 

t  Aptychus  H.  v.  Mey.  Unfalter.  (ä,  nTv/tj,  Falte.)  (Trigo- 
nellites  Park.,  Tellinites  und  Solenites  Schloth.,  Lepadites 
Germ.,  Ichthyosiagones  Bourdet,  Münsteria  des 
Longchamps.) 

Ein-  noch  immer  problematischer  Körper,  welcher  aus  zwei 
dreiseitigen  Schaalen  besteht,  die  sich  zu  einander  wie. rechts  zu 
links  verhalten,  und  die  gewöhnlich,  in  der  Form  der  Fig.  9.  auf 
Taf.  XIL,  neben  einander  ausgebreitet  liegen.  Selten  findet  man 
sie  zusammengeklappt,  am  häufigsten  einzeln.  Die  eine  Fläche 
ist  gewölbt,  die  andere  vertieft.  Der  eine  (innere)  Rand,  mit 
welchem  die  Schaalen  an  einander  liegen,  ist  gerade;  an  diesen 
gränzt,  bald  stumpf-,  bald  rechtwinkelig,  der  eine  äufsere,  ge- 
wöhnlich etwas  concave  Rand  an;  der  andere  Theil  des  äufseren 
Randes,  welcher  der  von  jenen  Seiten  gebildeten  Ecke  gegenüber 
liegt,  ist  meistens  der  längste  und  bogeuartig  convex.  Neben  dem 
inneren  Rande  der  einen  Schaale  sieht  man  eine  flache  Vertiefung 
herablaufen,  welcher  eine  flache  Erhöhung  der  anderen  Schaale 
entspricht.    Es  kommen  dick-  und   dünnschaalige  Arten  vor. 

Von  den  ersteren  unterscheidet  H.  v.  Meyer  *'"'  *)  solche ,  deren 
Oberfläche  glatt  ist,  als  Laaves^  und  zwar  breite  Formen  (A.  latus), 
und  längere  Formen  (A.  longus);  und  solche,  deren  Oberfläche  ge- 


*)  Leth.  p.  98  u.  1285. 
**)  L.  Br.  J.  1838.  p.  166. 

***)  Act.  Ac.  Caes.  etc.  XV.  2.  p.  165.  —  Mus.  Senckenb.  1833.  /.  p. 
24.  25.  tb.  2.  /.  19—22.  —  L.  Br.  J.  1838.  p.  416. 

20" 


308 


W'EICIITHIERB. 


streift  ist,  als  Jmbricati ^  und  zwar  mit  zahlreicheren  und  tieferen 
Streifen  (^4.  profundus)^  und  mit  wenigen  und  flachen,  an  der  Kante 
gekörnten  Streifen  (Ä.  depressus). 

Die  dünnschaaligen  Arten  gehören  alle  zu  den  längeren  gestreif- 
ten Formen,  und  haben  zum  Theil  auf  ihrer  Oberfläche  erhabene  Wülst- 
chen. Unter  ihnen  hat  A.  ovatus  einen  ovalen  Umrifs,  A.  bulla- 
tus  eine  etwas  spitzere  Form  und  ist  mit  gekörnten  Wülstchen  be- 
deckt; auf  dem  noch  spitzeren  A.  elasma  gleichen  die  Wülstchen 
mehr  vertieft  liegenden  Streifen. 

r.  j/1  j)|g  (jicke  kalkige  Schaale  der  glatten  Aptychen  ist  auf  der 
gewölbten  Oberfläche  glatt  und  besteht  aus  lauter  kleinen,  dicht 
an  einander  stehenden  Zellen,  welche  nach  Abreibung  der  sehr 
dünnen,  oberflächlichen  Schicht  die  ganze  Oberfläche  porös  er- 
scheinen lassen.  Voltz  nennt  sie  daher  Cellulosi.  Ihre  concave 
Fläche  ist  parallel  dem  äufseren  Rande  gestreift,  welche  Streif- 
ung, nach  Voltz  ■  )  und  Coquand  "''"'  ) ,  von  einer  hornigen  Schicht 
herrührt. 

Eine  solche  hornige  Schicht  scheint  keiner  Äptychus- Art  ge- 
fehlt zu  haben,  und  bei  mehreren  dünnschaaligen  Imbricaten,  wie 
Ä.  elasma,  herrscht  sie  so  vor,  dafs  die  kalkige  Schicht  ganz  zu 
fehlen  scheint,  und  dafs  dieselben  von  Voltz  als  Cornei  von  den 
übrigen  Imbricaten  getrennt  wurden.  Immer  hat  diese  Schicht 
eine  von  der  kalkigen  unabhängige  Zuwachsstreifung. 

Dafs  man  es  hier  nicht  mit  gewöhnlichen  Muschelschaalen  zu 
thun  habe,  wofür  die  Aptychen  früher  gehalten  wurden,  erhellt 
theils  aus  ihrer  Structur  und  dem  Mangel  an  Muskeleindrücken, 
theils  daraus,  dafs  die  beiden  auf  einander  geklappten  Hälften  sich 
nur  in  drei  Punkten  berühren.  Wiegen  der  zweifachen  Zuwachs- 
streifung  hält  V.  Meyer  die  Aptychen  für  eine  aus  zwei  Hälften 
zusammengesetzte  und  in  dieser  Hinsicht  Bivalven  ähnliche  Schaa- 
lenbildung  im  Inneren  eines  Weichthieres ,  und  glaubt  an  den  dick- 
schaaligen  Arten  sogar  eine  rudimentäre  Schlofsbildung  zu  erkennen. 

Rüppell  ■■'''•')  hatte  zuerst  einen  Theil  der  Aptychen  für  Deckel 
von  Ammoniten,  in  deren  Mündung  man  sie  häufig  t)  findet,  ge- 
halten, eine  Ansicht,  welche  von  Volz  auf  alle  Aptychen  ausge- 

*)  L.  Br.  J.  1837  a.  v.  O. 
♦*)  L.  Br.  J.  1842.  p.  625. 

*+*)  Abbild,  u.  Beschr.  einiger  neuen  oder  wenig  gekannten  Verst.  von 
Solenhofen,  ]829. 

f)  Nach  Voltz  (L.  Br.  J.  1838.  p.  669)  .sitzt  fast  auf  jedem  Ammoniten 
von  Voirons  bei  Genf  eiii  Jptychus. 


KOPFFÜSSER. 


309 


dehnt  wurde,  gegen  welche  v.  Meyer  aber  einwendet,  dafs  der 
lebende  Nautilus  keinen  derartigen  Deckel  besitzt,  dafs  mit  vielen 
Ammoniten  keine  Aptychen  zusammen  vorkommen,  dafs  man  noch 
gar  keine  den  gröfseren  Ammoniten  entsprechenden  Aptychen  ge- 
funden hat,  dafs  bisweilen  zweierlei  Aptychus- Arien  in  einem  Am- 
moniten, und  eine  Art  Aptychus  in  verschiedenen  Ammoniten-Arten 
vorkommen  ''•). 

Coquand  (a.  a.  0.)  hält  die  Aptychen  für  innere  Schaalen 
und  zwar  Rückenschilder  eines  dem  Teudopsis  Biinellii  am  näch- 
sten stehenden  Ceplialopoden. 

Die  verschiedenen  Arten  kommen  fast  ausschliefslich  im  Ooli- 
thengebirge  und  Kreidegebirge  vor;  Archiac  und  Verneuil  führen  in- 
defs  A.  antiquus  Goldf.  aus  dem  Kohlengebirge  von  Herborn  und 
A.  vetustus  Arch.  u.  Vern.  aus  devonischer  Grauwacke  der  Eifel  an. 

A.  ovatus  V.  Mey.  {Mus.  Senckenb.  I.  p.  24.  tb.  2.  f.  19.), 

A.  elasma  v.  Mey.  {Mus.  Senckenb.  1.  p.  25.  tb.  2.  f.  21.  22.) 

und 

A.  sanguinolarius  Quenst.  (Flötzg.  Würt.  p.  256.)  gehören 
zu  den  hornigen  Imbricaten,  wie  die  schwarze  Farbe  der  Schaalen 
anzeigt,  und  kommen  im  Lias  von  Würtemberg  vor.  Der  letztere  findet 
sich,  nach  Quensledt,  häufig  in  den  Brüchen  von  Ohmden  immer  in 
der  Nähe  der  Mündungen  von  Ammoniten  aus  der  Gruppe  der  Fal- 
ciferen. 

A.  {Trigon)  lamellosus  Park.  Org.  rem.  V.  3.  tb.  13.  f.  10. 
11.  —  Teilin.  solenoides  Schloth.,  Rüpp.  a.  a.  0.  tb.  1.  f.  1.  3.  5.  — 
Lepad.  solen.  Germ.  —  A.  imbricatus  profundus  v.  Mey.  —  Br.  Leih, 
p.  467.  tb.  15.  f.  16.  —  Hiernach  Taf.  XH.  Fig  11.  (4). 

Die  innere  concave  Fläche  der  kalkigen  Schaale  ist  fein  gestreift, 
die  äufsere  convexe  mit  nahe  an  einander  siehenden ,  erhabenen  Leist- 
chen bedeckt. 

Diese  Art  entspricht,  nach  Quenst.  (Flötz.  p.  445.),  der  Mündung 
des  Amm.  flexuosus,  mit  welchem  sie,  neben  Planulaten,  im  lithogra- 
phischen Schiefer  Solenhofens  häufig  zusammen  gefunden  wird;  nach 
Bronn  ist  sie  im  Oxfordthone  zu  Müggendorf  (verkiesell) ,  und  zu 
Grumbach  bei  Amberg  (in  Hornsteinnieren)  eine  gewöhnliche  Erschein- 
ung; Glocker  fand  sie  in  Mähren. 

A.   {Trigon.)   latus  Park.  Org.  rem.  V.  3.  tb.  13.  f.  9.  12. 

—  Tellin.  problematicus  v.  Schlolh.,   Rüpp.  a.  a.  0.  tb.  2.  f.  1 — 3. 

—  Lepad.  probt.  Germ.  —  A.  {laevis)  latus  v.  Mey.  —  Br.  Leih.  p.  466. 


,  *)  L.  Br.  J.  1842.  p.  627. 


310 


WEICHTHIKRE. 


tb.  15.  f.  15.  —  Ziet.  Verst.  Würt.  tb.  37.  f.  6.  —  Hiernach  Taf.  XII. 
Fig.  9.  10.  (i). 

Sehr  dickschaalig  und  breit,  auf  der  inneren  Fläche  gestreift, 
auf  der  äufseren  (gewölbten)  glatt  oder  punktirt. 

Die  Gestalt  dieser  Art  pafst,  nach  Quenstedt  (Flötzg.  Würt.  p. 
445.),  am  besten  zur  Mündung  des  Amm.  injlatus  Rein.  (Ziet.  Verst. 
Würt.  tb.  1.  f.  5.),  mit  welchem  zusammen  sie  im  mittleren  weifsen 
Jura  iH  Würtemberg  an  der  Altmühl  so  häufig  sind.  Auch  im  oberen 
Jura  von  Franken  sind  sie  bei  Müggendorf,  Thurnau ,  Amberg  und  So- 
lenhofen sehr  gewöhnliche  Erscheinungen;  nach  Bronn  kennt  man  sie 
noch  aus  dem  Oxfordthone  des  Porrentruy  in  der  Schweiz,  und  von 
Quenoche  in  Frankreich. 

Im  Kreidegebirge  gehören  die  Aptychen  zu  den  Seltenheiten. 

Coquand  beschrieb  1842  (a.  a.  0.)  mehrere  Arten  aus  dem  Neo- 
comien  der  Nieder- Alpen ;  früher  schon  entdeckte  Voltz  einen  Aptychus 
in  der  Kreide  zu  Meudon  '••),  und  1842  wurden  A.  cretaceus  Münst.  und 
A.  complanatus  Gein.  aus  dem  Plänermergel  von  Luschitz  und  dem 
unteren  Quader  von  Tyssa  in  Böhmen  von  mir  beschrieben  '''■■"). 

t  Graptolithus  L.   Prionptus  Nilsson.   Lomatoceras  oder 
Feilenhorn  feronn.  (y^dq^M^  ich  schreibe,  ritze; 
lid^og,  Stein.) 

In  Bezug  auf  diese  noch  immer  so  problematische  Gattung, 
welche  von  vielen  zu  den  Corallen,  von  einigen  sogar  zu  den 
Pflanzen  gerechnet  wird  haben  mich  meine  Nachforschungen 

seit  1842  nicht  eben  viel  weiter  geführt,  als  ich  früher  t)  schon 
aussprach.  Der  einzige  neue  Beitrag  zu  dem  Früheren  ist,  dafs 
ich  an  einigen  von  ihnen  Structur  fand,  und  dafs  ich  mehrere 
der  von  den  gewöhnlichen  Formen  abweichenden  Graptolithen,  wel- 
che Hisinger  in  der  Lethaea  suecica  beschreibt,  mit  meinen  An- 
sichten in  Einklang  zu  bringen  suchte. 

Die  dünne  Schaale  der  Graptolithen  ist  linienförmig,  gerade 
oder  krumm ,  verläuft  hinten  (unten)  sehr  allmählig  in  eine  Spitze, 
ist  im  Querdurchschnitte  eiförmig  bis  flach  zusammengedrückt,  ent- 
weder an  beiden  Rändern  gezähnt,  oder  an  einem  ganzrandig,  in 
welchem  Falle  die  Zähne  über  einander  liegen,  und  bisweilen  so- 


*)  L.  Br.  J.  1838.  p.  669. 

**)  Char.  d.  Sch.  u.  Petr.  d.  sächs.  böhm.  Kreideg.  III.  p.  69.  tb.  17. 
f.  25.  27—29. 

♦♦♦j  The  American  Journal  by  Silliman  1844.  V.  47.  p.  371—374. 
I)  L.  Br.  J.  1842.  p.  697.  tb.  10.  f.  15—29. 


KOPFFÜSSBU  ? 


311 


gar  auch  an  beiden  Rändern  glatt,  eine  Folge  der  Zusammen- 
drückung von  oben. 

Schief  vom  gezähnten  Rande  herab-  oder  herauflaufende  Schei- 
dewände theilen  das  Ganze  in  niedrige  und  flache  Kammern,  welche 
durch  einen  Nahrungskanal  (Stpho)  verbunden  sind,  der,  wie  bei 
den  Ammoneen,  zwischen  den  Kammern  und  der  Schaale  auf  der 
Rückenseite  zu  liegen  scheint.  Als  eine  erhabene  und  vertiefte 
Linie  sieht  man  denselben,  wenn  beide  Ränder  gezackt  oder  beide 
glatt  sind,  längs  der  Mitte  herablaufen,  wenn  aber  nur  ein  Rand 
gezackt  ist,  längs  des  glatten  Randes  oder  parallel  mit  ihm. 

Diese  scheinbar  so  abweichenden  Hauptformen  der  Graptoli- 
then  lassen  sich  leicht  mit  einander  in  Einklang  bringen,  wenn 
wir  annehmen,  dafs  die  beiden  symmetrischen  Hälften  eines  auf 
beiden  Seiten  gezackten  Graptolithen  längs  der  Mitte  so  zusammen- 
geklappt waren,  wie  wir  es  bei  den  meisten  Arten  dieser  Gatt- 
ung noch  jetzt  sehen,  dann  müssen  die  Zähne  auch  paarig  stehen, 
oder  dicht  auf  einander  liegen.  Es  scheint,  als  ob  das  Thier 
sich  nicht  willkürlich  hätte  zusammenklappen  können,  sonst  würde 
man  bei  einigen  Arten,  die  man  stets  zusammengeklappt  findet, 
auch  ausgebreitete  Individuen  sehen,  und  umgekehrt.  Ein  solches 
willkürliches  Zusammenklappen  würde  sich  auch  nicht  mit  der, 
wenn  auch  dünnen,  doch  festen  Schaale  verlragen  können,  die 
man  bisweilen  die  Kammern  bedecken  sieht,  und  auf  deren  frü- 
heres Vorhandensein  man  durch  die  ziemlich  constante  Form  der 
Arten  geführt  wird.  Die  Annahme,  dafs  bei  den,  nur  auf  einer 
Seite  gezähnten  Graptolithen  im  lebenden  Zustande  sich  beide  Hälf- 
ten gewölbt  gegen  einander  geneigt  haben,  findet  ihren  Beweis 
nicht  nur  in  der  Gestalt  vieler  Exemplare  des  Gr.  Priodon^  son- 
dern erklärt  auch  recht  gut,  wie  der  Sipho  häufig  mehr  oder  we- 
niger entfernt  vom  ungezähnten  Rande  liegt,  welche  Lage  dann 
durch  Zusammendrücken  von  oben  hervorgebracht  werden  mufste, 
und  wie  auch  beide  Ränder  bisweilen  zahnlos  sein  können. 

Die  inneren^  Theile  der  Kammerwände  sind,  ihrer  Flachheit 
halber,  nur  selten  noch  zu  erkennen. 

Die  Graptolithen  gehören  den  älteren,  silurischen  Grauwacken- 
bildungen,  besonders  dem  Thonschiefer  und  dem  älteren  silurischen 
Kalke  an,  wo  sie  die  Begleiter  der  Trilobiten  und  Orthocerati- 
ten  sind. 

Sie  zerfallen  in  geradlinige  und  in  spiralförmig  gebogene. 
Die  ersteren  entsprechen  den  Orthoceratiten  und  Baculiten,  die  an- 
deren den  Lituiten,  Cyrtoceratiten  und  Hamiten. 


312 


WEICHTHIKRK. 


a.  Geradlinige. 

1.  G.  foliaceus  Murchison,  the  Silurian  System  P.  II.  p.  694 
— 696  pl.  26.  f.  3.  3.  a.  —  Taf.  X.  Fig.  12  u.  12.  a.  (vergröfsert). 

Eine  flach  ausgebreitete  Art,  deren  beide  Ränder  daher  gezackt 
sind.  Die  Ivleinen  Zacken  der  Ränder  sind  durch  flache  Bogen  mit 
einander  verbunden.  Die  schwach  sichelförmig  gebogenen  Kammerscheide- 
wände laufen  nach  dem  Sipho  herab.  Die  ganze  Oberfläche  zeigt  eine 
netzförmige  Structur,  welche  ganz  ähnlich  der  von  Calamopora  spon- 
gites  ist.  (Eine  ähnliche  Structur  hat,  nach  Quenstedt  ■*')  ,  die  Schaale 
des  Orthoceratites  Wadii  Schloth. ,  welche  nach  ihm  bestimmt  nicht 
von  Calamoporen  herrührt,  sondern  im  Mantel  des  Thieres  ihren  Er- 
klärungsgrund finden  mag.) 

In  den  Llandeilo-flags,  den  ältesten  silurischen  Schichten  von 
Abberreiddy  Bay,  SW.  von  Dinas '•••')  ?  Thonschiefer  von  Linda  bei 
Pausa  im  sächsischen  Voigllande,  und  im  Kieselschiefer  von  Ronneburg 
(Sachsen  -  Altenburg). 

G,  (F.)  Pristis  His.  {LelL  Suec.  p.  114.  tb.  25.  f.  5.),  aus 
dem  dunklen  Grauwackenkalke  von  Dalecarlien,  schliefst  sich  unmittel- 
bar an  G.  foliaceus  an,  nur  sind  die  Zähne  spitzer  und  relativ  gröfser. 

G,  (P.)  Folium  His.  (a.  a.  0.  tb.  25.  f.  8.),  aus  dem  Thon- 
schiefer  von  Dalecarlien,  scheint  das  obere  Ende  einer  der  beiden 
vorigen  Arten  zu  sein. 

G.  dentatus  Vanuxem  {American  Journal  by  Silliman.  1844.  F. 
47.  p.  370.  PI,  8.  f.  2.),  aus  dem  Thonschiefer  {Utica  Slate)  von 
Pensylvanien  und  Virginien,  ist  ein  G.  Pristis  mit  etwas  gedrängter 
stehenden  Kammern  und  spitzeren  Zähnen. 

2.  G.  (L.)  Priodon  Bronn,  Leth.  p.  56.  tb.  1.  f.  13.  —  Taf. 
X.  Fig.  13.  (vergröfsertes  Stück). 

Eine  zusammengeklappte  Art,  mit  eiförmigem  Querdurchschnitte 
(etwa  wie  in  der  idealen  Zeichnung  Fig.  13.  aus  welcher  auch 
die  Lage  des  Siphos  zu  ersehen  ist)  und  rückwärtsgekrümmten,  paa- 
rigen Zähnen.  Die  Scheidewände  gehen  von  den  Hakenzähnen  schwach 
sichelförmig  nach  der  Rückenseite  herab,  um  sich  an  dem  in  einer 
Rinne  gelegenen  Sipho  zu  vereinigen. 

In  der  ältesten  Grauwacke  von  Böhmen,  in  einem  schwarzen 
Grauwackenkalke  von  Fougerolle  bei  Caen  in  der  Normandie. 

G.  Ludensis  Murch.  (Sil.  S.  II.  tb.  26.  f.  1.  2.  —  G.  virgu- 


♦)  L.  Br.  J.  1840.  p.  263. 

*♦)  Lond.  Ed.  Dubl.  phil.  Mag.  V.  20.  p.  60. 


KOI'FFÜSSER  ? 


313 


latus  aus  dem  Ludlow- Schiefer  von  England,  ist  eine  Varietät  mit 
etwas  rückwärts  gekrümmteren  Haken. 

G.  (P.)  teretiusculus  His.  (Leth.  S.  Suppl.  2.  p.  5.  tb.  38. 
f.  4.),  welcher  im  Thonschiefer  von  Fogelsang  mit  G.  sagittarius  sel- 
ten vorkommt,  scheint  nichts  anderes  als  ein  vom  Rücken  aus  gese- 
hener G.  Priodon  oder  G.  sagittarius  zu  sein. 

3.  G.  sagittarius  L.  und  G.  scalaris  L.  (Syst.  nat.),  His. 
Leth.  Suec.  tb,  35.  4.  6.  —  Fucoides  serra  Brongn.  Hist.  des  veget. 
foss.  I.  p.  71.  pl.  6.  f.  7.  8.       Taf.  X.  Fig.  13. 

Diese  dünne  und  lang  gestreckte  Art  ist  gleichfalls  zusammen- 
geklappt und  unterscheidet  sich  von  G.  Priodon  durch  seine  geraderen 
Scheidewände  und  kaum  gekrümmten  Zähne,  welche  den  Zähnen  einer 
Säge  auffallend  ähneln.  Bei  dieser  Art  kommt  es  nicht  selten  vor, 
dafs,  durch  Zusammendrückung  von  der  Rückenseite  aus,  beide  Ränder 
glatt  erscheinen ,  und  der  G.  scalaris  L.  **)  wird  sicher  nichts  anderes 
sein  als  ein  so  zusammengedrückter  G.  sagittarius. 

Beide  Abänderungen  sind  gemein  im  Thonschiefer  Schwedens, 
im  Thonschiefer  von  Linda  bei  Pausa  im  sächs.  Voigtlande,  und  von 
Ronneburg  im  Herz.  Altenburg. 

Eine  von  allen  anderen  Graptolithen  sehr  abweichende  Form  ist 
der  von  Hisinger  (Leth.  Suec.  tb.  38.  f.  3.)  abgebildete  G.  geminus 
His.  und  der  G,  Murchisoni  Beck  (Murch.  Sil.  S.  tb.  26.  f.  4.  a.), 
da  beide  zweiarmig  sind,  indem  hier  zwei  Arme  von  einem  kurzen 
gemeinschaftlichen  Stiele  symmetrisch  fortlaufen.  Der  äufsere  Rand  je- 
des Armes  ist  glatt,  der  innere  gezähnt.  G.  geminus^  welcher  sel- 
ten ist  und  in  Schweden  mit  G.  sagittarius  zusammen  vorkömmt,  hat 
kleine  Zähne ,  welche  ganz  denen  von  G.  sagittarius  entsprechen. 

G.  Murchisoni  hingegen  entspricht  seinen  Zähnen  nach  mehr  dem 
G.  Ludensis  (G.  Priodon),  mit  welchem  er  in  England  zugleich  auch 
auftritt. 

Da  ich  beide  zweiarmige  Graptolithen  nur  nach  der  Abbildung 
kenne,  so  kann  ich  über  sie  kein  sicheres  Urtheil  gewinnen,  möchte 
indefs  vermuthen,  dafs  G.  geminus  ein  G.  sagittarius,  und  G.  Murchi- 
soni ein  G.  Priodon  sei,  welcher  durch  irgend  eine  äufsere  Ursache 
der  Länge  nach  in  zwei,  hinten  noch  zusammenhängende  Hälften  ge- 
trennt worden  ist. 


*)  Jmer.  Journ.  47.  p.  372. 

**)  Dafs  in  der  Zeichnung  von  Hisinger  (Leth.  Suec.  tb.  35.  /.  4.  6.) 
die  Kammerscheidewände  der  beiden  Seiten  nicht  auf  einander  stofsen,  möchte 
ich  nur  als  Verdrückung  oder  Verschiebung  der  einen  Hälfte  betrachten. 
Aehnliches  fand  ich  auch  bisweilen  an  Ronneburger  Exemplaren. 


314 


WEICHTHIERE. 


4.  G.  (Orth.)  serratus  Schlolh.  Nachtr.  1822.  tb.  8.  f.  3.  — 
KnoiT  Petrcf.  tb.  3.  Kap.  4.  p.  163;  Suppl.  tb.  4.  C.  f.  5  u.  6.  z.  Th. 
—  Taf.  X.  Fig  12.  *.  (nach  Schlolheim). 

Eine  zusammengeklappte  Art,  wie  G.  Priodon  und  G.  sagittarius^ 
mit  kurzen,  spitzen  Zähnen  und  schief  nach  dem  Sipho  herauf  (nicht 
herab,  wie  es  bei  den  anderen  Arten  geschieht)  laufenden  einfachen 
Scheidewänden. 

Mit  G.  sagitlarius  zusammen  bei  Ronneburg. 

b.    Spiralförmig  gebogene. 

5.  G.  convolutus  His.  Leth.  Suec.  p.  114,  tb.  35.  f.  7.  — 
G.  spiralis  Gein.  a.  a.  0.  —  Gezähnelte  Lituiten  Knorr,  Petr.  III.  Suppl. 
tb.  4.  C.  f.  5.  6.  z.  Th.  u.  tb.  10.  f.  1.  (ein  verkehrt  gewundenes 
Exemplar).  —  Schloth.  Nachtr.  tb.  6.  f.  2.  —  Taf.  X.  Fig.  14.  15. 

Anfangs  spiral  gewunden  und  dann  in  eine  schwach  gebogene 
Linie  auslaufend,  allermeist  an  der  inneren  Seite  der  Windungen  glatt 
und  an  der  äufseren  gezähnt.  Individuen,  bei  welchen  der  innere 
Rand  gezähnt  und  der  äufsere  ganz  ist,  verhalten  sich  zu  einander 
wie  rechts  gewundene  Schnecken  zu  links  gewundenen.  Uebrigens 
sind  sie  so  selten,  dafs  ich  unter  vielen  Hunderten,  die  ich  von  Ron- 
neburg und  Linda  bei  Pausa  kenne,  nur  ein  Ezemplar  fand.  Vielleicht 
ist  das  deutliche  Exemplar  bei  Knorr  gerade  seiner  Seltenheit  wegen 
abgebildet  worden.  Die  jüngsten  Formen  (Fig.  15.)  besitzen  die  läng- 
sten, gerade  aufrecht  stehende  oder  rückwärts  gekrümmte  Zähne,  so 
dafs  hier  die  Kammern  nur  mit  einem  sehr  kleinen  Theile  zusammen- 
hängen. Bei  allen  Individuen  (Fig.  14.)  nimmt  der  Zusammenhang  der 
Kammern  zu.  Der  Sipho  liegt,  je  nach  der  verschiedenen  Zusammen- 
drückung, bald  unmittelbar  am  glatten  Rande,  bald  von  ihm  etwas 
entfernt. 

Im  Thonschiefer  von  Furudal  in  Dalecarlien,  Linda  im  sächs. 
Voigllande  und  Ronneburg  im  Altenburgischen. 

t  G.?  Conularia  Miller. 

Diese  Galtung  wird  gewöhnlich  den  Cephalopoden,  von  d'Or- 
bigny  *) ,  de  Köninck  '  ■* )  und  Archiac  und  Verneuil  **  *0  aber  den 
Pteropoden  zugezählt. 

Nach  d'Orbigny  ist  die  Schaale  der  Conularien  gerade,  ver- 


♦)  Pal.  fr,  Terr,  crct.  II.  p.  4. 
*♦)  Descr.  des  an.  foss.  p.  494. 

*♦*)  In  Murchison,  über  d.  älteren  oder  paläozoischen  Gebilde,  p.  188. 


SCHNECKEN. 


315 


längert,  pyramidal,  sehr  dünn,  vierseitig,  quergefaltet  und  längs- 
gefurcht, und  innerlich  in  Querkammern  getheilt  " ). 

Die  wenigen  bis  jetzt  bekannten  Arten  finden  sich  in  oberen 
silurischen  und  devonischen  Bildungen. 

C.  quadrisulcata  Mill.,  Sow.  M,  C.  tb.  260.  f.  3 — 6,  aus 
schotlischem  Grauwackenkalke. 

C.  teres  Sow.  M.  C.  tb.  260.  f.  1.  2,  mit  vorigem  zusammen 
oder  im  Kohlenkalke? 

C.  irregularis  de  Kon.  a.  a.  0.  tb.  45.  f.  2,  aus  dem  Koh- 
lenkalke von  Tournay. 

^.  Ordn.    Gasteropoda.  Bauchfüfjser. 
I§chneckeii. 

„Leib  lang  gestreckt,  mit  deutlichem  Kopfe,  woran  zwei 
oder  vier  Fühler,  die  hinteren  mit  Augen  am  Grunde  oder  an  der 
Spitze.  Am  Bauche  eine  flach  ausgebreitete,  fleischige  Sohle  zum 
Kriechen  (der  sogenannte  Fufs,  nach  dessen  Anheftung  die  Ga- 
steropoden  in  Halsfüfser  und  Bauchfüfser  im  engeren  Sinne  zer- 
fallen); der  Mantel  dünn,  die  Eingeweide  einschliefsend ,  und  ge- 
wöhnlich eine  spiral  aufgerollte  Schaale  absondernd ,  in  welche, 
wie  in  den  Mantel,  das  gereizte  Thier  meist  den  ganzen  Rumpf 
mit  dem  Kopfe  zurückziehen  kann.  Sie  athmen  meistens  durch 
Kiemen,  einige  auch  durch  Lungen."  (Burmeister,  Grundr.  der 
Naturg.  1845.  p.  91.)  Die  mehrsten  leben  im  Meere,  viele  auf 
dem  Lande,  wenige  in  süfsen  Gewässern.  Die  Meeresschnecken 
haben  allermeist  eine  dickere  Schaale  als  die  Land-  und  Süfswas- 
serschnecken. 

Bei  den  Beschreibungen  der  fossilen  Schaalen  folgte  ich  dem 
von  Goldfufs  in  nachstehenden  Worten  bezeichneten  Sprachge- 
brauche : 

„Die  einkammerigen  Schneckengehäuse  sind  entweder  kegelförmige 
Röhren  oder  kreiseiförmige  Schüsseln,  oder  sie  bilden  spiralförmige 
Windungen  oder  Umgänge  (anfractus)  und  endigen  sich  in  eine 
Spitze  (apex^  mucro^  Vertex).  Legt  man  die  Schaale  auf  die  Münd- 
ung (MundölTnung,  apertura),  welche  der  Spitze  gegenüber  als  unterer 
Theil  (basis)  betrachtet  wird,   so  gehen  die  Windungen  von  der  lin- 


*)  Höninghaus,  der  ein  Exemplar  der  C.  quadrisulcata  der  Breite  und 
Länge  nach  durchsägen  liefs,  hat  darin  keine  Spur  von  Kammern  entdeckt. 
L.  Br.  J.  1839.  p.  71.) 


316 


WEICHTHIERE. 


ken  zu  der  rechten  Hand  (cochleae  dextrae)^  und  nur  bei  wenigen 
in  entg-egeng-esetzter  Richtung  {cochleae  sinistrae). 

In  der  Milte  der  Schnecke  befindet  sich  die  Säule  oder  Spin- 
del (columella)  ^  um  welche  die  Gänge  gewunden  sind.  Sie  ist  an 
der  Basis  entweder  abgestumpft  (truncata)  ^  oder  über  die  Schaale  hin- 
aus verlängert  (caudata)  ^  oder  bildet  einen  offenen  Nabel  (umbilicus 
pervius) ,  der  nicht  selten  durch  eine  Schwiele  halb  geschlossen  ist  (um- 
bilicus subobtectus).  Die  Windungen  sind  bei  einigen  von  der  letzten, 
untersten  Windung  eingeschlossen  (testa  involuta)^  oder  nur  wenig  aus 
ihr  hervorragend  (testa  convoluta),  bei  anderen  aber  kegel-  oder  Ihurm- 
förmig  hervorstehend  (testa  turrita). 

Die  Linien,  worin  die  Windungen  an  einander  stofsen,  werden 
Nähte  (sulurae)  genannt.  Die  letzte,  gröfste  Windung  heilst  Bauch 
(venter)^  und  ihr  oberer  Theil  Rücken  (dorsum).  Der  äufsere  Rand 
der  Mündung  wird  Aufsenlippe  oder  der  rechte  Rand  (labium^ 
labium  externum)  genannt,  und  der  innere,-  welcher  sich  an  die  Spin- 
del anlegt,  die  Innenlippe  oder  der  linke  Rand  (labium^  labium 
internum).  Verlängerungen  der  Lippe  bilden  den  Schnabel  (rostrum)^ 
und  ein  Fortsatz  des  Bauches,  der  Lippe  oder  der  Spindel  heifst 
Schwanz  (cauda)  oder  Canal.  Häufig  bezeichnen  Quernähte 
(Mundwülste,  mrices)  die  Stellen,  wo  im  jüngeren  Alter  die  Lippe 
safs.  Streifen,  welche  von  der  Spitze  der  Schaale  bis  zur  Basis 
laufen ,  heifsen  Längsstreifen  (striae  longitudmales) ,  und  solche, 
welche  die  Längslinien  durchkreuzen  und  der  Spirallinie  der  Windung 
folgen,  werden  Querstreifen  (striae  transversales)  genannt.  Linne, 
Brugiere,  Brocchi,  Lamarck,  Basterot,  Sowerby  und  d'Orbigny  betrach- 
teten die  Basis  der  Schaale  als  den  oberen,  und  die  Spitze  als  den 
unteren  Theil." 

Viele  Schnecken  haben  einen  Deckel,  durch  welchen  die  Münd- 
ung geschlossen  wird. 

Die  Gasteropoden  zerfallen  nach  ihren  Kiemen  in  sechs  ver- 
schiedene Abtheilungen:  Nucleobranchiata ^  Nudibranchiata ,  Tecti- 
branchiata^  Pulmobranchiata  ^  Pectinibranchiata  und  CyclobrancMata^ 
oder  Kern-,  Nackt-,  Dach-,  Lungen-,  Kamm-  und  Kreiskiemer  *). 


*)  d'Orbigny,  Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  —  d'Orbigny's  Systematik  der  Gaste- 
ropoden, welche  hier  durchgeführt  ist,  verdient  ihrer  Natürlichkeit  halber 
den  Vorzug  vor  der  künstlicheren  Lamarck's,  wenn  auch  die  letztere  im 
Allgemeinen  eine  schnellere  üebersicht  der  Gattungen  gestattet.  Vergl.  Des- 
hayes,  traite  elementaire  de  Conchyliologie.  Paris,  1839.  p.  1I3.  Die  Ein- 
theilung  in  Phytophagen  und  Zoophagen  hat,  nach  Deshayes,  nur  in  Bezug 
auf  die  Schaalen  Werth,  da  unter  den  ersteren  Natica  ein  gefräfsiger  Zoo- 


SCHNECKEN. 


317 


A.    Nucleohranchiata  d'Orb.  Kernkiemer.  Heteropoda  Lam. 

Kielfüfser. 

Kiemen  federbuscharlig^,  meistens  auf  einem  Kerne  sitzend, 
welcher  das  Herz  trägt.  Kopf  meistens  deutlich,  mit  Augen,  zwei 
Fühlern  und  einem  rüsselförmig  verlängerten  Maule.  Leib  gestreckt, 
an  der  Bauchseite  mit  einer  zusammengedrückten  Flosse. 

Sie  schwimmen  im  Meere,  den  Bauch  nach  oben  gerichtet, 
so  dafs  die  Flosse  als  Segel  dient. 

Nimmt  man  die  von  d'Orbigny  in  diese  Abtheilung  gestell- 
ten Bellerophons  (s.  p.  258.)  aus ,  so  ist  von  den  Kernkiemern 
bis  jetzt  nur  eine  einzige  Schaale  einer  Carinaria  aus  den  mitt- 
leren Tertiärschichten  von  Turin  bekannt. 

B.    Nudibranchiata*  Nacktkiemer.  Tritoniacea  Lam. 

Der  nackte  Körper,  auf  dessen  Mantel  die  Kiemen  bald  auf  . 
dem  Rücken,  bald  an  den  Seiten  äufserlich  befestigt  sind,  erlaubt 
den  Nacktkiemern  nicht,  sich  im  fossilen  Zustande  zu  zeigen. 

C.     Tectibranchiata.  Dachkiemer.  Bulleacea  und 
Aplysiacea  Lam. 

Die  Kiemen  liegen  an  der  Seite,  werden  vom  Mantel  be- 
deckt und  haben  die  Form  eines  Kegels.  Der  Fufs  ist  sehr  grofs. 
Einige  Dachkiemer  sind  nackt,  andere  (Bullaea)  haben  eine  innere, 
noch  andere  (Bulla)  eine  äufsere  Schaale.  Sie  können  nur  mit- 
telst Wassers  athmen  und  gehören  vorzüglich  den  gemäfsigten  und 
warmen  Meeren  an. 

Mit  Sicherheit  ist  nur  eine  Gattung  in  der  Vorwelt  nachge- 
wiesen worden: 

Bulla  Lam.  Blasenschnecke.  Bulla.  Hierzu:  Bullina 
Ferussac  oder  Alicula  Eichwald. 

Schaale  aufgerollt,  länglich-  oder  kugelig- eiförmig,  ohne 
Spindel,  mit  kaum  vortretendem  Gewinde.  Die  Mündung  hat  theils 
die  Länge  der  Schaale,  theils  erhebt  sich  das  Gewinde  ein  wenig 
darüber  hinaus  (Bullina).     Die  Aufsenlippe  ist  scharf. 

Einige  Arten  kommen  schon  in  den  Oolithen  vor,  mehrere 
sind  tertiär. 

phag  ist,  und  unter  den  letzteren  sämmtliche  Cerithien  Phytophagen  sind. 
(Menke,  Zeitschr.  f.  Malako -Zoologie.  1844.  Febr.) 


318 


\YEV:i[THIB|{E, 


B.  lignaria  L.  —  Taf.  XVI.  Fig.  6.  a.  b.  —  Desh.  Coq.  de 
Par.  IL  p.  44.  tb.  5.  /.  4  —  6.  —  Br.  Leth.  p.  997.  tb.  40.  f.  13.  — 
Philippi,  Beiträge  zur  Kenntnifs  der  Tertiärversteinerungen  des  nord- 
westlichen Deutschlands.  Cassel,  1844.  p.  51. 

Schaale  länglich -eiförmig,  nach  dem  kleinen,  etwas  vertieften 
Gewinde  zu  schmäler,  quergestreift.  Die  Mündung  erweitert  sich  nach 
unten  beträchtlich. 

Fast  in  allen  Tertiärbildungen  und  noch  lebend  im  Mittelmeere 
und  europäischen  Ocean. 

B.  cylindroides  Desh.  Coq.  de  Par.  IL  p.  40.  tb.  5.  f.  22 — 24. 

Schaale  fast  cylindrisch,  an  der  Basis  dünn  gestreift.  Mündung 
linear,  unten  etwas  erweitert.  Das  verborgene  Gewinde  bildet  einen 
kleinen  Nabel. 

Ziemlich  häufig  im  Pariser  Grobkalke. 

B.  cylindrica  Brug.,  Desh.  Coq.  de  Par.  IL  p.  42.  tb.  5.  f. 
10 — 12.  —  Br.  Leth,  p.  998.  tb.  40.  f.  14. 

Sie  wird  nach  unten  zu  breiter  als  die  vorige,  ist  mehr,  oval 
als  cylindrisch,  und  (nach  Deshayes  überall,  nach  Bronn  nur  unten) 
quergestreift. 

Im  Grobkalke  von  Paris,  Sternberg  in  Mecklenburg,  im  kalkfüh- 
renden Sande  in  Brabant  und  in  der  Ukraine,  im  Londonthone  Englands. 

B,  (Bullina)  Lajonkairiana  Bast.,  Br.  Leth.  p.  999.  tb.  44. 
f.  15.  —  Alicula  Volhynica  Eichw.  —  Phil.  Tert.  p.  18.  51. 

Diese  kleine,  olivenförmige,  glatte  Art,  an  welcher  das  Gewinde 
als  kleine  Spitze  die  Mündung  überragt,  bezeichnet  das  Tegelgebilde, 
obschon  sie,  nach  Bronn,  auch  früher  und  später  fossil  und  lebend 
vorkömmt. 

Im  Grobkalke  Mecklenburgs;  im  Tegel  zu  Bordeaux,  in  Touraine, 
bei  Kassel  (Wilhelmshöhe),  Freden,  Wien  (Gainfahrn),  in  Siebenbürgen, 
Volhynien,  Podolien ;  in  der  Subapenninenformation  Italiens  (Nizza, 
Siena),  Moreas;  und  lebend  im  Mittelmeere. 

D.    Pulmohr anchiata.  Pulmonata.  Lungenschnecken. 

Die  Lungenschnecken  athmen  nur  freie  Luft  und  haben,  statt 
der  Kiemen  der  anderen  Schnecken,  an  der  rechten  Seite  des 
Mantelrandes  eine  Oeffnung,  den  Zugang  zu  einer  Höhle,  deren 
Wände  einen  faltigen  Sack  (Lunge)  bilden.  Der  Fufs  ist  mitlei- 
mäfsig  grofs.     Schaale  fehlt  oder  ist  ohne  Deckel. 

Sie  leben  in  süfsen  Gewässern  oder  auf  dem  Lande,  und 
nähren  sich  nur  von  Vegetabilien.    In  meerischen  Bildungen  wird 


SCHNECKEN. 


319 


man  die  Lungenschnecken  vergeblich  suchen;  im  Gegentheil  wird 
aber  ihr  Vorkommen  Moräste  und  Sümpfe,  Flüsse  und  Bäche  der 
Vorwelt  am  besten  bezeichnen  können. 

Allen  älteren  Formationen  scheinen  diese  Thiere  gefehlt  zu 
haben,  mit  Sicherheit  kennt  man  sie  nur  aus  tertiären  Schichten, 
in  welchen  sie  jedoch  viel  sparsamer  als  in  der  jetzigen  Schöpf- 
ung waren. 

1.  Farn.  Ititnaciflae» 

Diese  Familie,  welche  die  Gattungen  Vaginulus^  Limax,  Arion^ 
Parmacellus^  Cryptellus  und  Testacellus  umfafst,  begreift  Thiere 
nur  mit  einer  inneren,  oft  gänzlich  fehlenden  Schaala  und  scheint 
früher  gemangelt  zu  haben. 

3.  Faiii«  Colintacidae* 

Körper  in  einer  spiral  gewundenen  Schaale,  mit  vier  Füh- 
lern, von  denen  die  beiden  oberen  Augen  tragen.  Sie  leben  auf 
dem  Lande.  Mehrere  ihrer  Gattungen,  welche  Vitrina^  Succinea^ 
Helix^  Achatina ^  Bulimus^  Pupa  und  Clausüia  sind,  kommen  hier 
und  da,  wie  im  Süfswasserkalke  von  Polen  *)  u.  a.  0.,  fossil  vor. 

1.  G.  llelix  L.  Schnirkelschnecke.  Heiice,  (FX/^, 
alles  Gewundene») 

Schaale  kugelig,  niedergedrückt  kugelig,  fast  scheibenförmig 
bis  kegelförmig,  mit  etwas  vorstehendem  Gewinde.  Mündung  ganz- 
randig,  mit  getrennten  Rändern,  durch  das  Anlegen  an  den  vor- 
letzten Umgang  etwas  eingedrückt.    Nabel  spiralförmig  utid  tieL 

Die  gewöhnliche  Weinbergsschnecke,  H.  pomatia  L.,  und  die 
Gartenschnecken  geben  den  Typus  für  diese  Gattung  ab,  von  wel- 
cher man  gegen  300  lebende  und  viele  fossile  Arten  kennt. 

H.  Moroguesi  Brongn.  —  Taf.  XVL  Fig.  5.  a.  b,  —  Desh. 
Coq.  de  Par.  p.  55.  tb.  6.  f.  1.  2.  4. 

Schaale  fast  kugelig,  glatt,  aus  sechs  gewundenen  Umgängen 
bestehend.  Bei  grofser  Aehnlichkeit  mit  H.  nemoralis  L.  wird  sie 
ohngefähr        breit  und  um  -J  etwa  niedriger. 

Mit  Lymneen  zusammen,  kommt  sie  in  einem  Sumpfkalke  von 
Paris,  der  zu  den  oberen  Schichten  des  Pariser  Beckens  gehört,  und 
im  tertiären  Sandsteine  von  Falkenau  in  Böhmen  vor. 


+)  Pusch,  Polens  Palaeontologie.    Stuttgart,  1837.  p.  185. 


320 


WEICHTHIERE. 


3.  Farn.  Auriculidae  d'Orb. 

Der  Körper  ist  in  einer  spiral  gewundenen  Schaale  einge- 
schlossen, deren  Spindel  gefaltet  ist.  Am  Kopfe  stehen  zwei  Füh- 
ler und  an  der  Basis  derselben  die  Augen.  Sie  leben  bald  im 
Wasser,  bald  auf  dem  Lande. 

Ihre  Gattungen,  CaricMum^  Scarabaeus  und  Auricula,  schei- 
nen nicht. fossil  zu  sein, 

4:.  Farn.    JDymneidae  d'Orli. 

Körper  in  einer  Schaale,  mit  zwei  zusammenziehbaren  Füh- 
lern.   Sie  leben  nur  im  Wasser. 

Unter  den  hierzu  gehörigen  Gattungen:  Lymneus^  Chilina^ 
Physa^  Planorbis  und  Ancylus,  ist  die  am  gewöhnlichsten  fossil 
vorkommende :  * 

1.  G.  Limneus  (Lymneus^  Lymnaeus ^  Lymnea^  Limnaea, 
Limnea)  Lam.  (li/nv?]^  Sumpf.) 

Schaale  dünn,  länglich,  mit  stark  hervortretendem  Gewinde, 
einer  ganzrandigen ,  länglichen  Mündung,  scharfer  Aufsenlippe,  die 
sich  unten  als  schiefe  Falte  unter  die  Spindel  herabzieht,  um  sich 
an  dieser  spiralförmig  emporzuwinden. 

Als  Typus  für  diese  Gattung  gilt  der  in  Sümpfen  so  gemeine 
L.  stagnalis  Müll.  Eine  diesem  sehr  ähnliche  Art  kommt ,  mit  Helix 
Moroguesi  zusammen,  bei  Falkenau  in  Böhmen  vor. 

2.  G.  Physa  Draparnaud.  Bulin  Adanson.  {(fvodo),  aufblähen.) 

Walzen-  oder  eiförmig  aufgerollt,  mit  sehr  vorstehendem 
Gewinde  und  einer  länglichen,  oben  eckigen  Mündung.  Die  dünne, 
scharfe  Aufsenlippe  biegt  sich  nach  innen  unter  die  gewundene 
Spindel. 

Ph.  columnaris  Desh.  (Coq.  de  Par.  II.  p.  90.  tb.  10.  f.  11 
u.  12.)  ist  eine  sehr  verlängerte,  fast  walzige  Art,  welche  gegen  2i" 
lang  wird. 

Tertiär  bei  Paris. 

3.  G.  Planorbis  Müller.  Tellerschnecke,  (planus,  platt; 
Orbis,  Kreis.) 

Schaale  scheibenförmig  aufgerollt,  so  dafs  alle  Umgänge  von 
unten  und  oben  noch  sichtbar  sind.  Mündung  länglich  und  durch 
das  Hereintreten  der  vorletzten  Windung  etwas  mondförmig. 

Mehrere  Arten  beschreibt  Pusch  aus  dem  Süfswasserkalke  von 

Polen. 


SCHNECKEN. 


321 


E.    Pectinibranckiata,  Kammkiemer. 

Die  Kiemen  liegen  im  Nacken  des  Thieres  In  einer  beson- 
deren Höhle,  und  haben,  wie  die  Fischkiemen,  ein  kammförmiges 
Ansehen.  Kopf  deutlich  und  mit  zwei  Augen  versehen.  Fast 
immer  wird  das  Thier  von  einer  spiral  gewundenen  Schaale  be- 
deckt, deren  Mündung  mit  einem  hornigen  oder  kalkigen  Deckel 
zu  verschliefsen  ist. 

Diefs  ist  die  umfassendste  Abtheilung  der  Gasteropoden,  aus 
welcher  alle  neptunischen  Formationen  Gattungen  umschliefsen.  In 
der  Vertlieilung  jener  Gattungen,  Arten  und  Individuen  in  den 
verschiedenen  Schichten  der  Erdrinde  spricht  sich  abermals  das 
Streben  der  Natur,  eine  immer  gröfsere  Vollkommenkeit  zu  er- 
reichen, auf  das  deutlichste  aus. 

In  kleiner  Zahl  zeigen  sich  die  Arten  und  Individuen  zuerst 
in  silurischer  Grauwacke;  viel  zahlreicher,  jedoch  noch  wenig  von 
einander  verschieden,  verbreiten  sie  sich  in  dem  Kohlengebirge. 
Noch  immer  von  einförmigem  Charakter,  hat  die  Zahl  der  Indivi- 
duen im  Muschelkalke  schon  so  zugenommen,  dafs  einige  Natica- 
Arten  hier  ganze  Schichten  erfüllen  und  grofsentheils  gebildet  zu 
haben  scheinen;  im  Oolithengebirge  gesellen  sich  mannichfaltigere 
neue  Gattungen  den  früheren  bei,  oder  die  früheren  werden  durch 
entwickeltere  Formen  ersetzt;  im  Kreidegebirge  vermehren  sich 
die  Arten  und  Individuen  bedeutend,  und  in  tertiären  Gebilden 
findet  man  fast  alle  in  der  Jetztwelt  noch  lebenden  Gattungen 
durch  eine,  wenn  auch  bisweilen  nur  geringere,  Anzahl  von  Ar- 
ten vertreten. 

1,  Farn.    Cyclostomidae  d'Orli. 

Das  Thier  trägt  zwei  spitz  kegelförmige,  zusammenziehbare 
Fühler^  an  deren  Basis  die  Augen  sind.  Kopf  rüsselförmig.  Schaale 
spiral  gewunden.  Es  sind  Landbewohner,  welche  unseren  Erdball 
zuerst  in  der  Tertiärzeit  betraten. 

Odontostoma  diOvh.  \ä%  noch  nicht  fossil  beobachtet  worden. 

1.  G.  Helicina  Lam.  (eli'^y  das  Gewundene.) 

Schaale  niedergedrückt,  nicht  glänzend  glatt  (wie  bei  Odon- 
topleura).  Mündung  halbmondförmig,  öfters  mit  einem  zurückge- 
schlagenen Rande  (Mundsaume).  Spindel  schwielig,  aber  ohne 
Fallen. 

Dieser  Gattung  wurden  bisher  einige  Arten  zugeschrieben,  wel- 
che anderen  Gattungen  zuertheilt  v,  erden  müssen.     So  bildet  //.  com- 

Geiiiitz,  Versteiueriingskuude.  21 


322 


>VEICnTlIIEHE. 


pressn  Sow.  (M.  C.  tb.  10.  f.  1 — 3.),  aus  dein  Lias  von  Loiceslershire, 
nach  Agassiz  ein  neues  Genus:  Ptychomphalus  Ag. 

2.  G.  Cyclostoma  Lam.  {xvylog,  Kreis;  orofia,  Mund.) 

Sclmale  verlängert  oder  niedergedrückt,  nicht  glänzend  glatt. 
Mündung  kreisrund,  mit  vereinigten,  gewöhnlich  zurückgeschlage- 
nen Rändern.     Spindel  glatt.    Deckel  spiral. 

Hier  und  da  vielleicht  in  tertiären  Schichten  und  im  Diluvium. 
(Vergl.  Pusch,  Pol.  Pal.  p.  95.) 

t  3.  G.  Strophostoma  Desh.  Ferussina  Grateloup. 
Feriissacia  Leufroy.  (oTQOffog,  ein  gedrehetes 
Band;  oTOfiiu^  Mund.) 

Schaale  kugelig -eiförmig;  Mündung  rund,  ganzrandig,  schief, 
einfach  und  nach  oben  gerichtet.  Nabel  mehr  oder  weniger  weit, 
nach  Leufroy  bisweilen  ganz  fehlend. 

Die  Arten  scheinen  alle  den  mittleren  und  oberen  Tertiär- 
schichten zuzukommen. 

Bronn  beschreibt  von  ihnen  vier  (Leth.  p.  1013),  unter 
welchen 

St.  tricarinatum  Braun  (L.  Br.  J.  1838.  p.  291.  tb.  2.  A.) 
in  der  Nähe  von  Hochheim  im  Mainzer  Becken  mit  Arten  von  Cyclo- 
stoma und  Helix  zusammen  gefunden  wurde. 

Die  Windungen  sind  rundlich  und  durch  drei  Kiele  (an  der  obe- 
ren und  an  der  unteren  Naht  und  an  dem  Rande  des  weiten  Nabels) 
etwas  dreiseitig. 

9.  Farn.  JLmpullaridae  d'Or1>. 

Thiere  mit  kammförmigen  Kiemen  und  aufserdem  einem  Lun- 
gensack, so  dafs  sie  einen  Theil  des  Jahres  auch  aufser  dem 
Wasser  leben  können,  während  sie  eigentlich  Flufsbewohner  sind. 
Schaale  spiral,  mit  ovaler,  ganzrandiger  Mündung;  von  Natica, 
mit  deren  Schaalen  man  sie  häufig  verwechselt  hat,  durch  eine 
nicht  schwielige  Spindel  und  durch  eine  dünne,  mit  einer  dicken 
Oberhaut  bedeckten  Schaale  unterschieden. 

Die  Mitglieder  dieser  Familie,  Ampullaria  Lam.,  mit  läng- 
licher, aufgequollener  Schaale,  Ceratodes  Guilding,  mit  nieder- 
gedrückter Schaale,  und  Ampulloides  d'Orbigny,  mit  bauchiger 
Schaale,  leben  noch  in  süfsen, Gewässern  der  wärmeren  Zone  und 
sind  in  keinem  Falle  älter  als  tertiär. 


SCHNECKEN. 


323 


3.  Farn.  Paludinidae  d'Orb. 

Die  Tliiere  dieser  Familie  haben  zwei  conisch- pfriemenförmige 
Fühler,  vor  welchen  die  Augen  stehen,  einen  riisselförmigen  Mund 
ohne  oder  mit  zurückziehbarem  Rüssel,  einen  ganzen  oder  an  den 
Seiten  ausgeschnittenen  Mantel.  Ihre  Schaale  ist  mehr  oder  weni- 
ger verlängert,  spiral,  von  verschiedener  Form,  und  hat  eine 
ganzrandige  Mündung. 

Truncatella  Risso  ist  nicht  fossil  gekannt. 

1.  G.  Faludina  Lam.  Sumpf s chnecke.  Vivipara  Montf. 
{palus^  Sumpf.) 

Schaale  oval  bis  kegelförmig,  mit  ovaler  Mündung,  deren 
Ränder  sich  oben  in   einem  Winkel  vereinigen.     Deckel  hornig. 

Die  lebenden  bewohnen  die  süfsen  Gewässer;  mehrere  fossile 
Arten  umschliefsen  oft  in  grofser  Anzahl  die  Wealdenformation  Eng- 
lands *)  und  einige  tertiäre  Süfswassergesteine. 

P.  pygmaea  Fer.  —  Taf.  XV.  Fig.  23.  Nach  Desh.  Coq.  de 
Par.  p.  130.  tb.  15.  f.  9.  10.  —  Pusch,  Pol.  Pal.  p.  95. 

Schaale  spitz  kegelförmig,  glatt,  mit  sechs  gewölbten  Umgängen. 
Sie  ist  eine  der  längeren  Formen  und  kommt,  nach  Deshayes,  in  mit- 
tel-tertiären  Schichten  von  Montmorency  und  Palaiseau,  und,  nach  Pusch 
mit  P.  inflata  Fer.  zusammen,  im  Bassin  von  Mainz,  besonders  bei 
Laubenheim  und  Hombach,  zu  Millionen  zusammengehäuft  vor.  Diese 
beiden  Arten  sind  nach  diesem  Gelehrten  fast  eben  so  häufig  im  so- 
genannten Grobkalke  von  Horostkow  in  Ostgalizien,  in  den  Muschel- 
sanden Volhyniens  und  Podoliens,  und  im  oberen  Cerithiensandsteine 
der  Gegend  von  Szydlow  in  Polen. 

Da  sie  indefs  an  den  letzteren  Orten  mit  Cerithien  und  anderen 
Meeresgeschöpfen  ihren  Aufenthalt  theilten,  so  möchten  sie  wohl  eher 
der  folgenden  Gattung  einverleibt  werden. 

2.  G.  Paludestrina  d'Orb.  Hydrobia?  E^Lrlm.  Bithynia?  Gray. 
(paludester^  sumpfig.) 
Die  Schaale  entspricht  ganz  jener  der  Paludinen,  das  Thier 
bewohnt  aber  die  Meeresküsten  und  die  Mündungen  grofser  Flüsse. 

3.  G.  Melania  Lam.  (f^aXag^  schwarz.) 
Schaale    thurmförmig,    mit  einer   dicken   Oberhaut  bedeckt. 
Mündung  oval;  Aufsenlippe  buchtig,  etwas  nach  vorn  gewendet. 
Deckel  hornig. 


*)  Sowerby,  M.  C;  Fitton,  ohservat,  of  the  strata  etc.;  Mantell,  Geol 
of  Sussex  etc. 

21  * 


324 


WEICHTIIIBKE. 


Die  lebenden  Melanien  halten  sich  nur  in  süfsen  Gewässern 
wärmerer  Gegenden  auf;  die  fossilen  sind  daher  auch  nur  in  Siifs- 
wassergebilden  zu  suchen,  und  zur  Zeit  nur  aus  tertiären  Schich- 
ten bekannt. 

Alle  Schaalen  aus  marinen  Formationen,  die  ihrer  äufseren 
Aehnlichkeit  halber  bisher  der  Gattung  Melania  zugezählt  wur- 
den, sind  den  Gattungen  Eulima^  Pyrgiscus  und  Rissoma  zuzuer- 
kennen. 

Die  Untersuchung  der  Steinkerne  sogenannter  Melanien  aus  älte- 
ren Formationen,  welche  mit  den  wahren  Melanien  insbesondere  nur 
darin  übereinstimmen ,  dafs  ihre  Mündung  ganzrandig  und  die  Spindel 
glatt  ist,  führte  auch  Agassiz  zu  der  Annahme,  dafs  jene  keine  wah- 
ren Melanien  seien ,  da  bei  ihnen  die  Art  ihrer  Aufrollung  eine  ganz 
andere  sei  '•'). 

4.  G.  Melanopsis  Lam.  Melanopside.  (Melaniä; 
oyjig^  Ansehen.) 

Schaale  fast  spindelförmig  oder  cylindrisch- kegelförmig,  mit 
ganzrandiger ,  ovaler,  oben  zugespitzter,  unten  etwas  ausgerande- 
ter  Mündung.  Die  rechte  Lippe  legt  sich  oben  an  den  letzten 
Umgang  an,  die  innere  Lippe  ist  schwielig  und  die  Spindel  ge- 
krümmt und  unten  abgestutzt. 

Süfswassergattung  der  gemäfsigten  Zone,  und  tertiär. 

M.  Martiniana  Ferussac.  —  Taf.  XVL  Fig.  1.  a.  b. 

Schaale  eiförmig,  nach  unten  und  oben  verengt,  mit  ganz  nied- 
rig kegelförmigem  Gewinde.  An  dem  oberen  Ende  der  sich  weit 
heraufziehenden  rechten  Lippe  beginnt  ein  starker,  stumpfer  Kiel,  wel- 
cher parallel  der  Naht  auf  dem  letzten  Umgange  bis  an  die  Mündung 
läuft  und  da,  wo  er  mündet,  die  Lij)pe  ein  wenig  zurückbiegt.  Aufser 
unregelmäfsigen  Zuwachsstreifen  ist  die  Oberfläche  glatt.  Das  Gewinde 
tritt  bald  mehr  bald  weniger  als  bei  dem  abgebildeten  Exemplare 
hervor.     Sie  steht  der  M.  carinata  Sow.  am  nächsten. 

Im  Tegelsande  von  Bisens  im  südlichen  Mähren  durch  Glocker, 
am  Lager  Wäldchen  und  bei  Gumboldskirchen  bei  Wien  durch  v.  Hol- 
ger entdeckt. 

5.  G.  Turritella  Lam.  Thurmschnecke,  (turris,  Thurm.) 

Schaale  lang  kegelförmig  bis  thurmförmig,  mit  einer  runden 
oder  vierseitigen  ganzrandigen  Mündung,  deren  Ränder  hinten  ge- 
trennt sind.    In  der  Aufsenlippe  zeigt  sich  öfters  eine  Bucht.  Ein 


*)  Sowerby's  Mineral- Conchologie.    Solothurn,  1842.  p.  67. 


SCHNECKEN. 


325 


aus  sehr  zahlreichen  Umgängen  gebildeler  horniger  Deckel ,  so 
wie  ein  mehr  ausgebreiteter  Mantel  und  die  kürzere ,  rundlichere 
Mündung  unterscheiden  die  Turritellen  von  den  Melanien. 

Turritellen  werden  schon  aus  dem  Grauwackengebirge  und 
dem  Kohlenkalke  ■')  angeführt,  doch  rechnet  de  Köninck  diesel- 
ben meistens  den  Gattungen  Murchisonia  und  Pyrgiscus  (Chetn- 
tiitzia)  zu. 

?  T.  acus  (sarcata)  v.  Buch,  Gon.  ii.  Clym.  p.  18.  f.  16.  — 
Arch.  u.  Vern.  a.  a.  0.  p.  190.  —  Taf.  XIV.  Fig.  8. 

Pfriemenförmig ,  kaum  lO'"  lang,  mit  zehn  Windungen,  die  in 
der  Mitte  einen  kielartigen  stärkeren,  und  zu  beiden  Seiten  einen 
schwächeren  Querstreifen  haben.     Sie  ist  vielleicht  eine  Murchisonia. 

In  einem  dem  Kohlenkalke  entsprechenden  Schiefer  bei  Hausdorf 
in  der  schlesischen  Grafschaft  Glatz.  — 

Im  oberen  Zechsteine  von  Altenburg  finden  sich  kleine  Stein- 
kerne, die  zwar  das  Ansehen  von  Turritellen  haben,  allein  keine  nähere 
Bestimmung  zulassen.     Das  Letztere  gilt  auch  für  die  folgende  Art. 

?  T.  ohliterata  Goldf.  P.  III.  p.  106.  tb.  196.  f.  14.  —  Al- 
berti,  Monographie  d.  bunten  Sandsteins  u.  s.  w.  p.  237.  —  ?  T.  (Ro- 
stellaria) sca/a/a  Goldf. ,  Aut. ,  Gaea  v.  Sachsen,  p.  103. 

Lang  kegelförmig,  mit  ebenen,  fast  vierkantigen,  glatten  Um- 
gängen ,    welche   sich  in   ihrer  ganzen  Breite  an  einander  schliefsen. 

Kommt  in  den  Stylolithenschicliten  oder  Mehlbatzen  des  Rüders- 
dorfer und  Thüringer  Muschelkalkes  vor.  — 

Aus  dem  Lias  von  Baiern  (bei  Pretzfeld  und  Altdorf)  lehrte  Gold- 
fufs  sechs  Arten  von  Turritellen  kennen. 

Nach  d'Orbigny  *••')  aber  fehlten  die  Turritellen  selbst  noch 
im  Juragebirge,  und  begannen  ihre  Existenz  zuerst  in  den  Meeren, 
aus  welchen  das  Kreidegebirge  sich  abschied. 

In  tertiären  Meeren  scheinen  -sie  sogar  noch  häufiger  als  in 
den  gegenwärtigen  gewesen  zu  sein. 

T.  granulata  Sow.  M.  C.  tb.  565.  f.  1.  2.  —  Gein.  Char.  p. 
44.  —  d'Orb.  Pal.  f.  Terr.  er.  II.  p.  46.  tb.  153.  f.  5  —  7.  —  Reufs, 
böhm.  Kr.  p.  51.  —  Taf.  XIV.  Fig.  9.  10. 

Thurmförmig,  aus  12  —  15  schwach  gewölbten,  durch  Quer-  und 
Längsstreifen  körnigen  Windungen  gebildet.  Auf  diesen  treten  ge- 
wöhnlich fünf  gekörnte  Querstreifen  am  stärksten  hervor,   von  welchen 


*)  Von  Goldfufs,  Petr.  III.;  Münster,  Beitr.  3.  p.  88;  Archiac  u.  Vei- 
neuil  in  Murchison's  paläoz.  Geb.  u.  A. 
**)  Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  33. 


32G 


WEICHTHIERB. 


der  oberste  hart  an  der  Naht  liegt  und  ein  förmliches  Band  bildet. 
Zwischen  sie  schieben  sich  hier  und  da  dünnere  Streifen  ein,  so  dafs 
auf  dem  letzten  Umgange  noch  einige  deutliche  Querstreifen  zu  den 
fünfen  hinzutreten.  Der  nicht  gekörnte  Raum  läfst  aufserdem  noch 
sehr  zarte,  dichtstehende  Querlinien  erkennen. 

Im  unteren  Quader  von  Tyssa!  u.  a.  a.  0.  von  Böhmen,  bei 
Kieslingswalda  im  Glatzischen,  bei  Blackdown  in  England  und  in  den 
Umgebungen  von  Uchaux  (Vaucluse). 

An  Steinkernen  verschwindet  bisweilen  das  Korn ,  und  Fig.  10. 
ist  nichts  anderes  als  T.  granulata. 

T.  quinquecincta  Goldf.   (III.   p.  106.   tb.' 196.   f.  17.)  und 

T.  JSöggerathiana  Goldf.  (III.  p.  107.  tb.  197.  f.  1.),  aus 
dem  Grünsande  von  Aachen  und  Haldem,  sind  wohl  kaum  von  T.  gra- 
nulata zu  trennen. 

T.  multistriata  Reufs,  westl.  Böhm.  1843  (statt  1844)  p.  207. ; 
böhm.  Kreideverst.  p.  51.  tb.  10.  f.  17;  tb.  11.  f.  16. 

Das  Gewinde  besteht  aus  10  — 12  durch  eine  tiefe  Naht  getrenn- 
ten Umgängen,  und  ist  relativ  kürzer  als  das  der  vorigen,  von  wel- 
cher sich  diese  Art  ferner  durch  gewölbtere  Umgänge  und  vier  bis 
sechs  schmale,  stets  glatte  Querstreifen  unterscheidet,  zwischen  denen 
fünf  bis  acht  feine  Querlinien  und  aufser  diesen  sogar  noch  feinere 
liegen. 

T.  multistriata  Reufs  und  T.  quadricincta  Goldf.  (III.  p. 
106.  tb.  196.  f.  16.)  sind  Individuen  mit  vier  Querstreifen,  T.  Ha- 
genoviana  Münst.  (Goldf.  III.  p.  108.  tb.  197.  f.  5.)  mit  fünf,  und 
T.  sex  eine  ta  Goldf.  (III.  p.  107.  tb.  197.  f.  2.)  mit  sechs  Quer- 
streifen. Der  letzteren  entspricht  auch  T.  difficilis  d'Orb.  (Pal.  fr, 
Terr.  er.  II.  p.  39.  tb.  151.  f.  19.  20.)  aus  einem  die  chloritische 
Kreide  vertretenden  rothen  Sande  von  Uchaux  in  Frankreich. 

Sie  gehören  sämmtlich  dem  oberen  Grünsande  und  dessen  Ae- 
quivalenten  an,  und  kommen  bei  Aachen,  Haldem,  Quedlinburg,  Kies- 
lingswalda, und  im  Plänermergel  Sachsens  und  Böhmens  nicht  selten, 
jedoch  auch  in  dem  Plänerkalke  vor. 

T.  imbrieataria  Lam.  —  Taf.  XIV.  f.  6.  Nach  Desh.  Coq. 
de  Par.  II.  p.  271.  tb.  35.  f  1.  2-,  tb.  36.  f.  7.  8.;  tb.  37.  f.  9.  10  ; 
Ib.  38.  f.  1.  2.  —  ßr.  Leih.  p.  1045.  tb.  41.  f.  1.  Hierzu  nach  Bronn  : 
T.  edila^  elongata  und  conoidea  Sow.  M.  C.  tb.  51. 

Verlängert  thurmförmig ,  fast  pfriemenförmig ,  mit  flachen,  am 
unteren  Rande  stumpf  gekielten  Windungen,  welche  durch  eine  tiefe 
Naht  getrennt  und  ungleich  quergestreift  sind.  Zuwachslinien  lassen 
diese  Streifen  fein  gekörnelt  erscheinen. 


SCHNECKEN. 


327 


Sie  ist  nach  Brongniart  für  die  mitüereu  Schichten  des  Pariser 
Grobkalkes  bezeichnend,  gehört  auch  in  England  dem  Londonthone, 
und  in  anderen  Ländern  vorzugsweise  der  Grobkalkgruppe  an;  bei 
Turin  und  in  Polen  kommt  sie  in  mitteltertiären  Schichten  vor. 

T.  Ar chimedis  Brongn.  Calc.  trapp,  p.  55.  tb.  2.  f.  8.  —  Br. 
Leth.  p.  1047.  tb.  42.  f.  36.  —  Taf.  XIV.  Fig.  7.  (nach  Brongniart). 

Verlängert  thurmförmig,  ausgezeichnet  durch  zwei  starke,  doch 
stumpfe  Querkiele,  die  in  der  Mitte  und  in  der  Nähe  des  unteren 
Randes  jeder  Windung  liegen.  Zwischen  denselben  liegen  ohngefähr 
fünf  feine,  unter  sich  gleiche  Querlinien,  und  auch  die  übrige  Ober- 
fläche ist  quer  liniirt. 

Nach  Bronn  im  trappischen  Grobkalke  von  Val  Ronca  im  Vicen- 
tinischen,  und  hauptsächlich  bezeichnend  für  das  Tegelgebilde  von  Bor- 
deaux, Wien  (Gainfahrn) ,  Siebenbürgen  (Bujtur,  Korod),  Galizien  (Tar- 
nopol),  Volhynien  (Shukowce)  und  Polen  (Korytnice). 

T.  nindobonensis  Partsch,  aus  dem  Tegel  von  Gainfahrn  bei 
Wien,  steht  der  vorhergehenden  durch  das  Vorhandensein  von  zwei 
starken  Kielen  sehr  nahe,  unterscheidet  sich  aber  schon  dadurch  von 
ihr,  dafs  von  den  feinen  Linien  zwischen  denselben  die  mittelste 
stärker  ist  als  die  übrigen,  und  dafs  oberhalb  des  oberen  Kieles 
eine  der  Linien  noch   als  schwächerer  dritter  Kiel  hervortritt. 

6.  G.  Scalaria  Lam.  Wendeltreppe.  Scalaire. 
{scala^  Treppe.) 

Schaale  mehr  oder  weniger  verlängert,  ohne  Oberhaut,  mit 
erhabenen  Längsrippen,  welche  die  verschiedenen  Mundvvülste  be- 
zeichnen. Die  gewölbten  Umgänge  berühren  sich  öfters  kaum. 
Mündung  rund  oder  oval,  mit  zusammenhängenden  Rändern.  Stein- 
kern stets  glatt.  Der  hornige  Deckel  besteht  aus  nur  wenigen 
Umgängen. 

Die  Fauna  der  Sealarien  beginnt  in  den  ältesten  Schichten 
des  Kreidegebirges  und  gehört  gegenwärtig  den  warmen  gemäfsig- 
len  Meeren  an. 

Sieben  Arten,  welche  d'Orbigny  aus  Frankreich  beschrieb,  sind 
auf  das  Neocomien  und  den  Galt  vertheilt.  Sechs  Arten  bestimmte 
Philippi  aus  den  tertiären  Gebilden  von  Cassel,  Freden  und  Luilhorst. 

S.  decussata  Lam.  —  Taf.  XV.  Fig.  9.  a.  b.  Nach  Desh- 
Coq.  de  Par.  II.  tb,  23.  f.  1.  2.  —  Philippi,  Tertiärv.  p.  21. 

,. ^Schaale  klein,  beinahe  pfriemenförmig ,  quergestreift,  mit  ge- 
ränglen  dünnen  Längslamellen;  die  Basis  mit  einer   ebenen,   sehr  fein 


328 


WEICHTHIERE. 


gestreiften  Scheibe  gekrönt;  Oeffnung  rund,  mit  scharfen  Rändern." 
(Philippi.) 

7.  G.  Rissoa  Frcminville.  Melania  Aut.  z.  Th.  (Risso^  nom.  pr.) 

Schaale  dick,  ohne  Oberhaut,  mehr  oder  weniger  verlängert, 
mit  spitzem  Gewinde,  einer  halbmondförmigen  Mündung,  einer  ge- 
raden oder  ausgebogenen  Aufsenlippe,  'welche  sich  immer  wulst- 
förmig  verdickt.  Hierdurch  unterscheiden  sie  sich  von  den  ihnen 
nahe  verwandten  Paludinen  und  Littorinen.     Deckel  hornig. 

Sie  sind  nicht  früher  als  in  dem  Kreidegebirge  mit  Sicherheit 
nachgewiesen  worden;  die  lebenden  Arten  lieben  felsige  Meeres- 
küsten. 

a.    Rissoa  Frem.  d'Oib. 

Mündung  oval  oder  rundlich,  mit  dickem  und  geradem  Rande. 

Aufs  er  R.  Dup  iniana  d'Orb.  {Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  60.  tb. 
155.  f.  8  — 10.),  aus  dem  oberen  Galt  Frankreichs  (Ervy) ,  wurden 
durch  Philippi  einige  tertiäre  Arten  von  Freden  und  Luithorst  bekannt. 

b.    Ris soina  d'Orb. 

Mündung  halbmondförmig,  schmal,  ausgebogen,  mit  einer 
dicken,  in  der  Mitte  stark  vorgezogenen  Aufsenlippe,  so  dafs  unten 
und  oben  eine  leichte  Bucht  entsteht. 

R.  incerta  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er.  IL  p.  62.  tb.  155.  f  11  —  13. 

Im  Grünsande  von  Ervy  (Aube). 

R.  coc lilearella  Bast.  —  Melania  c.  Lam.,  Desh.  Coq.  de  Par. 
II.  p.  117.  tb.  14.  f  13  —  17.  —  Br.  Leth.  p.  1023.  tb.  40.  f.  20.  — 
R.  multiplicata  Piisch,  Pol.  Pal.  p.  96.  tb.  9.  f.  8. 

Thurm -kegelförmig,  mit  etwa  acht  flach  gewölbten  Umgängen, 
welche  mit  zahlreichen  (16  —  40)  schwachen  Längsfalten  bedeckt  sind. 

Im  Pariser  Grobkalke  mit  seh-  feinen  (über  32)  Falten;  im  Tegel 
zu  Bordeaux  mit  etwa  34  Faltjn;  in  Touraine  mit  etwa  nur  18  Fal- 
ten; fein  gefaltet  bei  Angers  u.  a.  0.,  um  Wien,  zu  Gainfahrn  (mit 
20  —  30  Fallen),  in  Galizien ,  Siebenbürgen  (mit  etwa  20  Falten),  in 
Volhynien  (mit  28  —  40  Falten),  und  in  Polen;  in  der  Subapenninen- 
formation  Italiens  und  Siciliens;  und  mit  feinen  Falten,  nach  Deshayes, 
im  indischen  Oceane?  {Bronn.) 

-t.  Farn.   Pi/ramidellidae  d'Orb.  Plicacea  üain. 

Den  Thieren  aus  dieser  Familie  fehlt  ^ie  rüsselförmige  Schnauze 
der  Paludiniden.  Sie  haben  zwei  Fühler,  welche  nach  d'Orbigny 
bei  Pyramidella  hörnerartig  und  an  der  Seite  geöffnet,  und  nach 


SCHNECKEN. 


329 


Philippi  '^j  bei  EuUma  {Melania)  distorta  Desh.  pfriemenförmig  sind, 
und  an  deren  Grunde  die  Augen  sitzen.  Der  Deckel  ist  hornig. 
Der  gewundenen  Schaala  fehlt  die  Oberhaut,  wodurcli  sie  sieh 
von  den  Melanien  leicht  unterscheiden.  Mündung  ganzrandig,  nach 
aufsen  nicht  verdickt,  ohne  oder  mit  Zähnen  an  der  Spindel,  wel- 
che letztere  stets  mit  der  Innenlippe  bedeckt  ist  und  sich  oft 
weit  herabzieht. 

In  die  Gattungen  dieser  Familie  verweist  d'Orbigny  die  aus 
dem  Oolithen-  und  Kreidegebirge  bisher  für  Melanien  angesproche- 
nen Schaalen. 

1.  G.  Eulimä  Risso.  Melatiia  Aut.  z.  Th. 

Nach  Philippi  (a.  a.  0.)  wurde  von  Risso  das  Genus  Eu- 
Uma für  sehr  ausgezeichnete,  kleine,  thurmförmige  oder  pfriemen- 
formige  Gehäuse  gebildet,  welche  immer  höchst  glänzend,  mit  ganz 
flachen,  sehr  schrägen  Windungen,  und  einer  einfachen,  ovalen 
oben  spitz  zulaufenden  Mündung  versehen  sind.  Die  Spindel  ist 
von  der  Innenlippe  bedeckt  und  ein  Nabel  fehlt  gänzlich. 

Fyrgiscus  Philippi;  Pat^thenia  Lowe;  Ckemnitzia  dOrb.  de 
Kon.;  Loxoneina  Piiill.  {mgyigy.og,  Thürrachen.) 

Seitdem  Lowe  nähere  Kenntnifs  über  das  Thier  des  Pyrgis- 
cus  verbreitet  hat ,  möchte  Philippi  diese  Gattung  nicht  melir  von 
Eulima  trennen. 

Sie  unterscheidet  sich,  nach  Philippi,  von  Eulima  durch  Längs- 
rippen auf  den  Windungen,  und  eine  senkrechte,  gerade  Spindel, 
welche  eine  Verlängerung  der  Achse  des  Gehäuses  ist,  und  mit 
der  vorletzten  Windung  einen  bestimmten  V»lnkel  macht;  aufser- 
dem  allenfalls,  nach  d  Orbigny,  durch  ein  weniger  spitzes  Gewinde 
und  durch  mehr  von  einander  getrennte  Umgänge.  Die  Trennung 
dieser  Gattung  von  Eulima  ist  ziemlich  künstlich,  und  es  wird  Pyr- 
giscus  eigentlich  nur  die  längsgerippten  Eulimen,  die  als  Melanien, 
Turritellen,  Loxonemen  u.  s.  w.  beschrieben  worden  sind,  begrei- 
fen. Und  seitdem  nun  de  Köninck  auch  noch  glatte  oder  nur 
schwach  gestreifte  Arten,  welche  sich  von  seinen  Eulimen  nur 
durch  gewölbtere  Umgänge  unterscheiden,  und  die  bauchigeren  und 
meist  glattscheibigen  Phasianellen  von  Goldfufs  zu  Chemnitz-ia  rech- 
net, dürfte  es  wohl  am  gerathensten  sein,  der  Ansicht  Philippi's 
zu  folgen  und  Pyrgisciis  oder  Chemnit'Aa  mit  Eulima  wieder  ganz 

*)  Wiegmaiin'.s  Archiv  für  Naturg.  1841.  I.  p.  48. 


830 


WElCtmilERB. 


ZU  vereinigen,  wonach  diese  Gattung  folgende  Hauptcharaktere  ha- 
ben würde. 

Eulitna. 

Schaale  pfriemenformig,  ihurinförinig  bis  oval- kegelförmig, 
mit  einer  einfachen,  oben  spitz  zulaufenden  Mündung,  deren  Au- 
fsenlippe  scharf  ist,  und  deren  Innenlippe  die  gekrümmte  oder  ge- 
rade Spindel  ganz  bedeckt,  so  dafs  kein  Nabel  mehr  sichtbar  ist. 

Die  lebenden  Eulimen  bewohnen  die  Küsten  fast  aller  Oceane, 
und  den  fossilen  begegnet  man  in  den  meisten  marinen  Formationen. 

a.  Elllima  Risso.  Gewinde  pfriemenformig;  Umgänge  ganz 
flach,  glatt  und  glänzend. 

E.  suhulata  Risso.  —  Taf.  XV.  Fig.  27.  Nach  Br.  Leth.  p.  1021. 
tb.  42..  f.  46.  {Melania  Cambessedesii  Payr.)  —  Pusch,  Pol.  Pal.  p.  96. 

Schaale  gerade,  sehr  schlank,  pfriemenformig,  lang  zugespitzt, 
mit  flachen  Umgängen,  in  deren  Ebene  die  Nähte  liegen,  und  läng- 
licher lanzettförmiger  Mündung. 

Nach  Bronn  in  Tegelgebilden  um  Bordeaux,  Dax,  Touraine,  um 
Wien,  im  sandigen  Grobkalke  von  Korytnice  in  Polen,  in  Podolien; 
in  der  Subapenninenformation  Italiens  (Nizza,  Piacenza)  und  Siciliens; 
in  quartären  Muschellagern  auf  Ischia  und  lebend  im  mittelländischen 
und  adriatischen  Meere. 

E.  amphora   d'Orb.  Pal.  fr.  T.  er.  IL  p.  66.  tb.  156.  f.  1. 

Ei -kegelförmig,  oben  in  eine  pfriemenenförmige  Spitze  auslaufend, 
mit  etwa  10  glatten  und  fast  ebenen  Mündungen,  und  einer  äufserlich 
verdickten  Spindel,  an  welche  sich  der  dicke  innere  Mundrand  befe- 
stigt hat.     Gegen  3"  lang. 

In  einem  der  mittleren  chloritischen  Kreide  entsprechenden  ro- 
then  Sande  von  Uchaux  (Vaucluse),  und  im  Grünsande  im  Glatzischen. 

b.  Cliemnitzia  de  Kon.  Gewinde  thurmförmig  oder  oval- 
kegelförmig (Phasianella  Lam.  bei  Goldfufs);  Umgänge  flach  oder 
stark  gewölbt,  glatt,  längsgestreift  oder  gerippt  (Pyrgiscus  Phil., 
Chemnitzia  d'Orb.). 

E.  (Phas.)  ovata  Goldf.  P.  III.  p.  113.  tb.  198.  f.  15.  — 
Taf.  XIV.  Fig.  14. 

Oval -kegelförmig,  glatt,  mit  stark  gewölbten  Umgängen,  von 
welchen  der  letzte  doppelt  länger  ist  als  das  übrige  Gewinde. 

In  devonischer  Grauwacke  der  Eifel,  und  im  Kohlengebirgo  bei 
Waldenburg  in  Schlesien. 

E.  (Phas.)  venlricosa  Goldf.  III.  p.  113.  Ib.  198.  f.  14.  — 
Chemn.  ventr.  de  Kon.  a.  a.  0.  p.  468.  Ib.  41.  f.  9. 


SCHNECKEN. 


331 


Sie  unterscheidet  sich  von  der  vorigen  durch  ein  relativ  län- 
geres Gewinde. 

Mit  jener  zusammen,  und  im  Kohlenkalke  von  Tournay  und  Vise. 

Hier,  wenn  nicht  bei  Rissoina^  mag  auch  die  folgende  Art 
vielleicht  den  geeignetsten  Platz  finden. 

E.  QleL)  Schlotheimii  Quenst.  —  Taf.  XV.  Fig.  24.  —  Turbinitis 
dubius  Schloth.  Nachtr.  tb.  32.  f.  7.  —  Rostellaria?  obsoleta  Goldf., 
Alberti,  Monogr.  p.  53.  —  Turritella  obsoleta  Goldf.,  Ziet.  V.  Würt. 
Ib.  36.  f.  1.  —  Melania  dubia  Br.  Leth.  p.  175.  1286.  tb.  11.  f.  1. 
—  Buccinites  communis  Pusch  P.  P.  p.  175.  —  Melania  Schlotheimii 
Quenst.  Flötzg.  Würt.  p.  31. 

Kurz-thurmförmige,  aus  6  —  8  hochgewölbten  glatten  Windungen 
bestehende  Steinkerrie,  welche  auf  eine 'längliche,  sich  oben  verengende 
Mündung  und  eine  schwach  verdickte,  etwas  ausgebogene  Aufsenlippe 
schliefsen  lassen. 

Ueberau  im  unteren  Muschelkalke  von  Thüringen  (vergl.  Gaea 
von  Sachsen),  Bayreuth,  Heidelberg,  Rottweil  am  Schwarzwalde,  und 
bei  Boguchwolowice  und  Woikowice-Koscielne  in  Polen. 

E.  (Mel.)  Heddingtonensis  Sow.  M.  C.  tb.  39.  f.  2.  3.  — 
Br.  Leth.  p.  392.  tb.  21.  f.  9.  —  Goldf.  P.  III.  p.  112.  tb.  198.  f. 
11.  —  Taf.  XV.  Fig.  25  und  26  (Steinkern). 

Die  dicke  Schaale  ist  thurmförmig  (bis  5"  lang),  und  macht 
ohngefähr  10  Umgänge,  die  sich  von  einer  Kante  im  oberen  Drit- 
theile der  Mündung  nach  der  Naht  hin  schief  abdachen,  unterhalb 
dieser  Kante,  in  der  Mitte  der  Umgänge,  aber  vertieft  sind.  Die 
ganze  Oberfläche  ist  mit  dichten  Zuwachsstreifen  bedeckt.  Dieser 
Streifung  nach  ist  die  Aufsenlippe  der  Mündung  oberhalb  der  Mitte 
etwas  eingebogen.  Die  Mündungen  der  Steinkerne  liegen  von  einan- 
der weit  entfernt. 

Häufig  im  mittleren  und  oberen  Jura  von  England  (Heddington), 
Frankreich  (Normandie  und  Moutiers),  Baiern  (Kelheim),  Hannover 
(Lindner  Berg  und  Hildesheim)  u.  a.  0. 

Aechte  Pyrgisci   oder  längsgerippte  Eulimen  sind: 

Melania  Kaupii  Goldf.  (III.  p.  110.  tb.  197.  f.  15,  aus  de- 
vonischer Grauwacke  von  Nassau; 

Mel  Oltonis  Goldf.  (III.  p.  110.  tb.  198.  f.  1.),  aus  einem 
zum  Kohlengebirge  gehörigen   Schiefer   bei  Waldenburg  in  Schlesien; 

Mel.  armillata^  M.  tricinata  \i.  ü/.  orM«^«  Mün.  Goldf.  (III. 
p.  110.  III.  tb.  198.  f.  2.  3.  4.),  angeblich  in  Grauwacke  von  Regnitx- 
losau  im  Bayreulhischen ; 


332 


WEICH  rillKKE. 


Mel.  constricta  Marlin  und  Mel.  Lefeburei  Leveille  (Goldf. 
III.  p.  III.  112.  tb.  198.  f.  6.  8.),  aus  dem  KohlenUalke  von  Ratin- 
gen, Tüurnay  u.  Vise,  die  meisten  der  von  de  Köninck  {descr.  des 
an.  foss,  p.  461  etc.  tb.  41.)  als  Chemnifzien  beschriebenen  Arten  aus 
dem  Kohlenkalke  von  Belgien  (Vise,  Tournay),  Bolland,  Kildare  in 
Ir'aid; 

Mel.  Blainvillei  Mün.  (Goldf.  III.  p.  112.  tb.  198.  f.  9),  aus 
dorn  Liaskalke  von  Banz; 

und  die  von  Philippi  (Tertiärverst.  p.  35.)  aus  tertiären  Schich- 
ten beschriebenen  Arten. 

2.  G.  Niso  Risso.  Bonellia'^)  Desh. 
• 

Die  Schaale  ist  von  der  einer  EuUma  nur  durch  das  Vor- 
handensein eines  Nabels  verschieden.    Als  Typus       gilt  für  Niso: 

N.  terebellata  Bronn  (Leth.  p.  1025.  tb.  40.  f.  18.  Bulimus 
terebellatus  Lam.),  welche  im  Pariser  Grobkalke  und  im  Londonthon 
Englands  und  Alabamas  in  Nordamerika,  im  Tegelgebilde  von  Bor- 
deaux, Dax,  Angers,  Baden  und  Wien,  in  der  Subapenninenformation 
Italiens  und  Siciliens  und  vielleicht  noch  lebend  in  einigen  Meeren 
gefunden  wird. 

N.  minor  Phil.  (Tert.  p.  53),  in  tertiären  Schichten  von  Fre- 
der und  Luithorst,  ward  5  —  6'"  grofs. 

3.  G.  Pyramidella  Lam.  (nvQai^iig^  Pyramide.) 

Schaale  thurmförmig,  mit  oder  ohne  Nabel,  vollkommen  glatt. 
Mündung  eckig  oder  oval,  mit  scharfer  Aufsenlippe.  Spindel  un- 
ten verlängert  und  mit  ein  bis  drei  dicken  Querfalten  versehen. 

Die  Pyramidellen  suchen  die  Tiefen  der  gröfseren  warmen 
Meere. 

F.  canaliculata  d'Orb.  {Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  104.  tb.  164. 
f.  3  —  6) ,  aus  der  mittleren  chloritischen  Kreide  von  Uchaux  (Vau- 
cluse),  dürfte  die  älteste  Art  sein. 

F.  (Auricula)  terebellata  Lam.,  Desh.  Coq.  de  Par.  II.  p. 
191.  tb.  22.  f.  7.  8.  —  Br.  Leth.  p.  1026.  tb.  40.  f.  24.  —  Phil. 
Tertiärv.  p.  54.  —   Taf.  XV.  Fig.  10  (nach  Bronn). 

Schaale  verlängert  thurmförmig,  glänzend  glatt;  Umgänge  zahl- 

"*)  Dieser  Name  war  .schon  früher  an  eine  Gattung  der  fufslosen  Holo- 
thurien  vergeben. 

**)  Philippi  in  Wiegm.  Arch.  1841.  I.  p.  48. 


SCHiNECKBN. 


333 


reich,  schmal,  flach,  durch  eine  wenig  vertiefle  Nahl  getrennt;  Münd- 
ung schmal  eiförmig;  Spindel  mit  3  ungleichen  Fallen."  (Bronn.) 

Im  Pariser  Grobkalke;  im  Tegel  von  Bordeaux,  Dax,  Angers, 
in  Touraine,  bei  Wien?,  in  Siebenbürgen  (zu  Bujtur)  und  bei  Fre- 
den und  Luithorst. 

t  4.  G.  Nerinea  Defrance.  Nerinaea,  Nerine. 
(Nerine  =  Nereis  ^  Rom.  Myth.) 

Gehäuse  thurmförmig,  dickschaalig,  in  einen  kurzen  Canal 
auslaufend.  Die  Umgänge  sind  an  der  Naht  erhaben,  oft  knotig, 
in  der  Mitte  flach  oder  vertieft.  Die  Mündung  ist  schief,  fast 
viereckig  und  verläuft  oben  wie  unten  in  einen  kurzen  Canal, 
wefshalb  man  die  Nerineen  bisher  gewöhnlich  neben  Cerithium  stellte. 
Sehr  bezeichnend  für  sie  sind  an  der  Spindel  ein  bis  drei,  und 
an  der  inneren  Wand  der  Schaale  ein  bis  zwei  spiral  herablau- 
fende Kiele,  welche  auf  Steinkernen  als  tiefe  Rinnen  erscheinen. 

Die  Arten  beginnen  in  der  Juraformation,  für  deren  obere 
Schichten  sie  besonders  bezeichnend  sind,  und  gehen  nicht  über 
die  an  die  Kreide  sich  anschliefsenden  Gosauschichten  '*')  herauf. 
Wir  verdanken  die  wichtigsten  Mittheilungen  über  diese  Gattung 
den  Herren  Voltz  •  ''^ ,  Rronn  '^■''■'') ,  Goldfufs  und  d'Orbigny. 

N.  suprajurensis  Voltz,  Br.  Leth.  p.  397.  tb.  'il.  f.  12; 
Jahrb.  1836.  tb.  6.  f.  2.  3.  —  Hiernach  Taf.  XIV.  Fig.  11.  (i).  — 
V.  Buch,  Jura  in  Deutschland  p.  79. 

Die  Umgänge  sind  sattelförmig,  in  der  Mitte  mehr  oder  weniger 
vertieft,  mit  erhöheten  glatten  Nähten  und  etwa  14  abwechselnd  etwas 
stärkeren  Querstredfen  versehen.  An  der  Spindel  sind  2  Falten,  an 
der  inneren  Schaalenwand  ist  eine  Falte  vorhanden.  Es  kommt  noch 
eine  längere  Varietät  von  ihr  vor  als  die  Abbildung  zeigt. 

Diese  Art  ist  für  die  oberste  Bildung  des  Jura  in  Deutschland 
und  Frankreich  leitend  und  ist  häufig  bei  Kelheim  an  der  Donau,  im 
Porrentruy  in  der  Schweiz  u.  s.  w. 

N.  Visurgis  Rom.   —  Bronn  im  Jahrb.  1836.  p.  559.  tb.  6.  f.  8. 

„Umgänge  in  der  Mitte  etwas  vertieft  und  daselbst  mit  zwei  er- 
habenen gegliederten  Spirallinien  versehen;  Naht  erhöhet,  knotig,  mit 
etwa  24  Knoten  auf  einem  Umgange;  Falten  stark,  drei,  wovon  eine 

*)  Eigenthümliche  Schichten  der  süddeutschen  Alpen  und  bei  Neuchatel, 
welche  zugleich  Kreide-  und  Tertiär- Versteinerungen  enthalten. 

**)  Ueber  das  fossile  Geschlecht  JSerinea.  L.B.  Jahrb.  1836.  p.  538u.  f. 

*+*)  Uebersicht  u.  Abbildungen  der  jetzt  bekannten  Nerinea -Arten.  L. 
B.  Jahrb.  1836.  p.  544  u.  f. 


334  WEICIITHIERE. 

• 

oben,  eine  auf  der  Spindel  unlen  und  eine  aufsen  unter  der  Mitle 
ist,"  also  fast  ganz  wie  bei  der  vorigen  Art. 

„Im  oberen  weifsen  Jura  (Coral-Rag),  am  Spitzhut  bei  Hildes- 
beim,  zu  Goslar,  zu  Hannover  am  Lindner  Berge,  am  Oslerwalde  bei 
Hoheneggelsen  und  an  der  Haferkost;  im  Dolomit  des  Coralrags  am 
Kahleberg  bei  Echte  zwischen  Göttingen  und  Braunschweig."  (Bronn.) 

N.  Geinitzit  GoW.'^)  III.' p.  47.  tb.  177.  8.  —  N.  Borsonü 
Cat.,  Geiii.  Char.  p.  43.  tb.  14.  f.  16.  17.  —  Rom.  Kr.  p.  78.  — 
Taf.  XIV.  Fig.  12  (Steinkern). 

Schaale  eben,  etwas  über  der  Mitte  der  inneren  Wand  mit  ei- 
ner hohen  Falte;  Spindel  mit  drei  Falten,  von  denen  die  oberstesehr 
weit  nach  aufsen  tritt,  die  mittlere  aber,  welche  der  Wandfalte  ge- 
genüber liegt,  und  die  dritte  gleich  hoch  sind. 

An  dem  abgebildeten  Steinkerne  entspricht  natürlich  jeder  der 
bezeichneten  4  Falten  eine  Rinne. 

Im  unteren  Quader  von  Giersdorf!  bei  Löwenberg  bis  6''  lang, 
und  bei  Roschütz  unweit  Dresden. 

5.  Fam.  A.ctenoidae  d'Orb. 

Die  Thiere  aus  dieser  Familie  besitzen  einen  Deckel  und 
nähern  sich  hierdurch,  nach  d'Orbigny,  den  Fyramidellen;  indefs 
fand  Philippi ,  der  über  das  Thier  der  im  Mittelmeere  lebenden 
Tornatella  fasciata  berichtet  '■),  dafs  die  Stellung  desselben  ganz  in 
der  Nähe  von  Bulla  sei. 

Schaale  spiral,  gewöhnlich  oval,  ohne  Oberhaut,  häufig  mit 
punktirten  Streifen  geziert.  Gewinde  kurz,  bisweilen  ganz  ein- 
gehüllt. Mündung  ganzrandig  oder  unten  ausgerandet ;  Aufsenlippe 
einfach,  scharf  oder  zurückgeschlagen  und  verdickt,  öfters  gezäh- 
nelt.     Spindel  meistens  mit  dicken  Querfalten  bedeckt. 

Diese  Familie  zeigt  sich  zuerst  im  Oolithengebirge  und  ver- 
breitet sich  durch  die  jüngeren  Formationen  bis  in  die  Meere  der 
jetzigen  Welt. 

t  1.  G.  Äctaeonella  (Acteonella)  d'Orb. 
Schaale  verkürzt,  bauchig,  flaschenförmig,  dick  und  glatt. 


*)  Herr  Goldfufs  hat  vollkommen  Recht,  diese  Art  von  N.  Borsonü 
Catullo  (Sagfrio  di  Zoologia  fossile,  p.  170.  T.  3.;  L.  Br.  Jahrb.  1836.  tb. 
6.  f.  12.),  welche  viel  länger  und  schlanker  ist  und  die  Wandfalte  genau  in 
der  Mitte  ihrer  Umgänge  hat,  zu  trennen,  und  ich  kann  seine  wohlwollende 
Berichtigung  nur  mit  vielem  Danke  anerkennen. 

*♦)  Wiegm.  Archiv  1.841.  T.  p.  55. 


SCHNECKEN. 


335 


Gewinde  entweder  ganz  von  dem  letzten  Umgange  eingehüllt  oder 
sehr  kurz.  Mündung  lang  und  schmal ,  unten  etwas  erweitert,  oben 
zu  einem  engen  Canale  verengt.  Aufsenlippe  scharf,  ohne  Zahn 
oder  eine  Verdickung;  Spindelrand  besonders  oben  und  unten  stark 
überzogen.     Spindel  mit  drei  dicken,  wenig  schiefen  Falten. 

Die  bekannten  Acteonellen  gehören  alle  der  chloritischen 
Kreide  an  und  wurden  bisher  als  Tornatellen  oder  Volvarien  be- 
schrieben. 

2.  G.  Volvaria  Lam.  Wickelschnecke.  Volvaire. 
(volvere^  wickeln.) 

Schaale  fast  cylindrisch,  ganz  eingerollt,  mit  kaum  hervor- 
tretendem Gewinde  und  spiralförmig  punktirt- gestreift.  Mündung 
schmal,  von  der  Länge  der  ganzen  Schaale,  mit  scharfer  Aufsen- 
lippe ,  und  an  der  Basis  ausgerandet  oder  wie  abgeschnitten.  Spin- 
del mit  einigen  sehr  schiefen  Falten  am  Grunde. 

V.  tetiuis  Reufs  (böhm.  Kreidev.  p.  50.  tb.  10.  f.  20.),  eine 
kleine,  ohngefähr  4''  lange  Art,  welche  im  Plänermergel  von  Luschitz, 
Priesen  und  Postelberg  in  Böhmen  vorkommt,  scheint  bis  jetzt  die 
einzige  Art  zu  sein,  welche  vor  der  Tertiärzeit  exislirte. 

V.  bulloides  Sow.  Lam.  —  Taf.  XIIL  Fig.  6.  —  Desh.  Coq. 
de  Yar.  IL  p.  7J2.  tb.  95.  f.  4  —  6.  —  Br.  Leth.  p.  1108.  tb.  42. 
f.  9. 

Schaale  verlängert,   cylindrisch,    oben  stumpf  und  schwach  ge- 
nabelt.    Spindel  dreifaltig. 
Im  Pariser  Grobkalke. 
V.  acutiuscula  Sow.  M,  C.  tb.  487. 

Mit  vier  Spindelfalten  und  einem  etwas  vorsiehenden  Gewinde. 
Mit  voriger  zusammen,  und  im  Londonthone  Englands. 

3.  G.  Actaeon  (Acteon)  Montfort;  Tornatella  Lam.  Speo 
Risso;  Globiconcha  d'Orb.  (Actaeon,  Rom.  Myth.) 

Schaale  eingewickelt,  mit  mehr  oder  weniger  kurzem  Gewinde, 
kugelig  bis  spitz- eiförmig,  allermeist  quergestreift.  Mündung  läng- 
lich, gewöhnlich  gekrümmt,  unten  erweitert  und  nicht  ausgerandet, 
mit  einfacher,  scharfer  Aufsenlippe.  Spindel  mit  Falten  (Actaeon) 
oder  ohne  Falten  (Globiconcha). 

So  lange  als  von  Globiconcha  das  Thier  noch  nicht  gekannt 
ist,  welches  vielleicht  die  Trennung  dieser  Gattungen  rechtfertigen 
könnte,  wird  es  am  zweckmäfsigsten  sein,  dieselben  zu  vereinigen, 


336 


\yE!ClITiriK5?E. 


welclie  Vereinigung  dem  Geognosten  wenigstens  nur  willkommen 
sein  kann. 

Einige  Actaeen  haben  sicli  schon  im  Oolithengebirge  einge- 
stellt, gewöhnlicher  sind  sie  in  der  Kreide,  mehrere  kommen  in 
tertiären  Bildungen  vor,  und  einige  leben  noch  in  den  wärmeren 
und  gemäfsigteren  Meeren. 

A.  (Auricula)  ovum  Dujard. ,  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er.  II. 
p.  123.  tb.  167.  f.  19.  20. 

Bauchig  eirund,  glatt,  mit  sehr  kurzem  Gewinde,  einer  schma- 
len gekrümmten  Mündung,  einfacher  Aufsenlippe  und  einer  Spindel- 
falte. 

Im  reihen  Sande  der  Umgegend  von  Cassis  an  den  Rhonemünd- 
ungen, welcher  nach  d'Orbigny  die  chloritische  Kreide  vertritt. 

Dieser  Art  gleichen  die  Exemplare  aus  dem  Plänermergel  und 
Plänerkalke  von  Böhmen  (um  Bilin)  und  Sachsen  (Strehlen),  welche 
von  Römer  (Kr.  p.  77.  tb.  11.  f.  3.)  und  mir  (Char.  p.  48.  tb. 
16.  1  —  3.)  als  Aur.  ov.  und  Pedipes  glabratus  beschrieben  und  abge- 
bildet wurden,  an  Avelchen  wir  indefs  niemals  eine  Spindelfalte  beob- 
achten konnten,  und  daher  müfslen  wir  sie  eher  für  eine  Globi- 
concha^  etwa  die  ihr  ganz  ähnliche  GL  rotundata  d'Orb.  {Pal.  fr.  Terr. 
er.  II.  p.  143.  tb.  169.  f.  17.)  ansprechen ,  wiewohl  ich  glaube ,  dafs  wir 
es  hier  nur  mit  Dujardin's  Art  zu  thun  haben. 

A.  {Tom.)  inflata  Fer.  —  Taf.  XV.  Fig.  11.  «.  6.  Nach  Desh. 
Coq.  de  Par.  II.  tb.  24.  f.  45. 

Eiförmig,  nach  oben  und  unten  verengt,  mit  einer  an  der  Ba- 
sis erweiterten  Mündung  und  einer  Spindelfalle.  Die  ganze  Oberfläche 
ist  regelniäfsig  quer  gestreift  und  die  Streifen  werden  durch  feine 
Längslinien  durchschnitten. 

Im  Pariser  Grobkalke;  in  mitteltertiären  Schichten  von  Valognes, 
Dax  und  Bordeaux. 

A.  {Torn)  g  ig  ante  a  Sow.,   Goldf.  III.  p.  48.  Ib.  177.   f.  12. 

Wird  bis  3"  lang,  ist  bauchig -eiförmig,  hat  ein  kurzes  zuge- 
spitztes Gewinde  und  kommt  nach  Goldfufs  im  Tegel  bei  Wienerisch- 
Neusladt,  zugleich  mit  einer  noch  gröfseren  und  relativ  längeren,  sehr 
dickschaaligen  Art,  der  F.  Lamarchii  Münster.^  vor. 

A.  {Torn.^  punctato-sulc ala  Phil.   Tertiärv.   p.   20.   tb.  3. 

f.  22. 

„Gehäuse  eiförmig,  spitz,  quergestreift;  die  Streifen  grubig  jiunk- 
tirt;  das  Gewinde  länger  als  die  halbe  Mündung." 

lieber  3'"  lang  und  gegen  "l"  breit  in  tertiären  Schachten  von 
Cassel,  Freden  und  Luithorsl. 


SCHNECKEN. 


337 


4.  G.  Ringicula  Desh.  Ringinella  und  Avellana  d'Orb. 
Auricula^  Cassis  und  Pedipes  Aut.  (ringor,  den 
Mund  weit  öffnen.) 

Diese  Gattung  unterscheidet  sich  von  der  vorigen  durch  eine 
wulstförmig  verdickte  oder  zurückgeschlagene  Aufsenlippe,  welche 
nicht  selten  gezähnt  und  an  der  Basis  bisweilen  schwach  ausge- 
randet  ist.    Spindel  gefaltet. 

Aeltere  Arten  als  die  des  Kreidegebirges,  wo  sich  dieselben 
am  weitesten  ausgebreitet  zu  haben  scheinen,  sind  nicht  bekannt. 
Einige  leben  noch  jetzt  in  der  Tiefe  der  wärmeren  und  gemäfsig- 
ten  Meere. 

R.  (^Aur.)  incrassata  Spw.  Min,  Conch.  th.  163.  f.  1-  3.  — 
Aur.  ringens  Park.  org.  rem.  III.  tb.  5.  f,  4.  —  Aur.  mcr.  Mant. 
GeoL  Süss.  tb.  19.  f.  2.  —  Cassis  avellana  Brongn.  env.  de  Par.  tb. 
6.  f.  10.  —  Pedipes  incrassatus  Quenst.,  Br.  Leih.  p.  707.  —  Rom. 
Kr.  p.  77.  —  Gein.  Char.  p.  74.  —  Atell.  incr.  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr. 
er,  p.  133.  tb.  168.  f.  13  —  16.   —   Taf.  XVI.  Fig.  3.  a.  b.  4. 

Schaale  kugelig- eiförmig  mit  niedrigem  Gewinde,  das  sich  zu  dem 
letzten  Umgange  etwa  wie  die  Spitze  eines  Eies  zu  dessen  übriger 
Oberfläche  verhält,  und  durch  vertiefte  Linien  quergestreift.  Letzte 
Windung  mit  ungefähr  26  —  36  Querstreifen.  Aeufsere  Lippe  sehr 
verdickt  und  innerlich  gefaltet.     Spindel  dreifaltig. 

Avellana  cassis  d'Orb.  (^Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  138.  tb.  169. 
f.  10  -13.),  wozu  d'Orbigny  auch  Cassis  avellana  bei  Brongniart  (a. 
a.  0.)  rechnet,  soll  sich  durch  5  Spindelfalten  von  R.  incrassata  un- 
terscheiden. 

Ich  war  nie  so  glücklich,  an  den  Exemplaren  von  Sachsen,  Böh- 
men und  Schlesien  deutliche  Spindelfaden  erkennen  zu  können,  habe 
sie  defshalb  auch  nicht  gezeichnet,  und  rathe,  die  letztere  nur  als 
Varietät  zu  betrachten. 

Im  unteren  Grünsande  von  Blackdown  u.  a.  0.  Englands,  im  un- 
teren Quader  von  Tyssa  und  Kreibitz  in  Böhmen,  im  Grünsande  von 
Kieslingswalda  im  Glatzischen,  im  Pläner  von  Sachsen  (an  der  Walk- 
mühle bei  Pirna),  Böhmen  (a.  v.  0.),  vielleicht  auch  im  Plänerkalke  von 
Strehlen.  In  Frankreich  charakterisirt  R.  incrassata  nach  d'Orbigny 
den  Galt,  R.  cassis  die  unlere  chloritische  Kreide. 

R.  (Aur.)  ringens  Lam.  —  Taf.  XVL  Fig.  2.    Nach  Desh.  Coq. 
de  Par.  II.  p.  72.  tb.  8.  f.  16.  17.  —    Pedipes  ringens  Br.  Leih.  p. 
1014.  tb.  42.  f.  8. 
Geinitz,  Versteiuerungskunde.  22 


WKICIITHIERE. 


Es  ist  der  Typus  der  Gattung-  Ringicida.  Schaale  eiförmig,  auf- 
gequollen, oben  'spitz,  unten  abgerundet,  fein  und  regelmäfsig  quer 
gestreift.  Aufsenlippe  verdickt,  Innenlippe  weit  zurückgeschlagen. 
Spindel  oben  gewöhnlich  mit  einer  kleinen  schiefen  Falte,  unten  mit 
2  schiefen  Falten,  von  denen  die  unterste  mit  der  sanften  Ausbieg- 
ung des    unteren  Randes    der  Mündung   einen   schwachen  Ausschnitt 

Im  Grobkalke  und  im  unleren  und  oberen  Meeressande  des  Pa- 
riser Beckens,  und,  wie  es  scheint,  auch  in  jüngeren  Tertiärbildungen. 
(Vergl.  Bronn.) 

Ihr  sehr  ähnlich  ist: 

R.  striata  Phil.  (Tertiärv.  p.  28.  tb.  4.  f.  23.)  von  Cassel, 
Freden  und  Luithorst. 

6.  Farn.   Waticidae  d'Orli, 

Das  Thier  der  Naticiden  ist  so  voluminös,  dafs  es  sich  öfters 
(bei  Sigarelus)  nicht  in  sein  Gehäuse  zurückziehen  kann,  und  be- 
sitzt zwei  kegelförmige,  niedergedrückte  Fühler.  Der  grofse  Fufs 
breitet  sich  hinten  zu  einem  Lappen  aus,  der  gewöhnlich  einen 
Theil  der  Schaale  umhüllt  ,  während  der  Kopf  von  einem  anderen 
Lappen  bedeckt    ist,  welcher  vom  Fufse  geschieden  ist. 

Schaale  Spiral,  niedergedrückt,  kugelig  bis  kugelig-eiförmig. 

Die  Naticiden  sind  Meeresgattungen. 

1.  G.  Natica  Lam.  Nabelschnecke.  Ampullaria  Aut. 
{natare^  schwimmen.) 

Schaale  dick,  kugelig,  niedergedrückt  bis  eiförmig,  mit  kur- 
zem Gewinde.  Mündung  oval  oder  halbmondförmig,  ganzrandig, 
halbrund  und  schief  gegen  die  schwielige,  ungezähnte  Spindel. 
Diese  Schwielen  verengen  und  verdicken  bisweilen  den  Nabel.  Die 
Aufsenlippe  ist  scharf. 

Unter  dem  Namen  Euspira  fafst  Agassiz diejenigen  iVo^- 
(«ca- Arten  zusammen,  welche  eine  deutliche  Spindel  mit  deutlich 
sichtbaren  Windungen  und  eine  kleine  spiralige  Schwiele  im  Nabel 
haben.     Die  meisten  von  ihnen  sind  fossil. 

Diese  Gattung  hat  in  allen  marinen  Formationen  ihre  Reprä- 
sentanten und  ist  in  der  jetzigen  Schöpfung  in  allen,  besonders 
aber  in  den  wärmeren  Meeren  zu  finden. 


*)  Sowerby's  Mineral  -  Conchologle  p.  14. 


SCHNECKEN. 


339 


N.  suhcostata  Arch.  u.  Vern.,  Goldf.  P.  III.  p.  116.  tb.  198. 
f.  22.     In  devonischer  Grauwacke  bei  Pfaffrath. 

iV.  Omaliana  de  Kon.  descr.  des  an.  foss.  p.  479.  tb.  42.  f.  1. 

Die  einzige  Art  im  Kohlenkaike  von  Belgien  (Vise). 

N.  oolithica  Zenker,  Taschenbuch  von  Jena,  1836.  p.  228.'  — 
Gein.  in  L.  Br.  J.  1842.  p.  577.  tb.  10.  f.  4 — 6. 

Eine  kleine  zusammengedrückt -kugelige  Art,  von  der  Gröfse 
eines  Senfkorns  bis  zu  der  einer  Linie,  welche  im  oberen  Muschel- 
kalke des  Jägerberges  bei  Jena  eine   Schicht  gänzlich  erfüllt. 

iV.  (Ämpull.)  canaliculata  Mant.  Geol.  of  Süss.  p.  III.  tb. 
«  18.  f.  11.  —  Fitton,  Observ.  tb.  11.  f.  12.  —  Gein.  Char.  p.  47. 
tb.  15.  f.  25.  26.  —  N.  acutimargo  Rom.  Kr.  p.  83.  tb.  12,  f.  14; 
Gein.  Char.  p.  73.  —  N.  GauUina  d  Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  156. 
tb.  173.  /:  3  —  4.  —  Reufs ,  böhm.  Kreidev.  p.  49.  tb.  11.  f.  1.  — 
Taf.  XV.  Fig.  17. 

Schaale  kugelig,  immer  breiter  als  hoch,  aus  4  gewölbten  Um- 
gängen gebildet,  welche  parallel  der  oberen  Naht  gekantet  sind 
und  durch  eine  breite  und  tiefe  Rinne  von  einander  getrennt  werden. 
Das  Gewinde  ist  sehr  niedrig,  bisweilen  sogar  etwas  niedergedrückt. 
Mündung  eiförmig.  Nabel  ziemlich  breit,  ohne  Schwiele.  Die  Schaale 
ist  mit  starken  Zuwachsstreifen  bedeckt. 

Im  unteren  Grünsande  und  im  Galt  von  England,  sehr  verbreitet 
im  Galt  von  Frankreich;  im  unteren  Quader  von  Tyssa;  im  Grünsande 
von  Kieslingswalda  und  Quedlinburg,  im  Plänermergel  von  Böhmen; 
im  Plänerkalke  Von  Strehlen  (bis  2"  breit)  und  in  Böhmen. 

N.  vulgaris  Reufs,  Westl.  Böhmen  1844.  p.  209. — ^  Gein.  Kies- 
lingswalda, p.  10.  tb.  1.  f.  21  —  23.  —  ^.  crefacea  Goldf.  P.  III. 
p.  119.  tb.  199.  f.  12.  —  Taf.  XV.  Fig.  18.  a.  b. 

Kugelig- eiförmig,  etwas  höher  als  breit,  mit  5  gewölbten  Um- 
gängen und  mehr  oder  weniger  vorstehendem  Gewinde,  das  ohngefähr 
ein  Dritttheil  der  Höhe  der  letzten  Windung  hat.  Mündung  gekrümmt- 
eiförmig. Nabel  sehr  klein  (in  der  Abbildung  Fig.  18.  a.  viel  zu 
grofs  erscheinend)  und  fast  nur  in  einem  kurzen  Spalte  bestehend. 
Die  Oberfläche  zeigt  mehr  oder  weniger  deutliche  Zuwachsstreifen. 

Bis  l"  lang,  sehr  gemein  im  unteren  Quader  von  Tyssa,  an  der 
Gränze  des  unteren  Quaders  und  oberen  Grünsandes  bei  Kreibilz  in 
Böhmen,  Kieslingswalda,  im  oberen  Grünsande  von  Aachen  und  Coes- 
feld, im  Plänermergel  und  Plänerkalke  von  Sachsen  und  Böhmen. 

N.  ervyna  d'Orb.  {Pal.  fr.  Terr.  er.  IL  p.  159.  tb.  173.  f.  7.), 
aus  dem  Galt  von  Ervy,  vertritt  diese  Art  in  Frankreich. 

22- 


340 


WEICHTIUBRE. 


Von  N.  mlgaris  aus  wird  durch  die  etwas  längere  iV.  lamellosa 
Rom.  (Kr.  p.  83.  tb.  10.  f.  13.)  ein  vollkommener  Uebergang  zu  der 
noch  längeren  folgenden  Art  hergestellt. 

^.  ewaltata  Goldf.  III.  p.  119.  tb.  199.  f.  13.  —  Turbo  ro- 
tundatus  Sow.  M.  C.  tb.  433.  f.  3.  4.  und?  T,  conicus  Sow.  M.  C. 
tb.  433.  1.  2.  —  Litorina  rolunda  u.  L.  pungens  Sow.  bei  Fitton, 
Observ.  etc.  tb.  18.  f.  5.  —  Auricula  spirata  Rom.  Kr.  p.  77.  tb. 
11.  f.  4.  —  Littorina  rot.  Gein.  Char.  p.  45.  u.  VII.;  Litt,  conica 
Sow.,  Gein.  Kieslingsw.  p.  10.  tb.  1.  f.  24.  25.  —  iV.  Clementina 
d'Orb.  Tal.  fr.-  Terr.  er.  p.  154.  tb.  172.  f.  4.  —  Taf.  XV.  Fig.  19. 

Oval -kegelförmig,  mit  5  gewölbten  Umgängen,  von  denen  der 
letzte  etwa  doppelt  so  lang  ist  als  das  übrige  Gewinde.  Mündung 
oval;  Nabel  sehr  klein  oder?  ganz  bedeckt.  Oberfläche  durch  Zu- 
wachsstreifen bisweilen  runzelig. 

Im  unteren  Grünsande  von  England  und  im  Galt  Frankreichs  sehr 
verbreitet;  im  Grünsande  von  Kieslingswalda;  im  Plänerkalke  von  Streh- 
len bei  Dresden. 

iV.  bulbiformis  Sow.,  Goldf.  P.  III.  p.  120.  tb.  199.  f.  16.17. 

—  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  162.  tb.  174.  f.  3. 

„Eiförmig  zugespitzt,  dickschaalig,  durch  Zuwachsstreifen  ge- 
streift, mit  einem  vorstehenden,  treppenförmig  abgestutzten  Gewinde. 
Die  Windungen  sind  am  oberen  Rande  kantig,  und  bilden  innerhalb 
der  Kante  eine  breite  Rinne  neben  der  Naht.  Die  Mündung  ist  ei- 
förmig und  die  Schwiele  der  inneren  Lippe  ist  sehr  dick  und  breit." 
(Goldfufs.) 

In  der  mittleren  chloritischen  Kreide  von  Frankreich  (Uchaux), 
und  häufig  in  den  eigenthümlichen  Schichten  von  Gösau,  von  w^oher 
ich  dieselben  Herrn  Dr.  Lösch  in  Dresden  verdanke. 

N.  hemielausa  Sow.  M.  C.  tb.  479.  f.  4.  u.  5.  —  Pusch,  Pol.  Pal. 
p.  101.  tb.  9.  /.  16.   —  Taf.  XV.  f.  14.  a.  b.  von  Palermo. 

Eiförmig,  etwas  höher  als  breit,  mit  niedrig  kugelförmigem  Ge- 
winde. Nabel  durch  den  oberen  Theil  der  inneren  Lippe  halb  ver- 
deckt.    Mündung  oval. 

Im  englischen  Crag,  in  dem  sandigen  Grobkalke  von  Polen  und 
im  Kalke  von  Palermo. 

iV.  glaucinoides   Desh.  Coq.  de  Par.  II.  p.  166.  tb.  20.  f.  7.  8. 

—  Pusch,  Pol.  Pal.  p.  100.  tb.  9.  f.  14.  —  (Nicht  A'.  glauc.  Sow. 
M.  C.  tb.  5.  Z'.  1— 3  u.  tb.  479.  f.  3.)  —  Taf.  XV.  Fig.  15  nach 
Deshayes. 

Schaale   quer  eiförmig,    mit  kurzem  stumpfen  Gewinde,  einem 


i 


SCHNECKEX. 


341 


grofsen  tiefen  Nabel,  in  dessen  Mitte  von  der  inneren  Lippe  der  ova- 
len Mündung  aus  eine  gerundete  Wulst  herabsteigt. 

In  den  oberen  Schichten  des  Pariser  Grobkalkes,  im  sandigen 
Grobkalke  von  Korytnice!  in  Polen  und  im  Muschelsande  von  Zuckowce 
in  Volhynien. 

Sie  scheint  nicht  verschieden   zu  sein  von; 

N.  millepunctata  Lam.  (Bronn,  Leth.  p.  1036.  tb.  40.  f.  29.), 
auf  deren  Oberfläche  häufig  noch  zahlreiche  rostfarbene  Fleckchen  sicht- 
bar sind,  welche  in  Längsreihen  zu  schiefen  Spiralreihen  geordnet 
sind. 

Diese  kommt  häufig  im  Tegel  von  Bordeaux,  Dax,  in  Touraine, 
bei  Turin,  in  Mähren,  um  Wien  (bei  Gainfahrn  mit  einer  dünneren 
Wulst  im  Nabel);  in  der  Subapenninenformalion  bei  Perpignan,  in  Süd- 
frankreich, in  Italien,  Sicilien;  in  quaternären  Muschellagern  auflschia; 
und  lebend  im  europäischen  und  im  indischen  Ocean  und  am  Senegal 
vor. 

N.  compressa  Bast.,  Bronn  Leth.  p.  1034.  tb.  42.  f.  38.  — 
N.  cepacea  Pusch,  Pol.  Pal.  p.  102.  tb.  9.  f.  13.  —  Taf.  XV.  Fig. 
16.  a.  b. 

Schaale  fast  kugelig,  etwas  schief  eiförmig  mit  kurzem,  spitzem 
Gewinde  und  länglicher  Mündung.  Die  ganze  linke  Lippe  ist  zurück- 
geschlagen, so  dafs  der  ganze  Nabel  durch  einen  breiten  Saum  ver- 
deckt wird,  dessen  linker  Rand  mit  einem  Bogen  der  Mündung  zu- 
läuft. 

In  den  Tegel-Gebilden  bei  Wien,  Dax,  in  Siebenbürgen  (Buj- 
tur),  Galizien  (Tarnopol)  und  im  sogenannten  sandigen  Grobkalke  von 
Korytnice  in  Polen. 

2.  G.  Narica  d'Orb.  (naris,  Mündung.) 

Schaale  kugelig,  breiter  als  hoch,  meistens  längsgestreift, 
mit  kurzem  Gewinde  und  halbkreisförmiger  Mündung.  Innen-  und 
Aufsenlippe  sind  scharf  und  der  Nabel  ist  breit,  einfach  und  nicht 
schwielig,  wodurch  sich  Narica  von  Natica  unterscheidet. 

Die  Verschiedenheit  des  Thieres,  das  man  aus  wärmeren  Mee- 
ren kennt,  rechtfertigt  die  Trennung  beider  Geschlechter  noch  mehr. 

N.  (Nat.)  lirata  Phill.  Yorkshire  II.  p.  224.  tb.  14.  f.  22  u. 
31.  —  De  Kon.  descr.  des  an.  foss.  p.  476.  tb.  42.  f.  5. 

Schaale  niedergedrückt,  mit  ziemlich  gleichweit  entfernten  Längs- 
rippen und  Streifen  dazwischen  bedeckt.  Ihre  4  gewölbten  Windungen 
sind  durch  tiefe  Nähte  getrennt. 

Im  Kohlenkalke  von  Vise,  Bolland  und  Yorkshire, 


342 


»EICHTHIBRE. 


N.  cretacea  d'Orb.  Pal.  fr,  Ten:  er.  IL  p.  170.  tb.  IIb.  f.  7 — 10. 

Schaale  etwas  niedergedrückt,  schief,  eng-quer-gefurcht  und  un- 
regelmäfsig  längsgestreift  mit  4  sehr  gewölbten  Windungen. 

Im  Sande  von  Cassis  an  den  Rhonemündungen,  welchen  d'Or- 
bigny  der  unteren  chloritischen  Kreide  parallelisirt. 

3.  G.  Sigaretus  Adanson.  Milchnapf.  Crypto  Stoma  Blainv. 

An  der  niedergedrückten,  ohrförmigen  Schaale  liegt  das  sehr 
kleine  Gewinde  ganz  seitlich.    Mündung  oval  und  sehr  weit. 

Goldfufs  führt  (P.  III.  p.  13.  tb.  168.  f.  14.  15.)  zwei  Si- 
gareten  aus  dem  Uebergangskalke  der  Eifel  an,  welche  man  etwa 
zu  Pileopsis  rechnen  könnte,  während  S.  carinatus  Münst.  (Goldf. 
III.  p.  13.  tb.  168.  f.  16.)  von  St.  Cassian  vielleicht  eine  Nerita 
ist.     d'Orbigny  kennt  nur  tertiäre  und  lebende  Sigareten. 

S.  canaliculatus  Sow.  Min.  Conch.  tb.  384.  —  Desh.  Coq. 
de  Par.  IL  p.  182.  tb.  21.  f.  13.  14.  —  Taf.  XV.  f.  12.  13. 

Die  dünne  Schaale  ist  niedergedrückt  eiförmig,  stark  gewölbt 
und  fein  quer-gestreift,    ihr  Nabel  grofs,  das  Gewinde  flach. 

Aus  dem  Londonthone  Englands,  dem  Pariser  Grobkalke  und  den 
mitteltertiären  Schichten  um  Bordeaux  und  Dax. 

S.  (Crypt.)  elegans  Philipp!  ( Tertiärverst.  p.  20  u.  54.  tb.  3. 
f.  4)  hat  ein  spitzeres  Gewinde. 

Tertiär  bei  Cassel  und  Freden. 

7.  Farn.   Weritidae  d'Orl). 

Das  weniger  voluminöse  Thier,  welches  sich  in  sein  Gehäuse 
zurückziehen  kann,  hat  einen  kurzen,  ungetheilten  Fufs  und  zwei 
sehr  lange,  conische  Fühler,  an  deren  äufserer  Seite  die  gestiel- 
ten Augen  sitzen.  Deckel  kalkig,  halbkreisförmig  und  mit  einem 
Anhängsel  versehen.  ' 

Schaale  niedergedrückt  kugelig  oder  quer  -  eiförmig,  dick, 
ungenabelt.  Gewinde  sehr  kurz,  bisweilen  verborgen.  Mündung 
halbmondförmig,  mit  einem  dicken,  oft  über  die  Spindel  ausgebrei- 
teten und  gezähnten  Rande. 

Die  Neritiden  finden  sich  theils  in  süfsen ,  theils  in  salzigen 
Gewässern  aller  Länder. 

1.  G.  Nerita  L.  Schwimmschnecke.  Mondschnecke.  Nerita 
und  Neritina  Lam.  V  etat  es  Montf.  (hjQiTrjg^  eine 
Meerschnecke  mit  einem  bunten  Deckel.) 
Schaale  fast  halbkugelig,  mit  kurzem  Gewinde,  unten  eben, 
ungenabelt.   Mündung  halbkreisförmig;   Aufsenlippe  scharf  oder  in- 


SCHNECKEN. 


343 


nerlicli  gekerbt  oder  gezähnt;  Innenlippe  flach,  bisweilen  scharf, 
bisweilen  gezähnt  oder  gekerbt.  Der  kalkige  Deckel  hat  einen 
seitlichen  Anhängsel. 

Nerüa  und  Neritina  sind  nur  nach  dem  Mittel,  in  welchem 
sie  leben,  unterschieden  worden,  und  gleichen  einander  übrigens.  Die 
Neriten  leben  an  der  Oberfläche  der  seichteren  Meere,  auf  Felsen 
geheftet  sich  dem  Wellenschlag  aussetzend;  die  Neritinen  gehören 
vorzugsweise  süfsen  Gewässern  an. 

Mehrere  Neriten  kommen  schon  in  devonischer  Grauwacke  von 
Schübelhammer  und  Elbersreuth  mit  Clymenien  und  Orthoceratiten 
zusammen  vor  '•'  ). 

Die  Neriten  aus  dem  Kohlenkalke  von  Belgien,  England  und  Ir- 
land, welche  de  Köninck  (descr.  des  an.  foss.  p.  481  —  486.  tb.  22. 
u.  tb.  42.)  beschreibt,  gleichen  meistens  sehr  einer  Natica,  zu  wel- 
cher Gattung  auch  iV.  variata,  N.  plicistria^  iV.  spirata  und  N.  am- 
pliata  von  Phillips  gestellt  wurden,  während  Goldfufs  N.  ampliata  als 
Pileopsis  ampL  beschrieb. 

N.  spirata  Sow.  M.  C.  tb.  463.  f.  1.  2.  —  de  Kon.  /.  c. 
p.  484.  tb.  42.       3.  rf. 

Schaale  fast  kugelig,  etwas  niedergedrückt,  mit  sehr  kurzem 
Gewinde,  das  aus  4  flach-gewölbten,  seitlich  etwas  zusammengedrückt 
ten  Windungen  besieht,  von  gleichförmigen  Anwachsstreifen  bedeckt. 
Mündung  rundlich,  etwas  quer-oval.     Aufsenlippe  scharf. 

Häufig  im  Kohlenkalke  von  England  und  Belgien. 

JY.  costellata  Mün.    Goldf.  P.  III.  p.  115.  tb.  198.  f.  21.  -  : 

Halbkugelig,  mit  einem  sehr  kleinen,  in  den  letzten  Umgang 
eingesenkten  Gewinde;  und  auf  dem  ersteren  mit  8  dicken  Quergürteln, 
in  deren  eben  so  breiten  Zwischenräumen  sich  ein  kleines  Gürtelchen 
erhebt.  Nur  die  beiden  oberen  Gürtel  sind  durch  einen  doppelt  brei- 
teren Raum  (mit  4  feineren)  getrennt. 

Diese  echte  Nerüa  kommt  im  oberen  Jurakalke  von  Nattheim 

vor. 

iV.  cancellata  Ziet.  und  die  angeblichen  Neriten  aus  der  Kreide- 
formation scheinen  zu  Neräopsis  Sow.  zu  gehören. 

N.  tr icarinata  Lam.,  Desh.  Coq.  de  Par.  IL  p.  160.  tb.  19. 
f.  9.  10.  —  Hiernach  Taf.  XV.  Fig.  20. 

Schaale  durch  3  Querkiele  auf  dem  letzten  Umgange  ausgezeich- 


*)  Münster,  Beitr.  3.  p.  83.  tb.  15.  f.  3.  (IS.  scmtstriataMim.)  u.  tb,  15. 
f.  4.  (ZV.  vcnusta  Mün.). 


344 


\yEICHTHlERE. 


iiet,  zwischen  welchen  sie  quer  gestreift  ist.  Gewinde  sehr  klein. 
Innenlippe  gezähnt. 

Im  Pariser  Grobkalke  und  bei  Valogne. 

N.  (Neritina)  conoidea  Lam. ,  Desh.  Coq.  de  Par.  II.  p. 
149.  th.  18.  —  Brongn.  Calc.  trapp,  p.  60.  tb.  2.  f.  22.  —  Br. 
I.eth.  p.  1030.  tb.  40.   f.  23. 

Schaale  niedrig-kegelförmig,  mit  fast  elliptischer  Basis,  welche 
von  einer  bis  zum  hinteren  Rande  sich  ausbreitenden  Schaale  bedeckt 
ist.     Mündung  klein,  halbkreisförmig;  Innenlippe  gekerbt. 

Im  ältesten  Tertiärgebirge  des  Pariser  Beckens,  auch  bei  Sois- 
sons  unter  dem  Grobkalke ;  an  den  Abhängen  der  Pyrenäen  in  naher 
Berührung  mit  Kreide ;  im  trappischen  Grobkalke  des  Ronca  -  Thaies 
bei  Vicenza. 

2.  G.  Neritopsis  Sow.  (nerita;  oxpig,  Ansehen.) 

Die  Schaale  gleicht  der  einer  Nerita  in  allen  Stücken,  nur 
ist  ihr  Spindelrand  (die  Innenlippe),  anstatt  eben  zu  sein,  ausge- 
zackt und  zahnlos. 

Diese  Gattung  scheint  erst  in  der  Juraformation  zu  beginnen 
und  verbreitet  sich  durch  die  Kreide-  und  Tertiärforraatiou  bis  in 
die  Meere  der  Jetztwelt. 

JS.?  {Nerita)  cancellata  Ziet.  Verst.  Würt.  p.  44.  tb.  32. 
f.  9.   —  Hiernach  Taf.  XV.  Fig.  21.  —  Quenst.  Flötzg.  Würt.  p.  489. 

Regelmäfsig  von  einander  entfernte  Querrippen  werden  durch 
Längsrippen  regelmäfsig  durchkreuzt  und  ertheilen  der  Oberfläche  ein 
netzartiges  Ansehen. 

Häufig  in  den  oberen  Schichten  des  meisten  Jura  von  Wür- 
temberg. 

N.  Robineausiana  d'Orb.  (Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  174.  tb. 
176.  f.  1 — 4.),  aus  dem  unteren  Neocomien  Frankreichs,  steht  ihr  durch 
Form,  Quer-  und  Längsrippen  sehr  nahe,  unterscheidet  sich  aber 
durch  eine  gröfsere  Anzahl  von  Querrippen. 

N.?  (Nerita)  costulata  Röm.  Kr.  p.  82.  tb.  12.  f.  12.  — 
Gein.  Char.  p.  X.;  Kiesl.  p.  10.  —  ?  N.  ornata  d  Orb.  Pal.  fr.  Terr. 
er.  II.  p.  176.  tb.  m.  f.  8  —  10. 

Quer-eirund,  niedergedrückt  mit  3  Windungen,  von  denen  die 
ersten  sehr  klein  sind,  die  letzte  grofs,  bauchig  und  nach  vorn  ge- 
zogen ist.  Oberfläche  mit  schmalen  gerundeten  Querrippen  bedeckt, 
deren  man  auf  der  letzten  Windung  20  zählt,  die  durch  breitere,  fein 
längslinirte  Zwischenräume  gelrennt  sind. 


SCHiVECKEPf. 


345 


Bis  lang,  im  unleren  Pläner  von  Plauen  und  Teltschen  bei 
Dresden,  und?  in  der  unteren  chloritischen  Kreide  von  Rouen. 

t  3.  G.  Pileolus  Sow.  Hütelschnecke,  (pileolus,  Käppchen.) 

Schaale  niedergedrückt  kegelförmig,  vy^ie  eine  Patella ^  ohne 
sichtbare  Windung,  mit  fast  in  der  Milte  liegendem  Scheitel,  aber 
durch  seine  flache  Basis  und  die  bis  an  das  hintere  Ende  sich  aus- 
breitende Innenlippe  sehr  an  Nerita  erinnernd.  Aufsenlippe  vor- 
stehend; Mündung  halbkreisförmig. 

Man  kennt  nur  fossile  Arten,  und  zwar  aus  der  Juraformation: 
F.  plicatus  und  P.  laevts  Sow.   (M.  C.  tb.  432.). 

Mit  der  folgenden  Art  sind  noch  einige  andere  tertiär. 

P.  neritoides  Desh.  Coq,  de  Par.  II.  p.  146.  tb.  17.  f,  17. 
18.     Hiernach  Taf.  XV.  Fig.  22. 

Länglich  oval,  glatt,  mit  rückwärts  gekrümmtem  Scheitel  und 
scharfer  gezähnelter  Innenlippe. 

Im  Pariser  Grobkalke. 

8.  Fam.   Vrochidae  d'Orlj. 

Das  ziemlich  kleine  Thier  hat  einen  einfachen  dreieckigen 
Fufs,  welcher  oben  mit  gleichen,  öfters  sehr  langen  Fädchen  be- 
setzt ist.  Der  breite  Kopf  trägt  zwei  faden-  oder  kegelförmige 
Fühler,  an  deren  äufseren  Basis  die  Augen  auf  einem  Stiele  sitzen. 
Deckel  hornig  oder  kalkig. 

Schaale  spiral,  mehr  oder  weniger  kegelförmig  oder  nieder- 
gedrückt, inwendig  perlmutterartig. 

Die  lebenden  Arten  sind  alle  Meeresbewoliner. 

1.  G.  Trochus  L.  Kreiselschnecke.  Troque.  Trochus^ 
Turbo^  Monodonta  und  Phasianella  Aut.  (trochus, 

Kreisel.) 

Schaale  kreisel-  bis  kegelförmig,  mit  einer  flachen  oder  ge- 
gewölbten  Basis,  flachen  oder  gewölbten,  oft  im  Umfange  gekiel- 
ten Windungen  und  einer  ganzrandigen ,  entweder  eckigen  oder 
runden  Mündung,  die  Ränder  der  letzteren  mehr  oder  weniger  von- 
einander getrennt,  und  der  Aufsenrand  scharf.  Spindel  gerade 
oder  gekrümmt.  Der  Nabel  ist  eng  oder  fehlt,  wird  aber  nie 
von  einer  dicken  Schwiele  bedeckt.  Der  Deckel  ist  hornig  oder 
kalkig,  und  spiral. 

a.     Trochus  Aut. 

Windungen  eben  oder  flach  gewölbt,  an  ihrem  unteren  Rande 
gekielt;  Basis  mehr  oder  weniger  flach,  Mündung  quer- dreiseitig 


846 


WEICHTiriEUE. 


oder  schief  rundlich- vierseitig,  innerlich  perlmuttergliinzend.  Der 
Nabel  ist  klein  und  nicht  schwielig.     Deckel  meistens  hornig. 

b.  Turbo  L.  d'Orb.  Aut.  Wirbelschnecke  {iurbo ^  Wirbel.) 

Windungen  und  Basis  stärker  gewölbt,  wefshalb  die  Münd- 
ung rund  oder  rundlich  ist;  Spindel  gekrümmt,  an  der  Basis  bis- 
weilen zahnartig  verlängert  und  abgestutzt  {Monodonta  Lam.). 
Nabel  klein  und  nicht  schwielig.    Deckel  kalkig. 

c.  Pliasianella  Lam.  Littorina Ferussac  bei  de  Kö- 
ninck (?).  {phasianus^  Fasan.) 

Schaale  eiförmig  oder  kegelförmig;  Gewinde  öfters  verläng- 
ert. Mündung  oval,  länger  als  breit,  oben  eckig,  mit  getrenn- 
ten Rändern.    Deckel  kalkig.  — 

Das  Thier  des  Turbo  unterscheidet  sich  von  dem  des  Tro- 
chus  nach  d'Orbigny  nur  durch  einen  stumpfen  fleischigen  An- 
hängsel an  der  inneren  Basis  der  Fühler  und  die  kalkige  Be- 
schaffenheit seines  Deckels,  Charaktere,  welche  wohl  kaum  zu- 
reichen, beide  in  ihrer  Schaale  einander  höchst  ähnliche  Formen 
von  einander  zu  trennen,  zumal  da,  wie  de  Köninck  bemerkt, 
auch  einige  Natica- Arien  kalkige,  andere  aber  hornige  Deckel  be- 
sitzen. Die  Phasianellen  entsprechen,  nach  d'Orbigny,  selbst  durch 
ihren  kalkigen  Deckel,  welcher  übrigens,  der  ovalen  Mündung 
halber,  auch  oval  ist,  gänzlich  dem  Thiere  des  Turbo ^  so  dafs 
ich  mit  Deshayes  '^*)  nicht  nur  Trochus^  Turbo  und  Monodonta, 
sondern  nach  Fhilippi's  Erklärung  ■■•'  •  '•)  und  d'Orbigny's  Untersu- 
chungen des  Thiers  der  Fhasianella  auch  diese  Gattung  wenig- 
stens noch  mit  Trochus  vereinigen  zu  müssen  glaube.  Die  Trochi 
kommen  fast  in  allen  Meeresformationen  vor,  und  schmücken  noch 
in  vielen  buntfarbigen  Arten  die  felsigen  Orte  unserer  jetzigen 
Meere,    wo  sie  sich  vorzugsweise  von  Vegetabilien  nähren. 

a.     Trochus  "••••  •'^  *  ) . 

f.   Alber tinus   Goldf.,    Ziet.  Verst.   Würt.   tb.  68.    f.  5.  — 
Zenker,    lasch,  von  Jena  p.  230.  —   Gäa  von  Sachsen  p.  103.  — 
Kegel-kreiselförmig ,    aus   etwa   5  Windungen  gebildet,  welche 


*)  Einige  Littorinen  wurden  schon  früher  der  Gattung  Natica  einver- 
leibt. 

**)  Menke's  Zeitschr.  f.  Malakozoologie.  1844.  Februar. 
Wiegm.  Archiv  f.  Naturg.  1841.  I.  p.  49. 
Ueber  die  Arten  aus  paläozoischen  Gebilden  s.  Goldfufs  Petr.  III. 
p.  49  u.  f.  —  Münster,  Beitr.  Hft.  3.  p.  88.  —  Sandberger  in  L.  Br.  J. 
1842.  p.  709.  —  De  Köninck,   descr.  des  an.  foss.  p.  444  u.  f.  —  Archiac 
und  Verneuil  in  Sedgwick  und  Murchison,  von  Leonhard  p.  192  etc. 


SCHNECKEN. 


347 


treppenförmig  abgesetzt  sind,  da  sie  nahe  der  oberen  Naht  und  dicht 
an  dar  unteren  mit  einem  gekörnelten  Kiele  versehen  sind,  zwischen 
welchem  die  Fläche  fast  eben  ist.     Nabel  niäfsig  grofs. 

Hier  und  da  im  unteren  Muschelkalke,  als  dem  unteren  Tere- 
bratulitenkalke  bei  Jena  und  Naumburg. 

T.  Baster oti  A.  Brongn.  ewi).  de  Par.  tb.  3.  f.  3.  —  Pusch, 
Pol.  Pal.  p.  107.  tb.  10.  f.  15.  —    Gein.  Char.  p.  46.  tb.  13.  f.  9. 

—  Goldf.  III.  p.  58.  tb.  181.  f.  7. —  Reufs,  böhm.  Kreidev.  p.  48. 

Schaale  kegel-kreiselförmig ,  mit  5  schwach  gewölbten  und  ober- 
halb der  Basis  schwach  gekielten  Windungen.  Jede  der  letzteren  trägt 
5  Querstreifen,  welche  durch  schief  rückwärts  laufende  Längsstreifen 
deutlich  gekörnt  sind.     Bis  l"  grofs. 

Im  oberen  Grünsande  und  im  Kreidemergel;  so  im  Plänermergel 
von  Böhmen,  im  Plänerkalke  von  Strehlen,  nach  Goldfufs  bei  Haldem, 
Ilseburg,  Köpingen,  Zamosc  und  in  chloritischer  Kreide  um  Paris. 

T,  Requienianus  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  186.  tb.  177. 
f.  1  u.  14.  —  T.  Reichii  Gein.  Char.  p.  47.  tb.  15.  f.  24.  (schlecht). 

—  ?  r.  pUcatus  Reufs,  westl.  Böhmen  p.  208. 

Schaale  schief-kreiselförmig ,  etwas  niedergedrückt,  so  dafs  ihre 
4  —  5  schwach  gewölbten  und  an  der  Basis  stumpf  gekielten  Wind- 
ungen in  einer  wenig  gekrümmten  Ebene  liegen.  Die  Umgänge 
tragen  starke  Längsfalten,  welche  zwar  nicht  ganz  senkrecht  herab- 
laufen, jedoch  viel  weniger  schief  als  die  Längsstreifen  der  vorigen 
Art.  Diese  werden  durch  feine,  an  der  Basis  aber  starke  Querstrei- 
fen durchkreuzt. 

In  der  chloritischen  Kreide  von  Cassis  an  den  Rhonemündungen; 
im  unteren  Pläner  von  Plauen  bei  Dresden  und  in  den  Conglomerat- 
schichten  des  Tunnels  bei  Oberau,  von  woher  ich  sie  früher  theils 
als  T.  Basteroti,  theils  als  T.  Reichii  bestimmt  habe. 

b.  Turbo. 

T.  (r.)  gregarius  Schloth.  {Buccinites  gregarius)  Nachtr.  tb. 
32.  f.  6.  —  Buccinum  gregarium  Schloth.,  Gein.  in  L.  Br.  J.  1842. 
p.  577.  tb.  10.  f.  6.  —  B.  helicinum  Zenk.  Taschenb.  v.  Jena  p. 
229.  —  Gäa  von  Sachsen  p.  104.  —  Goldf.  III.  p.  93.  tb.  193.  f. 
3.  —  Hiernach  Taf.  XIV.  Fig.  15.  a.  b.  c. 

Ei-kegelförmig,  glatt,  enggenabelt,  mit  4  —  5  stark  gewölbten 
Windungen,  von  denen  die  letzte  bauchig  ist. 

In  den  unteren  und  mittleren  Schichten  des  thüringer  Muschel- 
kalkes und  bei  Rüdersdorf  ganze  Schichten  erfüllend ;  aufserdem  bei 
Laineck  im  Bayreuthischen. 


348  WKICIITIIIKRE. 

T.  Helicites  Mün.,  Goldf.  III.  p.  93.  Ib.  193.  f.  3.  —  Heli- 
cites  turbilinus  Schloth.  —  Buccmum  turbilinum  Gein.  in  L.  Br.  J. 
1842.  p.  577.  tb.  10.  f.  6.   —   Gäa  v.  Sachsen  p.  104. 

Ist  kürzer  als  die  vorige  Art,  mit  welcher  sie  zusammen  vorkommt ; 
eiförmig,   mit  3  —  5  Windungen,   von  denen  die  letzte  bauchiger  ist. 

T,  Cyclo  Stoma  Zielen,  Verst.  Würt.  tb.  33.  f.  4.  —  T.  cy- 
slostomoides  Dunker  und  Koch,  Verstein.  d.  norddeutschen  Oolithen- 
geb.  tb.  1.  f.  13.  —  Quenstedt,  Flötzg.  Würt.  p.  198.  —  Goldf.  III. 
p.  94.  tb.  193.  f.  7.  —  Hiernach  Taf.  XIV.  f.  16. 

Ei-kegelförmig,  mit  6  stark  gewölbten  Umgängen,  welche  auf 
der  ganzen  Oberfläche  mit  feinen,  gekörnten  Spiralstreifen  bedeckt 
sind.     Mündung  kreisförmig,  etwas  abstehend. 

Im  mittleren  Lias  bei  Banz,  Berg,  Quedlinburg,  Goslar  und  im 
Würtembergischen. 

T.  conicus  (Delphinula  conica)  Lam.,  Desh.  Coq.  de  Par. 
II.  p.  205.  tb.  24.  f,  14.  15.  -—  Hiernach  Taf.  XV.  Fig.  8.  a.  b. 

Schaale  kegelförmig,  mit  scharfer  Spitze  und  scharf  gekielten 
Umgängen.  Auf  dem  letzten  Umgange  tritt  unter  dem  ersten  noch 
ein  zweiter  Kiel  hervor.     Mündung  rundlich. 

Häufig  im  Pariser  Grobkalke,  besonders  zu  Grignon. 

Einige  Monodonten,  M.  Purpura  (purpurea)  Arch.  u.  Vern. 
aus  dem  devonischen  Grauwackenkalke  von  Ffaffrath,  M.  laevigata 
Mün.  aus  dem  Oolithe  von  Auerbach  in  der  Oberpfalz,  und  M.  or- 
nata  Mün.  aus  dem  oberen  Jura  von  Nattheim  wurden  von  Goldfufs 
(III.  p.  101.  tb.  195.  f.  4  —  6.)  beschrieben. 

c.    Phasianella  Lam. 

T.  (P.)  turbinoides  Lam.,  Desh.  Coq.  de  Par.  IL  p.  265. 
tb.  40.  f.  1  —  4. 

Ei-kegelförmig,  mit  kurzem,  spitzem  Gewinde  und  stark  gewölb- 
ten Umgängen,  von  denen  der  letzte  bauchig  ist. 

Sehr  häufig  im  Grobkalke  des  Pariser  Beckens,  bei  Valognes 
und  in  Belgien. 

P.  ventricosa  Goldf.  (III.  p.  113.  tb.  198.  f.  14.),  aus  de- 
vonischem Grauwackenkalke  der  Eifel,  ist  dem  P.  turbinoides  sehr  ähn- 
lich und  hat  ein  nur  um  wenig  längeres  Gewinde. 

Mit  diesem  zusammen  kommt  eine  andere  ei  -  kegelförmige  Art 
vor,  deren  letzte  Windung  etwa  doppelt  so  lang  ist  als  das  Ge- 
winde, P.  ovata  Goldf.  (III.  p.  113.  Ib.  198.  f.  15.),  mit  welcher 
Exemplare  aus  der  Kohlenformation  von  Altwasser  in  Schlesien  (Taf. 
XIV.  Fig.  14.)  übereinstimmen. 


siCHNECKE.N. 


349 


2.  G.  Phorus  Montf.  Troclms  Aut.  ((fOQog^  tragend.) 

Bei  der  Gestalt  eines  niedergedriickt-kreiselförmigen  Trochus 
unterscheidet  sich  Phorus  von  dieser  Gattung  durch  eine  weit  aus- 
gerandete  und  am  Spindelrande  sehr  erweiterte  Mündung,  durch 
eine  andere  Beschaffenheit  des  hornigen  Deckels  und  dadurch,  dafs 
die  Schaalenoberfläche,  besonders  an  den  Nähten,  mit  fest  ange- 
kitteten fremdartigen  Körpern  bedeckt  ist. 

Schon  in  der  Kreideformation  kommen  einige  Phori  vor,  und  ich, 
müfste  den  beiden  bisher  bekannten  Arten,  Ph.  canaliculatus  d'Orb. 
Pal.  fr.  Terr.  er.  tb.  176.  f.  13 — 14.  {Tr.  agglutinans  Mant.  Geol. 
Süss.  tb.  18.  f.  9.),  und  Ph.  (Tr.)  onustus  Nilss.  Petr.  Suec.  tb. 
3.  f.  4.  (His.  Leth.  Suec.  tb.  11.  f.  4.)  noch  eine  dritte  Art  hinzu- 
fügen, wenn  ich  nicht  annehmen  könnte,  dafs  dieselbe  nur  eine  Va- 
rietät meines  Troehus  granulatus  (Char.  p.  46.  tb.  15.  f.  20.)  sei. 

Dieser  Phorus?  (Taf.  XIV.  Fig.  18.)  ist  kegel-kreiselförmig ,  hat 
4 — 6  ebene,  an  der  Basis  scharfkantige  und  vieleckige  Windungen, 
welche  mit  dichten  gekörnelten  Querlinien,  und  vielen  angekitteten 
fremden  Körpern  (die  in  der  Abbildung  absichtlich  nicht  mit  gezeich- 
net wurden)  bedeckt  sind.  Rechnet  man  diese  ab,  so  hat  man  ei- 
nen Troehus  granulatus  mit  etwas  vorstehendem  unterem  Rande  der 
Umgänge,  welcher  knotig  ist,  während  bei  Tr.  granulatus  die  ober- 
ste dicht  an  der  Naht  liegende  Körnerreihe  grofskörniger  ist.  Basis 
flach  gewölbt. 

Im  unteren  Fläner  bei  Dresden  mit  Tr.  granulatus  zusammen. 

Ph.  (T.)  conehyliophorus  Born.  —  Taf.  XIV.  Fig.  17.  a.  b.  — 
T.  agglutinans  Lam.  u.  T.  coneh.  Desh.  Coq.  de  Par.  IL  p.  241 — 242. 
tb.  31.  f.  8  —  10;  tb.  31.  f.  1.  2.  —  Br.  Leth.  p.  1044.  tb.  40.  f.  35. 

Schaale  niedrig-kreiseiförmig,  mit  sehr  ausgebreiteter  flacher  Ba- 
sis, deren  Rand  scharf  und  vieleckig  ist.  Die  Umgänge  sind  ziem- 
lich flach  und  zeigen  da,  wo  sie  nicht  mit  fremden  Körpern  bedeckt 
sind,  wellenförmige  Querstreifen  und  dieselben  durchkreuzende  Zuwachs- 
streifen. Diese  Zuwachsstreifung  tritt  auf  der  Basis  sehr  deutlich  her- 
vor, welche  übrigens  dicht-concentrisch  gestreift  ist.  Der  Nabel  ist 
Üieils  von  der  Innenlippe  bedeckt,  theils  offen  und  enthält  im  letzte- 
ren Falle  an  seinen  Seitenwänden  gewöhnlich  einige  dünne  senkrechte 
Blätter,  welche  in  die  stärkeren,    spiralen  Anwachsstreifen  verlaufen. 

Häufig  im  Pariser,  im  Belgischen  und  Mecklenburger  Grobkalke 
und  im  Londonthone  Englands;  im  Kalke  von  Palermo  und  noch  le- 
bend im  Mittelmeere. 


350 


WEICIITHIERE. 


3.  G.  Rotella  Lam.  Rädelschnecke.  RculeUe.  Plychomphalus 

Ag.  und  Helicina  Lara,  bei  Sowerhy  z.  Th.  (rotella^ 
statt  rotula^  Rädchen.) 

Die  Rädelschnecken  sind  dem  Thiere  nach  echte  Trochi  und 
unterscheiden  sich  von  ihnen  nur  durch  eine  schwielige  Verdick- 
ung der  Spindelbasis,  welche  den  Nabel  gänzlich  bedeckt.  Ihre 
Form  ist  niedergedrückt  kugelig,  oder  kugelig-kreiselförmig ;  das 
Gewinde  kurz  und  niedergedrückt.  Sie  bewohnen  jetzt  nur  wär- 
mere Meere  und  sind  in  geringer  Zahl  auch  schon  in  älteren  For- 
mationen zu  finden. 

R.  (Helix)  heliciformis  Scliloth.,  Goldf.  III.  p.  102.  tb.  195. 
f.  7.  —  Hiernach  Taf.  XIV.  Fig.  25. 

Schaale  niedergedrückt- kugelig,  sehr  fein  gestreift,  mit  4  fast 
drehrunden,  schnell  zunehmenden  Windungen  und  kreisförmiger  Münd- 
ung.    Der  obere  Rand  der  Umgänge  ist  weit  übergreifend. 

Im  devonischen  Grauwackenkalke  von  Pfaffrath. 

R.  {Hei.)  expansa  Sow.  mit  R.  (H.)  solanoides  Sow.  M.  C, 
tb.  273.  —  Goldf.  III.  p.  102.  tb.  195.  f.  8.  9. 

Kugelig  -  kreiseiförmig,  fast  linsenförmig,  mit  feinen  Querlinien 
bedeckt.  Gewinde  niedrig,  aber  spitz.  Die  Umgänge  sind  an  ihrem 
Umfange  scharf-gekielt,  über  dem  Kiele  flach  concav,  unter  demsel- 
ben auf  dem  letzten  Umgange  gewölbt.  Die  Schwiele  ist  von  einer 
Furche  umgränzt. 

'  Im  Lias  von  Lyme-Regis,  Banz,  Boll  und  Frankreich. 

R.  Archiaciana  d'Orb.  {Pal  fr.  Terr,  er.  IL  p.  192.  tb.  178. 
f.  4 — 6.),  aus  der  unteren  chloritischen  Kreide  von  Mans  (Sarthe). 

4.  G.  Delphinula  Lam.,  d'Orb.  Lappenschnecke.  Dauphinule 

( delphinus ,  D elphin. ) 

Das  Thier  der  Delphinula  entspricht  nach  d'Orbigny  ganz 
dem  des  TrocJms^  wefshalb  auch  Deshayes  diese  Gattung  mit 
Trochus  vereinigen  will.  Sein  Deckel  ist  ebenfalls  hornig  und 
Spiral. 

Die  Schaale  ist  niedergedrückt  und  genabelt;  die  runde  Münd- 
ung hat  vereinigte  Ränder  und  einen  starken,  beim  Wachsthum 
der  Schaale  sich  öfters  erneuernden,  bisweilen  gefranzten  Mund- 
wulst. 

Nach  dieser  Restimmung  gehören  mehrere  der  Lamarck'schen 
Arten  theils  zu  Turbo  ^  theils  zu  Euomphalus. 

Nach  d'Orbigny  beginnt  diese  Gattung  zuerst  im  Lias  mit 
D.  laevigata  d'Orb.,    ist  im  Neocomien  durch   D.  Dupiana 


SCHNECKEN. 


351 


d'Orb.  (Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  209.  tb.  182.  f.  1—4.)  vertre- 
ten, findet  sich  noch  in  tertiären  Schicliten  und  bewohnt  jetzt  die 
wärmeren  Meere. 

t  5.  G.  Scoliostoma  Braun,  (oxoliug^  verdreht;  oiofia^ 

Mund.) 

Schaale  kegelförmig  mit  stielrunden  Umgängen,  von  welchen 
der  letzte  sich  mit  der  Mündung  seitwärts  nach  oben  richtet  und 
den  Nabel  bedeckt.  Die  Mündung  ist  ganzrandig,  fast  kreisrund 
und  hat  einen  wulstförmig  verdickten  Rand ,  wodurch  sich  diese 
Gattung  eng  an  Velphinula  anschliefst.     Einzige  Art: 

Sc.  Dannenbergi  Braun  in  L.  Br.  J.  1838.  p.  297.  tb.  2.  f.  B. 

Die  Schaale  erscheint  durch  feine  Längs-  und  Querstreifen  ge- 
gittert. 

Aus  silurischem  Grauwackenkalke  von  Wissenbach. 

t  6.  G.  Euomphalus  Sow.  Weitnabel  sehn  ecke,  (ei..., 

grofs;  dfKpalog^  Nabel.) 

Straparolus  Montf.  Helicites  Martin;  Schloth.  Wahlb. 
Trochilita  Schloth.  Wahlb.  Euomphalus  und  Cirrus  Aut. 
Maclurites  Lesueur,  Blainv.  Cirus  u.  Skenea  Fleming;  Tur- 
bo^ Omalaxis  und  Omalaxon  Desh.  Bifrontia  Desh.  So- 
larium Desh.  Blainv.  d'Orbigny  z.  Th.  Schitzostoma  Bronn; 
Centrifugus  His.  Ampullaria  und  Globulus  Sow.  Pleu- 
rotomarium  Fischer;  Spirorbis  Steininger;  Inachus  Hisinger 
z.  Th.;  Ecculiomphalus  Portlock,  Morris,  (de  Köninck.) 

Schaale  kreisrund,  niedergedrückt-kegelförmig  bis  scheiben- 
förmig, weit  genabelt;  Windungen  gewölbt  oder  eckig- niederge- 
drückt, mit  glatten  oder  gestreiften,  nie  gekerbten  inneren  Rän- 
dern; Mündung  eckig  oder  rundlich;  die  scharfe  Aufsenlippe  ist 
oberhalb  mit  einer  mehr  oder  weniger  tiefen  Bucht  versehen. 

Die  Euomphalen  sind  im  Grauwackengebirge  und  irn  Kohlen- 
kalke  am  häufigsten  und  sterben  in  der  Kreide  gänzlich  aus.  Hier 
werden  sie  schon  theilweise,  und  im  Tertiärgebirge,  sowie  in  der 
lebenden  Schöpfung,  gänzlich  durch  die  eigentlichen  Solarien  ver- 
treten, mit  welchen  d'Orbigny  die  Euomphalen  vereinigt. 

E.  catillus  Sow.  M.  C.  tb.  45.  f.  3.  4.  —  Schitzost.  cat. 
Br.  Leth.  p.  95.  tb.  3.  f.  10.  —  Goldf.  III.  p.  87.  tb.  191.  f.  6.  — 
de  Kon.  a.  a.  0.  p.  427.  tb.  24.  f.  10.  —  Taf.  XIV.  Fig.  22.  a.  b. 

„Scheibenförmig,  auf  beiden  Seiten  concav.  Die  4  Windungen 
nehmen  schnell  an  Dicke  zu.    Ihre  obere  und  untere  Fläche  ist  flach 


352 


WBICHTHIERB. 


convex  und  steigt  an  jeder  Seite  empor,  um  einen  erhabenen  Kiel 
zu  bilden,  so  dais  die  äufsere  convexe  Flache  zwischen  diesen  Kie- 
len eine  beträchtliche  Ausdehnung  erhält.  Die  gedrängten  Zuwachs- 
streifen sind  regelniäfsig  und  laufen  ohne  Unterbrechung  über  die  Kiele 
hinweg.  Bisweilen  machen  sich  auch  einige  schwache  Gürtelchen  be- 
merkbar." "Goldfufs. 

Im  Kohlengebirge  von  Falkenberg  in  der  Grafschaft  Glatz,  Ra- 
lingen, Derbyshire,  Buxton,  Yorkshire,  Vise  und  Lives. 

E.  pentangulatus  Sow.  M.  C.  th.  45.  f.  1.  2.  —  Er.  Leth. 
p.  94.  tb.  2.  f.  11.  —  de  Kon.  a.  a.  0.  p.  430.  tb.  24.  f.  9.  — 
Sch.  catillus  Fischer,  Oryct.  du  gouv.  de  Moscou^  tb.  49.  f.  3.  4.  — 
E.  quinquangulatus  Goldf.  III.  p.  87.  tb.  191.  f.  4. 

Umgänge  fast  fünfseitig,  mit  einer  vorspringenden  scharfen  Kante 
auf  der  oberen  Seite  und  einer  stumpfkantigen  unteren  Seite. 

Nach  Archiac  und  Verneuil  im  Kohlenkalke  von  Ratingen,  York- 
shire, Northumberland,  Dublin,  Vise,  Tournay,  Namur,  Sable,  an  der 
Dwina,  Fedotova  und  Miatchkova. 

E.  Serpula  de  Kon.  a.  a.  0.  p.  425.  tb.  23  his.  f.  8;  tb.  25. 

f.  5.  —  Hiernach  Taf.  XIV.  Fig.  23.  a.  b  Goldf.  III.  p.  86.  tb. 

191.  f.  1.  —  Serpularia  centrifuga  Römer,  Harzgeb.  p.  31.  tb.  8.  f.  13. 
—  E.  Baerii  Eichwald,  die  Urwelt  Rufslands  1.  p.  102.  tb.  4.  f.  10. 

Die  fast  in  einer  Ebene  liegenden,  mehr  oder  weniger  weit 
von  einander  abstehenden  Windungen  sind  drehrund  bis  quer  ellip- 
tisch, welcher  Form  auch  die  Mündung  entspricht. 

In  devonischem  Grauwackenkalke  von  Pfaffrath,  Villmar  und  bei 
Grund  im  Harze;  von  Herrn  Apotheker  Beinert  im  Kohlenkalke  von 
Ebersdorf  in  der  Grafschaft  Glatz  aufgefunden  und  im  Kohlengebirge 
von  Belgien,  Irland  und  in  Rufsland. 

7.  G.  Solarium  Lam.  Cadran.  (?  solarium^  Sonnenuhr.) 

Diese  der  vorigen  sehr  ähnliche  Gattung  besitzt,  nach  de 
Köninck,  einen  gekerbten  oder  gekörnten  Nabelrand,  und  einem 
oder  zweien  der  gekerbten  oder  gekörnten  Nabelwülste  entspre- 
chen 1 — 2  kleine  Spalten,  während  die  Aufsenlippe  der  Mündung, 
wie  es  bei  Euomphalus  der  Fall  ist,  niemals  ausgeraudet  ist. 
Die  Oberfläche  der  Solarien  ist  gewöhnlich  mit  Körnern  und  Kno- 
ten verziert. 

Das  Thier  gleicht  nach  d'Orbigny  dem  des  Trochus. 

Die  Existenz  der  Solarien  ist  von  der  Kreide  an  bis  in  die 
jetzige  Schöpfung  erwiesen. 


SCHNECKEN. 


353 


S.  decemcostatum  v.  Buch,  in  Karsten's  Archiv  1838.  Bd.  11. 
p.  316.  —  Reufs,  westl.  Böhm.  p.  208;  Böhm.  Kreideverst.  p.  48. 
tb.  10.  f.  12. 

„1-2 — 4'"  breit,  1 — 3'"  hoch,  kreisrund,  niedrig  kegelförmig, 
mit  4  runden,  gewölbten,  durch  eine  tiefe  Naht  getrennten  Umgängen. 
Sie  werden  von  10,  durch  sehr  feine  schräge  Längslinien  gekörnte, 
erhabene  Querstreifen  bedeckt.  Basis  mäfsig  gewölbt,  durch  eine 
Kante  von  der  oberen  Fläche  gesondert,  sonst  mit  schwachen,  nicht 
gekörnten  Spiralstreifen  geziert.  Nabel  klein,  gezähnt.  Mündung  schief, 
vierseitig-rundlich." 

In  den  Pyropenlagern  von  Trziblitz  und  Meronitz;  im  Pläner- 
mergel  von  Luschitz,  Priesen,  Wollenitz  in  Böhmen;  und,  wenn  Turbo 
sulcifer  Römer,  Kr.  p.  81.  tb.  12.  f.  1.  dazu  gehört,  auch  im  Kreide- 
mergel bei  Ilseburg. 

S.  plicatum  Lam.,  Desh.  Coq.  de  Par.  IL  p.  219.  tb.  24.  f. 
1fr — 18.  —  Sow.  Min.  Conch.  tb.  524.  f.  4 — 6.  —  Br.  Leih.  p. 
1039.  —  Taf.  XIV.  Fig.  20  (nach  Desh.). 

Schaale  niedergedrückt,  mit  fast  ebenen,  durch  eine  vertiefte 
Naht  getrennten  Umgängen,  mit  ungleichen  Querstreifen  bedeckt,  welche 
durch  Längslinien  durchkreuzt  und  gekörnelt  werden.  Die  Basis  ist 
gewölbt  und  stöfst  mit  einer  Kante  an  den  letzten  Umgang  an,  der 
weite  Nabel  ist  mit  einer  vorstehenden  gekerbten  Kante  umringt. 

Häufig  im  Pariser  Grobkalke,  im  Londonthone  von  Barton,  auch 
in  der  Ukraine. 

S.  disjunctum  Lam.  —  Taf.  XIV.  Fig.  21.  a.  b.  —  Nach 
Deshayes,  Coq.  de  Par.  II.  p.  223.  tb.  26.  f.  21.  22.  (Bifrontia  dis- 
juncta). 

Scheibenförmig,  glatt,  von  beiden  Seiten  zusammengedrückt, 
oberhalb  eben,  unterhalb  convex  und  tief  genabelt.  Nabel  mit  schar- 
fem einfachem  Rande  umgeben.  Von  den  übrigen  Umgängen  ist 
der  letzte  getrennt.  Dieser  ist  am  Rande  gekielt  und  die  kleine 
Mündung  ist  schief  dreieckig. 

Im  Pariser  Grobkalke. 

8.  G.  Orbis  Lea.  (orbis^  Kreis.) 

Unterscheidet  sich  nach  Bronn  von  der  vorigen  Gattung  durch 
seine  viereckige,  nicht  ausgerandete  Mündung  und  einen  ungekerb- 
ten Nabelrand. 

0.  rot  eil  a  Lea,  Br.  Leth.  p.  1040.  tb.  40.  f.  39. 

Im  Grobkalke  von  Alabama  und  im  Tegel-Gebilde  von  Arapatak 
in  Siebenbürgen. 

Geiuitz,  Versteiuerungskunde,  23 


354 


WBICHTIIIERE. 


\       9.  Farn.    Maliotidae  d'Orlb. 

Das  Thier  der  Haliotiden,  welches  oft  so  grafs  ist,  dafs  es 
sich  nicht  in  sein  Gehäuse  zurückziehen  kann,,  hat  einen  breiten 
eiförmigen  Fufs,  einen  sehr  deutlichen  Kopf,  welcher  vorn  an  der 
äufseren  Seite  der  kegelförmigen  Fühler  gestielte  Augen  trägt.  Ein 
Deckel  fehlt  oder  ist  nur  angedeutet.  Die  Kiemen  bilden  regel- 
mäfsige,  fast  gleiche  Kämme.  Der  Mantel  ist  entweder  ausge- 
zackt oder  dem  Spalte  oder  den  Löchern  der  Schaale  gegenüber 
durchbohrt,  so  dafs  das  Thier  durch  diese  Oeffnung  hindurch  be- 
quem athmen  kann. 

Schaale  kreiseiförmig  oder  ohrförmig  gewunden,  allermeist 
perlmutterartig  und  oft  an  der  Mündung  mit  Löchern  oder  mit  ei- 
nem Spalte  oder  einem  tiefen  Sinus  versehen. 

1.  G.  Stomatia  (Stomatia  und  Stomaiella)  Lam.  (ctto/mcc, 

Mund.) 

Schaale  länglich,  eiförmig,  ohrförmig,  undurchbohrt;  ihr  Ge- 
winde besteht  aus  wenigen  sehr  niedergedrückten  Umgängen.  Die 
ganzrandige  Mündung  ist  sehr  breit  gezogen  und  hat  eine  scharfe 
Aufsenlippe.  Das  Thier  nähert  sich  durch  seine  inneren  Anhäng- 
sel im  Grunde  der  Fühler  sehr  dem  des  Turbo,  unterscheidet  sich 
aber  von  ihm  schon  durch  den  Mangel  der  Fäden  am  Fufse. 

Jetzt  bewohnen  die  Stomatien  warme  Meere,  und  d'Orbigny 
lehrte  in  der 

St.  aspera  d'Orb.  (Pal.  fr.  Terr.  er.  IL  p.  237.  tb.  188.  f. 
4 — 7.),  aus  der  unteren  chloritischen  Kreide  bei  Cognac,  die  erste 
fossile  Art  dieser  Gattung  kennen. 

t  2.  G.  Pleurotomaria  Defrance.  Spaltschnecke.  Scissu- 
rella  d'Orb.  Cirrus,  Euomphalus ^  Schizostoma  Aut. 
z.  Th.  {nltvQov^  Rippe;  To/naQtov^  kleiner  Schnitt.) 

Schaale  kegel-  bis  niedergedrückt -kreiseiförmig,  mehr  oder 
weniger  deutlich  genabelt.  Mündung  verschieden;  Spindel  einfach; 
Aufsenlippe  scharf,  mit  einem  längeren  oder  kürzeren  Spalte  ver- 
sehen, welchem  die  Zuwachsstreifung  der  Schaale  entspricht. 

Schon  die  ältesten  Meeresbildungen,  namentlich  die  devoni- 
sche Grauwacke  und  der  Kohlenkalk,  umhüllen  zahlreiche  Fleuro- 
toraarien;  im  Oolithen-  und  Kreidegebirge  sind  sie  sehr  häufig, 
mit  den  älteren  tertiären  Gebilden  aber  verlassen  sie  für  immer 
den  Schauplatz  der  thierischen  Schöpfungen. 


SCHNECKEN. 


355 


PI.  (Helicites)  delphinuloides  Schloth.  —  Helix  cirrifor- 
mis  Sow.  M.  C.  tb.  175.  /*.  4  —  6.  —  Schiz.  Delpk.  Goldf.  III.  p. 
78.  tb.  188.  f.  3.  —  Hiernach  Taf.  XIV.  Fig.  24.  —  ?  de  Kon.  a. 
a.  0.  p.  377.  tb.  36.  f.  4.   —  Ptychomphalus  cirr.  Ag. 

Schaale  kreiseiförmig,  mit  6  —  7  drehrunden  oder  etwas  nieder- 
gedrückten Windungen  und  zahlreichen  feinen  Zuwachsstreifen.  Zwei 
schmale  Querkiele  begränzen  an  der  Peripherie  der  Umgänge  ein  brei- 
tes flaches  Band,  auf  welchem  durch  einen  rückwärts  laufenden  Si- 
nus der  Zuwachsstreifen  der  Spalt  oder  vielmehr  die  tiefe  Bucht  der 
Aufsenlippe  bezeichnet  wird.  Unter  demselben  erhebt  sich  nicht  sel- 
ten auf  der  letzten  Mündung  noch  ein  dritter  Kiel. 

In  devonischer  Grauwacke  von  Pfafi'rath,  im  Kohlenkalke  von 
Ratingen,  Tournay  nnd  Derbyshire. 

PL  neocomiensis  d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er.  p.  240.  tb.  188. 
f.  8 — 12.  —  Cirrus  depressus  Sow.,  Gein.  Char.  p.  47.  tb.  14.  f. 
8.    —    Taf.  XV.  Fig.  5.  6. 

Schaale  kreiseiförmig,  bald  mit  höherem  Gewinde,  bald  nieder- 
gedrückt, im  Umfange  der  gewölbten  Basis  stumpfkantig,  überall  durch 
scharf  hervortretende  concentrische  und  Zuwachs-Linien  netzförmig  ge- 
körnelt.  Die  Windungen  sind  stark  gewölbt,  durch  eine  tiefe  Naht 
von  einander  getrennt  und  zeigen  oberhalb  ihrer  Mitte  die  schmale 
Spaltdecke.  Mündung  quer-eiförmig;  Nabel  tief  und  weit.  Die  Stein- 
kerne sind  mehr  oder  weniger  glatt. 

Im  Neocomien  des  Pariser  und  mittelländischen  Beckens;  im  un- 
teren Pläner  von  Plauen  bei  Dresden  und  im  Tunnel  bei  Oberau. 

PI.  depressa  Mant.  und  PI.  perspectiva  Mant.  z.  Th.  {Geol. 
of  Süss.  tb.  18.  —  Cirrus  persp.  und  C.  depressus  Sow.  M.  C.  tb. 
428.)  würde  ich  wegen  der  Convexität  ihrer  Windungen,  der  tiefen 
Naht  und  der  quer-eiförmigen  Mündung  am  liebsten  mit  PL  neocomien- 
sis vereinigen,  wenn  nicht  die  Exemplare  aus  dem  Plänerkalke  von 
Strehlen  und  aus  der  Kreide  von  England  immer  fast  glatt  wären 
und,  aufser  feinen  Querstreifen,  fast  nur  an  der  Basis  schwache  Längs- 
streifen zeigten.  Sie  werden  gewöhnlich  zu  der  folgenden  Art  ge- 
zogen. 

PL  (Trochus)  linearis  Mant.  G.  S.  p.  110.  tb.  18.  f.  17. 
—  PL  perspectiva  Mant.  z.  Th.  —  PL  distincta  Duj.,  Rom.  Kr.  p. 
82.  —  Gein.  Char.  p.  46.  tb.  13.  f.  8;  tb.  15.  f.  18.  19.  —  Goldf. 
III.  p.  75.  tb.  187.  f.  1.  —  Hiernach  Taf.  XV.  Fig.  1.  —  PL  persp. 
d'Orb.  PaL  fr.  Terr.  er.  II.  p.  255.  tb.  196. 

Bei  einer  kreiseiförmigen  Gestalt  besteht  diese  Art  aus  5  —  6 
in  der  Mitte ,  am  unteren  und  am  Nabel-Rande  gekanteten  Umgängen, 

23* 


356 


WEICHTIIIERE. 


welche  mit  dichten  Querlinien  (etwa  20)  bedeckt  sind,  die  durch  al- 
lermeist feine  Zuwachslinien  gekörnelt  werden.  Die  Schaale  dacht 
sich  von  dem  mittleren  Kiele  nach  dem  unteren,  sowie  auch  nach 
der  Naht  hin,  ziemlich  eben  ab.  Die  Basis  ist  flach  gewölbt;  die 
Mündung  fast  fünfseitig;  der  Nabel  tief  und  enger  als  bei  der  vori- 
gen Art.  Die  schmale  Spaltdecke  liegt  auf  dem  mittleren  Kiele  der 
Windungen. 

Diese  Art  variirt  in  ihrer  Höhe ,  durch  geringere  Schärfe  des 
unteren  Randes  und  des  mittleren  Kieles  (in  welchem  Falle  sie  der 
PL  neocomiensis  ähnelt),  gröfsere  oder  geringere  Zahl  ihrer  Querlinien 
und  deutlicheres  Hervortreten  der  Zuwachsstreifen.  Ich  glaube  nicht, 
dafs  PI.  velata  und  PI.  disticha  Goldf. ,  PI.  granulifera  und  PI.  plana 
Mün.  (Goldf.  III.  p.  76.  tb.  187.  f.  2.  5.  3.  4.),  sowie  PI.  Mailleana 
d'Orb.  und  PI.  formosa  Leymerie  (d'Orb.  Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  253. 
259.  tb.  195.  199.  f.  1.  2.)  von  PL  linearis  getrennt  werden  können. 

Im  Plänerkalke  von  Sachsen,  Böhmen  und  Schlesien  (Oppeln) 
und  im  Chalkmarl  von  England;  in  chloritischer  Kreide  von  Haldem, 
Coesfeld,  Lemförde  und  an  vielen  Orten  in  Frankreich. 

PL  seriato  -  granulata  Goldf.  III.  p.  75.  tb.  186.  f.  10.  — 
PL  secans  d'Orb.  PaL  fr.  Terr.  er.  II.  p.  261.  tb.  200.  f.  1  —  4.  — 
Reufs,  böhm.  Kr.  p.  47.  tb.  10.  f.  8.  —  Taf.  XV.  Fig.  2  (von  unten). 

Sie  unterscheidet  sich  von  PL  linearis  durch  viel  dickere  und 
entferntere  Querstreifen  und  Zuwachsstreifen,  welche  letzteren  auf  der 
Basis  fehlen,  und  durch  einen  weiteren  Nabel. 

Im  unteren  Quader  von  Böhmen  (Postelberg,  Laun  u.  a.  0.); 
in  der  chloritischen  Kreide  von  Cognac. 

PL  gigantea  Sow.  bei  Fitton ,  oiser».  etc.  tb.  14.  f.  14.  — ■ 
Rom.  Kr.  p.  82.  —  Gein.  Nachtrag  zur  Char.  p.  10.  tb.  5.  f.  5.  — 
Goldf.  III.  p.  77.  tb.  187.  f.  6.   —  Taf.  XV.  Fig.  3.  4.  a.  b. 

Schaale  conisch-kreiselförmig,  mit  etwa  6,  im  Durchschnitte  fast 
dreiseiligen  Umgängen,  die  an  ihrer  Basis  gekielt  sind.  Die  schmale 
Spaltdecke  liegt  über  der  Mitte  der  Windungen^  und  die  letzteren 
steigen  oberhalb  des  Spaltes  sanft  geneigt  nach  der  wenig  vertieften 
Naht  empor,  und  fallen  unterhalb  desselben  eben  oder  schwach  con- 
cav  nach  dem  Kiele  herab.  Die  ganze  Oberfläche  ist  unregelmäfsig, 
aber  dicht  quer-linirt,  und  sämmtliche  Linien  werden  durch  feinere  oder 
gröbere  Zuwachslinien  feiner  odfer  gröber  gekörnelt.  Der  Nabel  ist 
tief,  aber  ziemlich  eng.  Steinkerne  haben  in  der  Mitte  der  Wind- 
ungen eine  breite  Rinne,  welche  unmittelbar  in  der  Spaltgegend  am 
tiefsten  ist  und  sich  nach  unten  allmählich  verflachL 

Im  Hilsthon  des  Elligser  Brinkes;  im  unteren  Grünsand  von  Eng- 


SCHNECKEN. 


357 


laiid;  im  unteren  Pläner  von  Plauen  bei  Dresden ,  und  in  den  diesem 
entsprechenden  Conglomeaischichlen  von  Janegg  bei  Teplitz;  in  der 
Umgegend  von  Aachen.  d'Orbigny  beschreibt  einige  Arten  aus  dem 
Neocomien,  PL  Robinaldi  {Pal.  fr.  Terr.  er.  II.  p.  243.  tb.  190.  f.  5 — 8.), 
PL  Lahayesi  u.  PL  simplex  (PaL  fr.  Terr.  er.  II.  p.  251.  tb.  193  y 
p.  252.  tb.  194.)  aus  der  chloritischen  Kreide  Frankreichs,  welche 
der  PL  gigantea  identisch  zu  sein  scheinen. 

PL  (Troehus)  sublaevis  Gein.  Char.  p.  73. — •  Reufs,  westl. 
Böhm.  p.  209;  Böhm.  Kreidev.  p.  47.  tb.  10.  f.  9;  tb.  12.  f.  10.  — 
Taf.  XIV.  Fig.  19. 

Diese  kleine  Art  ist  häufig  im  Plänermergel  und  in  den  Grana- 
tenlagern  von  Böhmen. 

t  3.  G.  Catantostoma  Sandberger.  (xMTwvr?/^,  bergab; 
oTO/iia^  Mund.) 

Die  Schaale  dieser  Gattung  hat  die  Form  und  den  verwach- 
senen Spalt  der  Pleurotomarien,  unterscheidet  sich  aber  von  ih- 
nen durch  die  Beschaffenheit  des  letzten  Umganges,  der  sich  in 
seinem  letzten  Drittheile  mit  einer  plötzlichen  Wendung  herabbiegt, 
und,  indem  er  seine  Aufsenlippe  einrollt  und  dadurch  verdickt, 
eine  lang  ovale,  schief  auf  der  Achse  liegende  Mündung  bildet. 
(Goldfufs.) 

Die  einzige  Art  ist; 

C.   clathratum  Sandb.    in   L.   Br.  J.  1842.  p.  392.  tb.  10.  f. 
7.   —   Hiernach  Taf.  XV.  Fig.  7.  —  Goldf.  III.  p.  78.  tb.  188.  f.  2. 
Aus  devonischem  Kalkmergel  von  Villmar. 

f  4.  G.  Murchisonia  Archiac  und  Verneuil.  Melania^  Turri- 
tella^  Cerühium.,  Schizostoma^   Pleiirotoma Pleiiroto- 
maria  Aut. 

Schaale  thurmförmig,  meist  eckig  oder  knotig;  Mündung  läng- 
lich, oval  oder,  ähnlich  dem  Cerithium^  an  der  Basis  mit  einem 
abgestumpften  kurzen  Canale  versehen;  Aufsenlippe  mit  einem  ähn- 
lichen Spalte  wie  Pleurotomaria.  Die  Murchisonien  sind,  nach  de 
Köninck,  thurmförmige  Pleurotomarien  und  nähern  sich  durch  ihre 
allgemeine  Form  den  Turritellen  und  Cerithien,  mit  denen  sie  so 
häufig  auch  verwechselt  worden  sind. 

'  Nur  einige  Arten  dieser  Gattung  kommen  in  silurischer  Grau- 
wacke  vor,  die  übrigen  gehören  alle  der  devonischen  und  dem 
Kohlenkalke  an. 


358 


WEICHTHIERE. 


M.   subsulcata   de  Kon.  a.  a.  0.   p.  416.   tb.  38.    f.  4.  — 
Hiernach  Taf.  XIV.  Fig.  5. 

Aus  dem  Kohlenkaike  von  Vise. 

M.  {Rostellaria)  angulata  Phill.,  de  Kon.  a.  a  0.  p.  412. 
Ib.  38.  f.  8;  tb.  40.  f.  8. 

Thurmförmig,  mit  etwa  8,  in  der  Mitte  gekielten  Umgängen, 
auf  deren  Oberfläche  sich  bisweilen  noch  2 — 6  kleine  Querkiele  zei- 
gen, welche  in  gleicher  Entfernung  von  einander  liegen.  Mündung 
fast  dreieckig. 

In  devonischer  Grauwacke  von  Brushford  und  Petherwin  in  Eng- 
land und  Pfaffrath;  im  Kohlenkalke  von  ßolland  und  Vise. 

M.  V erneuiliana  de  Kon.  a.  a.  0.  p.  414.  tb.  38.  f.  5.  — 
31.  angulata  Arch.  u.  Vern.  —  Goldf.  III.  p.  25.  tb.  172.  f.  5. 

Sie  unterscheidet  sich  von  der  vorigen  durch  einen  doppelten 
Kiel  in  der  Mitte,  und  ist  übrigens  glatt. 

Im  devonischen  Eifelkalke  und  im  Kohlenkaike  von  Vise. 

M.  Hercynica  Rom.  Harzgeb.  p.  29.  tb.  8.  f.  4. 

Sie  hat  den  doppelten  Kiel  der  vorigen  und  aufserdem  die  schwäche- 
ren Kiele  von  M.  angulata,  die  aber  hier  nicht  in  regelmäfsiger  Ent- 
fernung stehen. 

t  5.  G.  Porcellia  Leveille.  (Nauiilus  und  Bellerophon  Aut.) 

Scliaale  scheibenförmig,  sehr  niedergedrückt,  fast  symme- 
trisch (ammonitenartig) ,  weit  genabelt,  mit  einander  berührenden 
Umgängen,  einer  ovalen  oder  fast  fünfseitigen  Mündung,  und  ei- 
ner scharfen,  in  der  Mitte  gespaltenen  Aufsenlippe. 

Die  Lage' des  engen  Spaltes  in  der  Mitte  des  Rückens  der 
fast  symmetrischen  Schaale  unterscheidet  diese  Gattung  von  den 
Pleurotomarien.  Dieser  Spalt  ist,  wie  bei  diesen,  nur  vorn  olFen, 
übrigens  aber  bedeckt. 

Wohl  mit  grofsem  Rechte  daher  stellt  de  Köninck  (a.  a. 
0.  p.  358.)  diese  Gattung,  sowie  auch  die  ihr  ganz  ähnliche, 
doch  enger  genabelte  und  ganz  symmetrische  Gattung  B eller o- 
phon  (s.  p.  258.)  in  die  Familie  der  Haliotideu. 

Die  Porcellien  kommen  nur  in  devonischer  Grauwacke  und 
in  der  Kohlenformation  vor ,  und  de  Köninck  beschreibt  3  Arten 
derselben  aus  diesen  Schichten,  Vielehen  Münster  (Beitr.  5.  p.  61.) 
noch  eine  vierte  aus  dem  Eifelkalke  hinzufügte. 

f  6.  G.  Ditremaria  (früher  Rimulus)  d'Orb.  (diä,  durch; 
TQfj(.ia^  Loch.) 

Schaale  kreiseiförmig,  trichterförmig  genabelt,  mit  einer  breit 


SCHNECKEN. 


359 


ausgerandeten  Mündung,  von  welcher  sich  ein  schmaler  Theil  bis 
in  die  Spitze  des  Nabels  eniporzielit.  Die  Schaale  wird  von  ei- 
ner ovalen  AthmungsöfTnung  durchbrochen,  welche  in  einiger  Ent- 
fernung von  der  Aufsenlippe  ist. 

Alle  Arten  kommen  im  Lias  und  in  der  Wealdenformation 
vor  (d'Orb.  Pal.  fr.  Tetr.  er.  IL  p.  277.) 

t  7.  G.  Cirrus  Sow.  d'Orb.  (^cirrus,  Haarlocke,  Ranke.) 

Schaale  kegel-  bis  niedergedrückt  kreiseiförmig,  mit  runden 
Umgängen  und  ganzrandiger  runder  Mündung,  und  langen,  äufser- 
lich  theils  offenen,  theils  verschlossenen  Athmungsröhren  versehen, 
welche  auf  dem  letzten  Umgange  vertheilt  liegen. 

C.  Leachii  Sow.  {M.  C.  tb.  219.),  aus  dem  unteren  Oolith 
von  Dundry,  ist  der  Typus  für  diese  Gattung. 

C.  armatus  de  Kon.  (a.  a.  0.  p.  443.  tb.  24.  f.  13.)  kommt 
im  Kohlenkalke  von  Vise  vor. 

8.  G.  Haliotis  L.  Seeohr.  (aXiog,  vom  Meere; 
ovg^  Ohr.) 

Schaale  flach  ohrförmig,  mit  einer  sehr  weiten  Mündung  und 
einer  Reihe  von  Athmungslöchern ,  welche  sich  nach  dem  kurzen 
Gewinde  hin  an  einander  reihen  und  von  denen  nur  die  vorderen 
Olfen  sind. 

Diese  Schnecken  hef